Starkes Bindeglied

Seit Mitte letzten Jahres arbeitet ADAM daran, seine Produktpalette durch Neukonstruktionen zu ersetzen. Mit dem A8X präsentieren die Berliner jetzt das Bindeglied zwischen den kleinen Nahfeld- und den großen Mittelfeld-Monitoren. 

Von Harald Wittig

2009 feierte ADAM, der Berliner-Lautsprecherhersteller um Gründer, Geschäftsführer und Chefentwickler Klaus Heinz sein zehnjähriges Bestehen. Denn es war auf der AES Convention im Jahr 1999, als Klaus Heinz den ersten Studio-Monitor mit dem ADAM-Markenzeichen schlechthin, dem sogenannten A(ccelarating) R(ibbon) T(echnology) präsentierte und damit bereits für Aufhorchen in der Pro-Audio-Szene sorgte. Kein geringerer als der unermüdliche Rupert „Mister“ Neve lobte Klaus Heinz für sein „exzellentes Design“.

Von diesem Prototypen bis zu den ersten Serienmodellen musste das junge Unternehmen noch ein gutes Stück Weges zurücklegen. Den ersten nennenswerten kommerziellen Erfolg konnte ADAM – damals firmierte das Unternehmen noch unter dem Namen ADAM Professional Audio – mit dem Modell P11 verzeichnen. Der P11 – von Professional audio in Ausgabe 8/2006 getestet – hat zahlreiche zufriedene Anwender von anspruchsvollen Amateuren bis hin zum Profi gefunden, die noch heute bei der Arbeit auf den Oberklasse-Monitor vertrauen. Der Durchbruch gelang ADAM mit dem kompakten A7 (Test in Ausgabe 10/2006), einem rundum überzeugenden Mittelklasse-Nahfeldmonitor der zudem vergleichweise günstig zu bekommen war. Klaus Heinz selbst bestätigt, dass der A7 für ADAM die Wende zum Serienhersteller brachte, denn von dem Kompaktmonitor bauen die Berliner „seit geraumer Zeit über 1000 Stück pro Monat.“

Anstatt sich auf dem verdienten Lorbeer auszuruhen, präsentierte ADAM 2009, passend zum Zehnjährigen, mit dem S3X-H ein völlig neues Profimodell, das den Platz des angesehenen S3A eingenommen hat und sich neben vielen anderen Innovationen und Ausstattungsdetails letztlich auch durch den neuen X-ART-Hochtöner auszeichnet. Der S3X-H ist, die Stammleser von Professional audio wissen das selbstverständlich, seit dem Test in Ausgabe 10/2009 unsere Referenz, denn es handelt sich um einen rundum überzeugenden Monitor der Spitzenklasse. Allerdings fehlte bislang – nach der Vorstellung der kleinen neuen Modelle A3X (Test in Ausgabe 5/2010), A5X und A7X ein kostengünstiges, bereits mittelfeldtaugliches Modell, denn gerade der Aufsteiger scheut sich, direkt in die gehobenen Modelle der S(X)-Klasse, namentlich den SX1 oder den SX2 zu investieren. Seit Mitte dieses Jahres gibt es nun den A8X, unseren Testkandidaten, der nicht nur mit einem sehr attraktiven Stückpreis von 599 Euro bei – wie wir sogleich sehen werden – nicht minder anziehenden technischen Features Begehrlichkeiten weckt.

Um einem Missverständnis vorzubeugen: Der A8X nimmt zwar in gewisser Weise den Platz des alten P11 ein und stellt in soweit im ADAM-Sortiment das Bindeglied zwischen den kostengünstigen AX-Monitoren und den teureren SX-Modellen dar, ein Nachfolger ist er gleichwohl nicht. Denn, wie Klaus Heinz selbst betont: „Beim A8X ist alles neu und verschieden, zumal der Tieftöner des P11 nur einen Durchmesser von sieben Zoll/178 Millimeter hat.“ Gutes Stichwort, denn der Tief-Mitteltöner des A8X fällt schon beim bloßen Hingucken auf, nimmt doch der sichtbare Teil des Chassis rund Zweidrittel der Gehäusefront ein. Der Membran-Durchmesser beträgt immerhin 220 Millimeter, nach Aussage des Herstellers soll der neu entwickelte Tief-Mitteltöner kraftvolle und  gleichzeitig akkurate Bässe und eine „erstaunliche Plastizität“ im Mittenbereich liefern. Dass dafür unter anderem auch dem Membranmaterial zu einem beträchtlichen Teil mitverantwortlich ist, weiß der Kenner. Ein Lautsprecher-Entwickler steht insoweit vor der Aufgabe, zwei sich an und für sich widersprechende Anforderungen zu erfüllen: Tieftonmembranen sollen nämlich einerseits steif, gleichzeitig aber keine hörbare Resonanzen besitzen, weswegen jeder Lautsprecher-Hersteller beim Membranmaterial seine eigene Wahl trifft. Im Falle des A8X vertraut ADAM auf eine Sandwich-Konstruktion aus drei Lagen, bestehend aus Kohlefaser, Hartschaum (Rohacell) und Glasfaser, also drei Materialien mit jeweils unterschiedlichen Dichten. Die Membran wird übrigens in Deutschland gefertigt, während andere Chassisteile, wie beispielsweise die Schwingspule aus Fernost, also China kommen. Daraus macht ADAM auch keinen Hehl, weswegen auch völlig korrekt auf der Rückseite des A8X steht: „Designed and assembled in Berlin/Entwickelt und zusammengebaut in Berlin“. Es handle es sich also um einen Lautsprecher mit „Migrationshintergrund“ wie der ADAM-Chef augenzwinkernd auf unsere Nachfrage erklärt. Dass die Membran gleichwohl in Deutschland gefertigt wird, hat einen guten Grund: „Trotz aller Zulieferdichte aus China scheint es immer noch so zu sein, dass an den klangentscheidenden Stellen die Europäer mit ihrer Erfahrung bessere Beiträge leisten können.“ Ergänzend zum Tief-Mitteltöner sorgt die Bassreflexkonstruktion des A8X, die auf den Tiefmitteltontreiber mit seiner 38 Millimeter großen Schwingspule abgestimmt wurde, für einen erweiterten Tieftonbereich. Mit anderen Worten: Der A8X soll damit in der Lage sein, Bässe bis 38 Hertz kraftvoll und gleichzeitig präzise wiedergeben können.

Richten wir den Blick eine Etage höher: Über der Sicke des Tief-Mitteltöners thront der X-ART-Hochtöner, der selbstverständlich bei keinem ADAM-Lautsprecher fehlen darf. Wir müssen uns an dieser Stelle in aller Kürze auf die wichtigsten Konstruktionsmerkmale des Hochtöners beschränken – Grundlegendes und Einzelheiten finden Interessierte in den Tests des P11A (Ausgabe 8/2006), des A7 (Ausgabe 10/2006 und des S3X-H (Ausgabe 10/2009). Der X-ART-Hochtöner stellt eine Weiterentwicklung des sogenannten Air Motion Transformers, eine Erfindung des amerikanischen Physikers Dr. Oskar Heil, dar.  Im Gegensatz zum früheren ART-Hochtöner arbeitet der X-ART-Hochtöner – das „X“ weist auf den bis 50 kHz erweiterten Hochtonbereich hin, mit einem einzigen großen Magneten, der um die gefaltete Folie herum positioniert ist. Schon beim S3X-H waren und sind wir von dem  verbesserten Hochtöner beeindruckt und tatsächlich ist der A8X mit eben diesem Modell ausgestattet. Das heißt: Der A8X-Hochtöner erreicht einen Wirkungsrad von 96 dB/W/m, was die dominierenden Kalottenhochtöner bei weitem übertrifft und für einen erweiterten dynamischen Headroom sorgt. Der große X-ART-Hochtöner verkraftet demnach auch hohe Wiedergabepegel ohne zu verzerren. Das darf auch gar nicht anders sein, denn im Unterschied zu seinen kleinen Geschwistern A3X, A5X und A7X soll der neue AX-Monitor bereits für das Mittelfeld und größere Räume geeignet sein, was wegen des zwangsläufig vergrößerten Hörabstands einen notwendig höheren Abhörpegel verlangt. Wer denn A8X gleichwohl lieber im Nahfeld einsetzen möchte, profitiert selbstverständlich ebenso von den erweiterten Dynamikreserven des großen X-ART-Hochtöners.
Allerdings verlangt der A8X nach ausreichend Platz, denn mit einer lichten Höhe von 40 Zentimetern bei einer Breite von 26 und einer Tiefe von 32 Zentimetern ist der Lautsprecher schon eine recht große Box. Obwohl der Lautsprecher mit seinen 13 Kilo Lebendgewicht – gerade unter Berücksichtigung seiner Abmessungen – nicht unbedingt in der Schwergewichtsklasse antritt, sollte der Anwender für einen grundsoliden und massiven Untergrund, beispielsweise eine mit Sandsäcken beschwerte, eigens angefertigte Konsole wie im Professional audio-Studio, sorgen. Anderenfalls sorgt das Nachschwingen des Untergrunds für einen weniger stabilen, diffusen Klang. Insoweit gilt übrigens das Gleiche wie beim Fotografieren: Nur das allerschwerste, massivste Stativ sorgt für gestochen scharfe Aufnahmen.
Das Gehäuse weist wie alle Modelle der Serie die abgeschrägten oberen Ecken auf, wodurch Kantenreflexionen minimiert werden. Der Innenraum ist an den Wänden mit Polyestervlies belegt, um Innenresonanzen zu unterdrücken, aber gleichzeitig den Innenraum auch für eine tiefliegende Bassreflexabstimmung zu nutzen. Wenn wir schon im Gehäuseinnenraum sind, sehen wir uns die Endstufen-Bestückung des AX8 an: Der Tief-Mitteltöner wird von einer mit Phillips-Halbleitern realisierten, 150 Watt leistenden  P(uls)W(eiten)M(odulation)-Endstufe angetrieben, so dass der bei anderer Endstufen-Bestückung notwendige Kühlkörper nicht vonnöten ist. Für den Hochtonzweig entwickelte ADAM eine 50 Watt leistende spezielle A/B-Endstufe, deren Leistungsbandbreite mit dem X-ART-Hochtöner, konkret -3dB bei 50 kHz mithalten kann.

Nun sind wir, nach all den verheißungsvollen technischen Details – für die übrigen Ausstattungsmerkmale sei auf den finalen Steckbrief verweisen – gespannt, was der A8X klanglich zu bieten hat. Um es vorweg zu nehmen: Wer den P11 in sein Herz geschlossen hat, wird den neuen ADAM mögen, denn er macht alles, was der Großonkel konnte auch. Nur eben in jedem Punkt besser. Mit dem P11 hat der A8X die hohe Trennschärfe gemein, die bei der Arbeit das unangestrengte Identifizieren beziehungsweise lokalisieren einzelner Schallereignisse gewährleistet. Das gelingt selbstverständlich am besten bei gelungenen Mischungen, erleichtert aber auch den Weg dahin. Denn es ist dank der verlässlichen Informationen, die der ADAM liefert, vergleichsweise einfach, ein überladenes Arrangement zu entwirren und ein aufgeräumtes Klangbild zu erzeugen. Das Prädikat „Präziser Analytiker“, das wir seinerzeit dem P11 verliehen haben, verdient sich der A8X mühelos. Dabei ist die Gesamtabstimmung des neuen Lautsprechers sehr viel homogener und ausgewogener. Das zeichnet nach unseren Erfahrungen grundsätzlich alle aktuellen ADAMs aus, wenngleich der A8X im direkten Vergleich mit dem Nahfeldzwerg A3X schon nach wenigen Minuten klar macht: Ich spiele eindeutig in der Oberklasse. Vor allem die Basswiedergabe kann sich hören lassen: Der A8X liefert erstaunlich tiefe Bässe, die – einen akustisch optimierten Abhörraum  und einen optimalen, vibrationsfreien Aufstellort vorausgesetzt – der neue Tief-Mitteltöner präzise wiedergibt. Er beherrscht die Wiedergabe knallharter Slap-Bass-Attacken ebenso wie kellertiefe Orchester-Pauken.
Das neue Chassis ist auch für den Mittenbereich zuständig und genau in diesem wichtigen Frequenzbereich haben alle neuen ADAMs gegenüber den früheren Lautsprechern deutlich aufgeholt: Vor allem die Tiefmitten sind beim AX8 sehr gut repräsentiert, was beispielsweise bei solistischen Instrumentalaufnahmen, vorzugsweise Konzertgitarre oder Cello für ein sehr viel volleres und runderes Klangbild sorgt. Nicht missverstehen: Wir sprechen hier nicht von Färbung, denn der ADAM gehört durchaus zu den neutralen Vertretern der Monitorzunft. Es geht einzig und allein um Detailinformationen, die zum Gesamtklang beitragen. Wir haben das anhand der vielen Gitarren-Aufnahmen die wir im Rahmen der Tests erstellt haben, überprüft. Daneben haben wir auch Topaufnahmen, wie beispielsweise die hervorragende Aurea Vox-Produktion „satyagraha“ der Gitarristin Pia Gazarek-Offermann angehört und kommen in allen Fällen zu gleichen Ergebnis: Der A8X lässt gut klingen, was gut aufgenommen ist, klingt etwas miserabel, ist die Aufnahme in die „Ablage P“ (Papierkorb) zu verschieben.
Der X-ART-Hochtöner beeindruckt wie schon beim großen Bruder S3X-H mit seiner präzisen Transientenwiedergabe und der feinen Auflösung, die wenigstens auf dem Niveau hochwertiger Kalottenhochtöner ist. Dank des größeren Headrooms dieser X-ART-Ausführung verkraftete er auch hohe Abhörpegel ohne Verzerrungen, allerdings sollte die 90 dB-Marke nach unseren Erfahrungen nicht überschritten werden, denn dann kann es bei impulshaften Schallereignissen vereinzelt klirren.
Auch die Raumdarstellung des AX8 ist auf Oberklasse-Niveau und überzeugt bei der Abbildung des Stereo-Panoramas, vor allem aber auch bei der Tiefendarstellung. Zugegeben: Gegen seinen großen Bruder S3X-H tritt der AX8 nicht nur in dieser Disziplin einen großen Schritt in Demut zurück. Etwas anderes hätten wir auch nicht erwartet. In seiner Preisklasse, also im Preisbereich um 500 Euro bringt der AX8 seine Mitbewerber, beispielsweise den Dynaudio BM 5A MKII (Test in Ausgabe 9/2010) gehörig ins Schwitzen, wenngleich unser Endurteil salomonisch ausfällt: Wer mit dem Dynaudio liebäugelt, sollte sich auch den AX8 anhören, denn beide sind sehr gute Oberklasse-Monitore.                                                                       

Fazit

Der AX8 ist das starke Bindeglied zwischen ADAMs AX- und der anspruchsvollen und teureren SX-Serie. Seine insgesamt homogene Gesamtabstimmung, der tiefe und präzise Bass und die ausgezeichnete Mitten- und Höhenwiedergabe machen den Monitor zu einer dicken Empfehlung für Anspruchsvolle ohne prallgefüllte Brieftasche.

Erschienen in Ausgabe 10/2010

Preisklasse: Oberklasse
Preis: 599 €
Bewertung: sehr gut
Preis/Leistung: sehr gut

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