ADAM für Alle

Jetzt gibt es keine Ausrede mehr: Mit ADAMS brandneuer F-Serie wird der typische Sound der Berliner auch für Tonschaffende mit Magerbudget erschwinglich.

Von Harald Wittig 

Der Berliner Lautsprecherhersteller ADAM Audio hat sich in den fast 14 Jahren seit seiner Gründung im Jahre 1999 einen der vorderen Plätze im Monitor-Segment erarbeitet. Wobei die ADAM-Monitore sowohl hierzulande als auch im Ausland einen hervorragenden Ruf genießen. Professional audio verfolgt die Entwicklung der ADAM-Lautsprecher für den professionellen Anwender schon seit der allerersten Ausgabe 5/2006 (Test des inzwischen nicht mehr hergestellten Artist) und die regelmäßigen Leser unseres Magazins wissen, dass ein Paar Drei-Wege-Lautsprecher des Typs ADAM S3X-H seit dem Test in Ausgabe 10/2009 uns als Referenz für Tests und Aufnahmen im eigenen Studio beste Dienste leistet.
In den letzten Jahren hat sich das Team um Chefdenker und Geschäftsführer Klaus Heinz bei der Weiterentwicklung des ADAM-Produktportfolios immer sehr engagiert gezeigt, wenn es darum ging, kostengünstige Modelle für Einsteiger oder notorisch klamme Fortgeschrittene mit höheren Ansprüchen an den Klang anbieten zu können. 2009 präsentierte ADAM Audio folgerichtig die AX-Serie, die vom kleinen, sehr kostengünstigen Desktopmonitor A3X bis zum schon Mittelfeld-tauglichen Vertikalmodell A77X reicht und sich als sehr erfolgreich erwiesen hat.

quasi vom Start weg erfolgreich und gehört inzwischen zu den absoluten Stars im Programm – ADAM selbst bezeichnet den „Siebener“ als „Legende“.
Seit Anfang dieses Jahres – erste Bilder, Beschreibungen und ein Händchen voll Demogeräte hat es schon Ende 2012 gegeben – ist jetzt die F-Serie erhältlich. Sie umfasst zwei Monitore, die in Bassreflex-Bauweise ausgeführten Aktiv-Lautsprecher iF5 und F7, die sich nur bei der Größe unterscheiden, sowie den passenden Subwoofer SubF. Diese neuen Lautsprecher stellen den bis dato günstigsten Einstieg in die ADAM-Klangwelt dar: So ist der F7, der sich heute dem kritischen Testerohr stellt, obschon eine ausgewachsene Box, für unverbindlich empfohlenen 360 Euro zu haben. Dazu Klaus Heinz: „Das erklärte Ziel bei der Entwicklung der F-Serie war, sich ganz auf das Wesentliche der Lautsprecher zu konzentrieren. Wir wollen unsere hochwertige Studiotechnik einem breiteren Publikum nahebringen.“
Folgerichtig sind die F-Serie-Monitore mit dem ADAM-Markenzeichen schlechthin, dem sogenannten X-ART-Hochtöner ausgestattet, geben doch diese Hochtöner dem Klangbild der ADAMs ihr besonderes Gepräge. Der X-ART-Hochtöner – die Abkürzung steht für „extended A(dvanced)R(ibbon)T(echnology)“ – stellt eine Weiterentwicklung des von dem deutsch-amerikanischen Physiker Dr. Oscar Heil erfundenen Air Motion Transfomers dar und besitzt im Vergleich zu konventionellen Kalottenhochtönern einen deutlich überlegenen Wirkungsgrad von 96 dB/W/m, was für einen erweiterten dynamischen Headroom sorgt. Das „X“ wiederum verweist auf den mittlerweile bis 50 Kilohertz erweiterten Hochtonbereich, der – gerade auch nach unseren Test- und Hörerfahrungen – die ADAM-typische Klarheit in den Höhen bei herausragendem Impulsverhalten im Vergleich zu den schon ausgezeichneten älteren ART-Hochtönern noch ohrenfälliger macht.
Wer jetzt annimmt, dass ADAM zugunsten einer möglichst günstigen Fertigung die X-ART-Hochtöner der F-Serie in Lizenz aushäusig fertigen lässt, darf sich positiv überraschen lassen. Tatsächlich werden die Hochtöner, das haben André Zeugner und Dr. Thomas Frohn von ADAM Audio auf unsere Nachfrage ausdrücklich bestätigt – in Berlin von Hand gefertigt und getestet: „Das war von Anfang an klar, dass wir die Fertigung unseres Markenzeichens nicht aus der Hand geben. Tatsächlich wird bei uns noch geschraubt, gemessen und gehört. Auch wenn wir uns, zumindest bei den Einsteiger-Serien wie der F-Serie, eine komplette inländische Fertigung nicht leisten können: Der X-ART-Hochtöner muss Made in Germany bleiben.“, so Thomas Frohn auf der Tonmeistertagung 2012 in Köln.
Die Montage eines einzigen X-ART-Hochtöners, wofür in Berlin 16 Damen zuständig sind, dauert etwa eine halbe Stunde, was in Zeiten kostensparender und schneller maschineller Massenproduktion ein echter Luxus ist. Grundlegend entspricht der X-ART-Hochtöner der Modelle F5 und F7 dem der teureren Lautsprecher der AX- und SX-Serien. Allerdings ist die Fläche der gefalteten Membran bei den F-Hochtönern um rund ein Drittel kleiner als bei denen der AX-Serie, die Magnete sind ebenfalls weniger üppig dimensioniert und schließlich sind auch die Verstärker des Hochtonkanals weniger leistungsfähig. Damit erreichen die neuen Lautsprecher nicht die Dynamik der höherwertigen Modelle, von der klanglichen Ausrichtung sollen aber auch F5 und F7 „echte ADAMs“ sein – wir werden es hören.
Sobald die X-ART-Hochtöner in F-Ausführung fertig sind, werden sie nach China verschifft, wo die F-Monitore entstehen – klar, dass das Reich der Mitte als Produktionsstätte mit dabei sein muss. Anders wären diese Preise nicht zu halten. Die eigentliche Lautsprecher-Box entsteht dann also in China, dort wird auch der neuentwickelte Tief-Mitteltöner mit seiner leichten und verwindungssteifen Membran aus einer Glasfaser/Papier Sandwich-Konstruktion sowie die beiden Endstufen in das Gehäuse eingebaut. Das Gehäuse ist frontseitig an den oberen Ecken abgeschrägt, um Kantenreflexionen zu minimieren. Das erinnert durchaus an andere ADAMs, wobei die Abschrägung beispielsweise bei den AX-Monitoren deutlicher und markanter ausfällt. Der Gehäuseinnenraum ist zur wirksamen Unterdrückung von Innenresonanzen mit Dämmmaterial ausgekleidet, die beiden F7-Endstufen leisten jeweils 50 Watt und sind damit doppelt so stark wie die des kleinen BrudersF5.

Praktischerweise ist die Bassreflexöffnung auf der Fronseite angebracht, sodass im Falle des F7 auch eine wandnahe Aufstellung in Betracht kommt. Darüber befindet sich die Plakette mit dem ADAM-Logo und darin zwei LEDs: Die von vorne gesehen linke LED ist die Bereitschafts- und Betriebsanzeige. Spielt der Lautsprecher, liegt also Signal an, leuchtet sie grün. Im Standby-Modus hingegen dunkelrot. Der F7 schaltet bei längeren Spielpausen automatisch in den stromsparenden Standby-Modus, benötigt dann aber wieder eine gefühlte Sekunde, um wieder zu erwachen. Das gilt auch beim erstmaligen Einschalten des Aktiv-Lautsprechers. Anders als die meisten Mitbewerberprodukte ist der F7 nicht sofort da. Diese Eigentümlichkeit erfordert unsererseits eine gewisse Gewöhnungszeit und wir bevorzugen ehrlich gesagt schon die „Schalt mich ein und ich lege los“-Lösung.
Die rechte LED leuchtet nur in Kombination mit der linken – und sollte dies nur ausnahmsweise tun. Kommt es vor, ist nämlich der automatische Überhitzungsschutz aktiv, der Monitor in den Standby-Betrieb versetzt, bis eine normale, soll heißen die Aktiv-Elektronik nicht gefährdende Betriebstemperatur wieder erreicht ist.
Zur Anpassung an den Raum ist der F7 mit zwei sogennanten Room-EQs ausgestattet. Dabei handelt es sich um zwei Shelving-/Kuhschwanzfilter, die unterhalb 300 Hertz beziehungsweise oberhalb fünf Kilohertz eine stete Anhebung beziehungsweise Absenkung der entsprechenden Tiefen oder Höhenfrequenzen um 6 dB gestatten. Auf diese Weise lässt sich beispielsweise einem Höhenverlust, bedingt durch eine zu große Abhördistanz, entgegenwirken.
Optimale Hörvoraussetzungen schafft selbsterdend erst ein akustisch optimierter Hörraum, den ADAMs günstiger F7 allemal verdient. Denn ADAM hat nicht zu viel versprochen – die klangliche Grundlage kennen wir von anderen Lautsprechern des Berliner Herstellers. Fangen wir doch direkt im Hochtonbereich an: Anhand der Aufnahmen, die wir im Rahmen des Sontronics Sonora II Tests (siehe Seite 52 dieser Ausgabe), hören wir jene Klarheit in den Höhen, die vor allem von der feinen Auflösung und dem überlegenen Impulsverhalten des X-ART-Hochtöners geprägt ist. Das wird beispielsweise ohrenfällig bei den schnellen, mit einem Plektrum gespielten Solo-Läufen auf der Flamenco-Gitarre: Der F7 bringt die Anschlagstransienten sehr überzeugend zu Gehör und wirkt dabei hörbar gelassener und souveräner als der – wohlgemerkt gute – ESI unik 08 mit seinem Bändchenhochtöner. Diese spezielle Eigenschaft des ADAM kommt auch anderem Material zugute wie beispielsweise dem hervorragend produzierten Track „Kiss my Axe“ von dem gleichnamigen Album des Fusion-Virtuosen Al Di Meola. Neben den typisch perkussiven High Speed-Läufen des Gitarristen, die den Hörplatz gestochen scharf erreichen, sind es vor allem die knackigen Percussion-Sounds, die der F7 sehr überzeugend darstellt. Da ist der günstige ADAM nicht mal allzu weit weg von seinem so viel teureren Anverwandten, unserem Referenz-Monitor S3X-H.
Gut gelungen ist den Berlinern die Abstimmung des Mittenbereichs, da weder ein ausgeprägter Tiefmitten-Bauch, noch ein überhöhter Präsenzbereich erkennbar ist. Der Hochtöner spielt nicht überheblich abgesetzt vom Tief-Mitteltöner auf, sondern wirkt mit diesem zugunsten einer recht ausgewogenen Gesamtabstimmung zusammen. Allerdings ist die Mittenwiedergabe tendenziell auch etwas weich und nicht von der straffen Klarheit, wie wir sie von anderen, allerdings oft deutlich teureren Monitoren kennen. Wir hüten uns auch vor unangebrachten Vergleichen und stellen stattdessen positiv fest: Das oft eigentümlich Kratzige im Klang, diese gewisse Grobheit gerade im Mittenbereich, was wir häufig bei Einsteiger-Monitoren hören – dem ADAM F7 ist dies fremd. Er hat eben noch präzisere Analytiker in der eigenen nahen Verwandtschaft, beispielsweise einen A7X.
Der F7 leistet sich auch keine echte Schwäche bei de Basswiedergabe, vor allem ist ihm, entgegen unseres ganz frühen Ersteindrucks, nach intensivem (Vergleichs-)Hören keine Basslastigkeit des Klanges anzulasten. Er verlangt allerdings schon einen akustisch optimierten Raum: Er mag es gar nicht, einfach auf den Desktop gestellt zu werden. Im Professional audio-Studio dagegen fühlt er sich wohl, hat auch heftige Basseruptionen gut im Griff und lässt es weder wummern noch dröhnen. Niemand sollte die unerschütterliche Stabilität und Präzision eines S3X-H erwarten. Es ist dem F7 schon anzuhören, dass er kein Spitzenlautsprecher ist. Gut ist er aber allemal, was auch für seine Pegelfestigkeit und die gute Raumdarstellung gilt, die vor allem von der starken Phantommitte geprägt ist und in Breite und Tiefe überzeugen kann. Da gefällt der F7 besser als der schon erwähnte ESI unik08 und straft alle Nörgler lügen, die meinen, ein kostengünstiger Lautsprecher müsse in puncto Räumlichkeit notwendig brettflach klingen.

Fazit

Unterm Strich hinterlässt der neue ADAM F7 einen richtig guten Eindruck. Er bietet dank des X-ART-Hochtöners und einer ausgewogenen Gesamtabstimmung durchaus den ADAM-Klang. Obwohl supergünstig zu bekommen, handelt es sich um einen überzeugenden Monitor mit dem sich hören und arbeiten lässt.

Erschienen in Ausgabe 02/2013

Preisklasse: Mittelklasse
Preis: 360 €
Bewertung: gut – sehr gut
Preis/Leistung: sehr gut – überragend

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