Der Heilbronner Hersteller beyerdynamic genießt unter Producern, Engineers und Musikern einen hervorragenden Ruf. Dieser ist, neben einer soliden Verarbeitungsqualität „Made in Germany“, vor allem durch einen großartigen Klang der hauseigenen Produkte begründet. Autor Stefan Hofmann hat sich die Kopfhörer aus der neuen PRO X Serie genauer angesehen.

VON STEFAN HOFMANN

Obwohl der Sommer 2021 bereits im August entschied, sich lieber nach Herbst anzufühlen, zeigen sich die Blätter der Bäume erst seit ein paar Wochen in schönen orangen Tönen. Passend dazu brachte mir der Postbote ein großes Paket, das vier schwarze Boxen mit einer orangefarbenen Schärpe enthielt. Gespannt studierte ich die Bilder auf der schicken Kartonverpackung. Zwei Kopfhörer und zwei Mikrofone, die der Schriftzug „PRO X“ vereinte, lagen nun vor mir auf dem Studiotisch. Da ein einziger Testbericht der neuen PRO X Serie von beyerdynamic nicht gerecht würde, entschieden wir uns, die vier Produkte, nach Produktgattung sortiert, auf zwei Ausgaben zu verteilen. In dieser Ausgabe zeigen wir Ihnen die beiden neuen Kopfhörermodelle DT 700 PRO X (geschlossen) und DT 900 PRO X (offen).

Erster Eindruck und Lieferumfang
Bei beyerdynamic-Produkten stimmt nicht nur die Qualität der Gerätschaften, sondern auch das Verpackungsdesign. Oft vergessen, möchte ich hiermit den Verpackungsdesignern ein extra Lob zukommen lassen. Ich denke, vielen Technikbegeisterten geht es wie mir. Wenn ich ein neues Produkt kaufe, das mich bei meiner liebsten Beschäftigung die nächsten Jahre oder Jahrzehnte begleiten wird, freue ich mich nicht nur auf das gemeinsame Arbeiten, sondern auch auf das Auspacken. Und diese Kopfhörer lassen sich wirklich hervorragend auspacken! Nach dem Öffnen der stabilen Kartonverpackung leuchtete mir der Satz „create the amazing“ entgegen, der über den Kopfhörern auf dem Cover einer kleinen faltbaren Info-Broschüre in großen Lettern sichtbar wurde. Motiviert machte ich mich an das weitere Auspacken – ja, ich liebe meinen Job – und zog an dem kleinen Kopfhörerhalter aus Karton, der mich durch die Aufschrift „Pull“ dazu animierte etwas fester zu ziehen und so das Zubehör und weiteres Infomaterial samt Aufklebern freizusetzen. Im Lieferumfang enthalten sind:

1 x gerades Kabel (Mini-XLR, 3 m)
1 x gerades Kabel (Mini-XLR; 1,8 m)
2 x schraubbare Adapter auf 6,35-mm-Klinke
1 x Transporttasche

Die Ziffer 7 kennzeichnet bei beyerdynamic stets Kopfhörer der geschlossenen Bauweise.

Verarbeitungsqualität
Die Verarbeitungsqualität der Kopfhörer aus der beyerdynamic PRO X Serie ist hervorragend. Solide Gehäusedeckel schützen die verbaute Elektronik samt eigens entwickeltem STELLAR.45 Treiber. Die weiterentwickelten und wechselbaren Ohrpolster sorgen einerseits für einen tollen Tragekomfort, der auch längere Hörsessions ohne einen unangenehmen Druck ermöglicht und bieten andererseits auch genug Platz für größere Ohren. Die Gehäusedeckel sind an stabilen Metallelementen fixiert und über die gerasterte Höhenverstellung mit dem Kopfbügel verbunden. Dieser ist flexibel, passt sich also an jede Kopfform spielend an und sorgt in Kombination mit den bequemen Ohrpolstern für einen Tragekomfort, der keinerlei Kritik zulässt. Das verbaute Kopfband am Kopfbügel ist übrigens wechselbar. Besonders überzeugt hat mich das schlichte, edle Design. So passt das in schickem Schwarz gehaltene Gehäuse zu jeder Art Anzügen – egal ob mit dem Zusatz „Jogging“ oder aus edler Seide gefertigt.

Anschlussseitig zeigen sich beide Kopfhörer eher spartanisch, da sie nur über eine einseitige Kabelführung verfügen (links). Hier befindet sich ein Mini-XLR-Anschluss, der, sobald eines der beiden mitgelieferten Kabel verbunden wird, einrastet. Per Knopfdruck an der Anschlussbuchse des Kabels kann dieser auch schnell wieder entriegelt werden. Am anderen Ende der ebenfalls hervorragend verarbeiteten Klangleiter befindet sich je ein 3-poliger Stereoklinkenstecker (3,5 mm). Zwei schraubbare Adapter auf 6,35-mm-Klinke sind ebenfalls im Lieferumfang enthalten.

Die Ziffer 9 hingegen steht für die offenen Kopfhörer.

Ein Überblick
Wie bereits erwähnt handelt es sich bei den beiden Kopfhörermodellen DT 700 PRO X und DT 900 PRO X um je einen geschlossenen beziehungsweise offenen Kopfhörer. Funfact am Rande für alle, die vor ihren Musikerkollegen angeben wollen: Die Ziffer 7 steht beim Heilbronner Hersteller immer für Closed-Back-Varianten, während die 9 Open-Back-Headphones kennzeichnet. Sowohl der DT 700 PRO X als auch der DT 900 PRO X werden mit dem neu entwickelten und im Firmensitz gefertigten STELLAR.45 Treiber ausgestattet.

Dieser ist vor allem eines: Leistungsstark. Beide Kopfhörervarianten gibt es „nur“ in der 48-Ohm-Version, im Unterschied zu beispielsweise dem DT 770 PRO. Mit dem neuen STELLAR.45 Treiber hat es beyerdynamic geschafft, einen „lauteren“ Treiber im Vergleich zu seinen Vorgängern zu entwickeln, der an allen Endgeräten, egal ob Smartphone, Audio-Interface oder Laptop hervorragend performt. Zudem wurde der Klang so weit optimiert, dass einfach keine weiteren Impedanz-Varianten notwendig sind. Das liegt einerseits am verbauten Neodym-Magneten und andererseits an der kupferbeschichteten Verdrahtung. In Kombination mit der neuen Drei-Layer-Lautsprechermembran, inklusive integriertem Dämpfungs-Layer, hat beyerdynamic hier ein Monster erschaffen. Spaß beiseite, der STELLAR.45 ist ein toll klingender Treiber, der auch bei höheren Lautstärken verzerrungsfrei arbeitet.

Im Innern des Ohrhörers die neue Drei-Layer-Membran und der neu entwickelte STELLAR.45 Treiber.

Übrigens: Viele der verbauten Komponenten kommen aus Süddeutschland und werden im Firmenhauptsitz in Heilbronn zusammengesetzt – teils sogar in Handarbeit. Auch die Produktentwicklung findet dort statt.

Der DT 700 PRO X und der DT 900 PRO X in der Praxis
Besonders für mobile Anwendungen ist eine gute Abschirmung in beide Richtungen wichtig. Denn laute Umgebungsgeräusche sind genauso nervig wie ein Sitznachbar in der Bahn, der sich über zu laute Musik beschwert. Aufgrund der Over-Ear-Bauweise und der dicken Ohrpolster, sind beide Kopfhörer gut abgedämpft.

Der beyerdynamic DT 700 PRO X ist für mobile Anwendungen besser geeignet, da er als geschlossener Kopfhörer daherkommt. Somit passt er auch perfekt in den Aufnahmeraum, auf Bühnen oder in jedes Streaming- oder Podcast-Studio. Diese Bauweise hat eine bessere Abschirmung zur Folge, jedoch leidet die räumliche Darstellung etwas.

Die geschlossene Bauweise qualifziert den beyerdynamic DT 700 PRO X für mobile Anwendungen und die Nutzung im Aufnahmeraum.

Der in offener Bauweise hergestellte DT 900 PRO X ist in Bezug auf die räumliche Darstellung der geschlossenen Variante überlegen, weswegen sich dieses Modell perfekt fürs Mixing und Mastering eignet. Zudem ist die Luftzufuhr zum Ohr besser, was den Komfort vor allem bei längeren Hör-Sessions erhöht. Aufgrund der Schlitze im Gehäuse ist die Abschirmung jedoch nicht so gut, weswegen sich der Kopfhörer weniger für unterwegs oder den Aufnahmeraum eignet.

Klang
Nach einer angemessenen Einbrennphase von mehreren Nächten Dauerbetrieb wurde sowohl der beyerdynamic DT 700 PRO X als auch der beyerdynamic DT 900 PRO X mit verschiedenen Abspielgeräten wie Digital Audio Playern, Laptops und Smartphones getestet. Als Haupt-Interface kam das Antelope Audio ZEN GO Synergy Core zum Einsatz. Um ein Gefühl für die Kopfhörer zu bekommen, hörte ich zuerst meine über die Jahre gesammelten Referenztracks aus unterschiedlichen Genres. Anschließend öffnete ich meine letzten Mixe, um auch hier einmal reinzuhören.

Eines vorweg: Beide Kopfhörer überzeugen durch eine detailreiche und präzise Wiedergabe des Audiomaterials. Wegen der geschlossenen Bauweise zeigt sich der beyerdynamic DT 700 PRO X etwas druckvoller im Bassbereich als sein offener Kollege.

Doch verstehen Sie mich nicht falsch, beide Varianten liefern definierte, druckvolle Bässe, die nicht zu mächtig daherkommen und andere Frequenzbereiche plattbügeln. Gleichzeitig wird hier jedoch auch nichts unnötig überbetont. Post Malones Song „WOW“, einer meiner Referenztracks in Bezug auf den Bassbereich, überzeugte auf beiden Headphones durch einen hervorragend aufgelösten Bassbereich, der genug Raum für andere Instrumentengruppen, insbesondere die Stimme, ließ. Damit gehen übrigens auch eine knackige Impulswiedergabe und tolle Dynamik einher.

Bei der Abbildung der Räumlichkeit überzeugte mich der offene DT 900 PRO X mehr. Das zeigte sich besonders in dem sphärischen Song „How To Dissapear Completely“ von Radiohead. Die hohen Frequenzanteile, die beispielsweise die Hi-Hats abbilden, sind bei beiden Varianten weder überbetont noch zu reduziert, was ich sehr begrüße. Alles in allem klingen die Kopfhörer ausgewogen, neutral und detailreich. Hervorzuheben ist auch, dass die Treiber, trotz hoher Lautstärken, nicht zerren. Seien Sie gerade deswegen vorsichtig und prüfen Sie regelmäßig den Abhörpegel, um Schäden am Ohr vorzubeugen.

Die Abbildung der Räumlichkeit gehört ob der offenen Bauweise zu den Stärken des beyerdynamic DT 900 PRO X. Er eignet sich besonders für Mixing und Mastering.

Beim Checken meiner Mixe zeigte sich vor allem der DT 900 PRO X als wahres Arbeitstier. Die tolle räumliche Darstellung gepaart mit der umfangreichen, natürlich klingenden Frequenzabbildung ermöglichte das Klanggeschehen während des Mixing-Prozesses zuverlässig einschätzen zu können. Natürlich dauert es seine Zeit, bis sich das Ohr hundertprozentig an einen neuen Kopfhörer gewöhnt hat, weswegen ich nicht jedem Kopfhörermodell die Zeit geben würde, sich in stundenlangen Mix-Sessions zu beweisen. Den DT 900 PRO X würde ich jedoch ohne mit der Wimper zu zucken in mein Studio aufnehmen und viel Zeit mit ihm verbringen.

Klanglich überzeugen beide Modelle. Jeder Kopfhörer klingt, seiner Bauweise entsprechend, hervorragend. Ich würde jedem potentiellen Käufer dazu raten, beide Kopfhörer probezuhören.

 

Fazit
beyerdynamic ist es gelungen, zwei neue Kopfhörermodelle auf den Markt zu bringen, die in Kombination ein Rundum-sorglos-Paket für alle Studiobetreiber, Homerecorder, Podcaster, Musiker und Streamer ergeben. Während sich der geschlossene DT 700 PRO X besser für Recording-Sessions und mobile Anwendungen eignet, zeigt der DT 900 PRO X unter anderem durch eine bessere räumliche Wiedergabe beim Mixing und Mastering seine Stärke. Die Verarbeitungsqualität ist über jeden Zweifel erhaben und dank des hervorragenden Tragekomforts, der auch auf die neuentwickelten und noch bequemeren Ohrpolster zurückzuführen ist, ist längeres Hören problemlos möglich. Verzerrungsfrei, neutral und druckvoll – die Kopfhörer der beyerdynamic PRO X Serie lassen wenig Raum für Kritik. Bei vielen Tontechnikbegeisterten dürften wohl beide Versionen auf dem diesjährigen Weihnachtswunschzettel stehen.

Dieser Test ist erschienen in Professional audio Ausgabe 11/21

 

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