Detailbesessen

Die Liebe zum allerfeinsten Detail zeichnet die kompromisslosen Puristen unter den Mikrofon-Vorverstärkern aus. Der Gordon Model 5 will diese Kategorie als detailbesessener Klassenprimus anführen.

Von Harald Wittig

Das gibt es selten: Einen Entwickler, der sich auf ein einziges Gerät konzentriert. Der US-Amerikaner Grant Carpenter ist ein solcher Entwickler und er bietet unter dem Namen Gordon lediglich einen Mikrofon-Vorverstärker an. Zugegeben, es gibt den Preamp in zwei Ausführungen: Als Einkanaler – dann heißt er Model 4 – oder als Zweikanaler, der den Namenszusatz Model 5 führt. Optional im Angebot ist noch eine Fernbedienungseinheit, die ebenfalls in zwei Varianten für die Steuerung von zwei oder vier Mikrofonkanälen vorhanden ist. Die Gordon-Geräte werden in Europa seit Kurzem exklusiv von Adebar Acoustics vertrieben. Adebar Acoustics-Inhaber Roland Storch hat schon immer eine besondere Vorliebe für edle Studiotechnik der High End-Kategorie gehabt, sodass die Aufnahme der Gordon Preamps in sein Vertriebsprogramm uns sofort aufmerken ließ und wir direkt ein Testexemplar geordert haben. Bei unserem Prüfling handelt es sich um das Model 5, also die zweikanalige Ausführung des Preamps, nebst der Fernbedienung GC34. Bevor wir uns dem Vorverstärker in der gebotenen Ausführlichkeit widmen, wollen wir die sicherlich auch Sie sehr interessierende Preisfrage klären: Der Gordon Model 5 kostet rund 2.500 Euro, die Fernbedienung für zwei Kanäle, GC32 schlägt mit rund 290 Euro zu Buche, für die Vierkanal-Variante sind 430 Euro anzulegen. Zumindest rein preislich rangiert der Amerikaner schon mal in der Oberklasse. Da wollen wir doch mal sehen – und vor allem auch hören –, ob der Gordon seinen Preis auch wert ist.

Der Gordon verkörpert mit seinem grauen Gehäuse, das ohne jeden protzigen Zierrat auskommt, auf perfekte Art und Weise das Understatement eines hochpreisigen Edelgeräts. Dazu gehört selbstverständlich, dass Vorverstärker- und Fernbedienungsgehäuse perfekt verarbeitet sind und einen – auch im übertragenen Sinne – gewichtigen, langzeitstabilen Eindruck machen. Die Frontplatten sind beidesmal aus Aluminium, der Rest des Gehäuses ist aus Edelstahl und bewahrt das elektronische Innenleben vor Beschädigungen. Ist der Gehäusedeckel entfernt, präsentieren sich stolz jede Menge edler Bauteile in vorbildlichem Layout und auch der Laie erkennt vielleicht nicht direkt die reine Schönheit einer präzisen Fertigung, muss aber in jedem Fall anerkennend mit der Zunge schnalzen – unsere Erhebungen im fachfremden, nicht technikaffinen Kollegium sprechen zumindest dafür.
Anschlüsse und Bedienelemente finden sich auf der Front des Preamps: Da wären die jeweils paarweise vorhandenen XLR-Eingangs- und Ausgangsbuchsen sowie zwei symmetrische Klinkeneingänge zu nennen. Ansonsten gibt es nur noch eine einsame Status-LED, einen Schalter zur Aktivierung der Phantomspannung und einen weniger alltäglichen Schalter mit der Beschriftung „LOW INPUT Z“. Interessanterweise beträgt die Standard-Eingangsimpedanz zwei Megaohm, wir haben es also mit sehr hochohmigen, sogenannten HiZ-Eingängen zu tun. Ist „LOW INPUT Z“ gedrückt, beträgt die Eingangsimpedanz lediglich 1 Kiloohm – was eher gängig ist und im Verbund mit den heutigen niederohmigen Studiomikrofonen, die eine Nennimpedanz von maximal 200 Ohm haben, für eine korrekte Impedanzanpassung ausreicht. Gordon-Entwickler Grant Carpenter hat sich dabei selbstverständlich etwas gedacht: Die für einen Mikrofoneingang ungewöhnlich hohe Eingangsimpedanz soll strombezogene Verzerrungen vom Mikrofon verhindern. Der Mikrofoneingang des Preamps wird nämlich spannungsgesteuert betrieben, weswegen weder Strom von der Eingangsquelle noch eine Impedanz-Anpassung erforderlich sind. Deswegen hat die „LOW Z„-Alternative alleine eine Dämpfungsfunktion für gewisse Mikrofone, kann aber auch zur gezielten Klang(ver)formung eingesetzt werden, Das mag nicht ganz im Sinne des Erfinders eines nicht verfärbenden Vorverstärkers sein, aber erlaubt ist bekanntlich was den Ohren gefällt. Im Rahmen unserer üblichen Testaufnahmen – dazu alles Wesentliche im finalen Praxis-Abschnitt – haben wir den Gordon allerdings in der hochohmigen Standardeinstellung die Mikrofonsignale verstärken lassen. Die hohe Eingangsimpedanz hat noch einen Zusatznutzen: Der Gordon ist auch als DI-Vorverstärker nutzbar, passive E-Gitarren und E-Bässe sind direkt anschließbar – auch ganz praktisch.

Wer bei der Aufzählung der Ein-/Ausgänge und der Bedienelemente noch etwas vermisst, hat gut aufgepasst. Denn weitere Standard-Bedienelemente sind der optionalen Fernbedienung vorbehalten. Angefangen beim Pegelsteller, über den Phasenumkehr- und den Mute-Schalter bis hin zur +24dBu-Peak-LED, welche in Rot aufleuchtet, sobald eine Signalspitze von 6 Dezibel unter der Übersteuerungsgrenze erreicht ist. Dies alles gibt es im Falle des Model 5 wie gesagt nur über die GC32- oder GC34-Fernbedienung, der Einkanaler Model 4 ist indes mit allen Bedienelementen ausgestattet.
Die Bedienung gestaltet sich über die Fernbedienung – für den Test hatten wir die GC34 für vier Kanäle – naturgemäß einfach und komfortabel, vor allem lassen sich somit optimale, sprich kurze Kabelstrecken vom Mikrofon zum Preamp realisieren und damit Signalverluste aufgrund einer – buchstäblich – zu langen Leitung oder Interferenzen vermeiden. Also eine grundsätzlich löbliche und sinnvolle Konzeption, die aber nun mal mit Zusatzkosten zu Buche schlägt.

Dass der Gordon überhaupt so teuer ist, liegt nicht zuletzt auch an dem ausgefuchsten Schaltungsdesign, das Grant Carpenter nicht mit Bauteilen von der Stange, sondern Sonderanfertigungen nach seinen Spezifikationen realisieren konnte. Grundlegend ist ein überwiegend diskreter Aufbau ohne Operationsverstärker im Signalweg, was zumindest bei High End-Preamps am Häufigsten zu finden ist. Das ist gewissermaßen der Mainstream im klaren Nebenfluss, ansonsten fällt die Carpenter-Konzeption völlig aus dem Rahmen des Gewohnten. Der Gordon geht in soweit einen neuen technischen Weg, als dass er nur so viel verstärkt, wie der Anwender gewollt und folglich eingestellt hat. Üblich sind fixe Verstärkungsstufen bei Mikrofon-Vorverstärkern, oft ist es nur eine einzige, die beispielsweise bei typischen Operationsverstärkern schon mal 100 dB Gain bringt – und das immer, ohne Berücksichtigung des Pegels des Eingangssignals. Um nun auf die gewünschte Verstärkung zu kommen, wird die effektive Verstärkung über Gegenkopplung und/oder Dampfung auf den gewünschten Wert gebracht. Bei der maximal möglichen Verstärkung geht die Gegenkopplung gegen Null und es erfolgt keine Dämpfung mehr. Der Nachteil – den Grant Carpenter unermüdlich hervorhebt – dieses Konzepts: Die Verzerrungen steigen proportional mit der Verstärkung an, eben diese Störgeräusche sind aber bei einem auf höchste Signaltreue optimierten Preamp unerwünscht.
Carpenters Kunstgriff nennt der Meister „True Variable Gain“ und dahinter verbirgt sich eine äußert aufwändige Schaltung. Bei den Gordon-Preamps geht das Eingangssignal nämlich je nach eingestellter Verstärkung, sprich Stellung des Gain-Reglers, einen eigenen Weg. Die vielen Bauteile sind also nie gleichzeitig aktiv. Deswegen kommt es beim Umschalten meistens zu einer kurzen Verzögerung, bis der neue Weg für das Audiosignal offen ist. Der vergleichsweise weite Verstärkungsbereich – siehe näher die abschließende Tabelle mit den Spezifikationen – erreicht der Entwickler mit zwei getrennten Verstärkungsstufen. Während sich eine Eingangsstufe stets im Signalweg befindet, wird die zweite ausschließlich für Verstärkungswerte oberhalb 40 Dezibel hinzu geschaltet. Das alles klingt vermutlich sehr viel simpler, als es tatsächlich ist, aber es dürfte erkennbar sein, dass der Hersteller hierfür einen enormen Aufwand zu treiben hat.
Neben „True Variable Gain“ verdient eine weitere technische Besonderheit, die sogenannte Output Load Compensation Beachtung. Grant Carpenter geht dem Grunde nach davon aus, dass die Impedanz nicht zuletzt wegen des in der Praxis oft unvermeidbaren Einsatzes sehr langer Kabelstrecken nicht konstant sein wird. Bedenken wir, dass der Gordon Model 5 zudem fernsteuerbar ist, können am Ausgang des Preamps locker mal mehrere hundert Meter Kabel hängen. Die Output Load Compensation fängt dies über eine automatische Anpassung des Preamps auf, indem eine spezielle „Sensing Schaltung“ das Ausgangssignal unter Berücksichtigung der Gesamtlast, die von der Kabellänge und der Eingangsimpedanz des folgenden Geräts abhängt, ständig überwacht, um die wirkliche Last zu ermitteln. Die „Sensing Schaltung“ ist an eine variable Ausgangsschaltung gekoppelt, deren Einzelparameter passgenau zur tatsächlichen Last variabel angepasst werden. Dieser Aufwand hat am Ende einmal mehr den Sinn und Zweck, die Verzerrungen kleinstmöglich zu halten. Der Gordon soll also ein Audio-Signal reinsten Wassers liefern – wir werden hören, was das klanglich bedeutet.

Bezogen auf die im Professional audio-Messlabor ermittelten Werte, ist der Gordon Model 5 ein sehr gutes, sprich extrem störgeräuscharmes Gerät – etwas anderes haben wir auch nicht erwartet. Das abgedruckte FFT-Spektrum ist pieksauber, es sind keinerlei Oberwellen oder tieffrequente Störungen, also Brummen erkennbar, der „Noise Floor“ bleibt deutlich unterhalb -100 dBu. Dementsprechend sieht auch das Diagramm für den Gesamtklirrfaktor aus: Der beträgt gerade mal 0,004 Prozent – ein vorzüglicher Wert. Das gilt auch für die Messwerte für Geräusch- und Fremdspannungsabstand, die mit 88,5 und 85,9 Dezibel sehr gut sind und ein sehr geringes Eigenrauschen des Gordon belegen. Der Frequenzgang verläuft schnurgerade und ohne erkennbaren Abfall von 10 Hertz bis 100 Kilohertz, was eine breitbandige Verstärkung belegt. Wichtig für einen Vorverstärker wie den Gordon ist eine optimale Gleichtaktunterdrückung. Im Falle des Grant Carpenter-Babys vergeben wir die Höchstnote „überragend“, bleibt sie doch bei vorbildlicher Kanalgleichheit auch im Maximum zwischen zehn und zwanzig Kilohertz deutlich unter -80 Dezibel. Interessanterweise sind die Messwerte des Gordon sehr nahe am Schoeps VSR 5 (Test in Ausgabe 12/2009), von dem wir seinerzeit hellauf begeistert waren. Vor allem wegen des überragenden Klanges dieses High End-Preamps.

Was uns nunmehr zur alles entscheidenden Frage führt: Wie klingt er, der Gordon? Hat er wirklich das Zeug dazu, die elitäre Gruppe der ultraneutralen Vorverstärker anzuführen – gegebenenfalls mit dem einen oder anderen Top-Preamp? Wir haben deswegen mit dem Gordon in unserem Studio ein Gitarren-Duo im Overdub-Verfahren eingespielt. Der Grundüberlegung „Wenn schon Zweikanaler, dann auch richtig“ folgend, haben wir das Instrument, die für Aufnahmen fast unschlagbare Flamencogitarre Ricardo Sanchis Carpio 2AF, mit zwei Schallwandlern mikrofoniert: Unserem Referenz-Mikrofon dem Schoeps MK2H/CMC 6Ug, das die Hauptarbeit leistet, und einem Røde NT-6 als zusätzliche Stütze und Farbe. Die Digitalisierung hat wie gewohnt der Mytek Digital 8x192ADDA-Wandelr übernommen und selbstverständlich haben wir auch einen Vergleichstake mit unserem Referenz-Preamp, dem Lake People Mic-Amp F355 eingespielt. Der Lake People gehört, die Kenner und unsere Stammleser wissen es, zu den besonders signaltreuen Vertretern der Vorverstärkerzunft, weswegen sich ein Vergleich geradezu aufdrängt. Als zusätzliche Stimme und Service für Sie haben wir noch die Meinung eines Experten im Angebot: Der Pianist und Ingenieur Paul Liksza hat den Gordon Model 5 mit zwei anderen Preamps in Studio vergleichen. Seine lesenswerte Einschätzung finden Sie im Spezialkasten.

Der Gordon überzeugt schon beim Soundcheck mit einer hochfeinen Auflösung, welche feinste Klangnuancen, die sich beim Verschieben der Mikrofone ergeben, perfekt einfängt. Es macht Spaß auf Klangsuche zu gehen und – anders als mit mittelmäßigen Vorverstärkern – dauert es auch deutlich länger, bis wir zufrieden sind. Wir wollen einen betont klaren Klang mit allen Feinheiten ohne pseudofrische Präsenzen einerseits oder muffige Höhen andererseits. Der Gordon liefert genau das, sein Transienten-Verhalten ist vorbildlich und in jedem Fall Spitzenklasse. Allerdings gibt es zunächst mal keine ohrenfälligen Unterschiede zu unserem treuen Lake People, was nicht bedeuten soll, dass sich die beiden Vorverstärker nicht unterscheiden würden. Die Lake People-Aufnahme klingt auf eigentümliche Weise digitaler und ein Quäntchen unnatürlicher, wie eine nachgeschärfte Fotografie: Die mag zwar kontrastreicher und damit auf den ersten Blick schärfer erscheinen, zeigt aber unter der Lupe weniger feine Strukturen. Wir übertragen das aufs Hören und stellen fest: Über Spitzenlautsprecher oder eine Kopfhörer/Kopfhörerverstärker-Kombination der Spitzenklasse ist dieser Unterschied in Form einer feineren Obertönigkeit, die sich positiv auf alle Frequenzbereich auswirkt, zu erkennen.
Darüber hinaus hat der Gordon etwas zu bieten, was wir bisher nur bei ganz, ganz wenigen Preamps erfahren haben: Eine Plastizität der Abbildung, die dem Klang Dreidimensionalität und Räumlichkeit verleiht. Der Gordon überträgt auch, was sonst ein wenig unter den Tisch fällt. Gerne vergessen: Jedes Mikrofon, also auch eine Niere, nimmt Schall aus allen Richtungen auf, hört also wie unser Ohr dreidimensional. Deswegen gehören Raumanteile zu jeder Aufnahme dazu, eben jeweils unterschiedlich stark ausgeprägt. Wenn dann noch wie bei unserer Testaufnahme ein Druckempfänger mit Kugelcharakteristik beteiligt ist, klingt die Aufnahme auch ohne jeden Effekt räumlich und konturierter. Zuletzt hatten wir diesen Klangeindruck beim Test des Schoeps VSR 5 und ohne jetzt entscheiden zu wollen, welcher von beiden Vorverstärkern „besser“ ist, sei festgestellt: Der Gordon ist seitdem einer der wenigen, die mit einer vergleichbaren Leistung aufwarten können.
Idealerweise lässt sich diese Eigenschaft des Gordon für puristische Aufnahmen von akustischen Instrumenten in gut klingenden Räumen nutzen. Wer genau das bevorzugt macht, sollte den Gordon unbedingt mit seinen Lieblings-Mikrofonen antesten.

Fazit
Der Gordon Model 5 ist ein Vorverstärker der Spitzenklasse der mit besten Mikrofonen und unter optimalen Aufnahmebedingungen herausragende Aufnahmen akustischer Musik ermöglicht. Wer sich darauf spezialisiert hat, sollte diesen keineswegs überteuerten Edel-Preamp unbedingt antesten.

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Der Gordon Model 5 im Studio
Der Pianist, Komponist und Diplom-Ingenieur (FH) Paul Liksza ist ein vielseitig interessierter Klang-Künstler: Als Pianist und Komponist schreibt und spielt er mit seinem Trio (www.PLTmusic.com) modernen Jazz mit klassischen Elementen und schuf unter anderem auch die Musik für den Film „Wolfsburg – Die Stadt“. Als Ingenieur schon immer technisch interessiert, hat er sich schon frühzeitig für Studio-Equipment begeistern können. Zurzeit arbeitet Paul Liksza an neuen Aufnahmekonzepten für Klassik und Jazz-Produktionen. Weitere Informationen finden Interessierte auf www.liksza.de. Paul Liksza kommt nach ausgiebigen Aufnahme- und Hörtest zu folgender Einschätzung:
„Als Pianist und Komponist liebe ich vor allem handgemachte Musik in den Bereichen Klassik und Jazz. Aufnahmen begeistern mich immer dann, wenn die Musik räumlich und natürlich klingt. Unter Natürlichkeit verstehe ich nicht unbedingt Realismus. Vielmehr geht es um eine Schönheit, welche die Musik atmen und leben lässt und trotzdem ein in sich stimmiges Klangbild schafft. Diese Illusion finde ich derzeit bei vielen Produktionen von David Chesky, den ich sehr für seine einfache und doch so komplexe Aufnahmephilosophie schätze. Mit diesen Hörgewohnheiten und Anspruch an Klang, suche ich auch nach Studioequipment und freue mich immer wieder, wenn es zu einem neuen Hörerlebnis kommt.
Um Preamps zu vergleichen und zu testen nehme ich gerne Gesang und Gitarre auf. Anhand des Gesangs lassen sich meiner Meinung nach sehr gut Verfärbungen beurteilen. Die Gitarre hingegen bietet eine große Dynamik und feinste Transienten, weswegen sie damit eine Bewertung der Räumlichkeit und „Schnelligkeit“ eines Preamps zulässt. Bei meinen Tests konnte der Gordon sofort begeistern. Ich habe bisher keinen Preamp gehört, der ein Signal in den Höhen so exakt und dynamisch auflöst. Das Klangbild bleibt auch bei einer sehr kräftig angeschlagenen Gitarre stabil und rund. Beim Gesang werden gerade die kritischen S-Laute sehr fein und ausgewogen wiedergegeben. Andere Preamps wie beispielsweise der DAD AX32 oder der Forssell SMP-2 klingen im Vergleich künstlicher, als ob die Höhen nicht mit dem Gesamtsignal verschmelzen. Ich würde den Gordon nicht als „schneller“ bezeichnen, aber als konsequenter, da alle Frequenzen mit der scheinbar richtigen Geschwindigkeit dargestellt werden. Er klingt realistischer, aber wohlgemerkt nicht unbedingt immer schöner.
Was beim Gordon auch auffällt, ist der hohe Anteil an Rauminformationen, was aber von Fall zu Fall auch zu unerwünschten Ergebnissen führen kann. So denke ich an moderne Produktionen, bei denen ein trockenes, schlichtes Signal besser für die Nachbearbeitung geeignet oder der Aufnahmeraum einfach nicht optimal ist. Für audiophile Aufnahmen könnte aber gerade diese Eigenschaft des Gordon der dreidimensionalen Räumlichkeit dienlich sein.
Ich schätze an guten Preamps und Mikrofonen den detaillierten und abgeschlossenen Klang. Für mich bedeutet das ein entspanntes Musikhören mit allen hörens- und wünschenswerten Nuancen, ohne dass etwas Unangenehmes heraus sticht. In dieser Hinsicht hat mich der Gordon beeindruckt.
Er bleibt jedoch auch ein Spezialist und wird vermutlich eher in audiophilen Kreisen Anklang finden. Sein komplexes Signal setzt nämlich eine entsprechend gute Abhörsituation voraus. Universeller nutzbar ist meines Erachtens der DAD AX32. Er bietet in der Handhabung viele Vorzüge und liefert klanglich das vielleicht einfachere, aber damit manchmal auch schönere Signal. Am Ende eines Aufnahmetages möchte ich nicht immer extrem realistische, sondern einfach nur schöne Musik hören.“

Erschienen in Ausgabe 04/2014

Preisklasse: Spitzenklasse
Preis: 2499 €
Bewertung: sehr gut
Preis/Leistung: gut – sehr gut

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