Dynamische Charakterköpfe

IK Multimedia präsentiert auf Basis seiner T-Racks 3 Mastering-Suite seit kurzem die Emulationen der vielleicht bekanntesten Kompressoren der Tontechnik-Geschichte: Den Urei 1176 und Teletronix LA-2A. Was sie leisten, wie sie klingen und worin ihre Vorzüge liegen, steht im Test.

Von Georg Berger

Eines vorweg: Nein, wir drucken keine Artikel zweimal hintereinander ab und Sie befinden sich auch nicht in einer Zeitschleife wie Bill Murray im Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“. Sicherlich, bereits im letzten Heft haben wir die Emulationen der beiden Kompressor-Legenden Urei 1176 und  Teletronix LA-2A ausgiebig besprochen. Unterschied: Im letzten Heft handelte es sich um Plug-ins von Native Instruments. Im aktuellen Heft stammen die Emulationen jedoch vom italienischen Software-Hersteller IK Multimedia, die ihre Versionen gleichzeitig mit den Pendants von Native Instruments auf den Markt brachten. Ob sich beide Unternehmen damit einen Bärendienst erwiesen haben, wollen wir an dieser Stelle jedoch nicht diskutieren, wohl aber einen vergleichenden Blick auf die Vorteile und Eigenheiten beider Produkte werfen. Unsere aktuellen Testkandidaten hören auf die Namen Black 76 und White 2A . Beide Plug-ins lassen sich sowohl als Add-ons innerhalb der Mastering-Suite T-Racks 3 laden (Test in Heft 1/2008) oder, wie übrigens auch alle anderen T-Racks 3 Prozessoren, auch als Einzel-Effekte unabhängig vom Mastering-Host in die DAW insertieren. Der Kauf eines Plug-ins schlägt dabei mit knapp 90 Euro zu Buche, was vom Preis-Niveau in etwa auf Augenhöhe mit den Native Instruments-Pendants ist. Das GUI beider Emulationen zeigt eine authentische Reproduktion der Hardware-Oberflächen, die jedoch mit einigen Extra-Features angereichert sind.

Zwar fehlen die in den Native Instruments Plug-ins integrierten Möglichkeiten zur parallelen Signalverarbeitung und zum Einspeisen von Signalen in den Sidechain inklusive Sidechain-Filter. Dafür punkten die italienischen Versionen mit einer aktivierbaren MS-Matrix sowie einer unabhängigen Bearbeitung der einzelnen Kanäle innerhalb einer Stereo-Instanz. Die Bedienung beider Prozessoren ist denkbar einfach und auch von Einsteigern rasch verinnerlicht, wenngleich sich einige Eigenheiten zeigen, die auch in diesem Artikel nicht unerwähnt bleiben sollen. So verfügt der Black 76 Kompressor anstelle eines Threshold-Parameters über einen Input-Regler, der gleich drei Funktionen auf einmal ausführt: Das Einpegeln des Eingangs-Signals, das Einstellen der Kompressionsschwelle und in Erweiterung dessen der Kompressions-Intensität in Abhängigkeit zur gewählten Ratio. Wichtig zu wissen: Ebenso wie an der Hardware funktionieren die Regler für Attack und Release in umgekehrter Weise. Anders als erwartet verkürzen sich also die Werte beim Drehen der Regler im Uhrzeigersinn. Besonderheit: Der Off-Button unterhalb des Attack-Reglers schaltet die Dynamik-Sektion auf Bypass, was einem Kompressions-Verhältnis von 1:1 gleichkommt. A pro pos Ratio: Der hochgeschätzte und schon legendäre All-Button-Modus ist per zusätzlichem Taster rasch angewählt, wobei sämtliche Taster zum Auswählen der Ratio-Werte gleichzeitig gedrückt sind. Noch einfacher geht’s im White 2A: Lediglich zwei Regler und ein Kippschalter stehen zum Einstellen der Kompression zur Verfügung. Mit Hilfe des Peak Reduction Parameters stellen wir die Kompressions-Intensität ein. Der Gain-Regler sorgt für die Aufholverstärkung und über den Kippschalter sind zwei Kompressions-Kennlinien (Compress und Limit) mit unterschiedlichem Verlauf wählbar. Der Rest wird wie von Geisterhand in Abhängigkeit zum eingespeisten Signal, also programmabhängig, reguliert. In der Hardware ist dafür übrigens ein optisches Element verantwortlich, das aufgrund seiner eher trägen Eigenschaft für entsprechend weiche und hervorragend musikalisch klingende Regelvorgänge sorgt. Im Hörtest zeigen sich die IK Multimedia Emulationen von ihrer besten Seite und demonstrieren einmal mehr, warum die Hardware-Originale bis heute einen legendären Ruf besitzen. Das Black 76 Plug-in zeichnet sich durch eine hervorragend organisch-musikalische Kompression aus. Gleichzeitig geht die Signalbearbeitung mit Klang färbenden Eigenschaften einher, die nicht zuletzt von der diskreten Bauweise und der eingesetzten FET-Technik des Originals herrührt. Signale verdichtet das Black 76 Plug-in auf eigentümliche Art und fügt ihnen einen deutlichen Schuss an Höhen hinzu, begleitet von leichten Anhebungen im unteren Mittenbereich. Das führt dazu, dass die bearbeiteten Signale deutlich vordergründiger, lebendiger und frischer klingen und sich auf fast schon intelligente Weise in den Mix einfügen. Im Test punktet auch die IK Multimedia-Version beim Komprimieren von Schlagezeug-Sounds. Transienten von Snare-Drums schält der Black 76 auf charakteristische Art aus dem Signal heraus, die ordentlich herausknallen ohne dabei unangenehm zu klingen. Vokalaufnahmen rücken deutlich in den Vordergrund, erhalten mehr Präsenz und auch Volumen. Die Sprachverständlichkeit erhöht sich merkbar, wobei die Stimmen durch das Anheben im Mittenbereich gleichzeitig angenehmer klingen. Ähnliche Ergebnisse zeigen sich auch beim Komprimieren von Saiten-Instrumenten. E-Gitarren und -Bässe klingen je nach Stellung des Attack-Reglers deutlich präziser durch Herausschälen des Anschlags-Attacks. Gleichzeitig erhalten sie im Mittenbereich einen leichten Schub, der den Gesamtklang anhübscht.

 

Ein erwartungsgemäß anderes klangliches Ergebnis liefert das White 2A Plug-in, das im direkten Vergleich zum Black 76 eher wie ein Leisetreter auftritt und Kompressions-Vorgänge äußerst weich und fast unhörbar realisiert, Signale aber trotzdem effizient und nachhaltig in der Dynamik verdichtet. Im Test zügelt das Plug-in die Gesamtdynamik von Aufnahmen auf nachhaltige Weise ohne dabei die Lebendigkeit des Vortrags platt zu bügeln, was sich wiederum gerade bei Gesangsaufnahmen zeigt.  Gleichzeitig hören wir, wie die Aufnahmen an Plastizität gewinnen und sich subtil in den Vordergrund schieben. Überdies vermag auch das White 2A Plug-in den Aufnahmen auf subtile Art einen angenehm klingenden Anstrich zu verpassen, der ihnen schmeichelt und sie auf unbeschreibliche Art verschönert. Diese musikalischen Qualitäten zeigen sich im Test auch beim White 2A einmal mehr, als wir das Plug-in nach längerem Einsatz auf Bypass schalten. Im direkten Vergleich mit den Pendants von Native Instruments sind bis auf ein paar Ausnahmen keinerlei hörbaren Unterschiede auszumachen. Zugegeben, anfangs stellt sich das Bild jedoch anders dar, indem wir die Parametrisierung beider Plug-ins exakt gleich einstellen. So klingt es im Black 76 zunächst deutlich höhenreicher und luftiger, wohingegen das White 2A Plug-in deutlich kraftvoller ans Werk geht als der Vertreter von Native Instruments. Der Grund: Trotz gleicher Skalierung der Parameter wirken sie je nach Stellung in beiden Produkten unterschiedlich stark. Doch nach entsprechendem Angleichen der Einstellungen nach Gehör ist es fast unmöglich einen Unterschied zwischen beiden Produkten ausmachen zu können. Welches Produkt dabei richtig oder falsch skaliert ist, spielt keine Rolle, denn es lassen sich stets die gleichen Ergebnisse erzeugen. Einzige Ausnahmen: Bei extremen Einstellungen der Parameter im sogenannten All-Button-Modus liefert die 1176-Emulation von Native Instruments ein deutlich stärker verzerrtes Ergebnis als das Black 76 Plug-in. Ähnlich verhält es sich auch bei den LA-2A-Reproduktionen. Bei voll aufgerissenem Reduction-Parameter ist wiederum im Native Instruments-Vertreter ein leichtes, aber nicht unangenehmes Zerren hörbar, wohingegen sich das IK Multimedia-Pendant dagegen resistent zeigt und damit mehr in Richtung Mastering schielt. In Sachen Performance und CPU-Hunger liegen beide Mitbewerber gleichauf, es sei denn der Hi-Quality-Modus in Guitar Rig 4 ist deaktiviert. Mit eingeschalteter Hi-Quality verbrauchen die Native Instruments Plug-ins deutlich mehr Rechenpower als die Single-Versionen der IK Multimedia-Prozessoren. Das Ergebnis gleicht sich jedoch wieder aus, wenn die Plug-ins innerhalb von T-Racks 3 zum Einsatz kommen und dort mit aktiviertem Oversampling betrieben werden. Diese Option findet sich in den Einzel-Plug-ins jedoch nicht, würde ihnen aber dennoch gut zu Gesicht stehen. 

Fazit

Mit den Emulationen des Urei 1176- und Teletronix LA-2A-Kompressors in Form des Black 76 und White 2A Plug-ins zeigen die Entwickler von IK Multimedia einmal mehr, dass sie ein enormes Know-how im akkuraten und authentischen Nachbilden von Hardware besitzen. Beide Plug-ins reproduzieren perfekt den hochgeschätzten Vintage-Sound und das charakteristische Regelverhalten der Vorlagen. Im direkten Vergleich mit den ebenfalls vor kurzem präsentierten Pendants von Native Instruments liegen beide Produkte klanglich auf gleichem Level. Lediglich in Sachen Zusatz-Features besetzen die Konkurrenten ganz eigene Nischen und kommen sich nicht in die Quere. Dem Anwender obliegt also die Entscheidung ob er sich für MS-Bearbeitung oder Sidechaining oder gar beides entscheidet.  

Ein erwartungsgemäß anderes klangliches Ergebnis liefert das White 2A Plug-in, das im direkten Vergleich zum Black 76 eher wie ein Leisetreter auftritt und Kompressions-Vorgänge äußerst weich und fast unhörbar realisiert, Signale aber trotzdem effizient und nachhaltig in der Dynamik verdichtet. Im Test zügelt das Plug-in die Gesamtdynamik von Aufnahmen auf nachhaltige Weise ohne dabei die Lebendigkeit des Vortrags platt zu bügeln, was sich wiederum gerade bei Gesangsaufnahmen zeigt.  Gleichzeitig hören wir, wie die Aufnahmen an Plastizität gewinnen und sich subtil in den Vordergrund schieben. Überdies vermag auch das White 2A Plug-in den Aufnahmen auf subtile Art einen angenehm klingenden Anstrich zu verpassen, der ihnen schmeichelt und sie auf unbeschreibliche Art verschönert. Diese musikalischen Qualitäten zeigen sich im Test auch beim White 2A einmal mehr, als wir das Plug-in nach längerem Einsatz auf Bypass schalten. Im direkten Vergleich mit den Pendants von Native Instruments sind bis auf ein paar Ausnahmen keinerlei hörbaren Unterschiede auszumachen. Zugegeben, anfangs stellt sich das Bild jedoch anders dar, indem wir die Parametrisierung beider Plug-ins exakt gleich einstellen. So klingt es im Black 76 zunächst deutlich höhenreicher und luftiger, wohingegen das White 2A Plug-in deutlich kraftvoller ans Werk geht als der Vertreter von Native Instruments. Der Grund: Trotz gleicher Skalierung der Parameter wirken sie je nach Stellung in beiden Produkten unterschiedlich stark. Doch nach entsprechendem Angleichen der Einstellungen nach Gehör ist es fast unmöglich einen Unterschied zwischen beiden Produkten ausmachen zu können. Welches Produkt dabei richtig oder falsch skaliert ist, spielt keine Rolle, denn es lassen sich stets die gleichen Ergebnisse erzeugen. Einzige Ausnahmen: Bei extremen Einstellungen der Parameter im sogenannten All-Button-Modus liefert die 1176-Emulation von Native Instruments ein deutlich stärker verzerrtes Ergebnis als das Black 76 Plug-in. Ähnlich verhält es sich auch bei den LA-2A-Reproduktionen. Bei voll aufgerissenem Reduction-Parameter ist wiederum im Native Instruments-Vertreter ein leichtes, aber nicht unangenehmes Zerren hörbar, wohingegen sich das IK Multimedia-Pendant dagegen resistent zeigt und damit mehr in Richtung Mastering schielt. In Sachen Performance und CPU-Hunger liegen beide Mitbewerber gleichauf, es sei denn der Hi-Quality-Modus in Guitar Rig 4 ist deaktiviert. Mit eingeschalteter Hi-Quality verbrauchen die Native Instruments Plug-ins deutlich mehr Rechenpower als die Single-Versionen der IK Multimedia-Prozessoren. Das Ergebnis gleicht sich jedoch wieder aus, wenn die Plug-ins innerhalb von T-Racks 3 zum Einsatz kommen und dort mit aktiviertem Oversampling betrieben werden. Diese Option findet sich in den Einzel-Plug-ins jedoch nicht, würde ihnen aber dennoch gut zu Gesicht stehen. 

Fazit Mit den Emulationen des Urei 1176- und Teletronix LA-2A-Kompressors in Form des Black 76 und White 2A Plug-ins zeigen die Entwickler von IK Multimedia einmal mehr, dass sie ein enormes Know-how im akkuraten und authentischen Nachbilden von Hardware besitzen. Beide Plug-ins reproduzieren perfekt den hochgeschätzten Vintage-Sound und das charakteristische Regelverhalten der Vorlagen. Im direkten Vergleich mit den ebenfalls vor kurzem präsentierten Pendants von Native Instruments liegen beide Produkte klanglich auf gleichem Level. Lediglich in Sachen Zusatz-Features besetzen die Konkurrenten ganz eigene Nischen und kommen sich nicht in die Quere. Dem Anwender obliegt also die Entscheidung ob er sich für MS-Bearbeitung oder Sidechaining oder gar beides entscheidet.  

Erschienen in Ausgabe 09/2011

Preisklasse: Spitzenklasse
Preis: 89 €
Bewertung: sehr gut
Preis/Leistung: sehr gut

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