Das Beste beider Welten

Da haben Sie nun das ultimative Loop-Sample gefunden, das sich optimal in Ihre Musik einfügen würde. Dennoch stoßen Sie Flüche aus und verdammen den Gott der digitalen Signalverarbeitung. Denn ausgerechnet dieses Sample besitzt das falsche Tempo und hat an zwei prominenten Stellen einen Instrumental-Einsatz, der Ihnen missfällt. Normalerweise gibt’s da nur eine Lösung: einen anderen Loop suchen. Besitzer von Drumcore 2 setzen sich über solche Beschränkungen souverän hinweg. Warum das so ist zeigt Ihnen Professional audio Magazin.  

Von Georg Berger

Das mittlerweile fast unüberschaubare Feld an Drum-Sample Libraries ist aufgeteilt in zwei konzeptionelle Lager. Dabei besitzen sie jeweils eigene für sich unschätzbare Vorteile, aber auch Nachteile: Das erste Lager stellt Sammlungen vorgefertigter Loop-Samples bereit, die sich bequem im Baukasten-Prinzip in ein Sequenzer-Arrangement einbinden lassen und in mehrtaktigen Sequenzen das Spiel eines lebendigen Schlagzeugers perfekt einfangen. Nachteil: Die so produzierten Rhythmen sind statisch und lassen sich höchstens im Tempo variieren, aber nicht in der Instrumentierung oder in Teilen des Rhythmus.
Das andere Lager der Drum-Libraries konzentriert sich auf die Herstellung von virtuellen Instrumenten, die mit einer opulenten Produktion von Einzel-Instrumenten-Samples aufwarten. Über MIDI lassen sie sich ansteuern und gestatten so das Programmieren eigener Rhythmen bei größtmöglicher Authentizität des Schlagzeug-Klangs. Nachteil: Die Programmierung authentischer Schlagzeug-Rhythmen ist sehr aufwändig.

Drumcore 2, entwickelt von der amerikanischen Firma Submersible Music, vereint die Vorteile dieser beiden Lager auf sich und stellt somit eine Art Hybrid-Form aus Loop- und Einzel-Sound Library dar. Das hört sich teuer an, ist es aber nicht. Für knapp 220 Euro geht die Software über den Ladentisch. Drumcore 2 enthält in erster Linie eine Vielzahl unterschiedlicher Loop-Samples, die eine breite Palette unterschiedlicher Stilistiken und Spieltechniken eines akustischen Schlagzeugs abdeckt. Von Jazz, Blues und Country bis hin zu Rock, Funk, Dancefloor, ja sogar World-Music und rein elektronisch generierten Drum-Sounds und -Loops reicht sie. Insgesamt neun Gigabyte an Daten umfasst Drumcore 2. Der Inhalt lässt sich jedoch über so genannte Drummer-Packs aus eigenem Hause kostenpflichtig erweitern und kann sogar auch mit Material von Drittanbietern oder aus eigener Produktion angereichert werden. Die Erstellung der Drumcore-Loops wurde dabei nicht irgendwelchen unbekannten Schlagzeugern anvertraut. Die Amerikaner haben sich für Drumcore 2 die Creme de la Creme der internationalen Drummer-Szene ins Studio geholt. Außer so bekannten Namen wie Terry Bozzio (zum Beispiel Frank Zappa, Jeff Beck), Sly Dunbar (Sly & Robbie, Bob Marley und weitere), Matt Sorum (Guns’n Roses, The Cult) und Tony Braunagel (John Lee Hooker, B.B. King und viele mehr) haben sich noch acht weitere renommierte Schlagzeuger mit ihrem Spiel auf Drumcore 2 verewigt. Dabei wurde viel Wert auf die Lebendigkeit der Loops gelegt. Dies zeigt sich darin, dass mitunter eine Sequenz in unterschiedlichen Tempi mehrfach gesamplet wurde.

Im Vergleich zur Version 1.5 enthält Drumcore 2 einige wichtige Neuerungen, die das Arbeiten noch bequemer und kreativer gestaltet. So lassen sich jetzt erstmalig REX- und ACID-Files importieren und ersteres Format auch exportieren, deren Vorzug darin besteht, dass sich Loops ohne klangliche Verluste im Tempo dynamisch verändern lassen. Nachträgliches Time-Stretching von Loops im Sequenzer nach erfolgter Änderung des Tempos oder externes Konvertieren ins REX-Format ist also nicht mehr nötig. Die über MIDI spielbaren Drum-Kits sind jetzt im Panorama und in der Tonhöhe einstellbar. Überdies kann jetzt auch jedes Einzel-Instrument auf einen separaten virtuellen Ausgang geroutet werden. Das Verhallen einer Snare wird damit zum Kinderspiel. Last but not Least ist der Inhalt ebenfalls in einigen Teilen erweitert worden.

Die Loops selbst unterteilen sich dabei in so genannte Grooves, also Begleitungen, und Fills, kleinen rhythmischen Einwürfen, die beispielsweise zur Überleitung in einen anderen Groove dienen. Doch damit nicht genug: Die Einzel-Instrumente sämtlicher für die Loops eingesetzten Schlagzeug-Sets sind in einem weiteren Schritt noch einmal separat gesamplet und zu so genannten Drum-Kits zusammengefasst worden, die sich bequem über MIDI ansteuern lassen.
Der Clou an Drumcore ist nun, dass die Loop-Samples zusätzlich in Form von MIDI-Spuren nachgebildet sind und in Verbindung mit den gesampleten Drum-Kits eine ungemein flexible Alternative darstellen. Vorteil: Wer beispielsweise den Einsatz eines Beckens in einem Loop-Sample an eine andere Stelle setzen oder hinzufügen möchte, braucht jetzt nur die entsprechende MIDI-Spur in sein Arrangement einzubinden und die Änderung im Piano-Roll Editor des Sequenzers vorzunehmen. Weiterer Vorteil: Durch die Kombination von Audio- und MIDI-Spur erlangt der Nutzer umfangreiche Eingriffsmöglichkeiten in die Instrumentierung und den Rhythmus eines vormals statischen Loop-Samples und braucht sich fortan mit den Beschränkungen von Loops nicht mehr zufrieden zu geben.

Drumcore 2 lässt sich ausschließlich über die [G]Rewire-Schnittstelle in den Großteil der gängigen Sequenzer einbinden. Im standalone-Betrieb lässt sich die Software über ASIO, DirectX beziehungsweise Core Audio ansteuern. Nach Installation der Software und Übertragung der Samples zeigt sich der in ein sattes Gelb getauchte Hauptbildschirm, von den Amerikanern „Drum-Interface“ genannt. Dieses Interface bietet in der Hauptsache umfangreiche Such- und Sortierfunktionen zum bequemen Auffinden von Loops. Es kann nach einzelnen Schlagzeugern, nach Stilistiken und mit Hilfe des Temporeglers nach Loops mit bestimmten Tempi gesucht werden. Der Temporegler lässt sich sogar in zwei Hälften teilen um einen Tempo-Bereich zu definieren. Wer es genauer möchte drückt auf den More-Button und erhält erweiterte Möglichkeiten zum Auffinden von Rhythmen. Loops, Fills und MIDI-Spuren werden nach erfolgter Suche im Ergebnis-Feld links unten in Form jeweils unterschiedlicher Icons dargestellt. Über die drei Transport-Buttons lassen sich sowohl die Loops, als auch die MIDI-Spuren im Verbund mit den separat gesampleten Drum-Kits bequem vorhören. Ein bemerkenswertes Feature verbirgt sich hinter dem geheimnisvoll betitelten Gabrielize-Button. Dahinter verbirgt sich eine Art Zufalls-Funktion, die bei Aktivierung eine Variation des angewählten Rhythmus herstellt und so für eine Erweiterung des bisherigen Inhalts sorgt. Der Aufruf des separaten Gabrielizer-Menüs erlaubt die Auswahl zuvor erstellter Variationen im History-Feld, sowie die Einstellung des Variationsgrads. Dies geschieht mit Hilfe so genannter „Rules“, also Regeln. Je mehr davon eingestellt werden, desto höher ist der Grad der rhythmischen Variation.

Eine weitere umfangreiche Eingriffsmöglichkeit findet sich im Drum-Kit Editor, der es erlaubt, separiert nach Schlagzeug und Percussion, die Einzel-Samples der Schlag-Instrumente im Klang und in der Ansprache über MIDI nachträglich anzupassen. Jedes Feld im Editor repräsentiert ein Instrument. Durch Klick auf ein Feld lässt sich für jedes Instrument die Lautstärke, Tonhöhe und Panorama-Position einstellen. Bei Bedarf lassen sie sich auch auf Solo oder Mute schalten. Im Auswahl-Dialog lassen sich insgesamt 49 Drum-Kits aufrufen. Die in den Feldern verzeichneten Schlag-Instrumente können noch einmal je nach Instrument bis zu zehn dynamisch unterschiedliche Teil-Samples – Layer genannt – enthalten, die sich durch Druck auf den Layer-Edit Button ebenfalls in ihrer Struktur ändern lassen. Drumcore 2 erlaubt jedoch nicht nur die Editierung der existierenden Drum-Kits, sondern gestattet auch die Zusammenstellung eigener Drum-Kits aus dem existierenden Klangvorrat.
Die Eigenkreationen, wie im Übrigen auch nachträglich importierte Loop-Samples, lassen sich über den Meta-Daten Dialog anschließend für die Datenbank von Drumcore indizieren und darüber wieder finden.

Um ausgewählte Loops oder MIDI-Spuren jetzt erfolgreich in den Sequenzer einzubinden gibt es zwei Möglichkeiten. Die bequemste Art geht über Drag and Drop, indem die Datei in Drumcore 2 angeklickt und auf das Arrangier-Fenster des Sequenzers gezogen wird. In Cubase SX3 ist beispielsweise dazu noch nicht einmal das Erstellen entsprechender Spuren im Vorhinein erforderlich. Die zweite Möglichkeit erfolgt über den Export-Button im Drum-Interface, der die ausgewählte Datei in einen Ordner eigener Wahl ablegt, die sich anschließend von dort über die Import-Funktion des Sequenzers ins Arrangement integrieren lässt. Die Wahl des Export-Ordners lässt sich im Preferences-Dialog bestimmen, der darüber hinaus weitere wichtige Einstellmöglichkeiten bereitstellt. So lässt sich dort auch die Art des Daten-Exports bestimmen. Außer dem WAV-Format lassen sich Loops noch als AIFF-, Sound-Designer II- und als REX-Files exportieren. Zusätzlicher Komfort: In den Preferences lässt sich auch einstellen, ob die MIDI-Daten von Drumcore als eine einzige Spur, oder jede MIDI-Note als separate Spur exportiert werden soll. 

Die Arbeit mit Drumcore 2 gestaltet sich leicht und intuitiv. Die Möglichkeit per Drag and Drop Samples und MIDI-Spuren in den Sequenzer zu integrieren ist schlichtweg genial. Die Such- und Sortierfunktion der internen Datenbank stellt sich ebenfalls als hilfreiches Werkzeug heraus. Eine Vielzahl der enthaltenen Loops liegt im Drumcore eigenen CFX-Format vor, das ähnlich wie das REX- und ACID-Format eine bequeme Konvertierung ins gewünschte Abspiel-Tempo ohne klangliche Verluste nach sich zieht. Auffällig: Ist solch ein Loop angewählt, lässt sich über den Tempo-Regler, der sonst zur Suche bestimmter Tempi dient, die Geschwindigkeit des Samples dynamisch ändern.
Über den Transport/Sync-Button im Drum-Interface lässt sich bestimmen ob Drumcore 2 den Sequenzer auf das eingestellte Tempo synchronisieren soll, oder ob die zu exportierenden Loops automatisch auf das eingestellte Tempo des Sequenzers konvertiert werden sollen. Ausgestattet mit diesen Funktionen erhält Drumcore 2 von uns die Bestnote in Sachen Bedienung. Einziger Wermutstropfen: Über die Gabrielize-Funktion erstellte Loop-Variationen lassen sich nicht als REX-Files exportieren. Wer in einem Arrangement dynamisch das Tempo ändern möchte muss bei Einsatz von „gabrielisierten“ Loops darauf verzichten und auf ein anderes Audio-Format ausweichen oder den Umweg über MIDI-Spuren und die integrierten Drum-Kits gehen. Diese Auffälligkeit sollte in einem nächsten Update beseitigt werden.

Die Kombinationsmöglichkeiten von Audio-Loops und MIDI-Spuren erweist sich als äußerst flexibel. Allerdings klingen die MIDI-Sequenzen im Vergleich zum Original-Loop doch etwas hölzern, was in erster Linie mit dem fehlenden so genannten Human Factor und mit dem Klang der Einzel-Samples zusammenhängt. Der Klang der Instrumente ist zwar authentisch. Sie enthalten jedoch im Vergleich zu den Loops zumeist unterschiedliche akustische Rauminformationen, die im Wechsel zwischen Audio-Material und MIDI-Sequenz zu hörbaren Änderungen in der Gesamt-Akustik führt. Darüber hinaus sind einige MIDI-Spuren nicht originalgetreu der Loop-Vorlage nachgebildet, sei es, dass einige Akzente beispielsweise auf der Hihat entweder fehlen oder anders programmiert sind. Die Bereitstellung von MIDI-Sequenzen und gesampleten Einzel-Instrumenten bietet zwar flexible Möglichkeiten, aber sie sind noch nicht ausgereift. Zwar lassen sich die wichtigsten Parameter der Einzel-Instrumente im Drum-Kit Editor einstellen, jedoch sind sie logischerweise nicht in dem Maße editierbar und so akribisch und opulent produziert wie etwa die Klänge der Toontrack Custom & Vintage Library, Test in Ausgabe 5/2006, oder die Klänge des BFD-Plug-ins, Test in Ausgabe 8/2006. Solange wie man also bei der Produktion von Schlagzeug-Arrangements mit dem vorhandenen Loop-Material klar kommt ist das kein Problem. Das Hinzufügen zusätzlicher Schläge über einen Loop mit Hilfe der Drum-Kits ist ebenfalls klanglich ohne Fehl und Tadel. Wer jedoch einen Loop als Basis für ein Arrangement auswählt und zum großen Teil zusätzliche Eingriffe über MIDI daran vornehmen will, sollte von Anfang an nur auf der MIDI-Ebene arbeiten um ein homogenes Klangbild des Schlagzeug zu erhalten. Denn ohne den direkten Vergleich zwischen Loop und Drum-Kit zu ziehen, ist den gesampelten Drum-Kits eine durchaus hohe Klangqualität zu bescheinigen.
Durch die in Abhängigkeit zur Anschlagsdynamik unterschiedlich gesampleten Layer erlangen die Drum-Kits eine entsprechend klangliche Lebendigkeit. Die Qualität der auf die MIDI-Ebene übertragenen Grooves ist dabei nur als erstklassig zu bezeichnen. Einzig an der nahtlosen akustischen Verschmelzung zwischen Audio-Loop und MIDI-Spur, sowie der Beseitigung einiger programmierter Unsauberkeiten sollte noch einmal gearbeitet werden.

Die Klangqualität und die Rhythmen der Loops sind ebenfalls als erstklassig zu bezeichnen. Zwar enthält wie erwähnt jeder Loop eine Rauminformation, was die Authentizität der Grooves unterstützt. Unter Umständen kann sich dies innerhalb eines Arrangements jedoch als unpassend erweisen. Weiterer Kritikpunkt: Die den Loops innewohnende Räumlichkeit fällt auch bei der Kombination unterschiedlicher Loops von mehreren Schlagzeugern deutlich auf. Besser wäre es daher gewesen, sämtliche Loops in nur einem einzigen akustischen Raum zu erstellen. Das würde nicht nur in Sachen Homogenität des Klangs zwischen Audio-Material und MIDI-Spuren/Drum-Kits dem Produkt sehr gut tun, sondern auch die Kombinationsmöglichkeiten von Loops über mehrere unterschiedliche Schlagzeuger hinweg deutlich erweitern.

Der Inhalt als solcher, der sich aus unterschiedlichen Drummern mit ihren eigenen Domänen in Sachen Spielweise und musikalischem Stil speist, sowie die verwendeten Schlagzeug-Sets bieten für jeden musikalischen Zweck die passende Antwort. Bemerkenswert ist dabei, dass viele Loops zwar einer bestimmten musikalischen Stilrichtung zugeordnet sind, aber nicht nur die für diese jeweiligen Stile anhaftenden klanglichen und rhythmischen Stereotypen enthalten. So lässt sich beispielsweise gerade über die dynamische Tempoanpassung ein Groove aus dem Blues oder Country-Bereich sehr gut auch für Uptempo-Rock einsetzen und umgekehrt.

Durch die Verwendung unterschiedlicher Schlagzeuge enthalten die Loops mitunter einen eigenen charakteristischen Grundklang.
Das klangliche Konzept von Drumcore 2 konzentriert sich dabei auf die Realisation akustischer Schlagzeug-Klänge und Grooves, die sich in erster Linie für Musik eignet, die auf lebendige Schlagzeuger setzt. Nichts desto Trotz gibt es mit den Loops von DJ Syze-up auch elektronische Beats und davon ausgehend mehrere Drum-Kits mit elektronischen Schlagzeug-Klängen, so etwa von altbekannten Klassikern wie Roland TR 808 und TR 909. Wer vornehmlich im Dancefloor-Bereich tätig ist, dürfte mit den elektronischen Drum-Kits und so manchem Loop aus dem Funk- und Rock-Bereich ein gut sortiertes Repertoire vorfinden. Musiker und Produzenten aus dem Techno-Bereich, die vornehmlich rein elektronisches Schlagzeug einsetzen wollen, werden jedoch eher auf Distanz zu Drumcore 2 gehen.
 
Ansonsten bieten die Loops in Drumcore 2 für fast jede andere musikalische Richtung die eine oder andere Lösung. Gerade die spielerischen Qualitäten der auf Drumcore 2 vertretenen Instrumentalisten gewährleistet eine hohe Authentizität des Spiels. Als sehr vielseitig empfinden wir dabei die Loops von Tony Braunagel und Zoro, die über eine breite Palette an Rhythmen verfügen und sich optimal in unterschiedliche Arrangements einfügen. Terry Bozzio wartet mit äußerst virtuosen Fills auf in denen wieselflink Wirbel auf der Snare, den Toms und der Double-Bass Drum gespielt werden. Sly Dunbar überrascht entgegen seiner Reggae-Wurzeln mit einem durchweg als subtil und eher dünn klingenden Schlagzeug-Sound, der eindeutig in Richtung Dancefloor geht und darüber hinaus einen Schwerpunkt auf Percussion setzt. Wer mehr in Richtung Latin Music gehen möchte ist mit den Loops von Michael Shrieve, aber auch Jeff Anthony gut beraten. Jazz-, Blues- und Country-Grooves, mit dem dafür teilweise charakteristischem Besenspiel auf der Snare, finden sich bei Lonnie Wilson und John Bishop. Alles in allem bieten die enthaltenen Loops auf lange Sicht ein riesiges Potenzial zur Erstellung von Schlagzeugspuren, nicht zuletzt durch die Gabrielizer-Funktion und auch der Möglichkeit den Inhalt ständig zu erweitern. Drumcore 2 ist eine nicht versiegende Quelle der Inspiration in Sachen Schlagzeug.

Fazit

Drumcore 2 von Submersible Music vereint die Vorzüge von Loop-Libraries und Instrumenten-Plug-ins auf intelligente Weise miteinander. Die in der zweiten Version hinzugekommenen Neuerungen und Funktionen erweitern die Flexibilität des Klang-Repertoires enorm. Drumcore 2 ist zwar noch nicht perfekt, vergleicht man die Klänge der gesampleten Drum-Kits mit den bereitgestellten Loops. Doch mit diesem Konzept aus Loop-Library und virtuellem Instrument erhält der Nutzer das Beste aus beiden Welten. Auf die dritte Version von Drumcore kann man nur gespannt sein.Das mittlerweile fast unüberschaubare Feld an Drum-Sample Libraries ist aufgeteilt in zwei konzeptionelle Lager. Dabei besitzen sie jeweils eigene für sich unschätzbare Vorteile, aber auch Nachteile: Das erste Lager stellt Sammlungen vorgefertigter Loop-Samples bereit, die sich bequem im Baukasten-Prinzip in ein Sequenzer-Arrangement einbinden lassen und in mehrtaktigen Sequenzen das Spiel eines lebendigen Schlagzeugers perfekt einfangen. Nachteil: Die so produzierten Rhythmen sind statisch und lassen sich höchstens im Tempo variieren, aber nicht in der Instrumentierung oder in Teilen des Rhythmus.

Das andere Lager der Drum-Libraries konzentriert sich auf die Herstellung von virtuellen Instrumenten, die mit einer opulenten Produktion von Einzel-Instrumenten-Samples aufwarten. Über MIDI lassen sie sich ansteuern und gestatten so das Programmieren eigener Rhythmen bei größtmöglicher Authentizität des Schlagzeug-Klangs. Nachteil: Die Programmierung authentischer Schlagzeug-Rhythmen ist sehr aufwändig.

Drumcore 2, entwickelt von der amerikanischen Firma Submersible Music, vereint die Vorteile dieser beiden Lager auf sich und stellt somit eine Art Hybrid-Form aus Loop- und Einzel-Sound Library dar. Das hört sich teuer an, ist es aber nicht. Für knapp 220 Euro geht die Software über den Ladentisch. Drumcore 2 enthält in erster Linie eine Vielzahl unterschiedlicher Loop-Samples, die eine breite Palette unterschiedlicher Stilistiken und Spieltechniken eines akustischen Schlagzeugs abdeckt. Von Jazz, Blues und Country bis hin zu Rock, Funk, Dancefloor, ja sogar World-Music und rein elektronisch generierten Drum-Sounds und -Loops reicht sie. Insgesamt neun Gigabyte an Daten umfasst Drumcore 2. Der Inhalt lässt sich jedoch über so genannte Drummer-Packs aus eigenem Hause kostenpflichtig erweitern und kann sogar auch mit Material von Drittanbietern oder aus eigener Produktion angereichert werden. Die Erstellung der Drumcore-Loops wurde dabei nicht irgendwelchen unbekannten Schlagzeugern anvertraut. Die Amerikaner haben sich für Drumcore 2 die Creme de la Creme der internationalen Drummer-Szene ins Studio geholt. Außer so bekannten Namen wie Terry Bozzio (zum Beispiel Frank Zappa, Jeff Beck), Sly Dunbar (Sly & Robbie, Bob Marley und weitere), Matt Sorum (Guns’n Roses, The Cult) und Tony Braunagel (John Lee Hooker, B.B. King und viele mehr) haben sich noch acht weitere renommierte Schlagzeuger mit ihrem Spiel auf Drumcore 2 verewigt. Dabei wurde viel Wert auf die Lebendigkeit der Loops gelegt. Dies zeigt sich darin, dass mitunter eine Sequenz in unterschiedlichen Tempi mehrfach gesamplet wurde.

Im Vergleich zur Version 1.5 enthält Drumcore 2 einige wichtige Neuerungen, die das Arbeiten noch bequemer und kreativer gestaltet. So lassen sich jetzt erstmalig REX- und ACID-Files importieren und ersteres Format auch exportieren, deren Vorzug darin besteht, dass sich Loops ohne klangliche Verluste im Tempo dynamisch verändern lassen. Nachträgliches Time-Stretching von Loops im Sequenzer nach erfolgter Änderung des Tempos oder externes Konvertieren ins REX-Format ist also nicht mehr nötig. Die über MIDI spielbaren Drum-Kits sind jetzt im Panorama und in der Tonhöhe einstellbar. Überdies kann jetzt auch jedes Einzel-Instrument auf einen separaten virtuellen Ausgang geroutet werden. Das Verhallen einer Snare wird damit zum Kinderspiel. Last but not Least ist der Inhalt ebenfalls in einigen Teilen erweitert worden.

Erschienen in Ausgabe 12/2006

Preisklasse: Mittelklasse
Preis: 220 €
Bewertung: sehr gut
Preis/Leistung: sehr gut

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