Eins, zwei, drei…und fertig!1

Seit seiner Premiere 2009 heimste die Presonus-DAW Studio One allenthalben Lob und Preise für sein Konzept, seinen Klang und vor allem für seinen unkomplizierten Workflow ein. Die neue Version 2.5 soll die Erfolgs-Story fortsetzen. Ob Studio One dieses Lob zu Recht verdient und was die neue Version an Verbesserungen bringt, steht im Test.

Von Georg Berger 

In der Königsklasse der Musik-Software, den Sequenzern, scheinen die Verhältnisse seit Jahren gleich und von einem Triumvirat, gebildet aus Cubase/Nuendo, Logic und Pro Tools, beherrscht. Abseits dessen gibt es trotzdem immer neue DAWs, die sich dieser Allmacht entgegen stemmen, ähnlich wie die Bewohner eines kleinen gallischen Dorfes an der Küste von Aremorica. Dazu zählt seit 2009 auch der Pro-Audio-Hersteller Presonus, der mit seiner DAW Studio One zwar nicht alles anders, aber vieles besser und vor allem einfacher und unkomplizierter machen will. Das Hauptanliegen bei der Konzeption von Studio One war und ist, mit einer DAW zu arbeiten, die nicht mit unzähligen Features vollgestopft ist und die zudem so gut wie nie gebraucht werden. Gleichzeitig soll durch das Reduzieren aufs Wesentliche der Umgang mit der Anwendung übersichtlich, leicht und unkompliziert über die Bühne gehen. Offensichtlich scheint dieser Anspruch nicht nur erfüllt, sondern auch auf äußerst positive Resonanz getroffen zu sein, schaut man sich die Preise und positiven Bewertungen an, die der Hersteller bislang für Studio One eingeheimst hat. Vor kurzem hat Presonus mit der Version 2.5 ein Zwischen-Update herausgebracht, das wir zum Anlass nehmen, uns selbst ein Urteil über Studio One zu bilden. Ebenso wie beim Update auf Version 2 soll die neue Ausgabe über 100 Verbesserungen enthalten. Das Beste: Besitzer der Vorversion erhalten das Update kostenlos. Dabei profitieren sämtliche Produktversionen der Presonus-DAW von diesen Verbesserungen, sei es die kostenlose Ausgabe Studio One Free, die rund 100 Euro kostende Artist-Version, die knapp 200 Euro kostende Producer-Version und natürlich unser Testkandidat, das für 400 Euro erhältliche Flaggschiff Studio One Professional.

Sämtliche Verbesserungen nennen und kommentieren zu wollen ist im Rahmen eines Tests natürlich utopisch.  Stattdessen betrachten wir Studio One als Ganzes und gehen dabei auf die wichtigsten Neuheiten und Vorzüge ein.
Die Eckdaten der großen Professional-Version lassen zunächst einmal keine Wünsche offen und zeigen sie auf Augenhöhe zur Konkurrenz. Abseits von einem fetten Paket an mitgelieferten Sounds und Samples (unter anderem Native Instruments Komplete Elements) ist die DAW auf 32- und 64-Bit-Betriebssystemen installierbar, Audio kann mit 32 Bit-Fließkomma-Verarbeitung bis maximal 192 Kilohertz prozessiert werden. Dabei wird intern übrigens sogar mit 64-Bit-Fließkomma gearbeitet. Beschränkungen in Sachen Spurenzahl und -art – ganz gleich ob Audio-, MIDI-, Ordner-, Effekt- oder (Sub)Gruppen-Spuren – existieren nicht. Gleiches gilt auch für Insert-Effekte und Send-Kanäle. Die Obergrenze markiert lediglich die CPU-Kapazität des Rechners. Ausgestattet mit VST-, AU- und Rewire-Schnittstellen, versteht sich Studio One Professional bestens mit dem Großteil erhältlicher Drittanbieter-Plug-ins. Überdies wartet die Presonus-DAW als bislang einziges Produkt mit der ARA-Schnittstelle auf. Kein Wunder, wurde diese doch in Zusammenarbeit mit Celemony entwickelt. Später dazu mehr. Auffällig: Surround-Sound ist nicht an Bord, bei Stereo ist Schluss. Studio One konzentriert sich voll und ganz aufs Produzieren für Consumer-Endgeräte und überlasst Mehrkanal-Projekte den Mitbewerbern. Dies zeigt sich auch in einer starken Anbindung an Online-Plattformen wie Soundcloud und Nimbit –¬ letztgenannte wurde vor kurzem sogar von Presonus übernommen¬ – in die der Anwender seine Songs direkt aus Studio One dorthin übertragen kann.  
Meckern müssen wir allerdings in Sachen Datei-Im- und Export. Zwar lassen sich die gebräuchlichsten Audio- und Videoformate importieren. Was fehlt ist allerdings die Möglichkeit, die Container-Formate OMF und AAF laden und speichern zu können, was einen unschönen Fleck auf dem Professional-Etikett von Studio One hinterlässt. So ist ein bequemer Austausch von Projekten über DAW-Grenzen hinweg zurzeit nicht möglich. Kritik müssen wir auch im Test der 64-Bit-Version üben: Das Laden von 32-Bit-Plug-ins ist nicht möglich. Zwar kann dem durch Zukauf entsprechender Konvertierungs-Software, wie der von Presonus empfohlenen etwa rund 15 Euro teuren jBridge , erfolgreich begegnet werden. Besser und komfortabler wäre dennoch eine vom Hersteller ab Werk integrierte Lösung. In Anbetracht der mitgelieferten Effekt-Plug-ins – 32 an der Zahl – könnte manch einer auch die vermeintlich überschaubare Ausstattung kritisieren. Doch Studio One liefert sämtliche sattsam bekannten Standard-Effekte und bewahrt den Anwender vor einer unüberschaubaren Zahl an Exoten-Prozessoren, die, wenn überhaupt, nur sporadisch zum Einsatz kommen. Insoweit bleibt der Hersteller seinem Credo strikt treu, was von uns ebenfalls nicht als Makel angesehen wird. Schließlich zählt nach wie vor Klasse statt Masse.
Studio One Professional ist in drei Haupt-Dialoge unterteilt, die per Button wechselseitig aufrufbar sind. Die Start-Page erlaubt das Auswählen bereits erstellter Projekte, respektive das Erzeugen neuer, grundlegende Einstellungen am Audio-Interface sind möglich und eine Spalte informiert über Neuheiten rund um die DAW, sofern der Rechner am Netz hängt. Die Song-Page ist das eigentliche Zentrum von Studio One und enthält alles rund um die Produktion von Musik, also das Arrangement-Fenster, den virtuellen Mixer sowie Editoren zum Bearbeiten von MIDI- und Audio-Daten.

Die dritte Hauptseite, der Project-Dialog, ist ausschließlich der Professional-Version vorbehalten und ist nicht mehr und nicht weniger als eine Rundum-Lösung fürs Mastering und Kompilieren von CDs, vergleichbar mit Anwendungen wie Steinberg Wavelab oder Sony Soundforge. Der Anwender erhält also gleich zwei Programme in Einem. Das Beste: Song- und Project-Page sind untereinander verzahnt, so dass sich Änderungen an einem Arrangement auf der Song-Page, das ebenfalls im Project-Dialog eingebunden ist, bequem per Button-Click aktualisieren lässt. Das ist nicht nur enorm zeitsparend, sondern bislang einzigartig. Dabei können überdies mehrere Arrangements aktiv sein, die per Ausklappliste blitzschnell in der Song-Page aufgerufen werden. Doch der Reihe nach, schauen wir uns zuerst die Song-Page ein wenig näher an:
Um einen ersten Einblick zu erhalten, laden wir einen der mitgelieferten Demo-Songs und sind zunächst ob der Fülle an Teil-Dialogen regelrecht erschlagen. Die Song-Page ist stringent auf eine Ein-Fenster-Bedienung getrimmt, in der alles auf einen Schlag sichtbar ist. Doch nach kurzer Zeit haben wir alles erfasst und entdecken vieles wieder, was uns auch schon in anderen DAWs begegnet ist. Ebenfalls rasch entdecken wir auch, dass sich zwecks besserer Übersichtlichkeit, Dialoge ausblenden und auch aus dem Hauptfenster – Stichwort: Anzeige in separatem Monitor – auskoppeln und skalieren lassen, so die Editoren und der Mixer. Bei unserem ersten Streifzug haben wir die Grundzüge der Song-Page noch ohne Studium des Handbuchs rasend schnell erfasst und bewegen uns schon nach kurzer Zeit souverän durch die einzelnen Bereiche. Insofern können wir ebenfalls in den Chor der Rezensenten einstimmen und bestätigen, dass Studio One tatsächlich eine unkompliziert bedienbare und leicht erfassbare DAW ist. Der Anwender wird schnörkellos und ohne Umwege mit dem Wichtigsten rund ums Musik Produzieren versorgt. Das Bedienkonzept ist vorbildlich in Sachen Benutzerführung, das sowohl Ein- als auch Umsteigern einen roten Teppich ausrollt. Mit Studio One ist uns jedenfalls bislang der leichteste Einstieg in eine neue DAW gelungen. Aber zurück zur Song-Page: In der Standard-Darstellung nimmt das Arrangement-Fenster mittig die obere Hälfte der Oberfläche ein, die untere Hälfte ist dem Mixer vorbehalten. Wahlweise erscheinen nach Doppel-Click auf eine Audio-/MIDI-Spur dort die entsprechenden Editoren zwecks weiterer Feinarbeit. Dieser Zentral-Bereich wird schließlich von zwei Spalten eingerahmt: Links erscheint eine Liste in der das Spurmanagement vorgenommen werden kann. Dort können einzelne Spuren und  Spurenarten bequem per Button zwecks besserer Übersicht ein- und ausgeblendet sowie in der Abfolge geändert werden. Rechts ist der Browser integriert, der sich im Test als mächtiges Werkzeug und zentrale Anlaufstelle für alles was mit dem Suchen und Verwalten von Daten, Instrumenten und Effekten zu erkennen gibt. Per Button/Reiter sind verschiedene Ansichten rasch aufgerufen, etwa nur die Effekte oder Instrumente, die im Song befindlichen Clips oder wir können uns auch die Festplatten- und Ordnerstruktur des Rechners rasch anzeigen lassen, um darin zu navigieren. Was den Browser dabei so mächtig und wichtig macht, ist die von Presonus konsequent etablierte Drag-and-drop-Funktionalität. Instrumente, Effekte oder Audio-Clips sind – ganz gleich ob in den Mixer oder ins Arrangement gezogen – blitzschnell integriert. Sicher, das ist per se nichts Neues und wird auch von den Mitbewerbern realisiert. Das Gleiche auf umgekehrte Weise zu machen, ist jedoch nicht alltäglich. So können wir Effekt- und Instrumenten-Settings und sogar Effektketten in Lichtgeschwindigkeit als neue Presets auf dem Rechner speichern, indem wir ein Drag-and-drop vom GUI der Plug-ins/des Mixers in den Browser durchführen.

Im Vergleich zu anderen Lösungen verringert sich in Studio One dadurch der Aufruf von Lade- und Speicher-Dialogen erheblich, was bei Bedarf aber auch möglich ist.
Das Arrangement-Fenster zeigt sich im Test schnörkellos, jedoch gezielt mit den notwendigen Features und Funktionen ausgestattet. Buttons oberhalb der Trackliste lassen sattsam bekannte Helferlein wie Tempo- und Markerspuren erscheinen, Automationsspuren sind ebenfalls unterhalb der Hauptspuren so aufrufbar und via Plus-Button erzeugen wir neue Spuren im Arrangement. Ein Dialog erlaubt dabei übrigens die Anzahl, Art und neuerdings auch das Signal-Routing der Spur bequem auf einen Schlag zu definieren. Sehr schön. Noch besser: Beim Erzeugen mehrerer Spuren kann sogar jede Spur automatisch ein individuelles Routing erhalten. Ähnlich wie in Steinberg Cubase lässt sich zudem auch ein Inspector-Dialog aufrufen, in dem sich relevante Einstellungen der gerade angeklickten Spur vornehmen lassen (unter anderem Lautstärke, Panpot, Inserts, Sends, Tempo, Transponierung). Das Handling der Clips erfolgt ebenfalls in altbekannter Art, wenngleich sich in Version 2.5 einige pfiffige Neuheiten im Vergleich zur Vorversion zeigen. So hat sich beim Spuren-Comping – Aufnehmen mehrerer Takes auf Unterspuren und Zusammenfassen relevanter Ausschnitte auf einer Hauptspur – einiges verbessert. Sind die Takes im Kasten und die Layer-Spuren aufgezogen, ändert sich der Mauszeiger direkt in ein Fadenkreuz und erlaubt ohne weitere Umschweife das Freistellen der relevanten Passagen, die sofort auf der Hauptspur erscheinen. Zudem wird bei Überlappungen automatisch ein editierbares Crossfade eingesetzt, was beim Trimmen oder Versetzen der Clips ebenfalls automatisch verschwindet. Das nächste Highlight der 2.5er-Version zeigt sich in den Ordner-Spuren: Darin enthaltenes Material wird jetzt graphisch in der Ordnerspur angezeigt, ganz gleich ob Audio oder MIDI. Noch besser: Abseits vom Editieren der Ordner-Spuren nach allen Regeln der Kunst kann sogar ein Ausgangs-Bus definiert werden, auf die alle darin enthaltenen Spuren geroutet werden, perfekt um etwa Einzelspuren einer Schlagzeug-Aufnahme komfortabel in den Griff zu bekommen. Sicher, das gibt’s bei den Mitbewerbern ebenfalls, in Studio One ist es jedoch ein Novum und lässt die DAW ausgereifter erscheinen. Ähnlich, aber doch individuell gestaltet sich das Umwandeln von MIDI-Daten in Audio und das Einrechnen von Effekten, auch Track Freeze genannt. Dazu muss lediglich die Transform-Funktion ausgeführt werden und wie von Zauberhand, wandelt sich die MIDI- in eine Audiospur. Dabei lässt sich bestimmen, ob das virtuelle Instrument mitsamt MIDI-Daten beibehalten oder entfernt werden soll, nützlich um CPU-Ressourcen einzusparen. Das ist schlicht und einfach genial gelöst. Mit Hilfe der Transform-Funktion können Insert-Effekte ebenfalls rasch auf die Audio-Spur eingerechnet werden, bei Bedarf sogar separat auf einzelne Clips und Events innerhalb der Clips. Per Undo kann dabei selbstverständlich auch alles wieder rückgängig gemacht werden. Dies alles erfolgt ohne Zutun und Öffnen von Editoren bequem im Arrangement-Fenster, was sehr zeitsparend ist. Der Clou: In Version 2.5 können ab sofort auch mehrere Ausgänge virtueller Instrumente direkt auf einen Schlag als separate Audio-Spuren gerendert werden, was den Komfort noch einmal erhöht. Ebenfalls neu ist auch der gleichzeitige Export mehrerer Ausgänge und sozusagen ein In-House-Routing: Subgruppen-Ausgänge/Busse sowie Ausgänge virtueller Instrumente können jetzt auch als Eingänge in Audio-Spuren definiert werden, um dort etwa in Echtzeit direkt aufgenommen zu werden, was nochmals Zeit spart und lästiges Ex- und Importieren erübrigt. Vor allem das Track-Transforming virtueller Instrumente kann dabei im Test punkten. Das haben wir in der Art bei den Mitbewerbern bislang nicht gefunden.

Weiter geht’s mit den Audio- und MIDI-Editoren. Beide Dialoge bestechen durch Übersichtlichkeit und Reduktion aufs Wesentliche. Damit kommen wir im Test sehr rasch ans Ziel, wobei wir wahrlich nichts vermissen. Einzig die Wellenform-Darstellungen im Audio-Editor sind uns zu grob aufgelöst und versprühen selbst in hohen Zoom-Stufen den Charme aus den Anfängen Computer-Graphik. Das könnte durchaus noch verbessert werden. Die Quantisierungs-Möglichkeiten im MIDI-Editor sind völlig ausreichend und überdies lassen sich im Piano-Roll-Editor gleich mehrere Spuren auf einmal editieren. Der Audio-Editor steht dem in nichts nach und offeriert außer den grundlegenden Bearbeitungsfunktionen alles rund ums Anpassen des Timings und der Tonhöhe von Audiomaterial, inklusive einer sehr gut funktionierenden Transienten-Erkennung. Sehr schön ist auch die Möglichkeit, Grooves aus Audiomaterial zu extrahieren und auf andere Spuren anzuwenden, was völlig simpel gelöst ist. Der Clou besteht jedoch im Aufruf von Celemonys Melodyne-Software, die ab Werk in der Essential-Version beiliegt. Dank der proprietären ARA-Schnittstelle folgt Melodyne permanent dem Abspiel-Cursor und erlaubt es dem Anwender direkt in Tonhöhe und Timing einzugreifen ohne lästiges und langwieriges Übertragen von Audiomaterial ins Plug-in. Das gibt es zurzeit nur in Studio One. Wer eine Melodyne-Version oberhalb von essential besitzt, kann diese selbstverständlich ohne Umschweife auch in Studio One einsetzen.
Der Mixer ist in Sachen Übersichtlichkeit und Handling ebenfalls rasch erfasst. Die Spurliste und auch die physikalischen Ein- und Ausgänge des Audio-Interface können ein- und ausgeblendet werden und eine separate Spalte zur Verwaltung angeschlossener MIDI-Geräte ist ebenfalls einblendbar. Dabei punktet Studio One wiederum auf ganzer Linie. Unser RME Fireface 400 erkennt Studio One automatisch und stellt sämtliche Ein- und Ausgänge ohne weiteres zur Verfügung. Für Aufnahmen brauchen wir in der Trackliste oder dem Mixer lediglich den gewünschten Eingang auszuwählen. In Sachen MIDI-Controller-Einbindung haben die Entwickler ebenfalls hervorragende Arbeit geleistet. Abseits von Standards wie Mackie Control/HUI können Hardware-MIDI-Controller mit Hilfe der sogenannten Control Link Funktion auf höchst komfortable Weise in die DAW eingebunden werden. Nach dem Erkennen des Controllers und seiner Regler/Tasten stehen zwei Betriebs-Modi zur Verfügung: Global und Focus. Der Global-Modus bietet sich dabei zur Kontrolle der Mischpult-Funktionen an und ist permanent aktiv. Plug-ins lassen sich hingegen im Focus-Modus hervorragend editieren. Dabei wechselt das Parameter-Routing auf die Hardware-Regler analog zum Wechsel des Plug-ins/Instruments. Das Verknüpfen von Parametern und Reglern geschieht dabei denkbar einfach über die Control-Link-Sektion in jedem Plug-in. Unnötig zu erwähnen, dass Studio One sich die gemachten Routings natürlich merkt. Doch zurück zum Mixer: Am Fuß stehen erwartungsgemäß die Fader-Banken inklusive Panpot, Solo, Mute, Direct-Monitoring und Spuren-Aktivierung. Die Spalten darüber sind den Inserts und Sends vorbehalten, in die sich Effekte und Busse, wie erwähnt, per Drag-and-Drop einfügen lassen. Insoweit ist auch der Mixer völlig simpel aufgebaut. Sehr schön: Wird ein Insert-Effekt zwecks Editieren aufgerufen, zeigt eine Reiter-Ansicht im Plug-in-GUI nicht nur die Position des Effekts innerhalb der Signalfolge. Durch Klick auf die Einträge rufen wir rasch die weiteren Plug-ins zwecks Editieren auf und das ohne lästiges Aufrufen weiterer Fenster, die zudem die Oberfläche weiter zumüllen. Dafür gibt’s ein Sonderlob.

Sind alle Songs im Kasten bietet sich mit der Project-Page eine ebenfalls denkbar einfache und sehr gut ausgestattete Lösung an, um die Stücke für eine CD oder ein MP3-Album zusammenzustellen und auch zu mastern. Ähnlich wie die Trackliste im Arrangement-Fenster reihen sich die Mixe links in einer Spalte auf. Zusatz-Informationen wie etwa Komponist, Texter, EAN-Code können dabei pro Song eingegeben werden. Am Fuß der Oberfläche werden die Songs noch einmal als Clips in einer Zeitleiste dargestellt, wobei sie sich mit den üblichen Verfahrensweisen bearbeiten lassen. Überlappungen zwischen den Songs werden automatisch mit einem editierbaren Crossfade versehen. Ansonsten wird beim Importieren von Songs eine frei definierbare Lücke/Pause vorgenommen. Effekte können in der Spalte rechts von der Trackliste eingesetzt werden, einmal separat pro Song als klassischer Insert und als Post-Effekte die auf sämtliche Stücke einwirken. Ein ausklappbarer Dialog informiert  zusätzlich über die Lautheit nach R128-Standard. Den Großteil der Oberfläche nehmen jedoch die Analyse-Werkzeuge ein, in dem Fall ein Level-Meter mit verschieden wählbaren Skalen und eine Spektrums-Anzeige. Neu in Version 2.5 sind jetzt auch Sonogramm- und Wasserfall-Anzeigen, womit Studio One zu Steinberg Wavelab aufschließt. Einzigartiges Highlight bleibt jedoch nach wie vor die Interaktion zwischen Song- und Project-Page mit der sich Änderungen an einem Song blitzschnell im Project-Fenster aktualisieren lassen. Sind alle Aufnahmen soweit fertig gemastert, erlaubt die Project-Page das Album wahlweise zu Soundcloud oder der Marketing-Plattform Nimbit direkt hochzuladen oder aber auch eine CD direkt aus dem Programm heraus zu brennen. Studio One erlaubt dabei das Brennen im Red Book Standard und gestattet auch das Erzeugen und Brennen von DDP-Images. Mit diesen Möglichkeiten nimmt Studio One im Vergleich zu den Mitbewerbern momentan eine Sonderrolle ein.
Abschließend seien noch kurz einige Neuheiten rund um die mitgelieferten Effekte erwähnt. So haben sämtliche Dynamik- und Verzerrer-Effekte jetzt einen Mix-Parameter für paralleles Processing erhalten und seit kurzem steht auch ein kostenfreier Download von Softubes Sättigungs-Plug-in Saturation Knob zur Verfügung, das bereits bei Mitbewerbern wie Avid Pro Tools oder Cakewalk Sonar für mehr Wärme und Biss in Mixen und Einzelaufnahmen sorgt. Im Hörtest liefern sämtliche Effekte eine gute bis sehr gute Visitenkarte ab. Unser persönliches Highlight markiert hierbei der algorithmische Room Reverb, der mit einem wohlig-angenehmen Wölkchen-Hall anliegende Signale sachte mit Räumlichkeit umhüllt. Das Gegenstück, der Open Air Faltungshall klingt im direkten Vergleich dazu richtiggehend spitz, was sich aber mit Hilfe von Filtern ausgleichen lässt. Die mitgelieferte Gitarren-Amp-Simulation Ampire XT hat nochmals eine Überarbeitung der Verstärker- und Cabinet-Emulationen erhalten, die im Vergleich vor allem zur ersten Version deutlich feiner und plastischer klingen.

Allerdings kann und will Ampire XT nicht mit den dezidierten Amp-Suites von Drittherstellern konkurrieren. Trotz vergleichsweise überschaubarer Eingriffsmöglichkeiten kann die Emulation im Großen und Ganzen dennoch überzeugen, wenngleich wir uns gewünscht hätten, die Bodeneffekte flexibel nach eigenen Wünschen anordnen zu können und eine Auswahl an emulierten Abnahme-Mikrofonen zu erhalten. Mit 13 Amps und zehn Cabinet-Emulationen plus den virtuellen Reproduktionen der Vorversion ist zwar eine ausreichende Zahl an Bord. Allerdings gehen einige Emulationen für unseren Geschmack ein wenig zu sehr in Richtung Heavy/Nu Metal. Aber dafür gibt’s auch eine Menge sehr gut klingender Clean-Sounds, die gerade mit Hilfe der vielen Cabinet-Emulationen mannigfaltig ausformbar sind. Crunch-Sounds sind hingegen nicht ganz seine Stärke. Last but not Least fühlen wir auch der Audio-Engine in Studio One auf den Zahn: Im direkten Vergleich zu Steinberg Cubase besitzt die Presonus-DAW eine leichte Dominanz im unteren Mittenbereich, die Signalen und Clips einen hübschen, angenehm klingenden Anstrich à la Analog-Sound verpasst und den Höhenbereich ein wenig ins Hintertreffen geraten lässt. Letztlich ist es aber eine Frage der Perspektive aus der man die Audio-Engines vergleicht. So könnte man auch urteilen, dass die Cubase-Engine eher höhenreich und schlank klingt. Ein besser oder schlechter gibt es dabei nicht, ganz so wie bei der Arbeit mit Studio-Monitoren.

Fazit

Mit dem Update auf Version 2.5 hat Presonus den Spagat geschafft eine Vielzahl an Verbesserungen und Neuheiten so unmerklich in seine Studio One DAW zu integrieren ohne das kinderleichte und übersichtliche Bedienkonzept zu behindern oder gar auszubremsen, ganz im Gegenteil. Dabei kann sich Studio One nach wie vor einiger Features rühmen, die bislang immer noch seines Gleichen sucht und nicht nur Einsteigern, sondern auch gestandenen Profis die Arbeit deutlich einfacher macht. Das reibungslose Einarbeiten und der Spaß beim effizienten Erzielen von Ergebnissen sind weitere positive Eindrücke, die Studio One 2.5 trotz einiger Kritikpunkte im Test hinterlassen hat. Wir sind auf Studio One 3 jedenfalls schon sehr gespannt.

Erschienen in Ausgabe 03/2013

Preisklasse: Oberklasse
Preis: 399 €
Bewertung: sehr gut
Preis/Leistung: sehr gut

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