Das Gelbe vom Ei

Die beliebten KRK-Studiomonitore der V-Serie gehen in die vierte Generation. Wir haben die völlig neu konstruierten Modelle V6 S4 und V8 S4 gemeinsam mit dem Subwoofer 12s ausgiebig getestet.

Von Freda Ressel

Die professionellen Monitor-Serien von KRK genießen in den Studios der Welt schon seit 30 Jahren große Beliebtheit – auf gefühlt jedem dritten Foto einer Studioabhöre blitzen einem die auffällig gelben Membranen unterschiedlichster KRK-Modelle entgegen. Nach der VXT-Serie, die zunächst als dritte Inkarnation der Reihe galt und nun als eigenständige Range fortgesetzt wird, erhielt die aktive 2-Wege-Nahfeldmonitor-Serie V des kalifornischen Herstellers jüngst das vierte Update. Alle Monitore der Serie sind mit zwei Class D-Digitalverstärkern und einer elektronischen Frequenzweiche ausgestattet und besitzen ein klassisches Bassreflexgehäuse. Neu bei Auflage vier ist vor allem das Material-Update der Hochtonmembranen, die nun ebenso wie der Tief-Mitteltöner der Serie  aus Kevlar bestehen. Außerdem wurden die Lautsprecher mit umfangreichen Raumanpassungsmöglichkeiten ausgestattet, sodass letztlich 49 unterschiedliche Konfigurationen zur Verfügung stehen. Von den drei Monitoren V4 S4, V6 S4 und V8 S4 (wobei sich die Zahl jeweils auf die Größe des Tief-Mitteltöners in Zoll bezieht) hatten wir die beiden größeren Modelle im Professional audio-Studio zu Gast.
Da KRK gerade auch eine neue Subwooferreihe gelauncht hat, war es naheliegend, die beiden Stereopaare der V-Serie mit einem passenden Subwoofer zu ergänzen. Diesen Job übernimmt im Test das Modell 12s.
Preislich liegen die Monitore bei 599 Euro (V6  S4) beziehungsweise 799 Euro (V8 S4), der Subwoofer schlägt mit 1.070 Euro zu Buche. Eine 2.1-Kombination liegt so mit dem kleineren Stereopaar bei 2.268 Euro und mit dem größeren bei 2.668 Euro.

Gehäuse und Anschlussmöglichkeiten

Bis auf die Größe unterscheiden sich die Modelle der V-Serie optisch nicht. Der V6 S4 misst 35 x 29 x 23 Zentimeter und wiegt neun Kilo, das V8-Modell kommt auf 43 x 35 x 28 Zentimeter und bringt 14 Kilo auf die Waage.
Am Gehäuseboden sind die Monitore mit einer Schicht aus rutschfestem Schaumstoff versehen, welche die Lautsprecher akustisch vom Untergrund entkoppeln und bei heftigen Impulsen ein Verrutschen verhindern  soll. So ist notfalls auch eine direkte Positionierung auf dem Desktop denkbar. Es empfiehlt sich allerdings grundsätzlich, die Monitore auf stabile Monitorpodeste zu stellen oder noch besser zu schrauben beziehungsweise alternativ auf Stative zu montieren – entsprechende Gewinde sind  vorhanden.
Der Konus-Tief-Mitteltöner beider Modelle leuchtet wie gesagt im KRK-typischen Gelb, darunter sitzt der schlitzförmige Ausgang des Bassreflexkanals. Der klassisch oben in der Mitte des Gehäuses sitzende Kalotten-Hochtöner ist bei der vierten Auflage der Serie nun ebenfalls gelb und aus feinem Kevlar-Gewebe gefertigt. Das Aramid Kevlar bringt dank seiner hohen Steifheit bei gleichzeitig geringer Masse hervorragende akustische Voraussetzungen für Lautsprechermembranen mit: Verwindungssteifheit für eine verfärbungs- und verzerrungsarme Wiedergabe und geringe Massenträgheit für gutes Impulsverhalten.

Das Gehäuse ist an den Ecken und Kanten stark  verrundet, dadurch soll sich das Abstrahlverhalten in den Höhen und Mitten enorm verbessern.  Es besteht aus MDF (= mitteldichte Holzfaserplatte) und Aluminium. Die Frontplatte kann abgeschraubt werden, um das mitgelieferte Aluminiumschutzgitter dahinter zu befestigen – dezent und praktisch, wenn die Monitore transportiert oder in Live-Umgebungen aufgebaut werden sollen. Das auf der Frontplatte sitzende KRK-Logo ist hinterleuchtet, sodass es den Betrieb beziehungsweise den Standby-Modus anzeigt. Die Front ist außerdem leicht nach hinten gekippt, um stehende Wellen im Innern zu reduzieren, wovon insbesondere die Mittenwiedergabe profieren kann.
Sämtliche Bedienelemente und Anschlüsse der Monitore befinden sich wie üblich auf der Rückseite. Dort steht jeweils eine symmetrische XLR/TRS Kombi-Eingangsbuchse zum Anschluss an den Monitoringcontroller beziehungsweise Subwoofer sowie eine Mikro-USB-Schnittstelle für eventuelle spätere Firmware-Updates zur Verfügung.

Die Bauweise der Subwoofers 12s entspricht dem der Satelliten-Lautsprecher, auch hier besteht das Gehäuse aus MDF und Aluminium. Mit Maßen von 57 x 46 x 40 Zentimetern und einem Gewicht von 30 Kilo kommt er imposant und schon recht wuchtig daher. Auch hier sind die Kanten abgerundet und angeschrägt, allerdings hat dies im Arbeitsbereich des Subwoofers keine akustischen Vorteile, sondern Designgründe. Am unteren Gehäuserand sitzt wiederum der breite, schlitzförmige Bassreflexport.
Auf der Rückseite befinden sich je zwei symmetrische XLR- und TRS-Ein- und Ausgänge sowie zwei unsymmetrische Cinch-Ein- und Ausgänge. Obwohl auch hier hinter der Rückwand ein Class-D-Verstärker arbeitet, sind wie bei den  Modellen der V-Serie keine digitalen Anschlüsse vorgesehen.
Außerdem kann hier ein optionaler Fußschalter angeschlossen werden, mit dem sich der Bypass des Subwoofers aktivieren lässt, sodass das Musiksignal an die angeschlossenen Satelliten-Lautsprecher ohne Hochpassfilter direkt durchgeschleift wird, diese also als Full-Range-Systeme arbeiten. Das kann von Vorteil sein, wenn man seine Mixe auf ihre Eignung für Full-Range-Monitore kontrollieren will.  Die Bypassfunktion wird dann durch eine LED am linken unteren Gehäuserand gekennzeichnet.

Innenleben

V6 S4
Laut Hersteller gibt der V6 S4 Frequenzen von 40 Hz bis 24 kHz wieder, die Übergangsfrequenz zwischen den beiden Treibern liegt bei 1,6 kHz – der Hochtöner übernimmt also vergleichsweise tief. Im Inneren des V6  S4 werkeln wie gesagt zwei Class-D Endstufen, die eine Leistung von 30 Watt für den Hochtonkanal beziehungsweise 125 Watt für den Tief-Mittelton-Kanal liefern.

V8 S4
Beim größeren Modell sollen Frequenzen von 29 Hz bis 24 kHz abgedeckt werden, die Übergangsfrequenz liegt hier bei 1,8 kHz. Die Leistung der Endstufen liegt bei diesem Modell bei 30 Watt für den Hochtöner beziehungsweise üppige 200 Watt für den größeren Tief-Mitteltöner.

12s
Die Kevlarmembran des Subwoofers besitzt einen Durchmesser von 30 Zentimetern, kann also schon eine Menge Luft in Schwingungen versetzen und soll bis knapp 30 Hertz hinunterreichen. Sinnvollerweise ist nach oben hin bei knapp 100 Hertz Schluss. Der Class D-Verstärker hat eine Leistung von 240 Watt.

Einstellmöglichkeiten

Die Monitore der neuen V-Serie bieten eine Vielzahl von Einstellmöglichkeiten. So lässt sich der Eingangspegel in sechs 0,5 dB-Schritten absenken, um ihn an eventuelle zusätzlich angeschlossene Monitore anzupassen, etwa in einem Surround-Setup. Eine Reihe von sechs Dipschaltern lassen einige Systemeinstellungen vornehmen. So lässt sich der Groundlift zur Vermeidung von Brummschleifen ein- oder ausschalten, die Eingangsempfindlichkeit ist zwischen -10 dBV Consumerpegel oder +4 dBu Studiopegel umschaltbar. Außerdem lässt sich die stromsparende Stand-By-Funktion, die automatisch nach 30 Minuten ohne anliegendes Signal einsetzt, umgehen. Es gibt sogar mehrere Einstellungen für das leuchtende Logo.
Viel wichtiger sind sicherlich die Einstellmöglichkeiten namens „High Control“ und „Low Control“, mit denen die Anpassung der Monitore an den Raum beziehungsweise die Vorlieben des Nutzers möglich wird.
Die DSP-gesteuerten Filter sind bei den beiden uns vorliegenden Monitorpaaren identisch und bieten sieben Einstellmöglichkeiten (siehe Steckbrief). Bei den Bassanpassungen stehen ebenfalls sieben Einstellungen zur Wahl. Praktischerweise sind alle Einstellmöglichkeiten klar gekennzeichnet, sodass es nicht nötig ist, sie auswendig zu lernen oder ständig im Handbuch nachzuschlagen.

12s
Auch am 12s lassen sich einige Anpassungen vornehmen. Der Pegelsteller mit sieben Raststufen lässt Gainanpassungen in einer Range von -30 dB bis +6 dB zu. Beim Crossfeed-Regler lässt sich die Übergangsfrequenz zu den Satelliten zwischen 60 Hz, 70 Hz, 80 Hz und  90 Hz anwählen, Wie bei den Stereopaaren kann auch die Eingangsempfindlichkeit auf Studio- oder Consumerpegel gesetzt werden. Zudem steht eine Phasendrehung um 180 Grad zur Eliminierung eventueller, aufstellungsbedingter Phasendrehungen zwischen dem Subwoofer und den Monitoren zur Verfügung. Der Stromsparmodus nach 30 Minuten ohne Signal lässt sich deaktivieren, auch eine Groundlift-Option ist vorhanden.

Messdaten

Die Frequenzgänge sowohl des V6 S4 als auch des V8 S4 sind zwischen 100 und 20.000 Hertz bemerkenswert linear mit Schwankungen von maximal +/- 2 dB – hervorragend. Bei 50 Hertz liefert der V8 S4 mit etwa 6 Dezibel doppelt so viel Pegel wie der kleinere Bruder und fällt darunter auch langsamer ab.
Die Kurve des Subwoofers, dessen Trennfrequenz zum Messzeitpunkt auf 70Hz eingestellt war, beweist, dass er definitiv das Zeug hat, ein solides, tiefreichendes Bassfundament zu erzeugen. Der Frequenzschrieb dokumentiert sauberen einen Pegelabfall oberhalb von  60 Hz mit 12 Dezibel pro Oktave. Unterhalb der 60 Hz fällt der Frequenzgang fällt der Pegel mit 6 dB/Oktave, sodass er bei 30 Hertz in einem Abhörraum noch vollen Pegel bringt, und das völlig verzerrungsfrei.

Klang

In den umfangreichen Hörtests wurde jedes Monitorpaar nach einem etwas 48-stündigen Einrauschprozedere sowohl einzeln ausgiebig gehört als auch in Zusammenarbeit mit dem 12s. Dafür hörten wir uns durch eine breitgefächerte Auswahl an Musikstücken, die wir über unseren Referenzwandler Mytek Digital 8X192 ADDA (Test in Professional audio 02/2011) und den Monitor-Controller Funk Tonstudiotechnik MTX-Monitor.V3a zuspielten. Aufgrund der sehr guten Hörbedingungen unseres akustisch sehr aufwändig gestalteten Studios konnten wir alle Raumanpassungs-Filter in neutraler Stellung belassen. Dabei zeigte sich, dass die beiden Monitorpaare ihre Verwandtschaft absolut nicht leugnen können. Sowohl der V6 S4 als auch der V8 S4 überzeugen mit einem akribischen, differenzierten Klang und geben Impulse beeindruckend schnell und sauber von den Tiefen bis zu den höchsten Höhen wieder. Das Auflösungsvermögen ist hervorragend, selbst komplexe Klangstrukturen werden fein separiert, die räumliche Darstellung lässt etwas Luft nach oben, vor allem im Vergleich zu unseren Referenzmonitoren, dem Full-Range-Pärchen ADAM S3X-H (Test in Professional audio 10/2009).

Dennoch bilden die KRKs eine sowohl in der Tiefe wie in der Breite klar definierte Räumlichkeit ab, sofern sie bei der Aufnahme vorhanden ist. Der einzige klare Unterschied zwischen den beiden Modellen liegt im Bassbereich, wo der V6 S4 erwartungsgemäß nicht ganz so tief hinab reicht. Dabei werden die Bässe durchaus straff, wenn auch etwas dünn und leise wiedergegeben, wie der Steven Wilson-Titel „Luminol“ mit höheren und tieferen Basspassagen klar zeigt. Der V8 S4 reicht klar tiefer hinunter und zeigt mit ordentlichem Tiefbass, dass Gehäusevolumen durch nichts zu ersetzen ist, als noch mehr Gehäusevolumen. Das wird besonders ohrenfällig beim Dead Can Dance-Stück „Yulunga“: Der V6 S4 verschweigt hier die extrem tiefen Töne komplett, während der V8 S4 mit ihrer Wiedergabe überhaupt keine Probleme hat. Die Mitten- und Höhenwiedergabe unterscheidet sich bei beiden Modellen kaum und ist absolut ausgewogen. Die  Höhen zeichnen beide Monitore kristallklar ab, zuweilen kann es, gerade bei flirrenden Flötenklängen wie im Jónsi-Titel „Go Do“ ein wenig zu viel des Guten sein. Wer die Höhenwiedergabe ein wenig dezenter mag, kann dies durch eine Absenkung des Höhenpegels am „High Control“-Regler erreichen. Die Hörtests zeigen, dass  beide Lautsprecherpaare zu den akkuraten und peniblen Vertretern ihrer Gattung gehören und im besten Sinne Monitor-Qualitäten besitzen. Selbst kleinste Aufnahme- oder Misch-Fehler in der Produktion fallen sofort ins Ohr.
Beim Hörtest mit dem Subwoofer zeigte sich, dass der V6 S4 erwartungsgemäß am meisten von der Unterstützung durch den Subwoofer profitierte, die Trennfrequenz betrug 70 Hertz. Der Subwoofer ergänzt so perfekt die Satelliten.  Extreme Tiefbässe  kommen nun mit enormer Wucht, dabei straff und akkurat. Der 12s ergänzt den Frequenzbereich der Monitore derart organisch, dass wir sein Zutun zuweilen gar nicht wahrnehmen, bis wir merken, dass die Teststücke im Bassbereich plötzlich dezent, aber wirkungsvoll aufblühen. Vor allem der V6 S4 wird hier deutlich aufgewertet, der 12s rundet den Frequenzgang perfekt ab. Bei sorgfältiger Platzierung und Justierung klingen Monitore und Subwoofer wie aus einem Guss.

Einsatzempfehlung und Fazit

Die Monitore der neuen V-Serie zeigen sich im Test absolut studiotauglich, und auch der Subwoofer 12s überzeugt uns durch seine unaufdringliche, aber kraftvolle Art, mehr Fundament zu liefern. Für den V6 S4 würden wir auf jeden Fall die Ergänzung durch den Subwoofer empfehlen, da so der Bassbereich akkurater wiedergegeben kann. Der V8 S4 deckt schon alleine den vollen Frequenzbereich ab, sodass wir ihn auch ohne Unterstützung von unten absolut empfehlen können.

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