Monitoring 2.0 – die Abhöre der Zukunft?

Mit einem revolutionären Konzept möchte Kii Audio physikalische Grenzen, die bislang als unumstößlich galten, überwinden. Der Kii THREE Monitor soll trotz kompakter Ausmaße die Klangeigenschaften großer Main Monitore besitzen und gleichzeitig auch in akustisch ungünstigen Räumen funktionieren.

Von Igl Schönwitz

 

Ich kann mir gut vorstellen, wie Sie ungläubig mit der Schulter zucken: Akustische Gesetzmäßigkeiten sind, so haben wir gelernt, so wie sie eben sind und lassen sich nicht wegdiskutieren. Eines dieser ehernen Gesetze ist, dass kompakte Lautsprecher in ihrer unteren Grenzfrequenz eingeschränkt sind, ein anderes, dass sich Bässe – und bei kleinen Schallwänden auch Mitten – kugelförmig ausbreiten.

Allerdings gibt es, vor allem im Beschallungsbereich, bereits seit längerem Konzepte für eine nierenförmige Bassabstrahlung. Häufig setzt man hierfür Basslautsprecher ein, die gegenphasig beschaltet und nach hinten ausgerichtet werden. Das war den Entwicklern von Kii Audio aber nicht genug: Das Ziel sollte ein Lautsprecher sein, der über das komplette Frequenzspektrum nierenförmig abstrahlt, dabei das perfekte Zeitverhalten einer Punktschallquelle bietet und gleichzeitig eine untere Grenzfrequenz aufweist, die mit einem derart kompakten Monitor bislang nicht realisierbar gewesen war – kurz: Eine Box, die auch im Projektstudio oder im heimischen Wohnzimmer ein akustisches Erlebnis erzeugen sollte, wie man es bislang nur von Wandeinbaumonitoren großer Studios kannte.

Das bislang einzige Produkt des jungen Herstellers ist die Kii THREE, ein nur 20 x 40 x 40 cm großer Lautsprecher, der mit einem Paarpreis von ca. 10.300.- € zu Buche schlägt. Die optional erhältliche Fernbedienung Kii CONTROL erleichtert den Geldbeutel um weitere 1.300.- €. Angesichts der Marktsituation in der heutigen Studiolandschaft sehe ich nun schon den ein oder anderen Kollegen skeptisch die Augenbraue heben. Allerdings, hier muss ich etwas vorgreifen, kann der aufgerufene Preis angesichts des betriebenen technologischen Aufwands nur als Schnäppchen bezeichnet werden, und wenn man bedenkt, dass ein Monitor ein verlässliches Werkzeug sein sollte, mit dem man im Idealfall die nächsten zehn oder fünfzehn Jahre arbeitet, so relativiert sich auch eine solche Summe schnell. Im HiFi-Markt ist ein Lautsprecher dieser Preisliga sowieso kein Grund für Diskussionen.

Schon aufgrund der angestrebten kompakten Gehäusegröße der Kii THREE war von vorn herein klar, dass man die gesteckten Ziele mit einem herkömmlichen Lautsprecherdesign nicht erreichen würde. Hier waren radikal neue Lösungsansätze gefragt, und bei Kii Audio kamen offensichtlich die richtigen Menschen zusammen, um solch ein Projekt umzusetzen.

Das Kii Audio-Team

Bruno Putzeys, das technische Mastermind hinter der Kii THREE, ist beileibe kein Unbekannter in der Pro Audio-Branche. Bei Phillips entwickelte er die Universal Class D-Technologie (UcD), die als Schlüssel für praktisch alle heutigen Schaltverstärkerkonzepte angesehen wird. Später war Putzeys unter anderem für die Produktentwicklung beim Class-D-Pionier Hypex verantwortlich, bevor er für Grimm Audio den schon legendären LS1-Lautsprecher mitentwickelte, der von einigen Fachleuten als einer der besten bis dato gebauten Monitore gehalten wird. Unterstützt wird er von Baart van der Laan, einem ausgewiesenen Experten für DSP-Programmierung.

Vertriebschef Chris Reichhard leitete lange Zeit seine eigene Firma Audio Import, mit der er namhafte Hersteller wie Grace Design und Manley für Europa vertrieb. Im Jahre 2015 verkaufte er diese Company, um sich fortan nur noch um Kii kümmern zu können. Last but not least konnte mit Thomas Jansen als Produktmanager ein weiterer bekannter Audio-Enthusiast ins Boot geholt werden, der es branchenintern nicht nur durch die Organisation seiner eigenen Messe „High End Gear“ zu respektablem Ruf gebracht hat.

Im Jahre 2015 – ein knappes Jahr nach Firmengründung – konnten die Entwickler das Ergebnis Ihrer Arbeit präsentieren. Die Kii THREE wurde zunächst im audiophilen HiFi-Markt eingeführt, wo sie vom Fleck weg einen geradezu beispiellosen Siegeszug antrat. Testberichte internationaler Fachpublikationen überschlugen sich vor Begeisterung über die neuartige Box, der allenthalben der Klang großer Lautsprecher bei außergewöhnlich „wohnzimmerkompatiblen“ Abmessungen bescheinigt wurde. Gleichzeitig gilt die Kii THREE aufgrund ihrer spezifischen Eigenschaften als ein Lautsprecher, der auch in akustisch nicht ganz optimalen Räumen herausragende Ergebnisse zu liefern vermag.

Seit diesem Jahr ist der Monitor nun auch in der uns zum Test vorliegenden „Profi-Variante“ verfügbar, die sich allerdings nur in der Lackierung, die hier in dunkelgrauem Strukturlack ausgeführt ist, von der HiFi-Version unterscheidet.

Das Konzept der Kii Three

Das Gehäuse der Kii THREE besteht aus zwei Kunststoff-Halbschalen. Das spezielle Material soll trotz vergleichsweise geringem Gewicht optimale Resonanzeigenschaften aufweisen. Die Front, deren seitliche Gehäusekanten zur Vermeidung von Reflektionen großzügig abgerundet wurden, trägt mittig einen 5“ Mitteltonlautsprecher und darüber eine 1“ Hochtonkalotte, die in einem kurzen Waveguide sitzt. Beim Auspacken der Kii THREE fällt zunächst das für die kompakte Größe doch recht stattliche Gewicht von 15 Kilogramm auf, dessen Ursache sich alsbald zeigt, beherbergt jede Box doch über die erwähnten Mittel- und Hochtöner hinaus sage und schreibe vier 6,5“-Basstreiber, die jeweils paarweise an den Seitenwänden und der Rückseite des geschlossenen Gehäuses angeordnet sind. Hinzu kommt eine aufwändige und ausgeklügelte Elektronik:

Jedes Lautsprecherchassis der Kii THREE wird von einer eigenen, 250 Watt starken Class-D-Endstufe angetrieben. Die Box enthält also nicht weniger als sechs Verstärker mit insgesamt beeindruckenden 1.500 Watt Systemleistung. Es handelt sich dabei um die neuste Entwicklungsstufe von Bruno Putzeys` Ncore-Class-D-Technologie, die zusätzlich mit einer aktiven Kontrolle der einzelnen Chassis ausgestattet ist und so Treiberverzerrungen minimiert.

Die verwendeten A/D- und D/A-Wandler sind ebenfalls eine Eigenentwicklung und sollen allergrößte Signalintegrität bieten. Das eigentliche Geheimnis der Kii-Technologie aber steckt in der aufwändigen Programmierung des internen sechskanaligen DSPs. Die vom Hersteller „Active Wave Focusing Filter“ getaufte Technologie steuert die hinteren beiden Basschassis gegenphasig an und berechnet zusätzlich ein Delay, so dass zusammen mit den frontseitigen Treibern eine nierenförmige Abstrahlcharakteristik mit perfekter Gruppenlaufzeit entsteht, die von ca. 80 Hz bis 250 Hz funktioniert. Unterhalb von 80 Hz wird die Abstrahlcharakteristik auch hier allmählich zur Kugel. Den Bereich von 250 Hz bis ca. 700 Hz übernehmen die beiden seitlich angebrachten Tieftöner, die ebenfalls per DSP zeitlich angepasst werden. Oberhalb von 700 Hz ist die Abstrahlcharakteristik aufgrund der akustischen Eigenschaften ohnehin nierenförmig.

Zusätzlich sorgt der DSP dafür, dass alle Lautsprecherchassis stets im optimalen Arbeitsbereich betrieben werden. Die Leistungskontrolle erfolgt hier allerdings nicht durch simples Limiting, vielmehr werden Filtersettings in Abhängigkeit vom Eingangssignal permanent angepasst.

Im Ergebnis soll die Kii Three einen Frequenzverlauf von 20 Hz bis 25 kHz mit einer Abweichung von lediglich -0,5 dB sowie eine ab ca. 80 Hz nierenförmige Abstrahlcharakteristik bieten und dabei einen Schalldruck erzeugen, der bei derart kompakten Lautsprechern bislang nicht für möglich gehalten wurde.

Anschlüsse und Bedienelemente

An der Unterkante der Rückseite des Lautsprechers befindet sich etwas versenkt angeordnet das Anschluss- und Bedienpanel der Kii THREE. Links befindet sich zunächst eine einzige XLR-Buchse, die sowohl analoge wie auch digitale AES/EBU- bzw. S/PDIF-Signale verarbeiten kann. Die jeweils anliegende Signalart kann mit einem kleinen Kippschalter ausgewählt werden.

Unterhalb dieses Kippschalters befindet sich ein unscheinbarer, aber umso wichtigerer Drucktaster, der mit P/R beschriftet ist und einen Low-Latency-Mode aktiviert. Hier kommen wir zu einer nicht ganz unkritischen Eigenheit des Kii-Konzeptes: Durch den außergewöhnlich hohen Rechenaufwand der internen DSP-Steuerung besitzt der Monitor eine Latenz von ca. 90 ms. Beim Musikhören, bei Mix- und Masteringaufgaben spielt das keine Rolle, beim Tracking, wenn Musiker ihr eigenes Signal hören, oder auch bei Filmton ist das dagegen indiskutabel. Der Low Latency-Mode reduziert die Latenz auf ca. 1ms, was auch für zeitkritische Anwendungen problemlos ist. Selbstredend geht diese Latenzoptimierung mit einer etwas „ungenaueren“ DSP-Berechnung einher, die sich in ihrer klanglichen Auswirkung allerdings absolut im Rahmen hält. Im Studiobetrieb wird man wohl öfter zwischen den beiden Latenzmodi hin und herwechseln. Hier stellt sich die Bedienung des kleinen Tasters auf der Rückseite als einigermßsen fummelig heraus, besonders wenn bei kleineren Regien wenig Platz hinter dem Monitor ist. Die Lösung für dieses Problem ist die Kii CONTROL, mit der sich alle Funktionen komfortabel fernsteuern lassen, die allerdings preislich nicht gerade ein Schnäppchen darstellt.

Kii THREE

Neben der unvermeidlichen Netzbuchse finden sich auf dem Anschlusspanel noch zwei Netzwerkanschlüsse, die mit „Kii Link In“ und „Thru“ beschriftet sind. Über die Inputbuchse wird hier besagte Kii CONTROL angeschlossen, deren Signale erwartungsgemäß über „Thru“ an die zweite Box durchgeschliffen werden. Zusätzlich kann der zweite Kanal eines über AES/EBU zugeführten digitalen Audiostreams über das Netzwerkkabel an den jeweils anderen Lautsprecher weitergeleitet werden.

Komplettiert wird das Bedienpanel durch zwei kleine Drehschalter, die sich mit einem Schraubenzieher bewegen lassen. Der erste davon ist mit „Boundary“ beschriftet und erlaubt die Anpassung der Basswiedergabe an den Aufstellort. Standardmäßig ist die Kii für eine freie Aufstellung im Raum ausgelegt. Wird sie dagegen nahe an rückseitigen Wänden oder gar in Raumecken betrieben, so kommt es – wie bei allen Lautsprechersystemen – zu Überhöhungen im Bassbereich, die sich mit dem Boundary-Regler ausgleichen lassen. Die Basskorrektur ist als Shelving-Filter unterhalb 40 Hz ausgeführt, das Absenkungen um bis zu 12 dB erlaubt.

Der zweite Drehschalter besitzt neben der linearen Einstellung 14 weitere Presets mit geschmacklich leicht angepassten Frequenzverläufen. Zum Einsatz kommen hierfür ein Low-Shelf-Filter bei 300 Hz sowie ein High-Shelf-Filter, das je nach Preset bei 3 oder 10 kHz greift. Mit Hilfe der Kii CONTROL können Einsatzfrequenzen und Gainsettings der beiden Shelving-Filter auch stufenlos geregelt werden.

Kii CONTROL

Die Kii CONTROL kommt in einem 11 x 5 x 16 cm (B x H x L) kleinen Desktopgehäuse, das in seiner Formensprache an das Design der Lautsprecher angelehnt ist. Im oberen Drittel der Bedienoberfläche sitzt ein Endlosdrehgeber mit Druckfunktion, der zunächst als Lautstärkeregler fungiert. Der Abhörpegel wird dabei direkt auf dem DSP der Kii THREE eingestellt. Dadurch ergibt sich eine pegelunabhängig höchstmögliche Auflösung des digitalen Signals, was bei anderen digitalen Lautstärkeregelungen nicht immer selbstverständlich ist. Unterhalb des Drehgebers findet sich ein schwarzweißes LC-Display, das in der normalen Betriebsart zunächst den Lautstärkepegel anzeigt. Allerdings stellen die Zahlen nicht etwa dB-Werte dar – der Linksanschlag wird durch den Wert Null, und nicht etwa, wie bei einem Mischpultfader üblich, mit -∞ visualisiert. Darüber hinaus dient das Display zur Darstellung diverser Menüparameter, auf die ich gleich noch zu sprechen kommen werde. Die Auflösung ist dabei gestochen scharf, dennoch fällt die Menüdarstellung sehr klein aus.

Durch eine – wenn auch hochwertige – Lautstärkeregelung alleine wäre der Preis der Kii CONTROL kaum gerechtfertigt. Allerdings geht das kleine Gerät weit darüber hinaus. Am interessantesten dabei ist, dass der Controller dem System zusätzliche digitale Eingänge im S/PDIF (coaxial); TOSLINK sowie USB – Format spendiert und so zur Schaltzentrale und Vorverstärker für ein komplettes Studio- oder HiFi-Setup werden kann. Der USB-Eingang verarbeitet dabei sowohl PCM-Audiodaten mit 24 Bit und bis zu 384 kHz Sampling Rate wie auch DSD 64 / 128.

Ergonomisch um den zentralen Endlosdrehgeber angeordnet findet sich eine Reihe von Folientastern, die zunächst der Anwahl der Signalquellen dienen, wobei sich hier selbstredend auch die an der Rückseite der Lautsprecher selbst befindlichen XLR-Eingänge selektieren lassen.

Zusätzlich hält die Kii CONTROL noch weitere Folientaster für Menu-Navigation und Presetverwaltung bereit. Der „Enter“-Taster ruft das Menu auf, in dem man sich wie üblich über „Enter“, „Exit“ und den Endlosdrehgeber bewegen kann. Hier lassen sich alle Einstellungen für das Kii-System, also Klangregelung, Low Latency-Modus, Boundary EQ und vieles mehr komfortabel vom Hörplatz aus editieren. Zusätzlich stellt der Controller sechs Presets für Komplettsetups bereit, in denen man diverse Anwendungsszenarien wie beispielsweise „Tracking im Low Latency Modus“ oder „Mastering über High Resolution USB-Input“ speichern und komfortabel per Knopfdruck abrufen lassen.

Last but not least lassen sich die Hauptfunktionen der Kii CONTROL komfortabel via standardisierte RC5-Fernbedienungen oder eine Apple Remote über Infrarot fernsteuern, so dass man insgesamt konstatieren muss, dass dieser Controller wirklich kaum Wünsche offen lässt.

Kii THREE

Die Kii-Control ist die Steuerungseinheit des Lautsprecher-Systems

Kii THREE im Hörvergleich

Ich habe diesen Absatz sehr bewusst nicht „Hörtest“, sondern „Hörvergleich“ genannt, denn um einen solchen soll es diesmal gehen, auch wenn dies selbstredend kein Vergleichstest ist. Ja, ich gebe zu, selten bin ich mit mehr gespannter Erwartung an ein Testprodukt herangegangen, hatten doch einige durchaus geschätzte Kollegen das Konzept der Kii in meinen Gesprächen im Vorfeld bereits mit Sätzen wie „die Physik kann man nicht überlisten“ oder „in einem Monitor möchte ich doch keinen DSP haben“ abgetan. Andererseits ist die Fachpresse sowohl im HiFi- wie auch im Studiobereich voll des Lobes über das revolutionär neue Lautsprecherkonzept der Kii THREE.

Ich selbst bin Neuerungen gegenüber grundsätzlich aufgeschlossen, muss aber zugeben, dass meine bisherige persönliche Referenz konzeptionell den gegenteiligen Weg des Kii-Lautsprechers geht. Umso interessanter würde der Vergleich werden. In der Hauptregie unserer Amazing Sound Studios (www.amazingstudio.de) residiert die SE-MF 1 des Schweizer Akustikers Jürgen Strauss. Überzeugt von der These, dass sich eine präzise elektromechanische Konstruktion durch keine Korrekturelektronik ersetzen lässt, setzt der Entwickler auf traditionelle Lautsprecherkonzepte in Form von passiven zwei-Wege-Designs mit Mittelhochton-Hörnern. Die Referenzen von Strauss Elektroakustik reichen dabei von Günther Pauler`s Stockfisch Records bis hin zu den Masteringstudios von Sony Music in Tokyo.

Strauss Lautsprecher machen kompromisslos akustisch alles „richtig“, ohne Korrekturen und doppelten Boden. Dabei sorgt die Horntechnologie im Mittelhochtonbereich aufgrund des hohen Wirkungsgrades für sehr hohe Verzerrungsarmut. Die SE-MF 1 gehört vor allem in puncto Authentizität, Feindynamik und räumlicher Darstellung nach wie vor zu den besten Monitoren, die ich bisher erleben durfte.

Allerdings hat der Lautsprecher prinzipbedingt genau jene Nachteile, die die Kii THREE überwinden möchte: Zum einen hat die Box mit den Abmessungen von ca. 80 x 36 x 42 cm das fast vierfache Gehäusevolumen der Kii THREE, zum anderen ist der passive Schweizer Mastering Monitor mit ca. 20.000 Euro (Paarpreis) auch deutlich teurer als unser Testmodell. Addiert man dazu noch den Preis einer adäquaten Endstufe – in unserem Fall eine SPL Performer 800 für ca. 2.969.- EUR – so landet man bei mehr als dem doppelten Preis der Kii THREE inclusive Kii CONROL.

Und dann die Raumakustik: Die etwas spezielle Regie der Amazing Sound Studios hat hinter den Lautsprechern eine raumhohe Fensterwand, die der kugelförmigen Bassabstrahlung der Strauss Monitore nichts entgegenzusetzen hatte. Erst als wir zusätzlich zur ohnehin ausgeklügelten Raumakustik drei einzeln angefertigte Stellwände mit jeweils über 200 Kg Gewicht zwischen Monitore und Glaswand platziert hatten, erreichte der Strauss-Monitor die angegebene untere Grenzfrequenz von 30 Hz bei einer Abweichung von – 6 dB. Diese Maßnahme wäre dank der nierenförmigen Bassabstrahlung mit der Kii THREE sicherlich unnötig gewesen, wir hätten uns also unseren wundervollen Fensterblick nicht verstellen müssen…

Wir hörten die Kii THREE sowohl in der erwähnten, akustisch optimierten Mix- und Masteringregie, in der auch der Strauss-Monitor arbeitet, als auch in unserer Projektstudioregie, die gleichzeitig als Aufnahmeraum fungiert und daher weniger bedämpft ist. Standardmäßig kommt hier eine PMC twotwo 8 zum Einsatz.

Schon beim ersten Hören der Kii THREE fällt auf, dass der Hersteller nicht zu viel verspricht: Man hat den Eindruck, vor einer wesentlich größeren Box zu sitzen. Tatsächlich habe ich noch nie einen Lautsprecher dieser Größe mit einem derart tiefreichenden Bass gehört, dessen untere Grenzfrequenz sogar unterhalb des Strauss-Lautsprechers lag. Sehr erstaunlich. Auch die erreichbaren Lautstärken würde man eher einer Beschallungsanlage als einem Studiomonitor zutrauen, dabei bleibt die Kii THREE stets durchsichtig, transparent und offensichtlich sehr klirrarm, denn hier tut auch bei richtig hohen Lautstärken nichts weh. Im Vergleich zur twotwo 8 stellte sich der Bassbereich in unserer Projektstudio-Regie präziser und druckvoller dar, hier kommt die Bassniere deutlich zum Tragen.

Dennoch ist der Abstand zur teureren Strauss-Box in akustisch optimierter Umgebung nicht zu leugnen: Der Schweizer Monitor zeigte eine bessere Feindynamik und eine direktere Transientenwiedergabe, was natürlich auch eine Domäne von Hornsystemen ist. Die Stereodarstellung und Tiefenstaffelung der Kii war gut, wurde aber vom passiven System dennoch deutlich übertroffen – hier breitet sich die Musik gleichsam schwerelos vor dem Lautsprecher aus, Panoramapositionen lassen sich akribischer orten als mit der DSP-basierten Neuentwicklung. Der Bassbereich der SE-MF 1 ging zwar nicht ganz so tief wie bei der Kii THREE, war aber hörbar trockener und besser aufgelöst. Kontrabässe standen direkt vor dem Lautsprecher, Obertöne und dynamische Zusammenhänge im Bass waren direkter erlebbar.

Kii THREE

Fazit

Insgesamt lässt sich konstatieren, dass die DSP-Regelung der Kii THREE wirklich Erstaunliches leistet. Die Basswiedergabe ist nicht nur angesichts der Boxengröße beeindruckend. Der Lautsprecher stellt zudem tatsächlich geringere Ansprüche an die Raumakustik und klingt dabei wie ein wesentlich größerer Monitor. Andererseits schüttelt unser passives Referenz-Hornsystem Transienten, Obertonstrukturen und feindynamische Zusammenhänge im Vergleich auffallend entspannt und selbstverständlich „aus dem Ärmel“. Hier klingt einfach alles wie „aus einem Guß“. Was die klangliche Wertung angeht, so hat eine Strauss SE-MF1 in optimierter Akustik also letztendlich die Nase vorn.

Man muss das aber relativieren: Wie oben schon angedeutet, kostet ein High-End Masteringsystem wie die Strauss-SE-MF1 nebst Endstufe schon für sich mehr als das Doppelte der Kii THREE, und wenn man die akustischen Maßnahmen dazuzählt, die dieses System verlangt, um seine Stärken voll ausspielen zu können, so ist man schnell beim dreifachen Preis. Zudem haben viele der heute gängigen Projektstudios auch abseits des monetären Faktors nicht die Möglichkeit, derart aufwändige bauakustische Maßnahmen durchzuführen. Hier kann ein System wie die Kii THREE tatsächlich Revolutionäres bieten und stellt insofern eine willkommene Bereicherung der Monitorlandschaft dar. Und wenn man bedenkt, dass dies erst ein Anfang in der Entwicklung digital kontrollierter Monitorsysteme ist, so kann man sich nur auf die Zukunft freuen. In diesem Sinne: Weiter so, liebes Kii-Team!

Erschienen in Professional audio 09/2017

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