Impulsgenau

Der neue ADM22 ist einmal mehr mit innovativer und aktueller Digital-Technik vollgepackt, um das Ideal der Klangneutralität bestmöglich zu verwirklichen.


Von Harald Wittig

Diplom-Ingenieur Johannes Siegler, seines Zeichens Chefentwickler und Geschäftsführer der Monitor-Schmiede KS Digital, brachte den aktuellen Neuzugang im Produktportfolio des Unternehmens aus dem Saarland persönlich in der Professional audio-Redaktion vorbei, um uns und Ihnen einige Details über den ADM22 getauften Studio-Monitor zu erläutern. Der ADM22 wurde bereits auf der diesjährigen Musikmesse vorgestellt und sorgte für Aufhorchen, denn er basiert auf dem hochgeschätzten ADM20 (siehe Test in Ausgabe 9/2006): Der Neue ist ebenfalls ein digitaler Aktiv-Lautsprecher, bei dem die Hersteller-eigene FIRTEC-Filtertechnologie das höchste Ideal für einen professionellen Abhör-Lautsprecher, nämlich Klangneutralität verwirklichen soll. Dabei ist der ADM22 vollgepackt mit der allerneusten Technik und die vom ADM20 bekannten und bewährten Komponenten wie beispielsweise das Tief-Mittelton- und das Hochton-Chassis sollen das klangliche Optimum garantieren. Dabei bietet KS Digital den ADM22 im Vergleich zum rund 3.300 Euro teuren ADM20 für moderate 2.200 Euro an, was den Monitor besonders attraktiv macht – zumindest für professionelle Anwender, die aus guten Gründen möglichst wenig Kompromisse bei dem Arbeitsgerät Monitor eingehen können und wollen. Selbstbewusst und vielversprechend bezeichnet der Hersteller den ADM22 als „Mastermonitor“ – der Neue soll den Tonschaffenden mithin durch alle Produktionsstufen kompetent begleiten. Konzeptionell steht der Monitor als Zwei-Wege-System in der KS Digital-Familientradition: Die beginnt mit dem ADM2, dem ersten serienmäßigen digital entzerrten Studio-Monitor überhaupt und wurde mit dem direkten Verwandten des ADM22, dem ADM20 fortgesetzt. Die Familienähnlichkeit ist angesichts des schwarzen MDF-Gehäuses und der Frontplatte aus massivem Kirschholz, die allerdings nicht die gesamte Gehäusefront einnimmt, unverkennbar. Allerdings unterscheidet sich der Monitor vom ADM20 insoweit, als dass er sowohl für horizontale, als auch für die vertikale Aufstellung geeignet ist. Aus diesem Grund ist der Hochtöner des ADM22 auch deutlich zur Gehäusekante hin versetzt, um im vertikalen Betrieb eine optimale Höhe und möglichst fehlerfreie Wiedergabe des Hochtöners zu gewährleisten.

Übrigens sind die Hochton-Chassis der KS Digital-Monitore bei allen konventionellen Zwei-Wege-Anordnungen – Ausnahmen bilden selbstverständlich die Koaxial-Systeme der C-Reihe und der D´Appolito-Monitor ADM25 – sämtlichst unsymmetrisch angeordnet. Dazu Johannes Siegler: „Bei der Gehäusebreite des ADM22 ergibt sich im Bereich von 700 bis 800 Hertz eine Welligkeit im Frequenzgang, die man theoretisch wegmessen könnte. Allerdings ist das nur in einer Hörposition erfolgreich. Der Hochtöner strahlt bereits wegen des exakt berechneten Waveguides gerichtet ab, was die Kanten ausblendet und den sogenannten Kantenfehler damit bereits minimiert. Durch den zusätzlichen Versatz erreichen wir eine noch höhere Linearität: Der Fehler wird gewissermaßen verbreitert, steht, wenn Sie so wollen nicht mehr auf einer Frequenz und verschwindet dadurch.“ Allerdings seien diese Maßnahmen, wie der KS Digital-Chef schmunzelnd hinzufügt, nicht ausdrücklich erwähnenswert, gehörten sie doch zum Einmaleins des Boxenbaus. Da ist der Hochtöner als solcher schon weitaus bemerkenswerter, handelt es sich doch nicht um einen Kalottenhochtöner, sondern um einen sogenannten Ringradiator mit einer ringförmigen Membran, die hinter einem feinen Drahtgitter verborgen ist und eine möglichst plane Abstrahlung der Schallwellen mit hohen, unverzerrten Schalldrücken bei hoher Impulstreue liefern soll. „Unser Kompressionstreiber ist um den Faktor 100 stärker als ein Kalotten-Hochtöner was eine impulsrichtige und verzerrungsfreie Wiedergabe ermöglicht, zusammen mit dem Horn, also dem Waveguide, erreichen wir eine planare Wellenfront. Wir müssen zwar einen leichten Höhenabfall in Kauf nehmen, den wir aber digital kompensieren.“ In der Praxis umfasse der Übertragungsbereich alle Obertöne von Stimmen und Instrumenten. Da die Crossover-Frequenz mit 1.000 Hertz vergleichsweise tief sein kann, ergibt sich  eine „musikalischere Trennung“, die zu einem sehr natürlichen, homogeneren Klangbild führt.“ Der Ringradiator des ADM22 kommt auch im ADM20 zum Einsatz, was auch für den Tief-Mitteltöner mit seiner Carbonfaser-Membran, die kennzeichnend für die KS Digital-Chassis ist und mechanische Stabilität und Steifigkeit mit einem sehr geringen Gewicht verbindet. Sie bietet damit beste Voraussetzungen für eine Wiedergabe bis in den oberen Übertragungsbereich ohne Partialschwingungen und Aufbrechen, was auch bei hohen Pegeln ein stabiles Klangbild begünstigt. Ein großer Neodymium-Antrieb gewährleistet hinreichende Beschleunigungskraft und damit eine optimale Umsetzung des elektrischen Impulses in Schall. Zusammengenommen erreiche der Hersteller mit diesem in Zusammenarbeit mit einem deutschen Chassis-Hersteller entwickelten Tief-Mittelton-Chassis eine insgesamt impulstreue, verzerrungsärmere Wiedergabe von leisen und lauten Pegeln.  Für entsprechende Power mit genügend Headroom sorgen die beiden analogen Endstufen: Für den Hochtöner stehen 70 Watt, für den Tief-Mitteltöner satte 180 Watt RMS-Leistung bereit.

Bisher haben wir uns mit den analogen Komponenten, die allesamt für den bestmöglichen, also neutralen Klang sorgen sollen, befasst. Der ADM22 ist aber, wie eingangs bereits bemerkt, ein digitaler Monitor. Er verfügt grundsätzlich nur über einen analogen Eingang, optional – damit ist auch unser Test-Lautsprecher ausgestattet – ist er auch mit einem Digital-Eingang im AES3-Format erhältlich. Der Digital-Eingang akzeptiert Abtastraten von 32 bis maximal 192 Kilohertz bei 24 Bit-Wortbreite. Allerdings ist der Hersteller darauf vorbereitet, auch bis 384 Kilohertz hochzugehen: „Wenn sich das durchgesetzt haben wird, können wir ohne Weiteres nachrüsten, denn unsere Elektronik ist modular aufgebaut. Damit können wir flexibel auf technische Fortschritte und aktuelle Standards reagieren.“, so Johannes Siegler. Die interne Signalverarbeitung erfolgt im ADM22 auch bei Anliegen eines Analog-Signals digital: Zunächst wandelt ein 27Bit Sigma Delta-Wandler das analoge Signal mit einer Dynamik von 130 Dezibel. Das digitalisierte Signal erfolgt dann auf der selbstentwickelten DSP-Plattform neuester Generation, wobei der DSP mit seiner sogenannten Floating Point Unit drei Aufgaben übernimmt: Er trennt die Signale, dient also als digitale FIR-Frequenzweiche, entzerrt das Übertragungsverhalten der einzelnen Komponenten und schützt schließlich das System vor Übersteuerung.  Herausragendes Merkmal des Signalverarbeitungsprozesses und das Markenzeichen schlechthin der ADM-Serie ist FIRTEC, das Akronym steht für Finite Impulse Response Technology. Diese patentierte und im Laufe der – tatsächlich – Jahrzehnte immer weiterentwickelte und patentierte Technologie soll für eine optimale Entzerrung des Gesamtsystems sorgen und Laufzeitverzerrungen, wie sie durch analoge Filter entstehen, völlig vermeiden und auch keinerlei Verschlechterungen des Impulsverhaltens bewirken. Vereinfacht ausgedrückt verändert die FIRTEC-Entzerrung das Eingangssignal auf der Zeitebene vorausschauend auf korrekte Impulstreue, was einer Linearisierung in Betrag und Phase gleichkommt. „Wir erreichen damit Zeitrichtigkeit, es kommt zu keinem Verschmieren auf der Zeitachse, was zu einer hohen Präzision bei der räumlichen Ortung und Tiefenstaffelung führt.“, erklärt Johannes Siegler. Dabei sorgt die Kombination aus einem Systemfilter mit der FIR-Differenzfrequenzweiche zusammen mit den hochwertigen Chassis, die wegen ihrer bestmöglichen Übertragungseigenschaften den Korrekturaufwand vergleichsweise gering halten, für einen insgesamt außergewöhnlich linearen Monitor, der in puncto Raumdarstellung annähernd perfekt sein soll. Ein weiterer Vorteil dieser hochentwickelten Technik: Fertigungstoleranzen lassen sich wirksam minimieren, denn jeder Schalwandler wird zuvor mit FIRTEC individuell vermessen, so dass auch minimalste Abweichungen von der Messung erfasst sind. Die Systemantwort dient als Grundlage des FIR-Filters, der seinerseits das inversive akustische Verhalten zum konkreten Lautsprecher darstellt. Wird jetzt das Signal zuerst durch den System-Filter und dann durch den Lautsprecher selbst geschickt, strahlt es der Monitor idealerweise wieder im Originalzustand ab. Summa summarum bedeutet das: Der ADM22 ist mittels FIRTEC dergestalt digital entzerrt, dass er das Musiksignal korrekt in seinem zeitlichen Verlauf in akustische Schallwellen wandelt. Der Frequenzgang ist automatisch in Betrag und Phase ideal linear. Die fortschrittliche Technik der KS Digital-Monitore hat für den Anwender noch weitere, ganz konkrete Vorzüge: Zum einen sind die Monitore der Saarländer stets perfekt gematcht, zum anderen lässt sich eine KS Digital-Abhöranlage exakt auf die jeweilige Abhörumgebung anpassen. Denn Linearität garantiert bekanntlich noch lange keinen an jedem Ort gutklingenden Monitor. Das bestätigt Johannes Siegler: „Wenn Sie unseren großen Line Master (siehe Test in Ausgabe 11/207) mit dem ADM20 vergleichen, sind beide messtechnisch völlig gleich und vorbildlich linear. Nur: Beide klingen völlig unterschiedlich, da der Line Master die Raummoden ganz anders anregt. Es wäre sinnlos und kontraproduktiv, den Line Master im Nahfeld einzusetzen, umgekehrt ist der (neue) ADM22 kein Großmonitor und sollte in passenden Räumen zum Einsatz kommen.“  

Stichwort Raumanpassung: Ein Lautsprecher interagiert stets mit dem Raum, was eine hohe Sorgfalt bei der Aufstellung selbst, aber auch bei der individuellen Anpassung für eine ausgewogen-neutrale Wiedergabe verlangt. Dank seiner hochentwickelten DSP-Plattform bietet der ADM22 insoweit mit zwei Tiefen- und Höhen-Shelving-Filtern und drei zusätzlichen vollparametrischen Filtern gute Voraussetzungen – einen akustisch optimierten Raum vorausgesetzt. Allerdings hat der Benutzer auf die zusätzlichen Filter nur Zugriff über die optionale FIR-Control-Software. Am Monitor selbst sind lediglich die beiden Shelving-Filter manuell einstellbar. Auf das LCD-Display des ADM20, das auch ohne Rechner und Software alle Einstelloptionen bietet, muss der ADM22-Käufer verzichten. Das ist allerdings, wie wir sogleich sehen werden, in der Praxis kein großes Problem, denn der ADM22 lässt sich sehr zufriedenstellend an den Abhörraum anpassen. Dann wollen wir doch endlich wissen, wie sich der ADM22 klanglich macht. Was den Saarländer – wie schon den ADM20 – besonders adelt, ist die herausragende Raumdarstellung, die in jedem Fall auf Spitzeniveau ist. Es ist unüberhörbar, dass Johannes Siegler, der immerhin 13 Jahre lang ein Tonstudio hatte und noch heute hin und wieder Masterings macht, auch Praktiker ist. So ist bei der Aufnahme des Gitarrenquartetts SinCo-pa von Dirk Paschelke im Rahmen des Fireface UFX-Paxistests (siehe Ausgabe 8/2011) jeder einzelne Musiker millimetergenau zu orten, wobei uns auch die Tiefenwirkung der Ensembleaufnahme, besser: ihre beinahe dreidimensionale Plastizität beeindruckt. Umgekehrt entlarvt der Monitor flache Mischungen oder Phasenprobleme auf Aufnahmen gnadenlos – genau das erwartet der Praktiker. In gewisser Weise stellt der ADM22 gewissermaßen einen hochpräzisen Korrelationsgradmesser dar, was seine Werkzeugqualität nachhaltig unterstreicht. Das Impulsverhalten in den Bässen ist exzellent: Der Carbontreiber des Lautsprechers lässt sich auch von heftigen Tieftonimpulsen nicht aus der Ruhe bringen und bleibt auch bei hohen Pegeln gelassen. Das gilt auch für den Hochtöner, der sehr differenziert sein Auflösungswerk verrichtet, allerdings für unseren Geschmack viel zu harsch und präsent klingt. Tatsächlich bedarf es einer dezenten Höhenkorrektur via Shelvingfilter und schon tönt der Mitten- und Höhenbereich sehr viel angenehmer, ohne dass Informationen fehlen würden. Auch der Bass bedarf einer leichten Korrektur über das entsprechende Filter – hier macht sich die wandnahe Aufstellung in den Ecken unseres Projektstudios negativ bemerkbar. Aber die nach Gehör vorgenommene Raumanpassung kostet uns kaum zehn Minuten. Danach wissen wir: Der ADM22 ist ein würdiges Mitglied der ADM-Familie und steht klanglich dem ADM20 nicht nach – und das will was heißen.

Fazit

Der ADM22 von KS Digital ist ein sehr guter Monitor, der bei vorbildlicher Linearität mit einem herausragenden Impulsverhalten und einer exzellenten Raumdarstellung punktet. Da er zudem vergleichsweise günstig zu haben ist, sollten anspruchsvolle Tonschaffende  den ADM22 jedenfalls anhören.

 

Erschienen in Ausgabe 09/2011

Preisklasse: Spitzenklasse
Preis: 2249 €
Bewertung: sehr gut
Preis/Leistung: sehr gut

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