Minimal-Lösung

Für Monoaufnahmen in Studioqualität braucht man heute nicht mehr viel: Ein Smartphone, ein paar In-Ears und das neue IK Multimedia iRig Mic Studio (plus Zubehör) reichen aus und passen bequem in die kleinste Handtasche.

Von Sylvie Frei

 

Wenn es darum geht, möglichst mobil Mono-Aufnahmen in Studio-Qualität anzufertigen, bieten sich kompakte Kondensatormikrofone mit eingebautem Vorverstärker, Wandler und integrierter Monitoring-Lösung an, die mit Smartphones und Tablets interagieren können. Derartige Mikrofon-Interface-Lösungen sind mittlerweile von einigen Herstellern zu haben, sei es Apogee mit dem MiC 96k (Test in Ausgabe 8/2014), Shure mit dem MV51 (Test in Ausgabe 9/2016) oder jüngst Sennheiser mit der Digitalvariante seines Studiomikrofons MK4 (Test in Ausgabe 2/2017). Jetzt gibt es auch von IK Multimedia, einem Hersteller mit einschlägiger Mobil-Mikrofon-Erfahrung – besonders was günstige Handheld-Exemplare angeht, ein professionelles Modell: das iRig Mic Studio.

Das iRig Mic Studio ist ein Großmembranmikrofon mit einer 1 Zoll-Kapsel mit fester Nierencharakteristik. Es besitzt einen integrierten, besonders rauscharmen Vorverstärker sowie einen ADDA-Wandler, der das Signal über USB oder Lightning an das interagierende Gerät schickt und umgekehrt das vom Gerät ausgegebene Digitalsignal für das Monitoring zurück ins Analoge wandelt. Das iRig Mic Studio unterstützt Sampleraten von 44,1 oder 48 Kilohertz bei einer Wortbreite von 24 Bit. Als einziger Ausgang steht ein 3,5 mm Stereoklinken-Ausgang für den Anschluss eines Kopfhörers bereit. Eingangsverstärkung und Kopfhörerlautstärke lassen sich direkt über zwei Potis am Mikrofon justieren.

Insgesamt sind dreierlei Verbindungskabel (Micro-USB auf USB A, Micro-USB auf Micro-USB sowie USB auf Lightning) im Lieferumgang enthalten, die PC, Mac, Apple- oder Android-Smartphones/Tablets mit dem Mikro-USB-Ausgang des iRig Mic Studio verbinden lassen. Ebenfalls im Lieferumfang: Ein praktisches Ministativ für den Desktop sowie eine stabile, wenn auch nicht elastische Mikrofonschraubklemme aus Aluminium, die sich wahlweise am Ministativ oder einem gewöhnliche Mikrofonständer befestigen lässt. Für den Transport liegt außerdem ein kleiner Stoffbeutel bei, in dem Mikrofon, Ministativ, Klemme und Kabel bequem Platz finden.

Das iRig Mic Studio soll sich für Aufnahmen von Gesang, Sprache sowie akustische Instrumente aller Art eignen. Es hat einen UVP von 219 Euro und spielt damit preislich in der exakt gleichen Liga wie das Shure MV51. Zum Vergleich: Das nur mit Apple-Produkten interagierende Apogee MiC96 setzt mit 273 Euro etwas höher, das Sennheiser Mk4 digital mit 475 Euro deutlich höher an.

 

Äußeres und Setup

Das Innere des iRig Mic Studio steckt in einem schwarzen, zylinderförmigen Aluminium-Gehäuse mit einem doppelten Drahtgeflechtkorb aus einem feineren und einem gröberen Gitter. Die Membran steht wie bei einem gewöhnlichen Großmembranmikrofon aufrecht – die Einsprechrichtung befindet sich auf der Seite der Dreh-Potis. Mit einer Höhe von nur knapp 12 cm und 4,5 cm im Durchmesser ist es bedeutend kleiner als ein durchschnittliches Großmembranmikrofon. Ein Gewicht von federleichten 280 g macht das iRig Mic Studio auch zu keiner nennenswerten Zusatzlast im Handgepäck.

Insgesamt ist das Mic gut verarbeitet, einzig der Korb hat etwas Spiel und wackelt ein wenig, wenn man das Mikrofon bewegt. Steht es hingegen fest auf dem Stativ, sind keine störenden Geräusche zu befürchten. Einen sehr guten und stabilen Eindruck machen auch die Mikrofonklemme und das mit entkoppelnden Hartgummi-Füßen versehene Ministativ. Mit letzterem lässt sich das Mikrofon ideal auf dem Desktop positionieren. Die Klemme erlaubt es, das iRig Mic Studio so zum Musiker hin anzuwinkeln, dass der Einsprechwinkel zum eingehenden Signal ideal ist. Für klassische Mikrofonierungs-Situationen mit echtem Mikrofonständer ist das iRig Mic Studio dank der zuverlässig festen Klemme ebenfalls gut gerüstet. Für ein solches Setup empfiehlt es sich allerdings, eine Haltevorrichtung für das interagierende Mobilgerät anzuschaffen, mit dem dieses in Kabelreichweite ebenfalls am Mikrofonstativ befestigt werden kann.

Kompatibilität, Apps und Software

Das iRig Mic Studio ist mit einer ganze Menge von Geräten einsetzbar. Zu den unterstützten Mobilgeräten gehören Apples iPhone, iPod touch, iPad sowie iPad mini und zwar alle denkbaren Modelle, die mit iOS 5.1 oder neuer arbeiten. Für alte Geräte, die noch keinen Lightning-Anschluss besitzen, werden vom Hersteller sogar separat 30-Pin-Kabel angeboten (UVP 30 Euro). Außerdem werden alle Android Smartphones und Tablets ab Android 5 unterstützt, sofern sie über einen Micro-USB-Anschluss verfügen und USB-Audio unterstützen. Aber auch, wer das iRig Mic Studio einfach mit dem Computer oder Laptop nutzen möchte, kann dies tun. Mac unterstützt das iRig ab OS X 10.6. Auf Windows-Rechnern werden alle Betriebssysteme ab XP unterstützt, allerdings ist eine vorherige Installation des ASIO4ALL Treibers notwendig (Download unter www.asio4all.com ).

Als Recording-Apps stehen gleich eine ganze Reihe von Möglichkeiten im iTunes- beziehungsweise im Google App Store unter dem Herstellernamen IK Multimedia zum kostenfreien Download bereit. Dazu zählen die Apps VocaLive (Mehrspurrekorder mit Vocal-Effeksektion), EZ Voice (Sing-along-Sänger-Übungs-App), iRig Recorder (Field-Recording und Podcasting-App) und Mic Room (Mikrofon-Modelling-App; nur für iOS). Das iRig Mic Studio ist aber auch mit einer ganzen Reihe von Drittanbietet-Apps kompatibel – darunter Steinbergs Cubasis App und Apples Garage Band App.

Praxis

Trotz der hohen Kompatibilität mit allen möglichen Geräten, war es im Test nicht immer möglich, das iRig Mic Studio zum Laufen zu kriegen. Während es an einem iPhone 6 mit den erwähnten Apps sofort Plug-and-Play-fähig reagierte, hatten wir mit einem aktuellen Huawei P8 (mit Android 6.0) kein Glück. Unter Windows 7 mit ASIO4ALL-Treiber hatten wir ebenfalls Schwierigkeiten, bekamen es dann aber mit einem MME-Treiber und der Open Source-Software Audacity zum Laufen. Erfolgreich waren wir ebenfalls mit Windows 10 und ASIO4ALL-Treiber. Auf dieser Plattform gelang es uns, mit der PreSonus DAW Studio One 3 ohne Probleme aufzunehmen. Bei professionellen DAWs ist dennoch Vorsicht geboten: Die DAW und das Mic sollten immer mit der gleichen Samplerate und Wortbreite arbeiten – ein automatisches Angleichen wie mit den meisten Interfaces findet nicht immer statt. Zur Auswahl stehen 44,1 oder 48 Kilohertz bei einer Wortbreite von 24 Bit – DAWs, die nur 16 oder nur 32 Bit interne Signalverarbeitung anbieten, können Probleme haben und das aufgenommene Signal mitunter in falschem Timing oder mit falscher Tonhöhe aufzeichnen. Mit einem eigens für das iRig Mic Studio gecodeten Treiber würden sich derartige Probleme von Herstellerseite aus beheben lassen.

Inbetriebnahme

Gepaart mit einem wirklich kompatiblen Gerät gelingt die Inbetriebnahme völlig problemlos. App oder DAW starten, das iRig Mic Studio beziehungsweise ASIO4ALL als Interface für Ein- und Ausgang auswählen, gegebenenfalls Samplerate und Wortbreite justieren und los geht es.

Aussteuern

Auch das Aussteuern des Mics klappt dank der mehrfarbigen LED zwischen den beiden Drehpotis am Mikrofon recht gut. Einzig das kleine Gain-Drehpoti ist etwas schwer zu greifen und zu drehen – so verstellt es sich aber auch nicht unbeabsichtigt. Im Test rutschen wir mit den Fingern dennoch leicht ab. (Letzteres gilt übrigens auch für das Poti für die Kopfhörerlautstärke.) Mit etwas Fingerspitzengefühl und der richtigen Drehtechnik kommen wir dennoch zum Ziel. Zeigt die im Betrieb zunächst blaue LED grünes Licht, können wir sicher sein, dass ein Signal im Computer ankommt, zeigt sie bei den Signalspitzen orange, ist das Signal ausreichend ausgesteuert, zeigt sie rot, droht Übersteuerung.

Monitoring

Das Monitoring über den Kopfhöreranschluss gelingt zufriedenstellend gut. Das Mikrofon bietet allerdings kein latenzfreies Direct Monitoring, sodass das eingehende Signal nur mit einer wenn auch minimalen, aber merklichen Latenz mitgehört werden kann. Overdub-Aufnahmen sind damit allerdings kein Problem. Der Klang des Kopfhörersignals geht ebenfalls in Ordnung und bietet ein weitgehend neutrales Klangbild mit etwas abgeschwächten Höhen – für das Monitoring absolut ausreichend.

Klang

Klanglich zeigt sich das iRig Mic Studio von durchaus  ordentlicher Qualität. Alle aufgenommenen Signale klingen klar, natürlich, ausbalanciert, konturiert und rauscharm. Sie sind also definitiv sende- und studio-tauglich. Der Grundklang des Großmembranmikrofons ist grundsätzlich ausgewogen, allerdings mit einer durchaus ausgeprägten Höhenanhebung. Die Sprach- und Gesangsaufnahmen, die wir anfertigten, klangen sehr natürlich, in sich stimmig, intim und durchaus konturiert – aber mit einem Schuss Präsenz in den Höhen, was die Sprachverständlichkeit erhöhte. Ein Nahbesprechungseffekt war deutlich auszumachen. Dieser klingt allerdings sonor, angenehm und überhaupt nicht topfig, sodass er sich durchaus zur Gestaltung von Vocal-Aufnahmen bewusst einsetzen lässt. Das Mikrofon ist nicht überdurchschnittlich windanfällig, dennoch empfiehlt es sich, für Gesangs- und Sprachaufnahmen einen kompakten Windschutz anzuschaffen, der Plosive, unvorsichtige Atmer und Co etwas abmildert. Konsonanten und Zischlaute betont das Mikrofon etwas stärker – je nach Sprecher oder Sänger ist daher eventuell etwas Nacharbeit mit dem De-Esser notwendig. Akustische Instrumente klingen mit dem iRig Mic Studio angenehm und klar. Unsere Nylon-Akustikgitarre zeigte in den Aufnahmen sowohl den warmen, organischen Klang ihres Korpuses, dessen Tiefmitten und Bässe naturgetreu repräsentiert wurden, als auch die ordentlich konturierten Anschlag- und Griffgeräusche, ohne diese jedoch übermäßig zu betonen.

 

Einsatzempfehlung

Wer viel unterwegs ist und gerne auch abends im Hotelzimmer unkompliziert Songskizzen und Ideen festhalten will, die später auch im richtigen Studio verwendbar sind, ist mit dem iRig Mic Studio durchaus gut beraten. Rapper und Sprecher, die ausschließlich Vocal-Aufnahmen anfertigen, kämen mit dem IK Multimedia-Mikrofoninterface eventuell sogar als einzige Recording-Lösung aus. Wichtig ist, dass der Nutzer vorher ausprobiert, ob das iRig Mic Studio auch wirklich mit dem vorgesehenen (Mobil-)Gerät interagieren kann. Bei den Mitbewerber-Modellen tauchten derartige Kompatibilitätsprobleme im Test übrigens nicht auf, diese wollen in der Regel aber auch bedeutend weniger Geräte unterstützen und sind teils nur auf aktuelle Apple-Devices beschränkt.

Fazit

Das iRig Mic Studio ist ein ausgewogen und klar klingendes Mikrofon-Interface, das unkompliziert Aufnahmen in Studioqualität samt Monitoring auch unterwegs erlaubt. Allerdings konnten wir im Test das Mic nicht auf allen angeblich kompatiblen Systemen zum Laufen bringen. Ein wenig Punktabzug gibt es außerdem für die schwergängigen und etwas rutschigen Drehpotis.

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