Mach mal laut!

Die neueste Entwicklung aus HOFAs Software-Abteilung ist der IQ-Limiter, der mit seinen intelligenten Regelalgorithmen ein innovatives Konzept für optimale Ergebnisse verheißt. Wir haben zugehört und für Sie den cleveren Loudness-Spezialisten im Studio unter die Lupe genommen.

Von Johannes Dicke

Wer klein anfängt, kommt groß raus. So ähnlich lässt sich wohl die Entwicklung der Firma HOFA beschreiben, die sich seit der Firmengründung 1988 zu einem breit aufgestellten Audio-Unternehmen gemausert hat. Die Erfolgsgeschichte beginnt mit einem einzelnen Tonstudio-Betrieb, der ab 1993 um immer weitere Dienstleistungs-Angebote erweitert wird. Neben Tontechnik-Kursen, der Herstellung und dem Verkauf eigener Raumakustik-Module oder einer Media-Abteilung zur Tonträgerherstellung, gibt es seit 2010 auch eigene Software-Produkte. Für diese werden am Firmensitz im Baden-Württembergischen Karlsdorf immer neue, pfiffige Software-Lösungen entwickelt, deren Großteil VST-Plug-ins sind. Nach erfolgreichen Prozessoren, wie dem vielseitigen Faltungshall IQ-Reverb oder dem beliebten Kompressor IQ-Comp, präsentieren die HOFArianer mit dem IQ-Limiter nun ihr neuestes und vor allem lautestes Familienmitglied. Das Besondere: Es handelt sich nicht nur um einen einfachen Lautmacher nach herkömmlichem Brickwall-Prinzip, sondern um einen, der mit eigens entwickelten, adaptiven Regel-Algorithmen arbeitet.

Schön übersichtlich und mit klarer Gestaltung präsentiert sich das GUI passenderweise in Form eines Ausrufezeichens. Dessen Punkt am unteren Ende des Fensters beherbergt die Regler zur Einstellung des Eingangs-Gain. Ein großer Drehregler, der entlang des Außenkreises verläuft, sowie zwei kleine Plus- und Minus-Buttons in der Kreismitte, erfüllen diesen Zweck. Für‘s Grobe ist das große, stufenlose Drehpoti zuständig. Die Feineinstellung erfolgt dann im Anschluss über die Buttons mit ihrer Rastung in 0,5 Dezibel-Schritten pro Klick. Alle weiteren Einstellungsmöglichkeiten, nebst akuratem Metering hält der senkrechte Ausrufe-Balken darüber bereit. Drei Spalten geben dort mit numerischen und grafischen Anzeigen Auskünfte über die unterschiedlichen Signalpegel. Die linke Spalte zeigt zuunterst den eingestellten Eingangspegel, der dort auch noch einmal in Zahlenform eingegeben werden kann. Darüber folgt eine Stereo-Pegelanzeige, die sowohl den laufenden Pegel, sowie den dazugehörigen RMS-Wert anzeigt. Ganz oben lässt sich schließlich für den linken und den rechten Kanal getrennt der aktuelle Spitzenpegel auf´s Komma genau ablesen. Die rechte Spalte beherbergt exakt die gleichen Elemente, nur dieses Mal für den Plug-in-Ausgang, dessen Pegel sich an dieser Stelle ebenfalls einstellen lässt. Die mittlere Spalte schließlich zeigt die Pegel-Reduktion an und beherbergt darunter die von 16 bis 24 Bit reichende Dithering-Funktion, sowie den Button für die drei intelligent arbeitenden Betriebsmodi Slow, Med und Fast.
Last but not least befindet sich ganz oben im Plug-in-Fenster der Settings-Button, welcher Zugriff auf weitere Einstellungen gestattet. Dort lassen sich unter anderem die zusätzliche Anzeige von Intersample Peaks am Ausgang einschalten, sowie Default-Einstellungen speichern und laden. Praktisch: Ebenfalls in diesem Menü lässt sich die clevere Tooltip Funktion aktivieren. Diese zeigt per Mouse Over für jedes einzelne der verfügbaren Bedienelemente und Anzeigen seine jeweilige Aufgabe, inklusive Bedienhilfe an. Eine solche Funktion erweist sich gerade zu Anfang erfahrungsgemäß oft als Helfer in der Not. Wer jedoch auch darüber hinaus weitere Informationen bekommen möchte, gelangt über das rechts oben im GUI gelegene Fragezeichen ins Online PDF-Manual.

Bevor es ans Ausprobieren gehen kann, interessiert uns zunächst selbstverständlich brennend, was hinter den drei intelligenten Betriebsmodi steckt. Christian Kuke, einer der HOFA-Programmierer, erklärt uns, dass alle drei Betriebsmodi zunächst einmal mit spezieller, unterschiedlich weit vorausschauender Look-Ahead Funktion arbeiten. Slow ist dabei logischerweise der langsamste Modus mit dem größten Look-Ahead Zeitfenster, Fast hingegen limitiert am schnellsten mit dem geringsten Look-Ahead. Der Clou: Innerhalb des jeweils zur Verfügung stehenden Look-Ahead Zeitraumes, werden nicht nur allein die Peaks, sondern zudem auch die gesamte Hüllkurve des Signals berücksichtigt, an die sich das Regelverhalten anpasst. Am Ende werden somit je nach Material und Modus die größten Transienten-Peaks stets sicher, jedoch in unterschiedlich starker Form abgefangen. Das wiederum garantiert schließlich eine optimale Verdichtung umgebender Signalanteile einerseits und andererseits einen dem Betriebsmodus entsprechenden, möglichst geringen Verzerrungsanteil. Als Faustregel gilt: Je länger der Look-Ahead Zeitraum, desto gründlicher werden die Transienten bearbeitet. Daraus resultiert letztlich eine geringere Lautheit, aber auch weniger Verzerrungen. Somit bietet sich für Transienten-reiches Material, wie beispielsweise Rock/Pop, aber auch Jazz der Fast-Modus an. Liegt jedoch ein bereits stärker vorkomprimiertes Signal vor, wie zum Beispiel in Dance-Produktionen, eignen sich wohl eher Slow oder Med. Am Ende sollte jedoch immer zuallererst gehört werden, was am besten mit dem jeweiligen Musikmaterial funktioniert und das ist letztlich immer auch Geschmackssache.

Um den Klang des IQ-Limiters besser beurteilen zu können, vergleichen wir ihn zunächst in Cubase 7.5 mit zwei gängigen Limitern. Als Probanden dienen uns der Waves L1, sowie der Precision Limiter von Universal Audio, welcher übrigens bei der Entwicklung des IQ-Limiters als einer von vielen Vergleichskandidaten fungierte. Als Testmaterial nehmen wir eine aktuelle Dance-/Pop-Produktion in 44.1 kHz/24 Bit-Auflösung, mit großzügigem Headroom, sowie ohne Dynamik- und sonstigem Summenprocessing. Alle drei Limiter stellen wir getrennt voneinander so ein, dass in den lautesten Passagen jedes Plug-in den gleichen Peak-Reduktions-Anteil liefert. Zudem stellen wir sicher, dass entsprechend des Formats stets das 24 Bit-Dithering aktiviert ist, was für Precision Limiter und L1 über einen zusätzlichen Apogee UV22 HR realisiert wird. Dann geht’s ans Eingemachte und wir hören uns an, was die Testkandidaten aus dem Testmaterial herausholen. Als erster ist der L1 dran, der das Signal ohne wenn und aber schön laut macht, bei gleichbleibender Transparenz. Auch der Precision Limiter verrichtet seinen Dienst tadellos, ebenso transparent und gegenüber dem L1 mit noch wohligerem Klangcharakter. Der IQ-Limiter schließlich kann die bereits sehr guten Ergebnisse seiner beiden Konkurrenten doch glatt noch einmal toppen. Bereits im voreingestellten Med-Modus erhält unser Dance-Track einen schön fetten, geradezu warmen Punch, mit dem es seine beiden Konkurrenten einfach nicht aufnehmen können. Mit ihm klingt das Endergebnis insgesamt viel „fertiger“ und wunderbar rund, wozu bei den anderen beiden Kandidaten erst weitere Nachbearbeitungsinstanzen nötig wären. Nachdem sich der Med-Modus bereits auf´s Erste Med als gut erwiesen hat, hören wir nun noch einmal genauer hin in puncto verschiedene Betriebsarten. Dabei erweist sich das Umschalten in den Fast-Modus für unser Material erst einmal als ungeeignet wegen zu starker Verzerrungen. Zwar ließe sich dieses Problem durch Absenken des Input-Levels in den Griff kriegen, doch am Ende würde das wiederum Einbußen bei der Lautheit bedeuten. Der Slow-Modus hingegen zeigt sich schon eher als mögliche Alternative. Bei entsprechender Pegelanpassung wäre damit theoretisch sogar noch ein wenig mehr Gain-Reduktion drin, ohne allzu herbe Klangverluste verkraften zu müssen. Doch nach unserem Geschmack passt der Med-Modus in diesem Falle einfach am besten.

Nach solch erfolgreichem Exempel in Sachen Masteringtest, hören wir nach, was das HOFA-Plug-in in puncto Mix-Anwendungen zu bieten hat. Auf diesem Gebiet eignen sich gerade solche Lautmacher oftmals bestens, um prominente Instrumente, wie Stimmen oder Gitarren besser hervorzuheben. Auch auf Bussen, wie zum Beispiel bei Schlagzeuggruppen, verhelfen sie im Handumdrehen zur gewünschten Durchschlagskraft. Zu diesem Zweck laden wir die drei Testkandidaten auf die Vocal-Gruppe eines Pop-Songs, deren weiblicher Stimme es angesichts dichter Instrumentierung ordentlicher Durchsetzungsfähigkeit bedarf. Auch an dieser Stelle zeigt das HOFA-Plug-in seine Stärken: Gegenüber L1 und Precision Limiter erscheinen die Vocals mit dem IQ-Limiter deutlich besser konturiert und klingen schlichtweg besser. An dieser Stelle geben wir allerdings dem Slow-Modus den Vorzug, der die Stimme bestens hofiert. Fast hingegen liefert abermals zu viele Obertöne, wenn auch nicht so stark, wie im Mastering-Test und auch Med agiert uns in diesem Fall etwas zu straff.

Fazit
Der IQ-Limiter ist im wahrsten Sinne des Wortes eine Wucht und darf sich auf seinem Gebiet zweifelsohne in die Riege der Top-Produkte einreihen. Mit „fertigem“ Sound, feinstem Wohlklang, sowie großer Lautheit bei glasklarer Transparenz, hat uns dieser Loudness-Spezialist vollends begeistert. Weder beim Mastering, noch im Mix lässt das in unseren Ohren keinen Zweifel an HOFAs neuartigen, adaptiven Limiting Algorithmen. Damit ist den Entwicklern ein innovatives Produkt gelungen, das nach unserem Wissen bislang noch nicht in dieser Form auf dem Markt zu haben war. Last but not least stimmt auch der Kaufpreis: Selbst nach dem Einführungsangebot für 119,90 Euro Ende November, bleiben auch die regulären 129,90 Euro im Rahmen. Wer einen hervorragenden Lautmacher für Mastering- und Mix-Anwendungen sucht, der obendrein nicht das Budget sprengt, sollte dieses Plug-in unbedingt näher kennenlernen.

Erschienen in Ausgabe 11/2014

Preisklasse: Spitzenklasse
Preis: 130 €
Bewertung: sehr gut
Preis/Leistung: sehr gut

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