Sparschwein-Trio

Samson hat seine kostengünstigen Resolv-Monitore grundlegend überarbeitet. Die Renovierung des Sparschwein-Trios beschränkt sich nicht auf reine Äußerlichkeiten, sondern bringt vor allem klanglich eine deutliche Verbesserung. 

Von Harald Wittig

Auf die Produkte des amerikanischen Unternehmens Samson stößt der preisbewusste Einsteiger in Sachen Recording schon fast zwangsläufig, denn die meisten Samson-Geräte – die Palette reicht von Mikrofonen, über Mischpulte bis hin zu Abhör-Lautsprechern – sind schon für eine kleine Handvoll Dollar zu haben. Die günstigen Preise resultieren, wie auch anderenorts selbstverständlich, aus der kostensparenden Fernost-Fertigung.  Wie die Tests der Bändchen-Monitore Rubicon R5a (Ausgabe 1/2007) und Rubicon R8a (Ausgabe 8/2006) -zeigte, ist zumindest im Falle Samsons kostengünstig keineswegs ein Synonym für billig: Beide Lautsprecher schlugen sich wegen ihrer klanglichen Qualitäten achtbar und verdienten sich beim Preis-Leistungsverhältnis völlig zurecht das Prädikat „sehr gut bis überragend“. Während die Rubicons in gewisser Weise die Top-Linie repräsentieren, ist die Resolv-Serie preislich und qualitativ zwischen der absoluten Einsteigerserie Media-One und den Rubicons angesiedelt. Die Resolvs gehörten bisher zu den weltweiten Verkaufsschlagern der Amerikaner und zumindest der Resolv 65a, den wir in Ausgabe 1/2007 testeten, bot annehmbare Einsteigerkost zum Discounterpreis von 165 Euro pro Stück.

Die Samson-Entwickler haben sich aber nicht auf dem Lorbeer ausgeruht, sondern im Gegenteil ihre Erfolgslautsprecher grundlegend überarbeitet. Getauft sind die neuen Mitglieder der Resolv-Familie – die altbewährten Modelle sind weiterhin im Angebot – auf die Vornamen A5, A6 und A8. Die verschiedenen Ziffern geben Hinweis auf die Gehäusegröße, die Durchmesser der Lautsprecher-Membranen und der Leistung der eingebauten beiden Endstufen. Der A5 ist folgerichtig mit einem Paarpreis von 296 Euro der kleinste und günstigste Monitor des Trios, der A6 (356 Euro das Paar) ist der nächst größere Schallwandler und der A8 steht mit 415 Euro für ein Duo bezüglich Preis und Größe an der Spitze.
Zunächst unterscheiden sich die neuen Resolvs äußerlich: Anstelle der marine-blauen Körbe für die Tief-Mittelton-Chassis und der kleinen, ebenfalls blauen Gussplatte, in der die Hochtöner gelagert sind, haben A5, A6 und A8 ein große graue Frontplatte aus Kunststoff bekommen, in der jeweils beide Chassis sitzen. Wie bisher auch, haben die MDF-Gehäuse einen angerauten, strapazierfähigen Vinyl-Bezug, allerdings ist die Frontseite seit neustem hochglanzlackiert. Ob dieser Gestaltungseinfall jetzt der große Hingucker ist, sei mal dahingestellt. So ganz stimmig wirkt’s nicht, einheitlich Vollglanz oder Matt wäre zumindest konsequenter. Aber das soll uns nicht weiter stören, denn ein Studio-Monitor tritt schließlich nicht bei einem Schönheitswettbewerb an.
Entscheidender ist, dass die graue Frontplatte im Falle des Hochtöners mittels einer ausgeformten Mulde als schallführendes Element, beziehungsweise sogenannter Wave Guide fungiert, um das Abstrahlverhalten des Hochton-Chassis zu verbessern. Der Hochtöner als solcher verdient eine eingehendere Betrachtung, denn es handelt sich um eine Neukonstruktion: Das Kalotten-Material ist Seide, der Membrandurchmesser ist mit knapp 32 Millimetern (Eineinviertel-Zoll) im Vergleich zu den gängigen Ein-Zöllern (25 Millimeter) etwas größer. Das ist nicht so ganz unproblematisch, denn die maximal zulässige Frequenz hängt vom Durchmesser der Membran ab: Soll ein Lautsprecher Frequenzen reproduzieren, deren Wellenlänge kleiner als sein Membrandurchmesser ist, gelingt es nur noch einem Teil der Membran, die Bewegungen der Schwingspule direkt mit zu vollziehen. Die Folge: Oberhalb dieser magischen Grenze, in der Physik als „fmax“ bezeichnet, beginnt der Lautsprechertreiber zu bündeln, also bestimmte hohe Frequenzen nur noch gerichtet abzustrahlen, was die räumliche Abbildung verschlechtert. Das ist ein prinzipbedingter Schwachpunkt fast aller Lautsprecherkonstruktionen und auch Ein-Zoll-Hochtöner-Membranen sind insoweit keine souveränen Hochtonwandler. Besser wäre eine möglichst kleine  Membran, nur würde dies mit einem Nachteil erkauft, der zumindest bei den im Studio-Nahfeld häufig anzutreffenden Zwei-
Wege-Systemen nicht hinnehmbar ist: Würde ein Konstrukteur beispielsweise einen Hochtöner mit einem Membrandurchmesser von 19 Millimetern in ein solches System einbauen, wäre zwar fmax auf etwa 18 Kilohertz vergrößert, ein solcher Hochtöner ist aber nicht mehr für Frequenzen unterhalb 3000 Herz einsetzbar. Aus diesem Grunde stellen alle Zwei-Wege-Systeme einen Kompromiss dar: Die Trennfrequenz zwischen dem Tief-Mittel-Töner und dem Hochtöner kann herabgesetzt werden –- bei den drei Resolvs liegt sie allerdings überraschend hoch bei 2,3 Kilohertz –, während die Oktave zwischen 10 und 20 Kilohertz eben nur noch gerichtet abgestrahlt wird. Das bedeutet allerdings nicht, dass die Samsons von vorneherein die rote Karte verdienen, denn erstens sind die Monitore in guter Gesellschaft auch mit Lautsprecher der gehobenen Preis- und Leistungsklasse, zweitens bringt die Bündelung bei Studio-Monitoren sogar Vorteile. Obwohl der Sweet Spot kleiner ausfällt, ist der Lautsprecher weniger anfällig für klangverfärbende Reflektionen.

Angetrieben werden die Hochtöner von A5, A6 und A8 von starken Neodymium-Magneten, was in dieser Preisklasse inzwischen häufiger vorkommt, gleichwohl nicht alltäglich ist. Zur Ableitung  der Wärme zwischen der Schwingspule und dem Permanent-Magneten verwendet Samson Ferrofluid, also eine Flüssigkeit beziehungsweise Paste, die auf ein magnetisches  Feld reagiert. Das Ferrofluid sitzt direkt anstelle des sonst üblichen Luftspaltes zwischen der Schwingspule und Neodynium-Magneten – füllt den Luftspalt also aus –, der  Permanent-Magnet fixiert die Flüssigkeit gleichzeitig. Ein solches Kühlsystem findet sich auch bei teuren Lautsprechern, ist jedoch umstritten: Nicht wenige schreiben Ferrofluid eine klangverschlechternde Wirkung zu, was jedoch wissenschaftlich nicht belegbar ist. In jedem Fall ist aber anerkannt, dass diese Konstruktion die Membranbewegung passiv dämpft – ein durchaus willkommener Nebeneffekt des Ferrofluid. Apropos Wärmeabfuhr: Zusätzlich arbeitet in den neuen Resolv-Gehäusen eine neu entwickelte Keramik Ventilationsstruktur, die – so der Hersteller – Systemüberhitzung und eine thermische  Komperession weitgehend ausschließt.
Die Membran der Tief-Mittel-Töner ist aus verwindungssteifer Carbon-Faser, ähnlich dem Material, das auch der deutsche Lautsprecher-Spezialist KS Digital einsetzt. Mit seiner hohen Festigkeit bei sehr geringem Gewicht sind solche Membranen in puncto Teilschwingungen zumindest gegenüber Papier-Membranen im Vorteil, während das ebenfalls gängige Kevlar, das heutzutage schon bei sehr kostengünstigen Lautsprechern Verwendung findet, über vergleichbare Eigenschaften verfügt.
Während die bisher beschriebenen Konstruktionsdetails bei A5, A6 und A8 gleichermaßen zu finden sind, zeigen sich die Unterschiede zwischen den drei Brüdern bei der Größe der Tief-Mitteltöner. Selbstverständlich hat der A8 insoweit die Durchmesser-Nase vorn, was ihm von vorneherein bei der Wiedergabe tiefer Frequenzen Vorteile bringt (siehe hierzu auch die Steckbriefe auf Seite 44, aber dem Konstrukteur auch die Gesamtabstimmung des Systems erleichtert. Allerdings wird erst der finale Hörtest zeigen, wie sich die Resolvs im Allgemeinen schlagen.
Als Aktiv-Lautsprecher verfügen alle Drei über zwei Endstufen – eine für den Hochton- und eine für den Tief-Mittel-Ton-Kanal. Der kleinste Lautsprecher, der A5, bietet die geringste Endstufenleistung: Seine 20 beziehungsweise 50 Watt entsprechen seinen desktopfreundlichen Gehäuseabmessungen und den im Vergleich zu A6 und A8 kleiner dimensionierten Tief-Mittel-Ton-Chassis. Interessanterweise arbeiten im A6 und im A8 die gleichen Endstufen mit identischer Leistung: Jeweils 75 beziehungsweise 25 Watt bieten ein kräftiges Leistungspfund, das die Lautsprecher auch benötigen, denn die Chassis verbrauchen einiges an der zugeführten Leistung, was auf einen vergleichsweise geringen Wirkungsgrad schließen lässt: Der Benutzer sollte daher darauf achten, bei moderater Abhörlautstärke zu arbeiten. Nach oben hin sind nämlich allen drei Monitoren naturgemäß Leistungsgrenzen gesetzt. Nach unserer Erfahrung genügt es für eine immer noch recht lautstarke Wiedergabe, wenn der Lautstärkeregler der Monitore bei anliegenden +4 dBu-Signalen mittig steht. Darüber beginnen die Lautsprecher – der kleine A5 zuerst, die beiden Großen etwas später – zu komprimieren. Allerdings dürfte allenfalls notorischen Lauthörern der erzielte Pegel zu niedrig sein. Für alle anderen, genügt die Lautstärke für ein komfortables Arbeiten bestimmt.
Samson gibt in den Datenblättern und Handbüchern an, das Ruherauschen beträchtlich verbessert zu haben. Im Vergleich zum alten Resolv A65 ist das zutreffend, denn der besaß in der Tat eine gewisse Eignung als Ruherausch-Generator. Beim Rauschen halten sich A5, A6 und A8 im Vergleich zum Vorgänger deutlicher zurück, wenngleich beispielsweise die ebenfalls kostengünstigen Events TR6 und TR8 (Tests in den Ausgaben 1/2007 und 13/2006) sich in Spielpausen etwas vornehmer betragen. Aber immerhin: Nachgebessert haben die Samson Entwickler in jedem Fall, echte Leisetreter sind die drei aber nicht.
Anschlussseitig sind die drei Monitore dank unsymmetrischer Cinch/RCA-Buchsen auch für die direkte Verbindung mit Consumer-Geräten wie CD-Playern mit –10 dBV-Pegel gerüstet, ansonsten bieten alle Resolvs auch symmetrische Eingänge. Während A6 und A8 getrennte XLR- und Klinken-Buchsen zu bieten haben, beschränkt sich der Hersteller beim A5 auf einen symmetrischen Klinken-Eingang. Neben dem bereits erwähnten, gerasteten Pegel-Steller, der eine präzise, paarweise  Lautstärke-Abstimmung des Trios gestattet, findet sich noch ein Klangsteller, HF Level genannt, auf der Rückseite der Resolvs. Der beeinflusst unmittelbar die Hochtonwiedergabe, denn damit lässt sich ein Shelving- oder Kuhschanzfilter aktivieren, das die Höhen bei einer Einsatzfrequenz von 12 Kilohertz um ±3 Dezibel anhebt beziehungsweise absenkt. Es handelt sich dabei nicht um ein Filter zur Anpassung der Lautsprecher an den Abhörraum, sondern – was Samson auch in der Bedienungsanleitung klarstellt – um eine Angleichung der Wiedergabe an die persönlichen Abhör-Präferenzen des Anwenders. Die Wirkung dieses Klangstellers ist dezent aber effektiv: Er verschlimmbessert also nicht, verführt mithin nicht zum voreiligen Griff nach dem Equalizer, sollte aber nur dann aktiviert sein, wenn dem Anwender der Höhenbereich zu vordergründig oder zu zurückhaltend erscheint.
Da die Samsons keine Raum-Anpasssungs-Filter, um beispielsweise eine wandnahe Aufstellung auszugleichen, haben, ist es praktisch, dass die Bassreflex-Öffnungen auf der Frontseite der Lautsprecher angebracht sind. Dennoch sollten alle drei nach Möglichkeit frei und nicht zu nah an der Wand stehen. Im Falle des A8, der mit einer lichten Höhe von über 40 Zentimetern und einem Kampfgewicht von rund 12 Kilogramm reichlich Box für geringes Geld bietet, empfiehlt sich die Aufstellung auf einer grundsoliden Konsole. Einen vibrationsfreien Untergrund verdienen aber auch der kleine A5 und der mittelgroße A6. Gerade beim A5, der aufgrund seiner kompakten Abmessungen nicht selten auf einem Arbeitstisch sein Plätzchen finden wird, lohnt sich die Investition in schallabsorbierende Elemente für die Tischplatte, um klangverfälschende Reflexionen vom Arbeitstisch oder Mischpult und Controller-Oberflächen zu minimieren.

Bei den obligatorischen Messungen der Frequenzgänge im nicht schalltoten Raum überzeugt das Trio: Mit dem linearsten Frequenzgang darf sich der große A8, dicht gefolgt vom mittelgroßen A6, schmücken. Abgesehen von einer Senke bei etwa 250 Hertz verläuft die Messkurve sehr gleichmäßig. Das gilt auch für den Frequenzgang des A6, der interessanterweise eine ähnliche Absenkung bei 250 Hertz aufweist, ansonsten seinem großen Bruder kaum nachsteht. Die Messkurve, die das Labor beim A5 ermittelt, kann sich ebenfalls sehen lassen. Zwar erreicht sie nicht die Gleichmäßigkeit der Frequenzgangschriebe der größeren Resolvs, vereinzelte Senken zwischen ein und zwei, sowie drei und vier Kilohertz sind aber noch tolerabel und lassen noch keine sicheren Rückschlüsse auf die Klangqualität zu – zumal Frequenzgänge keine Hinweise auf Räumlichkeit und Impulsverhalten, bekanntlich wichtige Kriterien beim Arbeitsgerät Studio-Monitor, geben. Insoweit entschiedet nach wie vor der penible Hörtest.
Für den Hörtest müssen alle drei Samsons ihre Qualifikation beim Mischen von drei aktuellen Projekten, die in Rohfassung zwischen den Jahren 2008 und 2009 entstanden sind: Ein allein mit virtuellen Instrumenten eingespieltes elegisches Cello-E-Piano-Duo im Morricone-Stil, ein mit dem Microtech Gefell M 990 Art (Test in dieser Ausgabe, Seite 34) aufgenommenes, rein akustisches Stück für vier Gitarren, eingespielt im Overdub-Verfahren und eine eher rockiges Instrumental mit zweistimmigen Lead-Gitarren im Heavy-Sound, komplett mit Bass, Schlagzeug und akustischer Rhythmusgitarre. Die Projekte sind mit dem neuen Sonar 8 (ausführlicher Test in einer der kommenden Ausgaben) erstellt, teilweise kommen bereits die neuen Cakewalk-Plug-ins wie beispielsweise der Tube Leveler, der Röhren-Verzerrungen simuliert,  zum Einsatz.
Der Große ist der Beste
Bevor wir die klanglichen Leistungen der Samson-Monitore detailiert und der Reihe nach beschreiben, ein wichtiger Hinweis: Wie praktisch alle fabrikneuen Lautsprecher benötigen auch die Resolvs eine gewisse Einspielzeit. Tatsächlich gab es zunächst bei den Testern lange Gesichter, als das Samson-Trio das allererste Mal die noch nicht eingesungenen  Stimmen erhob: Boxig, belegt und  – zumindest im Falle des A5 arg heiser und verschnupft – tönte das zugespielte Programm-Material aus Folk, Jazz und Klassik. Nach konsequentem Einrauschen über zwei volle Tage klingt es , als habe jemand einen imaginären Vorhang aufgezogen: Das kostengünstige Terzett beweist mit einem Male stimmliche Qualitäten, die sich hören lassen können und die Arbeit insgesamt recht angenehm machen.
Doch der Reihe nach. Beginnen wir mit dem Resolv A5: Der kleinste Samson überzeugt spontan mit einer starken Phantommitte, die Lokalisation einzelner Schallereignisse, was namentlich für die hart links beziehungsweise rechts gepannten Melodie-Gitarren im Akustik-Stück und die wild jodelnden E-Gitarren-Linien im dritten Stück gilt, ist überzeugend. Zwar erscheint die Stereobasis etwas gestaucht und die Instrumente kleben etwas zu anhänglich an den Lautsprechern. Dennoch: In dieser Disziplin bringt der kleine und wohlgemerkt sehr günstige Lautsprecher durchaus achtbare Leistungen. Etwas flach wirkt der A5 bei der Tiefenstaffelung: Das toll klingende Sample des großen Aufnahmeraums des Filmorchester Babelsberg, den wie immer bei Professional audio Magazin der Faltungshall-Kaiser Altiverb 6 zur Verfügung stellt, scheint mittels eingezogener Trennwand geschrumpft zu sein.
Dass der A5 keine Tiefbässe liefern kann, wird niemanden überraschen. Bei 100 Hertz ist definitiv Schluss, ansonsten spielt der kleine Tief-Mitteltöner mit seiner Carbonfaser-Membran beachtlich sicher auf. Das Impulsverhalten ist nicht sensationell aber auf befriedigendem Durchschnittsniveau und allenfalls knallharte Bassimpulse laufen aus dem Ruder und verlieren an Fokussierung und Definition: So neigt das tiefe E auf dem E-Bass ein wenig dazu, nach der linken Seite auszubrechen, womit sich, sofern der A5-Benutzer diese Schwäche kennt, im Arbeits-alltag leben lässt.
Der Mittenbereich zeigt sich einigermaßen ausgewogen mit einem gewissen Schwächeln im Tiefmittenbereich zwischen 200 und 300 Hertz: Zumindest die Akustik-Gitarren-Aufnahmen erklingen deswegen präsenter und weniger rund. Ein Umschalten auf die Referenz-Lautsprecher KRK Exposé belehrt die Testerohren eines Besseren. Der Hochmitten- und Höhen-Bereich erklingt hingegen erfreulich sauber und ohne aufdringliche Schärfe. Der neue Seidenhochtöner leistet wirklich gute Arbeit, hält wenig von ätzenden, auf Dauer nervigen Hochmitten und bleibt – zumindest bei moderatem Abhörpegel – klar und verzerrungsresistent.
Eine Leistungsklasse besser spielt der Resolv A6 auf. Sofern das Pärchen sorgfältig im klassischen Stereo-Dreieck ausgerichtet ist, ist seine Raumdarstellung in Breite und Tiefe in jedem Fall richtig gut, fast schon sehr gut. Eine so präzise Phantommitte erfreut das Herz des Praktikers, die Raumdarstellung ist überzeugend und ein Raum bekommt vor dem inneren Auge klare Konturen und Dimensionen. Bei Bässen reicht der A6 etwas tiefer als der A5 hinab, außerdem sind die darstellbaren Bässe trockener und präziser. Auch bei der Feindynamik ist der A6 einfach eine Klasse besser als der A5 und die subtile Bearbeitung des E-Basses im dritten Teststück via Kjaerhus Classic Compressor-Plug-in ist ein Leichtes, da auch feinstufige Veränderungen bei Schwellwert,  Attack und Ratio ohrenfällig sind.
Im Mitten- und Höhenbereich verhält sich der A6 anders als der A5 und – das sei schon vorweggenommen – unterscheidet sich auch vom großen A8. Die Tiefmittenschwäche des A5 ist dem Mittelgroßen auch zu Eigen, allerdings ist sie weitaus weniger ausgeprägt: Der Lautsprecher klingt in diesem Bereich sehr viel runder. Dafür bevorzugt der A6 die Frequenzen oberhalb fünf Kilohertz, was der vom Messlabor ermittelte Frequenzgang ganz und gar nicht erwarten lässt. So klingen die recht mittigen High-Gain-Leadgitarren eine gute Spur brillanter und höhenreicher als es tatsächlich der Fall ist – einmal mehr belehrt uns die Referenz-Abhöre eines Besseren. Die Gesamtabstimmung des A6 ist also heller, was der Praktiker beim Mischen unbedingt einkalkulieren sollte. Davon abgesehen beweist der Hochtöner seine Kompetenz bei der Darstellung der zahlreichen Obertonquietscher in den Solostimmen: Da nervt nichts, das klingt – sofern sauber gespielt – rund und satt. Genau so, wie es die formidable Kombination aus Gibson Les Paul, Engl Fireball und SPL Transducer erwarten lässt.
Der Resolv A8 schließlich ist, um es auf den Punkt zu bringen, der beste Monitor des Spardosen-Trios. Vor allem hat er sich im Laufe des Testes am stärksten zu seinen Gunsten entwickelt. In puncto Raumdarstellung rangiert er souverän in der Mittelklasse und ist gleichauf mit den insoweit bei den kostengünstigen Zwei-Wege-Lautsprechern führenden Events TR6 und TR8. Millimetergenaue Ortbarkeit von Schallereignissen und gute Trennschärfe qualifizieren Samsons dicken Quader zum Arbeitsgerät. Selbstverständlich geht es noch besser und bei der Raumdarstellung reicht der A8 nicht an die lässige Souveränität guter Coaxial-Systemet heran. Dennoch: Richtig gut ist er bei der Darstellung des Stereo-Panoramas und der Tiefenauslotung von Hallräumen zweifelsohne. Das versuchsweise Einladen des sogenannten Channel-Tool, ein Sonar 8 Plug-in, das vergleichbar mit einem Hardware-Richtungsmischer die Stereo-Breite verändert, bewirkt beim A8 ein zwar dezentes, gleichwohl hörbares Loslösen der Gitarren im Akustik-Stück vom Boxenpaar. Diesen  Höreindruck können dagegen sowohl A5 als auch A6 nicht bieten.
Die vergleichsweise tiefen Bässen kommen klar, das Sample-Cello im ersten Stück klingt nach klanglicher Bearbeitung mit dem Tube Leveler schön kernig und wunschgemäß fokussiert. Auch weiche Bässe – beispielsweise Kontrabass oder mit Kuppenanschlag intonierter
E-Bass – zeigen nur minimalste Tendenzen, zu den Seiten hin auszubrechen. Der Mittenbereich ist insgesamt erfreulich ausgewogen, ein Tiefmittenloch können die Tester auch bei konzentriertem Hören nicht ausmachen. Hochmitten und Höhen sind sauber, von der Vordergründigkeit des A6 keine Spur. Der A8 ist ein folglich ehrlicher Vertreter der Lautsprecherzunft, was der Praktiker besonders hochschätzt, denn mit ihm lässt sich arbeiten, bietet er doch verlässliche Informationen. Damit empfiehlt er sich nachhaltig allen, deren Budget beschränkt ist, die aber trotzdem auf einen echten Monitor für die eigene Kreativ-Arbeit nicht verzichten können und wollen. Selbstredend, dass es gerade in den Bereichen Feinauflösung und Feindynamik noch wesentlich besser geht – nicht umsonst gruppiert Professional audio Magazin Studio-Monitore in Leistungsklassen ein. Fest steht: Für vergleichsweise wenig Geld bekommt der Anwender mit dem Samson A8 einen soliden Mittelklasse-Monitor.

Fazit

Samsons Resolv-Serie präsentiert sich optisch und klanglich gründlich renoviert. Vor allem der große A8 besitzt echte Monitor-Qualitäten, klingt insgesamt recht ausgewogen  bei sehr überzeugender Raumdarstellung und empfiehlt sich somit auch für Fortgeschrittene mit gehobenen Ansprüchen, die einen zuverlässigen Mischpartner für wenig Geld suchen. Auch mit dem A6 kann der preisbewusste Praktiker -leben, sofern er dessen Hochmitten- und Höhenvorliebe beim Mischen berücksichtigt. Der kleine A5 hat gute Anlagen, spielt aber im Vergleich zu seinen größeren Brüdern eine Leistungsklasse tiefer, stellt aber dennoch für Recording-Einsteiger eine durchaus brauchbare Budget-Lösung dar.     

Erschienen in Ausgabe 02/2009

Preisklasse: Mittelklasse
Preis: 356 € (Paar)
Bewertung: gut
Preis/Leistung: sehr gut

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