Generation M

Audio-Technica hat seine erfolgreiche M-Serie Kopfhörer überarbeitet. Die vier neuen Modelle sollen in allen für Kopfhörer relevanten Punkten vollauf überzeugen.

Von Harald Wittig

Audio-Technica gehört zu den Pro Audio-Herstellern, die immer für eine Überraschung gut sind. Die Mikrofone des japanische Unternehmens, das sich seit über 50 Jahren der Entwicklung von Gutklang-Erzeugnissen widmet, gehören auch im Mikrofonparadies Deutschland zu den angesagten Schallwandlern. Wie die Mitbewerber AKG, Beyerdynamic und Sennheiser auch – um die berühmtesten zu nennen –, bietet Audio-Technica auch schon lange Kopfhörer an. Das umfangreiche Kopfhörerprogramm umfasst neben einer edlen HiFi-Linie und den patentierten sogenannten Active Noise Cancelling-Kopfhörern schon immer Modelle für den professionellen Anwender. Die Profi-Kopfhörer sind ihrerseits nochmals unterteilt in sogennante Monitor-Hörer für Live- und Studio-Anwendungen sowie spezielle DJ-Kopfhörer. Seit Anfang 2014 ist die Profisektion „Monitor“ um vier neue Modelle erweitert: Die Kopfhörer ATH-M20x. ATH-M30x, ATH-M40x und ATH-M50x ersetzen und ergänzen – dazu später mehr – die bereits bekannten Modelle ohne das „x“ im Namen. Audio-Technica spricht selbst voller Entwicklerstolz von der „neuen Generation der M-Serie“ und verspricht den potentiellen Anwendern für alle vier Modelle „exzellente Audioqualität und herausragenden Komfort“. In Anbetracht der vergleichsweise günstigen Preise von wenigstens 58 Euro für das Einstiegsmodell ATH-M20x bis höchstens 189 Euro für das Topmodell ATH-M50x sind die Vier besonders attraktiv – sofern sie halten können, was die Japaner behaupten.

Bevor wir uns mit den Testkandidaten eingehend befassen, sei der Hinweis gegeben, dass Audio-Technica die älteren Modelle weiterhin bis zum Ausverkauf noch anbietet – die Serie wird allerdings nicht weiter produziert. Freunde beispielsweise des Studio-Allrounders ATH-M40fs dürfen sicher sein, dass sie Support und Service bekommen. Nachdem das geklärt wäre, wollen wir uns mit den vier Prüflingen befassen:
Die Kopfhörer der neuen M-Serie eint, dass das Quartett auf dem Design des Modells ATH-M50 basiert, Audio-Technicas Flaggschiff im Bereich Studio-Kopfhörer. Wenngleich es Unterschiede bei der Größe der Treiber gibt, sind die Grundmaterialien die gleichen, außerdem sei die Klangabstimmung auf Basis des ATH-M50-Klanges erfolgt. Der übrigens auch uns bei dem großen Kopfhörervergleichstest in der Ausgabe 6/2009 überzeugen konnte. Der ATH-M50x sei dann laut Audio-Technica ein verbesserter ATH-M50: Der Klang entspräche exakt dem des älteren und etablierten Hörers, der Neue biete dafür dank verbesserter Ohrpolster erhöhten Tragekomfort für lange Hörsitzungen, eine noch robustere, modifizierte Gehäusekonstruktion sowie mehr Zubehör im Lieferumfang.

Wie auch beim ATH-M50, den es übrigens immer noch in drei Ausführungen gibt, hat der ATH-M50x auch vergleichsweise große Treiber mit einem Durchmesser von 45 Millimetern, die neben einer insgesamt sehr guten Auflösung über den gesamten, in den Höhen zusätzlich erweiterten Frequenzbereich vor allem die Basswiedergabe begünstigen sollen.
Die drei Geschwister M20x, M30x und M40x haben kleinere Treiber mit einem Durchmesser von 40 Millimetern, davon abgesehen hat Audio-Technica aber an den darüber hinaus klangentscheidenden Komponenten nicht gespart: Alle vier Modelle haben kräftige und hochwertige Neodymimum-Magnete als Antrieb, die Schwingspulen sind eine Eigenentwicklung und bestehen aus einem mit Kupfer ummantelten Aluminiumdraht – CCAW-Schwingspule nennen die Japaner das –, was für einen dem Topmodell ATH-M50 ähnlichen Klang sorgen soll.
Na ja, was die Werbung eben so verspricht. Sehen wir die technischen Daten der vier an, fällt zunächst der im Falle von ATH-M40x und ATH-M50x in den Höhen erweiterte Frequenzbereich auf. Der ATH-M40x reicht bis 24 Kilohertz, der ATH-M50X sogar bis 28. Die beiden günstigeren Modelle M20x und M30x hingegen nur bis 20 beziehungsweise 24 Kilohertz. Beides kann durchaus hörbar in Form eines erweiterten Klangfarbenspektrums – Stichwort: Obertönigkeit, die das menschliche Ohr wahrnehmen kann, sein. Aber das werden wir im Rahmen des Hörtests und der Klangbeschreibung klären.

Alle vier Modelle sind dynamische Kopfhörer in geschlossener, ohrumschließender Bauweise, was einer guten Isolation in lauter Umgebung dienlich ist. Außerdem ist ein geschlossener Kopfhörer für den Musiker im Studio bei Mikrofonaufnahmen ein Muss, um auch nur die einzuspielende Stimme einzufangen. Dass es sich um Kopfhörer für den professionellen Anwender handelt, ist auch daran erkennbar, dass die Anschlusskabel einseitig geführt sind. Gerade Musiker, namentlich die Instrumentalisten, können sich über zweiseitig geführte Kabel, die immer dann im Weg sind, wenn es am allerwenigsten erwünscht ist, schwarz ärgern und dann gleich den verlangten Take versemmeln. Was uns auch sehr gut gefällt: Beide Ohrmuscheln sind bei allen Vieren um 90 Grad drehbar, sodass sich schon der günstige Einsteiger-Kopfhörer für das einohrige Monitoring eignet.

Auch wenn in puncto Robustheit die beiden teuren Modelle ATH-M40x und ATH-M50x den besten Eindruck hinterlassen, genießen auch ATH-M20x und ATH-M30x unser Vertrauen. Der Hersteller hat alle M-Modelle mit Kopf- und Ohrpolstern aus Kunstleder ausgestattet, die sich angenehm anfühlen und auch nach dem Einspielen von E-Gitarrenspuren über mehrere Stunden oder langen Hörsitzungen nerven. Auch zum Hitzestau kommt es beim Aufnehmen, wo Musiker zwangsläufig in Bewegung sind, anders als mit Billig-Kopfhörern, die minderwertige Polster haben, nicht.
Die Kopfhörer tragen sich alle vier sehr gut, wobei es stets einer Feinabstimmung des Bügelbandes bedarf. Ausweislich unserer Erfahrungen lassen sich die Audio-Technicas ohne allzu großen Aufwand an verschiedenste Kopfformen anpassen. Der ATH-M20x ist der leichteste der Testkandidaten und beschwert den Kopf seines Trägers am wenigsten, der ATH-M50x ist da schon ein anderes Kaliber und scheint allein wegen seines höheren Gewichts und der ausladenderen und massiveren Konstruktion nicht jedermanns Sache zu sein. Zumindest ist das Kollegium uneins: Die eine Hälfte präferiert den federleichten ATH-M20x, der auch schwungvollen Kopfbewegungen ohne zu verrutschen folgt. Die andere Hälfte fühlt sich unter dem großen ATH-M50x sicherer, obschon der Große, sofern das Bügelband nicht stramm gezogen ist, leichter aus der optimalen Position rutscht.

Bei den beiden günstigen Modellen ATH-M20x und ATH-M30x ist das glatte Anschlusskabel fest installiert, bei den teureren Kopfhörern ATH-M40x und ATH-M50x ist es auswechselbar. Beidesmal erfolgt die Verbindung zum Kopfhörer über eine Mini-Klinkenbuchse. Die Kabel werden also gesteckt und dank eines Bajonettverschlusses mit einem kleinen Rechtsdreh gesichert. Wir meinen, dass das Kabel eines Studio-Kopfhörers auswechselbar sein muss. Nur allzu schnell ist es passiert, dass der Regiestuhl das Anschlusskabel überfährt und beschädigt. Dann ist es einfach ärgerlich, wenn das Kabel nicht kurzerhand ersetzbar ist und der geliebte Kopfhörer erst eingeschickt werden muss. Damit auch der Gang zum Fachhändler des Vertrauens im Unfalle nicht gleich notwendig ist, werden ATH-M40x und ATH-M50x mit Austauschkabeln geliefert. Dem ATH-M50x liegen gleich drei bei: Neben einem Spiralkabel und einem drei Meter langen geraden Kabel – die finden sich auch im ATH-M40x-Karton – gibt es noch ein 1,20 Meter kurzes Kabel für das Musikhören unterwegs. Apropos unterwegs: Den Modellen ATH-M30x, ATH-M40x und ATH-M50x hat Audio-Technica noch Transportbeutel für die Reise beigelegt. Da sich diese drei Kopfhörer – der Einsteigerhörer ATH-M20x macht eine Ausnahme – platzsparend zusammenfalten lassen, passen sie gut ins Handgepäck des mobilen Recordisten oder auch eines DJs.

Soweit ist in puncto Konstruktion, Verarbeitung und Tragekomfort alles im grünen Bereich. Jetzt muss es aber auch klanglich stimmen, weswegen wir uns ausführlich mit den Wiedergabeeigenschaften der vier Audio-Technicas zu befassen haben.
Für den Hörtest beschallen wir die vier Testkandidaten mit verschiedensten Material aus dem Bereich der Pop- und Rockmusik, einigen Filmscores und akustische Aufnahmen aus Klassik und Jazz. Dafür dient unser Fostex CR500 Master Recorder, der über die AES/EBU-Schnittstelle mit dem Mytek Digital 8x192DAAD-Wandler verbunden ist, als Zuspieler. Um sicherzustellen, dass sich das Quartett keinesfalls unter Wert verkauft, sind die Analog-Ausgänge unseres Referenz-Wandlers mit unserem Referenz-Kopfhörerverstärker, dem Lake People/Violectric HPA V200 verbunden. Wir hören uns zudem noch eigene „nackte“, sprich unbearbeitete Aufnahmen an, wobei wir die Eignung der Kopfhörer fürs Mischen testen. Rastet der Klang mit dem über den Kopfhörer ausgewählten Effekt, beispielsweise Hall, auch wirklich ein?

Audio-Technica ATH-M20x: Der günstigste Kopfhörer des Quartetts überzeugt zunächst durch seine sehr gute Abschirmung von Außen- und Umgebungsgeräuschen. Wer seine hörmäßige Kopfarbeit bislang nur No Name-Billiggurken anvertraut hat, wird beim ersten Hören breit grinsen – vor Glück: Der Kleine erweist sich als kompetenter Dynamiker, der schnellen Schallereignissen, beispielsweise dem Slap-Bass-Gewitter eines T. M. Stevens oder den Wechselschlag-Salven Al Di Meolas gewachsen ist. Erst der direkte Vergleich mit einem Spitzenkopfhörer wie dem AKG K702 Studio stellt klar, was in puncto Impulsverhalten und Auflösung möglich ist. Dennoch: Der ATH-M20x macht seine Sache gut. Allerdings hat der Kopfhörer eine gewisse Hochmitten-Höhenschwäche, die dem Klang etwas leicht Nasales gibt. Damit ist anspruchsvolles Monitoring oder Mischen nicht unbedingt die Domäne des günstigen Audio-Technica. Allzu voreilig ist dann schon mal am Equalizer geschraubt, um den Klang zurechtzurücken. Die Raumabbildung ist solide und gut genug, um die Wirkung von Halleffekten beurteilen zu können. Für Musiker zum Aufnehmen ist der ATH-M20x in jedem Fall empfehlenswert.

Audio-Technica ATH-M30x: Der nächst teurere Audio-Technica ist seinem kleineren Bruder ähnlich, macht die Sache aber ohrenfällig besser: Das Impulsverhalten ist gut und in puncto Auflösung erreicht der ATH-M30x fast Oberklasse-Niveau. Seine Bässe klingen recht konturiert und zu keiner Zeit schwammig oder überbetont. Das Mittenband gefällt uns am Besten, denn es ist ausgewogen ohne unangenehme Präsenzen. Allerdings fällt der Höhenbereich ab. Das macht das reine Hören über den Kopfhörer nicht mal notwendig unangenehm: Gerade Musiker, die wenig Studio-Erfahrung haben, sind oft verunsichert, wenn Sie über Kopfhörer erfahren, wie sie über ein hochauflösendes Mikrofon klingen. Da können zurückgenommene Höhen einem entspannten Spiel dienlich sein. Die Raumabbildung gefällt uns recht gut, nach einer gewissen Einhörzeit hören wir, was wir hören wollen. Fürs Monitoring und zum Mischen erwarten wir aber ein möglichst vollständiges Höhenspektrum, weswegen wir den keineswegs schlechten ATH-M30x nach unseren sehr strengen Maßstäben eher als Zweit- oder Dritthörer empfehlen.

Audio-Technica ATH-M40x: Der ATH-M40x ist ein richtig guter Kopfhörer – damit wäre eigentlich alles gesagt. Gleichwohl wollen wir nicht zu geizig mit Informationen sein: Der Kopfhörer erweist sich als sehr impulssicher, es macht richtig Spaß über ihn einem Marimbaphone-Solo zu lauschen und der Donner-Daumen von T. M. Stevens jagt dem ATH-M40x keinen Schrecken ein. Die Bässe sind also stabil, klar konturiert und fokussiert, dabei nie überbetont. Die Raumabbildung erscheint aufs erste, noch flüchtige Hinhören sogar die beste des Quartetts zu sein. Allerdings schummelt der ATH-M40x diesbezüglich ein wenig, denn er hebt die Höhen etwas an. Das bringt dann eine scheinbar bessere Raumabbildung auf Kosten der tonalen Ausgewogenheit. Dennoch: Der ATH-M40x ist ein guter, übrigens auch ziemlich lauter Kopfhörer, der mit ganz leichten Abstrichen universell einsetzbar ist.

Audio-Technica ATH-M50x: Das Topmodell verdient sich – wie es sich gehört – auch klanglich den Spitzenplatz innerhalb des Quartetts. Der ATH-M50x ist insgesamt ausgewogen abgestimmt, lediglich die Bässe sind etwas überbetont. Das Impulsverhalten und die Auflösung, vor allem in den Höhen sind sehr gut. Ein Quäntchen weniger Präsenz und etwas schlankere Bässe und wir hätten den ATH-M50x zu den Spitzenklasse-Kopfhörern gezählt. Die Raumabbildung ist noch besser als die des ATH-M40x – es macht Spaß über diesen Kopfhörer abzuhören. Oder einfach nur Musik zu genießen. Dafür eignet er sich schon fast am Besten, ist aber durchaus universell in professioneller Umgebung einsetzbar.

Fazit

Die neuen, überarbeiteten M-Modelle von Audio-Technica können alle vier überzeugen: Wer einen guten geschlossenen Mittelklasse-Kopfhörer sucht, ist mit dem sehr günstigen ATH-M20x gut bedient. Besser ist aber der nicht sehr viel teurere ATH-M30x, der abgesehen von einer leichten Höhenschwäche dem anspruchsvollen Einsteiger und Aufsteiger empfohlen werden darf. ATH-M40x und ATH-M50x genügen bereits professionellen Ansprüchen – vor allem auch klanglich und erweisen sich trotz gewisser Abstriche als Allrounder, die für Mix und Monitoring, live und im Studio einsetzbar sind.

Erschienen in Ausgabe 04/2014

Preisklasse: Mittelklasse
Preis: 58 €
Bewertung: gut
Preis/Leistung: sehr gut

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