Black Beauty

Da haben Sie nun den ultimativen Mix produziert, aber es fehlt noch der letzte Pfiff. Kein Problem, nehmen Sie den Drawmer S3. Er bietet Klangdoping auf höchstem Niveau und das völlig legal und nebenwirkungsfrei. 

Von Georg Berger 

Angesichts des nahezu unüberschaubaren Angebots an Kompressoren unterschiedlicher Schaltungskonzepte und in verschiedensten Preisklassen, könnte man meinen, zu diesem Thema sei schon alles gesagt. 

Doch Ivor Drawmer, Gründer der gleichnamigen, Britischen Edel-Schmiede für Studio-Peripherie sieht das anders und hat mit dem Dreiband-Röhrenkompressor S3 eine neue, markante Hausnummer in dieses Marktsegment gesetzt. Das Gerät läutet gleichzeitig eine neue Produktreihe der Firma ein, die so genannte Signature Serie, die auf das derzeit technisch machbare kompromisslos umsetzen soll. Diesen Anspruch will der Firmengründer übrigens durch seine Unterschrift auf der Frontplatte zusätzlich unterstreichen.  

Ganz nüchtern betrachtet, vereint der S3 altbekannte Konzepte auf sich, die jedes für sich betrachtet, nichts atemberaubend Innovatives bieten: Der S3 ist ein Multiband-Kompressor mit frequenzselektiver Dynamikbearbeitung in drei Frequenzbereichen. Die Regelverstärkung vertraut der Entwickler optischen Bauelementen an, die Schaltung basiert auf Röhrentechnik. Doch wie so oft ist das Ganze mehr als die Summe seiner Einzelteile. Drawmer setzt zuerst einmal kompromisslos auf hochwertigste, in aufwendigen Selektionsprozessen ausgewählte Bauteile in seinem S3. Damit relativiert sich der auf den ersten Blick vermeintlich hohe Verkaufspreis von knapp 6650 Euro schon mal etwas. 

Mit seiner Ausstattung empfiehlt sich der S3  primär für Aufgaben im Masteringbereich, wenn es um den klanglichen und dynamischen Feinschliff bereits abgemischter Produktionen geht. Durch die frequenzselektive Korrektur der Dynamik ist ein präziser Eingriff ins Programmmaterial möglich. Unterstrichen wird dieser Haupteinsatzzweck durch die Anschlüsse auf der Rückseite: Es finden sich lediglich je zwei XLR-Anschlüsse für den Stereo-Betrieb. Sidechains sucht man vergeblich. 

Kenner werden weiterhin vermelden, dass der S3 aufgrund seiner optischen Regelverstärkung prinzipbedingt nicht unbedingt für eine kraftvolle und technisch-präzise Dynamikreduktion stehen kann. In der Natur von Opto-Kompressoren liegt es vielmehr, dass die Kompressionskennlinie in einer Soft-Knee-Charakteristik verläuft. Sie ragieren also eher träger, klingen im Vergleich zur moderneren VCA-Technik aber auch angenehmer und können subtilere Ergebnisse liefern.

Doch damit scheint Drawmer aufs richtige Pferd zu setzen, zumal man im Studio sehr häufig dem oft als kühl und nüchtern empfundenen Klang digitaler Produktionen mit entsprechendem Analog-Equipment beikommen will.

Die erste eindrucksvolle Visitenkarte hinterlässt der S3 schon beim Auspacken: Mit seinen knapp zehn Kilo Kampfgewicht weiß sich das drei Höheneinheiten messende Gerät gekonnt in Szene zu setzen. Schwarz lackiertes Metall umhüllt die zehn Röhren (acht ECC83- und zwei 12BH7) im Inneren – das Gehäuse wirkt insgesamt äußerst stabil und robust. Ein echter Hingucker ist die in tiefem Schwarz glänzende Frontplatte, sie wirkt wie mit Klavierlack überzogen. Zwei große VU-Meter dominieren die Front, die ansonsten übersäht ist mit präzisen und griffigen Drehschaltern, Reglern und satt klackenden Kippschaltern. Im Innern finden sich teure Symmetrie-Transformatoren an Ein- und Ausgängen. Jede Schaltfunktion wird außerdem von einem sanft klickenden Reed-Relais direkt vor Ort vorgenommen. Diese Relais kennen so gut wie keinen Verschleiß und vermeiden einen klangmindernden Kabelverhau – eine aufwändige aber konsequente Lösung. Der S3 vermittelt in allen Details das Flair von Solidität und Qualität und sieht dabei auch noch, wie manche Testredakteure meinen, ausgesprochen scharf aus. 

Dazu trägt auch die markante Abschrägung des Gehäuses nach hinten bei. Es reduziert dessen Höhe auf cirka zwei Höheneinheiten an der Rückseite. Hintergrund: Die Konstruktion soll die produzierten Wärme  besser ableiten, falls der S3 seinen Platz in einem Rack findet. Denn nicht nur die im Gerät verbauten Röhren produzieren im Betrieb gehörig Wärme, sondern auch das optische Regelelement. Es ist mit einer eigenen Heizung ausgestattet, um konstantes Regelverhalten zu garantieren. Während des Tests dringen aus den Belüftungschlitzen – des allerdings völlig frei stehenden Geräts – zwar keine beängstigenden Wärmemengen, aber beim Einbau ins Rack empfehlen wir unbedingt einen zusätzlich Racklüfter.

Das Layout der Bedienelemente auf der Front ist auch ohne Studium des Handbuchs binnen weniger Augenblicke verstanden. Die beiden Passfilter fungieren als Frequenzweiche und teilen die eingespeisten Signale in drei Frequenzbereiche auf. Der Lowcut ist dabei stufenlos von 60 Hertz bis 1,4 Kilohertz einstellbar. Er definiert den Übergangspunkt zwischen Bass- und Mittenbereich. Der Highcut-Regler gestattet Einstellungen zwischen 1,4 und 14 Kilohertz und bestimmt die Grenze zwischen Mitten- und Höhenband. Beide Filter arbeiten mit einer Flankensteilheit von lediglich sechs Dezibel pro Oktave. Phasendrehungen, wie sie steilflankigere Filter aufweisen sind damit ausgeschlossen. Stehen beide Filter in Position 1,4 Kilohertz, soll das Mittenband komplett ausgeblendet sein. Und in der Tat arbeiten die Filter so präzise, dass im Mittenband keinerlei Dynamikveränderung festzustellen ist. 
Die Dynmamiksektionen der drei Bänder sind mit identischen Bedienelementen versehen: je ein Threshold-Regler, zwei Drehschaltern für Attack und Release sowie der Make up Gain-Regler. Die Drehschalter bieten jeweils sechs Schaltpositionen. Das Attack ist einstellbar in den Werten 0,2 sowie zwei, fünf, zehn, 20 und 50 Millisekunden. Der Releaseschalter bietet außer den festen Zeiten von 0,08 und 0,3 sowie einer Sekunde drei programmabhängige Stellungen, in denen sich die Releasezeit automatisch zum eingespeisten Signal dynamisch ändert. Die Stellung Fast deckt einen Bereich zwischen 100 bis 500 Millisekunden ab, in Stellung Middle arbeitet das Release zwischen 300 Millisekunden bis zwei Sekunden. Die Slow-Stellung offeriert schließlich Zeiten zwischen 500 Millisekunden bis fünf Sekunden. Im Test lassen sich mit diesen Einstellmöglichkeiten alle denkbaren Signale sehr gut bearbeiten. Zusätzlicher Vorteil: Die Einstellungen sind bei Bedarf dank der Drehschalter problemlos reproduzierbar. Anlass zur Kritik gibt jedoch die Gainregler für die Aufholverstärker in jedem Band. Es mag zwar Ansichtssache sein, inwiefern ein umfangreicher Regelbereich von -10 bis +20 Dezibel sinnvoll sein mag. Im Praxistest zeigt sich allerdings, dass ein Gain von ± sechs Dezibel völlig ausreicht. Dann aber gerät die wichtige Feinjustage der Verstärkung zu einer fummeligen Angelegenheit, denn der Regelbereich beschränkt sich jetzt nur noch auf wenige Millimeter. Kai Sowka vom deutschen Vertrieb S.E.A., teilt uns allerdings auf Nachfrage mit, dass Drawmer schon an einer Lösung arbeite. 

Eine Besonderheit findet sich mit den Air und Big bezeichneten Kippschaltern im Höhen- und Tiefenband: Diese Schalter funktionieren wie Shelvingfilter und heben die Pegel an den jeweiligen Bereichsenden kontinuierlich an (siehe auch Diskussion der Messergebnisse). So sorgen diese Filter für einen Schuss Luftigkeit beziehungsweise Fundament im Klang. In der Praxis erweisen sich die Acht-Segment LED-Ketten in den Bändern als sehr nützlich. Geben sie doch hinreichend genau Auskunft über die jeweilige Pegelreduktion. Die Skala reicht von Null Dezibel bis -20 Dezibel. Einen Ratio-Regler sucht man indes vergebens. Der Grad der Kompression wird mit Einstellung des Threshold quasi in einem Aufwasch mit erledigt. Je niedriger der Schwellenwert eingestellt ist, um so stärker setzt die Kompression ein. Zwei Kippschalter erlauben es schließlich, die Bänder wahlweise stumm oder auf Bypass zu schalten. Diese vielleicht wichtigsten Bedienelemente am S3 erlauben es die einzelner Kompressionsbänder separat zu aktivieren und ermöglichen so das isolierte Abhören.

Die Ausgangssektion wird von den beiden großen und gut ablesbaren VU-Metern beherrscht. Drei Kippschalter erlauben die Skalierung der Anzeige. In Stellung „VU“ liegt, wie unser Messlabor bestätigt, bei einer Anzeige von „0“ dB am Ausgang ein Pegel von genau +4 dBu an. Um die Ablesegenauigkeit zu erhöhen, lässt sich das VU-Meter per PAD-Schalter um zehn beziehungsweise 20 Dezibel unempfindlicher schalten. Sehr schön ist die Möglichkeit, zwischen RMS- und Peak-Anzeige, sowie zwischen Ein- und Ausgangspegel wechseln zu können. Somit ist in Kombination mit den Mute- und Bypass-Schaltern der Dynamiksektion, sowie des globalen Bypass eine umfassende Kontrolle der ausgeführten Arbeit möglich. Am Ende der Signalkette findet sich schließlich der Hauptlautstärkeregler, dem sogar ein Panpot zur Seite steht. Allerdings hätten wir uns eine leichte Mittenrastung für den Balanceregler gewünscht.

Bevor der S3 im Praxis- und Hörtest zeigen kann, was er klanglich leistet, stehen zunächst die obligatorischen Tests im Messlabor an. Die Ergebnisse geraten durch die Bank sehr gut. Die Fremd- und Geräuschspannungsabstände liegen bei guten 80,4 und 83,9 dBu. Die Kurve des Frequenzgangs in neutraler Stellung – Band-Split-Regler auf Linksanschlag und die Dynamiksektionen auf bypass – zeigt zwar einen geringen Pegelabfall von zwei Dezibel unterhalb von 60 Hertz und einen verhaltenden Pegelanstieg ab 8 Kilohertz, doch diese sind vernachlässigbar. Die beiden Filter haben schon bei abgeschalteter Dynamiksektion a einen leichten aber fast vernachlässigbaren Einfluss auf den Frequenzgang (siehe grüne Kurven im Frequenzgang-Diagramm auf Seite 20): ab etwa zwei Kilohertz sinkt der Frequenzgang um etwa zwei Dezibel bei 18 Kilohertz. 

Die Kurve des Gesamtklirrfaktors über die Frequenz stellt sich wie eine Achterbahn dar, die im Bass bei cirka 0,5 Prozent beginnt, im relevanten Bereich bei cirka 0,015 Prozent liegt um dann bis 20 Kilohertz auf 0,005 Prozent abzufallen  – ein insgesamt ausgezeichnetes Ergebnis. Die gleiche Messung über Pegel liefert ebenfalls beeindruckend gute Werte für einen Kompressor (sieh Diagramm Seite 20). Die Kurve zeigt bei einem Eingangspegel von -40 Dezibel einen Wert von etwa einem Prozent, was jedoch schon mehr auf das Grundrauschen zurückzuführen ist. Im weiteren Verlauf nimmt die Kurve ab bis auf 0,06 Prozent zwischen -12 bis Null Dezibel, um dann zwischen +2 bis +10 Dezibel auf exzellente 0,03 Prozent abzusinken. Zwischen +16 und +30 Dezibel steigt die Kurve bis cirka 1,5 Prozent wieder an, was jedoch schon im Bereich der Übersteuerung liegt. Auffällig ist, dass die Kurve des Gesamtklirrfaktors über Pegel bei Einsatz der Dynamiksektion einen sehr gleichmäßigen Verlauf zeigt, der bei 0,2 Prozent liegt. Das Übersprechen ist als exzellent zu bezeichnen. Dasselbe gilt auch für die Gleichtaktunterdrückung, die sogar unseren Audio Precision Messcomputer an seine Grenzen führte. Die Kompressorkennlinie zeigt sich erwartungsgemäß in Soft-Knee-Charakteristik. Bei voll aufgedrehtem Threshold zeigt sich ein Kompressionsverhältnis von 4:1. Die Messung mit drei unterschiedlichen Testtönen bei voller Kompression aller Bänder zeigt einen im Wesentlichen gleichen Verlauf der Kompressionskennlinie. Die Aktivierung des Air-Schalters führt zu einer Anhebung der der Frequenzen um +18 Dezibel bei 25 Kilohertz. Bei zehn Kilohertz sind dies immer noch  cirka +11 Dezibel. Ähnliches, wenn nicht so stark zeigt sich bei Betätigung des Big-Schalters: Ab 200 Hertz abwärts zeigt sich eine Verstärkung der Frequenzen um zehn Dezibel. 

Die bisherigen Eindrücke, die wir vom S3 gewonnen haben, lassen großartiges für den Praxis- und Hörtest erwarten. Um das Gerät in Betrieb nehmen zu können, ist zunächst Geduld erforderlich. Denn nach dem Einschalten müssen die Heizung für das optische Element, sowie die Röhren auf Betriebstemperatur gelangen. Unser Testgerät zeigt seine Betriebsbereitschaft nach cirka drei Minuten durch das Aufleuchten der LED zwischen den VU-Metern an. Die Bedienung des S3 gerät bis auf die schon erwähnten Gain-Regler zu einem wahren Vergnügen. Die Schalter rasten mit einem beherzten und deutlichen Klicken in die Positionen ein und die Drehregler gefallen durch einen sanften Widerstand beim Drehen. Im Test zeigen sich die Schalter für Bypass, Mute, sowie für die Umschaltung des VU-Meters zwischen Ein- und Ausgang als wichtigste Bedienelemente zur Kontrolle der Einstellungen. 

Im Hörtest bestätigt sich schließlich, dass der Drawmer S3 erstens jeden Cent wert ist und sich klanglich fraglos als Highend-Kategorie einordnet. Um das Ergebnis vorweg zu nehmen: Der Drawmer S3 ist kein Dynamikbegrenzer im herkömmlichen Sinne, der dem Lautheitswahn frönt, sondern ein waschechter Klangveredler. Er zeigt eher das Verhalten eines dynamisch arbeitenden Equalizers als das eines schnöden Pegelreduzierers. Produktionen erhalten mit dem S3 auf subtile Weise einen seidigen Glanz, klingen runder, edler, organischer und wie aus einem Guss. Dabei vermag der Kompressor gleichzeitig den Grundklang des Arrangements beizubehalten und verfärbt selbst in extremen Kompressionseinstellungen nicht. Etwaigen Extremstellungen begegnet er sehr tolerant. Egal ob die Kompression stark oder schwach ausfällt, eingespeiste Signale wertet er angenehm auf und erzeugt so eine Verbesserung, an die man sich schnell gewöhnt. Wie gut der S3 hier arbeitet merkt man oft, wenn man ihn dann wieder auf Bypass stellt. Das Ergebnis erinnert ein wenig an den Summenkompressor der SSL-Pulte. Doch der Drawmer S3 ist durch seine drei Bänder eindeutig flexibler einsetzbar und wirkt deutlich feiner. 

Um das Optimum aus ihm herausholen, ist jedoch eine ganze Menge Sachkenntnis, ein sehr feines Gehör und Praxis im Umgang mit Multibandkompressoren gefragt. Der S3 gehört also ausschließlich in die Hände von Profis. Er muss quasi mit den Ohren bedient werden, gerade wenn es um die Aufteilung der Bänder durch die zwei Filter geht. Noch bevor beherzt ins Programmmaterial gegriffen wird, sollte das Ausgangsmaterial mit den Ohren sorgfältig analysiert sein und eine exakte Vorstellung dessen existieren, was man mit dem S3 verschönern will. Ein blindes Herumschrauben an den Reglern führt schnell zu Frustrationen. Wer weiterhin meint, der S3 sei ein Reparaturwerkzeug für missglückte Mixe, wird ebenfalls enttäuscht. Zwar vermag er gerade durch den weiten Verstärkungsbereich des Kompressions-Gain auch drastische Effekte zu erzeugen, die er immer noch angenehm und verzerrungsfrei ausgibt. Doch das würde übers Ziel hinausschießen. Gleichwohl bietet sich diese Möglichkeit für die gezielte Bearbeitung von Einzelsignalen, etwa einer Drum-Subgruppe an, um ihr mehr Charakter zur verleihen. Beim Mastering ist das allerdings eher nicht erwünscht.

Im Test lassen sich durch das geschickte Zusammenspiel der Filter und Kompressionseinstellungen hauchfeine Nuancen aus dem Gesamtklang anliegender Signale herausarbeiten. Im Höhenband erreichen wir bei einem Test-Arrangement nach einiger Justagearbeit eine sehr geschmackvolle Betonung von Hihat- und Beckenklängen, die im unbearbeiteten Mix etwas unterbelichtet klingen. Durch hohe Attack- und Releasezeiten in den Höhen bei einer moderaten Einstellung des Threshold lassen sich die perkussiven Anteile deutlich herauskitzeln. Gleichzeitig nehmen wir bei kurzen Attack und langen Releasezeiten bei ähnlicher Einstellung des Thresholds ein wenig Energie aus dem Mittenband heraus. Das Ergebnis führt zu einem insgesamt subtilen, aber merkbaren Schub in Sachen Brillanz und Luftigkeit. Die Middle-Einstellung am Releaseschalter zeigt sich dabei als patente Lösung für den Großteil der zu bewältigenden Aufgaben. 

Ein anderer Mix besitzt ein wenig zuviel Bassanteile, dem wir in ähnlicher Weise zu Leibe rücken. Da der Mix ansonsten nichts vermissen lässt, schalten wir das Mitten- und Höhenband auf Bypass und zähmen ausschließlich die Bassfrequenzen in der Dynamik. Das Ergebnis klingt jetzt durchsichtiger und luftiger. Eher durch Zufall ist ein subtiler Pumpeffekt im Bassbereich hörbar, weil die Releasezeit versehentlich zu kurz gewählt ist. Dieser Nebeneffekt lässt jedoch aufhorchen, da er anders als bei anderen Kompressoren. Das Pumpen klingt keineswegs unangenehm, sondern fügt sich organisch und rhythmisch ins Arrangement ein. Holger Siedler vom THS Studio in Dormagen, der bereits erfolgreich mit dem S3 arbeitet, bestätigt dies und vermerkt dazu, dass ihn dieses musikalische Verhalten an den Fairchild 670 Kompressor erinnert, der in den 70er Jahren so mancher Schlagerproduktion auf die Sprünge geholfen hat. 

Der Einsatz aller drei Bänder gestattet ein umfassendes Sounddesign. Allein durch das Anpassen der Filter, des Thresholds und des Gains zeigen sich bei identischer Einstellung von Attack und Release unterschiedliche Facetten im klanglichen Ergebnis. Sie sind zwar je nach Stellung des Thresholds nur mit feinem Gehör zu orten, man vermisst sie aber schmerzlich sobald der S3 auf Bypass steht. Die Filter erlauben trotz der flachen Filterflanken eine präzise Definition der Bandbereiche.

Ein Highlight ist die Air- und Big-Funktion, die zwar immer noch sehr fein, aber doch deutlich merkbar dem Gesamtsignal mehr Luftigkeit und Fundament verleiht. Gerade der Air-Schalter vermag je nach Kompressionseingriff das Arrangement aufzufrischen. Es entsteht der Eindruck, als ob hier Shelving-Filter hinzugeschaltet werden. Der Big-Schalter arbeitet nicht ganz so kraftvoll, vermag aber bassschwachen Mixen das entscheidende Pfund hinzuzufügen. Beide Funktionen machen während des Tests richtig süchtig und verführe dazu, sie nach abgeschlossener Arbeit quasi grundsätzlich als Sahnehäubchen noch einmal zu betätigen – selbst dann, wenn die vorherige Arbeit schon ein sehr zufrieden stellendes Ergebnis liefert. Doch das kann auch ins Auge gehen, wie uns Holger Siedler aus seiner Erfahrung noch einmal bestätigt. Wir empfehlen den Einsatz der beiden Schalter daher nur dann, wenn der Mix von vorne herein Schwächen aufweist, die durch Kompression nicht zu beheben sind. 

Fazit

Mit dem S3 Kompressor ist Drawmer ein großer Wurf gelungen. Er empfiehlt sich durch sein subtiles Klangverhalten primär fürs Mastering, um Arrangements zu veredeln und um ihnen Glanz und Kompaktheit zu verleihen. Mit seiner hervorragenden Ausstattung, seinem phantastischen Klang und seinen vielfältigen Möglichkeiten positioniert er sich eindeutig als Highend-Kompressor. Er gehört in die Hände von Profis oder die, die es werden wollen.

Erschienen in Ausgabe 08/2007

Preisklasse: Spitzenklasse
Preis: 6652 €
Bewertung: überragend
Preis/Leistung: sehr gut

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