Vollpaket mit britischen Neuzugängen

Puh… da kommt was auf uns zugerollt. Die neue Version der von IK Multimedias Amp-Simulation Amplitube 4 kommt mit einigen großen Neuerungen daher. Von der Hyper-Realistic Tone-Engine bis hin zum eingebauten Custom Amp-Shop sollen keine Wünsche offen bleiben. Wir haben uns das mal etwas genauer angeschaut.

Von Henning Hellfeld

Seit nunmehr 14 Jahren mischt das italienische Unternehmen IK Multimedia in der Welt der Amp-Simulations-Software mit. Seit geraumer Zeit gehören zudem auch die passenden Gitarren-Audio -Interfaces für Rechner oder mobile Endgeräte zum Sortiment, wie etwa das jüngst vorgestellte iRig Pro Duo (Test in einer der nächsten Ausgaben). Allgemein scheint es so, als hätte die 1996 in Italien gegründete Company für fast jedes Problemchen, welches sich für Gitarristen, Bassisten, Sänger oder Produzenten in Sachen Rechneranbindung auftut eine Lösung.

Schon Amplitube 3 hat seinerzeit bei uns im Test aufgrund der guten Klangeigenschaften und praktischen Anwendungsmöglichkeiten einen sehr guten Eindruck hinterlassen (Test in Heft 5/2010). Nun kommen mit der neuen Version gleich eine Vielzahl an Neuheiten hinzu, die uns neugierig werden lassen. Unter anderem ist nun von Hyper-Realistic Tones die Rede, ein neuer 3D Speaker Room mit Raum-Mikrofonierung ist mit an Bord und gleich fünf neue Amp-Klassiker von Marshall wurden eigens für die neue Version gemodelt.

Preislich startet Amplitube 4 in der Standardversion bei rund 150 Euro und ist mit zehn Tretminen (aka Bodeneffekten), neun Verstärkern, zehn Gitarrenboxen, 29 Speakern, drei Mikrofonen, zwei Rack-Effekten und Tunern ausgestattet. Die in unserem Test herangezogene Deluxe Version schlägt hingegen mit knapp 300 Euro zu Buche, bringt allerdings auch 115 Zubehörteile mehr auf die Waage. Wichtig: Die jüngste Version arbeitet nun ausschließlich im 64 Bit-Modus und sollte mindestens mit zwei Gigabyte Arbeitsspeicher und einem Doppelkern-Prozessor betrieben werden. Als Betriebssystem sollte Windows 7 oder Mac OS X 10.7 zu Grunde liegen. Neben der Stand-alone Funktion werden natürlich die gängigen Plug-in-Formate AU, VST2, VST3 und AAX unterstützt.

Durchdachte Überarbeitungen

Beim Öffnen von Amplitube 4 im Stand-alone-Modus ist zunächst rein gar nichts von Gitarren-Amps zu sehen. Stattdessen strahlt uns zunächst eine überschaubar ausgestattete DAW-Oberfläche entgegen, die nun über acht Spuren verfügt, um rasch und unkompliziert Ideen festzuhalten. Das Handling ist denkbar einfach und erschließt sich intuitiv. Jede Spur verfügt, außer über die üblichen Spur-Funktionen, über einen FX-Schalter zum Aktivieren der Amp-Simulation. Unterhalb des Arrangier-Fensters sind noch die entsprechenden Transport-Tasten, ein Metronom sowie die Eingabefelder für die Geschwindigkeit in BPM, die Transposition und die Wiedergabegeschwindigkeit (0,5- bis zweifach). Wichtig: Am linken Rand erwartet uns ein Button, auf welchem stilisierte Aufnahme-Spuren abgebildet sind. Dieser ruft schließlich die eigentliche Bedienoberfläche von Amplitube 4 auf.

Alternativ zur Acht-Spur-DAW wurde der neuesten Version noch ein Vier-Spur-Looper spendiert, um rasch gewaltige Gitarren-Wände erzeugen zu können.

Das GUI der Hauptansicht hat sich bis auf wenige Dinge im Vergleich zu Amplitube 3 nicht wesentlich verändert. Allerdings lassen elegantere Farbübergänge, eine insgesamt schönere Farbwahl und weniger aufdringlich wirkende Buttons die neue Version wesentlich ruhiger und moderner erscheinen. Außerdem haben die Entwickler jetzt auf die CPU-Anzeige (optional einschaltbar), die Quality-Anzeige und die dauerpräsente DAW verzichtet, was nochmals mehr Ruhe und Übersichtlichkeit schafft.

Wie gehabt, finden wir in der Kopfleiste den Preset-Browser, eine Geschwindigkeits-Anzeige und einen kleinen Einkaufswagen, der zum Custom-Shop führt, um dort bei Bedarf weitere Amps, Cabinets, Effekte und dergleichen online zu erwerben. Unterhalb davon finden wir unsere Routing-Optionen. Wie schon in den vorherigen Versionen kann zwischen acht verschiedenen Routings gewählt werden. Dies kann ein einfaches serielles Setup oder ein komplexes Dual-Amp-Setup mit allen Raffinessen sein. Dort finden wir auch schon die erste Neuheit: Hinter dem Tuner, den Stomps und den Amps befindet sich nun vor den Cabs und den Racks erstmals ein Insert, welcher sich zwischen Vor- und Endstufe des Amps schaltet, also quasi ein waschechter Effektloop, wie er bei gängigen Verstärkertypen zu finden ist. In der Fußleiste finden wir den Input-Level-Regler mit Anzeige, das Noise-Gate, den praktischen Mini-Tuner, eine Werte-Anzeige sowie Parameter wie Panorama, Volume, Phase und D.I., die auf das gerade ausgewählte Modul einwirken. Abgeschlossen wird das Ganze dann natürlich mit dem Master-Regler.

Neuheiten im Detail

Schauen wir uns als Nächstes einmal an, was IK Multimedia an neuen Modulen hinzugefügt hat. Auf den eben erwähnten Insert gehen wir später noch ein. Als erstes fällt uns das neue Stimmgerät, der „Ultra Tuner“ auf, der vom Hersteller als „Das genaueste Stimmgerät aller Zeiten“ vollmundig angekündigt wird. Ob dem wirklich so ist, sei dahin gestellt. Jedenfalls gibt es zur Kontrolle der Töne gleich drei Mess-Instrumente. Das gängigste ist wohl die klassische LED-Anzeige im Horizontalformat. Unkonventioneller aber durchaus praktisch ist die Anzeige, die uns an Plug-ins wie Melodyne oder Waves Tune erinnert. Die Intonation wird in einem X/Y Diagramm dargestellt, wobei sich die Tonhöhe in der Vertikalen befindet. Die dritte Anzeige stellt uns eine, je nach Verstimmung der Saite, mehr oder weniger stark vibrierende Sinuswelle dar. Mit allen drei Möglichkeiten lässt sich im Test die Gitarre sehr gut stimmen, wobei die Ansprache blitzschnell ist. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass die X/Y-Anzeige dabei am präzisesten arbeitet. Sie ist sogar so genau, dass man sogar Unterschiede sieht, wenn die Hand am Hals liegt oder nicht. Abgesehen von den verschiedenen Anzeigen bietet der Ultratuner auch verschiedene Stimm-Modi, um die Axt bei Bedarf etwa pythagoreisch, nach Kirnberger oder Werckmeister stimmen zu können. Allerdings fehlen uns zum Zeitpunkt des Tests Informationen zu den Presets, da bislang immer noch ein Handbuch fehlt. Die Just Major Stimmung beispielsweise setzt die g-Saite so hoch an, dass C-Dur nur mit einem ganz fest zugekniffenen Auge noch klingt, aber der Rest dann auch schon nicht mehr. Daher bitte das Handbuch so rasch wie möglich nachlegen.

Wie erwähnt besitzt Amplitube 4 jetzt einen Insert zwischen Vor- und Endstufe, der den Effektloop eines Verstärkers simuliert und im Test für weitere klangliche Variation sorgt. Denn ein Hall im Insert klingt anders als am Ende der Kette im Rack. Durch die Färbung der Endstufe wirkt der Klang der Effekte im Insert weniger clean. Dafür gibt’s schon mal ein Extra Lob. Auch lobenswert: Grundsätzlich lassen sich jetzt die Rack-Effekte als Stomp-Effekte nutzen und umgekehrt, was das Ganze noch ein Stück weit mehr flexibler macht. Ab sofort kann man sich also persönlich davon überzeugen, wo nun der Effekt für einen am besten klingt: Als Stomp-, Insert- oder Rack -Effekt. Bravo.

Ein großes Fass macht IK Multimedia mit dem neuen 3D Cab Room auf. 29 Boxen-Typen, 29 verschiedene Speaker, elf Mikrofone und sechs Räume stehen uns zur Verfügung, um uns klanglich auszutoben. Das ist schon richtig mächtig und im Vergleich zur Vorversion kann damit ungleich detaillierter am Sound gefeilt werden. Ist als erstes eine Box gewählt, können wir zunächst einmal die physikalische Größe der Box zwischen 75 und 125 Prozent variieren. Dies wirkt sich drastisch auf den Klang aus. Während die Vergrößerung uns mehr Low-End verschafft, dämpft sie auch die Höhen. Eine Verkleinerung der Box wirkt sich entgegengesetzt aus. Ist die Größe der Box bestimmt, dann kann man sich ja mal Gedanken über die Speaker-Bestückung machen. 29 Lautsprecher stehen uns zur freien Auswahl zur Verfügung. Natürlich kennt man die gängigen Vintage 30 Speaker oder Greenbacks. Doch wie dann so ein Marshall Topteil über den Speaker eines Jazz-Chorus klingt, kann interessant werden. Trotz der nur zwei Mikrofone, lassen sich in eine 4x12er Box vier verschiedene Speaker einbauen. Dies wird dann klanglich für den Raum relevant oder wenn die Mikrofone sehr nah am Rand des Lautsprechers positioniert sind, sodass das Mikro quasi zwischen den Speakern steht.
An Bord sind alle gängigen Mikrofon-Typen unter anderem von Sennheiser, Shure, Royer und Neumann, die stufenlos in der Höhe, Breite und im Abstand positionierbar sind, was im Test mit einer nahezu stufenlosen Klangänderung einhergeht.

Besonders gut gelungen im 3D Cab Room ist unserer Meinung nach die Raumsimulation. Zunächst wählen wir zwischen sechs verschiedenen Räumen. Von der trockenen Aufnahmekabine über verschieden große Studioräume, bis hin zur Garage und Live Venue finden wir ausnahmslos sehr gut klingende Räume. Ob man diese nun subtil oder offensichtlich einsetzt, ein Gewinn für den Sound sind sie auf jeden Fall. Mikrofoniert sind die Räume wahlweise mit einem Stereo-Paar Neumann U87, AKG C 414, AKG C12 oder Neumann TLM170. In der Mix-Einheit können dann die Signale der Close-Mikrofone, des Raums und bei Bedarf sogar das D.I.-Signal miteinander kombiniert werden. Hierbei lassen sich bei den Mikros noch die Phasen drehen, bei den Raum-Mikros die Stereo-Weite variieren und beim D.I.-Signal die Phase noch um +/-20ms verändern.

Mit dem Acoustic Simulator findet sich auch Zuwachs in der Stomp-Abteilung. Der Prozessor soll es ermöglichen, elektrische in akustische Gitarrenklänge zu transformieren. Trotz einiger Probezeit gelingt uns das im Test nur ungenügend. Vielleicht wäre auch hier eine erhellende Anleitung von Nutzen gewesen.

Fünf neue Klassiker von der Insel

Für unseren Klangtest wollen wir uns zunächst auf die brandneuen fünf Marshall Klone stürzen. IK Multimedia liefert mit dieser British Collection genannten Amp-Serie einen nahezu vollständigen Schnitt durch die wichtigsten Marshall Sounds, die allesamt legendär zu nennen sind.
Der älteste Amp in der Collection ist „Red Pig“ und basiert auf einem Marshall Major 200, von dem zwischen 1967 bis 1974 um die 1.200 Stück produziert wurden. Dieser Verstärker wurde für Gitarristen konzipiert, die eine höhere Lautstärke benötigten, wobei schon der Name Programm ist, denn der Major 200 besitzt 200 Watt. Ja genau, 200 übermächtige Watt Leistung. OK, dafür spielten den unter anderem auch Jimmy Page oder Stevie Ray Vaughan auf entsprechend großen Bühnen. Amplitube 4 legt für jeden Briten fünf Grundsounds vor: Von Clean geht es über den Crunch, bis zum Hard Rhythm. Dann noch zu Lead und Pushed. Also nun die Tele eingestöpselt und das Clean Preset gecheckt. „The Pig“ präsentiert sich erstaunlich dynamisch und präsent. Glockig schimmern die Höhen während die Bässe schön satt sind, ohne überbetont zu sein. Haut man richtig in die Saiten erkennt man schon die Tendenz zum Ausbrechen und minimalen Anzerren, welches erst bei genauem Hinhören auffällt. Nun klingt das ganz in Richtung Red Hot Chilli Peppers. Im Crunch Setting kommt hingegen richtiges Vintage Flair auf. Der Sound geht sehr in Richtung Plexi und lässt sich wunderbar mittels Volume-Poti wieder fast zum Clean-Sound mit zerrigen
Spitzen zurückdrehen. Dynamisch ist das wirklich spitze. Die Lead-Einstellung ist ein typischer 60/70er Marshall Lead-Sound à la Jimmy Page. Ein bisschen muddy mit viel Low-End und angenehmen Höhen. Insgesamt ein toller Amp, der beeindruckt.

Ab 1981 kam dann der JCM 800 auf den Markt, der in Amplitube in Form des Brit 8000 vertreten ist. Dieser einkanalige Amp mit zwei verschieden empfindlichen Eingängen ist einer der legendärsten Amps dieser Zeit und hat den Sound des 80er-Jahre Hard Rock und New Wave of British Heavy Metal geprägt wie kein anderer. Trotz alledem wurde der Amp auch zum Beispiel von Tom Morello (Rage Against The Machine) gespielt und ist somit ein nahezu zeitloser Verstärker. Der JCM 800 war noch nie ein starker Clean-Amp, entsprechend authentisch klingt auch das Clean-Setting. Das Hard Rhythm-Setting drückt mächtig los, ohne mit viel Gain zu prahlen. Vor allem gedämpfte Parts werden exzellent verarbeitet. Im Lead Bereich merkt man hingegen, das wirkliches Hi-Gain zu dieser Zeit noch nicht angesagt war. Schön mittig und angenehm sanft in den Höhen, schneidet sich der Lead Sound seinen Weg durch den Monitor.

Die Weiterentwicklung des JCM 800 geht Anfang der 90er-Jahre schließlich in den JCM 900 über. Einschlägige Gitarren-Magazine titeln: „Shredders, here is an amp you won’t need to have modified“. Während der JCM 800 für höhere Gain-Reserven noch modifiziert werden musste, kann der JCM 900 dies schon ab Werk. Auch die virtuelle Reproduktion in Form des Brit 9000 spiegelt diese Entwicklung genau wieder. Ein richtiger Clean Sound ist fast nur zu erreichen, wenn sowohl Gain als auch der Preamp auf zwei stehen. Der verzerrte Sound ist in den hohen Mitten weniger präsent als der JCM 800 und geht schon eher in Richtung Metal. Das Lead-Setting geht dann sehr in die Richtung „Shredding“. Viel Gain à la Satriani und Co.

Irgendwo zwischen diesen drei Boliden ordnet sich das 25th Anniversary Modell Silver Jubilee ein. Als erster Marshall mit der Möglichkeit die Output-Power zu halbieren, waren nun auch JCM 800 Sounds bei moderaten Lautstärken drin. Auch das digitale Pendant Brit Silver, versprüht noch ordentlich JCM 800 Charme, wobei der Grundsound weniger hochmitttig ist. Bei Lead-Einstellungen wirkt der Silberling schön dreckig und eher rockig.

Auch die 19Zoll-Ära mit ihren kühlschrankhohen Racks ging an Marshall nicht vorbei. Mit dem per MIDI steuerbaren Röhren Preamp JMP-1 schnitt sich Marshall seinerzeit seinen Teil des Kuchens ab. Mit jeweils zwei Clean- und Overdrive-Modi zeigte sich der JMP-1 vielseitig und wurde rasch sehr beliebt. Der Brit Valve Pre in Amplitube 4 spiegelt dies ebenfalls sehr gut wieder. Während der erste Clean-Modus fett und weniger höhenbetont wirkt, ist der zweite schlanker und präsenter in den Höhen. Die Overdrive Modi unterscheiden sich ebenso drastisch. OD 1 geht in Richtung JCM 900 mit einer Tendenz zur Badewanne. Auch in dem Fall sind die Mitten wenig präsent und man entkommt der Versuchung nur knapp, das volle Repertoire an Metallica-Riffs an Ort und Stelle loszuwerden. OD 2 kommt da wesentlich mittiger, ja schon etwas näselnd daher. Rundum ein gutes Remake des Originals, wobei wir am Schluss dann doch immer wieder bei den „richtigen“ Amps der Brit-Series landen. Diese sind einfach dynamischer und tiefer. Zur Ehrenrettung des JMP-1 sei aber angemerkt, dass der 19-Zöller normalerweise je nach benutzter Endstufe seine Soundqualität mehr ausreizen konnte. Diese Option bleibt uns in Amplitube 4 allerdings (noch?) verwehrt.
Natürlich können wir nicht jede Möglichkeit der Modifikation in Betracht ziehen. Wenn man alleine die weiteren Varianten der variablen Boxenbestückung und der Mikrofonierung in Erwägung zieht, gehen die Möglichkeiten in die Hunderte. Doch der erste Blick lässt das Potential hinter den neuen Amps erahnen.

Fazit

IK Multimedia Amplitube 4 überzeugt nicht durch Quantität, sondern mit durchdachten Verbesserungen und qualitativ hochwertigen Neuheiten wie den Ultra-Tuner, die Brit Collection oder der 3D Cab-Room. Zusammen mit den ebenfalls sehr gut klingenden Effekten und Tretminen, die aus der Vorversion übernommen wurden machen diesen Amp-Simulator zu einer Allzweckwaffe, die den Vergleich zur Konkurrenz in keiner Weise zu scheuen braucht. Der Preis von rund 300 Euro für die Deluxe-Version scheint uns angemessen, höher sollte er allerdings nicht sein. Zusätzlich sollte auch die Möglichkeit nicht außer Acht gelassen werden, dass Amplitube 4 über seinen Custom Shop um eine Vielzahl lizensierter Klone namhafter Firmen dynamisch erweitert werden kann. Dies ist ein ganz klares Alleinstellungsmerkmal gegenüber der Konkurrenz, denn keine andere Simulations-Software kann mit lizensierten Verstärkern, Tretminen, Boxen oder Mikrofonen in dieser Anzahl aufwarten.

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Kurz angetestet: IK Multimedia Mesa/Boogie Collection

Fast zur gleichen Zeit wie Amplitube 4 hat IK Multimedia mit der Mesa/Boogie Collection ein neues Set an Amps der renommierten amerikanischen Amp-Schmiede für knapp 150 Euro vorgestellt, das ähnlich wie die in Amplitube 4 enthaltene Brit Collection mit fünf Klassikern inklusive dazu passender Box kommt.
Mesa/Boogie zählt zu den einflussreichsten Verstärkerfirmen aller Zeiten. Ihre Anhänger reichen von Carlos Santana über Metallica bis hin zu den Foo Fighters, um nur einen Bruchteil zu nennen. Einer der prägnantesten Sounds wird von den Amps der Mark-Serie erzeugt. Gleich zwei Vertreter dieser Reihe sind in der Collection vertreten. Der Mark III und der Mark IV sind Alleskönner mit einer nahezu unerschöpflichen Anzahl von Variationen via Push-Pull-Potis. Aber die wirkliche Waffe ist der legendäre Fünfband-EQ der Serie mit dessen Hilfe Sounds von Funk über Blues, zu Rock, Metal oder Fusion machbar sind. Die IK-Multimedia-Reproduktionen stehen den Originalen dabei in Sachen Vielfältigkeit in nichts nach. Dazu sei angemerkt, dass der Mark IV etwas moderner anmutet als sein Vorgänger. Beide Verstärker sind in Sachen Durchsetzungsfähigkeit eine Wucht. Gerade so wie wir es von den Boogies kennen.
Doch was wäre der moderne Metal ohne den typischen Rectifier-Sound? Auch wenn der Bolide mit dem Stahlblech Chassis für diesen Sound berühmt ist, ist auch er ein vielseitiger Amp mit einer Vielzahl an Variationsmöglichkeiten. In der Boogie Collection gleich doppelt mit dem Dual- und dem Triple Rectifier vertreten, ist der Sound der beiden Amps mächtig und brutal mit viel Gain, allerdings auch bei niedrigen Gain-Einstellungen sehr brauchbar. Der Grundcharakter der Amps ist trotz der drei Verzerrungsmodi Raw, Vintage und Modern trotzdem zeitlos aktuell.
Letzter im Bunde ist der Transatlantic, der mit seinem Cut-Regler und der Top-Boost-Funktion konstruktionsmäßig eher in Richtung Vox tendiert. Klare Clean-Sounds und rockige Verzerrung sind seine Stärken.
Insgesamt legt IK Multimedia damit ein rundum gelungenes Paket vor, das unserer Meinung nach die bisher umfassendste digitale Mesa/Boogie-Sammlung auf dem Markt ist. Einziges Manko ist der geforderte Preis, der für fünf Amps gemessen am Leistungsumfang doch sehr hoch ist.

Erschienen in Ausgabe 1/2016

Preisklasse: Spitzenklasse
Preis: 150/300
Bewertung: sehr gut
Preis/Leistung: gut

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