Der Besondere

Der AKG K702 gehört zu den besten dynamischen Kopfhörern überhaupt. Jetzt gibt es ihn für kurze Zeit in einer besonders edlen Sonderauflage.

Von Harald Wittig

 Dieses Jahr feiert Mikrofon- und Kopfhörerspezialist AKG seinen 65. Geburtstag (mehr dazu auf Seite 64 dieser Ausgabe), anlässlich dessen die Österreicher ausgewählte Produkte in einer besonders edlen, selbstverständlich limitierten Sonderauflage herausgebracht haben. Dazu gehört auch der K702 65th Anniversary Edition, eine Luxusausführung von AKGs herausragendem Referenzkopfhörer K702, den wir in den Ausgaben 2/2009 und 6/2009 ausführlich bedacht haben. Seit diesen Tests ist der K 702 unsere Referenz für dynamische Kopfhörer in offener, ohrumschließender Bauweise.Das Sondermodell kann und soll die fortschrittlichen Techniken, die im K702 für den hervorragenden Klang verantwortlich sind, nicht neu erfinden. Folglich begegnen uns auch bei dieser Festgabe die vierlagige Flachdrahtspule, die mit mitternachtblauem Velours bezogenen Ohrpolster mit ihrer speziellen ovalen Form, von AKG „3 D-Shape“ genannt, sowie die im patentierten Varimotion-Verfahren hergestellte Membran (ausführlich beschrieben im Test des K702 in Ausgabe 2/2009). Allerdings betont AKG, dass die Wandler des Sondermodells vorselektiert seien, was für konsistente Klangeigenschaften und eine präzise Tiefenstaffelung sorgen soll. Das klingt gerade so, als klänge das Sondermodell am Ende besser als die reguläre Ausführung.

Na, wir werden sehen, besser hören, ob es wirklich deutliche Klangunterschiede gibt, die alleine den Aufpreis für den AKG K702 65th Anniversary von rund 200 Euro rechtfertigen – mal abgesehen vom Hauch des Luxus, den das Sondermodell umweht.Der K702 bekam in der Sonderausführung ein neues Echtleder-Kopfband spendiert, das den Tragekomfort im Vergleich zum Serienmodell erhöhen soll. Interessanterweise fehlen die sieben eingenähten Kopfpolster der Standardausführung – dieses Kopfband wirkt damit einfacher. Dennoch trägt sich der limitierte Kopfhörer tatsächlich besser als unser bewährter K702 bei dem die kleinen Polster im Kopfband schon mal – gerade bei langen Hörsitzungen – drücken können. Außerdem sitzt der überarbeitete K702 etwas sicherer, denn er verschiebt sich bei ruckartigen Kopfbewegungen weniger als sein günstigerer Zwilling. Schließlich scheint die Sonderausführung auch leichter zu sein, was er jedoch nicht ist. Für den Tragekomfort vergeben wir folglich eine Eins mit Sternchen.Wie es sich für einen AKG-Profikopfhörer gehört, hat das einseitig geführte Anschlusskabel den typischen verriegelbarem Mini-XLR-Stecker, was einen raschen Kabeltausch ermöglicht. Die Geometrie des Gesamtsystems und die Formgebung im Einzelnen, beispielsweise der Ohrmuscheln, sind selbstverständlich unverändert geblieben. Sehr ansprechend ist die Farbkombination Titan/Blau, die AKG als Schmuckfarben für die 65th Anniversary Editionen, also auch für das Mikrofon C451 (siehe Test auf Seite 64 dieser Ausgabe), wählte. Die Verarbeitung des Kopfhörers, der in Wien von Hand gebaut und individuell getestet wurde, ist einwandfrei.
Ein guter Kopfhörer verdient einen ebenso guten Kopfhörerverstärker, weswegen wir nachhaltig empfehlen, den AKG K702 an einem guten Kopfhörerverstärker, beispielsweise dem Lake People G103-P oder – noch besser – dem G109-P (beide in dieser Ausgabe auf Seite 36 getestet), zu betreiben. So können Sie das volle Potential des Kopfhörers ausschöpfen.Wie zu erwarten, verschafft uns auch die Sonderedition des K702 reinen Hörgenuss. Es ist einfach wohltuend, beispielsweise eine herausragende Klavier-Aufnahme wie die Tacet-Produktion „The Art of Fugue/Die Kunst der Fuge“, Evgeni Koroliovs geniale Einspielung des Bachschen Monumentalwerks, zu hören. Das komplexe Klangverhalten des Flügels im Raum, auf dieser Aufnahme vorzüglich eingefangen, schillert in allen Farben.

 Vergleichbares erleben wir auch mit dem für die Hörtests dieser Ausgabe immer wieder hinzugezogenen Album „Portraits I“ des Bonner Pianisten Tom Peters, das musikalisch und klanglich jedem High Ender-Ohr schmeichelt. Der AKG K702 65th Anniversary Edition stellt beispielsweise die im Diskant von Peters Bösendorfer singende Melodie der wunderschönen Ballade „Anna ´s Sleep Song“ mit holografisch anmutender Dreidimensionalität dar. Hinzu kommt ein plastisch wirkender Raumklang, der umso beeindruckender ist, wenn wir bedenken, dass bei AKG diese Raumdarstellung – anders als einige Mitbewerber – nicht mit einem präsenteren Klangbild erkauft werden muss. Der K702 bleibt immer ausgewogen und sehr neutral, wenngleich der T1 von Beyerdynamic (siehe Test in Ausgabe 12/2010) noch ein Quäntchen präziser, für manche Ohren aber auch farbloser und langweiliger, wirkt.Neben der ausgezeichneten Höhenauflösung und dem starken Mittenband gefällt auch die sachliche, sehr präzise Basswiedergabe des Kopfhörers. Die Bässe sind nicht imposant aufgeblasen – der K702 ist kein Effekthascher –, sondern erklingen klar und fokussiert und nur dann dumpf-dröhnend, wenn das Material entsprechend (schlecht) produziert ist. Stellt sich abschließend noch die Frage, ob die Sonderedition anders, vielleicht sogar besser klingt als die Serienausführung des K702. Wir vergleichen die beide Kopfhörer, was dank der beiden Ausgänge unseres Referenz-Kopfhörerverstärkers Violectric V200 ein Leichtes ist, und hören durchaus subtile Unterschiede. Diese genügen jedoch keinesfalls, um das Sondermodell über unseren bewährten K702 zu stellen. Immerhin ist der seit über drei Jahren unermüdlich im Einsatz. Da bleiben gewisse klangliche Veränderungen nicht aus, insoweit gilt nichts anderes als bei Lautsprechern. Sagen wir es – ganz weise – so: Wer sich den K702 65th Anniversary Edition leisten möchte, bekommt einen ausgesprochen bequemen und äußerlich sehr attraktiven Kopfhörer mit dem Referenz-Klang des K702, den wegen der Limitierung das Flair des Besonderen hat.

Fazit

Der K702 65th Anniversary Edition klingt ebenso herausragend wie die Serienausführung des AKG Flaggschiffs, trägt sich aber etwas besser und sieht noch edler aus, was ihn besonders für Sammler attraktiv macht.

Erschienen in Ausgabe 11/2012

Preisklasse: Spitzenklasse
Preis: 599 €
Bewertung: sehr gut
Preis/Leistung: sehr gut

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