Das kleine Silber-Schwarze

Die Apollo Audio-Interface-Serie von Universal audio erhält mit dem Modell Apollo Twin Zuwachs und will als kostengünstiges Desktop-Gerät für Homerecordler mit denselben Qualitäten wie die Großen aufwarten, UAD2-DSP-Funktionalität in Echtzeit inklusive.

Von Georg Berger

Seit einiger Zeit schon wird das Kürzel NAMM(„National Association of Music Merchants“) von Vielen in teils sarkastischer Art in „Not Available Maybe May“ (Nicht erhältlich, vielleicht im Mai) umgewidmet. Universal Audio hat diesen Spruch jetzt Lügen gestraft und auf der vergangenen Winter NAMM-Show Nägel mit Köpfen gemacht: Dort wurde erstmals das jüngste Mitglied der Apollo Audio-Interface-Serie, das Modell Apollo Twin vorgestellt und gleichzeitig auch schon an die Läden ausgeliefert. Ebenso wie seine großen Brüder Apollo und Apollo 16 (Tests in den Heften 6/2012 und 9/2013) ist auch das Apollo Twin in der Lage bis hinauf 24 Bit/192 Kilohertz aufzuzeichnen und mit Sharc DSPs ausgestattet, die zum Berechnen der UAD-Plug-ins erforderlich sind. Hier wie dort erhält der Anwender also gleich einen Mehrfach-Nutzen: Audio-Interface und DSP-Prozessor in Einem. Doch nicht nur das: Mit Einführung des neuen Interface-Modells führte Universal Audio unter der Bezeichnung „Unison“ eine neue Technik ein, mit der die Interface-Vorverstärker via Software das Verhalten und den Klang alter Vintage-Preamps annehmen können1. Das hat es auf diese Weise bislang noch nicht gegeben. Nächste Besonderheit: Das Apollo Twin ist das erste Audio-Interface des Herstellers mit einer serienmäßig integrierten Thunderbolt-Schnittstelle. Damit ist es bis auf weiteres ausschließlich für einen Betrieb mit Apple-Rechnern ausgelegt, denn bislang gibt es keine Anzeichen dafür, dass auch Windows-PCs mit dieser Schnittstelle aufwarten werden.
Mit zwei analogen Eingängen, vier analogen Ausgängen plus Kopfhörer-Anschluss, rundet das kompakte Desktop-Gerät die Apollo-Serie nach unten ab und adressiert sich an den Homerecordler, der als Alleintäter im heimischen Wohnzimmer seine Ideen zum Klingen bringen will. Ähnlich wie das große Apollo offeriert Universal Audio zwei Twin-Varianten: Das Modell Apollo Twin Solo mit einem und das Duo-Modell mit zwei integrierten Sharc-DSPs. Kostenpunkt: Für die Solo-Variante ruft der Hersteller rund 850 Euro auf, das Duo-Modell schlägt mit knapp 1.100 Euro zu Buche. Für ein zweikanaliges Audio-Interface sind das zunächst einmal happige Preise. Doch die relativieren sich, schaut man kurz einmal auf die UAD2 PCI-Beschleuniger-Karten oder das Satellite-System, die für sich bereits teils mehr als die Hälfte dessen kosten, was für das Apollo Twin verlangt wird. Der Clou: Mit dieser Ausstattung ist es möglich, die UAD-Plug-ins wie gewohnt als Inserts in der DAW einzusetzen oder aber in Echtzeit bereits bei der Aufnahme einzusetzen und das ohne hörbare Latenz. Mitbewerber, die ähnliches bieten, können da in Sachen Klangqualität und Flexibilität nur schwer mithalten. Doch der Reihe nach.

Wie üblich bei seinen DSP-Produkten hat Universal Audio auch dem Apollo Twin ein Software-Bundle an Plug-ins gratis dazu gelegt, das sogenannte Realtime Analog Classic Bundle (siehe Abbildung auf Seite XX). Besonderheit: Mit an Bord ist die Emulation des 610-B-Preamps, einer Nachbildung des immer noch erhältlichen Universal Audio 2-610 Röhren-Vorverstärkers. Das Plug-in liegt dabei gleichzeitig als Unison-Variante zum Steuern der Interface-Preamps vor und lässt sich auch als herkömmliches Plug-in zum Veredeln bereits aufgenommener Signale einsetzen. Daneben offeriert Universal Audio zurzeit noch zwei weitere Unison-Plug-ins, den 610-A-Preamp (im Bundle mit dem 610-B erhältlich) sowie den API Vision Channelstrip (Test in Heft 1/2014), die aufpreispflichtig im Online-Shop von Universal Audio erhältlich sind.

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