Seriös sonor

Mikrofonspezialist Sontronics bietet schon länger auch Geräte zur adäquaten Verstärkung nicht nur der eigenen Schallwandler an. Das Modell Sonora wurde gründlich überarbeitet, um die Anhänger von größtmöglicher Präzision und Signaltreue von sich zu überzeugen.

Von Harald Wittig  

Das britische Unternehmen Sontronics hat sich inzwischen einen guten Ruf mit seinen kostengünstigen Schallwandlern erarbeitet. Dabei können Sontronics-Mikrofone grundsätzlich mit einem sehr attraktiven, einsteigerfreundlichen Preis und mit außergewöhnlichen Designs – optisch und klanglich – punkten. Beispielhaft seien nur die Bändchenmikrofone Sigma und Apollo (Tests in Ausgabe 2/2007 und 7/2010) sowie das speziell für die Gitarrenverstärker-Abnahme konzipierte Modell Halo (Test in Ausgabe 10/2011) erwähnt. Gitarre ist auch ein gutes Stichwort, soweit die Preamps von Sontronics Thema sind: Immerhin zeigte sich Fusion-Virtuose Al Di Meola, einer der weltbesten Gitarristen, schwer von den ersten Sontronics-Vorverstärkern, den Modellen Chimera und dem Sonora beeindruckt: „Das sind die besten Preamps, die ich je für Gitarre verwendet habe.“
Das weckt doch schon mal gewisse Erwartungen und wir waren tatsächlich – nicht zuletzt wegen dieses Di Meola-Statements – schon lange heiß auf einen Test des Chimera oder des Sonora. Allerdings wollte sich das Team um Sontronics-Gründer und Geschäftsführer Trevor Coley anscheinend nicht auf diesem wohlriechenden Lorbeer ausruhen und ging kurzerhand daran, das Preamp-Angebot zu überdenken und zu überarbeiten. So bereichert jetzt der nach zweijähriger Entwicklungszeit endlich auch lieferbare Sonora II, das überarbeitete und verbesserte Nachfolgemodell des Sonora, seit kurzem das Produkt-Portfolio.

Für knapp 1.000 Euro ist der mit zwei Transitor-Vorverstärkern in Class A-Bauweise ausgestattete Preamp zu haben und erlaubt neben Mikrofonen auch den Direkt-Anschluss von passiven E-Gitarren und E-Bässen, ist also Mikrofon- und DI-Vorverstärker in einem. Der – zumindest für Sontronics-Verhältnisse – vergleichsweise hohe Listenpreis erklärt sich unter anderem daraus, dass der Sonora II tatsächlich in England und nicht wie das Vorgängermodell in Portugal gefertigt wird. Das bedeutet zwar nicht notwendig eine bessere Qualität – immerhin haben die Sontronis-Mikrofone „Made in China“ auch uns oft eines sehr viel Besseren belehrt; teuerer ist die Fertigung im Mutterland des Unternehmens aber in jedem Fall.
Der Sonora II ist ein vergleichsweise kompakter Vertreter der Preamp-Zunft, wenngleich er nur mit einigem Wohlwollen als Rucksack-kompatibel durchgeht. Denn die Entwickler haben sich für ein externes Netzteil entschieden. Es nennt sich SPS-3, hat Kaltgeräteanschluss und verfügt über Spannungswahl- und Netzschalter, den wir uns aber auf der Vorderseite, Stichwort Unterm-Tisch-Aufstellung, wünschen. Das Anschlusskabel für die Verbindung des Sonora II mit seinem Netzteil – dass niemand auf die Idee kommt, ein anderes zu verwenden – ist am SPS-3 fest installiert. Es ist hinreichend lang, so dass Netzteil und Vorverstärker genügend weit für brummfreien Betrieb voneinander aufstellbar sind. Für die bombensichere Verbindung beider Geräte sorgt der Schraubverschluss des Kabels.
Eine Betriebsanzeige findet sich am Netzteil nicht, dafür am Sonora II selbst. Das gefällt uns sehr gut, denn immerhin wird dieser Preamp häufig auf dem Arbeitstisch Platz nehmen und der Anwender muss keine größeren Verrenkungen machen, um sich der Betriebsbereitschaft des Vorverstärkers zu versichern. Zum Anschluss von Mikrofonen und Instrumenten bietet das Gerät – sinnvoll für einen Desktop-Preamp – auf der Frontseite für jeden der beiden Kanäle je eine Combobuchse, die sowohl XLR- als auch Klinkenkabel akzeptiert. Das Vorgängermodell war demgegenüber noch mit separaten Anschlussbuchsen ausgestattet, was aber letztlich nicht von Belang ist, zumal der Hersteller insoweit nicht am falschen Ende gespart hat und hochwertige Neutrik-Buchsen verbaute. Es gibt auch ganz praktische Gründe für Reduktion bei den Anschlussbuchsen: Denn neben der Signal- und Clip-LED hat der Sonora in seiner zweiten Inkarnation jetzt auch eine Anzeige für die aktive Phantomspannung spendiert bekommen. Da die Abmessungen ansonsten gleich geblieben sind, mussten die Entwickler zugunsten einer aufgeräumten und damit Praktiker-freundlichen Vorderseite auf die separaten Anschlussbuchsen verzichten.
Dafür haben die gerasteten Gain-Drehschalter jetzt eine durchgehende Skalierung von 0 bis 66 dB in 6 dB-Schritten und sind deutlich besser zu bedienen: Beim Sonora I bestand immer die Gefahr, versehentlich den Kippschalter des pro Kanal vorhandenen Hochpassfilters zu verstellen. Beim neuen Preamp dürften auch Anwender mit Riesenpranken und entsprechend kräftigen Fingern keine unerwünschten Entstellungen vornehmen. Ein ungewolltes Verstellen der Gainschalter selbst, deren Knöpfe aus vollem Aluminium gefräst sind, wird praktisch nicht vorkommen, denn wenn der Schalter auf einen bestimmten Wert eingerastet ist, bedarf es schon eines beherzteren Zupackens, um den Schalter in eine andere Position zu bewegen.
Nach wie vor gönnen uns die Sontronics-Entwickler keine fein aufgelöste Metering-Anzeige. Die grüne Signal-LED und die rote Cilp-LED müssen genügen. Na ja, wir wollen nicht rumnörgeln, wohlwissend, dass auf dieser Front auch kaum Platz für eine detaillierte Aussteuerungsanzeige ist. Die Signal-LED taugt gleichwohl zum Einpegeln, flackert sie doch bei schwachen, faktisch zu leisen Signalen, während sie strahlend hell bei praxisgerechten, hinreichend lauten Signalen ergrünt. Die Clip-LED darf nach unseren Erfahrungen überhaupt nicht aufleuchten. Tut sie es doch, ist der Eingang hörbar übersteuert, einen Sicherheits-Headroom bietet die Anzeige nicht. Muss sie auch nicht, wenn dem Anwender die Eigenarten des Sonora II und seines Zwei-LED-Meterings bekannt sind.

Wie schon erwähnt, gibt es für jeden Kanal ein via Kippschalter aktivierbares Trittschall-/Hochpassfilter, das bei praxisgerechten 75 Hertz ansetzt und damit teilweise tieffrequentes Rumpeln aus den Aufnahmen fernzuhalten vermag. Praktisch ist auch die ebenfalls über Kippschalter zu aktivierende Vordämpfung, die gerade bei sehr lauten Eingangssignalen nützlich ist und um -20 dB dämpft. Neueinzug in den Ausstattungskarton hat eine für jeden Kanal vorhandene Phasenumkehr-Funktion und ein „Ground Lift“-Schalter auf der Rückseite gehalten. Dieser dient im DI-Betrieb zur Trennung der Abschirmung vom Gerät, um es damit erdfrei zu machen, da der erdfreie Anschluss Brummschleifen verhindern kann.
Der Sonora II ist, wie bei einem Gerät dieses Anspruch und dieser Preisklasse zu erwarten, gut verarbeitet. Das Gehäuse von Preamp und Netzteil sind aus Stahlblech und machen einen robusten Eindruck, desgleichen sämtliche Schalter. Die Beschriftungen sind in weiß aufgedruckt und damit auch in der typischen Schummerbeleuchtung des Tonstudios einigermaßen gut ablesbar. Rätsel gibt der Vorverstärker nicht auf – es handelt sich eben um einen analogen Preamp für dessen korrekte Bedienung kein telefonbuchdickes Handbuch zu wälzen ist.
Das Testgerät erreichte uns trotz des beherzten Engagements des deutschen Sontronics-Vertriebs Audiowerk nicht mehr rechtzeitig, um neben dem obligatorischen Praxistest noch die übliche ausführliche messtechnische Untersuchung im Messlabor von Professional audio zu durchlaufen. Die Kurzvisite des Audio Precision Mess-Computers bestätigt aber die einwandfreie Funktion des Testgeräts. Das ausführliche Messprotokoll werden wir Ihnen in der kommenden Ausgabe nachliefern.
Laut Sontronics soll der Sonora II aufgrund seines „einzigartigen und eigenständigen Vintage Schaltungs-Designs“ hohe Signaltreue mit einem ganz eigenen Hauch von Seidigkeit und Weichheit liefern. Um die tatsächliche Klangwahrheit hinter dem schwarzen Antlitz des Briten zu ermitteln, nehmen wir unter Sonar X2 einen Gesangstake, mehrere Spuren mit akustischer Flamenco-Gitarre sowie via DI-Verbindung einige E-Gitarren-Takes mit einer Fender Stratocaster auf. Als Mikrofone kommen für die Mezzosopran-Stimme von Volontärin Silvie Frei das extrem rauscharme Røde NT-1A, für die Akustikgitarre das Miniaturmikrofon NT-6 vom selben Hersteller zum Einsatz. Der bewährte Mytek Digital 8X192ADDA besorgt die Digitalisierung der Signale, Vergleichstakes fertigen wir – selbstverständlich – mit unserem Referenz-Vorverstärker, dem Lake People Mic-Amp F355 an.
Direkt beim Anhören der Gesangsaufnahmen kann der Sonora II überzeugen, denn nach unserem ersten Höreindruck ist er in der Tat ein dienstbarer Geist des Mikrofonsignals, der die klangliche Primärinformationen achtet.

Beim geschwinden Hin- und Herschalten zwischen der Sontronics und der Lake People-Aufnahme können wir jedenfalls mit Sicherheit feststellen: Im Klangergebnis stehen sich beide Takes sehr nahe, was angesichts der Messlatte, die der Lake People schon vor gut sechs Jahren sehr hoch gelegt hat, umso überzeugender ist. Selbstverständlich klingen die beiden Preamps nicht gleich, das belegt dann unser tieferes Eindringen in die Aufnahmen: Wo der Lake People durchweg sehr transparent und eine Spur nüchtern klingt, klingt der Sonora II im Bereich der unteren Mitten etwas fülliger und im Präsenz- und Höhenbereich sanfter und weicher. Es ist die Sonorität eines etwas beleibten Tenors, definitiv aber nicht die Großvolumigkeit eines Bassbaritons, die dem Sonora zueigen ist. Ein wenig erinnert dieser Klang an den BG NO. 1 von D.A.V. Electronics, wenngleich wir den Landsmann für letztlich noch souveräner und überzeugender als den Sontronics halten.
Auch bei den Akustikgitarren-Aufnahmen leistet der Sonora II Bemerkenswertes, das uns aufhorchen lässt: Ohrenfällig gut ist das Transienten-Verhalten des Preamps, denn die schnellen, mit einem Plektrum gespielten Läufe bei einem Solo auf der Flamencogitarre kommen direkt und gestochen scharf, was für eine günstige Slew rate sowie ein sehr gutes Kleinsignalverhalten spricht. Auch bei den Akustikgitarren-Takes ist bei vergleichbarem Grundklang die dezente Andickung und leicht zurückgenommene Präsenz gegenüber den Lake People-Vergleichstakes hörbar.
Kann der Sonora II aber auch als DI-Verstärker überzeugen? Um es klar zu sagen: Insoweit schwächelt der Preamp, denn wir erkennen unsere an und für sich sehr perkussiv und vor allem in den Zwischenstellungen der Tonabnehmer knackig-crisp klingende Fender Strat nicht so recht wieder. Am Sonora II klingt die Gitarre zwar fetter und wärmer, allerdings fehlt ein Teil des typischen Höhenschimmers. Wer jedoch einen fetten, breiten E-Bass alter Rocker-Schule bevorzugt, sollte dem Sonora II doch noch eine Chance geben: Diesen Sound liefert der Brite. Alle anderen verwenden den Sontronics als hochwertigen Vorverstärker für Mikrofonsignale, denn in dieser Disziplin kann der Sonora II absolut überzeugen.

Fazit

Der Sonotronics Sonora II ist ein klanglich überzeugender, grundsätzlich neutral abgestimmter Mikrofonvorverstärker mit einem eigenen Hauch Mittenwärme und Höhensamt. Als DI-Verstärker ist er wegen der zurückgenommenen Höhen eher Geschmackssache, als Mikrofon-Preamp gefällt sein neutral-sonorer Klang dafür umso mehr.

Erschienen in Ausgabe 02/2013

Preisklasse: Oberklasse
Preis: 964 €
Bewertung: gut – sehr gut
Preis/Leistung: gut – sehr gut

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