Profi für den Live-Einsatz

Ex forma, ex functione: etwas der Form nach erklären und der Funktion nach bedienen können, ist ein professioneller Anspruch. Dieser kommt uns gerade recht, um der Effektivität des Yamaha Powermixer EMX5016CF auf den Grund zu gehen. 

Von Michael Nötges 

Um etwas aus dem Effeff zu beherrschen, muss es erst theoretisch verstanden und dann praktisch erprobt werden: Alltag in der Redaktion von Professional-Audio Magazin. Auf der Tagesordnung steht der Powermixer EMX5016CF von Yamaha, der als 16-kanaliges Mischpult mit zwei integrierten 500-Watt-Endstufen detailliert unter die Lupe genommen wird. Die Mischpulte der EMX-Serie von Yamaha bieten kompakte Lösungsvorschläge für den Live-Einsatz in kleineren bis mittelgroßen Clubs und versprechen leichte und intuitive Bedienbarkeit, effektive Features wie Equalizer und Kompressoren und einen guten Klang der Mikrofonvorverstärker, sowie der integrierten Effekte. Besondere Highlights sind das Frequenz Response Correction System (FRC) und der integrierte Feedback Suppressor.

Dass alles 1887 mit der Reparatur eines defekten Harmoniums in der Stadt Hamamatsu in Japan begann, und dass Torakusu Yamaha damit den Grundstein für die heutige Yamaha Corporation legte, wissen die wenigsten. Dass der größte Instrumentenhersteller aber weltweit im Pro-Audio-Bereich einen sehr guten Ruf genießt, ist schon eher bekannt und erst recht, dass die Japaner meist kostengünstige und trotzdem leistungsstarke Produkte anbieten, die immer einen Blick wert sind. Der EMX5016CF kostet rund 1300 Euro und überrascht schon auf den ersten Blick mit Elementen, die jeden Live-Tontechniker freuen werden. Folgen Sie mir in das Land der aufgehenden Sonne. 

Mit einer kurzen Verbeugung begrüßen wir den äußerlich zurückhaltenden Fremden aus dem fernen Osten und heben dabei den 11 Kilogramm schweren Mixer aus dem Karton. An der Verarbeitung ist nichts auszusetzen und die Bedienelemente wirken solide und jeder Zeit einsatzbereit. Die zahlreichen Drehregler, Tastschalter und Fader sind ihrer Priorität nach äußerst einfach (Fader, Kanal-On-Tast-Schalter) bis etwas knifflig (Pre-Effekt-Tast-Schalter) zu bedienen, erfüllen aber immer überzeugend ihre Funktion. Das Gesamt-Konzept ist für den Live-Einsatz gut durchdacht, so dass konsequent Platz gespart wird, ohne die Funktionalität zu beeinträchtigen. Der Preis für die Kompaktheit sind die kurzen Faderwege von 60mm und die eng bei einander liegenden Drehregler der Kanalzüge

Die Anschlüsse befinden sich, bis auf die Speakon Lautsprecheranschlüsse mit den beiden parallel geschalteten 6,35-mm-Klinken-Alternativen, auf der Oberseite des Mischpults. Damit ist der direkte Zugriff auf die Steckverbindungen gewährleistet. Für ein Live-Pult, das ständig neu verkabelt wird und auch auf engsten Raum Platz finden muss, schon fast eine dringende Notwendigkeit. Aufgrund ihrer Konzeption sind die Kanalzüge in zwei Bereiche unterteilt: eins bis acht und neun bis 16. Die erste Hälfte ist mit symmetrischen XLR-Buchsen ausgestattet und mit einer, im Messlabor von Professional-Audio Magazin ermittelten Eingangsempfindlichkeit von -61 dBu für Mikrofonpegel ausgelegt. Um Kondensatormikrofone anschließen zu können, ist die Phantomspannung in der Mastersektion aktivierbar – für alle Kanäle gleichzeitig. Dies kann dann zu Problemen führen kann, gleichzeitig auch dynamische Mikrofone Verwendung finden sollen, die keine Phantomspeisung vertragen. Tipp: verwenden Sie in einem solchen Fall nur dynamische Mikrofone, die normgerecht symmetrisch verdrahtet sind. Parallel zu den Mikrofoneingängen liegen die symmetrischen Line-Eingänge. Beide Eingänge können nicht gleichzeitig genutzt werden.

Die 6,35-mm-Klinken-Buchsen haben prinzipiell die gleiche Eingangsempfindlichkeit. Diese kann aber bei hohen Eingangs-Pegeln zur Übersteuerung führen – was bei einem maximalen Eingangspegel (Übersteuerungsfestigkeit) von +0,5 dBu fast immer der Fall sein wird. Ein Druck auf die PAD-Taster löst das Problem, denn der Eingangspegel wird individuell für jeden der acht Kanäle um 26 Dezibel angesenkt, die Übersteuerungsfestigkeit steigt auf über +26 dBu.

Um zusätzliches Outboard-Equipment, wie etwa graphische Equalizer oder Kompressoren einzuschleifen, stehen für die ersten acht Kanäle zusätzlich unsymmetrische Insert-Wege zur Verfügung. Die zweite Hälfte der Kanalzüge ist etwas anders konzipiert und bietet alternativen Anschlussmöglichkeiten. Es handelt sich um reinrassige Stereo-Eingänge, die aber auch als zusätzliche Mikrofoneingänge genutzt werden können. Neben den vier XLR-Buchsen sind folglich jeweils zwei 6,35-mm-Klinken-Buchsen als Stereo-Eingänge verbaut. Da es für diese Kanäle keinen PAD-Tast-Schalter gibt, liegt die Eingangsempfindlichkeit hier generell bei -34 dBu, der maximale Eingangspegel bei praxisgerechten +26 dBu. Als Alternativ-Anschlüsse sind für jeden Stereo-Kanal auch noch Cinch-Buchsen eingebaut. Damit lassen sich auch Consumer-Geräte, wie CD-Player oder auch Soundkarten anschließen. Sehr praktisch, da im Ernstfall auf das lästige Suchen von passenden Adaptern verzichtet werden kann. Die Line- und Mikrofon-Buchsen der Kanalpaare können sogar gemischt benutzt werden. Der einzige Nachteil ist, dass sie dann nicht separat regelbar sind. Das geht nur, falls das angeschlossene Keyboard einen regelbaren Ausgang hat. Diese Vielfalt der Anschlussmöglichkeiten kann bei knapp kalkulierten Setups aus der Bredullje helfen. 

Bis auf die Rec-Out-Buchsen im Cinch-Format sind ansonsten alle anderen Anschlüssen in der Master-Sektion als 6,35-mm-Klinken-Buchsen installiert. Über die beiden Aux- und Effekt-Wege können entweder weitere externe Effekte eingeschleift oder der Aux- als Monitorweg genutzt werden. Die beiden ST-Out-Buchsen führen das Mastersignal und können beispielsweise als Schnittstelle zu aktiven Monitoren genutzt werden. Die ebenfalls unsymmetrischen Sub-ST-Ausgänge halten das gleiche Signal bereit, sind aber zusätzlich, genau wie der Kopfhörerausgang individuell regelbar. Über die beiden Footswitch-Buchsen können die internen Effekte – alternativ zu den Effekt-On-Tast-Schaltern auf dem Pult – über Fußschalter an- und ausgeschaltet werden. Für Gesangseffekte, die an bestimmten Stellen eines Liedes hinzugefügt werden sollen äußerst praktisch, da der/die Sänger/in den Zeitpunkt von der Bühne aus per Fußdruck selbst bestimmen kann. Ist beispielsweise ein Delay über den ersten und ein Filter mit der Charakteristik eines Telefonhörerklangs über den zweiten Effekt-Weg eingeschleift, lassen sich Überraschungen während eines Auftritts interessante klangliche erzeugen. 

Oft sind es die hilfreichen Kleinigkeiten, die in der Praxis so entscheidend sind. Schnelles und gezieltes Eingreifen ist im Live-Betrieb wichtig und da gilt es den Überblick zu bewahren und im richtigen Moment den richtigen Regler zu bedienen Deshalb sei an dieser Stelle die an der hinteren rechten Ecke der Frontplatte eingebaute dreipoligen XLR-Buchse erwähnt. Hier lässt sich eine 12-Volt-Schwanenhalsleuchte anschließen. Doch Vorsicht ist geboten, dass die dreipolige XLR-Buchse im Eifer des Gefechts nicht mit einem Mikrofoneingang verwechselt wird.

Die einzelnen Kanalzüge verfügen über alle Standardfeatures (Gain-Regler, Trittschallfilter, PAD-Schalter, EQ, Panorama-Regler, Aux-Dreh-Regler für beide Aux- und Effekt-Wege, Pre-Fader-Listening-Funktion und On-Tast-Schalter) die ein professionelles, praxisgerecht ausgestattetes  Mischpult braucht. Zusätzlich fallen die gelb markierten und damit gut erkennbaren Drehregler der Kompressoren auf. Damit lassen sich die Eingangsignale der ersten acht Kanäle sinnvoll komprimieren. Die Stärke der Kompression kann durch Rechtsdrehung erhöht werden, ohne dass man sich dabei Gedanken um Threshold, Attack-, Release-Zeit oder Ratio machen muss: einfach drehen bis es gut klingt. Spezielle Kompressor-Einstellungen sind dadurch allerdings nicht möglich. Die Peak-Anzeige leuchtet drei Dezibel vor tatsächlicher Übersteuerung auf, folglich ist der optimale Pegel erreicht, wenn die rote LED bei Spitzenpegeln kurz aufflackert. Der dreibändige Equalizer ist mit zwei Kuhschwanz-Filtern für den Höhen- (Grundfrequenz: 10 Kilohertz) und Bass-Bereich (Grundfrequenz: 100 Hertz), sowie einem variablen Peak-Filter für die Mitten bestückt. Dieser wirkt in einem Bereich von 250 Hertz bis 2,5 Kilohertz und ermöglicht das gezielte Manipulieren der Mitten. Sind die Aux-Wege mit einem externen Gerät verbunden, lässt sich über die Drehregler der Pegel des hinzugefügten Effektanteils bestimmen. Die Ausgänge des Outboard-Equipments müssen allerdings auf einen der Stereo-Kanäle (neun bis 16) zurückgeführt werden, so dass zwei Eingangs-Kanäle weniger zur Verfügung stehen. Ist ein Monitor-System angeschlossen, bestimmt der Aux-Regler die Lautstärke des einzelnen Aux-Send-Signals. Im Monitor-Betrieb empfiehlt es sich die Aux-Wege durch Drücken der Pre-Tast-Schalter unabhängig von den Kanalfadern zu schalten: das Signal wird dann vor dem jeweiligen Fader abgegriffen und auf den Monitor geschickt. 

Die Beiden Eff-Drehregler bestimmen Zweierlei. Zum einen die Intensität des Signals, dass an die beiden internen Effektprozessoren geschickt wird, gleichzeitig aber auch die Pegelstärke des Effekt-Send-Signals für externe Geräte. Interne und externe Effekte-Wege sind gleichermaßen von den Änderungen am Dreh-Regler betroffen. Damit sich aber interne und externe Effekte nicht ins Gehege kommen, können die internen über die Effekt-On-Tast-Schalter aus dem Signal-Weg ausgeschlossen werden. Der On-Tast-Schalter hat die umgekehrte Funktion eines Mute-Schalters, was im ersten Moment zu leichter Irritationen führt. Eine gelbe LED leuchtet wenn der Kanal aktiviert und nicht, wie von vielen anderen Pulten gewohnt, wenn ein Kanal Stumm geschaltet ist. Über die kleinen PFL-Tast-Schalter lassen sich alle Signale auf den PFL-Bus routen und sind dann über den Kopfhörerausgang zu hören. So können während des Live-Betriebs sehr leise Signale im Mix separat abgehört werden, um klangliche Veränderungen gezielt vorzunehmen. Der wesentliche Unterschied zu den in stereo ausgeführten Eingängen (Kanäle neun bis sechzehn) liegt darin, dass diese über keinen regelbaren Mitten-Filter verfügen, keinen Kompressor besitzen und der Trittschallfilter nicht auf die Line-Signale, sondern ausschließlich auf Mikrofonsignale anzuwenden ist. 

In der Mastersektion lassen sich mittels fünf Fader sowohl das Stereo-Summen-Signal als auch die Pegel der Bus-Signale (Eff1/2 und Aux1/2) variieren. Dabei können die mit internen Effekten versehenen Signale über weitere vier Drehregler oberhalb der Effekt-Bus-Fader, mehr oder weniger stark auf die Aux-Busse geschickt werden. Die 12-Segment-Pegelanzeige hilft bei der exakten Kontrolle des Summenpegels. Die, nach Herstellerangaben zwei mal 500 Watt Endstufenleistung an vier Ohm, lässt sich über einen dreistufigen Schiebeschalter auf 200 beziehungsweise 75 Watt reduzieren. Damit sind in kleineren Clubs auch schmalbrüstigere Lautsprechertypen zu betreiben, Modelle, die nicht für 500 Watt Maximalleistung ausgelegt sind. Welche Signale über die Speaker-Buchsen (links und rechts) das Auditorium erreichen, kann durch drei Modi verifiziert werden. Entweder das Master-Summensignal (linker und rechter Kanal), die beiden Aux-Signale (Aux1, Aux2) auf je einem der beiden Speaker-Ausgänge oder als dritte Variante das Aux1-Signal auf dem linken und ein Mono-Mix-Signal der Summe auf dem rechten Speaker-Ausgang.

Der Frequenzgang verläuft erwartungsgemäß  schnurgerade linear, die minimalen Abweichungen – unterhalb von 30 Hertz und oberhalb von 15 Kilohertz um maximal zwei Dezibel – befinden sich jenseits jeglicher praktischer Relevanz, allenfalls ist ein minimal helleres Klangbild zu erwarten. Bei einer Messfrequenz von einem Kilohertz ermitteln wir eine Ausgangs-Leistung von 430 Watt bei vier Ohm Belastung. Nahezu 500 Watt leistet der Powermixer bei 100 Hertz und sieben Kilohertz. Dies beweist: Der Verstärker kann wirklich Strom liefern, was gerade für den Bassbereich sehr wichtig ist, und stellt üppige Leistung für den Bühnenbetrieb zur Verfügung. Lautsprecher mit Impedanzen größer als vier Ohm – haben keine messbaren Auswirkungen auf das Leistungsvermögen. Wichtig ist aber, dass die angeschlossenen Lautsprecher auch die entsprechende Leistung vertragen.. Der praxisgerecht ausgelegte Limiter verhütet notfalls Schlimmeres. Über den Lineausgang gemessen, klirrt der Power-Mixer mit maximal 0,02 Prozent. Dieser Wert kann sich sehen lassen und erinnert an die guten Messwerte des TT24 von Mackie (siehe Test, Heft 10/06). Für den Live-Einsatz ist das sehr gut, für Recording-Zwecke könnte es besser sein, denn da sind die Schwerpunkte anders gesetzt und der Klirrfaktor wesentlich entscheidender. Selbst sehr preiswerte Recording-Mischpulte liefern, wie der MW 12 von Yamaha mit 0,007 Prozent Klirrfaktor deutlich macht, oft deutlich bessere Werte (siehe Test, Heft 06/2006).

Der Belastungstest zeigt, dass sich der Klirrfaktor erhöht, sobald die Endstufe richtig anfängt zu arbeiten. Am Leistungsausgang liegt der Klirrfaktor knapp unter 0,1 und steigt bei voller Belastung auf maximal 0,2 Prozent an. Das sind aber immer noch ausgezeichnete Bedingungen für Live-Situationen. Der Geräuschspannungsabstand liegt bei 80,5 dBu, der Fremdspannungsabstand bei 78,6 dBu. Das sind gute Werte für ein Live-Mischpult. 

Im Praxis- und Hörtest von Professional-Audio Magazin testen wir die Bedienbarkeit, die praktischen Zusatzfeatures – Frequenz-Response-Correction-Funktion (FRC), Feedback-Surpressor-Modul, interne Effekt-Algorithmen, Kompressoren – und den Klang, durch die Aufnahme eines Gitarrenduos, um die Qualität der Mikrofonvorverstärker besser einordnen zu können. Aber der Reihe nach: nach Verkabelung des Yamaha EMX5016CF wollen wir das überaus praktische FRC-System testen. Lautsprecher und Raum können den Gesamtklang zum Teil gravierend negativ beeinflussen. Das System hilft dabei, wieder einen möglichst linearen oder zumindest ausgewogenen Frequenzgang zu erhalten. Die Vorgehensweise ist denkbar einfach. Der EMX5016CF generiert ein rosa Rauschen von zwei Sekunden Dauer und schickt es an die Lautsprecher. Ein Mikrofon, in unserem Fall das Messmikrofon M296 von Microtech Gefell, das an Kanal eins angeschlossen ist, misst das von den Lautsprechern abgestrahlte Signal. Es beinhaltet die Frequenzcharakteristik des Schallfeldes, also Verzerrungen durch Raum und Lautsprecher. Der Powermixer vergleicht nun das gemessene Signal mit einem linearen Referenzfrequenzgang und veranlasst den automatischen Equalizer die Anhebungen und Auslöschungen möglichst akurat auszugleichen also zu entzerren. Das Ergebnis des Einmessvorgangs wird auf dem Display des neunbandigen graphischen Equalizers (GEQ) angezeigt. Profis nutzen dieses Ergebnis als Ausgangsbasis für individuelle Feinkorrekturen um eigenen Klangvorstellungen zu realisieren. Der Equalizer ermöglicht grundsätzlich eine Anhebung oder Absenkung der einzelnen Frequenzbänder um maximal 12 Dezibel. Neben demDisplay finden sich sechs Tast-Schalter. Drei davon (Vocal, Dance, Speech) sind mit Presets belegt, auf den restlichen können eigene Einstellungen abgespeichert werden, auch die GEQ-Einstellung der FRC. 

Jetzt juckt es uns in den Fingern die nächste Leckerei des Power-Mixers zu testen. Wir aktivieren den automatischen Feedback Suppressor und provozieren absichtlich eine Rückkopplung. Noch bevor das unangenehme Feedback sich voll entfalten kann, packt der Prozessor des EMX5016CF blitzschnell zu, generiert automatisch extrem schmalbandige Notch-Filter genau bei den Frequenzen, die für die Rückkopplung verantwortlich sind. Ergebnis: Das Pfeifen wird im Keim erstickt. Während eines Gigs bleibt das System zudem wachsam und reagiert schnell und effektiv auf neu entstehende Feedbacks. Das schöne daran: Beeinträchtigungen des Klangs sind kaum wahrnehmbar. Folge daraus: Die Sangeskünstler können sie sich frei und ohne Angst vor den lästigen Rückkopplung auf der Bühne bewegen.

Sind alle klanglich relevanten Einstellungen vollzogen und möchte man den Ausgangspegel komprimieren und ein kompakteres Summensignal erzeugen, genügt ein Druck auf den Maximize-Button und aktiviert den Drei-Band-Kompressor im Summensignal. Ergebnis: das durch das FRC-System bereits optimierte Ausgangssignal erscheint dichter, lauter und differenzierter. Das Gesamtsignal erhält zusätzlich noch ein bisschen mehr Punch und wirkt insgesamt ausgewogener. Ähnlich gut wirken die einzelnen Kompressoren der ersten acht Eingangs-Kanäle. Ein Angeschlossener E-Bass liefert nun einen satten Sound, der auch bei heftigen Slap-Passagen unter Kontrolle bleibt und deutlich konturierter und präsenter klingt.

Der digitale SPX Multieffekt Prozessor stellt zwei Effekt-Einheiten mit je 16 Effekten zur Verfügung. Diese klingen weitestgehend überzeugend. Die Halleffekte wirken natürlich und dezent und veredeln bei vorsichtigem Einsatz Instrumenten- oder Gesangssignale. Chorus-, Tremolo- oder Flanger-Effekte können bei Saiteninstrumenten, wie Bass oder Gitarre punkten. Ein dezent eingesetzter Chorus auf ein Gitarrensignal dickt dieses etwas an, ohne das Gefühl von Effektüberladenheit hervorzurufen. Einige Effekte klingen zwar interessant (Distortion, Radio Voice, Karaoke oder Pitch Change), eine praxisbezogenen Nutzen ist aber nicht direkt ersichtlich, da in den meisten Fällen die Instrumentalisten über eigene Effektgeräte verfügen, um diese individuell und gezielt einsetzen zu können. Beispielsweise klingt der Distortion-Effekt zwar nach Verzerrung, kommt aber klanglich nicht an die speziell für Gitarre konzipierten Effekte oder interne Röhrenverzerrungen heran. Dennoch: Gut auch solche Effekte an Board zu haben, da sich Live immer Situationen ergeben können, in denen eine Band etwas Außergewöhnliches braucht. Aber im Alltag wird dies eher seltener vorkommen und gute externe Effekte kann der EMX5016CF nicht ersetzen.

Um den Power-Mixer klanglich mit bisher getesteten Vorverstärkern und Mischpulten vergleichen und die klanglichen Eigenschaften der Mikrofonvorverstärker besser einordnen zu können, nehmen wir ein Gitarrenduo mit dem Shoeps CMC 6Ug für die Steelstring-Gitarre und dem Shure KSM9/SL (siehe Test, Heft 12/2006) für die klassische Gitarre auf. Insbesondere mit dem sehr neutralen Shoeps-Mikrofon lassen sich klangliche Nuancen hervorragend aufspüren. Aufgezeichnet wird mit 96 Kilohertz und 24 Bit Wortbreite auf den Alesis Masterlink. Zum Vergleich ziehen wir das Onyx 400F von Mackie heran und sind gespannt wie sich der Powermixer auch im Vergleich zu gutem Studio-Equipment schlägt. Ergebnis: Der Yamaha EMX5016CF klingt bei neutralen EQ-Einstellungen angenehm präsent und leicht höhenbetont, was zu einem guten Durchsetzungsvermögen in lauten Umgebungen führt. Die unteren Mitten klingen ausgewogen und harmonisch. Das Klangbild ist insgesamt analytisch, ohne dabei zu sehr an Natürlichkeit einzubüßen. Die Auflösung ist fein, so dass auch filigrane Griffgeräusche authentisch und überzeugend wiedergegeben werden. Die Charakteristika der beiden Mikrofone kommen klar zum Ausdruck und die Signale sind im Stereopanorama sicher zu orten. Der Power-Mixer liefert ein klanglich überzeugendes Ergebnis, dass auch im Vergleich mit dem vierkanaligen Vorverstärker von Mackie mithalten kann. Dieser weiß zwar durch ein sehr ausgewogenes Klangbild zu punkten, macht dem EMX5016CF aber bei der genauen Auflösung nichts vor. Der Powermixer ist mit seiner eigenen Klangcharakteristik gut durchdacht und grundsätzlich auch für Aufnahmen zu gebrauchen, die kein High-End-Ergebnis zum Ziel haben.

Fazit

Der Yamaha EMX5016CF liefert tatsächlich sage und schreibe 500 Watt Ausgangsleistung und ist ein praxisgerechter Power-Mixer, dessen Gesamtkonzeption für den Live-Einsatz überzeugt. Schwierige Räume und Mix-Situationen sind dank der FRC und der Feedback Suppression auch von Nicht-Profis sehr schnell in den Griff zu bekommen. Mit 16 Kanälen ausgestattet bietet er außerdem Kompressoren und gut klingenden Effekte, die gut auf die Anforderungen in kleinen bis mittelgroßen Clubs abgestimmt sind. Die Bedienung ist einfach und intuitiv und der ausgewogene und leicht höhenbetonte Klang hilft bei der Durchsetzung in akustisch schwierigen Umgebungen. Für rund 1300 Euro bietet Yamaha mit dem EMX5016CF einen leistungsstarken und gut durchdachten Power-Mixer, der sich in jedem Proberaum und im Live-Einsatz erkenntlich zeigen wird.

Erschienen in Ausgabe 01/2007

Preisklasse: Mittelklasse
Preis: 1303 €
Bewertung: gut – sehr gut
Preis/Leistung: sehr gut

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