Pegelmeister

Nach rund vier Jahren hat HOFA sein pfiffiges Analyse-Tool IQ-Analyser einer gründlichen Renovierung unterzogen und dabei nicht nur Altbewährtes in neuem Glanz erstrahlen lassen. Neue Features sollen dem Anwender künftig noch besser Auskunft über sein Programmmaterial geben. Welche das sind, klärt der Test.

Von Georg Berger

Analyser gibt’s doch wie Sand am Meer und vor allem kostenlos. So etwas hat meine DAW auch schon an Bord, das brauche ich nicht. Ich mische grundsätzlich nur nach Gehör. Solche und ähnliche Aussagen sind angesichts eines kostenpflichtigen Analysers zur Kontrolle von Pegeln, Frequenz- und Stereo-Verhältnissen rasch über die Lippen gebracht. Dabei wird nur allzu leicht vergessen, dass diese Produkte über vielfältige Einstellmöglichkeiten verfügen und die mitgelieferten und kostenlosen Tools entsprechend deklassieren. Wenn zusätzlich noch Features angeboten werden, die es so nicht gibt, sieht das Ganze wieder anders aus. So vor vier Jahren mit dem IQ-Analyser von HOFA geschehen, der seinerzeit mit der Möglichkeit auftrumpfte, die Frequenzverteilung eines Signals über die gesamte Dauer hinweg zu ermitteln, indem ein Audio-File via Drag-and-drop aufs Analyser-Fenster gezogen wird. Die nach kurzem Analysevorgang erzeugte, sogenannte Energy-Kurve gibt anschließend Auskunft darüber, welche Frequenzen im Clip/File dominieren oder unterrepräsentiert sind, was dem Anwender eine verlässliche Auskunft darüber gibt, wo er mit seinem Equalizer anzusetzen hat. Noch besser: Mitgelieferte Referenzkurven zu unterschiedlichen Stilen wie etwa Rock, Pop oder Klassik, gaben und geben dem Anwender eine Orientierung, wo am Mix noch nachgearbeitet werden sollte.

Das vor kurzem veröffentlichte Major-Update des IQ-Analysers auf Version 2 setzt diese Möglichkeiten selbstverständlich weiter fort. Das rund 130 Euro kostende Plug-in wartet darüber hinaus mit einem neuen, bis dato einzigartigen, Frequenz-Korrelations-Messer auf, der simultan Auskunft über die Stereobalance und den Korrelationsgrad, aufgeteilt in 31 Frequenzbänder gibt. Ein neues, dunkles Design, das mittlerweile sämtliche Plug-ins des Herstellers erfahren haben, ein Zuwachs an Referenzkurven, die Option, markierte Frequenzpunkte an den IQ-EQ V3 zu übergeben sowie die Möglichkeit, mehrere Instanzen des Plug-ins bequem auf einer einzigen offenen Oberfläche aufrufen zu können, stehen als weitere markante Neuheiten auf der Haben-Seite. Aber der Reihe nach. Schauen wir uns den IQ-Analyser V2 der Reihe nach an.

Neues Design, neue Features
Beim Aufruf des Plug-ins blicken wir auf eine klar strukturierte Oberfläche, die vom Spektrum-Analyser beherrscht wird. Rechts davon nimmt in zwei Spalten das neue Frequenz-Korrelations-Meter und das Peak-Meter seinen Platz ein. Unterhalb des letztgenannten Instruments ist das wechselweise aufrufbare Goniometer, respektive der Korrelationsgrad-Messer integriert. Am Kopf des Plug-ins versammelt sich eine Reihe von Buttons, die unter anderem zum Löschen der Anzeige, zur Auswahl der mitgelieferten Referenzkurven und zum Aufruf des Settings-Dialogs dienen. Die Zahl an mitgelieferten Referenzkurven hat sich übrigens erhöht und um ihrer Herr zu werden, offeriert der Hersteller beim Aufruf eine Ordner-Struktur in die selbstverständlich auch eigens erstellte Referenzkurven abgelegt werden können. Zentrale Anlaufstelle ist jedoch der Settings-Dialog, der nicht nur globale Verhaltensweisen des Plug-ins festlegt, sondern auch für jedes einzelne Mess-Instrument. Per Rechtsklick auf ein Instrument poppt ein Ausklapp-Menü mit den entsprechenden Einstellmöglichkeiten auf, die sich auch im Settings-Dialog finden. Sehr schön: Die Kurven im Spektrum-Analyser und die Anzeige des Goniometer lassen sich per Farbwähler dem eigenen Geschmack anpassen und liefern auf diese Weise ein Plus an Übersichtlichkeit. Gar nicht schön: Das Peak-Meter besitzt solch einen Farbwähler nicht. Richtig ärgerlich: Anstelle einer Standard-Farbskala von grün über orange bis rot, entpuppt sich das Peak-Meter im Test als graue, unscheinbare Maus. Das Zucken der hellgrauen virtuellen LED-Ketten auf nur wenig dunklerem Untergrund ist dadurch kaum zu bemerken und Clippings werden höchstens mit einem schmalen roten Strich angezeigt. In der Vorversion war das noch ganz anders und in Version 2 verkommt dieses wichtige Instrument somit zu einem nicht weiter interessanten Komparsen. Dafür gibt’s einen saftigen Minuspunkt, verbunden mit dem Wunsch alsbald wie möglich einen Farbwähler auch fürs Peak-Meter zu implementieren.

Doch das ist im Test der einzige, wenngleich äußerst schwer wiegende, Minuspunkt. Wie schon in der Vorversion erfreuen wir uns an der Möglichkeit, das Plug-in-Fenster, je nach Anforderung, dynamisch in der Größe zu skalieren und die einzelnen Instrumente und Dialoge innerhalb dessen in der Größe anzupassen. Das ist noch längst keine Selbstverständlichkeit. Der Spektrum-Analyser wartet wie gehabt mit einer einblendbaren Klaviatur sowie Anzeige von Notennamen und Frequenzangabe am Mauszeiger auf. Besonderheit: Die Analyse des Frequenz-Spektrums erfolgt nicht FFT-basiert, sondern mit Hilfe einer Filterbank, die aus 121 Bändern besteht. Laut Hersteller ist im Vergleich zum FFT-Ansatz dadurch eine konstante Auflösung gewährleistet. Der eigentliche Clou an der Sache ist aber, dass sich die 121 Filter beim Hineinzoomen in einen Frequenzbereich automatisch auf den gewählten Frequenzausschnitt neu verteilen, so dass die Auflösung der Analyse je nach gewähltem Ausschnitt immer feiner wird. Im Test sind Problembereiche im Signal rasch aufgezogen und werden haarfein unter die Lupe genommen. Dafür gibt’s ein Sonderlob. Ebenso leicht, nämlich über das Versetzen eingeblendeter Locatoren über der Skala ähnlich in einer DAW, haben wir auch die Amplituden-Darstellung entsprechend vergrößert oder verkleinert.

So richtig mächtig wird der Spektrum-Analyser aber erst im Zusammenspiel mit den Funktionen innerhalb des neu hinzugefügten Listen-Dialogs, der nicht nur am Fuß des GUI platziert, sondern bei Bedarf auch als separater Dialog abgekoppelt werden oder links vom Spektrum-Analyser angekoppelt werden kann. Im Test folgen wir als erstes der darin in halb transparenten Buchstaben verzeichneten Aufforderung und ziehen einen Clip aus Cubase Pro 8 in den Dialog. Daraufhin erfolgt eine Analyse der Audio-Daten, die sogleich in Form einer gestrichelten Energy-Kurve im Display erscheint. Diese sogenannten Snapshots liefern uns rasch Hinweise auf bestimmte Momentzustände innerhalb einer Spur, die wir bei der Echtzeit-Messung nach Bedarf abgleichen können. Damit aber nicht genug: Die Listenansicht führt nicht nur analysierte Clips und die gerade geöffnete Instanz des Plug-ins. Überdies zeigt sie auch sämtliche weitere IQ-Analyser-Instanzen innerhalb des Projekts an. Vergleichbares bietet übrigens auch das rund viermal so teure Insight-Plug-in von Izotope. Vorteil: In Cubase müssen wir nicht permanent Fenster auf- und zumachen, sondern begnügen uns mit einer geöffneten Instanz und Klicken in der Liste auf die Einträge, die wir dargestellt haben möchten. Das geht übrigens auch separat mit der Peak-/Goniometer- und der Frequenz-Korrelations-Anzeige. Ähnlich einer DAW lassen sich dabei auch einzelne Kurven solo darstellen. So haben wir im Test traumwandlerisch alles im Griff. Je nach Bedarf blenden wir die Peak-, Hold-, RMS- oder Energy-Anzeige einzelner Kurven ein oder aus, um bei der simultanen Anzeige mehrerer Kurven – auch das ist möglich – den Überblick zu behalten. Farbwähler erlauben zudem das Einfärben der einzelnen Instanzen. Im Test geht das alles flott und reibungslos über die Bühne, wenngleich es selbst bei klug gewählten Anzeige-Optionen bei der Darstellung von mehr als drei Kurven schon sehr wüst zugeht. Doch für diesen Fall hat HOFA ebenfalls vorgesorgt: Um Ordnung im Chaos zu schaffen gibt es die Möglichkeit, Kurven vertikal zu verschieben, um sie besser vergleichen zu können. Der Listen-Dialog zeigt dazu übrigens einen Offset-Wert an, der Auskunft über den Versatz gibt. Einzelne Peaks und Dips im Spektrogramm können zwecks besserer Identifizierung schließlich per Maus markiert werden, woraufhin eine Frequenz-, Noten-, Cent- und Gain-Angabe erscheint, die beim anschließenden Entzerren hilfreich ist. Wer den dynamischen Equalizer IQ-EQ sein eigen nennt, kann sich zusätzlich freuen: Die so markierten Punkte/Werte werden via simplem Befehl direkt an den HOFA-Entzerrer weitergegeben, so dass der Anwender lediglich am Gain und vielleicht der Güte etwas nachkorrigieren muss. Das ist perfekte Teamarbeit und zudem sehr praxisgerecht gelöst. Chapeau! Ein weiteres Leckerli verbirgt sich hinter den Differenz-Kästchen. Werden zwei davon angeklickt, zeigt das Display die
Differenz beider Kurven an. Im Test empfiehlt sich dieser Vergleich zwischen der Echtzeit- und einer Snapshot-Anzeige, die uns als weitere Option Auskunft darüber gibt, wie weit das Spektrum von der Energy-Kurve entfernt ist und wo wir mit dem EQ ansetzen müssen. Im Test ist diese Anzeige zu Anfang gewöhnungsbedürftig. Doch von Mal zu Mal kommen wir damit immer besser zurecht. Gleiches gilt auch für das neue Frequenz-Korrelations-Instrument, das wir letztlich bei der Beurteilung von Summensignalen immer mehr zu schätzen lernen. Sind die Balkenanzeigen weiß, zeigen sie je nach Größe und Auslenkung an, welcher Frequenzbereich auf welcher Seite dominiert. Färbt sich die Anzeige rot, ist dies ein Hinweis auf einen unkorrelierten Frequenzbereich. Vorteil: Mit Hilfe dieser Anzeige können wir anschließend zielgerichteter auf die Suche nach der Ursache gehen, als dies mit der herkömmlichen Anzeige möglich ist. Auch für diese pfiffige und ungewöhnliche Lösung gibt’s ein Sonderlob.

Fazit
HOFAs IQ-Analyser V2 sieht zwar wie ein banales Analyse-Instrument aus, das es zuhauf gibt. Die gebotenen Einstellmöglichkeiten sind im Vergleich zu ungleich höherpreisigen Mitbewerbern wie etwa Izotopes Insight oder die Produkte von Pinguin Audio eher überschaubar. Dafür wirft der IQ-Analyser V2 nach wie vor ein riesiges Pfund mit seiner Energy-Anzeige in die Wagschale und legt jetzt mit der Listenansicht inklusive erweiterter Funktionalität sowie dem einzigartigen Frequenz-Korrelations-Instrument weitere schwergewichtige Gründe für den Kauf noch obendrauf. Gerade diese pfiffigen und einzigartigen Features, gepaart mit denkbar einfachen Einstellmöglichkeiten, machen den IQ-Analyser V2 sowohl für Anfänger, als auch Profis zu einem wertvollen Instrument, um sachdienliche Unterstützung zum Aufbessern von Signalen zu erhalten.

Erschienen in Ausgabe 03/2015

Preisklasse: Oberklasse
Preis: 130 €
Bewertung: gut
Preis/Leistung: sehr gut – überragend

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