Koalitionsfähig

In der Politik sind es oft die kleinen Parteien, die als Koalitionspartner das Zünglein an der Waage spielen. Alesis neuer Desktopmonitor ist im übertragenen Sinne ebenfalls äußerst koalitionsfähig, denn er passt sich perfekt  ans Rechner-basierte Studio an.  

Von Harald Wittig

Alesis bietet bekanntlich neben professionellen Geräten wie beispielsweise den immer noch gerne eingesetzten Masterlink ML 9600 Festplattenrecorder auch einige leistungsfähige Geräte zum Ausbau des persönlichen Homerecording-/Desktop-Studios an. Dazu gehört die 2009 vorgestellte MasterControl, eine leistungsfähige Controller-/Interfaceeinheit, die neben ihrer überzeugenden Audioqualität nicht zuletzt wegen ihrer sehr guten Anpassungsfähigkeit an praktisch alle gängigen DAW-Programme beim Test in Ausgabe 4/2009 einen sehr guten Eindruck hinterlassen hat. Auch die Monitore von Alesis erfreuen sich im Amateur und Semiprofibereich großer Beliebtheit. Die neuste Variante im Monitor-Segment des Herstellers nennt sich iM1Active 520USB und setzt auf die bewährte Konstruktion und Ausstattung seiner nächsten Anverwandten, namentlich den Modellen M1Active 520 und dem zweieiigen Zwilling M1Active 520USB. Wie schon der M1Active 520USB ist auch der neue Alesis Spross mit einem USB-Audio-Interface ausgestattet, ganz neu hinzugekommen ist ein iPod Dock für Appels MP3-Player iPod und das iPhone. Damit bedarf es für die Arbeit an eigenen Projekten lediglich eines Rechners, für das reine Musikhören über den iPod oder das iPhone genügt ein Stromanschluss. Klingt doch ziemlich interessant, oder? Dabei ist das Alesis-Pärchen mit einem Listenpreis von rund 250 Euro auch noch sehr günstig zu haben. Dann wollen wir uns den iM1Active 520USB mal näher ansehen und anhören.

Den iM1Active 520USB gibt es aus gutem Grund nur paarweise: Der linke Monitor ist gewissermaßen der Master, der rechte der Slave, der über das mitgelieferte XLR-Kabel mit dem Master verbunden ist. Der Master enthält dabei die Aktiv-Elektronik, also die beiden Endstufen die den Hoch- und Tief-Mitteltöner mit 25 beziehungsweise 50 Watt antreiben, das eingebaute USB-Audio-Interface, einen Kopfhörer-Ausgang und das iPod-Dock. Der rechte Lautsprecher ist eine passive Box, hat mit dem Master allerdings die Chassis-Bestückung gemeinsam. Hierbei setzt Alesis auf den Ein-Zoll-Seidenhochtöner, der erstmals beim 520USB Verwendung gefunden hat, und das auch vom M1Active 520 bekannte, Tief-Mittelton-Chassis mit seiner 127-Millimeter Membran aus versteiften Polypropylen, die sich durch hohe Festigkeit bei geringem Gewicht auszeichnet, was ein gutes Impulsverhalten begünstigt. Die beiden Bassreflex-Gehäuse haben den Ausgangsport auf der Rückseite, weswegen – wie immer – bei wandnaher Aufstellung Vorsicht geboten ist. Denn nur allzu schnell überdröhnt der Bass alle anderen Frequenzen, was nicht im Sinne des mischenden Anwenders sein kann. Interessanterweise ist der Master mit einem sogenannten Bass Boost ausgestattet, der den Basspegel anhebt. Nach unserer Erfahrung sollte der entsprechende Schalter in einer akustisch optimierten Umgebung tunlichst auf „Off“ stehen. Lediglich in Abhörumgebungen, die im Bassbereich stark überdämpft sind, kann der Bass Boost helfen, wenngleich die Monitore die besten Klangergebnisse mit deaktivierter Bass-Anhebung liefern. Dazu später mehr im Praxistest.  Kommen wir jetzt zu den Besonderheiten des iM1Active 520USB, beginnend mit dem integrierten USB-Audio-Interface. Damit ist es möglich, ein digitales Stereo-Audio-Signal vom Rechner auf den Master zu übertragen. Gleichzeitig kann der Homerecorder über das Interface auch aufnehmen, dafür ist lediglich der Hardware-Ausgang des Outboard-Geräts, beispielsweise eines Mikrofon-Vorverstärkers mit einem oder beiden der rückwärtigen symmetrischen Klinken-Eingängen zu verbinden. Allerdings ist der eingebaute Sigma-Delta-Wandler auf eine Maximal-Auflösung von 16 Bit/48 Kilohertz beschränkt, was heutzutage, wo auch Billig-Interfaces locker Abtastraten bis 96 Kilohertz bieten, nicht mehr zeitgemäß  ist. Aber lassen wir mal die Kirche im Dorf, denn die wenigsten werden das iM1Active 520 USB-Pärchen als alleiniges Interface einsetzen und stattdessen den Master über die Klinkeneingänge mit dem Analogausgang des gewohnten Audio-Interfaces verbinden. Das funktioniert erwartungsgemäß ohne Probleme und uns gefällt sehr, dass der Master-Lautsprecher mit einem Kopfhörerausgang aufwartet, der klanglich die meisten Billig-Kopfhörerausgänge von Interfaces der Economyklasse abhängt.

Wer die Monitore ausschließlich zum CD- oder MP3-Hören via Rechner benutzt, darf sich zunächst darüber freuen, dass die beiden Lautsprecher magnetisch abgeschirmt sind und dass eine Treiberinstallation wegfällt. Alesis setzt auf generische Treiber, so dass sowohl auf dem Windows-Rechner als auch auf dem Mac zum ungestörten Musikgenuss lediglich in der Systemsteuerung beziehungsweise in der Audio MIDI Konfiguration „USB Audio Codec“ auszuwählen ist und es spielt sogleich die Musik. Sollen die Monitore jedoch mit einer Windows-DAW-Anwendung wie Cubase oder Sonar zusammenspielen, muss einmal mehr der kostenlose Pseudo-Asiotreiber  ASIO4ALL, den Sie von der Website www.asio4all.com herunterladen können. Überhaupt nichts herunterladen müssen Sie, wenn Sie Musik, die auf Ihrem iPod oder iPhone gespeichert ist, hören möchten. Dazu benötigen Sie nicht mal einen Rechner. Im Grunde gilt auch in diesem Fall „Plug-and-Play“: iPod in die Docking-Station schieben anschalten und spielen lassen. Das iPod-Dock des iM1Active 520USB hat auch für den aktiven Tonschaffenden einen nicht zu unterschätzenden Nutzen: Der kann nämlich seine Mischung im MP3-Format anhören und deren klangliche Endverbrauchertauglichkeit überprüfen. Allerdings muss dafür der iPod zur Datenübertragung mit dem Rechner verbunden sein, ist er an den Monitor angedockt, ist eine Übertragung auch bei aktiver Verbindung zum Computer via USB nicht möglich.  Nun ist es an der Zeit, über den Klang der iM1Active 520USB zu reden. Für den Praxistest gehen wir einmal den konventionellen Weg, indem wir den Master mit dem Analog-Ausgang unseres Lynx Aurora 8, der insoweit als Firewire-Audio-Interface fungiert, verbinden. Zum zweiten ist der Master jeweils direkt mit einem MacBook Pro verbunden.  Es wird niemanden überraschen, dass der in den Monitor integrierte DA-Wandler nicht die Präzision des auf erstklassige Wandlung spezialisierten Lynx bietet – schließlich ist da auch eine Preisdifferenz von mehreren großen Scheinen dazwischen. Dennoch lässt sich feststellen, dass die Wandler im Alesis-Monitor tendenziell angenehm warm tönen, ohne übertrieben zu verfärben. Bei einer standesgemäßeren Verbindung mit dem Session I/O von Nativ Instruments, das im Hochmitten- und Höhenbereich etwas präsenter und brillanter klingt, erscheint der Alesis-Wandler runder und weicher. Das geht allerdings gut ins Ohr und es handelt sich letztlich um Nuancen, so dass selbstverständlich von absoluter Neutralität aber gleichzeitig auch von einer unzulässig verfälschten Wiedergabe keine Rede sein kann. Als reine Abhör-Anlage eingesetzt, kann das Alesis-Pärchen überzeugen und bietet zunächst eine sehr solide Stereo-Wiedergabe mit starker Phantommitte und guter Trennschärfe, so dass einzelne Schallereignisse ohne Anstrengung zu lokalisieren sind. Die Raumdarstellung in der Tiefe ist durchaus auf Mittelklasse-Niveau, allerdings ein wenig flach. Das fällt aber erst im direkten Vergleich zum in etwa gleichteuren ADAM A3X (Test in Ausgabe 5/2010), der diese Disziplin souverän beherrscht, auf.

Alesis hat anscheinend berücksichtigt, dass sein kostengünstiges Desktop-System häufig in akustisch unbefriedigender Umgebung Aufstellung findet, denn der Bass ist im Vergleich zum A3X mit einem sanften, keineswegs abrupten Roll-Off zurückgenommen. Das hat den großen Vorteil, dass der Monitor die Bässe recht kontrolliert und sauber wiedergibt. Dabei klingen die Bässe eher weich und beileibe nicht so staubtrocken wie bei Vertretern der Oberklasse. Das ist durchaus gewollt, denn Alesis selbst macht keinen Hehl daraus, dass der Tief-Mitteltöner der 520er-Modelle eine „weiche Basswiedergabe“ bietet. Wie bereits erwähnt, sollten die Lautsprecher tunlichst nicht an der Wand stehen, denn darunter leidet die grundsätzlich gute Basswiedergabe erheblich.  Im Mittenbereich weist der Alesis eine leichte Betonung bei den Tiefmitten auf, während der Bereich um drei bis fünf Kilohertz dezent zurückgenommen ist. Das ist keineswegs ein Nachteil – wir erinnern uns an die Fletcher-Munson-Kurve – und unterm Strich ist die Mittenabstimmung noch linear. Gerade die Beurteilung von Gesangsstimmen und – sofern vonnöten – die Wirkung entsprechender Maßnahmen, die Leadvocals im Mix via Equalizer herauszustellen, lassen sich gut überprüfen. Der Seidenhochtöner der Monitore gefällt uns bei – wohlgemerkt moderaten Abhörpegeln –  ganz spontan, denn er löst gut auf, sein Impulsverhalten ist vor allem bei Transienten, beispielsweise von strahlenden Schlagzeug-Becken oder Stakkato-Phrasen in der hohen Lage der Trompete, ziemlich gut. Klanglich ist der Hochtöner ein charmanter Sanftzeichner ohne nervige Schärfe und muss in der Mittelklasse keinen Konkurrenten fürchten – Ausnahmewandler wie den X-ART-Hochtöner der ADAMs mal ausgenommen. Wer bei der Hochtonwiedergabe ein Höchstmaß an Präzision verlangt, wird sich ohnehin in einer anderen Leistungs- und Preisklasse umsehen.

Fazit

Das Alesis-Pärchen iM1Active USB erweist sich dank seiner Anpassungsfähigkeit als kompetenter Koalitionspartner im rechnerbasierten Studio. Klanglich ist das Lautsprecher-Paar auf solidem Mittelklasse-Niveau, dank des integrierten USB-Audio-Interface und des pfiffigen iPod-Docks empfiehlt sich das Gespann für den Einsatz im Homerecording- und Projektstudio sowie fürs entspannte Musikhören über den Rechner.

Erschienen in Ausgabe 06/2010

Preisklasse: Mittelklasse
Preis: 249 € (Paar)
Bewertung: gut
Preis/Leistung: sehr gut

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