HiFi goes Studio

 

Hersteller KEF ist in erster Linie bekannt für seine HiFi-Lautsprecher, doch der neue LS50 möchte mit seinen Klangeigenschaften durchaus auch Tonschaffende für sich begeistern und die Aufgabe eines Monitors im Studio übernehmen.

Von Sylvie Frei

Es ist noch gar nicht lange her, als wir zum ersten Mal einen Lautsprecher des britischen HiFi-Experten KEF getestet haben. Der Digital-Lautsprecher X300A (Test in Ausgabe 11/2013), der derzeit erste Aktiv-Lautsprecher der Briten, konnte im Test als sehr gutes, studiotaugliches Werkzeug überzeugen. Diesmal haben wir es mit einem passiven Monitor zu tun, dem kompakten Zwei-Wege-Bassreflex-Lautsprecher LS50. Dieser soll laut Hersteller mit Studioklang fürs heimische Wohnzimmer aufwarten – aber wenn er das im Wohnzimmer leisten soll, warum nicht auch im Studio? Wir sind also gespannt, was für eine Figur der passive Brite als Hörwerkzeug macht. Mit einem unverbindlicher Richtpreis von 499 Euro pro Box liegt der LS50 preisliche etwa im Mittelfeld. Doch der potenzielle Käufer darf nicht außer Acht lassen, dass zu dem Paarpreis von knapp 1.000 Euro die Kosten für einen geeigneten Verstärker hinzukommen. Das ganze System ist also teurer als viele kompakte Aktivkombination. Dafür kann der LS50 mit dem gleichen, neu überarbeiteten Uni-Q-Chassis – eine von KEF entwickelte Sonderform eines Koaxialchassis – aufwarten, wie sie auch im KEF-HiFi-Flaggschiff-Modell Blade verbaut wird, das mit sage und schreibe 25.000 Euro pro Box in ganz anderen Preissphären rangiert. Außerdem soll der LS50 über hervorragende Klangeigenschaften – einem lineares Klangbild, optimale Räumlichkeit und einen großen Sweetspot – verfügen.

Edles HiFi-Design
Das mit rund 30 mal 30 mal 20 Zentimetern recht kompakte Gehäuse des LS50 ist mit einem edlen schwarzen und makellosen Klavierlackfinish versehen und wird von dem kupferfarbenen Metall-Uni-Q-Chassis auf der Frontseite dominiert, dessen Zentrum ein wenig einem Zahnrad gleicht. Seit kurzer Zeit ist der LS50 aber auch mit einem weißen Klavierlackfinish und blauem Chassis zu haben. 

Die zum Hörer hin bauchig geschwungene Form des Gehäuses soll die Entstehung von unerwünschten Kantenreflexionen vorbeugen, macht aber auch vom Design her einen ansprechenden und harmonischen Eindruck. Außer dem Chassis befindet sich auf der Front des Lautsprechers rein gar nichts. Auf der Rückseite finden sich indes die Anschlüsse für die Klemmkabel mit deren Hilfe sich der LS50 mit dem Verstärker verbinden lässt. Ebenfalls hinten verortet: Die oval gestaltete Bassreflexöffnung. Für diesen ist – sollte eine nicht ideale, wandnahe Aufstellung unvermeidbar sein – ein Schaumstoff-Polster im Lieferumfang enthalten, welches die Bassreflexöffnung dämmen oder verengen lässt.

Uni-Q-Chassis und akustisch optimiertes Gehäuse
Das sogenannte Uni-Q-Chassis des LS50 ist eine Spezialform eines Koaxial-Chassis. Der Hochtöner sitzt in diesem Fall direkt im Zentrum des Tiefmitteltöners, wodurch es zu keinerlei winkelabhängigen Laufzeitunterschieden mehr kommen kann. Der belüftete Hochtöner misst 25 Millimeter und besteht aus leichtem und steifem Aluminium. Er wird von dem für KEF typischen „Tangerine Waveguide“ gehalten – einem schallführenden Element, das für ein breiteres Abstrahlverhalten der höheren Frequenzen sorgen soll. Waveguide und Hochtöner sind wiederum eingebettet in den 13 Zentimeter messenden Tiefmitteltöner, der seinerseits aus einer ebenfalls steifen und leichten Magnesium-Legierung besteht. Die Übernahmefrequenz der passiv realisierten Frequenzweiche liegt bei 2,2 Kilohertz. 

Filter zur Anpassung an persönliche Hörgewohnheiten oder die Abhörumgebung besitzt der LS50 nicht – beim Hören, soviel sei an dieser Stelle einmal vorweggenommen, haben wir das allerdings zu keinem Zeitpunkt vermisst.

Durch das Uni-Q-Chassis kommt KEF dem Ideal einer punktförmigen Schallquelle sehr nahe. Der Vorteil einer solchen Einpunkt-Schallquelle: Die jeweiligen akustischen Zentren von Hoch- und Tiefmitteltönen befinden sich am exakt gleichen Punkt, sodass der Schall in alle Richtungen zeitlich angeglichen abstrahlen kann und die Chassis optimal zusammenarbeiten können. Dies führt zu einer grundsätzlich überlegene Raumdarstellung, die der von Lautsprechern mit konventionell angeordneten Chassis überlegen ist. Dieser bleibt auch dann erhalten, wenn der Hörer den eigentlichen Sweetspot verlässt. Außerdem ergibt sich bei der Vertikalabstrahlung ein gleichmäßigeres Reflexionsmuster des Raumschalls, störende Klangverfärbungen spielen so eine sehr viel geringere Rolle.

Das Bassreflex-Gehäuse des LS50 besitzt ein per Computer optimiertes System mit einem speziellen Gummi-Kanal. Das Gummimaterial soll die Eigenresonanzen des Bass-Reflexrohres eliminieren. Das offene Gehäuse soll so für eine zuverlässige Erweiterung des Bassbereichs sorgen, ohne dass andere Frequenzbereiche mit angeregt werden. Im Inneren des Gehäuses befindet sich außerdem eine speziell für den LS50 entwickelte Verstrebung mit Dämmelementen, die ebenfalls Gehäuse-Resonanzen entgegenwirken.

Passiv-Box-Handling
Anders als die meisten Studio-Abhören ist der LS50 wie bereits erwähnt ein passiver Lautsprecher. Sprich, er besitzt keinen integrierten Verstärker, sondern muss stattdessen mit Hilfe zweier Kabel mit Klemmanschluss an einen externen Verstärker angeschlossen werden. Dieser sollte laut Hersteller zwischen 25 und 100 Watt Leistung mitbringen und die üblichen Dreh-Klemm-Anschlüsse zum Anschluss von passiven Lautsprechern besitzen, sowie XLR-Eingänge zum Anschluss von Wandler oder Interface.
Für unseren Test stellte uns der GP Acoustics-Vertrieb den HiFi-Verstärker Arcam A19 zur Verfügung, der mit 50 Watt pro Kanal genügend Verstärkungsleistung für das passive Lautsprecherpaar mitbringt. Letzterer besitzt zwar keine XLR-Anschlüsse, sondern, wie für Consumergeräte üblich, diverse Cinch-Eingangspaare, an die wir unsere Eingangssignale mit Hilfe eines kurzen Adapterkabels anschließen.
Die Lautsprecher selbst – die immerhin 7,2 Kilogramm auf die Waage bringen – benötigen einen festen, vibrationsfreien Aufstellungsort. Die im Lieferumfang enthaltenen Schaumstoff-Klebepads sollen bei der Entkopplung zwischen Lautsprecher und Untergrund helfen.

 

Klang mit Studio-Kompetenz
Was die klangliche Kompetenz angeht, haben die KEF-Entwickler den Mund wirklich nicht zu voll genommen. Der LS50 bringt tatsächlich eine Fülle von Eigenschaften mit, die ihn nicht nur als Lautsprecher mit Studiosound im Wohnzimmer, sondern auch als studiotauglichen Monitor qualifizieren. Beim Hörtest darf sich der LS50 bei der Wiedergabe uns gut bekannter Produktionen und der jüngsten Testaufnahmen beweisen.
Dabei zeigt er zunächst ein hervorragendes Stereobild und eine räumliche Tiefe, in der sich Signale präzise und punktgenau orten lassen. Der Sweetspot ist dank des flachen Abstrahlverhaltens des Uni-Q-Chassis angenehm groß, sodass der Hörer viel Bewegungsfreiheit genießen kann, ohne dabei zu schnell die ideale Hörposition zu verlassen. Insgesamt besitzt der LS50 einen sehr ausgewogenen, tendenziell linearen Klang, bei dem kein Frequenzbereich über- oder unterrepräsentiert erscheint. Die Höhen klingen fein aufgelöst, wirken aber eher angenehm zurückhaltend als betont, was das Beurteilen hochfrequenter Signale jedoch keinesfalls einschränkt. Die Mitten und Bässe klingen voll, konturiert und ausgewogen. Die Bässe reichen außerdem beachtlich weit in die Tiefe und klingen bis in den tiefsten Übertragungsbereich rund, straff und angenehm trocken. Das Impulsverhalten sowohl des Hoch- als auch des Tiefmitteltöners ist ebenfalls sehr ordentlich. Wie viel Power und Lautstärke der passive Brite indes mitbringt, hängt ganz vom verwendeten Verstärker ab. Der im Test genutzte Arcam A19 leistet rundum gute Dienste, muss aber dafür auch ordentlich weit aufgedreht werden.

Fazit
Sicherlich sind passive Boxen im Studio nicht jedermanns Sache – aber die KEF leisten tatsächlich sehr gute Arbeit und eignen sich durchaus zum Arbeiten mit und Beurteilen von Studioaufnahmen. Für Nutzer, die ihre Lautsprecher sowohl zum Musikhören als auch für Studiozwecke einsetzen wollen, wären die LS50 eine interessante Zwei-in-Eins-Option. Reinhören lohnt sich auf jeden Fall.

Erschienen in Ausgabe 01/2015

Preisklasse: Oberklasse
Preis: 499 €
Bewertung: sehr gut
Preis/Leistung: gut – sehr gut

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