Trennung im Guten

 

Gesang vom Rest eines fertigen Mixes sauber trennen – die Software Trax Pro 3 SP möchte dies leisten. Ein interessantes Tool nicht nur für DJs, denn so bieten sich spannende Möglichkeiten zur nachträglichen Gesangsbearbeitung.

Von Freda Ressel

 

Viele werden die Situation kennen – eine alte Aufnahme einer ehemaligen oder pausierenden Band liegt noch als WAV auf dem Rechner oder in CD-Form im Regal, doch die Originalspuren sind verschollen – auf dem vorletzten PC des Bassisten, auf Bändern im Keller des Schlagzeugers, unerreichbar jedenfalls für den Moment. Beim Wiederentdecken dieser Aufnahme juckt es in den Fingern – der Gesang war stets einen Tick zu leise, könnte man da doch nur einen Hauch hinzugeben, wäre es einfach perfekt. Mit der Software Trax Pro 3 SP des französisch-amerikanischen Herstellers Audionamix kein Problem – und das ist nur eine der unkompliziertesten Funktionen des Programms. Denn der Hersteller verspricht die saubere Trennung von Gesang und Musiksignalen – einzeln exportierbar sogar im STEMS-Format. Eine Revolution für DJs und Remix-Künstler, die sonst auf einzelne Spuren angewiesen sind. Zudem hat die Pro SP-Version einen zusätzlichen Filter für Sprachaufnahmen – so können beispielsweise im Freien aufgenommene Dokumentationen nachträglich überarbeitet oder alte Sprachaufnahmen von Rauschen befreit werden.

Audionamix bietet TRAX in drei verschiedenen Fassungen an: Die Basisversion TRAX 3 kommt für einen Preis von 299 Euro und beinhaltet die Melodieseparierung ohne Spektralbearbeitung, welche in der Pro-Variante für 499 Euro enthalten ist. Die Pro SP-Ausgabe, der der Test zugrunde liegt, bietet zudem Spracherkennung und Panning-bezogene Spektralbearbeitung und kostet 999 Euro. Das Programm ist auf Mac-Computer beschränkt, eine Windows-Version ist laut Hersteller nicht geplant.

 

Installation

 

Beim Kauf von Trax 3 erhält man einen Aktivierungscode, mit dem man auf der Audionamix-Homepage das Programm herunterladen kann. Wichtig zu wissen ist, dass das Programm sämtliche Funktionen nicht auf dem Anwender-Computer, sondern serverbasiert erledigt. Eine stehende Internetverbindung ist daher zwingend notwendig und sollte auch recht schnell sein, da sonst die Wartezeiten der einzelnen Bearbeitungsschritte schnell frustrierend ausfallen. Durch das serverbasierte Arbeiten werden Software-Updates überflüssig, der Nutzer hat automatisch die neueste Version des Programms. Allerdings ist es so natürlich nicht möglich, offline unterwegs zu arbeiten.

 

Erste Schritte

 

Beim Einlesen einer Datei in TRAX 3 Pro SP stellt das Programm den Nutzer zunächst vor die Wahl, ob nur nach Melodiestimmen, Sprache oder beidem getrennt werden soll. Zudem lässt sich die Stimmerkennung deaktivieren, so dass jede Art von Melodieinstrument, wie Sologitarren oder Ähnliches, gefunden wird. Die erfolgte Auswahl im Separate-Fenster wird nun in zwei Spuren getrennt (Vocals und Music), die zusammenaddiert stets das Originalsignal ergeben. Die beiden getrennten Spuren lassen sich kinderleicht im Pegel anheben oder absenken – so hat man die eingangs erwähnten Altlasten bei fertigen Aufnahmen schnell gefixt und das Endergebnis exportiert – eine fantastische Funktion!

 

Das sogenannte Pitchogramm stellt nun den für den Melodiestimmenbereich zuständigen Frequenzbereich (60 Hz bis 1100 kHz) und, im Falle der Gesangsspur, die automatisch erkannte Melodie als Linie dar. Zudem zeigt die Konsonantenerkennung erkannte Konsonanten als Strich an. Die automatische Erkennung ist natürlich nicht perfekt und enthält noch viele Artefakte der Musikspur – gerade Schlagzeugobertöne und harmonisch nah an den Melodiestimmen rangierende Rhythmusinstrumente rutschen dem Programm anfangs gerne durch, und auch weniger kraftvoll gesungene Worte kommen manchmal nicht komplett an. Wo das Programm falsch analysiert, hat der Nutzer nun die Möglichkeit, mit einer Handvoll intuitiver Werkzeuge nachzuhelfen. Mit dem Stifttool lässt sich die Linie händisch nachzeichnen – ein Probeton auf der entsprechenden Frequenzhöhe lässt sich zur Kontrolle sofort abspielen. Das Magnetstifttool erkennt verschiedene zusammenhängende Frequenzen und zeichnet diese punktgenau nach. Mit dem Rahmen lässt sich ein ganzer Bereich heranzoomen, zudem können mit dem Konsonanten-Tool nicht erkannte Konsonanten gekennzeichnet werden. Zuletzt lassen sich offensichtlich fehlerhaft erkannte Signale mit dem Radierer-Tool entfernen – diese sind aber dank TRAX‘ nondestruktiver Funktionsweise natürlich nicht verloren, sondern wandern auf die jeweils andere Spur. Die Auswirkung der Bearbeitung lässt sich nicht direkt nachvollziehen, die Spuren müssen zunächst erneut mit Klick auf den „Separate“-Button getrennt werden. Hier ist eine schnelle Internetverbindung wirklich Trumpf, da die Wartezeit sonst frustrierend lang ausfallen kann. Bei einer schnellen Verbindung dauert die erste Trennung zwischen einer und drei Minuten, jede neue Separierung geht etwas schneller. Für die perfekte Trennung der Gesangsspur braucht es seine Zeit, aber die Werkzeuge, die dem Nutzer zur Seite gestellt werden, sind überaus hilfreich, und so gelangt man hier bereits zu guten Ergebnissen.

 

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