Danish Sound-Dynamite

Mit dem Impact Twin läutet TC Electronic eine neue Generation innerhalb seiner Produktlinie von Firewire Audio-Interfaces ein. Mit Verbesserungen an Hard- und Software soll der Neuling noch besseren Klang bei gleichzeitig optimiertem Handling bieten. Wie das gehen soll, steht im Test.

Von Georg Berger

Es ist gerade einmal vier Jahre her, dass sich der dänische Pro-Audio-Hersteller TC Electronic mit dem Modell Konnekt 24D erstmals auf das hart umkämpfte Marktsegment der Audio-Interfaces begeben hat (Test in Heft 13/2006). Dass dieser Schritt kein Flop war und sich die Dänen seitdem am Markt behaupten können, beweist nicht zuletzt die Palette an weiteren Interface-Modellen, die dem Urvater Konnekt 24D folgten und mit unterschiedlich umfangreicher Ausstattung die verschiedenen Ansprüche der Anwender zielgerichtet abdecken. Das jüngste Mitglied der Interface-Familie, das jetzt zum Test antritt, hört auf den Namen Impact Twin und ist sozusagen der Enkel des Konnekt 24D, von dem es sämtliche guten Eigenschaften und fast die gleiche Ausstattung geerbt hat. Allerdings markiert das Impact Twin, um im Bild zu bleiben, einen neuen Evolutionsschritt innerhalb der Serie. Ausgestattet mit den neu konstruierten Impact III Mikrofon-Verstärkern sowie einer komplett neu programmierten und funktional erweiterten Steuer-Software, TC Near genannt, soll der Klang und auch das Handling beim Aufnehmen deutlich verbessert sein. Wie auch seine Väter und Vorväter sitzt im Kern des Impact Twin der sogenannte Dice II Chip, der sich um das Wandeln von Signalen kümmert und eine komplette Eigenentwicklung von TC Electronic ist.  Dies ist insofern bemerkenswert, als das viele Hersteller in ihre Interfaces Wandler-Chips von Drittanbietern verbauen. Bei TC Electronic wird also alles unter einem Dach erledigt, was mit entsprechendem Aufwand verbunden ist und sich eigentlich auch im Preis niederschlagen müsste. Nicht so beim Impact Twin, das für attraktive 400 Euro zu haben ist. Obendrein legt der Hersteller noch einige Effekt-Plug-ins aus eigenem Hause dazu sowie eine speziell angepasste Light-Version des Sequenzers Live 8 von Ableton. Doch bevor wir in die Tiefen der Software-Steuerung eintauchen, werfen wir einen Blick auf die Hardware. 

Äußerlich ähnelt das Impact Twin seinem Vater, dem Konnekt Live. Beide Geräte besitzen das gleiche markante, mit Kunststoff überzogene Metallgehäuse, das sich durch Rutschfestigkeit und Robustheit auszeichnet. In Sachen Anschlüsse und Bedienelemente gleichen sich Vater und Sohn ebenfalls fast bis aufs Haar. Frontseitig sind zwei Combo-Buchsen integriert, die sich mit den beigeordneten Potis akkurat einpegeln lassen. Die Phantomspannung ist für beide Eingänge gemeinsam aktivierbar. Besonderheit: Der Klinkenteil der Combo-Buchsen dient ausschließlich zum Anschluss von elektrischen Instrumenten. Wer Signale mit Line-Pegel anschließen möchte, kann dies über die rückseitigen Klinkenbuchsen tun. Dafür muss der Line in-Button gedrückt werden der zwischen den front- und rückseitigen Buchsen hin- und herschaltet. Wichtig: Bei Anschluss von elektrischen Instrumenten auf der Vorderseite muss der Pad/Inst-Taster gedrückt werden, der in diesem Fall eine Art Bypass-Funktion ausübt. Bei Anschluss von Mikrofonen sorgt das Drücken des Tasters für eine Absenkung des Pegels um 20 Dezibel. Über den Output-Regler ist die Lautstärke gemeinsam für die beiden Kopfhörer-Ausgänge und die ersten beiden Analog-Ausgänge feinjustierbar. Nicht alltäglich ist die Möglichkeit, das Summensignal per Mode-Taster wahlweise in stereo oder beide Kanäle summiert in mono abzuhören und sogar nur die Seitenanteile des Stereosignals auf die Ausgänge zu schicken. Letztgenannte Option aktiviert einen MS-Dekodierungs-Algorithmus und bietet die Möglichkeit, sich ein alternatives Bild von seinem Mix zu verschaffen. Im informativen Handbuch wird zudem darauf verwiesen, dass sich über den Side-Modus Artefakte beim Konvertieren auf datenreduzierte Formate wie MP3 oder AAC damit besser ausmachen lassen. Ausstattungs-Highlight ist jedoch der aus den Vorgängern bekannte Adjust-Knopf, ein Endlos-Drehregler mit Schaltfunktion. Über den beigeordneten Taster lassen sich mehrere Funktionen aufrufen, deren Parameter sich anschließend bequem damit am Gerät editieren lassen, unter anderem das Mischverhältnis zwischen direkt an den Ausgang durchgeschleiftem Eingangssignal und dem Summensignal des Sequenzers, also dem Direct Monitoring. Zu den weiteren editierbaren Funktionen kommen wir noch. Rückseitig finden sich insgesamt vier Klinken-Eingänge zum Einspeisen analoger Signale, wobei die Eingänge eins und zwei, wie erwähnt, im Wechsel mit den frontseitigen Combo-Buchsen nutzbar sind. An analogen Ausgängen finden sich ebenfalls vier servosymmetrische Klinkenbuchsen, was den Anschluss von zwei Monitorpaaren oder eines Monitors und etwa eines Kopfhörer-Verstärkers möglich macht. An digitalen Ein- und Ausgängen verfügt das Impact Twin über zwei Cinch-Buchsen für S/PDIF-Signale und zwei optische Toslink-Anschlüsse für ADAT- oder S/PDIF-Signale. Im Unterschied zum Konnekt Live ist das Impact Twin übrigens in der Lage die vollen acht ADAT-Kanäle plus die beiden S/PDIF-Signale gleichzeitig zu nutzen. MIDI-Ein- und Ausgänge, ein Netzgeräte-Anschluss sowie zwei Firewire 400-Schnittstellen runden das Repertoire an Verbindungen schließlich ab.

Um die Möglichkeiten des Impact Twin richtig ausschöpfen zu können ist zusätzlich zu den obligatorischen Treibern auch die Installation der TC Near genannten Steuer-Software erforderlich. Das TC Near Panel ist dabei einem kompletten Redesign unterzogen worden. Außer der Kernfunktion, dem Steuern des intern per DSP realisierten Mixers, wartet die Software mit einigen zusätzlichen Überraschungen auf. Doch der Reihe nach. Das in weiß und grau gehaltene GUI der TC Near-Software wirkt aufgeräumt und übersichtlich. Sämtliche Funktionen stehen im direkten Zugriff bereit. Routiniers werden die gebotenen Einstellmöglichkeiten der Oberfläche sehr schnell erfasst haben. Jeder Eingang ist über einen Channelstrip in der Lautstärke justierbar. Bis auf die Kanäle eins und zwei sind alle übrigen Eingänge jedoch nur paarweise in stereo einstellbar, was wir beim dritten und vierten Analog-Eingang sowie den ADAT-Kanälen für eine Einschränkung halten. Jeder (Stereo-)Kanal verfügt über die üblichen Einstellmöglichkeiten wie einen Lautstärke-Fader nebst Meter-Anzeige, Panpot, Solo- und Mute-Buttons. Nicht alltäglich ist jedoch ein Send-Regler, mit dem sich die Signale auf einen ebenfalls intern per DSP berechneten Hall-Effekt routen lassen. Der Hall selbst ist wiederum über einen eigenen Channelstrip editierbar. Wichtig: Das Signal wird direkt an die Ausgänge durchgeschleift und gelangt bei der Aufnahme nicht mit auf die Festplatte. TC Electronic bietet dem Anwender damit die Möglichkeit, sich beim Aufnehmen so wohl als möglich zu fühlen. Vor allem Vokalisten werden dieses Feature hoch schätzen, erlaubt es ihnen, ihre Performance noch lebendiger und authentischer zu gestalten. Die Klangqualität des Effekts – der Algorithmus wurde eigens für das Impact Twin programmiert und basiert auf dem M4000-Hall-Prozessor – ist erstaunlich gut und auf derselben Höhe wie das mitgelieferte M40 Hall-Plug-in, das ebenfalls auf dem M4000 basiert. Im Test lassen wir uns durch das Hinzumischen des Halls in jedem Falle in unserer Inspiration beflügeln. Für dieses praxisorientierte Feature gibt es daher schon einmal ein Sonderlob. Das  Highlight der TC Near Software sind jedoch die integrierten Equalizer, Kompressoren und Deesser in den ersten beiden Analog-Kanälen. Ihre Ausstattung, Layout und die Farbgebung der Regler schielt eindeutig auf SSL-Konsolen. So bietet der vierbandige Equalizer eine identische Ausstattung im Vergleich zum Original. Kompressor und Deesser verfügen hingegen nur über einen Drehregler mit dem die Stärke beider Effekte einstellbar ist. Per Ausklapp-Liste ist für beide Dynamik-Effekte gemeinsam eine Reihe von Presets für unterschiedliche Anwendungen wählbar. Vorgenommene Einstellungen werden im Gegensatz zum Send-Hall bei der Aufnahme jedoch mit eingerechnet. Schade ist jedoch, dass die Effekte deaktiviert sind, wenn anstelle der Combo-Buchsen die rückseitigen Klinken-Eingänge eins und zwei aktiviert werden. Wer dort einen Synthesizer anschließt, kann jedenfalls nicht von den Vorzügen der Channelstrip-Effekte profitieren. Wer komplett auf die Studio-Effekte verzichten will, drückt einfach den All Bypass-Button.

Wichtig: Bei Samplingraten oberhalb 96 Kilohertz sind sämtliche intern berechneten Effekte allerdings deaktiviert, was aber verschmerzbar ist. Sehr schön: Über den Adjust-Regler an der Hardware ist die Kompressionsstärke separat für beide Kanäle einstellbar sowie der Effektanteil und die Dauer des Halls, eine gute Wahl. Doch zurück zu den Studio-Effekten: Im Test geben sich Equalizer und Dynamik-Effekte als subtil arbeitende Studio-Werkzeuge zu erkennen. Ein deutliches Anheben von Frequenzen klingt nicht so kraftvoll wie erwartet, ganz zu schweigen davon, dass sich ein SSL-Sound einstellt, was aber wohl niemand ernsthaft erwartet. Gleiches gilt auch für die Dynamik-Effekte. Um eine deutliche Auswirkung zu hören, müssen wir die Drehregler schon sehr weit aufreißen, was allerdings auch mit einem deutlichen Hintergrundrauschen einhergeht. Daher empfiehlt sich lediglich ein behutsamer und je nach Signalart zurückhaltender Einsatz, der sich mehr auf das Erreichen eines optimalen Pegels, als auf kraftvolles Sounddesign konzentriert. Doch das ist insgesamt kein Nachteil. Die Effekte sorgen vielmehr für einen Feinschliff der Signale, sie arbeiten fast unmerkbar im Hintergrund und lassen den Grundcharakter des eingespeisten Signals unangetastet. Wer nachhaltiges Sounddesign vornehmen will, muss entweder die entsprechende Peripherie vorschalten oder dies nachträglich in der DAW erledigen. Damit ist der Reigen an Einstellmöglichkeiten in der TC Near Konsole noch nicht zu Ende. Eine neu hinzugefügte Routing-Matrix erlaubt das unkomplizierte und flexible Verknüpfen sowohl der physikalischen Ein- und Ausgänge als auch von insgesamt 14 virtuellen Kanälen, mit denen sich die Ausgänge des Sequenzers in die TC Near Konsole einbinden und auf die verschiedenen Ausgänge routen lassen. Gitarristen und Bassisten werden sich überdies über den integrierten Tuner freuen. Allerdings fordert er eine gewisse Eingewöhnung. Denn im Vergleich zu den Tunern etwa von Guitar Rig 4 oder Amplitube 3 ist nach unserem Empfinden die Auflösung der Anzeige sehr grob. Ein exaktes Stimmen der Instrumente ist nach der Eingewöhnung jedoch ohne weiteres möglich. Die üblichen globalen Einstellmöglichkeiten, wie Samplingrate, Sampling Buffer und Synchronisations-Einstellungen, sind per Klick auf den System Settings Reiter erreichbar. Alles in allem bietet die neu programmierte TC Near Konsole gerade im Vergleich zum Pendant des Konnekt 24D deutlich mehr Bedienkomfort, eine praxisgerechtere Ausrichtung und Ausstattung und sogar eine Reihe von Features, die bei den Mitbewerbern nicht zu finden sind. In dieser Disziplin zeigt sich das Impact Twin im Vergleich zu seinen Vorgängern eindeutig verbessert. Im Test beherrschen wir jedenfalls sämtliche Funktionen bereits nach kurzer Zeit mit traumwandlerischer Sicherheit.

Doch wie schaut es mit den inneren Werten der Hardware aus? Die Antwort lautet kurz und knapp: Hervorragend. Die üblichen Tests im Professional audio Meßlabor absolviert das Impact Twin mit Bravour. 59 Dezibel an Verstärkungsreserven an den Mikrofon-Eingängen erlauben auch den Anschluss leiser Schallwandler. Die FFT-Spektren an allen drei Anschlüssen (Mikrofon, Line, Instrument) zeigen einen Noisefloor unterhalb -100 Dezibel. Die Peaks bei k2 und k3 fallen nicht ins Gewicht und reichen gerade bis etwa -95 Dezibel. Die Ergebnisse nach Messen der Geräusch- und Fremdspannungsabstände sind ebenfalls vorbildlich und liegen im Schnitt bei etwa 92 und 89 Dezibel. In Sachen Gleichtaktunterdrückung zeigen sich Ergebnisse, die eines Spitzenklasse-Gerätes würdig sind. Die Verlaufskurve für die Mikrofon-Eingänge verläuft horizontal bei durchschnittlich -68 Dezibel, ein exzellenter Wert. An den Line-Eingängen steigt der Wert ab drei Kilohertz allmählich auf -52 Dezibel, was immer noch sehr gut ist. Mit gemessenen 46,2 Volt liefert das Impact Twin eine der Norm entsprechende Phantomspannung. Ebenfalls auf Spitzenklasse-Niveau ist auch die Wandlerlinearität: Erst unterhalb -120 Dezibel zeigen sich erste Unlinearitäten. Ein Wermutstropfen ist dennoch vorhanden: Durchaus lobenswert ist zwar die Möglichkeit, über vier wählbare Betriebs-Modi den Kernel Buffer einzustellen, um das Impact Twin auch mit leistungsschwachen Rechnern erfolgreich betreiben zu können. Doch geht das Vergrößern des Buffers logischerweise und ausweislich unseres Tests auch mit einer deutlich hörbaren Latenz einher. Wer mit einem relativ flotten und modernen Rechner arbeitet und dennoch gezwungen ist, auf einen der Safe-Modes auszuweichen, sollte als erstes den Computer überprüfen und entsprechenden Optimierungsmaßnahmen unterziehen. Im Test sind wir in unserem Fall gezwungen, die Netzwerkfunktionen zu deaktivieren, um auch im Normal-Modus anstandslos arbeiten zu können. Andere Testkandidaten haben sich in dieser Hinsicht deutlich sattelfester gezeigt.    Im Hörtest zeigt sich das Impact Twin von einer markanten Seite, die jedoch ästhetisch durchaus zu gefallen weiß. Ganz gleich welche Art von Signalen wir aufnehmen, das Impact Twin ist vom Grundcharakter der Transparenz verpflichtet. Dennoch zeigen sich Unterschiede, weshalb es sich im Vergleich zu unserer Oberklasse-Referenz, dem teutonisch klingenden aber auch doppelt so teuren RME Fireface 400, in der Mittelklasse positioniert, darin jedoch einen Spitzenplatz einnimmt. Zwar fängt das Impact Twin Signale akkurat ein. Die Fingergeräusche beim Spiel einer akustischen Gitarre werden präzise wiedergegeben, Plosivlaute einer Sprachaufnahme klingen knackig und präsent. Doch insgesamt bestechen die Impact-Aufnahmen durch merkbar zurückgenommene Bässe und untere Mitten, weshalb ihnen ein schlanker, filigraner Charakter zu eigen ist. Damit einher geht der Eindruck, dass die Aufnahmen dadurch frischer und luftiger klingen. In Sachen Plastizität können sich die Impact-Aufnahmen jedoch erstaunlich gut gegenüber den Fireface-Pendants behaupten. Durch den schlanken Grundklang wirken die Aufnahmen immer eine Spur zurückgenommen. Dennoch: Transparent geht anders, betrachtet man die Ergebnisse rein nüchtern. Subjektiv verhält es sich jedoch anders und der vermeintliche Makel kehrt sich ins Positive. Denn im Hörtest wissen die Impact-Aufnahmen durchweg ästhetisch zu gefallen, weshalb es sich einen sehr guten bis überragenden Platz in der Mittelklasse redlich verdient hat.

Fazit

TC Electronic hat mit dem Impact Twin ganze Arbeit geleistet und offeriert dem Anwender ein durch und durch praxisorientiertes Audio-Interface mit vielen sinnvollen Funktionen jenseits überflüssigen Schnickschnacks. Klanglich besitzt es einen eigenen Charakter, der mit Sicherheit viele Anhänger finden wird, nicht zuletzt auch durch das sehr gute Preis-Leistungs-Verhältnis.

Erschienen in Ausgabe 06/2010

Preisklasse: Mittelklasse
Preis: 399 €
Bewertung: sehr gut – überragend
Preis/Leistung: sehr gut

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