Glasklare Sache

Das kompakte Motu Track 16 ist nicht nur in Sachen Schnittstellen, sondern auch in seiner Funktion als Studio-Interface und Stand-alone-fähiges Digitalmischpult doppelt begabt. Wie es sich in beiden Rollen schlägt, zeigt der Test.

Von Sylvie Frei 

Der US-amerikanische Audio-Hersteller Motu – kurz für Mark of the Unicorn – hat mit dem Modell Track 16 sein erstes Desktop-Interface auf den Markt gebracht und sich dabei in Sachen Ausstattung nicht lumpen lassen. Was hier bunt leuchtend im schicken schwarzen Metallgehäuse daherkommt und sich – zumindest  hinsichtlich Größe, Gewicht und Optik – vermeintlich unter Kompaktinterfaces wie das RME Babyface oder das Focusrite Forte mischen möchte, kann gleich mit einer ganzen Bandbreite unterschiedlicher Signaltypen arbeiten. Vom  Mikrofon-Signal, über Line, Mini-Line, Hi-Z, MIDI bis hin zu ADAT lässt das Track 16 so gut wie keine Wünsche offen und präsentiert sich mit stolzen 16 Eingängen und 14 Ausgängen sowohl als portable Studio-Komplettlösung als auch als Stand-alone-fähiger Digitalmixer, Preamp und AD/DA-Wandler. Der vermeintliche Widerspruch zwischen Kompaktgerät  und einer Vielzahl von Kanälen spiegelt sich auch in den Größenverhältnissen wieder: Das kompakte Interface wirkt geradezu winzig neben der riesigen, wuchtigen Kabelpeitsche, über die der Großteil der Ein- und Ausgänge geführt werden und in die sogar ein Netzteil-Stecker integriert wurde. Im Inneren des Track 16 werkelt ein DSP-Prozessor, der nicht nur einen Equalizer, Hall und gleich zwei Kompressoren berechnet. Überdies wird darüber auch ein virtuelles Stimmgerät sowie eine Reihe nützlicher Analyse-Tools ohne Mehrbelastung der Rechner-CPU realisiert, die übrigens vom Motu 4pre übernommen wurden (Test in Heft 03/2012).  Besonderheit: Die Interface-Effekte lassen sich latenzfrei einsetzen und bei Bedarf sogar mit aufnehmen. So kann die Qualität der Performance eines Musikers in einer Aufnahme- oder Bühnensituation von den Effekten profitieren. Das Einstellen und Editieren der Kanäle und Effekte erfolgt dabei einmal mehr über die mitgelieferte CueMix FX Software.

In Sachen AD/DA-Wandlung präsentiert es sich sehr professionell: Aufnahmen sind bis hinauf zu 192 Kilohertz bei maximal 24 Bit Wortbreite möglich. Nächste Besonderheit: Ebenso wie das oben erwähnte Modell 4pre lässt sich das Track 16 entweder über Firewire oder USB 2.0 mit dem Computer verbinden. Die Stromversorgung erfolgt dabei wahlweise über Firewire oder per Netzgerät, nicht jedoch über USB, was die Flexibilität entsprechend einschränkt. Auffällig: Das Track 16 sendet und empfängt zwar im Firewire 400-Modus, allerdings verfügt es dazu anschlussseitig über einen nicht allzu gängigen Typ B-Firewire-800-Port, was Anlass zur Kritik gibt. Denn das mitgelieferte Daten-Kabel ist konsequent auf Firewire 800 ausgelegt und ein entsprechender Adapter auf die 400er-Variante fehlt. Dafür gibt es von uns in Sachen Ausstattung einen Minuspunkt, denn zwar sind moderne Mac-Books mittlerweile damit ausgestattet, doch auf Windows-Ebene ist dieser Anschluss noch lange nicht Gang und Gäbe.Nichtsdestotrotz ist das Track 16 für gerade mal rund 670 Euro – siehe oben – mit einer stattlichen Zahl an Features ausgestattet, die umso neugieriger machen. Höchste Zeit sich das Ganze einmal genauer anzusehen.Das Track 16 ist gerade mal so groß wie eine DIN A5-Seite und nur zwei Finger hoch. Mit seinem stabilen schwarzen Aluminiumgehäuse mit leicht strukturierter, matter Oberfläche und abgerundeten Ecken, ist unser Testkandidat prädestiniert für den Reiseeinsatz oder beengte Verhältnisse im Heim-Studio. Die Oberseite wird von einem großen silberfarbenen Drehregler mit integrierter Schaltfunktion bestimmt, der sich mittig zwischen den acht Sieben-Segment-LED-Ketten und einem zweireihig angelegten Tastenfeld positioniert. Die zehn Tasten sind aus griffigem Weichkunststoff gefertigt, hinterleuchtet und mit sprechenden Bezeichnungen wie etwa Mic 1, Guitar 2, Main und Phones versehen. Ein On/Off-Taster erlaubt das (De)aktivieren des Interfaces im Stand-alone-Betrieb. Auffällig sind die mit V und P bezeichneten LEDs oberhalb der Mic-Tasten, die Auskunft über den Status der Phantomspannung und/oder der PAD-Dämpfung geben. Auf der Rückseite des Track 16 versammeln sich außer dem USB- und dem Firewire-800-Port eine optische Toslink-Schnittstelle, die wahlweise ADAT oder S/PDIF in Stereo sendet und empfängt sowie der große Kabelpeitschen-Eingang. Auffällig: Die dazu mitgelieferte Kabelpeitsche ist ziemlich lang, wenig flexibel und fast schwerer als das Interface. Kein Wunder, denn in ihr sind so gut wie alle Anschlüsse zusammengefasst. Dazu zählen zwei Combo-Eingänge für Mikrofone, zwei servo-symmetrische 6,3-mm-Klinken-Buchsen für Line-Signale, ein Hi-Z-Instrumenten-Eingang, ein Pärchen MIDI-Buchsen sowie vier weitere 6,3-mm-Anschlüsse für den Line Out- und den Hauptausgang. Zusätzlich ist darin sogar das Netzteil eingefasst, dessen Stecker ebenso aus der Kabelpeitsche ragt. Im Test macht das Gesamt-Ensemble aus Interface und angeschlossener Kabelpeitsche trotz aufklebbarer Gummifüßchen allerdings keinen besonders Vertrauen erweckenden Eindruck: Ständig muss darauf geachtet werden, dass das schwere und starre Kabelbündel nicht auf dem Studiotisch zur Seite rutscht oder am Ende noch das viel zu leichte Track 16 zu Boden reißt. Da hätte der Hersteller stattdessen besser gleich die für rund 130 Euro optional erhältliche Break-Out-Box mit ins Paket geschnürt. Nächster Kritikpunkt: Die eingeprägten Bezeichnungen an den Buchsen der Kabelpeitsche sind nicht besonders gut zu erkennen. Daher sollte möglichst bei guten Lichtverhältnissen verkabelt werden. Praktisch hingegen für Gitarristen: Auf der Vorderseite des Track 16 befinden sich neben zwei Kopfhörerausgängen ein Hi-Z-Gitarreneingang und ein Miniklinkeneingang für iPod und Verwandtes. Soll also lediglich eine Gitarrenspur aufgenommen werden, ist dies gänzlich ohne Kabelpeitsche oder Break-Out-Box möglich, zumindest sofern die Stromversorgung über Firewire stattfindet. Wird das Interface über USB betrieben, kommt der Nutzer nicht darum herum, trotzdem die große Kabelpeitsche anzuschließen, da das Netzteil, wie erwähnt, nicht separat eingesteckt werden kann, was letztlich den ohnehin schon zwiespältigen Eindruck untermauert. Insgesamt hätten wir uns daher eine elegantere Lösung gewünscht. Schlussendlich wirkt sich die Kompaktheit des Interfaces in Sachen Anschlüssen und Stromversorgung daher eher negativ aus.Doch genug gemeckert, denn in Bezug auf die Bedienung des Winzlings werde ich ordentlich entschädigt. Die nicht nur optisch ansprechende Beleuchtung der Bedienelemente ermöglicht es auch bei schlechten Lichtbedingungen – beispielsweise in einem dunklen Kellerstudio oder neben der Bühne – den Überblick über die aktuellen Einstellungen zu behalten. Sämtliche Bedienmöglichkeiten sind an der Hardware rasch erfasst: Über die Power-Taste wird das zuvor verkabelte Interface im Stand-alone-Modus aktiviert. Welche Pegel gerade sichtbar sind, lässt sich durch das Drücken der Meter-Taste festlegen, wobei die Tastenbeleuchtung zu den aufgedruckten Bezeichnungen an den LED-Ketten korrespondiert. Leuchtet sie blau, werden die Pegel der blauen Beschriftung dargestellt; leuchtet sie nicht, werden die Pegel der weißen Beschriftung angezeigt. Im Test genügt es, eine Kanaltaste zu betätigen – aktive Tasten leuchten grün, inaktive gelb-orange – und mit dem Drehregler die gewünschte Verstärkung oder Ausgangs-Lautstärke einzustellen. Sollen Signale für einen Mix gepegelt werden, muss gleichzeitig die gewünschte Eingangs-Taste mit der gewünschten Ausgangstaste gedrückt werden (zum Beispiel Mic 1 und Phones). So lassen sich nacheinander alle auf dem Interface verfügbaren Eingangssignale für bis zu drei Ausgangspaare (Main, Phones und Line Out) mischen.

Zum stumm schalten eines Ausgangs genügt es, die gewünschte Kanaltaste zu wählen und die Schaltfunktion des Drehreglers zu betätigen, woraufhin sich die Tasten durch Blinken bemerkbar machen. Wird die Schaltfunktion des Drehreglers bei einem aktiven Mikrofoneingang betätigt, wird dadurch die PAD-Dämpfung aktiviert. Durch ein längeres Drücken des Reglers lässt sich die Phantomspannung zuschalten. Mit wenigen Handgriffen ist zudem die Tastensperrfunktion aktiviert, sodass bei einem Umpositionieren des Interfaces nicht versehentlich Einstellungen verändert werden. Überdies steht eine Auswahl unterschiedlicher Farbschemata für die Beleuchtung der Tasten bereit. Dies kann besonders hilfreich sein, falls der eine oder andere Nutzer Probleme beim Lesen bestimmter Lichtfarben hat. Allerdings sollte beachtet werden, dass sich die Zahl der einstellbaren Kanäle im Stand-alone-Modus beträchtlich verringert. So wird aus unserem Track 16 eigentlich nur noch ein Track 6, da wir nur die analogen Ein- und Ausgänge einstellen können. Die digitalen Kanäle, der MIDI-Ein- und Ausgang sowie das Mini-Line-Signal bleiben außen vor. Sie können zwar uneingeschränkt Stand-alone genutzt, aber ausschließlich über die CueMix FX-Software konfiguriert werden. Dabei merkt sich das Track 16 sämtliche zuvor über die Software getätigten Einstellungen, Effekte inklusive. Schön wäre jetzt noch, direkt am Gerät zwischen unterschiedlich speicherbaren Settings wechseln zu können. Als rudimentäre Mixer-Alternative etwa im Proberaum oder für eine Bühnenperformance mit kleiner Besetzung ohne größere Setup-Änderungen von Song zu Song lässt sich das Track 16 Stand-alone dennoch sehr gut gebrauchen. Doch nun wollen wir einmal sehen, was das Track 16 in seiner Hauptfunktion als Studio-Desktop-Interface leisten kann. Zur Bedienung stehen auf dem Rechner insgesamt drei Anwendungen zur Verfügung, die Audio-Konsole, die SMPTE-Konsole und die CueMix FX-Software. Als erstes sollte die Audio-Konsole geöffnet werden. Über diese lassen sich übergeordnete Einstellungen wie die Auswahl der Samplerate, die Puffergröße und die Art des Clock-Quellensignals vornehmen. Bei der Samplerate sollte darauf geachtet werden, dass analoge Signale zwar bis hinauf 192 Kilohertz aufgenommen werden können. Die DSP-Effekte stehen in vollem Umfang jedoch nur bis maximal 48 Kilohertz zur Verfügung, was aber kein Makel ist. Denn damit macht das Track 16 keine Ausnahme verglichen zu den Mitbewerbern, die ebenfalls per Hardware berechnete Effekte anbieten.Außerdem können über die Audio-Konsole gerätespezifische Einstellungen wie die Zuordnung der Ausgangssignale oder die Auswahl des Signaltyps für die optischen Ein- und Ausgänge vorgenommen werden. Wichtig: An dieser Stelle lässt sich auch einstellen welches Ausgangspaar als Return-Bus fungiert. Das Track 16 besitzt keinen festen Return-Bus, verfügt jedoch über die Möglichkeit ein beliebiges Ausgangspaar, beispielsweise Line Out, als solchen zu behandeln. Der Return-Bus erscheint dann in der DAW an der Stelle, wo auch alle anderen Interface-Ein- oder Ausgänge aufgelistet werden. Der auf den Return-Bus geroutete Mix kann dann beispielsweise, wenn man ihn als Eingang auswählt über die DAW aufgenommen werden. Zudem können über ihn Spuren aus der DAW über das Track 16 ausgegeben und einem Direct Monitoring-Mix beigemischt werden.Sind all diese Einstellungen erfolgt, kann als nächstes die SMPTE-Konsole geöffnet werden, in der die Einstellungen für Clock und Synchronisation im Detail angepasst werden können. Extern synchronisiert sich das Track 16 wahlweise über die optische Schnittstelle  oder die Line-Anschlüsse. Den eigentlichen Haupt-Akteur und wichtigste Schalt- und Waltzentrale repräsentiert die CueMix FX-Bediensoftware. Die übersichtlich gegliederte Bedienoberfläche teilt sich in zwei Hauptbereiche: Die zwei Drittel des Fensters einnehmende Kanalübersicht zur Linken und die Channelstrip-Ansicht zur Rechten. In der Kanalübersicht ist eine Reihe von Kanalzügen für sämtliche Ein- und Ausgänge zusammengefasst. Über die Reiter „Inputs“, „Mixes“ und „Outputs“ kann auf die momentan gewünschte Kanalansicht umgeschaltet werden. Der „Mixes“-Reiter, über den sich sämtliche Direct Monitoring-Mischungen realisieren lassen, verfügt über ein ausklappbares Menü, über das eines von maximal acht analogen und digitalen Ausgangspaaren ausgewählt werden kann. Die Kanalübersicht zeigt daraufhin sämtliche Eingänge an, die über die Fader für das momentan gewählte Ausgangspaar gemischt werden können. Sämtliche Kanalzüge verfügen über einen „Focus“-Button, über den der momentan zu bearbeitende Kanalzug in den Vordergrund gestellt und anschließend rechts in der Channel-Strip-Anzeige im Detail bearbeitet werden kann. Die Input-Kanäle verfügen über die üblichen Funktionen zum Einstellen der Eingangssignale (Stereo/Mono-Switch, Phasenumkehr, Input-Gain). 

Die Output-Kanalzüge warten mit den Standard-Features eines Mischpults auf (Volume, Panpot, Solo, Mute). Beide Kanalarten besitzen zudem Einstellmöglichkeiten für EQ und Kompressor. Eingangs-Channelstrips sind überdies mit einem Send-Regler zum Einstellen des Hallanteils ausgestattet, wohingegen die Output-Kanäle logischerweise über Return-Parameter verfügen. Zusätzlich findet sich dort auch eine Monitoring-Sektion, bestehend aus Talk Back/Listen Back-Buttons. Die im Mixes-Reiter befindlichen Kanalzüge sind ähnlich ausgestattet wie die Outputs. Unterschied: Zusätzlich ist dort auch der Return-Bus integriert, der lediglich über eine Mute-Funktion sowie Send- und Return-Regler zum Beimischen des Hall-Effekts verfügt. Das Regulieren der Lautstärke sämtlicher analoger Ausgänge geschieht hingegen ganz rechts mit Hilfe der permanent dort sichtbaren Regler. Überdies findet sich noch einmal eine ständig sichtbare globale Talk Back/Listen Back-Sektion samt Lautstärkereglern.Die Feinarbeiten an den Kanälen erfolgen, wie erwähnt, in der Channel-Strip-Sektion, die ebenfalls über mehrere Reiter – „Channel“, „EQ“, „Dynamics“, „Meters“ und „Reverb“ – verschiedene Einstellmöglichkeiten offeriert. So lässt sich im „Channel“-Reiter die Phantomspannung oder Pad-Dämpfung aktivieren. Nicht alltäglich: Für Stereo-Mikrofonierungen kann dort sogar zwischen „normal“ und „M/S“-Modus gewählt sowie bei Bedarf der linke mit dem rechten Kanal vertauscht werden. Außerdem verfügt der Reiter ebenfalls über eine Talk Back/Listen Back-Funktion, sowie Panning- und Send-Regler für den Hall-Effekt.Über den „EQ“-Reiter können – Nomen est Omen – sämtliche Equalizer-Einstellungen vorgenommen werden. Darin werkelt ein Fünf-Band-EQ mit zwei Passfiltern. Besonderheit daran: Für sämtliche Bänder lassen sich vier verschiedene Bell-Kurventypen/Verhaltensweisen und für die Außenbänder eine Shelf-Charakteristik auswählen. Klanglich diente laut Hersteller der Sound britischer Analogkonsolen als Vorbild. Die Dynamics-Sektion enthält sogar zwei einstellbare Prozessoren. Außer einem konventionell ausgestatteten Kompressor, der wahlweise im Peak- oder RMS-Modus arbeiten kann, findet sich als besonderes Leckerli ein sogenannter „Leveler“, der wahlweise als Kompressor oder Limiter arbeiten kann. Nach Aussage des Herstellers wird dahinter der legendäre Teletronix LA-2A Opto-Kompressor emuliert. Der „Meters“-Reiter gibt über vier Displays Einblick über den Pegel des aktiven Kanals sowie über sämtliche Input-, Mix- und Outputpegel, wobei das Input-Display wahlweise auf Pre oder Post schaltbar ist – also vor dem Einsatz der Effekte oder danach. Den Reiter-Reigen beschließt zuletzt die Reverb-Sektion. Außer den üblichen Hall-Parametern offeriert der Dialog fünf verschiedene Algorithmen mit unterschiedlicher Raumgröße. Der Clou: Die in der Split Point-Sektion zusammengefassten „Mixes“ und „Outputs“ Buttons sorgen dafür, dass beim Einstellen des Halls in der Kanalansicht keine Rückkopplungen entstehen. Steht der Split Point auf „Outputs“, so werden die Reverb-Sends im „Output“-Reiter der Kanalübersicht aktiviert, während die Return-Regler im „Mixes“-Reiter deaktiviert werden. Ist stattdessen der „Mixes“-Button aktiviert geschieht das Gegenteil: Die Returns im „Mixes“-Reiter werden aktiviert, während die Sends im „Output“-Reiter deaktiviert werden. Das ist so einfach wie genial gelöst und schützt im Test vor unliebsamen Überraschungen.Abgerundet wird die Ausstattung der Cue Mix FX Anwendung über das Devices-Menü in der oberen Funktionsleiste, in dem sich sämtliche Analyse-Tools sowie das Stimmgerät aufrufen lassen. Diese wurden schon im Test des Motu 4pre ausführlich unter die Lupe genommen und können auch im Test des Track 16 erneut als brauchbare Praxiswerkzeuge punkten.Aber nun ist es höchste Zeit die Ohren zu spitzen und das Interface klanglich im Test zu erproben. Dafür habe ich vier im Charakter völlig unterschiedliche Gesangsstücke – ein klassisches Lied, eine Arie, ein mystisch-balladeskes sowie ein soulig-rockiges Stück zunächst ohne jegliche Effekte aufgenommen. In den ersten Sekunden des Vergleichshörens habe ich kurz den Eindruck, dass unser Testkandidat etwas präsentere Tiefen und Höhen besitzt. Doch schon nach kurzer Zeit verschwindet dieser Eindruck und die große klangliche Ähnlichkeit beider Interfaces wird deutlich. Wie das RME Fireface 400 verfügt das Track 16 über einen überaus transparenten Klang. Die Stimmaufnahmen klingen klar, dynamisch und konturiert, vielleicht um eine winzige Nuance präsenter und weniger plastisch als über das Fireface, was aber durchaus gefällt und eine angenehme Unmittelbarkeit transportiert. Auch in Sachen Messwerte kann der Testkandidat überzeugen.

Der Frequenzgang erscheint wie glattgebügelt, was für eine äußerst gleichmäßige Abbildung sämtlicher Frequenzbereiche spricht. Das FFT-Spektrum sämtlicher analoger Eingangssignale zeigt einen insgesamt sehr niedrigen Noisefloor unterhalb -90 Dezibel. Allerdings fällt bei sämtlichen Signaltypen ein Peak bis auf etwa -75 Dezibel im 50 Hertz-Bereich auf, der sich allerdings nicht als hörbares Brummen bemerkbar machen dürfte. Ein weiterer, noch leiserer Peak um etwa 150 Hertz bis lediglich -85 Dezibel findet sich hingegen nur im FFT-Spektrum des Mikrofonsignals, während das FFT-Spektrum des Instrumentensignals kleine Peaks um maximal -82 Dezibel auf Höhe der zweiten, vierten und achten Harmonischen aufweist, die sich maximal als leicht angewärmte Färbung zeigen könnten. Nichts zu meckern gibt es auch in Sachen Verstärkungs-Reserven. Bei einer Mikrofon-Eingangs-Empfindlichkeit von -67,5 Dezibel lassen sich auch äußerst leise Signale präzise aufnehmen und mit etwa 55 Dezibel ordentlich verstärken.Mit 72,3 bis 85,8 Dezibel Geräuschspannungsabstand und 69,7 bis 81,7 Dezibel Fremdspannungsabstand je nach Signaltyp liefert das Track 16 sehr ordentliche Werte, schneidet aber je nach Wert um fünf bis fünfzehn Dezibel schlechter ab als das Fireface.   In Sachen Klirrfaktor kann das Track 16 mit sehr guten Werten aufwarten: Mit lediglich 0,06 Prozent für Instrumentensignale, 0,02 für Line- und sogar noch knapp 0,01 Prozent für Mikrofon-Signale bewegt sich der Klirrfaktor deutlich unterhalb der Wahrnehmungsgrenze. Die Kurven verlaufen zudem sehr ebenmäßig, sodass keine größeren Schwankungen zu verzeichnen sind.Bei der Messung der Gleichtaktunterdrückung gibt es allerdings noch einmal einen Punkt Abzug: So bewegt sich die Kurve für die Mikrofonsignale im Bassbereich von 20 bis 200 Hertz fast durchgehend auf einer Höhe von -30 Dezibel und fällt erst ab etwa 200 Hertz in einer Geraden kontinuierlich bis zu einem minimalen Wert von -65 Dezibel. Der Anschluss längerer Kabel sollte daher gemieden werden.
Nun gilt es herauszufinden, ob die DSP-Effekte einen ebenso positiven Eindruck hinterlassen können. Dazu gebe ich sie zunächst einzeln auf die Ausgänge, über die ich meine Aufnahmen abspiele. Den Anfang macht der Equalizer, über den ich zunächst zwei hohe Frequenzen mit einer niedrigen Bandbreite moderat anhebe, einen breiten, mittleren Frequenzbereich leicht absenke und im tieferen Mittenbereich noch einmal ein Band mit großer Breite leicht anhebe sowie Hoch- und Tiefpassfilter zuschalte (siehe Abbildung). Dank der praktischen FFT-Anzeige und farbigen Kurve des EQ-Displays kann ich sofort feststellen, wie sich welcher Parameter auf meine Stimme auswirkt und gegebenenfalls die gewählten Frequenzbereiche anpassen. Klanglich leistet der EQ saubere Arbeit und wirkt dabei genau wie es die graphische Darstellung auf dem Display darstellt. Auffällig: Der EQ mischt der Stimme subtil einen etwas gewöhnungsbedürftigen, angewärmten Klang hinzu, der nicht unbedingt zu jeder Stimme und jedem Genre passt. Einer souligen Stimme, einer Hammond-Orgel oder einer E-Gitarre steht dieser angenehm-warme Sound jedoch überaus gut zu Gesicht. Ähnliches gilt auch für den „Leveler“, der sich ja bereits als Reproduktion des Teletronix LA-2A vorgestellt hat. Er kann zwar tatsächlich auf äußerst musikalische Weise komprimieren, besitzt aber ebenfalls einen etwas eigentümlichen Sound, der je nach Signaltyp schmückend oder störend wirken kann. Der konventionelle Kompressor kann abhängig von der Einstellung subtil bis kraftvoll zupacken. Er mischt dem anliegenden Signal hingegen keine merkliche Färbung unter.Auch der Hall macht, in Maßen dosiert, einen durchaus ansprechenden Eindruck. Alle fünf wählbaren Räume besitzen einen angenehmen, warmen Grundsound, der je nach Algorithmus im mittleren Frequenzbereich eine hörbare Resonanz besitzt. Bei voll aufgedrehter Reverb Time kann der Hall tatsächlich bis zu einer Minute anhalten, er klingt dabei aber bereits nach einigen Sekunden künstlich verlängert. Mit einer moderaten Zeiteinstellung besitzt der Nachhall aber einen durchaus gefälligen, warmen Klang. Je nach Einstellung ist jedoch in den Höhen ein unangenehm metallisches Klirren zu vernehmen, das sich mit einer Absenkung im Höhenbereich zwar merklich zügeln, aber nicht völlig eliminieren lässt. Bei der Kombination mehrerer Effekte habe ich mich für die zuvor beschriebenen EQ-Einstellungen, den konventionellen Kompressor sowie den moderat eingestellten Hall mit Raumklang C entschieden. Da sich sämtliche Effekte vom Charakter her ähneln, ergibt auch der Zusammenklang ein harmonisches Bild. Insgesamt können die DSP-Effekte im Test überzeugen und hinterlassen einen positiven Eindruck. 

Fazit

Im Test konnte das Track 16 mit seinem klaren Klang, größtenteils ordentlichen Messwerten, ansprechenden DSP-Effekten und seiner benutzerfreundlichen CueMix FX-Software punkten. Für das Missverhältnis zwischen unhandlicher Kabelpeitsche und winzigem Interface, das fehlende Firewire-Adapterkabel sowie die schlechten Messwerte bei der Gleichtaktunterdrückung müssen wir dem Kandidaten allerdings ein paar Punkte abziehen.

Erschienen in Ausgabe 03/2013

Preisklasse: Oberklasse
Preis: 667 €
Bewertung: gut – sehr gut
Preis/Leistung: sehr gut

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