Von allem mehr……

hat Motu dem schon etwas ergrauten Software-Sampler MachFive in der zweiten Version spendiert. Ob er jetzt die Platzhirsche das Fürchten lehren kann?   

Von Georg Berger

Major-Updates bei Software-Produkten sorgen immer für viel Aufsehen. Denn damit einher gehen zum Teil drastische Änderungen und Erweiterungen im Vergleich zur Vorversion. Der amerikanische Pro-Audio-Spezialist Mark of the Unicorn (Motu) macht da keine Ausnahme bei der zweiten Version ihres Software-Samplers MachFive. Die erste Version überzeugte schon bei ihrer Markteinführung 2004 mit einer breiten Palette an abspielbaren Sample-Formaten unterschiedlicher Herkunft, allem voran dem von Hardware-Samplern, wie etwa der S-Serie von Akai. Bequemes Drag-and-drop von Sample-Dateien, eine Audioqualität bis 24 Bit und 192 Kilohertz und sogar 5.1 Surroundsound machten aus dem virtuellen Instrument ein professionelles Werkzeug. Doch das ist jetzt schon fast drei Jahre her. Eine Zeit, in der sowohl die Computer-Technik als auch die Mitbewerber nicht geschlafen haben und in Sachen Ausstattung und technischer Möglichkeiten den alten MachFive ausstechen konnten. Die Zeit war also reif für eine gründliche Modernisierung des virtuellen Samplers. Dabei hat die aktuelle Version MachFive 2 eine solch umfassende Renovierung und Funktionserweiterung erfahren, Motu hätte die zweite Version ruhigen Gewissens in MachTen umtaufen können. Bei Neukauf des Instruments sind dafür knapp 500 Euro zu berappen. Besitzer der Vorversion können für umgerechnet 200 Euro upgraden. Wie auch schon bei der ersten Version haben sich die Motu-Entwickler beim MachFive 2 wiederum der UVI-Sample-Engine des französischen Software-Hauses Ultimate Soundbank bedient und um diesen Kern herum ein eigenes Instrument entwickelt. In der Tat erinnert sowohl einiges an der Bedienung als auch manche Funktionen und Einstell-Optionen an das Flaggschiff der Franzosen, den Plugsound Pro Sampler, den wir in Heft 1/2007 getestet haben…

So legen sich hier wie dort beim Aufruf von Kontext-Menüs oder beim Laden von Sounds halbtransparente Dialoge mit exakt gleichem Layout über die Plug-in-Oberfläche. Besonders deutlich wird dies beim Handling von REX- und ACID-Loops, – in MachFive 2 unter der Loop-Lab-Sektion zusammengefasst – das identisch ist zu den Möglichkeiten in Plugsound Pro. Beide Instrumente machen sich jedoch keine Konkurrenz. Denn Plugsound Pro bedient die Anwender, die zumeist fertige Sample-Sounds abspielen und einsetzen wollen und ein nachträgliches Verbiegen von Sounds eher selten oder in überschaubarem Maß wünschen. MachFive 2 geht da schon richtig in die Vollen und präsentiert sich als vergleichsweise mächtiges und flexibles Sound-Design-Werkzeug für anspruchsvolle Klangschrauber. Die Terminologie und somit die Organisation von Samples und Presets ist jedoch gleich geblieben. Eine sogenannte Performance enthält eine Kombination von geladenen Presets, die schließlich als Parts in die Slots der Partliste geladen werden. Ein Preset kann dabei aus mehreren Samples bestehen. Auf zweidimensionaler Ebene verteilen sich die Einzelsamples auf der Tastatur als sogenannte Keygroups mit fest definiertem Ton- und Dynamikumfang. Mehrere dieser zweidimensionalen Mappings können nun als Layer zusätzlich quasi in der dritten Dimension übereinander geschichtet werden. Schließlich lassen sich die Layer mit sogenannten Rules dynamisch ansteuern und verhelfen einem Preset zu klanglicher Lebendigkeit. Ein Rule kann unter anderem ein Key- oder etwa ein Velocity-Switch sein. Doch zurück zu den Neuheiten:  Die Unterschiede zu Plugsound Pro und zum ersten MachFive sind recht schnell ausgemacht. Den Anfang macht der im Lieferumfang enthaltene Sample-Content, der durch vier DVDs auf jetzt insgesamt 32 Gigabyte angewachsen ist. Die erste DVD bietet einen Querschnitt durch sämtliche Instrumenten- und Musikgattungen, ähnlich der von Synthesizer-Workstations inklusive Loops unterschiedlicher Couleur. Die zweite DVD wartet mit neun aufwändig gesampleten Varianten eines Konzertflügels auf, produziert mit 192 Kilohertz und auf schließlich 96 Kilohertz heruntergerechnet. Im Zentrum der dritten DVD stehen diverse Vier-Kanal-Surroundsound-Samples und Sounds mit 96 und 192 Kilohertz Aufnahmequalität, die sich auf E-Pianos, Gitarren, Bässe und Schlagzeug konzentrieren. Die vierte DVD enthält schließlich eine eigens kompilierte MachFive-Version von Orchesterklängen des österreichischen Sample-Library-Produzenten Vienna Symphonic Library. MachFive 2 kann nunmehr eine unendliche Anzahl an Presets laden und über maximal 256 MIDI-Kanäle – dies ist allerdings lediglich Digital Performer und Pro Tools vorbehalten – angesprochen werden. Jedes Preset ist bis zu 256-fach polyphon, was mehr als ausreichend ist. 17 Audio-Ausgänge in stereo lassen schließlich keine Wünsche offen, um etwa die geladenen Sounds in Submixe zu fassen.  

Den Komponenten der Synthese-Sektion haben die Entwickler ebenfalls einen gehörigen Nachschlag gegönnt. So stehen jetzt acht LFOs, sechs Hüllkurven und zwei Filter pro Keygroup und Preset zur Verfügung. Auch die Effektsektion ist angewachsen. So finden sich nun vier unabhängig arbeitende Racks mit jeweils vier ladbaren Effekten. MachFive 2 verfügt jetzt nicht nur über ein Aux- und Master-Rack um eine Performance über die entsprechenden Busse mit Effekten zu veredeln. Darüber hinaus gibt es noch ein Insert- und Preset-Rack, das auf die Synthese-Sektion und ein einzelnes Preset einwirken kann. Besonderheit: Per Schalter lässt sich alternativ zwischen Preset- und Part-Rack umschalten. Sehr bequem: jeder einzelne der 47 zur Auswahl stehenden Effekte – darunter sogar ein Faltungshall – ist außer über die Drehregler im Rack auch komfortabel in einem Display editierbar, das anstelle des Wave- und Mapping-Editors erscheint. Einige Effekte wie etwa die Filter und Reverbs sind darüber hinaus dort auch graphisch einstellbar.   In Sachen Bedienkomfort haben die Entwickler ebenfalls einiges geleistet. So ist der Wave- und Mapping-Editor in der Größe endlich skalierbar und erlaubt ein deutlich besseres Arbeiten. Zu einem waschechten virtuellen Synthesizer wird MachFive 2 schließlich durch die Möglichkeit, anstelle von Wellenformen Oszillator- und Orgel-Emulationen einzusetzen, die anschließend von der Synthese-Sektion weiterverarbeitet werden. Neu hinzugekommen ist schließlich noch ein virtueller Mixer mit dem sich sämtliche geladenen Presets auf Plug-in-Ebene komfortabel abmischen lassen.   Ein erster flüchtiger Blick auf die Bedienoberfläche des Motu-Instruments zeigt im Wesentlichen dasselbe Layout wie beim Vorgänger. Erst beim zweiten, genaueren Blick offenbaren sich die vielen kleinen Details, die auf subtile Weise verraten, dass hier einiges passiert ist. In der Dateimanagement-Sektion existiert jetzt der neue Eintrag Multi-FX. Dahinter finden sich cirka 100 Presets, die bei Aufruf ein zuvor angewähltes Effekt-Rack auf einen Schlag mit  Effekten füllt und eine Menge Editier-Arbeit abnehmen. Die Partliste verfügt jetzt über einen Scrollbalken, um die theoretisch unendliche Zahl an Parts – über den Add-Button erstellbar – anwählen zu können. Das Handling von Parts ist gleich geblieben. Um bei umfangreichen Performances nicht den Überblick zu verlieren, haben die Entwickler dem Sampler einen virtuellen Mixer spendiert, mit dem sich bei laufendem Arrangement die richtigen Lautstärke- und Panorama-Verhältnisse einfach  und übersichtlich einstellen lassen, oder Sounds bei Bedarf auf Mute oder Solo gestellt oder Loops gestartet werden können. Wer will, kann dies selbstverständlich auch über MIDI-Controller fernsteuern.   Bei Aufruf des Mixers wechselt die Oberfläche und zeigt die üblichen Bedienelemente eines Mischpults, sowie nur noch den Dateimanager, das Aux- und das Master-Effekte-Rack, sowie ein Display zum Editieren von Effekten. Jeder Kanalzug repräsentiert dabei einen Part. Kanalzüge außerhalb der Darstellung sind über den Scrollbalken mühelos erreichbar. Zusätzlich finden sich in jedem Kanalzug noch vier Anzeigen, die Auskunft über eventuell geladene Part- oder Preset-Effekte geben. Durch Klick auf einen Eintrag sind sie im Display nachträglich einstellbar. Vier Fader leiten bei Bedarf das Signal des Kanalzugs anteilig auf die Effekte des neuen Aux-Effekt-Racks.  

Das Bedienungs-Highlight im MachFive 2 ist schließlich die Möglichkeit, den Wave- und Mapping-Editor, die jetzt kombiniert in einem Display realisiert sind, in zwei Größen skalieren zu können. Damit erhält das wichtigste Werkzeug zur Bearbeitung und Organisation von Samples endlich den verdienten Stellenwert. Zur Auswahl steht eine Vergrößerung auf Plug-in-Dimensionen – bis auf die Partliste und den Dateimanager füllt das Display jetzt den gesamten Platz aus – oder sogar auf Bildschirmgröße. Dabei löst sich das Display als eigenständiges Fenster vom Rest des Plug-ins, so dass etwa bei Einsatz von zwei Monitoren gleichzeitig ein bequemes Editieren von Wellenformen, Keygroups und der Synthese-Parameter möglich ist. Die anteilige Darstellung der Höhe von Mapping- und Wave-Editor ist im Dialog dynamisch justierbar. Die üblichen Bearbeitungsfunktionen sind jetzt über Rechtsklick und sich öffnender Auswahlliste erreichbar. Nicht alltäglich: Der DSP-Eintrag darin erlaubt es, direkt Effekte auf die Samples anzuwenden und einzurechnen. Eine Batch-Funktion spart überdies eine Menge Zeit, indem mehrere gleichzeitig ausgewählte Keygroups/Samples auf einen Schlag bearbeitet werden. Der Mapping-Editor bietet ähnliche Bearbeitungsmöglichkeiten für Keygroups in einer eigenen Auswahlliste an und erlaubt auch das Erstellen neuer Layer sowie das Verschieben von Keygroups dort hinein. Die Auswahlliste zur Bearbeitung von Layern ist etwas verborgen. Über das kleine Icon in der linken oberen Ecke des Editorfensters ist sie erreichbar, nachdem sich eine Liste bereits erstellter Layer ausgeklappt hat. Der Import neuer Samples erfolgt entweder durch Drag-and-drop, etwa aus dem Windows-Explorer oder dem Mac-Finder in den Mapping-Dialog, oder durch Erstellen einer leeren Keygroup in Verbindung mit anschließender Wahl einer Datei im Plug-in-Browser. Natürlich sind auch mehrere Samples gleichzeitig importierbar, die sich nach zuvor ausgewählten Kriterien, etwa chromatisch oder nur auf die weißen Tasten des Keyboards anschließend automatisch auf der Tastatur verteilen. Multisamples inklusive Velocity-Bereiche sind damit leicht erstellt und lassen beim Editieren und Organisieren von Sample-Material keine Wünsche offen. Einzige Kritikpunkte: Beim Erzeugen von Key-Switches werden die entsprechend definierten Tasten im Mapping-Editor nicht farblich gekennzeichnet, was nicht gerade zur Übersichtlichkeit beiträgt. Der Rule-Dialog zum Erstellen von layerbezogenen Key-Switches, Release-Triggern, die beim Loslassen der Taste erst Starten, oder das alternierende Ansteuern von Layern definiert, erfordert aufgrund der komplexen Möglichkeiten einiges an Einarbeitungszeit. Wir empfehlen da unbedingt das Studium des leider nur in englisch verfassten, aber dennoch informativen Handbuchs.    Doch die Bearbeitung von Audio-Material für Multisamples ist erst der Anfang. Den Vogel schießt MachFive 2 schließlich mit der Möglichkeit ab, verschiedene tempounabhängige Loops zu erstellen und offeriert ein Feature, das bei den übrigen Mitbewerbern nur selten anzutreffen ist. Ein als Loop definiertes Sample kann dabei einmal, ähnlich wie beim ACID-Format, durch einen intelligent arbeitenden Timestretch-Algorithmus oder, ähnlich wie beim REX-Format, durch Zerteilen des Loops in mehrere Einzelteile, die anschließend per MIDI-Befehl angetriggert werden, in Echtzeit auf das Tempo des Sequenzers abgestimmt werden. Beide Funktionen begeistern im Test mit ihrer Effektivität. Verwertbare Ergebnisse sind ohne allzu viel Nachbearbeitung schnell erzielt. Bei Anwahl eines Parts, der einen Loop enthält, zeigt sich oberhalb der Effekt-Sektion das eingangs erwähnte Loop Lab mit einer Reihe von Eingriffsmöglichkeiten zur Steuerung des Tempos dem Abspielverhalten des Loops. Durch Druck auf den Audio- oder Map-Button mit anschließendem Drag-and-drop sind sie ohne Umschweife direkt in den Sequenzer importierbar. Bei gesliceten Loops steht der Export als MIDI- oder Audio-Datei zur Auswahl. Herkömmliche Sounds zeigen anstelle des Loop Lab zwei Teil-Dialoge zur gezielten Anwahl von Keygroups und Layern sowie zum Aufruf des Rule-Dialogs.  

Doch das Bearbeiten von Audio-Material ist noch nicht das Ende. In den Auswahllisten des Wave- und Mapping-Editors findet sich auch der create-Synth-Befehl, der aus MachFive 2 einen virtuellen Synthesizer oder eine Orgel macht. Bei Aufruf des Oszillator-Eintrags wechselt das Display und es findet sich ein Dialog, der die üblichen Einstellungen eines Oszillators offeriert, also Wellenform, Fußlage, Grob- und Feintuning, aber auch ein Phasen-Schalter. An Bord finden sich die üblichen Wellenformen subtraktiver Provenienz. Maximal acht Oszillatoren sind einsetzbar und erlauben, damit fetteste Sounds zu erstellen, die anschließend in der Synthese-Sektion nach allen Regeln der Kunst verfeinert werden können. Der Einsatz der Orgelsimulation zeigt schließlich eine Reihe von neun Zugriegeln zur Einstellung der Fußlagen. Hammond-Anwender werden sich sofort heimisch fühlen. Möglichkeiten zur Aktivierung und Einstellung der Percussion runden die Emulation ab. Beide Simulationen sind natürlich ebenfalls im Mapping-Editor editierbar. Damit besitzt der MachFive 2 Sampler ein einzigartiges Feature, das ansonsten nicht zur Gattung der Sampler gehört.   Der Reigen an Neuheiten setzt sich in der neu strukturierten Synthese-Sektion fort. Per Schalter sind jetzt zwei Filter mit je 14 Filtertypen programmierbar. Aus der ersten Version bekannt ist die Möglichkeit, über die Drive-Funktion den Filterklang in drei Stufen anzurauen. Überdies existiert jetzt auch ein Slot zum Laden eines Effekts. Alle vier Komponenten, also die beiden Filter, sowie Drive und Effekt sind über eine Auswahlliste in 24 verschiedenen Kombinationen miteinander verknüpfbar. Bereits an dieser Stelle der Signalverarbeitung sind opulente Eingriffe in den Grundklang möglich, die ansonsten nur schwierig zu realisieren sind. Die LFO-Sektion hat Zuwachs durch den Global-Button erhalten. Bei Aktivierung sind die vier verfügbaren Modulatoren auf sämtliche Keygroups und Layer eines Presets anwendbar, um etwa den Gesamtsound mit einer Tonhöhen-Modulation zu versehen. Bei Deaktivierung des Buttons wirken die vier LFOs separat auf jede einzelne Keygroup ein.   Auch bei den Hüllkurven hat sich einiges getan. So stehen jetzt insgesamt sechs Exemplare zur Verfügung, von denen die ersten drei fest auf die Lautstärke, Tonhöhe und Filter geroutet sind. Die übrigen drei Hüllkurven sind als zusätzliche Modulatoren auf unterschiedliche Ziele anwendbar. Dabei stehen zwei verschiedene Hüllkurvenarten zur Verfügung: Die AHDSR-Variante lehnt sich an die klassische vierstufige Auslegung an, besitzt mit der Hold-Phase aber eine zusätzliche Steuermöglichkeit, um das erreichte Level nach durchlaufener Attack-Phase zu halten, bevor es durch das Decay abgeschwächt wird. Die sogenannte Multisegment-Hüllkurve bricht dieses Konzept vollends auf und gestattet zeitlich unbegrenzte und opulente Verläufe durch Einfügen unendlich vieler verschiebbarer Punkte. Sehr komfortabel: Durch Druck auf den Edit-Button legt sich ein halbtransparentes Fenster über die Plug-in-Oberfläche, das ein bequemes Editieren der Multisegment-Hüllkurve gestattet. Die Hüllkurve lässt sich somit wie ein LFO einsetzen und sorgt für einen zusätzlichen Schub an Lebendigkeit. Last, not least enthält die Synthese-Sektion jetzt auch noch vier Fader, die das Signal anteilig auf die Aux-Effekte leiten. Die vier mit Buchstaben versehenen Buttons fügen schließlich die Effekte des Insert-Racks in den Signalweg ein. Eine Modulations-Matrix zur Verknüpfung der einzelnen Komponenten mit Modulatoren existiert hingegen nicht im MachFive-Instrument. Motu geht einen anderen Weg: Durch Rechtsklick auf einen zu modulierenden Parameter öffnet sich ein dreigeteilter Dialog, mit dem dies möglich ist. Außer sämtliche MIDI-Controller stehen 23 interne Modulationsquellen wie etwa die LFOs, Hüllkurven, das Modulations- oder Pitchbend-Rad zur Auswahl, die ihrerseits noch einmal über einen weiteren Modulator beeinflusst werden können. Natürlich können auch mehrere Modulationsquellen auf einen Parameter simultan einwirken. Die Vergabe eines oder mehrerer MIDI-Controller zur Fernsteuerung des Parameters ist ebenfalls dort möglich. Besonderheit: Der Mapper-Teildialog erlaubt das Einzeichnen von Kurven, die das Regelverhalten der Modulationsquellen und der Automationsparameter definiert. Damit ist es sogar möglich, die Funktionalität etwa eines Step-Sequenzers zu realisieren. Doch es gibt auch einen Nachteil: Hat man opulente Modulationen erstellt und möchte nachträglich einen Parameter ändern, erfordert dies ein gutes Gedächtnis. Ansonsten ist man dazu verurteilt, auf eine mitunter langwierige Suche zu gehen. Zusätzliche Schikane: einige Bedienelemente fallen bei hohen Bildschirmauflösungen recht klein aus und erfordern ein präzises Klicken mit der Maus, was den bisher exzellenten Bedienkomfort doch trübt. 

Das bisher Erläuterte zeigt den Motu-Sampler hinsichtlich Eingriffsmöglichkeiten frisch gestärkt. Er befindet sich jetzt auf Augenhöhe mit dem im letzten Heft getesteten Structure-Sampler von Digidesign oder dem Mitbewerber Independence von Yellow Tools (Test in Heft 6/2006), wenngleich er im direkten Vergleich den einen oder andern Vor- als auch Nachteil besitzt. Plugsound Pro hat er dabei eindeutig locker überholt. Der ist zwar billiger, bietet aber nicht den Umfang an mitgeliefertem Content, der schließlich ein entscheidendes Verkaufsargument, ja sogar die Visitenkarte eines Software-Samplers darstellt. Speziell hier kann der MachFive 2 sehr überzeugen, wenngleich sich ein paar unschöne Flecken auf der ansonsten weißen Weste finden. Dies beschränkt sich jedoch nur auf den Content der ersten DVD, die so etwas wie einen Sound-Wühltisch darstellt. Bei einigen Presets fehlen Loop-Punkte, was dazu führt, das der Klang in unnatürlicher Weise, bei lang gehaltenen Tasten teilweise sogar mit Knacksern abbricht. Die enthaltenen Vocal-Presets warten mit zu vielen gesampleten Effekten auf und das Repertoire an Gitarren-Sounds ist für unseren Geschmack etwas zu einseitig. Die Loops hingegen gefallen durch ein breites Repertoire unterschiedlicher Stilistiken, wobei ein Schwerpunkt eher auf Dancefloor mit seinen Schattierungen wie Hip und Trip Hop, Jungle, Techno, Disco und Reggae-Dub liegt. Rock- und Pop-Musiker werden aber auch bedient. Alte Bekannte treffen wir schließlich bei den Effekt-Sounds wieder. Dort findet sich eine Auswahl an Klängen aus der Xtreme FX Library von Ultimate Soundbank. In Gesamtheit bietet die erste DVD jedoch ein breites Repertoire sehr gut klingender und musikalisch einsetzbarer Sounds. Dies ist nicht zuletzt das Verdienst der UVI-Sample-Engine, die einen neutralen, glasklaren und fein aufgelösten Grundklang liefert, der jedoch bisweilen ein klein wenig zu höhenlastig erscheint.   Doch das ist nur die Pflicht. Die Kür liefert Motus Sampler mit den anderen drei DVDs ab, die in Sachen Klang noch einmal nachlegen. Die Konzertflügel-Sounds der zweiten DVD schmeicheln sich mit noch feinerer Auflösung und luftigem Klangbild ein. Gleiches gilt auch für die mit 96 Kilohertz gesampleten High Resolution Gitarren-, Bass- und E-Piano-Presets sowie die sogar mit 192 Kilohertz gesampleten Schlaginstrumente. Im Vergleich zu den Äquivalenten der ersten DVD überzeugen sie mit mehr Räumlichkeit und Volumen, aber auch mit aufwändigerer Sample-Organisation. Die VSL-Orchester-DVD nutzt schließlich als einzige extensiv die Layer-Möglichkeiten über Key-Switches, Release-Trigger und Legato-Samples aus. Sämtliche Klänge sind mit einer kleinen Rauminformation gesamplet, klingen aber trotzdem sehr vordergründig, bisweilen ein wenig hart. Süßliche Streicher etwa, die wohlig warm klingen, sind nicht zu finden, aber durch Einsatz von Equalizern entsprechend hinzutrimmen. Das Repertoire an Instrumenten und verfügbaren Spielvarianten und -techniken überzeugt auf ganzer Linie.   Beim Test der anderen klangformenden Komponenten zeigt sich der MachFive 2 ebenfalls von einer sehr guten Seite. Die Oszillator- und Orgel-Emulationen überzeugen durch einen authentischen Klang. Gerade durch Einsatz mehrerer Oszillatoren, die minimal gegeneinander verstimmt sind, erhalten wir sehr fette Grundklänge. Gleichwohl fehlt es ihnen an der oftmals als warm beschriebenen Klangeigenschaft analoger Synthesizer. Trotz eines fetten Gesamtklangs erklingen sie ein wenig steril und zweidimensional. Das ist aber durch die Filter und Effekte durchaus in Ordnung zu bringen. Ohne Einsatz der Drive-Funktion überzeugen die Filtertypen durch einen bisweilen subtilen Eingriff ins Klangmaterial. Ausnahme: Die sogenannten Rez-Filtertypen, die eindeutig in Richtung analog schielen. Bei Einsatz der Drive-Funktion und bei hohen Resonanzwerten erhalten wir schließlich entsprechend dramatische Filterverläufe. Die Effekte können zum Großteil ebenfalls punkten. Lediglich den Chorus und Flanger empfinden wir als zu schwach und nicht eindeutig klangfärbend genug. Dafür begeistert der Faltungshall mit seinem Repertoire an Impulsantworten. Gerade die zwei Filter des Algorithmus erlauben tiefgreifende Änderungen am Klang. Dank der UVI-Sample-Engine ist sein Grundklang ebenfalls sehr fein und höhenreich. Einzige Wermutstropfen: Eine Importfunktion zum Laden weiterer Impulsantworten fehlt und würde dem Motu-Sampler zu noch mehr Flexibilität verhelfen. Der Einsatz des Faltungshalls fordert überdies einiges an CPU-Ressourcen. Je nach Performance sollte er also behutsam als Aux- oder Master-Effekt eingesetzt werden.  

Fazit 

Die zweite Version von Motus MachFive-Sampler zeigt sich in allen Punkten verstärkt, modernisiert und auf der Höhe der Zeit. Ab sofort müssen die Mitbewerber mit einem neuen, alten Konkurrenten rechnen, der mit einigen einzigartigen Features für Viele attraktiv erscheinen dürfte.    

Erschienen in Ausgabe 11/2007

Preisklasse: Oberklasse
Preis: 495 €
Bewertung: sehr gut
Preis/Leistung: sehr gut

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