Dudelsack-Alternative

Wem Dudelsäcke zu nervig sind, aber trotzdem ein Bordun-Instrument spielen will, sollte einmal die Drehleier ausprobieren. Sonokinetic hat da was passendes für Sie.

Von Georg Berger

Wer den populären Mittelalter-Rock à la In Extremo oder Corvus Corax hört, könnte leicht auf die Idee kommen, dass im Mittelalter nur der Dudelsack regierte. Doch weit gefehlt. Die Drehleier war zu dieser Zeit ein nicht minder populäres Bordun-Instrument. Der holländische Hersteller Sonokinetic hat eine Lanze für dieses Instrument gebrochen und legt mit Hurdy Gurdy eine in allen Details akribisch gesamplete Library mit Klängen dieses Instruments für günstige 60 Euro vor. Hurdy Gurdy enthält ein Preset im Kontakt4-Format, das mit einer überschaubaren Zahl an Parametern eine Vielzahl an Klangformungs-Möglichkeiten offeriert. Eine Version für den kostenlosen Kontakt-Player gibt es leider nicht. Um der virtuellen Drehleier Klänge zu entlocken, muss zuerst eine rot gefärbte Taste gedrückt werden. Sogleich startet eine Animation mit sich drehender Kurbel im GUI, gefolgt vom Erklingen von zwei Bordun-Saiten. Bordun-Töne lassen sich auf der Tastatur dabei in Halbtönen im Umfang einer Oktave spielen. Via Aftertouch lässt sich das für Drehleiern typische, hochfrequente und rhythmische Schnarren und Brummen der Schnarrsaite – Trompette genannt – dynamisch einblenden. Begleitet wird der Ton von einem rhythmischen Knarren der Kurbel sowie einem kurzen Quietschgeräusch beim Stoppen der Drehleier. Um den in blau gefärbten Melodie-Tasten Töne entlocken zu können, muss dabei – ebenso wie im Original – eine Borduntaste permanent gedrückt sein. Ansonsten sind nur klappernde Geräusche der Drehleier-Tasten hörbar.

 

Ist dieses Spiel-Prinzip einmal verstanden, lässt sich nach Herzenslust auf der virtuellen Drehleier solieren. Dabei besticht die Sonokinetic-Drehleier durch einen höhenreichen, leicht bissigen Klang, der eigentümlich zwischen Geige, Dudelsack und Akkordeon liegt. Die Melodiesaite ragt mit ihrem nasalen Ton deutlich hervor und erinnert insgesamt eher an eine Dudelsack-Melodiepfeife, als an eine gestrichene Saite. Insgesamt bietet sich die Sonokinetic-Drehleier damit bestens für Solo-Einsätze an. Die Drehleier der Era Medieval-Legends Library (Test auf Seite 58) klingt im direkten Vergleich dazu eher bescheiden und sanft. Im Vergleich zu einem Dudelsack, klingt die Sonokinetic-Drehleier jedoch immer noch deutlich voller, runder und angenehmer, wenngleich sie mit ihrem crispen Gundsound locker jedes Arrangement dominieren kann. Sehr schön: Über die Volume-Seite lässt sich jeder Klangbestandteil in der Lautstärke und per AR-Hüllkurve feinjustieren, seien es die Spielgeräusche, die Melodie- und Bordun-Töne, die Trompette-Saite und sogar das quietschende portamentoartige Geräusch beim Wechseln der Töne.

Fazit

Mit der Hurdy Gurdy Library erhält der Anwender ein durch und durch eigenwillig klingendes Instrument, das nicht nur für Mittelalter-Freaks geeignet ist. Im Solo-Einsatz sorgt es in jeder Situation für Aufmerksamkeit und eine frische, markante Klangfarbe.

Erschienen in Ausgabe 09/2012

Preisklasse: Oberklasse
Preis: 59 €
Bewertung: sehr gut
Preis/Leistung: sehr gut

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