To the Nines

Wie verbessert man eine DAW, die schon nahezu alles kann? Dieser Frage mussten sich die Entwickler von Steinberg beim Major-Update auf Cubase 9 erneut stellen und haben sie mit einigen interessanten neuen Features und Verbesserungen für Deutschlands beliebteste DAW beantwortet.

Von Sebastian Lesch und Sylvie Frei

Es ist wieder Zeit für ein Major-Update im Hause Steinberg: Der beliebte Sequenzer Cubase geht mit Version 9 an den Start und die Benutzer stehen einmal mehr vor der Frage „To upgrade or not to upgrade?“ Nachdem Steinberg beim Update auf Version 8 vor zwei Jahren tatsächlich bis ins Mark der DAW eingedrungen ist und sie mit einer komplett überarbeiteten Audio-Engine und ASIO-Guard 2.0 auf ein ganz neues Performance-Level gebracht sowie gravierende Verbesserungen im Workflow etabliert hat, bleibt die Frage, wo es bei der DAW überhaupt noch Luft nach oben gibt. Schließlich gilt Steinbergs Sequenzer zu Recht als eine der vollständigsten DAWs überhaupt. Bietet Cubase doch Mittel und Wege für so ziemlich jede Art der Musikproduktion, sei es die Arbeit mit virtuellen Instrumenten, Synthesizern, Sample Librarys und MIDI, Drum-Programmierung, die Audioaufnahme oder das Scoring mit dem Noteneditor.

Doch den Entwicklern von Steinberg fällt immer noch etwas Neues ein – so verpassten sie der DAW zum Zwischenupdate 8.5 mit Retrologue 2 ein komplettes Make-over für den im Bundle enthaltenen analog-virtuellen Synthesizer mit einer Vielzahl neuer Möglichkeiten zur Klanggestaltung. Außerdem etablierten sie VST Transit, Steinbergs eigenes cloudbasiertes Kollaborations-Tool, als festen Bestandteil von Cubase. VST Transit erlaubt es, ganze Cubase Projekte in die Cloud zu laden und von einem beliebigen anderen Computer aus zu bedienen und so mit anderen Tonschaffenden überall auf der Welt, gemeinsam zu arbeiten.
Jetzt kommen mit dem Major-Update 9 nochmal ein paar entscheidendere Workflow- und Detailverbesserungen sowie interessante neue Features und Tools hinzu, die so manchen Nutzer zu einem Upgrade verführen könnten.
In Sachen Preisgestaltung geht es dabei  leicht nach oben – im Gegensatz zum ursprünglichen UVP von Cubase 8 legt der Neukäufer etwa 30 Euro mehr für eine Pro- oder Artist-Version auf den Tresen: Das macht für die Pro-Version 473, für die Artist Version 329 und für die Elements-Version wie gehabt 100 Euro. Upgrades von Vorversionen sind entsprechend günstiger zu haben. So kostet etwa ein Upgrade von der Pro 8-Version auf die Pro 9-Version  200, das von der Pro 8.5-Version auf die Pro 9-Version 100 Euro.

Systemvoraussetzungen

Da Cubase ab Version 9 eine reine 64 Bit-Anwendung ist, werden nur moderne 64 Bit-Betriebssysteme unterstützt, sprich Windows 7, 8 und 10 sowie Mac OS X 10.11 und macOS Sierra. Hardwareseitig wird ein 64-Bit Multicore-Prozessor, beispielsweise i5 oder besser benötigt, sowie mindestens vier, besser acht oder mehr Gigabyte RAM. Des Weiteren sind mittlerweile stolze 18 Gigabyte freier Festplattenspeicher vonnöten, um die riesige Anwendung zu installieren. Glücklicherweise lässt sich die Vollversion als Box-Version bestellen, wodurch dem geneigten Käufer die mit den meisten Internetverbindungen ansonsten stundenlange Downloadzeit erspart bleibt. Dennoch ist eine Internetverbindung für die Installation und Lizenzaktivierung notwendig, sodass aktuelle Updates gleich mitinstalliert werden können. Außerdem benötigen Sie einen freien USB-Port. Die Lizenzierung läuft bei Cubase in der Vollversion noch immer über den iLok eLicenser-Dongle, der während dem Gebrauch permanent einen USB-Steckplatz einnimmt.

32 Bit Adé!

Schon beim Öffnen von Cubase Pro 9 poppt ein neues Plug-in namens Sentinel auf, das uns anzeigt, dass drei 32 Bit-Effekt-Plug-ins, die wir in der Vorversion noch über die Bridge im Einsatz hatten, nun nicht mehr genutzt werden können. Die Bridge hat Steinberg mit dem Update auf Version 9 endgültig abgeschafft und damit auch die Nutzung sämtlicher 32 Bit-Plug-ins, es sei denn es wird eine Bridge-Software von einem Drittanbieter verwendet. Die meisten kommerziell erhältlichen Plug-ins sind längst in 64 Bit-Ausführung zu haben – das Nachsehen könnten Nutzer haben, die viel mit Freeware-Plug-ins arbeiten, die noch aus der 32-Bit-Ära stammen. Andere DAWs wie etwa Ableton Live haben das eleganter gelöst und erlauben den Einsatz von 32- und 64-Bit-Plug-ins nach wie vor parallel.
Das Plug-in Sentinel siebt übrigens nicht nur 32 Bit-Anwendungen aus, sondern packt auch Plug-ins, die es beim Performance-Test als instabil einstuft, automatisch auf eine Black-List. Sie stehen in der Plug-in-Auswahl nicht mehr bereit, lassen sich aber in der Black-List im Plug-in-Manager einsehen. So möchte das Plug-in garantieren, dass Projekte besonders sicher und stabil laufen und es nicht aufgrund eines schwachen Glieds in der Kette zu Ausfällen oder Abstürzen kommt. Wer jemals mit solchen Fehlerquellen Probleme hatte, wird sich über Sentinel freuen. 64-Bit-Plug-ins, die Ihrer Erfahrung nach stabil laufen, können Sie übrigens händisch wieder auf die White-List setzen und wie gewohnt benutzen. Dennoch sollten die Black-gelisteten Plug-ins auf mögliche Updates überprüft werden.

Mehr Übersicht

Nachdem sich das Cubase-GUI ab Version 8 schon deutlich mehr in Richtung modulare beziehungsweise Einfenster-Ansicht weiterentwickelt hatte, geht Cubase 9 einen Schritt weiter und führt neben den seitlich angegliederten Bereichen – nun Zones genannt – eine sogenannte Lower Zone am unteren Bildschirmrand mit ein. Während sich in den Vorversionen die Darstellung mit zwei Bildschirmen – das Hauptfenster in einem, das MixConsole-Fenster im anderen – als sinnvolles Setup etabliert hatte, geht die Tendenz bei den Pro-Anwendern mittlerweile mehr zum einzelnen Bildschirm beziehungsweise Laptop-Screen.
Andere DAWs, wie etwa Ableton Live oder PreSonus Studio One, die von vorne herein mehr für den Live- und Mobil-Gebrauch ausgelegt waren, haben aus diesem Grund flexibel anpassbare Ein-Fenster-GUIs. Cubases neue Lower Zone erlaubt es nun parallel zum Arrangement, die MixConsole, die momentan aktiven Editoren, die Chord Pads oder die neu hinzugekommene Sampler-Spur (dazu gleich mehr) im gleichen Fenster anzuzeigen. Soll wieder der Blick auf das gesamte Arrangement gelenkt werden, lässt sich die Zone ausblenden. Auch die einzelnen Lower Zone-Reiter lassen sich bei Bedarf im Full Screen-Modus anzeigen und so in bestmöglicher Größe begutachten. Alle relevanten Parameter in einer Ansicht im Blick zu haben, verbessert die Übersicht und den Workflow ungemein. Hier geht Steinberg definitiv in die richtige Richtung in Sachen Bedienkomfort.

Neue Sampler-Spur

Eine große Überraschung  und ein Kreativ-Kick für alle, die es lieben, mit Audiomaterial zu experimentieren, sind die neuen Sampler-Spuren in Cubase 9. Aus beliebigem Audio-Material lässt sich nun einen Sampler-Spur erzeugen, die es erlaubt, das Sample chromatisch auf einer Mausklaviatur abzuspielen und mit diversen Filtern und Controllern zu bearbeiten. Welche Funktionen die Spur zur Verfügung stellt und wie das Jonglieren mit Samples von Statten geht, lesen Sie weiter unten.

Plug-in Updates

Neuigkeiten gibt es erwartungsgemäß auch in der Plug-in-Ausstattung von Cubase Pro 9. Als komplett neues Plug-in kommt der Frequency EQ hinzu, ein extrem komfortabel ausgestatteter Acht-Band-Equalizer, der auch einen linearphasigen Modus bietet und mit M/S-Signalen arbeiten kann (siehe unten). Außerdem wurde das Dynamik-Tool Maximizer überarbeitet, das nun nicht nur auf die herkömmliche Weise Signale ohne Clipping-Gefahr „lauter“ schrauben lässt (Classic Mode), sondern mit dem Modern Mode noch einen zweiten, feiner kontrollierbaren und klanglich etwas markanteren Modus bietet, der mehr der Ästhetik moderner Produktionen entspricht und etwas mehr Verzerrung beimischt. Je nach Klangmaterial entweder der eine oder der andere Modus, weise eingesetzt, das gewünschte Quäntchen mehr Loudness. Im Rahmen des Updates hat das Plug-in außerdem eine neue Oberfläche bekommen, die auch für die übrigen Dynamik-Plug-ins in Cubase Pro 9 übernommen wurde.
Last but not least hat auch das Plug-in Autopan ein Upgrade erhalten. Über die neue Bedienoberfläche stehen nun direkt unterschiedliche Formen, Sync Modes, Panorama Settings und mehr bereit, um mit der Räumlichkeit von Signalen kreativ und unkompliziert zu experimentieren.

Noch mehr Sounds

Mit der Caleidoscope Library, welche unter anderem hervorragend mit der neuen Sampler-Spur eingesetzt werden kann und den neuen Production Grooves für die im Cubase enthaltene Drum-Machine Groove Agent SE 4 hat Steinberg der Version 9 auch noch einen riesigen Schatz kreativ nutzbaren Soundmaterials hinzugefügt.

Neue Sampler-Spur & Caleidoscope Library

In Cubase Pro 9 reiht sich auch ein ganz neuer Spuren-Typ ein. Die Sampler-Spur lädt zum chromatischen Spielen von beliebigem Audio-Material ein. Im Test entpuppte sie sich als intuitiv gestaltete kreativ-Spielwiese mit hohem Spaßfaktor, die wir jetzt schon nicht mehr missen möchten. Während die neue Sampler-Spur im Hauptfenster zur Aufzeichnung von MIDI-Informationen ausgelegt ist, liefert die zugehörige Sampler Control das entsprechende Werkzeug für die Sample-Anpassung. Diese befindet sich standardmäßig in der neuen Lower Zone, kann aber auch als Einzelfenster losgelöst werden.
Im Zentrum der Sampler Control steht ein Waveform-Editor. Hier können wir Samples per Drag&Drop ablegen und anhand von Markern den Start- und Endpunkt für das Sample festlegen sowie Fades erzeugen. Eine Klaviatur gibt uns Auskunft über den festgelegten Grundton, gespielte Noten und den ausgewählten Notenbereich für das Sample. Das ermöglicht uns, mittels Controller-Keyboards mehrere unterschiedliche Samples gleichzeitig spielen zu können – eine sehr nützliche Funktion, intuitiv umgesetzt. Im unserem Test geht die Bedienung leicht und ohne lange Einarbeitung vonstatten. Die Samples werden automatisch überblendet, so entsteht kein abruptes Knacksen und wir können bereits in der Grundeinstellung in kurzer Zeit rund klingende Ergebnisse erzielen. Damit ist auch unser flächiger Vocal FX-Stem eines kompletten Songs schnell auf eine passende Stelle reduziert und spielbereit. Vorausschauend gedacht: Eigens erstellte Samples lassen sich auch als Presets abspeichern und somit in unterschiedlichen Projekten aufrufen. Zudem ist der Export in die Drum-Machine Groove Agent oder den HALion Sampler möglich, um dort das Audiomaterial noch weiter zu verarbeiten. Aber auch die Sampler Control selbst beherbergt unter ihrer übersichtlich gestalteten Oberfläche eine Auswahl an Einstellungen und Effekten, um das Abspielverhalten nach Belieben anzupassen. So werden Samples bei aktivierter One-Shot-Taste stets in voller Länge anstatt in Abhängigkeit zur Notenlänge abgespielt, im Reverse Modus verläuft die Sample-Wiedergabe rückwärts und mittels Dropdown-Menü eröffnet sich uns die Wahl zwischen kontinuierlicher, hin und zurück laufender, einmaliger sowie von der Notenlänge abhängiger Loop-Wiedergabe. Des Weiteren steht die bereits bekannte AudioWarp-Funktion bereit, mit der sich das Tempo der Samples dehnen und stauchen lässt. Das ermöglicht unter Anderem, die automatische Veränderung der Sample-Länge beim chromatischen Spielen zu unterbinden. Damit ist allerdings behutsam umzugehen, denn je nach Audiomaterial kann die Funktion Artefakte stärker zum Vorschein bringen. Abgerundet wird das Effektpaket durch Pitch-Anpassungen, Filter und  eine obligatorische Verstärker-Sektion für die Einstellung von Pegel und Panorama.

Steinberg liefert passend dazu eine neue Sample Library mit dem Namen Caleidoscope. Sie ist in der Media Bay zu finden und beinhaltet insgesamt mehr als 300 Samples. Die Sounds reichen von atmosphärischen Flächen, über Beeps, Blips und rhythmische Build-Ups bis hin zu imposanten Soundeffekten, die bei uns gleich Assoziationen zu Filmscores wecken. Die Samples sind mit viel Liebe zum Detail gemacht, das spiegelt sich in den oft sehr langen und facettenreichen Ausklängen wieder. Insgesamt stellt Steinberg mit der Sampler-Spur und Caleidoscope Sample-Library ein für Cubase neues Produktionstool vor, das viel zu bieten hat und definitiv eines unserer neuen Lieblingswerkzeuge geworden ist.

Mächtiger Plug-in-Zuwachs: Frequency EQ

Steinberg spendierte Cubase Pro 9 einen neuen Equalizer, der die zuvor vorhandenen Stock-Plug-ins wie den Studio EQ in Sachen Features noch einmal stark überbietet. So erhält der Benutzer mit dem Frequency Zugriff auf eine ganze Reihe nützlicher Parameter, die uns in ihrer Anordnung zunächst stark an den EQ des Master-Rigs aus Wavelab 9 erinnern. Zur Verfügung stehen acht parametrische Frequenzbänder – gleich die doppelte Anzahl, die wir bislang im Channelstrip Equalizer oder in einer einzelnen Plug-in-Instanz des Studio EQ zur Verfügung hatten. Jedes Frequenzband enthält Einstellmöglichkeiten für Frequenz, Filtergüte, Filterart (unter anderem mit steilflankigem Notchfilter), Gain und zudem eine nützliche Invert-Gain-Taste, die wir bereits vom Studio-EQ kennen. Bei der Stereo-Anwendung kommen für jedes Frequenzband unabhängig wählbare Modi hinzu: Neben dem standardmäßigen Stereo-Modus mit einem gemeinsamen Filter gibt es einen Links/Rechts- und einen Mid/Side-Modus mit jeweils zwei separat zuschalt- und einstellbaren Filtern. Das alles macht das Frequency Plug-in bereits zu einem mächtigen Tool und dürfte eine lang ersehnte Antwort auf die Wünsche vieler Nutzer sein.

Doch damit nicht genug, so verfügt der Frequency auch über einen sogenannten Linear-Phase-Modus – einem Feature, für das es einer kurzen Erläuterung benötigt: Eine gewöhnliche EQ-Anpassung nimmt nicht nur Einfluss auf den Frequenzgang, sondern auch auf die Phasenlage. Das wiederum bringt aufgrund einhergehender Phasenauslöschungen weitere Veränderungen im Frequenzgang mit sich. Im Linear-Phase-Modus werden die entstehenden Phasenverschiebungen  korrigiert, somit bleibt die ursprüngliche Phasenlage erhalten. Am Beispiel eines Drumkits entsteht mit einem starken Lowcut im Linear-Phase-Modus ein deutliches Pre-Ringing, das schon fast einen saugenden Klang mit sich bringt und den Attack impulsreicher Instrumente im Bassbereich etwas verwischt. Das hängt damit zusammen, dass die Amplitude in diesem Modus genau auf der Frequenz bleibt, die wir anvisiert haben, anstatt sich zu verschieben. Somit verbleibt links von der Amplitude ein mit zunehmendem Gain auffällig werdender „Auftakt“. Bis auf wenige weitere Spezialfälle fallen die Unterschiede jedoch ziemlich gering aus. Auch ist zu bemerken, dass es zwischen den beiden Modi keinen de facto „Besseren“ gibt. Es hängt immer von der Anforderung und dem bevorzugtem Ergebnis ab, dabei sind Einstellungen im Linear-Phase-Modus meist vorhersehbarer, während die eventuell auftretenden Seiteneffekte üblicher Anpassungen oft sogar sinnvoll und erwünscht sind.

Auch der zugehörige Analyzer wartet mit einer Handvoll nützlicher Eigenschaften auf. Bei aktiviertem Auto-Listen-Modus erfolgt eine Solo-Ausgabe des jeweiligen Bands an dem gerade ein Parameter geändert wird. Eine Funktion, die besonders bei akribischen Korrekturen zeitsparend sein kann. Außerdem befindet sich am unteren Rand eine Klaviertastatur, auf der die im Frequenzspektrum anvisierten Töne markiert sind. Umgekehrt lassen sich die einzelnen Frequenzbänder direkt über die Tastatur bewegen, somit können wir Noten und entsprechende Obertöne gezielt ansteuern. Die Funktion lässt sich zwar ausblenden, jedoch hat das keine Auswirkung auf die Größe des angrenzenden Analyzer-Fensters. Die Tastatur weicht dann lediglich einem Platzhalter.

Zusammenfassend hat ein Equalizer mit dem Umfang des Frequency Plug-ins in der ansonsten üppigen Plug-in Ausstattung von Cubase definitiv gefehlt.

Mix-Schritte rückgängig machen mit der MixConsole History

Ein blinder Klick oder eine Drehung am Scrollrad während der Zeiger über einen Parameter wandert und schon ist er passiert: der lästige Fehler im zuvor so sorgfältig justierten Mix. Lange Zeit bestand durch solche Unachtsamkeiten ein hohes Frustrationspotential, denn Mix-Parameteränderungen waren in Cubase bis zur Version 8.5 nicht reversibel. Das ändert sich ab Cubase Pro 9 mit der MixConsole History. Ihr Aufbau gleicht der bereits integrierten „Liste der Bearbeitungsschritte“, jedoch ermöglicht sie Rückschritte einzelner Handgriffe im Mix und ist fest in die linke Zone der MixConsole integriert. Die Darstellung und Handhabung ist Steinberg sehr gut gelungen: Neben der Aktionsbezeichnung geben weitere Spalten Auskunft über den Ist-Wert und den Änderungszeitpunkt, somit lassen sich die Schritte auf dem ersten Blick schnell der Erinnerung zuordnen. Eine Trennlinie markiert immer den aktuellen Punkt in der History. Durch das Verschieben entlang der Auflistung werden die Schritte rückgängig gemacht, deutlich visualisiert durch eine Verdunkelung der Schrift unterhalb der Trennlinie. Klug gelöst ist auch, dass einige direkt wiederholte Aktionen wie zum Beispiel das Ein- und Ausschalten eines Frequenzbands nicht in immer wieder neuen Bearbeitungsschritten resultieren. Stattdessen entspricht eine hin- und herspringende Aktion einem einzelnen Schritt in der History, der bei erneuter Tätigung lediglich rückgängig gemacht wird. Alles in allem ist die MixConsole History ein lang ersehntes Feature, das bei Fehlentscheidungen oder versehentlichen Eingaben hilft, einen kühleren Kopf zu bewahren. Allerdings ist die History wie ein gewöhnliches Rückgängig-Protokoll nur temporär und wird nicht mit dem Projekt abgespeichert.

Weitere Neuerungen

USB- Plug&Play für Windows
Das Anschließen eines USB-Controllers während der laufenden Produktion war für Cubase-Nutzer mit Windows-Systemen bislang ein Grund zum Programm-Neustart. Erst dann wurde das neu angesteckte Gerät von Cubase erkannt und konnte für die Steuerung oder MIDI-Eingabe genutzt werden. Ab Version 9 haben es endlich auch die Windowsnutzer so komfortabel wie die Mac-Anwender: USB-Geräte sind nun im laufenden Betrieb Plug&Play-fähig und damit sofort startklar.

Bis zu zehn Markerspuren
Im Gegensatz zu Nuendo konnte Cubase in der Vorversion nicht mehr als eine Marker-Spur handeln. Auch das ändert sich mit Version Pro 9: Ab sofort können bis zu zehn Markerspuren (sowohl normale Marker als auch Cycle-Marker) gleichzeitig genutzt werden, was die Organisation mehrerer Spuren mit je nach Instrument ganz unterschiedlicher Songstruktur erlaubt.

Audio-ins für VST-Instrumente
Außerdem hat Steinberg in Version 9 Audio-Eingänge für VST-Instrumente mit Side-Chain-Unterstützung eingeführt. Wozu das gut sein soll? Ganz einfach: So lassen sich beispielsweise Audiosignale in das Synthesizer-Instrument Retrologue 2 leiten. Im Synthesizer lässt sich dann die Klangerzeugung bypassen und so das Audio-Signal separat mit den Filtern und Effekten des Instruments bearbeiten. Außerdem sind so Mischsounds aus Audio- und Instrumentensignalen denkbar, welche die Kreativität zusätzlich ankurbeln – eine spannende Option.

Darüber hinaus bietet Cubase Pro 9 noch so manche größere oder kleinere Verbesserung – sei es bei der MixConsole, die nun ein eigenes Undo-Protokoll samt History erhält (siehe Kasten), eine erleichterte Noteneingabe im Score-Editor und die nochmals verbesserte Cloud-Kollaboration mit VST Transit.

Update oder lieber nicht?

Zusammengefasst gefällt uns Cubase Pro 9 wirklich gut. Besonders der optimierte Workflow dank der praktischen Lower Zone, das neue Frequency EQ-Plug-in, die kreativ nutzbare Sampler-Spur und das Rückgängig-Protokoll für die MixConsole sind absolute Update-Argumente. Dennoch unbedingt beachten: Mit dem Update wird Cubase zur reinen 64-Bit-Anwendung!

Fazit

Der Schritt auf Cubase Pro 9 ist sicherlich kein über die Maßen umfangreiches, revolutionäres, weltbewegendes und alles veränderndes Update. Das haben wir bei einer derart hochentwickelten, vollständigen und benutzerfreundlichen DAW auch gar nicht erwartet. Stattdessen ergänzt es die Vorversion um ein paar attraktive, inspirierende Features und sorgt gleichzeitig für noch höheren Bedienkomfort.

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