Die Mausefalle

Vor allem Computermuffel, denen das Lesen telefonbuchdicker Handbücher verhasst ist, finden in Appels Garage-Band einen hübschen kleinen Baukasten, der rasche Erfolgserlebnisse beschert. Wäre nur nicht diese Maussteuerung.

Von Harald Wittig

Die Hardware-Manufaktur M-Audio hat ein Herz für die Freunde des kleinen, feinen Sequenzers und stellt nun mit i-Control eine externe Steuereinheit vor, mit der Garage-Band über vertraute Schalter und Regler bequem und einfach bedienbar ist. Die Konzentration aufs Wesentliche, die Musik, sollte damit einfacher und schneller gelingen als mit der doch oft nervigen Betätigung per Maus. Das graue Kunststoffgehäuse mit seinen Zierleisten im Holzimitat, macht einen soliden und schmucken Eindruck. Die Abmessungen entsprechen etwa zwei neben einander gelegten mittleren Taschenbüchern; daher dürfte i-Control auch auf überfüllten Arbeitstischen noch ein Plätzchen finden. Auf der Oberfläche sind alle Regler und Druckschalter übersichtlich angeordnet. Mit Ausnahme des Schiebers, der für die Gesamtlautstärke von Garage-Band zuständig ist, sind alle Regler als Endlosregler ausgelegt.

Mit den acht Drehregler werden die einzelnen Parameter für die Spuren wie Lautstärke, Effekte, Panorama und so
weiter je nach Voreinstellung verändert: Zum Beispiel in der Funktion als Panregler lässt ein Dreh nach links die Spur auf die linke Seite im Stereobild wandern – oder umgekehrt. Abgesehen vom Jog-Weel, das die Wiedergabeposition und anzeige in Garage-Band vor- und zurücksetzt, gibt es noch eine Reihe von Drucktasten.
Auch hier hat der Hersteller beim Design ausgesprochen benutzerfreundlich gedacht: Die Tasten sind gut ablesbar
(weiß auf grau) beschriftet, und ihre Anordnung orientiert sich an der vertrauten Garage-Band-Oberfläche. Auch
wenn sogar alten Hasen ein Blick ins kurz gefasste Beiheft zu empfehlen ist – grundsätzlich erschließen sich die Funktionen fast von selbst. Genau so muss das sein, schließlich soll das i-Control die Bedienung des Programms komfortabler machen.
Sehen wir uns das Kontrollzentrum genauer an: Rechts unten befinden sich der Schalter für eine neue Aufnahme-
Session in Garage-Band, die Tasten zum Vor-und Zurückspulen innerhalb des Stückes, sowie der Play- und der Loop-Schalter. Also alles liebe alte Bekannte; nur eben nicht virtuell, sondern richtig unter den Fingern zu spüren. Für acht Spuren gibt es jeweils drei Schalter, die für die Aufnahme, das Stummschalten und das Abhören einer Spur alleine (Solo) zuständig sind. Schön auch hier: Die Schalter sind mit den von Garage-Band bekanntenSymbolen beschriftet. Dadurch leuchtet jedem erfahrenen User die Funktion sofort ein. Zwingend
logisch liegen direkt daneben die Wahlschalter zur Spurauswahl. Allerdings hat M-Audio, um das Gerät selbst kompakt und die Oberfläche übersichtlich zu halten, hier bereits eine Mehrfachbelegung vorgesehen: So dienen die „Sel“-Schalter auch zur Aktivierung/Deaktivierung der Effekte für die jeweilige Spur. Die Veränderung der Werte der jeweiligen Spur übernimmt der zugeordnete Drehregler. Um diese Funktionen aufzurufen, genügt ein Druck auf die Taste Track Info auf der rechten Seite des i-Control.
Ebenfalls rechts angeordnet sind noch sechs weitere Tasten, welche die Bearbeitung der vorgewählten Einzelspur
über den passenden Drehregler gestatten:

Volume macht ihn zum Lautstärke-, Pan zum Balanceregler, über Effekt 1 oder Effekt 2 lassen sich die GarageBand-Effekte (Noise, Gate, Kompressor, Equalizer, Hall) regeln. Per Generator wird ein MIDI-File bearbeitet und über EQ erfolgt die Bedienung des Equalizers. Weiter gibt es noch die Taste Option und zwei Pfeiltasten mit der Beschriftung Tack/Parameter. Die Option-Taste ändert die Funktion anderer Regler des i-Control.
I-Control ist für die gleichzeitige Bedienung von acht Spuren ausgelegt; insoweit arbeitet es wie ein Mischpult, das eine bestimmte Anzahl von Spuren in Subgruppen zusammenfasst. Mit den Pfeiltasten kann man in der Funktion All Tracks (keine Einzelspur ist ausgewählt) jeweils acht Spuren nach oben, beziehungsweise nach unten springen; damit ist es möglich, Stücke zu bearbeiten, die mehr als acht Spuren haben. Das i-Control kommt mit wenigen Anschlüsse aus: Über USB-Kabel wird es an den Mac-Rechner angeschlossen, der liefert auch die Stromversorgung; der Anschluss ist auf der Rückseite. Daneben liegt noch ein MIDI-Eingang für den Anschluss eines externen Keyboards – das war’s, mehr braucht es nicht.

Die Einbindung von i-Controll ins Studioequipment geht ruck-zuck: Garage-Band gestartet, via USB-Kabel die Hardware mit dem Mac verbunden – schon kann’s losgehen. Das ist Plug and Play im wahren Sinne des Wortes. Das Gerät wird sofort erkannt, eine zeitraubende Installation des i-Control fällt weg. Wer allerdings gehofft hat, dass einem die Steuerung von Garage-Band mit der Maus gänzlich erspart bleibt, wird ein wenig enttäuscht sein: Man muss weiterhin Spuren im Arrangierfenster einrichten; mittels Drag and Drop holt man sich Midi-Files und Loops aus der Datenbank, um die jeweiligen Spurregionen mit Klängen zu belegen. Dies geschieht eben wie bisher: Schritt für Schritt, bis man die ersten acht Spuren voll hat. Dann aber schlägt die Stunde des i-Control:
Die Wiedergabeposition über einen Druck auf die angenehm griffige Taste an den Anfang gesetzt, auf Abspielen gedrückt und hören. Aha! Die Gesamtlautstärke ist zu hoch? Kein Problem: Mit dem Zeigefinger den Masterregler verschoben, dabei am Bildschirm die Pegelanzeige beobachtet – fertig. Sie möchten eine bestimmte Stelle im Stück noch mal hören? Am Jog-Weel gedreht, den Lauf des Wiedergabemarkers verfolgt und schon ist die gesuchte Stelle schnell und bequem gefunden. Allein das Jog-Weel ist eine spürbare Erleichterung bei der praktischen Arbeit, zumal die virtuellen Vor-/Rückspultasten von Garage-Band nervtötend langsam arbeiten.

Mit i-Control gelingt die Bearbeitung einzelner Spuren denkbar einfach: Zunächst wählen Sie über die Sel-Taste
eine Spur aus. Garage-Band markiert diese, beim i-Control ist die ausgewählte Taste blau beleuchtet. Um die Lautstärke der Spur zu erhöhen, genügt ein Druck auf die Volume-Taste, die wie alle Schalter des Geräts auch blind gut zu ertasten ist und einen spürbaren Druckpunkt hat; die Einstellung der Lautstärke erfolgt über den der ausgewählten Spur zugeordneten Drehregler.
Diese Regler haben eine Rastung und laufen nicht eben leicht. Das mag manchen User stören, bei unserem Test war jedoch damit gut zu arbeiten, so dass es hier nichts zu beanstanden gibt. Außerdem: Möchte man die äußerste rechte oder linke Einstellung, genügt ein Druck auf Option, ein kleiner Dreh in die jeweilige Richtung und der Garage-Band-Regler springt auf die entsprechende Position.
Die Feineinstellung lässt sich nun wie gewohnt schrittweise vornehmen. Insoweit gelingt das wesentlich komfortabler und letztlich schneller als mit der Maus, denn gerade die Einstellung der recht kleinen virtuellen Regler der Software gestaltet sich nicht nur für Grobmotoriker immer etwas fummelig.
Um über den Equalizer den Klang zu beeinflussen, sind folgende Schritte nacheinander auszuführen: Zunächst den Equalizer anwählen; dies geschieht über die Registrierkarte Softwareinstrument/Master in Garage-Band. Diese wird mit der Taste Track-Info aufgerufen. Die Aktivierung der Effekte erfolgt nun über die Sel-Tasten, die der Spurauswahltaste unmittelbar nachfolgen. Anfangs ist das ein wenig gewöhnungsbedürftig, doch nach einer kurzen Einarbeitungszeit findet jeder die entsprechenden Tasten auch im Halbschlaf. Sobald der Equalizer aktiviert ist, genügt es, die Taste EQ zu drücken, und schon hat man Zugriff auf die Karte zur manuellen Einstellung des Equalizers. Dessen einzelne Parameter werden über die Drehregler verstellt. Nun sind stets die obersten vier Regler für die Einstellungen zuständig; dabei folgt die Ordnung der Reihenfolge des Garage-Band–Fensters. Das ist einfach, gut und vor allem effizient. Sinngemäß gilt dies auch für die übrigen Effekte und die wenigen
Einstellungen, die über den Generator-Schalter bei MIDI-Dateien vorgenommen werden können.

Hat das Projekt mehr als acht Spuren, so lässt sich über die Pfeiltasten eine neue Gruppe Spuren anwählen. Dabei bewegt man sich immer acht Spuren nach oben oder nach unten. Die ausgewählte Gruppe ist nun auf dem Bildschirm hellblau markiert und die Einzelspuren lassen sich wie gewohnt bearbeiten.
Leider ermöglicht i-Control keinen Zugriff auf die Masterspur. Da auch diese noch mit Effekten versehen werden
kann, zum Beispiel mit einem Kompressor, wäre auch dafür eine Fernbedienung über das Gerät durchaus wünschenswert.

Fazit

Ein pfiffiges kleines Kästchen ist es, das i-Control für Garage-Band. Es erleichtert die Arbeit mit der Software spürbar, die Bedienung ist weitgehend intuitiv und es ist gut verarbeitet. Für den ernsthaften Garage-Band-User ist die Mausefalle schlicht ein Muss.

 

 

Erschienen in Ausgabe 05/2006

Preisklasse: Economyklasse
Preis: 179 €
Bewertung: sehr gut
Preis/Leistung: sehr gut

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