Mehr als schöner Schein

Mit seinem auffälligen Äußeren ist dieser Lautsprecher fraglos ein Blickfang. In diesem Test muss er allerdings beweisen, ob er auch als Arbeitsgerät überzeugt. 

Von Harald Wittig  

Sinn7 ist die Hausmarke des vor allem in DJ-Kreisen bekannten deutschen Händlers und Vetriebs-Unternehmens Elevator. Die Sinn7-Produktpalette umfasst Kompaktmixer, Kopfhörer und Monitore und wird als eigenständige Produktlinie vermarktet. Sämtliche Geräte sind allerdings keineswegs auf DJs oder elektronische Musiker als Zielgruppe ausgerichtet. Vielmehr wollen sie ganz allgemein als Arbeitsgeräte für die Musikproduktion verstanden sein. Das gilt auch für die neue Monitorreihe Die.Box, die mit drei Lautsprechern – zwei Nahfeldmonitore und ein Subwoofer – gut überschaubar ist. Alle Lautsprecher eint ihr markantes Äußeres – entweder Klavierlackfinish oder strahlend weißer Glanzlook – und die sehr günstigen Preise, einmal mehr ermöglicht durch die Fertigung in Fernost. Der teuerste Lautsprecher, Die.Box8 kostet gerade mal rund 400 Euro – für ein Paar wohlgemerkt. Der Testkandidat, Die.Box 5, ist mit seinem Paarpreis von knapp 260 Euro das günstigste Angebot und für alle Homerecordler und Projektstudiobetreiber attraktiv, die nicht viel ausgeben können, aber auf eine brauchbare Abhöranlage Wert legen.  Die.Box 5 ist ein aktiver Zwei-Wege-Bassreflex-Lautsprecher, konzipiert für den Einsatz im Nahfeld. Gerade mal so hoch wie ein Schnellhefter und auch in Breite und Tiefe wenig raumgreifend, kann es sich der kompakte Quader ohne Mühe auf kleinen Arbeitstischen gemütlich machen. Natürlich sollte der Untergrund stabil und vibrationsfrei sein, mit seinen fünf Kilogramm Lebendgewicht ist Die.Box 5 aber nicht allzu anspruchsvoll. Das MDF-Gehäuse ist schwarz lackiert und spiegelblank poliert. Dieses Oberflächenfinish wird gemeinhin, so auch im Fall des Sinn7-Lautsprechers, als Klavierlack bezeichnet. Klingt edel und ist ohne Aussagewert, denn auch ein Steinway-Flügel klingt nicht besser, weil er mit hochglänzendem Nitrolack versiegelt ist. Zumindest ist der Lack sehr sauber aufgetragen, Lacknasen sind nicht erkennbar, auch nicht in kritischen Bereichen wie den beiden Bassreflexöffnungen auf der Gehäusevorderseite. Die Gewebekalotte des Soft-Dome-Hochtöners ist in einer extra ausgeformten Mulde gelagert. Diese fungiert als Wave-Guide und soll das Abstrahlverhalten des Hochtöners verbessern. Der Bass-Mitteltöner hat eine vergleichsweise einfache, mit Kunststoff versiegelte Papiermembran von 14 Zentimetern Durchmesser. Die beiden Endstufen bringen es auf jeweils 25 Watt Dauer-Leistung, der ungerastete Lautstärkeregler auf der Gehäuserückseite hat eine praxisgerechte Skalierung, die bei der paarweisen Abstimmung gute Dienste leistet. Neben einem professionellen XLR-Anschluss und dem Netzschalter finden sich hier noch vier Schiebeschalter mit klangbeeinflussender Wirkung: Der sogenannte Acoustic Space-Schalter dient der Raumanpassung, um bei wandnaher Aufstellung des Lautsprechers Wiedergabeverfälschungen im Bassbereich, die durch Reflexionen an den Wänden entstehen, auszugleichen. Es handelt sich bei Acoustic Space um ein Shelvingfilter, das die Frequenzen unterhalb 80 Hertz um wahlweise –2 oder –4 Dezibel absenkt. Ähnlich arbeitet auch der mit „High Freq“ bezeichnete Schalter: Er dient dazu, die hohen Frequenzen ab fünf Kilohertz um ±2 Dezibel anzuheben beziehungsweise abzusenken und soll bevorzugt dann zum Einsatz kommen, wenn Die.Box 5 in größeren Räumen, sprich nicht im echten Nahfeld, aufgestellt ist. Es empfiehlt sich nach unserer Erfahrung aber unbedingt, den Lautsprecher in im echten Nahfeld, also in einer maximalen Entfernung von anderthalb Metern zum Hörplatz auszustellen – nur hier kann Die.Box 5 ihr Potenzial ausspielen.

 

äher hierzu weiter unten. Natürlich lässt sich über „High Freq“ die Höhenwiedergabe an den eigenen Geschmack und die eigenen Ohren anpassen. Der Schalter „Mid-Boost“ soll den Mittenbereich beeinflussen. Was dieser Schalter tatsächlich bewirkt, verrät das aussagearme Faltblatt nicht. Ausweislich unserer Messungen bewirkt „Mid-Boost“ eine Anhebung beziehungsweise Absenkung des Mittenbereichs zwischen 500 Hertz und zwei Kilohertz um jeweils zwei Dezibel. Der vierte Schalter schließlich ist ein Hochpass-Filter: Er dient dazu, wahlweise die Frequenzen unterhalb 55, 80 oder 100 Hertz auszublenden. Sinnvoll ist dieser Schalter, wenn beispielsweise Die.Box 5 mit dem Subwoofer Der.Sub 10 kombiniert wird. Merkwürdig ist allerdings, dass das Hochpass-Filter nicht deaktiviert werden kann, sondern permanent arbeitet. Tatsächlich handelt es sich um eine durchaus durchdachte Schutzmaßnahme seitens der Konstrukteure, denn der kleine Tief-Mitteltöner des Lautsprechers kann ohnehin keinen echten Tiefbass produzieren. Daher entspricht die Einstellung des Schalters auf den geringst möglichen Wert, also auf 56 Hertz, der Flat-Einstellung.  Der Frequenzgang von Die.Box 5, gemessen unter Studiobedingungen im nichtschalltoten Raum, ist erstaunlich linear: Die kleine Senke bei 300 Hertz und der dezenten Höhenabfall ab acht Kilohertz, kann beides Mal vernachlässigt werden.  Die.Box 5 muss beim Mischen zweier Instrumentals bewähren: Das erste Stück, seinerzeit beim Test des Phonic Helix-Boards 24 Firewire MKII (Test in Ausgabe 7/2007) entstanden, ist ein Arrangement mit insgesamt drei Akustikgitarren (Harmonie und Solo) und E-Bass. Das zweite Stück ist brandneu und im Rahmen des Guitar Rig 3-Testes für diese Ausgabe entstanden: Hier besorgen Nylon- und Steelstring-Akustik den Klangteppich, während die für die Melodie-Linie zuständige Fender Strat klanglich in die Knopfler-Richtung gehen soll. Es ist also ein kristallklarer, höhenreicher Cleansound angesagt, der mittels Delay oder Hall noch ein wenig Ambience bekommen soll. Bei beiden Stücken gefällt Die.Box 5 aufs erste Hinhören mit einer wirklich guten Raumdarstellung, die geprägt ist von einer deutlichen, exakten Phantommitte

Auch in der Tiefenstaffelung erweist sich der kostengünstige Lautsprecher als mehr als brauchbar, flache Wiedergabe ist hier kein Thema. So sind die beiden Begleitgitarren des ersten Stückes greifbar im Panorama verteilt, die Sologitarre kommt – wie beabsichtigt gut nach vorne und erklingt genau in der Mitte. Sicher, es geht noch präziser, eine millimetergenaue Ortung der Einzelinstrumente ist nur mit erhöhter Konzentration möglich, dennoch überzeugt Die.Box 5 insoweit auch nach Stunden. Wichtig ist allerdings, dass die Lautsprecher im echten Nahfeld eingesetzt werden, sobald der Abstand zum Hörplatz 1,5 Meter überschreitet, verliert die Raumdarstellung des Monitors, da das Klangbild vor allem in der Tiefe hörbar zusammenfällt. Die Höhenwiedergabe des Lautsprechers ist eher weich, dabei aber sauber. Ein wenig fehlt die Detailzeichnung, dennoch kommt der Hochtöner mit Transienten, wie sie im Leadpart des zweiten Stücks reichlich vorhanden sind, gut klar. So erfordert es wenig Zeit und Mühe, die optimale Einstellung der NI-Twin-Reverb-Emulation zu finden: Am Besten klingt es unterm Strich mit aktiviertem Bright-Schalter, voll aufgedrehtem Presence-Regler und Volume knapp unterhalb „4“. Der Guitar Rig-eigene Studio Reverb mit dem dezenten Preset „Subtle Jazz Verb“, sorgt für einen angenehmen Schuss Tiefe, ohne den Klang zu verwässern. Unbedingt zu beachten ist allerdings, dass Die.Box 5 nur mit moderaten Abhörlautstärken klarkommt. Sobald die Endstufen an ihre Leistungsgrenzen kommen – diese sind schon bei etwa Dreiviertel des Regelwegs der Lautstärkeregler erreicht – klingt es komprimiert und der Hochtöner neigt zu Verzerrungen. Allerdings spielt der Lautsprecher bei der Basswiedergabe nicht auf vergleichbarem Niveau: Der bewusst sehr breite, weich gespielte E-Bass des ersten Stücks klingt leicht breiig, mit wenig Kontur. Dass es nicht an der Aufnahme selbst liegt, beweist das Gegenhören mit dem sehr guten Mittelklasse-Monitor Emes Quartz. Auch wesentlich fokussiertere Bässe, wie heftig komprimierte, knallharte Funk-Slaps klingen diffus und viel zu weich. Ähnlich ist es mit knallharten Elektrobässen. Eine leichte Besserung bringt hier der Acoustic Space-Schalter, wenn dieser auf -2 dB steht. Hier sollte der Hersteller nachbessern, denn gemessen an seinem sehr günstigen Preis hat Die.Box 5 wirklich gute Anlagen, die sie als Arbeitsgerät qualifizieren. 

Fazit

Die.Box 5 ist ein sehr kostengünstiger Monitor fürs echte Nahfeld, der mit seiner guten Raumdarstellung und sehr ordentlichen Höhenwiedergabe – bei niedrigen Abhörlautstärken – punktet. Trotz ihrer Schwächen bei der Basswiedergabe, ist Die-Box 5 für Einsteiger mit schmalem Geldbeutel oder als Zweit-Abhörlautsprecher für Fortgeschrittene durchaus empfehlenswert. 

Erschienen in Ausgabe 12/2007

Preisklasse: Economyklasse
Preis: 259 € (Paar)
Bewertung: gut
Preis/Leistung: gut – sehr gut

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