Komplettpaket – iRig Keys I/O 49

Als IK Multimedia im Spätsommer in einem Teaservideo eine neue „Production Station“ ankündigte, waren die Erwartungen groß. Das iRig Keys I/O wird diesen gerecht – hier bekommen Homerecordler ein komplettes Studio für daheim und unterwegs.

Von Freda Ressel

Das iRig Keys ist bereits seit 2012 ein fester Bestandteil von IK Multimedias iRig Reihe. Handelte es sich dabei bis dato schlicht um einen Keyboardcontroller mit Anbindungsmöglichkeiten für PC und iOS-Geräte, legt der italienische Hersteller mit dem neuen Modell iRig Keys I/O nun ein vollausgestattetes Heimstudio vor. Neben den üblichen Keyboardfunktionen verfügt es nämlich über ein eingebautes Interface, DAW-Steuerung und vieles mehr. In Verbindung mit einem iOS-Gerät wird es so zu einer platzsparenden, mobilen Aufnahmestation. Natürlich ist es aber auch für die Nutzung am Computer geeignet. Dazu kommt, wie bei IK Multimedia üblich, ein üppiges Softwarepaket, dessen Wert allein bereits den UVP von 366 Euro für die 49-Tasten-Version (die Version mit 25 Tasten kostet 244 Euro) bei weitem übersteigt. Wir konnten ein 0-Serien-Gerät ergattern und die Qualitäten der „Production Station“ prüfen.

Das Keyboard

Der wesentliche Unterschied zwischen den beiden iRig Keys I/O-Ausführungen, außer der Tastenanzahl, ist das Layout, das in der kleineren Ausführung durch eine zweireihige Anordnung der Bedienelemente etwas platzsparender gehalten ist. In Sachen Ausstattung sind beide Versionen weitestgehend identisch, nur beim Softwarepaket müssen die Käufer der 25er Version einige Abstriche machen, aber dazu später mehr.

IK Multimedia iRig Keys I/O 49

Das Gehäuse nutzt den zur Verfügung stehenden Raum optimal aus – laut Hersteller ist das iRig Keys I/O 49 ganze 50% kleiner als der nächstgrößere Konkurrent – und ist mit 2,2 Kilogramm angenehm leicht. Das iRig Keys I/O ist damit hervorragend transportierbar. Der Hersteller kündigt bereits auf seiner Homepage separat erhältliche Tragetaschen für beide Modelle an, die allerdings bislang noch nicht verfügbar sind.

Die Verarbeitung des weitestgehend aus Kunststoff gefertigten Keyboards ist tadellos, es macht einen robusten Eindruck.

Beim Anschluss an Apple-Computer oder an Mobilgeräte ist es wie bei den IK Multimedia-Produkten üblich Class Compliant, benötigt also keinen zusätzlichen Treiber, und funktioniert einwandfrei. Windows 7 und Windows 8-User benötigen für geringe Latenzen den ASIO-Treiber (mit dem bei Windows 10 vorinstallierten WASAPI-Treiber ist es kompatibel), für Windows XP ist das iRig Keys I/O ausschließlich als MIDI-Keyboard nutzbar.

Es liegt jeweils ein 60 cm langes USB- und Lightning-Kabel bei, der Anschluss an das iRig Keys I/O erfolgt über Mini-DIN. Die Kabellänge ist für die Verbindung mit einem Desktopcomputer deutlich zu knapp bemessen. Für die Nutzung eines iOS-Gerätes liegt ein praktischer Ständer bei, mit dem sich Tablet oder Smartphone wie bei einem Notenständer hinter dem iRig Keys I/O fixieren lassen.

Das iRig Keys I/O bringt verschiedene Optionen der Stromversorgung mit. Bei Anschluss an einen Computer wird es über USB mit Strom versorgt. Laptops mit schwacher USB-Buspower und iOS-Geräten greift es entweder mit vier AA-Batterien oder mit dem separat erhältlichen Netzteil iRig PSU 3A(40 Euro auf der Herstellerseite) unter die Arme. Wird das Netzteil verwendet, lädt es zusätzlich auch den Akku des iOS-Gerätes auf – so steht auch langen Recordingsessions nichts im Weg.

Ferner verfügt das iRig Keys I/O über einen 6,3 mm Klinkenanschluss für ein Sustain- oder Expression-Pedal.

IK Multimedia iRig Keys I/O 49 – Rückseite

Die Tasten des iRig Keys I/O sind anschlagdynamisch und synthgewichtet, also sehr leichtgängig. Sie sind trotz des kompakten Formates des Keyboards normalgroß und sorgen so für ein gutes Spielgefühl. Ferner  verfügt das iRig Keys I/O über acht ebenfalls anschlagdynamische Touchpads, die sich beispielsweise als Drumpads mit Schlagzeugsounds, oder, auch für den Live-Einsatz interessant, mit Samples belegen lassen. Diese leuchten je nach Anschlagsstärke blau, violett oder rot auf. Die Empfindlichkeit der Pads lässt sich im Menü anpassen, so dass sie sich optimal auf die Bedürfnisse des Nutzers einstellen lassen. Während der voreingestellte Wert uns etwas zu schwerfällig erschien, erreichten wir durch das Hochsetzen des Velocity-Wertes für die Pads eine optimale Anschlagsempfindlichkeit.

An Bedienelementen bringt das iRig Keys I/O ferner fünf berührungsempfindliche, doppelt belegbare Endlosdrehregler mit. Einer davon ist fest als Lautstärke- beziehungsweise Datenbankregler konfiguriert, die anderen vier lassen sich frei belegen, sodass letztendlich acht verschiedene Parameter eingestellt werden können. Ein Tippen auf den Regler zeigt dabei den Wert des jeweiligen Parameters auf dem Display an, ansonsten wird dauerhaft der Lautstärkewert angezeigt. Ein dreistelliges LED-Display mit Sieben-Segment-Anzeige, wie man sie von Taschenrechnern kennt, zeigt wahlweise die Parameterwerte, die gewählten MIDI-CCs oder Menükürzel an. Hier muss man sich ein wenig einarbeiten, denn die Buchstabenkürzel sind teilweise nicht immer auf den ersten Blick verständlich. Das umfangreiche Manual ist hier eine große Hilfe. Zwei Touch-Slider mit schicker LED-Markierung erlauben per default die Steuerung von Pitch und verschiedenen Soundmodi, können aber ebenfalls mit anderen MIDI-CCs belegt werden. Zudem stehen Touch-Taster für Oktaven- und Programmwechsel und vier multifunktionale Buttons zur Verfügung, die wahlweise der DAW-Steuerung oder der verschiedener MIDI-Controller-Funktionen dienen.

Integriertes Interface

Das im iRig Keys I/O 49 integrierte Audiointerface erlaubt Aufnahmen mit einer Auflösung von bis zu 24-bit / 96kHz. Es verfügt über eine Neutrik Kombobuchse für Mikrofon und Instrumente, wobei es auch mit hochohmigen Hi Z-Instrumenten wie E-Gitarren oder -Bässen fertig wird. 48 Volt Phantomspeisung für Kondensatormikrofone ist zuschaltbar, und zwar sowohl im USB-, Batterie- als auch Netzbetrieb. Hinter der Buchse werkelt ein Class A-Vorverstärker. Dessen Eingangsempfindlichkeit lässt sich via Gainregler einstellen. Das Drehrad ist leider sehr klein und lässt sich nur sehr fummelig bedienen. Es besitzt außer einem Punkt auf dem Regler keinerlei Markierungen, so dass eine exakte Reproduzierung von vorherigen Einstellungen nicht möglich ist.

Ein symmetrischer Stereo-Output (Klinke) erlaubt den Anschluss an PA oder Mischpult. Der 3,5 mm Klinkenanschluss für Kopfhörer ist vor allem in Zeiten, in denen die neuen iPhone-Generationen nicht mehr über einen dedizierten Kopfhöreranschluss verfügen, Gold wert – so können die Signale des angeschlossenen iOS-Gerätes einfach über das Interface an einen Kopfhörer ausgegeben werden. Das Monitoring ist so auch mit Apples Mobilgeräten kein Problem. Die Anschlüsse machen trotz Plastikfassung einen hochwertigen Eindruck – die Kabel sitzen sicher und wackelfrei in den Buchsen.

Ein umfangreiches Softwarepaket

Wie bereits erwähnt, bringt das iRig Keys I/O ein sattes Softwarepaket mit, das den Wert des Gerätes selbst deutlich übersteigt – der Gesamtwert des Bundles liegt so bei rund 750 Euro. Das hat schon etwas von „das Keyboard gibt’s gratis zum Softwarepaket“ –IK Multimedia hat sich hier in Hinsicht auf das Preis/Leistungsverhältnis erneut selbst übertroffen.

Für Mac und PC hat es allen voran die Vollversion von SampleTank 3im Gepäck, IK Multimedias umfangreicher Soundlibrary mit über 4.000 verschiedenen Instrumenten. Zusätzlich bietet Syntronik Pro-V hochwertige Emulationen der beiden Kult-Analogsynthesizer Sequential Circuits Prophet-5 und Prophet-10 –zusammen noch einmal 87 verschiedene Instrumentenklänge.

Miroslav Philharmonik 2 CE, die von Jazz-Bassist (bekannt vor allem durch die Band Weather Report) und Samplingexperten Miroslav Vitous  entwickelte Klassik-Library, deren Sounds in den Czech National Symphony Orchestra Studios in Prag aufgenommen wurden, ist ebenfalls enthalten. Hier stehen über 700 weitere Instrumente mit 300 verschiedenen Effekten zur Verfügung.

Mit T-RackS Deluxe liegt eine abgespeckte Version der beliebten Masteringsuite mit Emulationen neun analoger EQs und Prozessoren bei.

Zudem sind mit Presonus StudioOne Prime und Ableton Live 9 Litegleich zwei Einsteigerversionen beliebter DAWs inklusive.

Da das iRig Key I/O vornehmlich für die Nutzung mit iOS-Geräten konzipiert wurde, liegen natürlich auch entsprechende Apps für iPhone und iPad bei. Auch hier bekommt man eine Vollversion der SampleTank-App mit 145 verschiedenen Instrumenten. Die  Miroslav Philharmonik – Mobile Edition gibt den Nutzer 100 weitere Instrumente an die Hand – Außerdem liegt die mobile Syntronik Pro-VVersion bei.

Beim iRig Keys I/O 25 sind beide Miroslav Philharmonik-Programme übrigens nicht enthalten.

Mit diesem Bundle ausgestattet ist der Nutzer bestens ausgerüstet, um sofort mit Aufnahmen in medias res zu gehen.

Messwerte

Im Messlabor zeigte sich das iRig Keys als überaus praxisorientiert. Die Eingangsempfindlichkeit liegt bei -59,5 dB für den Mikrofoneingang und -29,7 dB für Line. Der maximale Eingangspegel liegt bei -4,2 dB (Mic) beziehungsweise +8,9 dB (Line), der maximale Ausgangspegel beträgt -13,4 dB.Der Geräuschspannungsabstand ist mit 76,4 dB (Mic) und 66,7 (Line) völlig im grünen Bereich, auch die Fremdspannungsabstände gehen mit 74,2 dB für das Mikrofonsignal und 64,3 dB für Line völlig in Ordnung. Das FFT-Spektrum weist für das Mikrofonsignal einen etwas geringeren Störgeräuschteppich auf als das Line-Signal. Der bei Line aufgetretene Peak bei etwa 18 kHz auf -70 dB kann dabei allerdings auch durch Störungen an der USB-Schnittstelle des angeschlossenen Computers auftreten. Auch der Frequenzgang des Mikrofoneingangs ist etwas besser, da breitbandiger. Beide Anschlüsse sind offenbar mit einem Trittschallfilter ausgestattet, das ab etwa 30 Hz abwärts greift, wie die Kurve zeigt.

Praxis und Klang

Aufgrund seiner besonders guten Verträglichkeit mit Apple-Geräten testeten wir die Aufnahme- und Controllerqualitäten des iRig Keys I/O vornehmlich über ein Macbook Pro sowie über ein iPhone 6S. Doch auch an unserem Windows-Studiorechner konnten wir ohne größere Probleme mit dem Gerät arbeiten – von der zu kurz bemessenen Kabellänge einmal abgesehen.

Die Controllerfähigkeiten des iRig Keys I/O ließen kaum Wünsche offen. Es ließ sich problemlos mit der im Bundle enthaltenen Software nutzen. Auch in GarageBand und StudioOne funktionierte es tadellos – einzig bei den DAW-Steuerungstasten (Play/Zurück/Aufnahme) hatten wir bei der Nutzung von Studio One noch Probleme – das sei aber bei einem Test eines O-Serien-Gerät verziehen, da der Hersteller erfahrungsgemäß solche kleineren Fehler innerhalb kurzer Zeit über Firmwareupdates ausräumt. Das Ändern der MIDI-CCs, deren Parameter mittels Drehregler eingestellt werden sollen, gestaltet sich leicht – hat man einmal die im Manual ausführlich beschriebene Tastenkombination verinnerlicht, braucht man nur noch die Nummer des Befehls, welcher einem Regler zugeordnet werden soll. So krempelten wir die per default eingestellte Konfiguration innerhalb kürzester Zeit komplett um, um die verschiedenen Möglichkeiten der beigelegten Sample-Libraries zu erforschen.

Auch die Sounds der Touchpads ließen sich leicht zuordnen und ändern. So legten wir verschiedene Schlagzeugkomponenten aus SampleTank auf die Pads, um schnell einen Drumloop und ein paar Percussioninstrumente einzuspielen. Über den Line-Eingang nahmen wir daraufhin einen E-Bass auf, spielten eine Piano-Spur mit einem überaus hochwertig klingenden Flügel der Miroslav Philharmonik 2 CE Library ein und sangen einige Lead- und Backingvocal-Spuren darüber. Das lässt sich alles mit einem einzigen Gerät bewerkstelligen – prima gemacht, IK Multimedia. Die Verstärkungsreserve der Vorverstärkersektion zeigte sich bei dem angeschlossenen Kondensator-Mikrofon Røde NT-1A beziehungsweise dem dynamischen Shure SM58 als völlig ausreichend, auch beim E-Bass musste der Gainregler die 12-Uhr-Marke nicht überschreiten. Latenzen sind minimal hörbar, bleiben aber im akzeptablen Bereich – das Einsingen von Gesangsspuren mit gleichzeitigem Monitoring etwa war ohne Probleme möglich.

Der Klang der Aufnahmen über die analogen Eingänge weist eine klare Familienähnlichkeit zum kürzlich getesteten iRig Pro I/O (Test in Ausgabe 10/2017) auf. Die Klangeigenheiten des Røde NT-1A und Shure SM58 wurden unverfälscht wiedergegeben. Der etwas knarzige Klang unseres in den 1970ern gebauten Pearl Precision Bass wurde ebenfalls sehr akkurat eingefangen. Das Interface zeigte sich als rauscharm und vor allem in Hinblick auf die Detailauflösung zwar nicht High-Endig, aber dennoch hochwertig.

Fazit

Für Homerecordler mit kleinem Budget und wenig Platz ist das iRig Keys I/O eine echte Offenbarung. Das Keyboard ist nicht nur sehr kompakt, sondern durch das integrierte Interface spart man noch eine Menge Platz und hat auch kein Kabelgewirr auf dem Schreibtisch. Zudem enthält das iRig Keys I/O-Package alles, was ein Einsteiger sich von einem Kompakt-Studio wünschen kann. Klanglich macht das Paket ebenfalls eine gute Figur.

Erschienen in Professional audio 12/2017

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