Virtuelle Premiere

SPL’s erster Wurf im Software-Sektor ist gleich ein Volltreffer. Vier Plug-ins setzen die
Konkurrenz mächtig unter Dampf.

Von Georg Berger

Kenner verbinden mit dem Firmenkürzel SPL edel klingende Audio-Analog-Hardware. Bislang noch, muss man ab sofort sagen. Denn auf der letzten AES Convention in San Francisco -Anfang Oktober 2008 hat sich die Pro-Audio-Manufaktur SPL auch als Software-Produzent geoutet. Dort präsentierten die SPL-Mannen erstmals zwei Software-Produkte, die komplett in Eigenregie entstanden sind: Den Transient Designer und die EQ Rangers Volume 1, die verschiedene Module des RackPack-Systems emulieren (Test in Heft 11/2007).

Damit schließt SPL zu vielen anderen Herstellern auf, die einen solchen Schritt bereits vor einiger Zeit getan haben. Für die Entwicklung der Plug-ins holte sich SPL das Langenfelder Unternehmen Brainworx mit ins Boot. Brainworx feierte mit seiner BX-Software-Serie bereits seit einiger Zeit große Erfolge und zeichnet ab sofort – in enger Zusammenarbeit mit SPL – für die Entwicklung auch zukünftiger SPL-Plug-ins verantwortlich (Test bx_digital in Heft 6/2007). Bei der Entwicklung kam ein eigens entwickeltes Programmierverfahren zum Einsatz, das die einzelnen Hardware-Komponenten sowohl technisch als auch klanglich virtuell nachbildet (siehe auch Interview auf Seite 32). Um dies zu unterstreichen, tragen sämtliche SPL-Plug-ins das Markenzeichen „Analog Code“. Doch zurück zu den Testkandidaten:
Es sind zwar nicht die ersten Emulationen von SPL-Hardware am Markt, doch die SPL-Schöpfungen liegen erstmals als native Versionen für die VST-, AU- und RTAS-Schnittstelle vor. Im Gegensatz zum Anfang des Jahres vorgestellten SPL Transient Designer Plug-in, der von Universal Audio für seine UAD-Karte programmiert wurde, sind die SPL-Plug-ins von keiner DSP-Karte abhängig, also in jedem Rechner lauffähig. Übrigens: TDM-Versionen beider Produkte sind momentan in Arbeit und dürften in Kürze ebenfalls erhältlich sein. Konkrete Preisangaben dazu waren bei Redaktionsschluss jedoch noch nicht zu erfahren.
Der knapp 240 Euro teure Transient Designer ist ein Dynamik-Prozessor und erlaubt das pegelunabhängige Verstärken oder Dämpfen der Ein- und Ausschwingvorgänge von Signalen. Das Verfahren wurde unter der Bezeichnung „Differential Envelope Technology“ seinerzeit von SPL entwickelt und hat sich seitdem zu einem echten Klassiker entwickelt. Der Transient Designer erlaubt auf einzigartige Weise ein Modellieren von Signalen, wie es mit herkömmlichen Kompressoren nicht möglich ist. Dazu später mehr. Das rund 290 Euro teure EQ Rangers-Produkt ist ein Bundle aus drei Plug-ins und enthält die Simulationen der drei RackPack-Equalizer-Module Bass-, Vox- und Full Ranger, die als Hardware erstmals auf der Musikmesse 2008 vorgestellt wurden. Sie sind mit jeweils acht individuellen Frequenzbändern ausgestattet, die für gezielte tontechnische Anwendungszwecke ausgelegt sind. Die Bezeichnung jedes Moduls weist eindeutig darauf hin. Besonderheit: Die Plug-ins emulieren eine passive Equalizerschaltung, die für ihre besonders musikalische Qualität bekannt ist. Übrigens: Die Hardware-Vorbilder sind ebenfalls erst seit kurzem auf dem Markt. Ein Test dieser Module inklusive Soft- und Hardwarevergleich folgt in Kürze.
Die Bedienoberfläche und die Einstellmöglichkeiten sämtlicher Plug-ins ist den Hardware-Modulen detailgetreu nachempfunden. Einziger Unterschied: Jedes Plug-in besitzt außer der charakteristischen Frontplatte mit dem eigentlichen Bedienfeld noch eine weitere, um im Bild zu bleiben, Modul-Blende, die das Firmenlogo, die Betriebsleuchte und vier Speicher-Buttons enthält. Durch simplen Klick auf einen dieser Buttons wird das momentan eingestellte Setting gespeichert. Klickt man anschließend auf einen anderen Speicher-Button, wird, sofern noch keine Einstellung dort gespeichert wurde, die Werkseinstellung aktiviert oder ein zuvor dort gespeichertes Setting blitzschnell aufgerufen. Ein nochmaliges Anklicken eines Buttons überschreibt das dort gespeicherte Setting mit der aktuellen Einstellung. Das ist sehr bequem, birgt aber auch Gefahren. Denn wenn man nicht aufpasst, kann es sehr leicht passieren, dass ein zuvor dort abgelegtes Setting unbeabsichtigt gelöscht wird. Wir würden uns hier eine zwischengeschaltete Sicherheitsabfrage wünschen, die vor dem endgültigen Abspeichern erscheint.

Unschlagbar ist hingegen folgendes Feature: SPL bietet dem Anwender mit den vier Speichern nicht nur eine bequeme Option zum raschen Vergleich verschiedener Settings. Das Aktivieren der Buttons ist  darüber hinaus auch per Host Automation fernsteuerbar, so dass sich im laufenden Sequenzerbetrieb verschiedene Settings, etwa für Intro, Strophe, Refrain und Solo bequem und vor allem blitzschnell aus dem Sequenzer heraus aufrufen lassen. Im Test nutzen wir diese Funktion weidlich aus und können für jeden Songpart in aller Ruhe Einstellungen vornehmen und anschließend zielgenau aufrufen. Die mitunter doch recht lästige und aufwändige Programmierung der Fernsteuerung jedes einzelnen Parameters, wie sie sonst üblich ist, entfällt dadurch.
Dass die SPL-Entwickler etwas von Ergonomie verstehen, beweisen sie auch bei ihren Plug-ins: Denn die Bedienung der Plug-ins erschließt sich erfahrenen Anwendern auch ohne Blick ins Handbuch. Doch ein Studium der wie immer sehr gut gemachten und informativen Anleitungen lohnt in jedem Fall. Denn SPL gibt dort vor allem bei den Equalizer-Plug-ins wertvolle Hinweise und Tipps zur Anwendung für verschiedene Instrumente – auch gestandene Profis können davon noch etwas lernen.
Als erstes widmen wir uns im Praxistest dem Transient Designer: Wie auch sein Hardware-Pendant kommt das Plug-in mit einer überschaubaren Zahl an Einstellmöglichkeiten aus. Regler für Attack, Release, die Ausgangslautstärke sowie Buttons zum Schalten auf Bypass und zum Aktivieren der Link-Funktion bevölkern die Bedienoberfläche. Mehr ist auch nicht nötig, da die Differential Envelope Technology (DET) dem Anwender durch intelligente Abläufe im Hintergrund eine Menge an Einstellarbeit abnimmt. Parameter wie Ratio und Threshold werden automatisch eingestellt. Kern der DET: Jeweils separat kommen für den Ein- und Ausschwingvorgang zwei Hüllkurven zum Einsatz. Für das Attack folgt eine Hüllkurve der Dynamik der Originalsignal-Amplitude. Die zweite Hüllkurve erzeugt einen etwas langsameren Verlauf. Aus der Differenz beider Hüllkurvenverläufe lässt sich anschließend ein Steuersignal errechnen, das bei Verstärkung die Transienten des Originalsignals anhebt und bei Dämpfung absenkt. Ähnlich verhält es sich bei der Sustain-Phase, nur dass die zweite Hüllkurve zur Errechnung der Differenz auf dem Spitzenpegel des Originalsignals verbleibt, so dass eine Verstärkung den Ausschwingvorgang verlängert und eine Dämpfung ihn verkürzt. Das Beste daran: Das alles erfolgt ohne Änderung der Gesamtlautstärke. SPL hat jedoch im RackPack-Transient Designer und auch im Plug-in einen Lautstärkeregler implementiert, mit dem sich je nach Einstellung allzu heftige Transienten-Bearbeitungen erfolgreich zügeln lassen. Auf der virtuellen Ebene ist der Lautstärkeregler dabei von immenser Wichtigkeit. Signalisiert die Overload-LED im Plug-in bei allzu euphorischer Nutzung von Attack und Release ein internes Clipping, schafft der Output-Regler rasch Abhilfe. Wichtig ist auch der Link-Button, der im Stereo-Betrieb von Nutzen ist: Im aktiven Zustand orientiert sich das Plug-in am Stereokanal mit der höchsten Amplitude und regelt den anderen Kanal anhand dieser Werte mit. Ist die Link-Funktion deaktiviert, erfolgt die Bearbeitung separat für jeden Stereokanal. Wer also ein möglichst homogenes Stereo-Ergebnis erhalten möchte, ist mit der Link-Funktion bestens beraten.

Die Arbeit mit dem Transient Designer-Plug-in ist im Praxis- und Hörtest eine wahre Freude und macht regelrecht süchtig. Insbesondere für Schlagzeugsounds ist der Transient Designer eine Geheimwaffe, um einzelne Instrumente oder auch ein Gesamtarrangement nachhaltig zu verbiegen. Snare-Drums erhalten durch Verstärkung der Attackphase deutlich mehr Punch. Im Test sparen wir uns den Einsatz des Equalizers und können die Snare dennoch aus dem Drum-Arrangement präzise herausmodellieren. Gleichzeitig erhält die -Snare-Drum noch eine Frischzellenkur. Sie klingt durch Anheben des Attacks, obwohl wiederum kein Equalizer eingesetzt wurde, jetzt deutlich frischer und luftiger. In einem anderen Fall reduzieren wir den für unsere Zwecke zu deutlichen Hallanteil -eines vorproduzierten Drumloops durch Dämpfen der Sustainphase. Bei allzu heftiger Einstellung des Sustainreglers stellt sich sogar ein Noise Gate ähnlicher Effekt ein. Bei der Bearbeitung von Einzelsignalen bändigen wir das allzu lange Ausklingen von Becken mit dem Transient Designer ebenfalls auf bequeme Art. Durch behutsames Dämpfen des Sustains -geschieht das auf musikalische und unmerkliche Art und Weise. Gitarren-Phrasen mit deutlichem Picking-Anteil schälen wir durch Anheben des Attacks ebenfalls deutlicher aus dem Arrangement heraus. Für Slap-Bass ist der Transient-Designer gleichfalls eine Wunderwaffe. Je nach Bedarf kitzeln wir aus den Bassläufen durch Anheben des Attacks und Absenken des Sustains mehr Drahtigkeit und Spritzigkeit heraus. Kellertiefe Basslinien, die mit dem Finger gespielt sind, lassen wir durch Anheben des Sustains wohlig weich brummen und füllen auftretende Frequenzlöcher im Bassbereich dadurch aus. Auffällig: Der Grundsound des Transient Designer Plug-ins ist durchweg neutral, um nicht zu sagen unauffällig. Änderungen im Klang erfolgen nur dort, wo sie es auch sollen. Der Rest bleibt unangetastet und wird authentisch durchgereicht. Gleichzeitig überzeugt das Plug-in durch seinen subtilen Eingriff ins Programm-Material, der ihn als Effekt im reinen Wortsinne nicht erkennen lässt. Der im Toontrack Superior Drummer Plug-in integrierte Transient Modeler-Effekt von Sonalksis beispielsweise geht merkbar färbender zur Sache, indem er je nach Bearbeitung, Signale deutlich spitzer und mittenbetonter ausgibt (Test im letzten Heft). Das SPL-Plug-in klingt deutlich weicher, feiner und besser aufgelöst. Mit seinen Möglichkeiten wirkt der SPL Transient Designer mal wie ein Equalizer, mal wie ein Noise Gate und das auf subtile Art, weshalb er sich seinen Platz in der Spitzenklasse redlich verdient hat.
Mit dem EQ Rangers Volume 1 Bundle stellt das Entwickler-Team von SPL und Brainworx dem Transient Designer drei Equalizer-Plug-ins mit jeweils acht fest eingestellten Bell-Filtern zur Seite. Pro Band findet sich auf der Bedienoberfläche, ähnlich wie bei einem graphischen Equalizer, ein horizontal ange-ordneter Fader zur Verstärkung und Dämpfung des Frequenzbands. Ein Output-Gain-Fader komplettiert die Regelmöglichkeiten und erlaubt das Justieren der Ausgangslautstärke in einem Bereich von ±6 Dezibel. Das Bass-Ranger-Plug-in deckt einen Frequenzbereich zwischen 30 Hertz bis zwei Kilohertz ab und ist primär zur Bearbeitung von Audio-Material mit dominantem tieffrequentem Signalanteil gedacht. Die Frequenzbänder des Vox Ranger sind – Nomen est Omen – für die Bearbeitung von Sprache und Gesang ausgelegt. Er erlaubt den Eingriff in einem Frequenzbereich zwischen 220 Hertz und vier Kilohertz. Der Full Ranger deckt schließlich den gesamten Frequenzbereich zwischen 40 Hertz bis 16 Kilohertz ab und bietet sich für eine universelle Bearbeitung von Signalen an. Besonderheit: Anders als bei herkömmlichen graphischen Equalizern, die eine strenge Aufteilung der Bänder im Terz- oder Oktavabstand mit fest eingestelltem Gain und Güte bieten, besitzt jedes Plug-in ein eigenständiges Set an acht Frequenzbändern, die überdies noch verschieden breitbandig ausgelegt sind. Zudem lassen sich die Bänder teils unterschiedlich hoch verstärken und dämpfen. Laut Aussage von SPL-Mitinhaber Hermann Gier geschieht dies zwischen neun und 15 Dezibel. Aus Übersichtlichkeitsgründen verzichtete SPL deshalb auf eine Skalenbeschriftung. Hintergrund: Chef-Entwickler Wolfgang Neumann hat auf Basis seiner Erfahrung mit dem Highend-Equalizer Passeq (Test in Heft 8/2006), eine umfangreiche Hör-Analyse vorgenommen, um zu ergründen, welche Frequenzen sich für die Einzelsignalbearbeitung musikalisch besonders gut einsetzen lassen und berücksichtigte gleichzeitig auch das Gain und die Güte. Dabei kam ihm sein Know-how als gestandener und versierter Toningenieur zu Gute.
Im Hörtest zeigt sich vom Fleck weg, dass sich dieser Aufwand in jeder Hinsicht gelohnt hat. SPL hat mit den Ranger-Equalizern durchweg musikalisch einsetzbare Entzerrer entwickelt und virtuell emuliert, die dem Anwender ein mitunter aufwändiges Einstellen von Frequenz und Filtergüte abnimmt. Vorteil: Man kann sich voll und ganz auf die Musik konzentrieren. Ganz gleich, ob wir einen E-Bass mit dem Bass Ranger entzerren oder Gesang und Gitarren mit dem Vox Ranger behandeln, es kommt immer etwas musikalisch Organisches dabei heraus. So betonen wir bei einer
E-Bass-Aufnahme den wohlig-mittigen Knurranteil durch geschmackvolles Anheben bei 230 Hertz. Für einen Solopart verstärken wir minimal das Zwei-Kilohertzband und fügen dem Bass-Sound mehr Drahtigkeit und Durchhörbarkeit hinzu. Das Absenken des E-Basses bei 30 und 95 Hertz macht das Gesamtarrangement luftiger und schafft Platz für die Bass-Drum. Der Vox Ranger liefert die gleichen hervorragenden Ergebnisse. Das Timbre einer Frauenstimme verstärken wir mit dem 1,6-Kilohertz-Band und verleihen ihr mehr Charakter. Das gleiche Ergebnis erhalten wir bei einer Männerstimme durch Anheben der 560- und 800-Hertz-Bänder. Das Full-Ranger-Plug-in hat sogar das Zeug, sich auch im Mastering zu behaupten. Ganz gleich welche Frequenzen wir anheben oder absenken, das Ergebnis lässt nur selten Wünsche offen. Die Ranger-Plug-ins sind idiotensicher, da sich keine hörbar unangenehmen Färbungen oder Frequenzlöcher bemerkbar machen. So ist das zehn-Kilohertz-Band sehr breitbandig ausgelegt und reduziert auf homogene Weise auftretende Zischanteile. Im Test kombinieren wir sogar die einzelnen Plug-ins -miteinander und schalten sie im Sequenzerkanal hintereinander. Da die Frequenzbänder der drei Plug-ins nur in wenigen Fällen doppelt vorhanden sind, erhalten wir durch Einsatz von zwei oder aller drei Plug-ins noch mehr Eingriffsmöglichkeiten. Wolfgang Neumann hat hier ganze Arbeit geleistet und ein überaus feines Gehör bewiesen. Man merkt den Ranger-Equalizern an, dass hier nicht nur Ingenieure am Werk waren. Doch das Beste kommt zum Schluss: Der Klang. Der Sieger aus unserem Equalizer-Plug-in Vergleich (siehe Heft 7/2007), der Sony Oxford Equalizer von Sonnox, kann sich ab sofort warm anziehen. Der Grundklang der Ranger-Plug-ins überzeugt durch einen behutsamen Eingriff in die Frequenzen, der überaus fein und unauffällig gerät. Zudem überzeugen sie durch einen klaren und neutralen Klang. Im Test fühlen wir uns unmittelbar an den edlen und vornehmen Klang des SPL Passeq erinnert. Gleichzeitig werden -Signale fast unmerklich mit einem wohlig angenehm zu hörenden Schleier überzogen, den wir sofort vermissen, wenn wir das Plug-in auf Bypass schalten.

Fazit

Mit dem Transient Designer- und den drei EQ Rangers-Plug-ins feiert SPL nicht nur eine glanzvolle Premiere im Software-Bereich. Sie beweisen auch in dieser Disziplin, dass sie ihr Metier beherrschen und demonstrieren erfolgreich, was heutzutage in Sachen virtueller Emulation analoger Hardware machbar ist. Beide Produkte dürften sich alsbald im Standard-Repertoire jedes Profi-Studios finden, wissen sie durch einen edlen und highendigen Klang rundum zu überzeugen.

Auf zu neuen Ufern

(Interview mit Hermann Gier und Dirk Ulrich zur Entstehung der ersten von SPL produzierten Software)

? Herr Gier, Wie kommt es, dass ein weltweit renommierter Hersteller analoger Hardware auf einmal auch Software produziert? Was waren die Hintergründe für diesen Schritt?

! (Gier) Es ist beileibe nicht das erste Mal, dass SPL-Hardware in Form von Plug-ins emuliert wurde. Zu denken ist etwa an die Kooperationen mit Creamware (jetzt SonicCore, die Redaktion) und Universal Audio, mit denen wir eine jeweils eigenständige Umsetzung des Transient Designers realisiert haben. Auch mit Steinberg gab es bekanntlich eine Kooperation für deren De-Esser, der auf unserer Schaltung basiert.
Daher war es für uns nur ein weiterer Schritt, SPL Signal Prozessoren auch selbst digital umzusetzen. Denn eines ist wahr: Heutzutage haben selbst eingefleischte Analog-Anhänger in vielen Bereichen einfach keine andere Option mehr, als den Einsatz von Software. Schauen Sie sich nur einmal Arbeitsbereiche wie die Kino-Mischung oder Post Production an. Dort ist mittlerweile die Verwendung von analoger Hardware schlicht nicht mehr möglich, da dort ein enormer Zeitdruck herrscht und viele Bequemlichkeiten wie etwa Total Recall besser von Software erledigt werden. Daher war es nur logisch, dass wir langjährigen SPL-Usern endlich auch original SPL-Software anbieten wollten, die durch die enge Zusammenarbeit zwischen Hardware-Entwicklern und Programmierern so exakt und dem analogen Vorbild so ebenbürtig wie möglich emuliert wurden.

? Wie ist es zur Zusammenarbeit mit Dirk Ulrich von Brainworx Music gekommen?

!(Ulrich) Wir, also das Brainworx-Team, haben schon lange Kontakt zu Hermann Gier von SPL. Vor einigen Monaten kamen wir bei einer gemeinsamen Fahrt zur AES nach Amsterdam zu dem Entschluss, dass es die richtige Zeit ist, SPL-Software-Produkte herauszubringen. Hermann hat unsere BX-Entwicklung verfolgt, und war überzeugt, dass eine qualitativ hochwertige Umsetzung der SPL-Schaltungen auf die Plug-in-Ebene mit unserem Know-how am besten zu realisieren ist. Das Wichtigste ist aber, dass die Chemie zwischen uns stimmt, sonst hätten wir uns nicht zu einer langfristigen Zusammenarbeit entschliessen können.

? Gibt es Gründe, weshalb als erstes einige Rack Pack Module emuliert wurden?

!(Gier) Ja. Wir haben schon den Transient Designer für die UAD-Karte mit dem Erscheinungsbild des RackPacks gemacht. Die Gründe sind hier wie dort die gleichen: Das Format ist ideal geeignet für den Bildschirm. Die detailgetreue Nachbildung eines 19-Zoll-Geräts auf dem Monitor würde die Bedienelemente und Beschriftungen nicht ausreichend zur Geltung bringen. Das schlanke vertikal ausgerichtete RackPack-Modul hingegen kann auf die minimale mögliche Breite eines GUI skaliert werden und ist trotzdem perfekt abzulesen. Außerdem sehen die RackPack-Module sexy aus, wie ich finde, und haben einen extrem hohen Wiedererkennungswert.

? Wer war für die Auswahl, welche SPL-Hardware emuliert werden sollte, verantwortlich?

!(Ulrich) Die letzte Entscheidungsgewalt hatte natürlich Hermann. Doch auch ich selbst wollte den Transient Designer zu allererst umsetzen, da er ein so großer Erfolg auf der UAD-Karte ist und wir nun einen vielfach größeren Markt ansprechen. Als weitere Start-Plug-Ins die Ranger EQs aus dem RackPack ins Rennen zu schicken, war auch eher ein gemeinsamer Entschluss, da wir bei Brainworx bereits mit der Emulation von Equalizern fit sind und wir richtig gut klingende Software-Varianten der RackPack-Module hinbekommen würden. Gut und analog klingende Equalizer in Software sind immer noch so eine Königsdisziplin in der Audio-Programmierung. Dieser Herausforderung haben wir uns gerne gestellt.

? Gab es spezielle Vorgaben, die bei der Entwicklung der Plug-ins eingehalten werden mussten?

! (Gier) Ich selbst beziehungsweise meine Ohren waren die Vorgabe. Seit nunmehr 20 Jahren bin ich an der Entwicklung von Signal-Prozessoren beteiligt und habe ziemlich viel gehört. Ich kenne unsere Geräte in und auswendig und einfach ausgedrückt war die Vorgabe die, dass man in Blindtests nicht genau weiss, ob nun Hard- oder Software für den Sound verantwortlich ist.

? Wie lange hat die Entwicklung der Plug-ins gedauert?

!(Ulrich) Kürzer als vielleicht von vielen vermutet. Die Schaltungen wurden mit dem sogenannten „Component Modeling“ Verfahren umgesetzt. Nach wenigen Sitzungen mit den Entwicklern und der Erfahrung im Nacken war hier schon viel geschafft. Dann kamen die Hörsessions. Um hier schnell zu sein, hat unser Programmierer Michael Massberg ein paar tolle Tools programmiert, mit denen wir fast in Echtzeit neue Versionen testen konnten. Das war wie das Umlöten von Komponenten auf der analogen Ebene. Zudem haben wir uns einfach gut verstanden. Es war und ist ein sehr zielgerichtetes Arbeiten ohne Egos im Weg, wenn Sie wissen, was ich meine.

? Galt es bei der Entwicklung der Plug-ins besondere Herausforderungen zu meistern?

!(Ulrich) Ja. Als erstes ging es darum, die schon angesprochenen Test-Tools zu programmieren, um schnelle Resultatvergleiche der Algorithmen zu erhalten. Als nächstes war die Entwicklung von Tools erforderlich, die rasch alle Schnittstellen-Formate (RTAS, VST und AU) generierte. Aber auch auf ganz anderen Gebieten mussten wir Neuland beschreiten, so etwa die Programmierung eines Linux-Servers für die automatische iLok-Freischaltung. Was die Umsetzung der analogen Schaltungen in die digitale Welt angeht, hatten wir zum Glück die beste Unterstützung, die man sich denken kann. Hätten wir nicht die Schaltpläne und deren Interpretation durch die Entwickler erhalten, hätten wir wohl nie in diese Richtung programmiert. Da sind Komponenten mit nicht messbaren Auswirkungen in den Schaltungen, die aber klangrelevant sind, wie sich bei den Hörsessions herausgestellt hat. Also haben wir auch diese nachgebildet und siehe da, auch in der digitalen Welt haben „nicht messbare“ Nullen und Einsen hörbare Ergebnisverbesserungen zur Folge. Das war manchmal etwas gespenstisch und hat uns wieder einmal gezeigt, wie außergewöhnlich gut unser Gehör funktioniert.

? Wird es in Zukunft ausschließlich Software-Emulationen bereits existierender SPL-Hardware geben, oder gibt es auch Pläne für künftige SPL-Produkte, die ausschließlich auf Software-Ebene existieren sollen?

! (Gier) Dazu kann man heute nichts Endgültiges sagen. Erstmal haben wir viel vor uns, wenn wir uns nur auf die Umsetzung bestehender Hardware beschränken würden. Wir sind aber nicht dogmatisch. Schau’n wir mal….

? Herr Gier, Herr Ulrich, wir danken für das aufschlussreiche Gespräch.

Erschienen in Ausgabe 11/2008

Preisklasse: Spitzenklasse
Preis: 285 €
Bewertung: sehr gut
Preis/Leistung: sehr gut

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