Drei auf einen Streich – Audio-Technica AT2035-Studio

Der japanische Mikrofon- und Kopfhörerspezialist Audio-Technica ist eine Kooperation mit dem Interface-Hersteller Audient eingegangen. Ergebnis ist das Recording Bundle AT2035-Studio mit tollen Features zu einem Preis, der Freude aufkommen lässt.

Von Christian Stede

Das Essential Studio Kit ist eine all in one Recording-Lösung für das Heimstudio, zu dem Audient sein beliebtes Interface iD4 beigesteuert hat. Die UVP dieses Bundles liegt bei knapp unter 400 Euro, womit sich gegenüber der Summe der Einzelpreise mehr als 100 Euro sparen lassen. Audio-Technica selbst packt in das Paket sein Großmembran-Kondensatormikrofon AT-2035 und den Studio-Kopfhörer ATH-40x bei. Abgerundet wird das Bundle mit einem umfangreichen Download-Softwarepaket der Firmen Eventide, Steinberg, LANDR und Producertech, das allein schon einen Wert von  540 Euro repräsentiert.

Auspacken und loslegen

Der Lieferumfang lässt also wirklich nichts zu wünschen übrig: Passend zum Mikrofon AT-2035 ist noch ein Trageetui und eine Spinne dabei. Der Kopfhörer kommt mit vergoldetem 6,3mm-Adapter sowie zwei unterschiedlichen Kabeln, einer 1,3m Spiral- und einer 3m langen geraden Ausführung. Auch an ein symmetrisches XLR-Kabel zum Anschluss des Mikrofons haben die Produktmanager gedacht. Neben einem Eingang als Line/Mic-Kombination mit zuschaltbarer Phantomspeisung stellt das iD4 auf der Vorderseite noch einen DI-Eingang für Instrumente mit hoher Impedanz bereit.

Widmen wir uns dem Equipment der Reihe nach: Das AT-2035 ist ein Großmembran-Mikrofon mit Nierencharakteristik und ausgestattet mit einem Trittschallfilter sowie einem -10dB Schalter. Die 48V-Phantomspeisung, die man für den Betrieb benötigt, liefert das Audient-Interface iD4.

Audio-Technica AT2035-Studio, AT-2035

Das klassische Großmembran-Mikrofon AT-2035 wird inklusive Spinne geliefert. Die Richtcharakteristik ist Niere. Ein Pad-Schalter zum Absenken des Pegels und ein 80Hz- High Pass Filter sind ebenfalls vorhanden.

Klein, aber oho

Das Audient iD4 ist mit zwei analogen Eingängen ausgestattet, davon einer als Mic/Line-Kombination und einem DI-Eingang als 6,3mm Klinke. Beide lassen sich parallel betreiben, etwa, wenn man Gitarre und Gesang gleichzeitig aufnehmen möchte. Die beiden Main-Ausgänge zu den Monitoren lassen sich per Knopfdruck stummschalten, so dass das Signal nur noch aus dem Kopfhörer-Ausgang kommt, was für Gesangsaufnahmen ebenfalls praktisch ist. Das einzige kleine Manko ist, dass es nur einen Lautstärkeregler für Monitor- und Kopfhörerausgang gibt, man unter Umständen also leicht nachregeln muss.

Audio-Technica AT2035-Studio, Audient iD4

Das Audient iD4 USB-Interface bietet die Möglichkeit, Gesang und Instrument gleichzeitig aufzunehmen. Der große Drehregler dient auch zur DAW-Steuerung.

Der „iD4“ bezeichnete Knopf ermöglicht es, das „Volume“-Rad zu benutzen, um auf dem aktiven Bildschirm nach oben oder unten zu scrollen, was bei umfangreichen DAW-Projekten ganz nützlich sein kann. Ein einmaliger Druck auf das Volume-Rad bewirkt, dass das Signal mit einem Mal um -10dB leiser wird.

Mit der Installation des Treibers kommt ein kleines Control Panel zum Vorschein, mit dem man die Latenzzeit, Buffer-Größe und Sample-Rate festlegen kann. Das Audient iD4 unterstützt Sampleraten bis von 44,1 bis 96kHz.

Der „Input-DAW“ Drehregler des iD4 steuert den Anteil von Direct-Monitoring und dem Signal, das aus dem Rechner zurückkommt, die beiden Analog-Eingänge sind jeweils nochmal extra mit einem Gain-Regler versehen. Der Drucktaster für die 48V-Phantomspeisung liegt an der Rückseite des Interfaces. Was in dieser Preisklasse keine Selbstverständlichkeit ist: Das Gehäuse ist komplett aus Metall.

Die Schnittstelle zur DAW

Das Audient iD4-Interface musste nicht nur bei der Recording-Anwendung, sondern auch im Messlabor auf den Prüfstand. Dort lieferte er durch die Bank sehr gute Messwerte.

Der Empfindlichkeitsbereich des Mikrofoneingangs setzt ein bei -40,4 dBu, der des Instrumenten-DIs bei -20,2 dBu, die maximalen Eingangsspannungen lagen jenseits von Gut und Böse. Der maximale Ausgangspegel betrug +8,2dBu, die Phantomspannung 45,4V, also gerade noch im grünen Bereich. Die Geräuschspannungsabstände von 71,2 dBu (Mic) und 78,1 dBu (DI) sind für ein Gerät in dieser Preisklasse wirklich top, ebenso die Fremdspannungsabstände: 69,4 dBu (Mic) und 74,3 (DI), alle Werte bezogen auf +4 dBu. Die FFT-Kurve zeigt eine Klirrdämpfung von -70dB, das geht so mehr als in Ordnung.

Das Set im Praxistest

Zuerst wollten wir wissen, wie sich die Wandler im Zusammenspiel mit der Software „Guitar Rig“ von Native Instruments schlagen. Sowohl angecrunchte als auch cleane Sounds gab das iD4 sauber wieder, auch bei obertonreicheren Verzerrungen gab es keine Probleme mit der Klangqualität.

Auch bei komplett synthetischen Sounds wie aus dem erst kürzlich upgedateten Reason 10 zeigte das Audient iD4, was es kann. Die Analog-Bässe kamen mit ordentlichem Druck aus den Boxen, die Hip-Hop-Beats aus dem Loop-Player „Dr.Rex“ ebenfalls.

Um das Gesamtpaket zu testen, luden wir die „Cubase SE“ Version aus dem mitgelieferten Software-Paket herunter. Wem die Profi-Version dieses DAW-Klassikers zu hoch gegriffen ist, ist mit diesem Einstiegsmodell auf der sicheren Seite. Im Grunde bietet auch „Cubase LE“ alles, was man für die Musikproduktion zuhause benötigt.

Im ersten Test-Projekt wollten wir uns ein Bild von der Qualität des Mikrofon-Vorverstärkers des Audient iD4 machen. Beim Test diente das AT-2035 , montiert auf die Mikrofonspinne zur Aufnahme von Bossa Nova-Percussions, weiblichem und männlichem Gesang sowie zur Abnahme eines Gitarrenverstärkers und eines akustischen Klaviers.

Die Percussions wurden schön knackig und mit dem nötigen Punch aufgezeichnet. Insbesondere der Klang der Toms kam schön profund rüber. Bei den Vocals drängte sich der Eindruck auf, dass das AT-2035 für weibliche Stimmen grundsätzlich etwas besser geeignet ist, da tiefer Männergesang manchmal etwas dunkel klingt und etwas an Farbigkeit vermissen lässt. Doch angesichts des günstigen Preises kann man dieses kleine Manko auch sehr gut verschmerzen. Hier sollte jeder Sänger für sich entscheiden, ob er den Klang des AT-2035 als passend empfindet.

Vor dem Gitarrenamp machte das AT-2035 jedenfalls eine sehr gute Figur. Es zeigte sich äußerst pegelfest und fing die Powerchords mit kräftigem Fundament auf. Auch am Klavier überzeuge das Mikrofon mit klarem Klang, ohne die Töne verschwimmen oder „leiern“ zu lassen.

Wie es sich für einen Studio-Kopfhörer gehört, besitzt der ATH-40x eine geschlossenen Bauweise, die dynamischen Treiber haben einen Durchmesser von 40mm und sind mit Neodym-Magneten bestückt. Die Ohrmuscheln sind um 90 Grad dreh- und auch nach innen schwenkbar, was manchmal allerdings auch zu einer ungewollten Verdrehung führt. Solange es beim Aufsetzen nicht auf die Sekunde ankommt, kann man damit leben. Zum Monitoren eignet er sich aber ganz hervorragend, der Klang ist transparent und eher etwas präsent ausgelegt. Am Tragekomfort gibt es überhaupt nichts auszusetzen, der Kopfhörer fühlt sich leicht an, man spürt ihn nach kurzer Zeit gar nicht mehr.. Das 1,2 Meter Spiralkabel verursacht keine Störgeräusche und sollte für die meisten Anwendungen lang genug sein. Ein 3 Meter Kabel ist ja ebenfalls noch dabei, beim Wechsel muss man darauf achten, den Stecker in den Hörer fest hineinzudrehen, wodurch ein versehentliches Abziehen ausgeschlossen ist. Eine weiße Kennlinie zeigt die korrekte Position an.

Audio-Technica AT2035-Studio, ATH-40X

Der Studio-Kopfhörer ATH-40x kommt mit zwei Kabeln in unterschiedlicher Ausführung und dem obligatorischen 6,3mm-Adapter. Er zeichnet sich durch ein transparentes Klangbild aus.

Die Gesangsaufnahme mit dem AT-2035 zeichnete sich durch hohen Detailreichtum und niedriges Rauschen aus. Der Klang ist eher als warm denn als analytisch zu bezeichnen. Gerade für weibliche Soul-Vocals eine sehr gute Variante, aber auch Musiker anderer Stilrichtungen kann der Klang überzeugen.

Nimmt man akustische Instrumente durch den Mikrofoneingang auf, erhält man ebenfalls ein warmes und ausgewogenes Klangbild. Klänge von Becken oder Tamburin fehlt es mitunter etwas an Präsenz, aber tieferen Tonlagen wie den oben erwähnten Toms gibt es rein gar nichts zu beanstanden.

Wie schon beim Text des Line-Eingangs erwähnt, zeigt das iD4 auch hier keine Schwächen. Die Gitarre klingt auch über das „Guitar Rig“ VST-Plug-in noch kraftvoll, auch hier klingen die Höhen nicht zu spitz, dafür aber die tieferen Töne umso runder. Der ATH-40x erweist sich mit seinem hohen Tragekomfort und transparentem Klang als guter Begleiter der Mixing- und Monitoring-Session.

Audio-Technica AT2035-Studio

Zu dem Komplett-Paket gehört auch noch ein Softwarebundle inkl. Steinbergs Cubase LE im Wert von rund 540 Euro.

Fazit

Das AT-2035-Studio vereint gleich drei absolut studiotaugliche Komponenten in einem Set.  Wer entweder den Einstieg ins Homerecording sucht oder seine Ambitionen ausbauen möchte, liegt mit diesem Bundle garantiert richtig.  Das AT2035 Mikrofon ist zu Recht ein Dauerbrenner seiner Preisklasse, der ATH-40x bequem genug für lange Aufnahmesessions und das Audient iD4 ein zuverlässiges USB-Interface. Abgerundet wird das Bundle durch ein umfangreiches Software-Paket, das den Einstieg in die Welt der DAWs erleichtert. Eine klare Empfehlung.

Erschienen in Professional audio 12/2017

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