Eine klassische Stereomikrofnierung kann im mobilen Einsatz sehr aufwändig sein. Wie gut, dass es erschwingliche und leistungsfähige Spezialisten gibt. 

Von Harald Wittig 

Wer häufig Aufnahmen mit Mobilrecordern anfertigt oder als Journalist schwerpunktmäßig Außenreportagen macht, ist dankbar für jedes eingesparte Gramm Gewicht. Ein leistungsfähiger Stereorecorder im Westentaschenformat ist dann erste Wahl, ein Notebook mit Zwei-Kanal-Audio-Interface oft das Höchste der Gefühle. Fehlt nur noch ein passendes Mikrofon, das zwei Kriterien erfüllen muss: Es sollte für Stereo-Aufnahmen gerüstet und notfalls auch ohne anliegende Phantomspannung betriebsbereit sein. Die beiden Testkandidaten, das Audio-Technica AT 825 und das Beyerdynamic MCE 82 erfüllen beide Vorgaben, denn sie sind waschechte Stereo-Mikrofone und können dank Elektret-Bauweise auch mit Batterie betrieben werden. 

Mit einem empfohlenen Verkaufspreis von gut 500 Euro gehören sie nicht zu den billigsten Vertretern der Gattung Stereo-Elektret-Mikrofon. Allerdings sollen die Mikrofone gerade den professionellen Anwender zufrieden stellen und Profi verlangt vor allem im Klang nach Qualität – und die hat bekanntlich ihren Preis.  Sowohl das Audio-Technica als auch das Beyerdynamic besitzen zwei Kondensatorkapseln mit Nierencharakteristik, die sich beides Mal hinter den robusten Körben vor Unbill geschützt neugierigen Augen verbergen. Angeordnet sind die Kapseln jeweils mit einem Versatzwinkel von ± 45 Grad – sprich in X/Y-Anordnung, Intensitätsstereophonie ist also das Thema. Im Falle dieser Stereomikrofone sprechen handfeste praktische Gründe für die Elektret-Konstruktionen: Das Elektret-Mikrofon kommt gänzlich ohne Kapselvorspannung aus, weswegen die Versorgung durch externe Netzgeräte (Phantomspeisung) oder aufwändige Gleichspannungswandler im Mikrofon entfällt. Vorteil: Sowohl das Audio-Technica als auch das Beyerdynamic können daher mit Batterien betrieben werden, weil der Impedanzwandler der Kapseln keine hohe Spannung benötigt – das Anschließen an Camcorder, Mobil-Recorder oder Audio-Interfaces ohne zuschaltbare Phantomspannung ist problemlos möglich. Gleichzeitig handelt es sich um Elektret-Konstruktionen der fortschrittlichen, sprich besseren Bauweise: Beim AT 825 und dem MCE 82 ist die Gegenelektrode, im Englischen „back plate“ genannt, mit der Elektret-Folie beschichtet, die Membranen entsprechen in der Machart der von Kondensatormikrofonen. Diese als Back-Elektret-Mikrofon bezeichnete Bauweise kann in Punkto Auflösung durchaus mit guten Kondensatormikrofonen konkurrieren, allerdings ist die Empfindlichkeit konstruktionsbedingt oft deutlich geringer. Die Ausrichtung der Kapseln und damit korrespondierend die Einsprechrichtung ist bei beiden Mikrofonen durch einen Aufdruck auf den Gehäuseschäften instruktiv illustriert. Sowohl das Audio-Technica als auch das Beyerdynamic sind gut verarbeitet – das mattgraue, kunstoffbeschichtete Metallgehäuse des Beyerdynamic wirkt allerdings solider und etwas wertiger. Auch liegt es besser in der Hand als das Audio-Technica, das nicht nur schwerer, sondern aufgrund des klobigen Drahtkorbes auch deutlich kopflastiger ist. Das ist nicht unwichtig, denn gerade im Reportageeinsatz werden die Mikrofone in der Regel in der Hand gehalten. Natürlich sind das AT 825 und das MCE 82 auch für den windbewegten Außeneinsatz gerüstet, denn beide haben ein eingebautes Hochpassfilter. Beim AT 825 liegt die Einsatzfrequenz vergleichsweise hoch, bei 150 Hertz, beim MCE 82 beginnt die Tiefenabsenkung erst ab 100 Hertz. Zur Unterdrückung von Griffgeräuschen sind die Kondensatorkapseln beider Mikrofone zusätzlich elastisch gelagert, ein Konstruktionsdetail, das auch von handgehaltenen Gesangsmikrofonen bekannt ist.  Gut und benutzerfreundlich, weil auch mit dem Fingernagel zu verstellen, ist der entsprechende Schalter für das Hochpassfilter beim Beyerdynamic konstruiert. Das versenkte Schalterchen am Audio-Technica können indes auch spitzfingrige Benutzer nur mit einem Werkzeug, beispielsweise einer Büroklammer, bedienen. Zum kleinen Geduldsspiel gerät im Falle des AT 825 das Einlegen der Batterien, denn es bedarf schon fast ein bisschen Glück beim Abschrauben des oberen Teils des Mikrofonschachts, um ans Batteriefach zu gelangen. Grund: Das Gewinde geriet etwas hakelig. Beide Mikrofone können alternativ auch mit jeder externen Phantomspeisung (12 bis 48 Volt) betrieben werden. Das MCE 82 hat zusätzlich einen Schiebschalter, um bei eingelegter Batterie die Batteriespeisung an (Schalterstellung „Off“) oder ab (Schalterstellung „On“) zu schalten. Ein nicht zu verachtendes Feature ist die Batterie-Test-Funktion, die sich hinter der Schalterstellung „B.C.“ („Battery Check“) verbirgt: Bei voller Batterie leuchtet eine LED oberhalb des Schiebschalters und die Aufnahme kann beginnen. Aber nicht das Zurückstellen vergessen, sonst entlädt sich die Batterie. Dafür liefert Audio-Technica außer dem Adapterkabel, das den fünfpoligen Anschluss auf zwei XLR-Stecker aufteilt und einer Klammer mit Reduziergewinde noch einen einfachen Windschutz aus Schaumstoff mit. Diesen gibt es bei Beyerdynamic nur optional. Ebenfalls als optionales Zubehör bieten beide Hersteller noch Kabel mit Stereo-Miniklinke für Aufnahmegeräte mit unsymmetrischen Eingängen an. 

Beide Mikrofone sind konstruktionsbedingt vergleichsweise niedrigempfindlich: Die Empfindlichkeit für beide Kapseln beträgt beim Audio-Technica im Mittel gerade mal 4,75 mV/Pa, beim MCE 82 sind es 7,55 mV/PA – beide sind also relativ leise. Somit stellen sie schon gewisse Ansprüche an die Gain-Reserven der Mikrofoneingänge des Recorders beziehungsweise Audio-Interfaces: Eine Eingangsempfindlichkeit von wenigstens -60 dBu bei einem Geräuschspannungsabstand von mindestens -70 Dezibel sollten die Aufnahmegeräte schon aufweisen, um störendes Rauschen bei der Aufnahme auszuschließen. Bei den gemessenen Frequenzgängen von AT 825 und MCE 82 fällt eine stete Höhenanhebung oberhalb fünf Kilohertz auf, die bei beiden Mikrofonen im Gipfel zwischen acht und neun Kilohertz sechs Dezibel beträgt. Davon abgesehen, verlaufen die Messkurven beim Audio-Technica vom Bassbereich bis hinauf zu drei Kilohertz erstaunlich gleichmäßig, während beim Beyerdynamic ein Abfall ab etwa 130 Hertz auffällt – wohlgemerkt ohne zugeschaltetes Tiefenfilter.  

Für den Hörtest greifen wir auf die Aufnahmen zurück, die anlässlich des Tests des Mobil-Recorders Tascam HD-P2 (Test Ausgabe 9/2007) entstanden sind. Beide Mikrofone fanden hier bereits Verwendung. Sowohl das AT 825, als auch das MCE 82 lösen gut und detailreich auf bei einem leichten Vorsprung des Beyerdynamic, das ein Quäntchen mehr an Plastizität liefert. Auch ist sein Klang trotz einer leichten Vorliebe für den Höhenbereich insgesamt ausgewogener und signaltreuer, während das Audio-Technica bei gutem Bassfundament und sauberen Mitten, dennoch präsenter und silbriger klingt. In einer Interview-Situation schadet das nicht – im Gegenteil es kommt, zumindest bei lauterer Umgebung, der Sprachverständlichkeit zugute. Dafür sind die Griffgeräusche beim MCE 82 hörbar besser gedämpft, wenngleich die interne Dämpfung der AT 825-Kapseln im Ergebnis immer noch praxisgerecht und somit gut ist. Störendes Rauschen ist erfreulicherweise bei beiden Mikrofonen kein Thema und auch das Stereobild kann jeweils überzeugen. Lediglich die Phantommitte ist bei den Aufnahmen mit dem MCE 82 etwas deutlicher und stärker ausgeprägt. Bei den Instrumentalaufnahmen fällt auf, dass der Klang der Flamenco-Gitarre mit dem Beyerdynamic weitaus natürlicher eingefangen ist: Der präsentere Klang des AT 825 steht dem ohnehin brillanten Instrument gerade bei Nahmikrofonierung nicht. Außerdem treten die Atemgeräusche des Spielers damit sehr viel deutlicher hervor. Wer indes Konzerte aus dem Auditorium mitschneiden möchte, wird diese Höhenanhebung zu schätzen wissen, da die Musik insgesamt klarer auf der Aufnahme zu hören ist. Mit dem signaltreuern MCE 82 ist dagegen auch gut im Studio aufnehmen, wenn auf die Schnelle mehr als brauchbare StereoAufnahmen im X/Y-Verfahren anzufertigen sind. 

Fazit

Das AT 825 und das MCE 82 sind eine gute Wahl für Journalisten und Mobilisten, die auf einfache Weise klanglich überzeugende Stereo-Aufnahmen anfertigen möchten. Trotz leichten Vorsprungs des Beyerdynamic bei Handhabung und wegen seines ausgewogeneren Klangs sind beide Mikrofone eine Empfehlung wert.

Erschienen in Ausgabe 11/2007

Preisklasse: Mittelklasse
Preis: 524 €
Bewertung: gut – sehr gut
Preis/Leistung: sehr gut

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