Prinz von Dänemark

Der neue BM5 MKII baut zwar auf den Tugenden des erfolgreichen Vorgängers BM5 auf, will diesen aber dank gründlicher Modellpflege  klanglich übertreffen und neue Maßstäbe für Nahfeldmonitore setzen. Ein hoher Anspruch, dem wir im Test auf den Zahn fühlen wollen. 

Von Harald Wittig

Der dänische Lautsprecher-Spezialist Dynaudio entwickeln und fertigen seit nunmehr fast 35 Jahren Lautsprecher und streben mit bewundernswerter Hingabe nach dem selbstdefinierten Optimum: Dem perfekten Schallwandler für die bestmögliche, das heißt vor allem unverfälschte Musikwiedergabe. In HiFi-Kreisen sind Dynaudio-Lautsprecher schon seit Jahrzehnten  als Weltklasse anerkannt und geschätzt. High-Ender stufen manche Modelle, wie beispielsweise den wieder aufgelegten Consequence als absolute Referenz ein, was angesichts der hohen Ansprüche, den diese Klangfetischisten an Wiedergabesysteme stellen, für die hohe Qualität der Dynaudio-Produkte spricht. Inzwischen hat sich Dynaudio auch ein sicheres zweites Standbein im Studio-Bereich erspielt und für viele Profis gehören die dänischen Monitore zur Topliga der Abhörlautsprecher. Interessanterweise hat sich Dynaudio bei der Entwicklung von Studio-Monitoren nicht ausschließlich auf sündhaft teure Nahfeld-, Mittelfeld- und Großmonitore konzentriert, sondern bieten mit der BM A-Serie auch preiswertere Aktiv-Systeme an. Diese sind zwar in der Herstellereigenen-Produkthierarchie – auch preislich – unterhalb der in Zusammenarbeit mit den Landsleuten von TC Electronic entwickelten Digital-Monitoren der Air-Serie (siehe Test des Dynaudio Air 6 in Ausgabe 5/2006) angesiedelt, haben aber gleichwohl viele Fans aus dem professionellen Lager der Tonschaffenden gewonnen. Auch anspruchsvolle Amateure vertrauen gerne auf die Wiedergabe-Qualitäten der Dänen und haben sich in den letzten vier bis fünf Jahren eine Dynaudio-Abhöranlage angeschafft.

Dass es sich bei der BM A-Reihe um ernstzunehmende Arbeitsgeräte für Profis handelt, hat Professional audio in Ausgabe 7/2007 im Rahmen des Testes des BM 12A festgestellt, der sich klar als, wenn auch nicht ganz kostengünstiger, Oberklasse-Monitor behaupten konnte. Der eigentliche Star der BM A-Serie ist hingegen der kleine Bruder des BM12A, der auf den Namen BM 5A hört. Seit seiner Erstvorstellung im Jahr 2005 hat er sich zum Bestseller gemausert – was sicherlich auch am vergleichsweise günstigen Stückpreis von rund 500 Euro lag. Immerhin kamen die Käufer mit dem BM 5A zu einem echten Dynaudio-Monitor, der klanglich, zumindest nach den Urteilen der Fachpresse und Aussagen der Anwender nur wenige Wünsche offen lässt. „Wenige Wünsche“ sind aber für die Überzeugungstäter von Dynaudio Grund genug, den BM 5A zu überarbeiten, sprich: zu verbessern, obwohl der Kleine im Segment der Nahfeldmonitore nach selbstsicherer Dynaudio-Eigenaussage einen „neuen Industriestandard“ gesetzt habe. Hier ist er nun, der neue BM 5A MKII, der für denselben Preis wie der noch lieferbare Vorgänger angeboten wird, diesen ansonsten aber in puncto Wiedergabeverhalten auf „allen Ebenen“ übertreffen soll.  Der BM 5A MKII ist ein aktiver Zwei-Wegelautsprecher in Bassreflexbauweise, der, wie bei Dynaudio üblich, rein äußerlich mit seinem anthrazitfarbenen MDF-Gehäuse das pure Understatement pflegt. Allerdings wirkt nichts am BM 5A MKII billig und auch das pingeligste Tester-Adlerauge findet bei der Verarbeitung keine Mängel. Beim Gehäuse ist gegenüber dem Vorgänger ansonsten alles beim Alten geblieben, die wahren und letztendlich klangentscheidenden Neuerungen betreffen die Chassis und die Verstärkerelektronik beziehungsweise Endstufen des BM 5A MKII.

Beginnen wir beim Herzstück eines jeden Lautsprechers, den Chassis. Im neuen Monitor sitzen nämlich gänzlich neu entwickelte Schallwandler, die mit denen des alten BM 5A lediglich Äußerlichkeiten und die Membrandurchmesser gemeinsam haben. Der Tief-Mitteltöner mit seiner Sieben-Zoll/180 Millimeter durchmessenden Membran wird jetzt in der eigenen Fabrik gefertigt – beim Vorläufer handelte es sich um eine Auftragsfertigung nach den strengen Vorgaben von Dynaudio. Als Membranmaterial verwendet der Hersteller charakteristisch für alle Modelle der BM-Serie, Magensiumsilikat-Polymer. Die Membran ist zudem aus einem Stück gefertigt. Am Antrieb selbst gab es einige Modifikationen: Die Schwingspule aus Aluminium hat abgesehen vom Material mit der des BM 5A nichts mehr gemein. Sie ist deutlich vergrößert, der verwendete Aluminiumdraht selbst hat einen vergleichweise großen Querschnitt. Dank der besonderen Wickeltechnik in Verbindung mit dem großen Drahtdurchmesser wird eine hohe Packungsdichte erzeugt. Beides erlaubt dem Hersteller einen langen und dicken Schwingspulendraht bei sehr geringem Gewicht unterzubringen. In Verbindung mit einem ebenfalls vergleichsweise großen und sehr kräftigen Neodymium-Magneten entsteht ein extrem starker Antrieb mit geringer Massenträgheit. Hinzu  kommt, dass die überarbeitete Schwingspule dieses neu konstruierten Power-Antriebs mit größerer Amplitude schwingen kann. Was soll das alles bringen? Ganz einfach: Der Tief-Mitteltöner hat dank dieser Maßnahmen das Zeug dazu, einen besonders großen Dynamikumfang des Tief-Mitteltöners bei – gerade im Vergleich zum BM 5A – einer deutliche klareren und präziseren Basswiedergabe bei gleichzeitig geringsten Verzerrungen und ohne unerwünschte Kompressionseffekte zu erbringen. Denn speziell an der Basswiedergabe des BM 5A hatten und haben einige Anwender rumzumäkeln, weswegen der neu entwickelte Antrieb des Tief-Mitteltöners eine Reaktion Dynaudios auf die Kritik darstellt.

Während sich diese durchaus aufwändigen Neuerungen getreu dem Motto „Das Gute daran, ist das Gute darin!“ nur offenbaren, wenn der neue Tief-Mitteltöner ausgebaut vor einem liegt, ist die wesentliche Neuerung beim Hochtöner auch von außen und im eingebauten Zustand zu erkennen. Dynaudio hat dem Hochtöner mit seiner 26-Millimeter durchmessenden Seiden-Kalotte ein neues Schallführungselement, auch als „Waveguide“ bekannt, spendiert. Dieser ist zu den Befestigungsschrauben des Chassis hin leicht konkav ausgeformt und soll damit das Abstrahlverhalten des Hochtöners noch exakter auf den Hörplatz beziehungsweise den Sweet Spot fokussieren. Damit sollen klangverfälschende Reflexionen von den Wänden des Regie- beziehungsweise Abhörraums keine Chance haben, was der Wiedergabequalität deutlich zugute kommen soll. Allerdings muss der Hörer zur bestmöglichen Beurteilung des Programmmaterials tatsächlich im Sweet Spot sitzen und sich in puncto Körpereinsatz beim Mischen etwas disziplinieren. Außerdem ist eine exakte Aufstellung und Ausrichtung der Monitore Pflicht. Das gilt übrigens für die meisten Studio-Monitore und sei deshalb an dieser Stelle als allgemeiner Praxistipp noch einmal in Erinnerung gebracht. Angetrieben werden beide Lautsprecher von zwei ebenfalls neu auf die Chassis abgestimmten Endstufen, die jeweils 50 Watt Power bieten, was für einen vergleichsweise kleinwüchsige Monitor wie den Dynaudio, der gerade mal so hoch wie ein 19-Zoll-TFT-Rechner-Monitor ist, durchaus über dem Kompakt-Monitor-Durchschnitt ist. Die Endstufen sind laut Hersteller auch sehr lauten, impulshaften Schallereignissen, also Transienten, um 90 Dezibel gewachsen sein. Das sollte jetzt niemanden dazu verleiten, die Grund-Abhörlautstärke auf einen derart hohen Schalldruck einzustellen. Denn der BM 5A MKII ist und bleibt ein Kompaktmonitor fürs Nahfeld und erhebt überhaupt nicht den Anspruch es in puncto Schalldruck mit Mittelfeld- oder gar Großmonitoren aufnehmen zu wollen.

Auf der Rückseite finden sich die Schalter zur Pegel- und Frequenz/Raumanpassung. Einen Lautstärkeregler hat der  BM 5A MKII nicht – Dynaudio bleibt sich in Sachen Ausstattung treu und bietet dem Anwender bei allen BM-Monitoren lediglich einen Schalter, der die Eingangsempfindlichkeit wahlweise um +4 Dezibel anhebt oder um -10 Dezibel absenkt. Damit lässt sich in der Praxis leben, da die Feineinstellung der Abhörlautstärke ohnehin über einen Controller oder den Control Room-Ausgang des Mischpults geregelt wird.  Zur Anpassung an den Raum beziehungsweise an die Arbeitsumgebung bietet der Monitor drei Filter. Für den Bass- und Höhenbereich kann der Anwender mittels zweier Shelving-Filter in engen Grenzen Korrekturen vornehmen. Bei wandnaher Aufstellung ist eine Absenkung des Basses um -2 Dezibel fast immer Pflicht, da die Bassreflex-Öffnungen auf der Rückseite angebracht sind, was zwangsläufig zu einer Anhebung des Basspegels führt. Das Höhen-Shelvingfilter dient dagegen eher der Anpassung an den Geschmack oder die Hörgewohnheiten des Anwenders, kann aber auch Überdämpfungen des Abhörraums bis zu einem gewissen Grad kompensieren. Ein drittes Filter, diesmal mit Glockencharakteristik, dient bei Aufstellung des BM 5A MKII-Paares auf der Meterbridge des Mischpultes der Minimierung von Reflektionen der Pultoberfläche. Das Mittenband lässt sich mit diesem Filter um zwei oder vier Dezibel absenken. Schließlich ist der Monitor noch mit zwei Hochpassfiltern – Einsatzfrequenz 60 beziehungsweise 80 Hertz – ausgestattet, die beim Einsatz eines Tieftonlautsprechers oder Subwoofer, zum Beispiel des BM 95, zu aktivieren sind.  Nach soviel Technik kommen wir endlich zur Praxis und untersuchen die Wiedergabe- und Werkzeugqualität des BM 5A MKII. Vorausgesetzt, dass der Monitor auch wirklich im echten Nahfeld zum Einsatz kommt und der Hörer im Sweet Spot sitzt, erweist sich der BM 5A MK II als typischer Dynaudio: Er besitzt bei sehr gutem Impulsverhalten das  feine Auflösungsvermögen, die hohe Trennschärfe und die Feindynamik wofür die dänischen Lautsprecher gemeinhin bekannt sind. Das heißt für den Praktiker, dass einzelne Schallereignisse, konkreter die verschiedenen Einzelstimmen bei komplexen Arrangements, stets ohne Anstrengung heraushörbar sind. Sollte ein Arrangement indifferent, verwaschen oder undurchsichtig klingen, weiß der Tonschaffende, dass es noch einiges zu tun gibt. Wer kennt das nicht: Bei vielstimmigen Kompositionen ist der Musiker verführt, zwei- bis vierstimmige Sätze durch Hinzufügung weiterer Stimmen noch raffinierter zu machen, was der Transparenz einer Aufnahme mitunter gar nicht gut tut. Sollten alle Kunstgriffe beim Mischen das verwürzte Arrangement nicht retten können, bleibt oft nur das Stummschalten von Spuren.

Der Dynaudio unterstützt den Menschen an den Reglern insoweit kompetent, denn er liefert verlässliche Informationen. Das spart Zeit und Nerven. In der Disziplin Auflösung und Trennschärfe kann der Däne durchaus mit weitaus teureren Monitoren gleichziehen und schlägt sich beispielsweise im direkten Vergleich mit dem ADAM S3X richtig gut. Bei der Raumdarstellung spielt der BM 5A MKII mit gelassener Souveränität auf. Die Abbildung des Stereopanoramas ist in jedem Fall auf Oberklasse-Niveau, mit einer starken Phantommitte und einer quasi millimetergenauen Präsentation einzelner Signalquellen im Gesamtpanorama. Wir hören sogar im Ansatz ein Lösen einzelner Klänge von den Monitoren, ohne dass der Dynaudio hierbei das Niveau von Spitzenlautsprechern erreichen würde. Was ihm in Hinblick auf seinen recht günstigen Preis, auch nicht vorzuwerfen ist. Die Tiefenstaffelung und Auslotung von realen und virtuellen (Aufnahme-)Räumen kann ebenfalls gefallen, wenngleich der Dynaudio seinen in dieser Disziplin Maßstäbe setzenden Mitbewerber, den Geithain RL 906, kaum in Verlegenheit bring. Der Geithain kostet allerdings das Dreifache.   In der Gesamtabstimmung gehört der BM 5A grundsätzlich zu den ausgewogenen Vertretern der Monitorzunft, hat aber eine leichte Tendenz zum Schönen. Überanalytisch geht der Däne somit nicht zu Werke – da ist mancher auf allerhöchste Neutralität optimierte Mitbewerber erheblich gnadenloser. Der BM 5A MKII setzt allerdings eher kleine Farbtupfer oder Farbnuancen, die am Besten als persönlicher Fingerabdruck beschrieben sind und keinesfalls eine ohrenfällige, praktisch verfärbende Vorliebe für bestimmte Frequenzbereiche ausmachen. Sehr angenehm ins Ohr gehen beispielsweise feinen, weichen Höhen – wohlgemerkt bei hoher Auflösung –, die auch bei stundenlangen Arbeitssitzungen stressfreies Hören garantieren. Der überarbeitete Tief-Mitteltöner beschert dem Hörer zudem einen für Dynaudio-Verhältnisse bemerkenswert tiefen und satten, dabei aber immer noch sehr konturierten Bass liefert. Abgesehen von der notwendigen Einspielzeit, die jeder Lautsprecher verlangt, benötigt der Dynaudio eine gewisse Kennenlernzeit, vor allem wenn die Ohren des Hörers auf eine anderer Abhöre gewöhnt sind. Diese Phase ist nach unseren Erfahrungen vergleichsweise kurz und danach lässt sich mit dem BM 5A MKII wirklich sehr gut arbeiten und effizient mit voll befriedigenden Ergebnissen.  Wir haben den Monitor beim Erstellen der Aufnahmen im Rahmen des Phonic Summit-Tests in dieser Ausgabe (siehe Seite 18) als kompetenten Mitarbeiter wirklich zu schätzen gelernt. Bleibt zum Schluss die Frage: Setzt der BM 5A MKII tatsächlich neue Maßstäbe im Nahfeld? Die Antwort kann nur salomonisch sein: Dynaudio hat einen sehr guten Oberklasse-Monitor geschaffen. Andere Eltern haben aber auch und immer noch schöne Söhne.                                             

Fazit

Der Dynaudio BM 5A MKII ist ein sehr guter Oberklasse-Monitor, der die Kompetenz des dänischen Herstellers im Lautsprecherbau bestätigt. Sein angenehmer, feiner Klang bei insgesamt neutraler Abstimmung und einem für Dynaudio-Verhältnisse erstaunlich tiefen, trotzdem sauberen Bass machen ihn angesichts seines günstigen Preises zu einem heißen Tipp für Anspruchsvolle mit schmalem Budget.

Erschienen in Ausgabe 09/2010

Preisklasse: Oberklasse
Preis: 526 €
Bewertung: sehr gut
Preis/Leistung: sehr gut

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