Röhriges Trio

Viele Producer, deren Herzen bei Röhren-Equipment höher schlagen, wünschen sich das ein oder andere Schätzchen für ihr Studio. Native Instruments erfüllen diesen Wunsch nun in Plugin-Form und haben kurzerhand ihren neusten Geniestreich veröffentlicht: In Zusammenarbeit mit den Emulationsspezialisten von Softube präsentieren die Berliner mit den „Premium Tube Series“ drei brandneue Signalprozessoren, die klassischen Röhrensound emulieren.

Von Johannes Dicke 

Wohlige analoge Wärme, schöner dicker Punch und jede Menge Obertöne, danach sehen sich mit Sicherheit viele Tonschaffende für ihre Produktionen. Rechtzeitig zur Weihnachtszeit kommen da die brandneuen Röhren-Emulationen von Native Instruments und Softube gerade recht. Bereits bei der Entwicklung der hervorragenden Vintage Compressors haben die Berliner schon mit den schwedischen Modeling-Experten zusammengearbeitet und setzen die erfolgreiche Zusammenarbeit nun in einem weiteren Gemeinschaftsprojekt fort. Herausgekommen sind der Vari Comp, der Enhanced EQ und der Passive EQ, die sich alle am Sound bekannter Röhrenschätzchen orientieren: Vari Comp ist das Abbild eines klassischen Röhrenkompressor, inspiriert vom großartigen Studioklassiker Manley Vari Mu Kompressor. Der zweite im Bunde, der Enhanced EQ, ist die dreibandige Nachbildung eines Tube-Equalizers, vergleichbar mit dem Pultec EQP-1A. Als drittes Plugin macht schließlich der Passive EQ die Serie komplett, der wiederum seinem Vorblid Manley Massive Passive nahe steht. All das lässt Röhrenverliebten Producern sofort wärmer ums Herz werden – nicht nur weil bald Weihnachten ist, sondern noch aus einem weiteren Grund: Bislang war nämlich der ein oder andere analoge Hochkaräter auf den Emulations-Wunschlisten vieler Studio-Enthusiasten noch nicht als natives Plugin erhältlich. Das hat sich nun wieder geändert und daneben schließen Native Instruments und Softube noch eine weitere Lücke mit ihren neuen Signalprozessoren, nämlich eine plattformtechnische.

 Wo die Vintage Compressors der Natives noch ausschließlich mit Guitar Rig (Player) als Host funktionierten, laufen die Plugins der Premium Tube Serie nun auch völlig eigenständig im VST-, AU-, RTAS- oder AAX-Format in jeder DAW. Das macht Apetit auf mehr, weswegen wir gleich die Gunst der Stunde nutzen und unsere Sightseeing-Tour durch die Features der einzelnen Premium Tube Prozessoren beginnen. Los geht´s mit dem Vari Comp, der mit dem modernen Oberflächendesign der Premium Tube Serie einfach nur gut aussieht. Der peppige, violette Vari Comp Schriftzug, sowie die virtuellen Potis und Schalter verbreiten cooles Electro-Flair, abgerundet durch das klassische VU-Meter auf der rechten Seite. Das alles macht bereits Apetit auf mehr und vor allem auf den Klang des Native-Softube Hybriden – doch alles der Reihe nach. Zunächst besehen wir uns die Oberfläche und die sich dort befindlichen Regler, denn der passende Sound will erst einmal richtig eingestellt sein. Auf der linken Seite befindet sich der Input-Gain Regler, mit dem sich der Pegel des Eingangssignals einstellen lässt und der bereits die erste Klangformungs-Instanz der virtuellen Schaltkreise darstellt. Je weiter dieser nämlich in die Sättigung gefahren wird, desto mehr Obertöne entstehen und so können dem Signal bereits gleich am Anfang der Signalkette mehr Charakter sowie Durchsetzungsfähgkeit verliehen werden, bevor es den Rest des Vari Comp durchläuft. Direkt darunter befindet sich der „SC Gain“-Poti, mit dem sich die Beschickung der internen Sidechain-Funktion regeln lässt, die zudem mit dem darunterliegendem Button ein- und ausgeschaltet werden kann. In der Sektion rechts daneben befindet sich als Pendant zum Input- der Output-Gain Regler, sowie ein „Dry“-Regler, mit dem sich mühelos Parallelkompression realisieren lässt. Damit kann ohne lästige Bastelaktionen in der DAW einfach zwischen komprimiertem und unkomprimiertem Orginalsignal übergeblendet werden – ein sehr sinnvolles Feature. Als nächstes liegt unterhalb des „Output“-Reglers das Treshold-Poti, mit dem sich einstellen lässt ab welchem Signalpegel der Kompressor einzugreifen beginnt. Damit das gegebenenfalls erst ab einer bestimmten Frequenz erfolgen soll, befindet sich rechts eben dem Treshold-Regler der Button „Detector HP“. Mit ihm lässt sich ein dem Vari Comp vorgeschalteter Hochpassfilter aktivieren, was ein weiteres äußerst hilfreiches Feature ist: Wenn das Klangmaterial so basslastig ist, dass der Kompressor durch die hohen Pegel in den tiefen Frequenzbereichen zu pumpen beginnt, lässt dich mit der cleveren „HP“-Funktion dieser meist unerwünschte Effekt nun einfach in den Griff kriegen. A propos pumpen: Links neben dem großen VU-Meter, welches den Gain-Reduction Pegel anzeigt, schlägt das Herz des Vari Comp, denn dort sind die beiden Potis für „Attack“ und „Recovery“ (Release) zu finden. Der Attack-Regler kann stufenlos von 20 bis 70 Millisekunden bewegt werden, wogegen das „Recovery“-Poti in einzelnen Schritten gerastet ist und sich entweder auf 200, 400, 600, 4000 oder 8000 Millisekunden einstellen lässt. Nun fehlt nur noch ein Regler für die Ratio, doch der wird schlichtweg nicht benötigt, da diese automatisch über mehrere Faktoren geregelt wird, nämlich über den Kompressions-Modus und den Pegel des Input-Gain: Mit dem unter dem VU-Meter befindlichen „Comp / Limit“-Schalter kann der Vari Comp entweder im Kompressor-Modus oder als Limiter betrieben werden. Im Kompressor-Modus arbeitet er zunächst mit einer Ratio von 1.5:1 und Soft-Knee Charakteristik, diese kann jedoch durch Erhöhen des Input-Pegels bis auf 8:1 gesteigert werden. Wird der Schalter hingegen auf „Limit“ umgelegt, läuft der Vari Comp laut Herstellerangabe mit einer Ratio von ungefähr 12:1 und einer Hard-Knee Charakteristik. Nach dem wir uns die einzelnen Parametereinstellungen angeschaut haben, kommen wir zu guter Letzt noch ganz nach oben im GUI des Vari Comp, denn dort befindet sich, wie auch bei den anderen beiden Plugins der Premium Tube Serie die Menüleiste. Dort liegt in der Mitte ein Fenster zur Auswahl vorgefertigter Werks-Einstellungen, von denen insgesamt 26 Presets an der Zahl zur Verfügung stehen. Für alle, die sich noch nicht sicher sind mit der Einstellung von Kompressoren oder effiziente Einstellungen für typische Kompressor-Einsatzgebiete suchen, findet sich dort auf die Schnelle garantiert die passende Konfiguration. Haben Sie jedoch selbst bereits die richtige Einstellung gefunden und möchten diese als Preset abspeichern, lässt sich das unter dem kleinen Drop-Down Button auf der linken Seite bewerkstelligen.

Zu guter Letzt befindet sich als Schmankerl rechts neben der Preset-Auswahl noch ein kleiner Schalter, mit dem ein A-B Vergleich zwischen unterschiedlichen Konfigurationen durchgeführt werden kann. Mit ihm kann beliebig hin- und hergeschaltet werden, womit auf diese Weise mit Leichtigkeit die perfekte Einstellung gefunden werden kann. Nachdem wir schließlich alle Einstellmöglichkeiten beleuchtet haben, geht es ans Eingemachte und vor allem an die Frage: Wie verhält sich der Vari Comp in der Praxis und wie klingt das Endergebnis? Der Vari Comp liefert alles, was von einem sehr guten analogen Röhren-Kompressor erwartet und dementsprechend gut gemacht haben auch die deutschen und schwedischen Entwickler ihre Sache: Egal, was man mit ihm macht – der Vari Comp klingt einfach immer gut und erfüllt seine Aufgaben mit Bravour, jedenfalls soweit seine Einstellungen passen. So liefert er stets optimale Signalverdichtung bei maximaler Transparenz, garniert mit einer entsprechenden Portion Obertöne. Als erstes habe ich ihn in einem meiner neusten Dance-Tracks ausprobiert, wo er dann auch gleich ordentlich zeigen konnte, was er kann – und das ist eine Menge, wie sich herausstellte. Zunächst kam er auf den Gesangsspuren zum Einsatz und holte mit entsprechendem „Lead Vocal“-Preset das Signal sehr schön elegant nach vorne, entfernt vergleichbar wie beim LA-2A oder LA-3A. Die Stimm-Transienten wurden genau richtig abgefangen und da ich den Input-Gain voll aufgedreht hatte, gab´s noch ein paar Obertöne obendrauf, die der Stimme ebenfalls gut taten. Als nächstes brauchten einige Drumsounds, die ich zum Füllen zwischen die Bassdrum programmiert hatte den letzten Tick nötige Durchsetzungsfähigkeit. Auch hier testete ich die – übrigens sehr gut gelungenen – Presets des Vari Comp und wurde diesmal an unerwarteter Stelle fündig: Das Werksprogramm „Synth Enhancer“ brachte den Samples genau den Punch in den unteren Mitten und die gewünschte Portion Durchsetzungsfähigkeit, die sie benötigten, um gegenüber der Bassdrum sowie dem Rest des Mixes Bestand zu haben und ihre beabsichtigt leichten, aber dennoch hörbaren Akzente zu setzen. So weit so gut, doch wo mich der Vari Comp dann nicht nur endgültig überzeugt, sondern außerdem noch sehr begeistert hat, ist auf der Summe. Hier zeigt er, wer der Herr im Haus ist und verdichtet die Mischung sehr schön mit dem von vielen Producern so heiß ersehnten „Glue“-Effekt, der auch im Mastering essentiell ist: Die richtige Summenkompression klebt die einzelnen Elemente sozusagen näher zusammen und gibt dem Mix mit Presets wie „808 Heaven“ oder „Parallel Squasher“ erst den richtigen Druck. Wird der Vari Comp zusätzlich noch auf den Bussen eingesetzt, kann das Endergebnis beispielsweise mit Presets wie „StereoBus Parallel Limiting“ noch mal fetter gemacht werden, was unter anderem Rock-Mischungen bekanntermaßen weiter nach vorne bringt. Nachdem der Vari Comp uns mit seiner transparenten Klangverdichtung und insbesondere seinem großartigen „Glue“-Effekt in seinen Bann gezogen hat, kommen wir zum zweiten Sprössling der Premium Tube Familie, dem klassischen Pultec-Designs nachempfundene Enhanced EQ. Neben seinem Röhrenklang, der später noch unter die Lupe genommen wird, ist der einfache, logische Aufbau seiner Bedienelemente vorbildlich: Er verfügt über drei Filtereinheiten, nämlich ein Low Frequency (Low-Shelf) Filter, ein High Frequency Filter und ein High Cut (High-Shelf) Filter. Links im GUI befindet sich das Low Frequency Filter, das sich per gerastetem Poti in insgesamt fünf Schritten auf 20 bis 120 Hertz einstellen lässt. Mit den beiden darunterliegenden Reglern für Boost und Cut kann dann die Verstärkung oder aber die Absenkung des Signalpegels im jeweils eingestellten Frequenzbereich erfolgen. Je stärker dabei die Anhebung ist, werden auch umso mehr Obertöne dem Signal hinzuaddiert. Werden beide Regler aufgedreht und somit gleichzeitig „geboostet“ und bedämpft, entsteht auf diesem Wege ein interessanter Effekt, wodurch das Signal unterhalb der eingestellten Grenzfrequenz eine Anhebung erfährt.

Mit ähnlichen Bedienelementen präsentiert sich die nachfolgende High Frequency Sektion in der Mitte. Sie besitzt ebenfalls einen „boost“-Regler sowie einen gerasteten Frequenzwahlschalter, der an dieser Stelle von einem bis hinauf zu sechzehn Kilohertz reicht. Anstelle eines „Cut“-Regler findet sich jedoch ein mit Kurven-Symbol markierter Regler, mit dem die Güte, beziehungsweise die Bandbreite des Filters eingestellt werden kann. Als drittes Filter im Bunde hat der Enhanced EQ dann noch ein High Cut Filter an Bord, dessen Rastung von vier bis zwanzig Kilohertz reicht. Im Gegensatz zu den anderen beiden Filtersektionen hat er jedoch lediglich einen „Cut“-Regler. Ganz rechts befindet sich schließlich noch ein Regler für den Output Gain des EQs um Pegelschwankungen durch starkes boosten oder cutten auszugleichen. Im Praxistest habe ich den Enhanced EQ genau wie den Vari Comp zuallererst auf den Vocals meines Tracks ausprobiert, wo er sich gleich als klasse Ergänzung zum Kompressor erwies: Sind die Vocals in einer Produktion einmal mit Kompression angefettet, kann eine Nachbearbeitung mit dem Röhren-EQ die Stimme nochmal erstaunlich weiter „nach vorne“ bringen. Ein Griff zum High Shelf-Filter, beziehungsweise zum Preset „Vocal“ wirkt an dieser Stelle wahre Wunder, denn der Stimmklang erhält eine sehr schöne zusätzliche Luftigkeit, die ihn noch klarer und „glatter poliert“ erscheinen lässt. Zudem kommt auch hier wieder einiges an Röhren-Obertönen zusamen, denn das auf zehn Kilohertz eingestellte „High Frequency“-Band ist bereits um knapp sieben der möglichen zehn Dezibel Gesamtverstärkung angehoben. An dieser Stelle zeigt sich auch der besondere Charakter des Enhanced EQ, der getreu seines Namens bestens dazu in der Lage ist, den Signalklang zu verbessern. Gerade seine Eigenschaft reichhaltige Obertöne zu generieren macht ihn wahrhaft wertvoll, was unter anderem ebenfalls bei den Vocals deutlich wurde, denn während perkussiven und druckvollen Plosiv-Passagen gab er der Stimme einiges davon mit, sowie eine mächtige Portion Punch. Ebenso Effektvoll zeigte sich der Enhanced EQ schließlich auch im Bassbereich als Klangverbesserer und machte so zum Beispiel aus einfachen 808-Bassdrums wahre Bassmonster mit jeder Menge Charakter. Als besonderes Schmankerl habe ich unseren Röhren-Enhancer dann auch in den ersten Mix-Sessions meines Klavierprojektes (siehe Klavierartikel auf Seite xx) verwendet, wo er mich aufs neue begeistern konnte. Er verleiht den Aufnahmen des Steinway B211 Flügel eine sehr schön röhrige Luftigkeit und ein Plus an Präsenz, so dass der Klavierklang vor allem in Kombination mit dem Vari Comp dem Zuhörer noch näher ist. Zudem konnte ich über behutsamen Einsatz des „Low Frequency“-Bands bei 60 Hertz den Bassbereich noch etwas verschönern, indem ich zusätzlich zum „Boost“- auch den „Cut“-Regler aufdrehte, allerdings nur fast bis auf den „Boost“-Wert. So nutzte ich die dadurch entstehende gegenseitige Beeinflussung der beiden, was zu einer weicheren Anhebung führte als den „Boost“-Regler allein zu verwenden. (In der kommenden Ausgabe wird Ihnen Harald Wittig im zweiten Teil seines Artikels über mein Klavierprojekt erzählen, wie es in der Mixpraxis weitergeht mit dem Enhanced EQ und seinen beiden Geschwistern.) Nachdem wir mit Vari Comp und Enhanced EQ wahrhaft dynamische und charakterstarke Röhren-Boliden kennenlernen durften, widmen wir uns zu guter Letzt dem Passive EQ, der das deutsch-schwedische Trio komplettiert. Als dritter im Bunde geht es nun um den Passive EQ, dessen Bedienoberfläche in Form und Farbe unverkennbare Ähnlichkeit mit einem höchst dekorierten und beliebten Zeitgenossen im EQ-Geschäft aufweist – dem Manley Massive Passive. Wie das Orginal hat der native Wahl-Schwede für jeden der beiden Kanäle je vier variable Filter an Bord, jeweils für die Frequenz-Bereiche „Low“ (Bass), „Low Mid“ (untere Mitten), „High Mid“ (obere Mitten) sowie „High“ (Höhen). Jedes einzelne Filter kann zwischen Bell- und Shelving-Charakteristik umgeschaltet werden, zudem lässt sich jeweils die Flankensteilheit einstellen. Das entsprechende Poti findet sich in der Mitte jeder Filtersektion und immer links daneben ein kleiner Button zur Umschaltung von Bell- auf Shelving-Filter. Für den Bassbereich und die unteren Mitten handelt es sich übrigens selbstverständlich um ein Low-Shelf, für die oberen Mitten und die Höhen hingegen um ein High-Shelf Filter. Mit einem jeweils darunter liegenden, gerasteten Poti, kann dann die jeweilige Filterfrequenz eingestellt werden. Schließlich kann mit dem obersten der insgesamt drei Potis pro Filter der Verstärkungspegel des Bandes angehoben oder abgesenkt werden.

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Umschalten zwischen Anhebungs- und Absenkung-Modus lässt sich, wie bereits bei der Wahl der Filtercharakteristik mit einem kleinen Blauen Button, der ebenfalls links neben dem Poti liegt. Zudem kann jedes Band separat ein- und ausgeschaltet werden, wozu ein weiterer blauer Button ganz unten dient, sowie auch der rechteckige Button mit der Bereichsbezeichnung ganz oben. In der Mitte des GUI befinden sich dannnoch zusätzlich für jeden Kanal je ein Hoch- und ein Tiefpassfilter, sowie ein darüber liegender Output-Gain Regler für jeden Kanal. Ganz oben in der Mitte befindet sich als äußerst sinnvolles Special ein Schalter, mit dem der Passive EQ von Mid- auf Side-Modus umgestellt werden kann. Mit dieser Funktion lassen sich Mitten- und Seitensignal getrennt voneinander bearbeiten, wodurch sich beispielsweise Rauminformationen eines Stereosignals, die sich in der Hauptsache im Seitensignal befinden, separat vom Hauptsignalanteil in der Stereomitte bearbeiten lassen. Last but not least gibt es noch ein zweites, sinnvolles Stereo-Feature, denn ab Werk sind beide Kanäle zunächst verlinkt, was bedeutet, dass wenn am Regler des linken Kanals gedreht wird, sich der gleiche Regler am rechten Kanal mitbewegt. Mit dem violetten „link“-Button unterhalb des Hochpass-Reglers kann diese Funktion ausgeschaltet und jeder der beiden Kanäle separat bearbeitet werden. Nicht zuletzt aufgrund seiner Flexibilität und des natürlichen, offenen Klangs, eignet sich der Passive EQ neben Einzelaufgaben im Mix hervorragend für´s Mastering und auf Stereosummen. Seine vielseitigen Filtersektionen erlauben präzise Eingriffe ins Geschehen und die beiden Features zur Stereobearbeitung gestatten detailierte Korrekturen der Mitten/Seiten-Balance sowie jedes einzelnen Kanals. In der Studio-Praxis gibt er sich dann auch ganz als passiver Schöngeist und hat mich sofort durch seinen großartigen Sound begeistert. Selbst bei geringen Eingriffen lässt er das gesamte Signal unmerklich schöner klingen und es lässt sich nicht genau identifizieren, was genau passiert. Es ist ein gewisses, schönes Etwas, das den Signalen hinzufügt wird und das wohl auf die Emulation der passiven Röhrenschaltung zurückgeführt werden kann. Im Praxistest erwies er sich auf Summensignalen diverser Couleur als regelrechter „Klangkönig“, denn er verlieh den Test-Produktionen obgleich im Mix oder im Mastering jedes Mal angenehmes Flair. Zudem ließen sich mit ihm hervorragend Korrekturen jeglicher Art im Frequenzbild vornehmen. Die gut gelungenen Presets machten dabei eine super Figur und erwiesen sich als äußerst hilfreiche Ausgangsbasis für verschiedene Instrumente und Musik-Richtungen. Presets, wie „Vocal“ verliehen Stimmen eine wie bereits im Zusammenhang mit dem Enhanced EQ beschriebene Luftigkeit, wobei der Passive EQ noch mal um einiges natürlicher sowie dezenter arbeitete und entsprechend weniger Röhren-Charakter mitbrachte. „Pop Mastering“ verlieh beispielsweise der Mix-Summe eines meiner Dance-Tracks schönen zusätzlichen Höhenglanz und konnte zudem den vorher eingesetzten High-Shelf meiner Neve 1073 Emulation noch ergänzen. Letztlich zeigen nicht nur die Presets: Wenn es um Summenbearbeitung und um Mastering geht, ist der Passive EQ die allererste Wahl im Trio.

Fazit

Die neue Premium Tube Serie hält was der Name verspricht und liefert bestens emulierten Röhrensound. Der Vari Comp ist ein wirklich großartiger Kompressor mit fettem Sound und der Lizenz zum Zusammenkleben der Mixelemente. Mit ihm lassen sich Mix-Elemente wie Summe sehr schön „nach vorne“ holen und bei entsprechender Einstellung mit den schönsten Punch versehen, so dass am Ende alles nur noch Oberfett klingt. Der Enhanced EQ überzeugt als charakterstarker Verschönerer und Obertonlieferant, mit dessen fettem Low End und punchigen Mitten sich einiges an Durchsetzungsetzungskraft erzielen lässt. Am Ende gibt´s noch als Sahnehäubchen gibt´s den Passive EQ obendrauf – ein Allzweckwerkzeug, dessen Stärken nicht nur bei Einzelinstrumenten, sondern vor allem im Mastering-Bereich liegen und der jede Menge Potential hat, einer Mischung den letzten Kick zu geben. Mit seinem edlen Klang und einem angenehmen „gewissen Etwas“, das wohl auf die emulierte, passive Röhrenschaltung zurückzuführen ist, vervollständigt er das Paket zu einer absolut lohnenswerten nativen Plugin-Suite, die ihres gleichen sucht.

Erschienen in Ausgabe 12/2012

Preisklasse: Spitzenklasse
Preis: 199 €
Bewertung: sehr gut
Preis/Leistung: sehr gut

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