Turbo-Maschine

Native Instruments schöpft beim ersten Major-Update seiner Maschine-Software aus dem Vollen und präsentiert mit der Produkt-Variante Maschine Studio gleichzeitig einen neuen, luxuriös ausgestatteten Hardware-Controller, der fortan die Spitzenposition im Maschine-Sortiment einnimmt. Wie sich das Produzieren mit dem neuen Studio-Controller gestaltet und was es Neues im Major-Update gibt, erfahren Sie im Test. 

Von Georg Berger 

Dass sich Groove Boxen, ganz gleich ob als Hardware-, Software- oder Hybrid-Lösung konzipiert, zum Produzieren von Musik gleichberechtigt neben DAWs à la Cubase, Pro Tools, Live oder Logic etabliert haben, dürfte eine Binsenweisheit sein. Durch das konsequente Beibehalten einer Pattern orientierten Arbeitsweise sind Groove Boxen dabei zumeist im Dancefloor anzutreffen, was jedoch nicht heißt, dass sich damit nicht auch jedwede andere Art von Musik herstellen lässt. Seit 2009 spricht Native Instruments mit seiner Maschine ein wichtiges Wörtchen in diesem Marktsegment mit und hat sich als Alternative zum Hardware-Industrie-Standard, den MPC-Geräten von Akai, etablieren können (Test in Heft 5/2009). Danach haben die Entwickler nicht nur die Software stetig weiter entwickelt. Mittlerweile offeriert der Hersteller auch unzählige Library-Erweiterungen, die sogenannten Maschine Expansion Packs, die zielgerichtet Soundfutter für diverse Dancefloor-Sub-Genres bereitstellen und mittlerweile gibt es auch eine Variante der Maschine-Software als App für iPhone und iPad, sinnigerweise auf den Namen iMaschine getauft. Mit den MK2-Controllern sowie der Variante Maschine Mikro präsentierte der Hersteller 2012 sogar Hardware-Updates, wobei als Highlight die Drumpads mit verbesserter Ansprache daherkommen und erstmals mehrfarbig hinterleuchtet sind. Mit dem Mikro-Controller steht zudem eine platzsparende, abgespeckte Version zu ungleich günstigerem Preis im Angebot. Im November letztes Jahr präsentierte der Hersteller endlich das erste Major-Update auf die Version Maschine 2 und krönte dies gleichzeitig mit einem neuen Hardware-Controller, der in Sachen Ausstattung und Bedienmöglichkeiten die übrigen Controller in den Schatten stellt und in Form von Maschine Studio für rund 1.000 Euro angeboten wird. Highlights des wahlweise in schwarz oder weiß erhältlichen Controllers sind dabei zwei hochauflösende Farb-Displays, ein Jog-Rad zum Ausführen diverser Funktionen, eine Monitoring-Sektion sowie drei MIDI-Out-Buchsen zum Ansteuern externer Klangerzeuger oder Effektgeräte.

Wie zu erwarten enthält das Major-Update der Software eine Vielzahl an Neuheiten, wobei das komplett redesignte GUI am augenfälligsten ausfällt. Nicht minder uninteressant ist erstmals ein neu integrierter Mixer-Dialog und außer der Sampler-Engine finden sich jetzt fünf neue virtuelle, monophon ausgelegte, Drum-Synthesizer, die fortan als Alternative zur Klangerzeugung zur Auswahl stehen. Sehr schön: Kam die Version Maschine 1.8 bereits im Bund(l)e mit dem Synthesizer Massive (Test in Heft 12/2006), hat Native Instruments mit Maschine 2 das Arsenal an zusätzlichen Instrumenten im Lieferumfang nochmals aufgestockt. Dies erfolgt in Form der rund drei Gigabyte großen Software-Suite Komplete Selection, die außer dem Synthesizer Reaktor Prism und der E-Piano Sample Library Scarbee Mark I auch mit dem Summenkompressor Solid Bus Comp aus der Solid-Serie aufwartet. Sehr schön: Alle drei Instrumente lassen sich auch separat ohne Zutun von Maschine einsetzen. Zusätzlich ist die Werks-Library auf jetzt stattliche acht Gigabyte angewachsen. An dieser Stelle müssen wir allerdings schon das Meckern anfangen: Zwar liegt dem Paket eine DVD mit der Werks-Library bei. Doch die eigentliche Maschine-Software sowie die Komplete Selection Suite – zusammen immerhin rund vier Gigabyte – müssen wir zuvor erst auf der Hersteller-Seite runterladen, was nicht nachvollziehbar ist. Sicherlich, der Download erfordert heutzutage zwar nicht mehr eine Unmenge an Zeit, ist aber trotzdem lästig. Da sind wir doch anderes gewohnt. Abseits dessen versteht sich die Maschine 2 Software selbstverständlich auch bestens mit den MK1-, MK2- und Mikro-Controllern, wenngleich einige Features und Funktionen, die im Studio-Controller über neu hinzugefügte Buttons direkt aufrufbar sind, dort mit Hilfe von Tastenkombinationen ausführbar sind. Aber das ist alles eine Frage der Gewöhnung, denn die Versionen Maschine 2 plus MK2- oder Mikro-Controller sind nach wie vor im Angebot für rund 600 beziehungsweise 350 Euro. Besitzer der Vorversion können übrigens für knapp 100 Euro auf die neue Software upgraden, was angesichts des gebotenen Lieferumfangs und Neuheiten mehr als günstig ist. Daher müssen wir uns einmal mehr aus der Fülle an neuen Features lediglich die wichtigsten und interessantesten herauspicken. Beginnen wollen wir jedoch mit dem neuen Sahnestück im Maschine-Park: Dem Studio-Controller, der übrigens ebenso wie seine kleineren Brüder auch als universeller MIDI-Controller zum Ansteuern anderer virtueller Instrumente oder DAWs nutzbar ist, Mackie Control Protokoll inklusive. Mit Hilfe des automatisch mit installierten Control-Editor Programms lassen sich die einzelnen Bedienelemente bequem in ihrer Verhaltensweise definieren und mit Funktionen und Controller-Nummern belegen. Somit besitzt auch der Studio-Controller einen willkommenen Zusatznutzen und Mehrwert. 
Im direkten Vergleich mit den MK1/MK2-Controllern beansprucht die Studio-Variante rund ein Drittel mehr an Platz, sowohl in der Breite, als auch in der Tiefe, um die neuen Bedienelemente übersichtlich und wohlgeordnet aufnehmen zu können. Insgesamt ist der Controller dadurch jetzt ein wenig breiter als eine Computer-Tastatur und er wiegt auch deutlich schwerer als seine kleinen Brüder. Nicht zuletzt durch die Farb-Displays macht er einen rundum sehr wertigen Eindruck und gibt unmißverständlich zu erkennen, dass er künftig eine zentrale Rolle als Produktionswerkzeug spielen will. Witzig: Im Test drängt sich uns, geprägt durch das teils prächtige Farbenspiel der hinterleuchteten Taster, rasch der Eindruck auf, als ob wir vor einer Steuer-Konsole im Raumschiff Enterprise sitzen und anstelle von Beats und Pattern einen Raumkurs ins nächste Sternen-System programmieren. Der zusätzliche Platz wird auf der Oberfläche in erster Linie für die neue Edit-Control- und die Level-Sektion benötigt, die auf der rechten Seite eingelassen sind. Haupt-Akteur im Edit-Control-Bereich ist das fein gerastete, dank Gummieinlage sehr griffige Jog-Rad, das überdies mit einer Schaltfunktion daherkommt. Ober- und unterhalb davon ist eine Reihe von Tastern integriert mit denen sich durch Menüseiten navigieren lässt und die grundlegende Funktionen ausführen wie etwa Un-/Redo oder das Quantisieren und Kopieren von Pattern, Groups oder Scenes. Einige dieser Features finden sich übrigens im MK2-Controller in der Master-Sektion oberhalb der Group-Taster. Das Jog-Rad wird dabei von Bezeichnungen umrahmt, die je nach Betriebs-Modus aufleuchten und Auskunft über die ausführbare Funktion des Rads geben. Auffällig: Viele Funktionen am Jog-Rad können auch über die Drehregler unterhalb der Farb-Displays ausgeführt werden, so dass sich dem Anwender je nach Vorliebe zwei Alternativen zur Steuerung anbieten. Die Haupt-Funktionen, das rasche Scrollen des Abspiel-Cursors durch Pattern und Scenes sowie das Nudging sind selbstverständlich ebenfalls via Jog-Rad ausführbar. Nicht ganz so raumgreifend fällt die neue Level-Sektion aus, die dem Anwender jetzt eine Reihe von Monitor-Controller-Features bereitstellt und lästiges Rumfummeln am Audio-Interface künftig merkbar reduziert. Im Zentrum steht eine Stereo-LED-Meter Kette, unterhalb dessen ein großer Endlos-Drehregler eingelassen ist. Links und rechts davon finden sich jeweils vier Buttons. Oberhalb davon sind vier Status-LEDs eingelassen, mit der sich die Aktivität an den Fünf-Pol-MIDI-Buchsen ablesen lässt. Durch Druck auf die Taster wird der anliegende Pegel von verschiedenen Kanälen auf die Meter-Kette gelegt, der mit Hilfe des Drehreglers einstellbar ist. So kann dort nicht nur die Lautstärke der Mastersumme, sondern auch die momentan gewählte Group oder der Sound angezeigt und reguliert werden. Neu ist der sogenannte Cue-Bus, der als separater Ausgang neben der Mastersumme fungiert und auf den sich Signale zwecks Kontrolle etwa zum Vorhören routen lassen, bevor man sie auf die Hörerschaft loslässt. Eingangsseitig können jetzt ebenfalls erstmals bis zu vier separate Stereoquellen adressiert werden, deren Pegel ebenfalls dort aufruf- und regulierbar sind. Zum Samplen stehen übrigens nach wie vor wahlweise ein Stereo- oder Mono-Kanal zur Auswahl, die im entsprechenden Sample-Dialog vor der Aufnahme aus – wie gesagt – jetzt vier Stereoquellen zu wählen sind.

Das visuelle Highlight, die beiden hochauflösenden Farb-Displays fallen ebenfalls größer aus als die LCD-Varianten der kleineren Versionen. Wie gehabt werden sie oberhalb von acht Tastern und unterhalb von acht Endlos-Drehreglern eingerahmt über die verschiedene Parameter und Funktionen einstellbar sind. Welche das sind, hängt vom aktuell aufgerufenen Menü ab. Zuwachs ist bei den Menü-Tastern zu verzeichnen. Kamen die Vorversionen lediglich mit Tastern zum direkten Aufruf des Browsers und des Sampling-Dialogs daher, wartet die Studio-Variante zusätzlich mit einem Mix- und Arrange-Button auf, über die sich jetzt zwischen den beiden Haupt-Dialogen hin- und herschalten lässt. Neu ist auch der sogenannte Performance-Abschnitt, wenngleich die dort integrierten vier Taster in den anderen Controllern an anderer Stelle, respektive über Shortcuts in Verbindung mit der Shift-Taste aufrufbar sind, etwa die Note Repeat-Funktion zum raschen Ausführen von Flams und Wirbeln oder das Bestimmen des Tempos via Tap-Taster. Gleich geblieben sind die acht Group-Taster, die seit der MK2-Version unterschiedlich farbig leuchten, die Tansport-Sektion darunter sowie die Spalte an Funktions-Tastern links neben den 16 anschlagsdynamischen und aftertouch-fähigen Drum-Pads. Zuwachs gibt es auch auf der Stirnseite, auf der sich sämtliche Anschlüsse versammeln. Kamen die nunmehr kleineren Brüder lediglich mit einer USB-Buchse sowie einem Pärchen Fünf-Pol-MIDI-Buchsen daher, setzt der Studio-Controller noch einen drauf: Hinzu gesellen sich zwei zusätzliche MIDI-Out-Buchsen und erstmals zwei Klinken-Buchsen zum Anschluss von Fußpedalen über die sich frei definierbar verschiedene Funktionen ausführen lassen. Last but not Least ziert die Stirnseite auch ein Netzschalter nebst Buchse zum Anschluss des mitgelieferten Netzteils. Schließlich wollen die beiden Farb-Displays ordentlich mit Strom versorgt sein. Allerdings hätten wir uns ein etwas längeres Netzkabel gewünscht, denn je nach Aufstellort kann das schon sehr knapp werden. Sehr löblich: Auf der Unterseite finden wir zwei stabile Kunststoff-Füße zum Ausklappen, so dass sich der Studio-Controller zwecks besserer Lesbarkeit bei der Arbeit anwinkeln lässt, was ein zusätzliches Plus hinsichtlich Bedienkomfort darstellt. Auffällig: Sämtliche Funktionstaster reagieren mit einem leichten Klicken beim Betätigen und geben haptisch deutlich besser Auskunft über gemachte Schaltvorgänge. Das war im MK1-Controller noch anders, wurde aber bei den MK2-Varianten bereits eingeführt. Gleiches gilt auch für die bessere Ansprache der Drumpads. Im Vergleich zum MK1-Modell ist ein dynamisches Spiel merkbar besser realisierbar und es ist auch – zumindest in der Werkseinstellung – weniger Kraftaufwand erforderlich, um die höchste Velocity-Stufe anzusteuern. Bei aktiviertem Note Repeat-Modus spielen wir im Test Snare-Wirbel, die wir deutlich gefühlvoller in der Dynamik dosieren können als in der MK1-Variante. Wer es jedoch präziser wünscht, ruft übrigens den Velocity-Modus auf und kann einen zuvor gewählten Sound über die Drumpads in 16 verschiedenen Velocity-Stufen einspielen. 
Abseits dessen sorgen auch im Studio-Modell die mehrfarbig hinterleuchteten Drumpads für Aufsehen, die, kreativ eingesetzt, sozusagen eine eigene, ansprechende Light-Show aufführen. Sinnvoll eingesetzt geben sie gerade beim Live-Spiel deutlich Auskunft, wenn es etwa um das Ansteuern verschiedener Scenes oder Pattern einer Group geht. Per Software kann dabei auf die Farbgebung Einfluss genommen werden. Getoppt wird das Ganze aber durch die beiden Farb-Displays, die im Test wie zwei Mikro-Versionen eines HD-LED-TVs daherkommen. Solch ein Ausstattungs-Merkmal ist in der Groove-Box-Liga bislang einzigartig. Schaut man sich im MIDI-Controller-Segment um, kann ihm höchstens das MC Control Modell von Avid (Test in Heft 8/2008) das Wasser reichen, wenngleich die Bildqualität des Displays nicht ganz so gut ist, es dafür aber berührungssensitiv ist. Solch ein Feature wäre im Studio-Controller mit Sicherheit die Krönung, hätte das Gesamtpaket aber auch deutlich verteuert. Aber wer weiß, vielleicht hebt sich Native Instruments dieses Feature noch für eine absolute High-End-Spitzenlösung auf, in der dann alles via Touch-Screen bedienbar ist, ähnlich wie etwa im Tango-Controller von SmartAV (Test in Heft 9/2010). Doch zurück zu den Displays im Studio-Controller: Im Test entpuppen sich die beiden Anzeigen rasch als genial gelöste Alternative zum Computer-Monitor, denn dort werden nicht nur Sound- und Effekt-Parameter angezeigt. Vielmehr zeigen sie jetzt en miniature das Gleiche an, was auch im Software-GUI zu sehen ist, also den Pattern-Editor, den Scene-Arranger und selbstverständlich auch den neuen Mixer. Das schließt selbstverständlich auch den Sampling-Dialog und das anschließende Editieren und Mappen des Samples nach allen Regeln der Kunst mit ein. Im Vergleich zu den LC-Displays der kleineren Modelle ist das fast schon ein dekadenter Luxus. Doch das hat schon seine Berechtigung. Konnten wir im Test der ersten Maschine-Generation bis auf ein paar Ausnahmen getrost die Maus zur Seite legen und sämtliche Funktionen bequem vom Controller ausführen, können wir jetzt mit dem neuen Flaggschiff zusätzlich auch den Computer-Monitor außer Acht lassen.

Mit Hilfe der Taster und Drehregler über und unter den Displays zoomen wir in und aus den Ansichten des Scene-Arrangers und Pattern-Editors, einzelne MIDI-Noten versetzen wir nach Gusto im Raster und wir können exakt Loop-Punkte in Samples setzen oder sie beschneiden ohne auch nur einen Blick auf den Monitor zu werfen. Die Display-Größe ist dabei optimal nach dem Motto „Gerade so wenig wie möglich, gerade so viel als nötig“ gewählt und wir vergessen alsbald tatsächlich, dass da noch ein Computer-Monitor ist, auf dem gerade dasselbe zu sehen ist. Damit schwingt sich der Studio-Controller vollends zum zentralen Frontend auf und lässt alsbald vergessen, dass zum Betrieb noch ein Rechner erforderlich ist. Sicherlich, dieser Luxus muss ordentlich bezahlt werden und es stellt sich die Frage nach der Sinnhaftigkeit dieser aufgebohrten Controller-Variante. Im Live-Betrieb dürfte der Anwender eher von den mehrfarbigen Drumpads profitieren und die Displays eher beiläufig benötigen. Doch wenn es um Studioarbeit und das konzentrierte Produzieren neuer Songs geht, sorgen die HD-Displays für einen deutlich besseren Workflow. Tatsächlich lässt sich im Test merkbar konzentrierter rein an der Hardware arbeiten. Das ständige Heben und Senken des Kopfes vom Controller zum Monitor, wie noch zuvor tendiert jetzt gegen Null. Insofern hat Native Instruments mit der Namensbzeichnung seiner jüngsten Maschine-Variante voll ins Schwarze getroffen. Im Test haben wir die Displays jedenfalls sofort in unser Herz geschlossen und vergeben Native Instruments an dieser Stelle ein besonderes Extra-Lob in Sachen Usability und Bedienkomfort. Allerdings wollen wir auch nicht verschweigen, dass dieser Komfort blitzschnell abhängig macht. Wie suchtgefährdend der Studio-Controller ist, erfahren wir am eigenen Leib, als wir die Maschine 2 Software im Verbund mit dem MK1-Controller testen, der lediglich mit einem Zweifarb-Display und vergleichweise grobpixeligen Darstellungen aufwartet, ganz zu schweigen davon, dass eine Abbildung von Pattern-Editor und Scene-Arranger darauf nicht möglich ist. Auf einmal fühlen wir uns bei der Arbeit irgendwie unwohl, um nicht zu sagen gehemmt. Wichtig: Die Aufgabenteilung beider Displays ist unabhängig vom aufgerufenen Menü oder Editor stets die gleiche. Im linken Display wird eine Übersicht angezeigt und im rechten eine Detail-Ansicht, respektive ein Ausschnitt zur besseren Kontrolle. So zeigt sich etwa links die Gesamtansicht einer Group und rechts wird deutlich größer ein Ausschnitt einzelner Spuren innerhalb der Group angezeigt. Beim Aufruf des Browsers zeigen sich links die wählbaren Instrumente und Effekte, rechts erscheint eine Liste mit Presets aus der sich das Gewünschte auswählen lässt.  
Nur allzu leicht lässt einen die Arbeit am Studio-Controller vergessen, dass es sich lediglich um ein Steuergerät handelt. Doch erst über die maßgeschneiderte Software wird das Ganze mehr als die Summe seiner Einzelteile, weshalb wir jetzt kurz die Neuheiten in Maschine 2 beleuchten wollen. Auch dort haben die Entwickler ganze Arbeit geleistet und die Software in vielerlei Hinsicht verbessert und von Einschränkungen befreit, die noch in der Vorversion existierten. Um es vorweg zu nehmen:  In der neuen Version ist die virtuelle Groove-Box zu einem noch mächtigeren, flexibler einstellbaren Songproduktions-Werkzeug gewachsen. Doch der Reihe nach: Unmerkbar unter der Oberfläche haben die Entwickler die Audio-Engine in der Leistungsfähigkeit verbessert. Dazu zählt jetzt auch eine flexible Mehrkern-Prozessor-Unterstützung, mit der sich, ausweislich unseres Tests, eine Vielzahl an Effekten laden lässt ohne das Programm alsbald an seine Grenzen zu bringen. Außer dem neuen, eleganter wirkenden, GUI fällt auf der Oberfläche als erstes der renovierte Browser-Dialog ins Auge. Wie gehabt können dort Projekte, Groups, Sounds und Effekte über Buttons aufgerufen und ausgewählt werden. Doch jetzt verfügt jede Haupt-Kategorie über weitere Buttons mit Schlagworten, um per simplem Klick die Auswahl rasch zu verfeinern und so schneller ans Ziel zu gelangen. Sehr hübsch: Durch Klick auf die Kategorien-Überschrift zeigt sich ein neuer Dialog, der sämtliche installierten Native Instruments Produkte in Form größerer Thumb-Nails anzeigt und eine weitere Option zum raschen Finden und Laden des Gewünschten offeriert. Ansonsten bleibt im Layout alles zunächst einmal wie gehabt. Sounds können geladen und via Pattern-Editor angesteuert werden. Die Sounds werden in Groups eingefasst, wobei jede Group maximal 16 Sounds enthält. Die Groups fungieren dabei gleichzeitig als Spuren und auch Clips, wobei in jeder Group mehrere Pattern eingefasst sein können, die den gleichen Sound ansteuern und für musikalische Abwechslung sorgen. Im Scene-Arranger werden die Groups, respektive die jeweiligen Pattern der Groups in Form von Clips zu sogenannten Scenes angeordnet, um schließlich ein Arrangement und eine Abfolge, ähnlich wie in Abletons Live-DAW zu definieren. Maximal 64 Scenes sind dabei in einem Projekt realisierbar. Dies alles wird rechts vom Browser – bei Bedarf lässt er sich auch wegklappen – erledigt. Dort finden sich erwartungsgemäß drei horizontal unterteilte Bereiche. Oben ist der Scene-Arranger, in der Mitte der sogenannte Control-Bereich und unten der Pattern-Editor. Letzterer besitzt drei wechselseitig aufrufbare Dialoge: Den Pattern-Editor zum Basteln von Grooves, eine Pianorollen-Ansicht, um Sounds melodisch/akkordisch spielen und programmieren zu können sowie den Sampling-Dialog, der alles zum Aufnehmen und Bearbeiten eigener Samples bereithält. Insofern finden alte Maschine-Routiniers alles am gewohnten Platz. Eher unscheinbar neben den Projekt- und Group-Bezeichnungen im Scene-Arranger und Pattern-Editor finden sich kleine Dreiecke, die beim Klick einen Ausklapp-Dialog erscheinen lassen. Er zeigt jeweils 16 Zeilen sowie eine Miniatur-Darstellung der Drumpads. Sinn und Zweck: Ab sofort können darüber beliebig viele Groups und Pattern erstellt werden, die fortan in Bänken zu je 16 Einträgen organisiert sind. Sind die 16 Zeilen/Pads gefüllt, reicht ein Klick auf das Plus-Symbol unterhalb der Pad-Darstellung und schon sind die nächsten 16 freien Plätze verfügbar. Opulenten Arrangements steht damit nichts mehr im Weg, wovon gerade das Arbeiten im Stand-alone-Betrieb profitiert. Als Plug-in in einer DAW eingebunden, dürfte sich zumindest in dieser Hinsicht das Laden einer zweiten Maschine-Instanz ebenfalls erübrigt haben.

Im mittig eingelassenen Control-Bereich, der zum Editieren von Instrumenten- und Effekt-Parametern dient, hat sich im Vergleich dazu noch mehr getan. Links in der Inspektor-Sektion können die drei Haupt-Bereiche Sound, Group und Mastersumme angewählt werden. Neu: in der Spalte darunter können ab sofort beliebig viele Effekte pro Sound und Group geladen werden. In der Mastersumme bleibt es hingegen bei vier Prozessoren. Der Signalverlauf geht hierbei von oben nach unten. Ein Klick auf den gewünschten Effekt lässt die Parameter auf der rechten Seite des Control-Bereichs zwecks Editieren erscheinen. Teils finden sich dort auch Reiter-Bezeichnungen, die beim Anklicken weitere Parameter-Sätze des gerade gewählten Effekts/Instruments erscheinen lassen. Mit dieser Lösung erweitert Native Instruments die Gestaltungsmöglichkeiten ab sofort ins schier unendliche. Die Obergrenze markiert lediglich die Leistungsfähigkeit der CPU. Zusammen mit der Möglichkeit, seit Version 1.6 auch Drittanbieter-Plug-ins einbinden zu können, wird aus Maschine in Version 2 jetzt zusätzlich eine machtvolle Sounddesign-Fabrik. Besonderheit: Ein Klick auf den kleinen diagonalen Pfeil links neben den Parameter-Reitern lässt übrigens das GUI der eingesetzten Instrumente und Effekte als schwebendes Fenster erscheinen. Ausnahmen sind die internen Effekte und Klangerzeuger von Maschine. Wer mit mehreren Monitoren arbeitet, dürfte dieses Feature durchaus zu schätzen wissen. So kann rasch über die schwebenden Fenster und den Control-Bereich Einfluss auf den Sound genommen werden. Doch es geht noch weiter: Ab sofort besitzt die neue Maschine auch Sidechains, wobei im gleichen Zug einige interne (Dynamik-)Effekte ebenfalls damit ausgerüstet sind. Ein separater Reiter im Control-Bereich erlaubt dabei die Auswahl des Sounds, der als Trigger-Signal dienen soll. Überdies ist er in der Lautstärke justierbar und ein schaltbares Filter erlaubt das frequenzselektive Einspeisen des Triggers in den Effekt, was in der Form nicht alltäglich ist. Damit sind wir im Control-Bereich immer noch nicht am Ende. Denn bislang haben wir lediglich die neuen Features des Plug-in-Unterbereichs vorgestellt. Ein Klick auf das Drehregler-Symbol ganz links im Control-Bereich, lässt den Kanal-Unterbereich erscheinen. Über vier Buttons – Input, Output, Groove und Macro – können wiederum pro Sound, Group und in der Mastersumme entsprechende Einstellungen vorgenommen werden. Pro Sound und Group kann eine der vier adressierbaren Stereo-Eingänge sowie der MIDI-Kanal gewählt werden, ausgangsseitig ist über Ausklapplisten definierbar, wo einzelne Sounds und Groups hin geroutet werden sollen, es stehen bis zu 16 Ausgänge, aber auch Groups zur Auswahl. Überdies können die Signale auch über zwei Aux Sends geschickt werden, die als Empfänger beispielsweise eine Group haben, in der lediglich Effekte insertiert sind. Überdies können dort sämtliche Einstellungen erledigt werden, die sonst im Mixer zu finden sind. Im Test eröffnen sich dadurch umfangreiche Möglichkeiten, um komplexe Routings in Maschine zu realisieren. Das gabs in der Vorversion so nicht. Neue Freiheiten gibt es auch im Macro-Bereich, in dem sich nach Belieben eigene Parametersätze zusammenstellen lassen. War dies bislang nur auf den Group-Bereich beschränkt, können Macros ab sofort auch auf Sound- und Master-Ebene erstellt werden. Der Clou: Das Zuweisen erfolgt ab sofort bequem über Ausklapplisten, wobei je nach Ebene auch sämtliche Parameter der darunterliegenden Ebene adressierbar sind. So können etwa auf Group-Ebene nicht nur die Parameter der dort insertierten Effekte, sondern auch die Instrumenten- und Effekt-Parameter der Sounds ebenfalls dort aufgenommen werden. Ein zusätzliches Plus hinsichtlich Bedienkomfort und Flexibilität. 
Nicht zuletzt durch die aufgebohrten Möglichkeiten im Control-Bereich war es nur eine logische Konsequenz, der neuen Maschine-Software auch einen waschechten Mixer zu spendieren. Der erscheint im Wechsel mit der althergebrachten Pattern-/Scene-Arranger-Ansicht und zeigt wiederum im Wechsel entweder die Sound-Kanäle der aktuell gewählten Group oder die Summenkanäle aller Groups. Über Buttons am linken Rand können den Kanalzügen weitere Felder hinzugefügt werden, die sämtlich auch im Control-Bereich erreichbar sind. Dazu zählt die Plug-in-Liste, die In- und Output-Routing-Optionen sowie die beiden Aux-Kanäle. Besonderheit: Durch Klick auf das kleine Kopfhörer-Symbol wird der Kanal aus der Summe genommen und auf den neuen Cue-Bus geroutet. Unterhalb der Faderbank  versammeln sich zum weiteren Editieren sämtliche Instrumente und Effekte des gerade angewählten Sound-Kanals oder der Group in Form visuell ansprechender einzelner Bedienfelder ähnlich wie Plug-ins, wobei die Signalabfolge von links nach rechts geht. Per horizontalem Scrollbalken kann dabei der gewünschte Effekt in den Focus gerückt werden. Als Alternative zum Einstellen gefällt uns diese Ansicht im Test ungleich besser als die Parameterleiste des Control-Bereichs, obschon sämtliche Features und Funktionen auch im Control-Bereich zur Verfügung stehen. Native Instruments hat dennoch gut daran getan, dies in einem eigenen Dialog ungleich ansprechender und übersichtlicher noch einmal zusammenzufassen. Dafür gibts ein weiteres Sonderlob. Abschließend sei noch kurz auf die fünf neuen Drum-Synthesizer eingegangen: Zur Auswahl stehen Bass- und Snaredrum, Toms, Hihat sowie Percussion. Dabei lassen sich über jedes Modul verschiedene Grundsounds/Algorithmen aufrufen, die von rein elektronischen Spektren bis hin zu akustisch klingenden Sounds reichen. So ist die berühmte TR-808 Humming-Drum, aber auch akustisch klingende Snares, die wie ein Sample daherkommen kein Problem. Ein Highlight sind die Percussion-Instrumente, die bei weidlichem Ausnutzen der Parameter in Extrempositionen sogar tonal definierte, elektronische Sounds produzieren und im Test durchweg gefallen. Das Repertoire an einstellbaren Parametern variiert je nach gewähltem Schlaginstrument und Algorithmus. Im Vergleich zu den Einstellmöglichkeiten in Rob Papens Punch-Instrument (Test in Heft 7/2011) oder Arturias Spark (Test in Heft 6/2013) sind die Parameter-Sätze zwar eher überschaubar. Doch das machen die Maschine-Drum-Synths durch die Vielzahl an wählbaren Algorithmen locker wett. Vorteil: Außer eingespartem Speicherplatz ermöglichen diese fünf Klangerzeuger durch gezielten Einsatz der Automationsmöglichkeiten auf die Parameter ein deutlich lebendigeres Ausformen des Klangs als vergleichbare Samples, die via Sampler-Engine gespielt werden. Maschine in Version 2 hat sich insgesamt zu einem mächtigen Produktions-Werkzeug gemausert, wobei der neue Mixer-Dialog dem Ganzen jetzt sogar die Weihen einer DAW verleiht. Es fehlt jetzt nur noch die Möglichkeit, nach alter Väter Sitte Audio-Aufnahmen auf Spuren anzufertigen.

Fazit

Wir können es kurz machen: Mit der Produkt-Version Maschine Studio offeriert Native Instruments eine Groove Box de Luxe mit allen Schikanen, die das Arbeiten vornehmlich im Studio fortan auf ein neues Level hinsichtlich Usability und Workflow hebt. Gleichzeitig liegt mit der Version Maschine 2 das erste Major-Update vor, die allen Maschine-Nutzern zu Gute kommt und das Pattern-orientierte Produzieren von Musik fortan noch befreiter, komfortabler und flexibler geschehen lässt. Mit Maschine Studio wird die Geschichte dieses Groove-Box-Konzepts glanzvoll weiter geschrieben. Herzlichen Glückwunsch dafür.

Erschienen in Ausgabe 02/2014

Preisklasse: Oberklasse
Preis: 999 €
Bewertung: sehr gut – überragend
Preis/Leistung: sehr gut

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