Allround-Talent

 

Das neue Großmembran-Mikrofon MK 8 von Sennheiser präsentiert sich als echter Studio-Allrounder und möchte mit seiner Vielseitigkeit und „made in Germany“-Qualität“ überzeugen.

Von Sylvie Frei

Sennheiser gehört zweifellos zu den weltweit bekanntesten Marken nicht nur in der Pro Audio-Branche. Das Unternehmen besteht mittlerweile seit mehr als 65 Jahren, seine Mikrofone sind in nahezu allen Ländern der Welt im Einsatz und besonders in der modernen Live- und Mobiltechnik nicht mehr wegzudenken. Aber auch für das Studio-Recording hat der Hersteller neben den etablierten Produkten immer wieder Neues zu bieten, darunter seine aktuellste Schöpfungen, das MK 8.

Das MK 8 ist ein Großmembran-Mikrofon, das Studio-Aufnahmen mit warmem und präzisem Klang verspricht. Auf der Webseite des Herstellers wird es in erster Linie als Gesangsmikrofon bezeichnet, laut Bedienungsanleitung empfiehlt es sich jedoch auch für die Aufnahme von akustischen Instrumenten und zur Gitarren-Amp-Abnahme.

Mit dem MK 8 richtet sich Sennheiser im Besonderen an ambitionierte Home-Recordler und Projekt-Studios. Der unverbindliche Richtpreis von 760 Euro erscheint für diese Zielgruppe zunächst etwas hoch gegriffen. Allerdings ist das MK 8 ein echtes „Made in Germany“-Produkt und kann mit einigen Features aufwarten, die den Preis in einem anderen Licht erscheinen lassen.

Dank seiner flexibel einsetzbaren Doppelmembran-Kapsel ist das Großmembran-Mikrofon in der Lage, je nach gewählter Einstellung mit einer von fünf unterschiedlichen Richtcharakteristiken zu arbeiten. Zur Auswahl stehen Niere, Superniere, Kugel, breite Niere und Acht. Hinzu kommt ein Dämpfungsschalter, der die Eingangsempfindlichkeit des Mikrofons um -10 oder -20 Dezibel abschwächt. Damit soll auch der Abnahme von sehr lauten Signalen, also hohen Schalldrücken, nichts mehr im Wege stehen. Gegen störenden Körperschall sowie zum Abmildern des Nahbesprechungseffekts stehen außerdem zwei Hochpassfilter bereit, die gezielt tiefe Frequenzen auf einer Höhe von 60 oder 100 Hertz ausblenden lassen.

 

Das Innenleben des MK 8 verbirgt sich in einem elegant gestalteten, silberfarbenen Metallgehäuse mit einem matt-schwarzen Korb aus feinem, engmaschigem Drahtgeflecht. Der Korb ist laut Hersteller akustisch besonders transparent und bietet einen wirksamen Schutz gegen elektrische Einstreuungen von anderen Geräten. Durch eine geschickte Anordnung der Stege und eine möglichst schlanke Auslegung konnte der Hersteller akustische Beeinflussungen auf einen Minimum reduzieren. Gleichzeitig werde eine hohe mechanische Stabilität des Korbs erreicht, welche die Kapsel bei versehentlichen Stößen schützt.
Die Haupteinsprechrichtung wird durch das Sennheiser-Logo markiert. Auf der gegenüberliegenden Seite finden sich zwei dreifach und ein fünffach gerasteter Schiebeschalter zur Auswahl der Richtcharakteristik, des Dämpfungsgrads und des Hochpassfilters. Mit fast einem halben Kilogramm ist das MK 8 allerdings kein Leichtgewicht und benötigt ein solides Mikrofonstativ. Eine einfache, nichtelastische Klemme, mit deren Hilfe sich das Mikrofon am Stativ befestigen lässt, ist im Lieferumfang enthalten, macht aber einen wenig Vertrauen erweckenden Eindruck. Mit etwas Geschick gelingt es damit jedoch überraschend gut, das Mikrofon sicher zu positionieren. Dennoch wäre eine solide, elastische Spinne bei diesem schweren und nicht ganz billigen Mikrofon fraglos angebracht. Sennheiser bietet eine solche Spinne zwar in seinem Online-Shop an, allerdings für einen Preis von stolzen 116 Euro (Sennheiser MKS 4).

 

Im Inneren des MK 8-Korbs befindet sich die elastisch gelagerte Doppelmembran-Kapsel bestehend aus zwei 3,5 Mikrometer dünnen, mit 24 Karat goldbedampften 1 Zoll-Membranen. Es handelt sich um zwei Membranen mit Nierencharakteristik, die aufrecht Rücken an Rücken stehen. Die fünf verschiedenen Richtcharakteristiken werden nun durch unterschiedlich hohe Polarisationsspannungen und teils gegensätzliche Polarität der beiden Membranen erzeugt.

Nierencharakteristik:
Die klassische Nierencharakteristik entsteht, wenn nur die vordere der beiden Membranen unter Spannung steht. In diesem Fall arbeitet das Mikrofon wie ein gewöhnliches Großmembranmikrofon mit Einzelmembran.

Kugelcharakteristik:
Stehen beide Membranen unter gleich hoher Spannung, zeichnet das Mikrofon omnidirektional, also mit Kugelcharakteristik auf. Die Kugel entsteht durch die zwei Rücken an Rücken stehende Nieren.

Breite Niere:
Für die breite Nierencharakteristik stehen ebenfalls beide Membranen unter Spannung. Allerdings liegt auf der vorderen Membran mehr Spannung als auf der hinteren.

Achtercharakteristik:
Bei gleich hoher Spannung und gegensätzlicher Polarität der Membranen bezogen auf die Gegenelektrode, entsteht die Achtercharakteristik. Das Signal, das über die hintere Membran eintritt, ist also phasengedreht zu dem, das über die vordere Membran eintritt.

Superniere:
Wie bei der Achtercharakteristik ist auch bei der Superniere die Polarität der beiden Membranen gegensätzlich. Allerdings liegt auf der hinteren Membran weniger Spannung als auf der vorderen.

Das MK 8 besitzt speziell entwickelte Schalter für die Umschaltung der Richtcharakteristik mit komplett galvanisch vergoldeten Schalterkontakten. Diese versprechen eine hohe Zahl von Schaltzyklen und Langlebigkeit.
Die Impedanzwandlung findet beim MK 8 direkt in der Kapsel statt, so Stefan Peters vom Sennheiser-Vertrieb. Von dort aus werde das Signal mit einer störarmen, niederohmingen Signalführung nach unten ins Mikrofongehäuse weitergeleitet. Auch die erste Dämpfungsstufe findet sich in der Kapsel. Die zweite Dämpfungsstufe ist am Ausgang des Mikrofons verortet.

 

Der Frequenzgang des MK 8 zeigt bei allen Richtcharakteristiken eine mehr oder weniger deutliche Anhebung der Frequenzen im Bereich zwischen drei und sieben Kilohertz, die mit zwei (Kugel), fünf (Niere) oder 7,5 Dezibel (Acht), die bei genau fünf Kilohertz ihr jeweiliges Maximum erreicht. Dieser Kurvenverlauf ist typisch für ein Großmembran-Mikrofon, das für hauptsächlich Gesangsaufnahmen konzipiert wurde. Eine solche Anhebung weist meist schon messtechnisch auf einen – dann gewünschten – präsenten und offenen Klang hin.

Mit einer Empfindlichkeit von je nach Charakteristik 9,6 (Kugel), 10,8 (Niere) und 12,0 mV/Pa (Acht) ist das MK 8 ziemlich leise für ein Kondensatormikrofon. Ein wie bei vergleichbaren Großmembran-Mikrofonen höherer Empfindlichkeitswert von 50 und mehr mV/Pa hat den Vorteil, dass der Mikrofon-Vorverstärker nicht zu weit aufgerissen werden muss. Bei einfachen Vorverstärkern mit weniger gutem Fremdspannungsabstand kann dann unter Umständen deutlicheres Rauschen bei der Aufnahme stören. Im Test mit unserer Vorverstärker-Referenz, dem Lakepeople F 355 (Test in Ausgabe 8/2006) hatten wir allerdings keinerlei Rausch-Probleme. Mit einem Geräuschpegelabstand von 76,4 (Kugel), 78,4 (Niere) und 78,9 Dezibel (Acht) ist das MK 8 hingegen sehr gut aufgestellt, sodass rauscharmen Aufnahmen von Seiten des Mikrofons ohnehin nichts im Wege steht.

 

Da das MK 8, wie erwähnt, nicht nur als Gesangsmikrofon taugen soll, nehmen wir für unseren Praxistest nicht nur Gesang und Sprache, sondern auch ein paar Stücke mit Akustikgitarre und Tinwhistle auf. Dabei testen wir sämtliche Richtcharakteristiken durch, reizen den Nahbesprechungseffekt des Mikrofons aus und probieren unterschiedliche Mikrofon-Positionen aus. Dabei entpuppt sich das MK 8 als echtes Allround-Talent.

 

Unabhängig von der Signalquelle besitzt das MK 8 einen klaren, präzisen und natürlichen Klang mit betonten, Höhen, kräftigen Hochmitten sowie ausgewogenen Tiefmitten und Bässen. Verringern wir bei den Gesangsaufnahmen den Abstand zwischen Mund und Mikrofon macht sich ein für Großmembran-Mikrofone typischer, starker Nahbesprechungseffekt bemerkbar, mit dem sich bei Bedarf die tieferen Lagen betonen lassen. Instrumente, die sich nicht ganz so nah mikrofonieren lassen, wie etwa unsere Akustikgitarre, bleiben in den Bässen verglichen zu den betonten Hochmitten/Höhen etwas zurückhaltender, klingen aber insgesamt dennoch körperhaft, warm und in sich stimmig. Sprecherstimmen klingen durch die deutlichen, aber nicht überbetonten Konsonanten und das natürliche, tragende Klangbild sehr angenehm. Tinwhistle und Frauenstimme profitieren von den kräftigen Hochmitten/Höhen, die ihnen Durchsetzungskraft und Präsenz verleihen. Dies ist bei allen Richtcharakteristiken der Fall, aber besonders deutlich bei der Achtercharakteristik.

Die Gesangsstimme kann mit dem MK 8 alle ihre Facetten entfalten und klingt klar, filigran und tragend – ganz gleich ob sie klassisch, bluesig oder poppig intoniert. Konsonanten, Anschlag- oder Anblasgeräusche zeichnet das MK 8 akribisch und konturiert auf, ohne sie über zu betonen oder schön zu zeichnen. Die fünf unterschiedlichen Richtcharakteristiken geben außer der Anpassung an die jeweilige Signalquelle auch die Möglichkeit, gezielt zu bestimmen, wie viel Raumklang auf die Aufnahme gelangt oder wie direkt die Aufnahme klingen soll. Während Kugel und Acht einen deutlichen Raumanteil aufzeichnen, produzieren die Nierentypen sehr präsente, intim klingende Aufnahmen mit wenig bis sehr wenig Raumanteil.

Fazit
Das Sennheiser MK 8 kann im Test als flexibel und universell einsetzbares Allround-Studio-Mikrofon made in Germany punkten, das für einen fairen Preis klare, präzise und natürliche Aufnahmen von unterschiedlichsten Signalquellen ermöglicht.

Erschienen in Ausgabe 11/2014

Preisklasse: Oberklasse
Preis: 759 €
Bewertung: sehr gut
Preis/Leistung: sehr gut

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