Phonic macht mobil

Es ist kompakt, es lässt sich aus der Ferne bedienen, es ist gleichermaßen für Live und Studio geeignet und trumpft seiner kompakten Maße zum Trotz mit einer Vielzahl an Features auf, die ansonsten nur in den großen Vertretern seiner Art zu finden sind: Vorhang auf für das Phonic Acapela 16 Digital-Mischpult.

Von Georg Berger

Dass sich Tablet-PCs – vornehmlich das iPad von Apple – bereits kurz nach seiner Einführung in den Tonstudio- und MI-Markt fest etabliert haben, dürfte eine Binsenweisheit sein. Eine Vielzahl an Instrumenten, Sequenzern und Effekt-Emulationen tummeln sich seitdem für diese Plattform auf dem Markt und auch die eine oder andere Kontroll-App zum Fernsteuern von Hardware ist uns bereits über den Weg gelaufen. So lassen sich etwa die StudioLive-Pulte von Presonus via iPad-App fernsteuern, ebenso wie Behringers X32-Konsole, Yamahas Premium-Großkonsolen der CL-Serie besitzen auf der Oberfläche sogar einen fest reservierten Platz für die Ablage des Tablets und auch Phonic offerierte seinerzeit für seine IS16-Konsole bereits eine Applikation zum Fernsteuern via Tablet-Rechner (Test in Heft 7/2013). Wieso also nicht die Mischpult-Hardware noch enger an Tablet-PCs binden, indem man die Steuerung des Pults gezielt und ausschließlich über den Mobil-Rechner realisiert? Das spart Kosten und Konstruktionsaufwand, da man sich Fader, Drehregler, Anzeigen und dergleichen sparen kann. Der Pro-Audio-Hersteller Mackie hat mit seinem DL 1608 Pult als erster solch ein Pult-Konzept vorgestellt. Phonic zog mit dem Modell Acapela 16 vor einiger Zeit gleich und stellte seine Interpretation eines Tablet-PC-gesteuerten Mischpults vor. Beide Pulte besitzen 16 Kanalzüge und umfangreiche Möglichkeiten zum Einstellen derselben, inklusive Aux-Wege und Subgruppen, alles natürlich via Tablet zu steuern und zu routen.

Unterschiede finden sich zuvorderst im Verkaufspreis. Während Phonic eine unverbindliche Preisempfehlung von knapp 1.100 Euro für das Acapela 16 nennt, ist das Mackie-Pendant rund 300 Euro teurer. Die Anzahl an physikalischen Ausspielwegen ist verschieden und das Mackie-Pult gestattet sogar den Einsatz von bis zu zehn iPads gleichzeitig, sodass sich Musiker auf der Bühne oder im Studio direkt selbst ihren Mix für Boden-Monitor oder Kopfhörer zurechtschustern können. Dafür erlaubt das Acapela 16 als zusätzliche Option die Steuerung des Pults via Maus und Computer-Monitor, sollte das Tablet nicht zur Hand sein. Überdies ist die kostenlose Acapela 16 App nicht nur für Apple iPad, sondern seit kurzem auch für Android-Tablets verfügbar, was das Pult für Besitzer dieser PCs ungleich attraktiver macht. Abseits dessen und soviel sei schon jetzt verraten, trumpft das Acapela 16 mit der gleichen Funktionstiefe und (virtuellen) Ausstattung wie sein großer Bruder IS16 auf. Kein Wunder, denn auch im Acapela werkeln, ebenso wie im großen Bruder, gleich acht DSPs, die zum Berechnen der vielen Studio-Effekte und Signalführungen dienen, weshalb keinerlei Abstriche gemacht wurden. Musste beim großen IS-Pult die drahtlose Verbindung übrigens noch über einen separaten Dongle erfolgen, ist der WiFi-Adapter im Acapela 16 bereits schon fest integriert. Doch eins nach dem anderen.

Mit rund drei Kilo ist das Acapela 16 schon ein Leichtgewicht. Es vermittelt aber trotz oder gerade aufgrund des zumeist aus dickem Kunststoff bestehenden Gehäuses Robustheit. Es ist rund vier Zentimeter breiter als ein Apple iPad und etwas weniger tief als eine aufgeschlagene Professional audio Ausgabe. Grob geschätzt würde ein analoges Pult mit diesen Dimensionen lediglich acht bis zwölf Kanäle besitzen. Dort wo ansonsten Fader und eine Reihe von Drehreglern sitzen sollten, herrscht im Acapela 16 gähnende Leere beziehungsweise ein hochklapp- und herausnehmbarer Kunststoffrahmen, in den sich der Tablet-Rechner einsetzen und mittels beigelegter Kunststoff-Winkel fest darin verankern lässt. Am Kopf der Oberseite finden sich zwölf XLR- und vier Combo-Eingänge, direkt darunter 16 Drehregler zum Einpegeln der Eingänge, die von jeweils einer Peak-LED und einem -20 dB-Pad-Schalter begleitet werden. Rechts oben sind noch die zwei Haupt-Ausgänge in XLR, eine Klinkenbuchse zum Anschluss des Kopfhörers, nebst Lautstärkeregler eingelassen.
Der Rest der Anschlüsse versammelt sich auf der Stirnseite.

Der Reigen beginnt auf der linken Seite mit dem Netzgeräte-Anschluss nebst Schalter, gefolgt von einer VGA-Buchse zum Anschluss eines Computer-Monitors. Als nächstes finden sich zwei USB-Buchsen vom Typ B, an die sich eine Computer-Maus sowie ein USB-Stick zum Abspeichern von Settings und zum Aufspielen von Firmware-Updates anschließen lassen. Die Ethernet-Buchse dient zum Verbinden mit einem kabelgebundenen WLan-Router, um das Pult bei Bedarf darüber mit dem Tablet in Verbindung treten zu lassen. Hinter der USB Typ-A-Buchse werkelt ein zweikanaliges Audio-Interface, das bis maximal 48 Kilohertz bei 24 Bit wandelt. Es sendet über die (virtuellen) Kanäle 17 und 18 beliebig bestimmbare Kanäle aus dem Pult und führt darüber auch zwei Kanäle ins Pult, die auf gleiche Weise wie die physikalischen Eingänge editierbar und auf die verschiedenen Summen-Schienen verteilbar sind. Zum Mitschneiden von Live-Performances oder für Homerecordler reicht das allemal.
Ganz rechts sind sechs Klinkenbuchsen integriert. Zwei führen ein separates Control-Room-Stereosignal aus dem Pult, wobei diese Summenschiene mit dem Kopfhörerausgang verkoppelt ist. Die anderen vier sogenannten Multi-Outputs können beliebige, per App bestimmbare Signale aus dem Pult leiten, seien es Subgruppen, Aux-Wege, Channelstrips oder das Ausgangssignal der beiden integrierten Effekt-Prozessoren.

Im Vergleich zum großen Bruder IS16 zeigt sich das Acapela in Sachen Anschlüsse sehr überschaubar. Es kommt ohne digitale Schnittstellen aus, es gibt keine Inserts und an einen Mehrkanal-Betrieb des integrierten Audio-Interface ist auch nicht zu denken. Das Acapela ist ganz schnörkellos als kompakte Mixer-Lösung für XLR-Junkies ausgelegt. Dafür sind übrigens auch rund 700 Euro weniger zu bezahlen als für das IS16.
Keine Abstriche gibt’s hingegen in Sachen Steuerung und (virtueller) Kanalzug-Ausstattung. Hier wie dort verfügt jeder Kanalzug über einen Vier-Band-Equalizer, je vier Dynamik-Effekte und ein Delay für den Laufzeit-Ausgleich. Umfangreiche Routingmöglichkeiten auf je vier Aux-Wege und Subgruppen sowie zwei Multi-Effekt-Prozessoren komplettieren die Ausstattung.
Bemerkenswert: Logischerweise ist der Umfang an Einstellmöglichkeiten in der Acapela-App ungleich größer als im IS-Pendant, das lediglich die wichtigsten Parameter aus der Ferne einstellen lässt.
Zentraler Dialog in der Acapela-App sind die beiden Fader-Bänke zu je acht Kanälen, über die sich alle weiteren Menüs und Dialoge bequem erreichen lassen. Ebenso wichtig ist die obere Leiste, die als ständiges Element in allen Dialogen sichtbar ist. Zum einen sind dort in Form von Thumbnails Meter-Anzeigen zu sehen, die separat in Ein- und Ausgänge aufgeteilt und diese wiederum in mehrere einzelne Blöcke aufgegliedert sind. Was dort im Einzelnen zu sehen ist, klärt die Bezeichnung direkt darunter. Beide Elemente – Anzeige und Bezeichnung – fungieren als Schaltfläche. Klickt man auf die Anzeige, zeigt sich eine Faderbank, klickt man hingegen auf die Bezeichnung öffnet sich der Kanalzug-Editor, in dem sich auf einen Schlag die Studio-Effekte, das Panorama, das Routing wahlweise auf eine der vier Subgruppen, die Mastersumme sowie das anteilige Abzweigen auf die vier Aux-Wege einstellen lässt, ganz so wie im integrierten Display des IS16. Sehr schön: Ebenso wie beim großen IS-Pult kann auch im Acapela die Reihenfolge der Studio-Effekte im Kanalzug bestimmt werden. Ganz rechts ist der Fader des gerade ausgewählten Kanalzugs zu sehen. Wer einen anderen Kanal über diesen Dialog editieren möchte, braucht lediglich die Pfeiltasten oberhalb des Faders zu bemühen. Eine Alternative bietet sich in der Faderbank-Ansicht: Über Pfeiltasten in der linken Spalte können verschiedene Parameter in die Displays der Kanalzüge oberhalb der On(Mute)- und Solo-Tasten aufgerufen und teils direkt dort eingestellt werden, etwa das Umkehren der Phase oder der Panpot. Andere Parameter zeigen einen neuen Dialog, der auf einen Schlag die Einstellung für alle Kanäle erlaubt, etwa das separate Aktivieren der Phantomspannung, das direkte Editieren der Studio-Effekte oder das Zuweisen der Kanäle auf die Subgruppen und die Aux-Wege. Alles in allem bietet sich eine umfangreiche Ausstattung, die man einem Mischpult-Winzling wie dem Acapela auf den ersten Blick nicht zutraut. Die Einarbeitung in die App und die Möglichkeiten des Pults sind nicht zuletzt aufgrund der übersichtlichen Gliederung der Software im Test rasch erfasst und das trotz der enormen Vielfalt an verfügbaren Parametern.

Mit diesen auffallend häufigen Parallelen und Gleichständen zum großen IS16-Pult sind wir gespannt, ob auch die Ergebnisse im obligatorischen Meßtest deckungsgleich sind. Das Ergebnis ist eindeutig: Im Schnitt liegt das Acapela 16 in fast allen Messungen rund drei Dezibel schlechter als der große Bruder. Insgesamt sind dies aber immer noch sehr ordentliche bis sehr gute Resultate. Der Noisefloor liegt unterhalb -90 Dezibel und ist ohne Fehl und Tadel. Da rüttelt selbst die kleine Spitze bei k2 nicht dran. Fremd- und Geräuschspannungen liegen zwischen 71 und 73 Dezibel an den Mikrofon-Eingängen und sind rund 10 Dezibel besser an den Combo-/Line-Eingängen, was immer noch in Ordnung geht. Selbst der Klirrfaktor ist mit 0,03 Prozent immer noch sehr gut. Einzig die Messung der Gleichtaktunterdrückung enttäuscht etwas. Der Kurvenverlauf beginnt im Bass bei -55 Dezibel, um ab 70 Hertz auf rund -62 Dezibel abzufallen und konstant dort zu bleiben. Kabellängen bis zehn Meter sollten da trotzdem keine Probleme bereiten.

Doch Messergebnisse sind das eine, der Klang das andere. Doch bevor wir für unseren Hörtest dem Pult etwas einspeisen können, ist zunächst die drahtlose Verbindung zwischen Tablet-PC und Pult erforderlich. Das Prozedere ist zwar denkbar einfach. Es gilt zunächst, am Tablet eine dezidierte Netzwerk-Verbindung mit dem Acapela herzustellen und anschließend in der Acapela-App die IP-Adresse, Benutzername und Kennwort einzugeben. Um diese Angaben zu erhalten, müssen wir als erstes Computer-Monitor und Maus ans Pult anschließen und das Netzwerk-Menü aufrufen, um die erforderlichen Angaben zu erhalten. Soweit so gut. Doch anfangs weigern sich Tablet, in unserem Fall das Apple iPad, und Pult beharrlich miteinander zu kommunizieren. Wir probieren verschiedene IP-Adressen aus und wechseln auch den WLan-Kanal, was aber erfolglos bleibt. Erst als wir das WLan-Protokoll im iPad von WPA auf WPA2 ändern, haben wir diese Hürde überwunden. Dafür müssten wir eigentlich einen Punktabzug in Sachen Bedienkomfort vornehmen. Doch in diesem Fall ist das nicht die Schuld des Acapela, sondern liegt an den Einstellungen des iPad. Also: Wer eventuell einmal vor dem gleichen Problem steht, sollte als erstes das Protokoll ändern, bevor er Hand an die IP-Adresse legt. Nachdem dies erledigt ist, koppeln wir Maus und Monitor vom Pult ab und bedienen das Acapela 16 fortan ausschließlich mit dem iPad. Einstellungen gehen dabei zügig, wenngleich auch nicht ganz so flüssig und blitzschnell wie beim Handling richtiger Bedienelemente über die Bühne. Aber das ist schließlich auch eine Frage der Gewöhnung und Routine. Uns macht die Arbeit am iPad jedenfalls viel Spaß, wobei Kanalzug-Einstellungen von mal zu mal immer flotter von der Hand gehen. Dank der Möglichkeit, das gesamte Mischpult-Setting in Form sogenannter Scenes abzuspeichern und aufzurufen, haben wir, nachdem wir alles zu unserer Zufriedenheit eingestellt haben, ein blitzschnell funktionierendes System zur Hand.

Klanglich bietet das Acapela 16 eineüberzeugende Vorstellung, die primärder Transparenz verpflichtet ist. VokalundAkustik-Instrumenten-Signale werdenakkurat eingefangen, wenngleicheine ganz leichte Dominanz in den unterenMitten herrscht, was den eingespeistenSignalen schmeichelt. Allerdingsmangelt es ihnen ein wenig anPlastizität. Aufnahmen über das Acapela16 klingen ein wenig flacher unddadurch vordergründiger. Auch in SachenLuftigkeit zeigen sich Grenzen,was aber vor allem im, zugegeben unfairen,Vergleich mit unserer Preamp-ReferenzLake People Mic-Amp F355 deutlichwird. In Sachen Klangqualität istdas, wiederum zugegeben, Jammernauf hohem Niveau. Denn insgesamt verrichtendie Preamps des Acapela 16 fürein Pult dieser Klasse einen sehr gutenJob, wenngleich der Analogsound desIS16 nicht ganz erreicht wird. Beim Einsatzder Effekte herrscht in SachenKlang jedoch ohne Wenn und AberGleichstand und wem der frische Grundsounddes Acapela zuviel ist, kanndies mit den organisch arbeitenden EQswieder wett machen. Auch die übrigenEffekte verrichten eine exzellente Arbeit,wobei sich die Dynamik-Abteilungkraftvoll bemerkbar macht und sogarSounddesign-Aufgaben locker meistert.Echo, Hall und Modulations-Effekteüberzeugen in gleichem Maße.

Fazit
Phonic stellt mit dem Acapela 16 eine kompakte Mischpult-Lösung mit zentraler Tablet-PC-Steuerung vor, die zwar klein im Aussehen und Preis, aber in der Ausstattung, den Anwendungsmöglichkeiten und dem Klang deutlich größer ausfällt. Mehr noch, hat das Acapela 16 eine Menge guter Gene seines großen Bruders IS16 geerbt. Wer aufs Geld achten muss, auf Digitalschnittstellen und Mehrspur-Audio-Interface-Ausstattung verzichten kann, eh ein Apple- oder Android-Tablet besitzt und auf der Suche nach einem 16-Kanal Digital-Pult mit gutem Klang ist, sollte das Acapela 16 einmal näher anschauen. Günstiger gehts in dieser Klasse zurzeit wohl kaum.

Erschienen in Ausgabe 12/2014

Preisklasse: Oberklasse
Preis:
Bewertung: sehr gut
Preis/Leistung: sehr gut

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