MIKROFONE FÜR CREATOR

Vor kurzem stellte der Heilbronner Hersteller beyerdynamic die neue PRO X Serie vor, die sich aus zwei Kopfhörern und zwei Mikrofonen zusammensetzt. In der letzten Ausgabe gab es bereits einen ausführlichen Testbericht zu den beiden Headphones-Modellen. Autor Stefan Hofmann hat sich nun die Mikrofone aus der PRO X Serie genauer angehört.

VON STEFAN HOFMANN

Produkte von beyerdynamic sind weltweit in unzähligen Tonstudios vertreten. Zum einen liegt das an der hervorragenden Verarbeitungs- und Klangqualität der hauseigenen Produkte, zum anderen bewegt sich der Hersteller so gut es geht am Puls der Zeit. So schafft es beyerdynamic bereits seit Jahrzehnten professionelle Produkte zu entwickeln, die qualitativ und optisch den Zeitgeist treffen.

So richten sich die Produkte der neuen PRO X Serie in erster Linie nicht nur an Musiker, sondern an moderne Creator aller Sparten, die für ihre Projekte keine klanglichen Kompromisse eingehen möchten. Die beiden Mikrofone der Serie, namentlich das dynamische M 70 PRO X und das Echt-Kondensatormikrofon M 90 PRO X, sind speziell auf ihren jeweiligen Anwendungsbereich abgestimmt und zudem sehr flexibel einsetzbar.

Erster Eindruck und Lieferumfang
In Bezug auf die Verpackung überraschte mich beyerdynamic zwar nicht so sehr wie bei den Kopfhörern der PRO X Serie samt integriertem Pull-Mechanismus, jedoch ist sie durchaus schön anzusehen – und vor allem platzsparend ausgelegt. So hat jedes der im Lieferumfang enthaltenen Produkte einen festen Platz, wobei der große Pop-Schutz mit Arm ganz unten platziert wurde und somit die Größe des Kartons voll ausnutzen kann.

Übrigens: Ganz im Sinne der Nachhaltigkeit bestehen die Verpackungen komplett aus recyclebarem Karton und Papier. Das gibt schon einmal einen grünen Daumen nach oben. Der Lieferumfang ist bei beiden Mikros gleich:

1 x Mikrofonspinne
1 x Pop-Filter mit Schwanenhals
1 x Transporttasche
1 x Bedienungsanleitung

Optisch überzeugen beide Produkte durch ein modernes und gleichzeitig zeitloses Design. Die in schwarz gehaltenen Mikrofone passen optisch perfekt in jedes Studio.

 

Beide Mikrofone werden mit einer passenden Mikrofonspinne und einem Pop-Schutz ausgeliefert. Die Einsprechrichtung ist unterschiedlich.

 

Verarbeitungsqualität
Die Verarbeitungsqualität der Produkte aus dem Hause beyerdynamic ist durchweg hervorragend. Das dürfte für die Entwickler des Herstellers Fluch und Segen zugleich sein. So gilt es bei neuen Produkten zum einen eine hohe Qualität der Materialien und Verarbeitung zu gewährleisten und zum anderen den preislichen Rahmen der Zielgruppe einzuhalten. Bei den Mikrofonen der PRO X Serie ist den Heilbronnern beides gelungen.

Das hochwertige Aluminiumgehäuse in Kombination mit einem robusten und festen Stahlgewebe ist bruchsicher, schützt die Mikrofonkapsel vor Gewalteinwirkungen und sorgt zudem für ein geringes Gewicht von ±300 Gramm. Einer Verwendung der beiden Schallwandler an einem Stativ oder Mikrofonarm steht also nichts im Wege.

Nachhaltigkeit ist das Wort der Stunde. Doch Nachhaltigkeit bezieht sich nicht nur auf die verwendeten Materialien, Verpackungen oder Lieferwege, sondern auch auf die Langlebigkeit eines Produktes. Die Robustheit der Mikrofone in Kombination mit einer tollen Verarbeitung dürften für eine lange Lebensdauer sorgen. Übrigens können bei Bedarf Bauteile wie beispielsweise Kapsel, Platine, Stecker oder Gehäuseteile repariert beziehungsweise ersetzt werden. Das ist heutzutage leider nicht der Normalfall bei Produkten aus dem Techniksektor.

Ein Überblick
Wie bereits erwähnt setzt sich die Mikrofonabteilung der PRO X Serie aus einem dynamischen Mikrofon und einem Echt-Kondensatormikrofon mit Nierencharakteristik zusammen, die mit jeweils ca. 300 Gramm ziemlich leicht daherkommen. Beide Mikrofone werden mit modernsten, hochwertigsten Komponenten produziert. Das elektroakustische Design ist eine Neuentwicklung seitens beyerdynamic.
Für das M 90 PRO X wurde sogar die komplette Elektronik neu entwickelt und auf die Kapsel abgestimmt. Das sorgt unter anderem für eine hohe maximale Schalldruckgrenze. Zudem wurde die Verstärkerschaltung von Grund auf neu interpretiert. Ein präziser Spannungsregler sowie ein rauscharmer Operationsverstärker sorgen für eine tolle Klarheit und Wärme.

 

Bei den neuen Mikrofonen der PRO X Serie handelt sich um ein Großmembran-Kondensatormikrofon und einen dynamischen Schallwandler.

 

Das M 70 PRO X wurde für das Broadcasting, Streaming und Podcasting entwickelt, während das M 90 PRO X seine Stärken bei der Aufnahme von Instrumenten und Gesang ausspielen kann. Das zeigt sich auch im Übertragungsbereich der beiden Mikros. So erfasst das M 90 PRO X Frequenzen in einem Bereich von 20 Hz bis 20 kHz und das M 70 PRO X von 50 Hz bis 18 kHz. Der Klang des M 70 PRO X wurde zudem für die Aufnahme von Sprache optimiert. Der wesentliche Unterschied der beiden Schallwandler liegt in der technischen Funktionsweise, jedoch gibt es auch noch weitere kleine, aber feine Verschiedenheiten.

Das dynamische M 70 PRO X ist beispielsweise etwas schwerer und verfügt über ein leicht abgewandeltes Gehäuse. Das hat unter anderem damit zu tun, dass sich im Gegensatz zum M 90 PRO X die Einsprechrichtung oben befindet und nicht vorne. Daraus ergibt sich zudem, dass das Mikro Umgebungsgeräusche wie Raumhall und Tastaturklackern besser ausblendet als das M 90 PRO X, im Vergleich jedoch über weniger Detailreichtum verfügt. Das M 90 PRO X ist ein echter Allrounder, wenn es um Instrumenten- und Gesangs- beziehungsweise Voice-Over-Aufnahmen geht. Das Großmembranmikrofon verfügt über eine breiteren Aufnahmebereich als das M 70 PRO X und lässt so auch Bewegungen vor dem Mikro zu.

Das M 70 PRO X und das M 90 PRO X in der Praxis
Beide Mikrofone verfügen über eine sehr gute Ausstattung. So werden nervender Köperschall, Handgeräusche oder andere störende (Bedien-)Geräusche dank einer tollen Zusammenarbeit der mitgelieferten Spinne und der internen Kapselaufhängung sehr gut reduziert, was sich besonders im praktischen Gebrauch zeigt. Zudem sorgt die Spinne auch noch für einen sicheren Halt. Der integrierte High-Density-Schaumstoff und der enthaltene Pop-Filter eliminieren Plosivlaute und schützen vor Staub.

Das M 70 PRO X wird, dank der straffen Haltegummis der Mikrofonspinne und seines geringen Gewichtes, auch seitlich perfekt in der Waage gehalten. Eine Nutzung ohne die Spinne ist nicht vorgesehen, weswegen Besitzer beider Mikrofone diese nicht verlegen sollten. Der Pop-Filter erfüllt seinen Job, ich persönlich bin aber eher ein Fan von Pop-Filtern, die direkt an der Mikrofonspinne befestigt werden können.

 

Das M 70 PRO X bietet durchsetzungsfähigen, sprachoptimierten Klang, ideal für zB. Podcasts.

 

Klang
Bevor wir zu den Unterschieden der beiden Mikros kommen, eines vorweg: Beide Schallwandler liefern ein sehr rauscharmes und verzerrungsfreies Signal. Zudem ist das Signal-Rausch-Verhältnis ziemlich gut. Diese beiden wichtigen Aspekte sorgen für gute Signale auf der Festplatte. Für den Praxistest verwendete ich die beiden Mikros in zwei unterschiedlichen Setups. Setup 1 setzte sich aus dem Antelope Audio Zen Go Synergy Core in Kombination mit einem Mac-Book Pro (Mid 2014) und Logic Pro X zusammen. Bei Setup 2 kam der Tascam Mixcast 4 zum Einsatz, den ich zufälligerweise gerade für einen Testbericht im Studio zur Verfügung hatte – der ebenfalls in dieser Ausgabe zu finden ist. Als Abhöre setzte ich auf die Neumann KH 120, die mich schon seit vielen Jahren begleiten und die beiden Kopfhörer aus der PRO X Serie, die ich seit dem Test für die letzte Ausgabe bei mir im Studio im Dauereinsatz habe.

Seitens des Herstellers wurde der Nahbesprechungseffekt des M 70 PRO X abgestimmt, was zur Folge hat, dass das Mikro nie wirklich dumpf klingt. Im Gegenteil: Beide Mikrofone zeigen sich klar und natürlich, wobei das M 90 PRO X insgesamt etwas wärmer und detailreicher klingt, dafür aber auch mehr von der Umgebung auf das Signal packt als das M 70 PRO X. Gleichzeitig sorgt es für einen voluminöseren Klang und eine tolle Durchsetzungsfähigkeit. Besonders bei Gesangs- und Sprecheraufnahmen spielte das Mikrofon seine Stärken aus und lieferte detailreiche Aufnahmen voller Wärme. Betrieben wird das Großmembraner per 48 Volt Phantomspeisung, wobei auch eine geringere Speisung mit 24 Volt funktioniert.

 

Das M 90 PRO X liefert natürlichen, warmen Sound und eignet sich hervorragend zur Aufnahme von Gesang und Instrumenten.

 

Das M 70 PRO X wurde wie bereits erwähnt für Sprachaufnahmen optimiert. Dieses Klangbild wurde im Praxistest bestätigt. So kommt der Frequenzbereich zwischen 1 kHz und 4 kHz, der auch für die Sprachverständlichkeit zuständig ist, schon ohne weitere Bearbeitung durchaus prominent daher. Das sorgt für einen sehr präsenten Klang bei Sprachaufnahmen, Podcasts oder Live-Streams. Jedoch ist das Klangbild keineswegs scharf oder überpräsent. Anwender mit weniger Erfahrung in der Audionachbearbeitung bekommen mit dem M 70 PRO X ein Mikro an die Hand, das auch ohne den Einsatz von EQs oder einem De-Esser einen mehr als brauchbaren und klaren Sprechersound liefert. Jedoch sollte das Mikrofon recht nah besprochen werden. Aufgrund seiner Bauweise überzeugt das Mikrofon durch seine Robustheit und Schalldruckfestigkeit.

Würde ich heutzutage einen Podcast starten, würde ich mir ein spezialisiertes Mischpult wie das Tascam Mixcast 4, zwei beyerdynamic M 70 PRO X für die Sprache und zwei M 90 PRO X für mögliche musikalische Einlagen zulegen. Träumen wird man ja wohl noch dürfen.

 

 

 

Fazit

Mit der PRO X Serie ist es beyerdynamic gelungen eine Produktreihe zu entwickeln, die den Zeitgeist trifft. Das dynamische M 70 PRO X sorgt, dank der direkten Einsprechrichtung, für reduzierte Umgebungsgeräusche und eignet sich, auch durch den für Sprachaufnahmen optimierten Klang, perfekt für Streamer und Podcaster. Das M 90 PRO X ist ein Echt-Kondensatormikrofon, das Anwendern eine tolle Klangqualität mit einer hohen Flexibilität bereitstellt. Mit etwas mehr Detailreichtum als bei seinem Kollegen und einem voluminösen Klang eignet sich der Schallwandler perfekt für die Aufnahme von Instrumenten und Gesang beziehungsweise Voice-Overs. Beide Mikros im Paket ergeben ein preisgünstiges Rundum-sorglos-Paket für alle Musiker, Streamer und Podcaster.

Den kompletten Test inklusive aller Bilder und Tabellen lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von Professional audio 12/2021.

Bitte teilen Sie diesen Beitrag