Dynamisches Trio

Mit dem Attacker Plus, dem Mo-Verb Plus und dem De-Verb Plus bringt SPL in Zusammenarbeit mit Brainworx drei kleine Plug-ins auf den Markt, die für Aufnahmen Großes bewirken können.

Von Freda Ressel

SPL ist im Hardwaresektor ein Garant für edel klingendes Studioequipment, doch auch die in Kooperation mit Brainworx entstehenden Software-Tools können stets überzeugen – und das von Anfang an, wie die sehr guten Testergebnisse ihrer Softwarepremiere, der Software-Emulation ihres Transient Designers, in Professional audio 11/2008 zeigen. Mit diesem Tool war erstmals eine pegelunabhängige Regelung der Ein- und Ausschwingvorgänge von Signalen möglich. Dafür entwickelte SPL eine digitale Nachbildung vom Hardware-Original seiner Differential Envelope Technology, die außerdem eine pegelunabhängige Dynamik-Bearbeitung ermöglicht. Dafür kommen für den Attack eines Signals jeweils zwei Hüllkurven zum Einsatz, von denen eine der Dynamik der Originalamplitude folgt, und die andere einen langsameren Verlauf erzeugt. Aus der Differenz dieser Kurven wird das Steuersignal errechnet, mit dem die Transienten angehoben oder abgesenkt werden können. Die Errechnung der Steuersignale für den Sustain-Wert erfolgt nach demselben Prinzip, mit dem Unterschied, dass die zweite Hüllkurve auf dem Spitzenpegel des Originalsignals bleibt. Damit lässt sich bei einer Verstärkung das Ausschwingverhalten verlängern, durch eine Dämpfung wiederrum wird es verkürzt. Parameter wie Ratio und Threshold werden durch diese Technologie obsolet und die Dynamik-Bearbeitung denkbar einfach.

Die drei Microplugs Attacker Plus, De-Verb Plus und Mo-Verb Plus basieren auf den einzelnen Parametern des Transient Designers und ergänzen diese durch jeweils einen Limiter sowie einen Wet/Dry-Regler, der das Mischverhältnis von Original- und bearbeitetem Signal bestimmen lässt.

Der Attacker Plus übernimmt die Funktionen des Attack-Reglers des Transient Designers, der De-Verb-Plus übernimmt die negativen Einstellungen des Sustain-Reglers und der Mo-Verb Plus die Verstärkung der Sustainwerte.

Die drei Microplugs sind für die Schnittstellen AAX (DSP und nativ),  AU und VST verfügbar. Der Attacker Plus kostet bei der Plugin Alliance, die den Vertrieb der SPL-Softwarelösungen übernommen hat, 99 Dollar. Für jeweils 79 Dollar sind Mo-Verb Plus und De-Verb Plus zu haben. Besitzer der Vorgängerversionen können für 29 Dollar ein Upgrade bekommen. Zudem bietet die Plugin Alliance für Produkte eine zweiwöchige Demolizenz an, mit der die Plug-ins ausgiebig getestet werden können.

Der Download erfolgt unkompliziert über den Plugin Aliance Installation Manager.

Genial einfach

Ein Kerncharakteristikum der SPL-Produktpalette ist eine sehr intuitive Bedienoberfläche und die drei Microplugs fallen in dieser Hinsicht nicht aus der Reihe. Die Plug-ins kommen in schick-spartanischer Optik mit silber-schwarzer Rack-Front daher und sind in ihrem Grundaufbau identisch. Die Größe des GUIs lässt sich nicht verändern, ist aber trotz des platzsparenden Formats sehr gut les- und bedienbar. Blickfang und Hauptbedienelemente sind zwei opulente Drehregler. Über den linken Regler lässt sich der eigentliche Dynamik-Parameter des jeweiligen Plug-ins Regeln regeln – „Attack“ beim Attacker Plus, „Reverb Reduction“ beim De-Verb Plus, sowie Reverb Enhancement beim Mo-Verb Plus. Auf der rechten Seite wird die Ausgangslaustärke geregelt, um durch die Verstärkung von Release- oder Attacksignalen auftretendes internes Clipping zu verhindern. Die „Sig.“-LED kennzeichnet, dass das Signal laut genug ist, um bearbeitet zu werden. Die „OVL“- (Overload)-LED zeigt Clipping an. Alle Drehregler lassen sich auch mit dem Mausrad steuern, mit der Steuerungs- (Windows) oder Command- (Mac) Taste lassen sich Feineinstellungen vornehmen.

Der Limiter-Button bietet eine Gain-Verminderung mit weicher Kennlinie. Diese setzt hinter dem Signal des Output-Reglers an, um eventuelle Pegelspitzen abzumindern. Den aktiven Limiter signalisiert die GR- (Gain Reduction)-LED. Daneben liegt der Drehregler für Dry/Wet, mit dem festgelegt  wird, in welchem Verhältnis Original- und bearbeitetes Signal ausgegeben werden.

In der Toolbar stehen vier Speicher-Buttons (A, B, C, D) zur Verfügung. Mit einem Click auf den jeweiligen Buchstaben werden die aktuellen Einstellungen gespeichert. So lassen sich schnell und einfach beispielsweise leicht unterschiedliche Einstellungen für verschiedene Teile einer Aufnahme anlegen. Für das Speichern der Settings hat SPL sich eine neue Lösung ausgedacht, die deutlich weniger „gefährlich“ ist als einst beim Transient Designer, bei dem die Gefahr eines versehentlichen Überspeicherns noch ein echtes Manko war. Während damals das erneute Drücken auf den Namen des jeweiligen Speicherplatzes bereits die aktuelle Einstellung überspeicherte, gibt es nun für das Zurücksetzen auf Werkseinstellung einen extra „Reset“-Knopf, und gewählte Einstellungen lassen sich über die „Copy“- und „Paste“-Funktionstasten auf die anderen Speicherbänke übertragen.

Die Settings sind zudem, wie schon beim Transient Designer, über Host Automation fernsteuerbar. So kann bequem vom Sequencer aus auf die verschiedenen Einstellungen für beispielsweise Strophe, Bridge und Refrain zugegriffen werden, ohne dass die Fernsteuerung für jeden einzelnen Parameter programmiert werden müsste.

Sollte eine veränderte Einstellung doch nicht den eigenen Vorstellungen genügen, ist es durch die Undo- und Redo-Pfeile möglich, die letzten 32 Bearbeitungsschritte nachzuvollziehen. Somit ist nichts verloren, selbst wenn mal ein Bearbeitungsschritt daneben geht.

Die Microplugs sind eigentlich so intuitiv, dass sie sich problemlos ohne Bedienungsanleitung nutzen lassen. Das Studium der Manuals lohnt sich aber dennoch, denn SPL bieten hier neben der Erklärung der einzelnen Funktionen auch gute Vorschläge zur Anwendung des jeweiligen Plug-ins für verschiedene Instrumente – auch mit dem Hinweis, wofür es sich eben nicht so gut eignet und warum.   

Attacker Plus

Der Attacker Plus basiert auf dem Attack-Regler des Transient Designers. Hier wird die Attack-Phase um bis zu 15 dB verstärkt. Für den Test probieren wir die Wirkung des Attacker Plus zunächst auf verschiedene Schlagzeugspuren aus. Von Anfang an sind wir begeistert von den Klangveränderungen, die durch simples Anheben der Attackphase möglich werden. Eine Snaredrum, die zuvor eher unscheinbar im Gesamtbild wirkte, bekommt deutlich mehr Punch und klingt wesentlich plastischer. Auch eine Bassdrum lässt sich wunderschön herausmodellieren, so dass allzu platt wirkende Aufnahmen deutlich aufgewertet werden.

Gezupfte Gitarren bekommen mehr Präsenz, auch wenn sie zuvor im Klanggemisch eher untergingen. Natürlich sollte man es beim Gebrauch des Attacker Plus nicht übertreiben – bei ohnehin Attack-reichen Spuren klingt eine höhere Einstellung schnell leicht künstlich. Doch sorgsam dosiert lassen sich hier tolle Klangergebnisse erzielen, die müde Aufnahmen deutlich aufwerten können.

Gut gefällt uns der neutrale Klang des Plug-ins: abgesehen von den gewollten Klangveränderungen bleibt das Material unangetastet. Subtile Änderungen sind dadurch auf den ersten Höreindruck kaum zu erkennen und ermöglichen eine sehr feine, unaufällige Bearbeitung der Signale. Das gilt übrigens für alle drei Microplugs.

De-Verb Plus

De-Verb Plus ist im Prinzip der Effekt, der sich beim Transient Designer erreichen lässt, wenn der Sustainregler in den negativen Bereich gestellt wird. Von 0 bis -24 dB können hier die Release-Werte gedämpft werden.

Wir testen den De-Verb Plus zunächst an einer Sprachaufnahme, auf der aufgrund suboptimaler Aufnahmebedingungen in einem improvisierten Heimstudio deutlich zu viel Raum zu hören ist. Dabei zeigt sich gleich, dass das Plug-in hält, was es verspricht – schon mit vorsichtiger Reduzierung des Reverbs ändert sich der Raumcharakter der Aufnahme, ohne den sonstigen Klang hörbar zu verändern. So können wir mit Ohrenmaß schnell die optimale Einstellung finden, sodass es den Anschein hat, dass der Sprecher statt in einem großen Wohnzimmer in einem Tonstudio mit entsprechender Dämpfung steht.

Dieser Erfolg motiviert zu mehr Experimenten, und so nehmen wir uns eine Akustikgitarrenaufnahme vor, auf der uns die Menge an hörbarem Raum im Verhältnis zu den restlichen Spuren des Stückes nicht gefällt. Ein kurzes Drehen am Reverb-Reduction-Regler, und schon haben wir das gewünschte Ergebnis.

SPL empfiehlt den De-Verb auch für unsauber gespielte Bassspuren, bei denen man ein Legato in ein Staccato verwandeln kann. Tatsächlich funktioniert dies relativ simpel, wobei hier klar eine sorgfältige Dosierung gefragt ist – dreht man zu weit auf, kommt es zu Noise-Gate-artigen Effekten, die für unsere Zwecke zu auffällig klingen. Mit dieser Funktion sind auf den ersten Blick unbrauchbare Bassspuren schnell gerettet und dadurch viel Zeit gespart – Klasse!

Mo-Verb Plus

Das Mo-Verb Plus Plug-in hat die exakt umgekehrte Funktion wie der De-Verb Plus. Hier wird das Ausschwingsignal verstärkt und so mehr Räumlichkeit erzeugt. Das Reverb Enhancement lässt sich zwischen 0 und 24 dB einstellen.

Auch für den Mo-Verb Plus nehmen wir uns zunächst ein paar Schlagzeugspuren vor. Mit wenigen Handgriffen lassen sich Overhead-Mikrofone scheinbar weiter entfernt aufstellen, allzu beklemmend klingende Aufnahmen klingen schnell luftiger und weniger kompakt. Sehr perkussiv gespielte Bassläufe können wir etwas abmindern und damit die Pausen zwischen den einzelnen Tönen zugunsten des ausgewogenen Gesamtklangs etwas ausfüllen.

Dank des Hinweises im Manual versuchen wir mithilfe des Mo-Verb Plus, in verschiedenen Studios aufgenommene Spuren klanglich aufeinander abzustimmen – eine nachträglich für eine alte Aufnahme in einem anderen Homerecordingstudio aufgenommene Gitarre hatte sich zuvor nicht so gut in den Gesamtklang eingefügt. Das Herumprobieren mit den verschiedenen Reverb-Dosierungen und Mischverhältnissen geht leicht von der Hand und macht auch Spaß – und nach kurzer Zeit können wir bereits zufriedenstellende Ergebnisse erzeugen.

Fazit

Super intuitiv und stark in der Wirkung – die drei Microplugs von SPL überzeugen auf ganzer Linie. Ob zum Aufpolieren suboptimaler Aufnahmen oder zum Experimentieren mit verschiedenen Raumhall-Optionen: die kleinen Helferlein wirken wahre Wunder im Studioalltag. Egal ob Profi oder Homerecordler – die Microplugs sind in der Lage, auf einfachstem Wege die Dynamik einzelner Spuren zu verändern – und das ganz ohne mühsame Nutzung eines Kompressors. Damit spart man mit den Microplugs viel Zeit – und das Klangergebnis kann sich sehen lassen.

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