Klappe, die Zweite

Ordentliche Videos für Youtube und Co. zu produzieren ist mit dem richtigen Gerät grundsätzlich gar nicht so schwer. Das zeigte bereits der Test des Q3 HD in Heft 5/2011. Jetzt legt der japanische Hersteller Zoom mit einem neuen Audio/Videorcorder Q2 HD nach und setzt neben einem optimierten Bildsensor neuerdings auf M/S-Stereofonie, Full-HD und Live-Streaming. 

Von Michael Nötges 

Möglicherweise lief Queens „The Show Must Go On“ im Hintergrund als die Entwickler des japanischen Audio-Equipment-Spezialisten Zoom, bereits an den Plänen des neuen Zoom Q2 HD saßen. Der Vorgänger Q3 HD war da noch gar nicht solange auf den Markt (Anfang 2011). Aber im Zeitalter der High-Speed-Produktzyklen darf der Nachfolger eben nicht lange auf sich warten lassen. Also ging es bei Zoom Schlag auf Schlag im High-Definition-Reigen und seit August 2012 steht schon der Q2 HD Gewehr bei Fuß, um Journalisten, Blogger und Musiker mit seinen Audio- und Videofähigkeiten zu unterstützen. 
Dabei sieht der Nachfolger seinem älteren Bruder auf den ersten Blick erstmal recht ähnlich, kostet aber mit einer UVP von 236 Euro rund 60 Euro weniger, was für einen Full-HD Audio/Video-Recorder schon eine Preiskampfansage ist. Allerdings, das sei direkt bemerkt, bekommt man für diesen Preis wirklich nur den Rekorder mit einer 2-GB-SD-Karte. Sämtliches Zubehör kostet extra. Auch Kabel müssen zusätzlich erworben werden. Dafür bietet Zoom das Zubehörpaket APQ-2HD für rund 30 Euro zusätzlich an, welches HDMI- und USB-Kabel, Windschutz, Tripod sowie eine Schutztasche beinhaltet.Typisch für das Design des Q2 HD ist die silberne Lochblech-Schutzkugel für die beiden Mikrofonkapseln. Wobei der Rekorder, anders als beim Vorgänger, auf Mitte/Seite-Stereofonie (M/S) setzt. Eine Kapsel (Niere) weist dementsprechend nach vorne, eine weitere ist mit Acht-Charakteristik und um 90 Grad zur Hauptachse gedreht zur Seite ausgerichtet. 

Mittels eines Encoders wird dann intern aus dem Seiten- und Mittensignal ein Stereosignal errechnet: L = M + S; R = M + (-S). Auf diesem Weg bietet der Rekorder von Mono-Aufnahmen bis hin zu weiten Stereoaufnahmen (0 bis 150 Grad) insgesamt fünf unterschiedliche Stereobasisbreiten. Der Q2 HD nimmt entweder im unkomprimierten PCM-Format (WAV) mit bis zu 96 Kilohertz bei 16 oder 24 Bit auf oder setzt ansonsten auf das speicherplatzsparende AAC-Format (Samplingfrequenz: 48 kHz; Bitrate: 64 bis 320 kbps). Auch wenn im Lieferumfang lediglich eine SD-Karte mit zwei Gigabyte enthalten ist, kommt der Modernist auch mit aktuellen SDHC- und SDXC-Wechselspeichern mit bis zu 64 Gigabyte parat .Reicht die Werksbestückung für rund 40 Minuten bei einer Full-HD-Aufnahme (HD1080p, 30fps), sind gute 21 Stunden mit einer 64-GB-Karte möglich. Wer bei kleineren Medien aber Platz sparen möchte, kann neben dem komprimierten Ton auch eine der niedrigeren Bildauflösungen wählen (HD720p, 60 fps; HD720p, 30 fps; WVGA, 60 fps und WVGA, 30 fps). Der Q2 HD verfügt übrigens über einen vierfachen Digitalzoom. Das aufgezeichnete Videoformat ist dabei immer ein MPEG4 (mov-File) mit H.264-Codec. Zum Abspielen auf dem Computer sollte also Quicktime installiert sein, wobei als Empfehlung der allesfressende VLC-Player als Alternative auch sehr gut funktioniert. 
Mit 85 Gramm ist der Q2 HD ein Leichtgewicht, dessen silbernes (weiß und schwarz gibt es auch) Kunststoffgehäuse einen robusten, wenn auch nicht gerade restlos überzeugenden Eindruck vermittelt. Ob die Schutzverkleidung der Kapsel, welche an manchen Stellen recht dünn scheint, auch nach Jahren im Live-Einsatz noch ohne Bruch ihren Dienst erfüllt, sei einmal dahingestellt. Für die Stromversorgung sind zwei Batterien oder Akkus im AA-Format mit einer Betriebsdauer von rund zwei Stunden im Aufnahme-Modus vorgesehen. Das geht in Ordnung, ist aber am Ende nicht sehr lange. Für eine durchschnittliche Abendveranstaltung von 90 Minuten mag es reichen. Kommen Verzögerungen durch längere Ansprachen oder mehrere Zugaben dazu, macht der Q2 HD vielleicht zu früh schlapp. Ein Set Wechselbatterien sollte auf jeden Fall immer am Start sein und der Betrieb per USB-Netzteil ist bei wichtigen Konzertmitschnitten dem Batteriebetrieb vorzuziehen. Allerdings ist die Bewegungsfreiheit wegen des Netzteilkabels deutlich eingeschränkt. 
Die drei Anschlüsse des Q2 HD sind schnell an der linken Flanke gefunden: Es gibt einen kombinierten Kopfhörer- und Line-Ausgang (3,5-mm-Klinke) eine HDMI-Schnittstelle, um den Rekorder beispielsweise direkt an einen Fernseher anschließen zu können und einen USB 2.0-Port. Letzterer hat mehrerer Funktionen. Zum einen kann ein entsprechendes Netzteil angeschlossen und der Rekorder damit kabelgebunden betrieben werden. Zum anderen hat die Schnittstelle drei Betriebsmodi, die in einem Auswahl-Menü im Display erscheinen, sobald der Recorder mit einem Mac oder PC verbunden ist. Zunächst kann er als Kartenleser fungieren, um die aufgenommen Clips von der SD-Karte auf den Computer zu übertragen. Dann kann er als USB-Mikrofon (M/S-Funktion ist aktiv) verwendet werden, was für Podcasts oder Sprach- und Gesangsaufnahmen hilfreich sein kann. Schlussendlich ist der Q2 HD auch eine hochwertige Webcam mit Audio-Funktion (Video-Modus). Daraus ergibt sich auch die angepriesene Möglichkeit, beispielsweise ein Konzert – aber auch Nachrichten oder Moderationen sind denkbar – live ins Internet zu streamen. Im Rahmen dieses Tests ließ sich der Rekorder nach Installation des Treibers problemlos als Webcam bei Skype einsetzen, außerdem war das grundsätzliche Streamen via Adobe Flash Media Live Encoder 3.2  – der muss natürlich heruntergeladen und installiert werden – möglich. Allerdings ist die Qualität der Übertragung natürlich stark abhängig von der Systemleistung und der Upload-Bandbreite. Wirkliches HD-Streaming ist außerdem erst mit den kostenpflichtigen Programmen wie dem Ustream Producer Pro für rund 150 Euro möglich. Etwas umständlich ist übrigens die Auswahl der drei USB-Modi, wofür der Rekorder immer von der Buchse getrennt und anschließend neu gestartet und an den Computer angeschlossen werden muss. Ein direktes Umschalten ist leider nicht möglich. Zur Bearbeitung und Veröffentlichung von Video-Clips bietet Zoom, wie bereits beim Q3 HD – die Handyshare-Software kostenlos als Beigabe. Mit diesem Tool lassen sich die Videos recht komfortabel schneiden, mit rudimentären Ton-Effekten (Hall, Normalisierung, Komprimierung) versehen und direkt, beispielsweise im eigenen Youtube-Channel, veröffentlichen. 
Aber noch einmal zurück zur Hardware: Am Fuß des Gehäuses findet sich ein ¼-Zoll-Gewinde, um den Rekorder auf einem Kamerastativ montieren zu können. Für die Installation auf einem Mikrofonständer ist ein Adapter von 1/4- auf 3/8-Zoll notwendig. Zur Kontrolle einer Aufnahme bietet der Zoom einen integrierten Mono-Lautsprecher, der zumindest reicht, um festzustellen, ob der Ton drauf ist. Zum Abhören sollte ansonsten in jedem Fall eine Kopfhörer verwendet werden. Für die Eingangslautstärke gibt es ein komfortables Stellrad, was für meinen Geschmack der Aussteuerung per Navigationswippe vorzuziehen ist. Hilfreich ist auch die kleine rote Aufnahme LED unterhalb der Linse, um von Weitem und gerade in dunkler Umgebung sehen zu können, ob die Aufnahme tatsächlich läuft.

 Das Farb-LCD ist mit drei auf vier Zentimetern relativ klein. Besonders, weil die untere Hälfte für das sehr gut lesbare Metering und die Statusanzeigen (Video-Szene, M/S-Stereofonie, Gain-Modi, Low-Cut-Filter) belegt ist. Für das Videobild bleibt also relativ wenig Platz, auch weil das 16:9-Bild bei der Aufnahme im Hochformat angezeigt wird. Es ist wie mit dem internen Monitor: Im professionellen Idealfall kontrolliert man das Bild auf einem angeschlossenen Videomonitor, wie beispielsweise einen Sony LMD-941 W 9-Zoll Full HD Performance LCD-Monitor. Ansonsten muss man eben die Augen zusammenkneifen und sich auf das Mäusekino konzentrieren. Wirklich komfortabel zur Bildkontrolle ist das Display allerdings nicht. Etwas besser wird es, wenn im Nachhinein, also beim Abspielen in den Querformat-Modus – langes Drücken der Play-Taste – geschaltet wird, wodurch der Bildausschnitt dann ein wenig besser zu begutachten ist. Der SD-Karten-Slot ist im Gegensatz zu den Anschlüssen mit einer leicht zu öffnenden Schutzkappe versehen. Menü- und Play-Button sowie die Navigationswippe verfügen über eine präzisen Druckpunkt auch wenn die Bedienelemente für meinen Geschmack nicht kleiner sein dürfen. Beim Navigieren mit der Wippe durch die übersichtliche Icon-Darstellung passiert es mir mitunter, dass bei der Auswahl eines Menüpunktes durch den Record-Button, die Auswahl verspringt, weil ich gleichzeitig das Navigationskreuz betätigt habe. Mit etwas Gewöhnung und spitzen Fingern ist die Bedienung aber gut in den Griff zu bekommen.
So furchtbar viel gibt es nicht zum Einstellen, was für den intuitiven und schnellen Einsatz und gegen detaillierte Flexibilität spricht. Zunächst kann die Videoauflösung festgelegt werden. Dann lässt sich die Kamera ausschalten, was auch bei einem Video-Recorder sinnvoll ist, denn auf diesem Weg ist der Q2 HD auch als reiner Audio-Recorder verwendbar, wodurch sich auch die Batterielaufzeit verlängert und die Speicherkapazität deutlich vergrößert. Der Q2 HD bietet drei unterschiedliche Video-Presets an: Im Auto-Modus stellt sich der Recorder eingenständig auf die jeweiligen Lichtverhältnisse ein. Um strahlendes Bühnenlicht auf ein sinnvolles Maß zu begrenzen gibt es das Concert Lighing-Preset. In dunklen Umgebungen hilft die Night-Voreinstellung aus, um das Optimum bei schlechter Sicht herauszuholen. Individuelle Einstellungen sind ansonsten nicht möglich. Neben der Audio-Format-Auswahl (siehe Tabelle) findet sich das sogenannte Mic-Angle-Menü. Unterstützt durch eine grafische Abbildung kann hier die Stereobasisbreite durch den Winkel, sprich die Intensität des Seitensignals bestimmt werden. Da es neben den internen Mikrofonen keine Möglichkeit gibt externe Schallwandler oder Line-Signale anzuschließen – der Q2 HD hat eben keinen analogen Eingang –, beschränkt sich das Input-Menü auf die Aktivierung des Low-Cut-Filters, der Auto Gain Control mit drei Presets (Concert, Solo, Meeting) und der Monitoring-Funktion. Bleiben an Menü-Punkten schließlich noch der File-Browser, welcher praktischerweise die Videoclips mit Startbild anzeigt, um sie schnell identifizieren zu können, das Settings-Menü mit den obligatorischen Allgemeineinstellungen und das USB-Auswahlmenü.
Messtechnisch ist dem Q2 HD schwer beizukommen, da er keinen Eingang hat, an den man den Audio Precision im Labor von Professional audio anschließen könnte. Also geht es anstatt in die Messtube direkt in die Praxis. Um eine Einschätzung der Bildqualität vornehmen zu können habe ich je ein Einzel-Bild (siehe Fotos, Seite 64) aus den unterschiedlichen Videoaufnahmen (Q2 HD, Panasonic HDC-SD20 und Nikon D90) des Livemitschnitts (siehe Kasten, Seite 62) exportiert. Die Farben gibt die D90 am natürlichsten wieder und sie kommt mit den Lichtverhältnissen am besten zurecht. Das Bildrauchen ist gering und Schärfe und Kontrast wissen zu überzeugen. Das Bild des Q2 HD hat etwas mehr Rotanteil und kommt mit den Lichtverhältnissen nicht so gut zurecht, was sich in etwas stärkerem Rauschen äußert. Dennoch ist das Ergebnis sehr ordentlich und der Kontrast und die Schärfe gehen durchaus in Ordnung, schließlich kostet der Q2 HD lediglich 236 Euro, die D90 inklusive Objektiv rund 740 Euro. Dafür kann der Q2 HD aber problemlos mit dem Panasonic Camcorder – UVP rund 440 Euro – mithalten. Das Bild des HDC-SD20 wirkt deutlich blasser mit mehr Blauanteil und relativ zurückhaltenden Kontrasten. Beim Aufzoomen werden auch relativ starke Bildartefakte erkennbar, wodurch der Eindruck etwas unscharf ist. Summa summarum schlägt sich der Q2 HD also recht wacker, kann mit der Bildqualität günstiger Camcorder durchaus mithalten, vollbringt aber auch keine Wunder.

Die Qualität einer ordentlichen Spiegelreflexkamera mit empfindlichem Sensor und gutem Objektiv, wie bei der Nikon D90, erreicht der Handyrekorder nicht.Kommen wir aber zur Stärke des Q2 HD: dem Ton. Die Klangqualität des Handheldrecorders steckt die beiden Vergleichsapparate locker in die Tasche. Die Auflösung ist recht fein und detailreich und das Klangbild ist grundsätzlich ausgewogen, offen und bildet die Wirklichkeit weitestgehend präzise ab. Der Q2 HD klingt wie viele Handheldrecorder zwar mitunter etwas dünn und erreicht selbstredend nicht die Plastizität, Tiefe und Offenheit, die wir durch die beiden hochwertigen Druckempfänger von Schoeps und Microtech Gefell (Raummikrofone beim Live-Mitschnitt) bekommen. Aber unterm Strich kann sich der Sound des Q2 HD hören lassen. Besonders komfortabel finde ich die M/S-Stereofonie, mit deren Hilfe der Raumanteil einer Aufnahme problemlos bestimmt werden kann. Nicht nur bei Konzertmitschnitten oder Musikaufnahmen ist das sehr hilfreich. Bei einem fingierten Interview lassen sich beispielsweise ablenkende Nebengeräusche abschwächen. Bei Konferenzen oder Gesprächsrunde kann mithilfe einer Breiten M/S-Einstellung durchaus beispielsweise ein Band-Interview auf der Couch in amtlicher Bild- und Ton-Qualität aufgenommen werden. Dabei hat der Q2 HD noch einen entscheidenden Vorteil gegenüber herkömmlichen Camcordern: Er ist sehr leicht und kompakt und passt eigentlich in jede Jackentasche. Hält man sich nun die UVP von 236 Euro vor Augen, wächst der Video-Zwerg über sich und viele Konkurrenten hinaus.

Fazit

Der Q2 HD von Zoom vollbringt zwar keine Wunder, bietet aber bei kompakter Bauweise eine sehr ordentliche Full-HD-Bildqualität mit überzeugendem Ton. Damit ist er bildtechnisch auf Augenhöhe mit vergleichbar günstigen Camcordern, stellt diese aber tontechnisch locker in die Tasche. Nicht zuletzt die Tatsache, dass der Computerfreund auch als M/S-USB-Mikrofon und Webcam zum direkten Streamen ins Internet verwendet werde kann, macht ihn gerade für Musiker, Blogger und Online-Journalisten zu einem reizvollen Tool.


Der Live-Mitschnitt



Es ist immer wieder erstaunlich, welcher Aufwand betrieben werden muss, um anbietbare Konzertmitschnitte in Bild und Ton zu bekommen. Beim Konzert von AILEEN im Kölner Hinterhofsalon war das Ziel, mit relativ einfachen Mitteln, Audio- und Videomaterial aufzunehmen, um später einen kurzen Imagefilm beziehungsweise einen kleinen Videoclip als Promotion-Material für Veranstalter zusammenzuschneiden. Mit von der Partie war auch der Q2 HD von Zoom, sowohl als unterstützende Hauptmikrofonierung als auch fixe Front-Perspektive der Videoaufzeichnung. Aber der Reihe nach: Um das Konzert des Duos, welches überwiegend auf Arrangements für Gitarre und Gesang setzt, tontechnisch mitzuschneiden, ist ein Tascam Portastudio DP-24 am Start, das sowohl die drei Einzelsignale Gesang, Backings und Gitarre (Lakewood M-14 CP, Fishman Aura Pedal) als auch zwei zusätzliche Raumsignale aufnimmt. Das Haupt-Gesangsmikrofon ist ein Shure Beta 58A, für die Backings steht ein Oktava MK-012-01 zur Verfügung. Die beiden Raummikrofone, wofür ich zwei hochwertige Druckempfänger (Microtech Gefell M221, Schoeps MK 2H/CMC 6 U) verwende, stehen in einer weiten A/B-Aufstellung rechts und links vor dem Auditorium. Für eine optimale Hauptmikrofonierung wäre eine näher aneinanderliegende Aufstellung (maximal ein Meter voneinander entfernt) besser. Das ist aber aufgrund der Sichtverhältnisse nicht möglich. Wohl aber die Positionierung des Q2 HD in der Mitte zwischen den beiden Raummikrofonen, direkt auf die Sängerin gerichtet. Der Rekorder steht unauffällig hinter einer Säule. Die M/S-Konfiguration lege ich auf eine enge Stereobasisbreite von 30 Grad fest. Den Rest des Raums erfasse ich mit den beiden Druckempfängern, die auch den Flügel und das Cello, welche im Programm vorkommen, im Raum aufnehmen sollen. Gesang und Gitarre werden lediglich mit einem Schertler Unico Akustik-Amp im Raum verstärkt, sodass sich im direkten Vergleich mit Flügel und Cello ein ausgewogener Raumklang ergibt. Dafür route ich die beiden Gesangs-Spuren (FX 1) und das Gitarrensignal (FX 2), welches via Palmer DI-Box ans Pult angeschlossen ist, auf die Effekt-Send-Wege des DP-24. Diese sind mit dem Unico verbunden. Die optimale Lautstärke kann ich jetzt über die Send-Regler bestimmen. Nach Line- und Soundcheck am DP-24 überprüfe ich noch einmal den Eingangspegel des Q2 HD, den ich manuell aussteuere. Zur Sicherheit liegen ein zweites Set Batterien bereit, die in der Pause gewechselt werden sollen und der Q2 HD ist mit einer neuen SDXC-Karte (64 Gigabyte) bestückt, damit auch bei hoher Auflösung (1080 p; 24 Bit, 44,1 Kilohertz) keine Kapazitätsengpässe entstehen. Audiotechnisch ist somit alles startklar. Für den Videomitschnitt laufen neben dem frontal aufgestellten Q2 HD, der leider nur einen relativ schmalen Ausschnitt der Bühne einfängt, weil er aus Platzgründen recht nah vor den Musikern aufgestellt sein muss, ein Panasonic Camcorder HDC-SD20 und die umfunktionierte Spiegelreflexkamera Nikon D90 mit. Der Camcorder ist mit einem Weitwinkelkonverter bestückt und fängt die komplette Bühne von einer seitlichen Position (rechts) aus ein. Zusätzlich dient die Nikon D90 als mobile Handkamera, mit der Nahaufnahmen, Detail-Szenen auch mit Blendenverläufen eingefangen werden sollen, um ergänzende Schnittbilder zu bekommen. Der Ton läuft übrigens auch bei den beiden weiteren Video-Geräten mit, was zwar Speicherplatz in Anspruch nimmt, aber beim späteren Anlegen der Videosequenzen zur besseren Orientierung beiträgt. Um genügend Speicherplatz zur Verfügung zu haben sind der HDC-SD20 und auch die Nikon D90 mit einer 16-Gigabyte SD-Karte bestückt. Beim Video-Check testen wir die unterschiedlichen Winkel der Kameras, wobei sich unser angeheuerter Kameramann die Positionen einprägt, an denen er mit der mobile D90 aus den anderen beiden Perspektiven nicht gesehen wird. Beim Mitschnitt gelingt nicht alles hundertprozentig, aber das hatten ich bei diesem Vorgaben in Eigenregie auch nicht erwartet. Zum einen überstehen die Batterien des Q2 HD die erste Hälfte des Konzerts – rund 45 Minuten nicht – nicht. Das Problem: Die Betriebsdauer beträgt rund zwei Stunden, je nach Batterie und Einsatzart auch schon mal etwas kürzer. Das ist bei einem Konzert von etwas weniger als zwei Stunden sehr knapp bemessen. Deswegen sollte in der Halbzeit ein Batteriewechsel vorgenommen werden. Allerdings lief der Q2 HD bereits beim Sound- und Videocheck ein ganze Weile und bei der Probe am Abend vor dem Konzert haben wir zum Test zwei Songs aufgezeichnet. Ergo war nach knapp 40 Minuten Schluss. Der zweite Fauxpas hat auch mit einem Stromspeicher zu tun, nämlich mit dem Akku der D90. Er hält fast das ganz Konzert, aber eben nur fast, denn die Probeaufnahmen während des Soundchecks, hatten den Akku bereits en wenig entleert. Was lernen wir also: Frische Batterien und Akkus immer erst nach dem Soundcheck installieren, zumindest wenn die Zeit knapp bemessen ist. Ansonsten hat die Audioaufnahme mit 24 Bit und 44,1 Kilohertz auf fünf Spuren optimal funktioniert. Außerdem steht genügend Videomaterial aus drei Perspektiven zur Verfügung. Allerdings muss jetzt noch der Video-Wust gesichtet und zu einem Trailer, Imagefilm oder kurzen Videoclip geschnitten werden. In Video Deluxe 2013 Premium von Magix, was sowohl die MTS- (HDC-SD20) und AVI- (D90) als auch MPEG4-Files (Q2 HD) akzeptiert, sind alle einzelnen Clips aus den drei Perspektiven bereits importiert und warten auf ihre Verarbeitung.Vorher muss aber noch das Audiomaterial abgemischt werden, um den „guten Ton“ unter die Bilder zu legen. Dafür lade ich die fünf Spuren plus das Audio-File des Q2 HD in Sequoia von Magix. Den Raumklang mische ich aus dem Rekordersignal und den beiden Druckempfängersignalen zusammen. Wobei ich mithilfe des Ammunition-Kompressors und einer M/S-Bearbeitung einen möglichst ausgewogene Basis erstelle. Jetzt nehme ich mir die Einzelsignale vor. Zunächst lasse ich die Hauptstimme und die Gitarrensignal zur Klangveredelung durch den Avalon V5 (Test, Seite 26) laufen und zeichne das jeweilige Ergebnis wieder auf. Dann filtere und komprimiere ich die einzelnen Signale und setze für das Gitarrensignal zusätzlich einen Transienten-Shaper und für die Stimmen einen De-Esser ein. Dann mische ich über einen Aux-Weg den drei Signalen Hall dazu, bis ein stimmiges Klangbild entsteht. Einen weiteren Hilfsweg belege ich mit einem Slap-Delay, welches ich zusätzlich filtere und auf die linke Seite ‚panne‘. Dorthin wo die Gitarre nicht stattfindet. Das Delay mische ich über den Aux-Weg dem Gitarrensignal hinzu. Das Ergebnis ist ein ausgewogenerer Stereosound durch das dezent ausgleichende Delay auf der anderen Seite des Stereopanoramas. Jetzt fahre ich die Raumsignale hoch. Aber nur soweit, dass der Raumanteil nicht dominiert, sondern lediglich den Klang tiefer und größer erscheinen lässt. Den Feinschliff regele ich mit zusätzlichem Hall einem Bandsättigungseffekt (Vocals und Stereomaster), Multibandkompressor und Limiter auf der Summe. Jetzt ist der Ton soweit, im Videoschnittprogramm angelegt zu werden, um den finalen Schnitt vorzunehmen.

 

Erschienen in Ausgabe 11/2012

Preisklasse: Mittelklasse
Preis: 236 €
Bewertung: gut
Preis/Leistung: gut

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