Orpheus‘ kleine Schwester

Mit seinen beiden Lyra-Modellen schuf der britische Hersteller Prism Sound erstmals zwei kompakte USB-Audio-Interfaces, die seinem begehrten Firewire-Audio-Interface-Flaggschiff Orpheus nahe kommen sollen. Ob dies mehr als ein griechischer Mythos ist, haben wir für Sie getestet.

Von Sylvie Frei 

Noch nicht lange ist es her, dass Firewire als einzig akzeptable Schnittstelle für ein Audio-Interface mit professionellem Anspruch galt. Doch seit geraumer Zeit geht der Trend in Richtung der vermeintlich weniger leistungsstarken, aber ungleich weiter verbreiteten USB-Schnittstelle – so auch bei den neuesten Produkten des britischen Herstellers Prism Sound. Prism Sound ist vor allen Dingen für seine Highend-Wandler bekannt, die gut und gerne mit hohen vierstelligen oder gar fünfstelligen Preisen zu Buche schlagen. Doch vor rund fünf Jahren hat der Hersteller mit seinem achtkanaligen Firewire-Audio-Interface Orpheus eine für seine Verhältnisse kostengünstige Allround-Recording-Lösung in Highend-Qualität geschaffen (siehe Test in Ausgabe 9/2008). Im Stile dieses Firewire-Interfaces mit dem Namen des legendären griechischen Sängers, gibt es nun zwei USB-Audio-Interfaces für PC und Mac, die den Namen seines leierartigen Begleitinstruments, der Lyra, tragen. Beide versprechen wie der große Bruder uneingeschränkte Soundqualität und Leistungsfähigkeit.
Lyra 1 und Lyra 2 besitzen im Gegensatz zum achtkanaligen Orpheus lediglich zwei analoge Eingangskanäle und sind – der Namenszahl entsprechend – mit einem beziehungsweise zwei Mikrofon-Vorverstärkern ausgestattet. Wie Orpheus arbeiten beide bis hinauf zu einer Samplerate von 192 Kilohertz bei 24 Bit Wortbreite. Die etwas günstigere Lyra 1 ist für einen Preis von rund 2.000 Euro erhältlich, während die umfangreicher ausgestattete Lyra 2 mit etwa 2.800 Euro zu Buche schlägt. Das sind zwar stolze Preise für USB-Audio-Interfaces, aber damit sind sie viel günstiger als beispielsweise der rund 9.100 Euro kostende Spitzenklasse-Wandler Prism Sound Dream ADA-8XR (Test in Ausgabe 10/2007).

In der Ausführung unterscheiden sich die beiden Lyra-Modelle sowohl durch ihre Anzahl an Ein- und Ausgangs-Buchsen als auch durch einzelne Ausstattungsmerkmale, die ausschließlich die Lyra 2 besitzt. Während die Lyra 2 Mikrofon-, HiZ- und Line-Eingänge in zweifacher separater Ausführung besitzt, sind bei der Lyra 1 nur die Line-Eingänge doppelt vorhanden. Außerdem ist die Lyra 1 mit zwei, die Lyra 2 mit vier Line-Ausgängen ausgestattet. Über einen separat regelbaren Kopfhöreranschluss verfügen wiederum beide Interfaces. Während die Lyra 2 sowohl optische als auch koaxiale Digitalein- und -ausgänge bereitstellt, wird bei der Lyra 1 auf koaxiale Anschlüsse verzichtet. Auch der BNC-Wordclock-Ein- und Ausgang sowie der Ethernetanschluss werden ausschließlich an der Lyra 2 verbaut. Letzterer hat bis dato noch keinen Verwendungszweck. Für ein künftiges Firmware-Update ist jedoch AVB-Unterstützung (= Audio Video Bridging) geplant, die der Lyra 2 Videotonkompetenz verleihen soll.
Die digitalen Anschlüsse der Lyra 2 lassen sich außerdem vielseitiger nutzen. So können beide Anschlusstypen im S/PDIF-Format mit einer Samplerate von bis zu 192 Kilohertz bei 24 Bit Wortbreite, jedoch nicht gleichzeitig genutzt werden. Die optischen Anschlüsse können außer im Stereo-S/PDIF-Format auch gesplittet mit vierkanaligem (S/MUX) oder achtkanaligem ADAT arbeiten. Bei der vierkanaligen Variante stehen Sampleraten von 88,2 oder 96 Kilohertz, bei acht Kanälen von 44,1 oder 48 Kilohertz bereit. Außerdem ist es mit Hilfe des im Lieferumfang enthaltenen Zwei-mal-Cinch-auf-XLR-Adapterkabels möglich, die koaxialen Ein- und Ausgänge als AES/EBU-Schnittstelle umzufunktionieren. Die Lyra 2 eignet sich also beispielsweise  für Nutzer, die häufig mit unterschiedlichen digitalen Signaltypen arbeiten und zwei Mikrofon-Eingänge für Stereo-Aufnahmen benötigen. Wer hingegen ausschließlich Mono-Analogsignale aufnimmt und mit optischen Digitalanschlüssen im S/PDIF-Format auskommt, könnte mit der günstigeren Lyra 1 rund 800 Euro sparen.
Im Inneren beider Leiern werkelt im Übrigen ein DSP-Mixer, der Stereo-Mischungen für sämtliche Ausgangspaare unterstützt. So kann beispielsweise während der Aufnahme einem Musiker über Kopfhörer ein individueller, auf seine Hörbedürfnisse abgestimmter latenzfreier Mix zugewiesen werden. Für den komfortablen Umgang mit Digitalsignalen hat Prism Sound der Lyra 2 außerdem den gleichen integrierten Samplerate Converter beigesteuert, den wir bereits von Orpheus kennen. Damit können digitale Signale direkt über das Interface von einem Format ins andere konvertiert werden – beispielsweise von 192 Kilohertz bei 24 Bit nach 44,1 Kilohertz bei 16 Bit für eine Master-CD. Vier proprietäre Dithering-Kurven sollen außerdem dafür sorgen, dass eventuelle Störgeräusche, die bei der Konversion entstehen können, subjektiv weniger stark in Erscheinung treten. Damit steht der Jonglage mit unterschiedlichen Sampleraten und deren Anpassung an das derzeitige Projektformat nichts mehr im Wege. Solch ein Feature ist überdies nicht alltäglich und im USB-Segment bislang einzigartig. In Konsequenz schielt Prism Sound damit unverhohlen in Richtung Mastering.

Zum Test tritt Lyra 2 an, die sich vom Funktionsspektrum her hinter Orpheus keinesfalls verstecken muss. Abgesehen von ihrer geringeren Anzahl von Ein- und Ausgängen fehlt es ihr im Vergleich zum Firewire-Verwandten lediglich an einer MIDI-Schnittstelle, Thunderbolt- sowie Surround-Monitoring-Unterstützung. 
Auch optisch erinnert die Lyra 2 stark an das auffällig designte Orpheus-Interface. Wie dieses besitzt sie eine ansprechende Pegelanzeige in Regenbogenfarben sowie hellgrün beleuchtete Bedienelemente und macht bis ins Detail einen solide verarbeiteten und wertigen Eindruck. Anders als Orpheus ist die Lyra kein 19 Zoll-Gerät, sondern verbirgt sich in einem kompakten Aluminium-Gehäuse von knapp 30 Zentimetern Breite, 25 Zentimetern Tiefe und fünf Zentimetern Höhe. Über Rackwinkel verfügt die Lyra hingegen nicht, sodass der Nutzer etwas Platz auf seinem Arbeitstisch benötigt, um die Lyra 2 als Desktop-Interface aufstellen zu können. Zwar lässt sich das Interface mit einem Gewicht von rund zwei Kilogramm bequem transportieren, jedoch ist seine Stromversorgung, die ausschließlich über das Netzteil und nicht wie bei vielen Konkurrenten über USB-Bus-Power erfolgt, nicht uneingeschränkt mobiltauglich. Am Einsatzort sollte also immer eine Steckdose zur Verfügung stehen. Damit ist die Lyra allerdings  nicht alleine, auch andere Interfaces – wie etwa das RME Fireface UCX – verfügen über keine Bus-Power-Versorgung. 
Auf der Frontseite der Lyra 2 reihen sich die  beiden Hi-Z-Eingänge, die Anzeigefläche, ein großer und ein kleiner grün beleuchteter Drehregler, der Kopfhöreranschluss sowie der Standby-Schalter auf. Während sich der größere Endlos-Drehregler über die Steuer-Software einer beliebigen Ausgangskombination – beispielsweise den beiden analogen Ausgangspaaren für das Monitoring, den Digitalausgängen oder einer beliebigen Kombination aus beidem – zuordnen lässt, dient der kleine ungerastete Drehregler ausschließlich zur separaten Lautstärkeanpassung des Kopfhörerausgangs. Der flexibel belegbare große Drehregler ist fein gerastet und lässt die Lautstärke angenehm und präzise einstellen. Die kreisförmig um den Regler angeordneten grünen LEDs zeigen die Reglerstellung auch im Dunkeln gut sichtbar an. Die etwa sonderbriefmarkengroße, aber gut lesbare Anzeigefläche setzt sich aus mehreren Kontroll-Leuchten sowie vier bunten Pegelsäulen zusammen. Je nach Aussteuerung zeigen diese den Pegel in einem Regenbogen-Farbverlauf von Blau (untersteuert) bis Rot (übersteuert) zuverlässig und präzise an. Zwei Säulen sind den Analogsignalen, zwei den Digitalsignalen zugeordnet – ob entweder die Eingangssignale oder die Ausgangssignale anzeigt werden, lässt sich über die Bediensoftware einstellen. Die Kontroll-Leuchten geben hingegen farbcodiert Auskunft über die Eingangstypen und zeigen weitere globale Informationen wie etwa den Wordclock-Status an. So behält der Nutzer auch an der Hardware und bei schlechten Lichtverhältnissen stets den Überblick über die wichtigsten Betriebszustände.

Auf der Rückseite der Lyra 2 finden sich alle übrigen Analog-Ein- und Ausgänge, die koaxiale sowie optische Digital-Schnittstelle, die Wordclock-BNC-Schnittstelle, der USB-Port, der erwähnte Ethernetanschluss sowie der Netzanschluss. Kleiner Makel: Weder Lyra noch Orpheus besitzen XLR-Ausgänge, was natürlich nicht ideal aber bei kompakten Interfaces Standard ist. Dafür ermöglichen die servo-symmetrischen Klinkenausgänge, die bei der Lyra 2 lobenswerterweise gleich vierfach bereit stehen, das gleichzeitige Anschließen zweier Monitorpaare. Für das Abhören über alternative Lautsprecher ist also praktischerweise kein Umstecken vonnöten. 
An den Eingängen der Lyra 2 werkeln Vorverstärker vom gleichen Typ, der auch beim großen Bruder Orpheus zum Einsatz kommt. Welche Bauteile konkret im Inneren verbaut werden, möchte der Hersteller hingegen – wie auch beim Orpheus-Interface –im Dunkeln lassen. Anhand der Messwerte und des Klangeindrucks – so viel sei an dieser Stelle schon einmal vorweggenommen – haben die Entwickler mit der Wahl ihrer Bauteile und ihrer Schaltung saubere Arbeit geleistet.
[[ZWISCHENZEILE]]Software als Kontrollinstanz
[[TEXT]]Da der Hersteller auf weitere Hardware-Bedienelemente verzichtet hat, erfolgen alle übrigen Einstellungen über die im Lieferumfang enthaltene Bediensoftware. Größtes Manko: Es ist nicht möglich, die Eingangsverstärkung direkt an der Hardware einzustellen. Das ist bei allen anderen Interfaces eigentlich Standard und sollte unserer Meinung nach unbedingt geändert werden. Vielleicht hat der Hersteller bei einem künftigen Update Erbarmen und ermöglicht es, den großen frontseitigen Drehregler auch den Eingängen zuzuweisen. Dennoch besteht kein Grund zur Klage hinsichtlich der Benutzerfreundlichkeit. Über die logisch gegliederte und übersichtlich gestaltete Bediensoftware erfolgt das Einstellen der Eingangs- und Ausgangsparameter sowie das Erstellen von Monitor-Mischungen unkompliziert und schnell. Praktisch: Jedes Setup lässt sich außerdem in Form eines XML-Presets vom Nutzer abspeichern und bei Bedarf wieder aufrufen. So können häufig benötigte Szenarien blitzschnell wieder bereitgestellt werden. Außerdem kann sich die Lyra die zuvor getroffenen Einstellungen für den Stand-alone-Einsatz merken. Der volle Funktionsumfang der Lyra lässt sich – aufgrund fehlender Hardware-Bedienelemente – allerdings nur in ständiger Interaktion mit der Software ausschöpfen, was die Flexibilität unnötig einschränkt.
Werfen wir als nächstes einen Blick auf die übersichtlich gestaltete und wohlausgestattete Bediensoftware. Das GUI gliedert sich in zwei untereinanderliegende Abschnitte. Während der schmalere obere Bereich alle globalen Einstellmöglichkeiten birgt, reihen sich im unteren Abschnitt Kanalzüge für sämtliche analogen und digitalen Ein- und Ausgänge auf, die auf mehreren Reitern untergebracht sind. Im sogenannten Inputs-Reiter sind alle Kanalzüge für die Eingangskanäle zu finden, während der Outputs-Reiter alle Ausgangs-Kanalzüge enthält. Die übrigen vier bis acht Reiter sind mit den Kürzeln der einzelnen Ausgangspaare bezeichnet – bespielsweise mit A/O 3/4 (= Analog Output 3/4) für das zweite Line-Ausgangspaar. Es handelt sich dabei um Mixer-Reiter, die Kanalzüge für sämtliche Eingänge, einen fest belegten, vom Stereo-Ausgangssignal der DAW gespeisten Kanalzug sowie einen Ausgangskanalzug enthalten. Alle Kanalzüge in den Mixerreitern sind mit den üblichen Mischpultfunktionen – Solo, Mute, Panning und Stereo-Link – ausgestattet. Über die Mixer-Reiter lässt sich für jedes Ausgangspaar – den Kopfhörerausgang, die beiden Analog-Ausgangspaare sowie alle derzeit aktiven digitalen Ausgangspaare – eine individuelle Mischung erstellen, die zu Monitoring- oder Aufzeichnungszwecken zum entsprechenden Ausgang geroutet werden kann. So kann der Nutzer beispielsweise eine Direkt-Monitoring-Mischung auf dem Kopfhörer abhören und gleichzeitig einen anderen Mix an den optischen Digitalausgang routen und ihn dort mit einem Digitalrecorder aufnehmen. Da selbst Adat-Kanalpaare über eigene Mixer-Reiter verfügen, werden bis zu acht individuelle Mischungen gleichzeitig unterstützt.

Alle Kanalzüge sind mit Pegelsäulen ausgestattet, die einer grafischen Version der Pegelsäulen auf dem Hardware-Display entsprechen. Die beiden analogen Kanalzüge im Input-Reiter sind je nach Eingangstyp mit mehreren Schaltflächen versehen, über die sich schnell und unkompliziert Eingangstyp, Eingangsdämpfung, Phantomspannung, Hochpassfilter und Phasendrehung zuschalten. Außerdem steht als zusätzliches Goodie der sogenannte Overkiller an beiden Eingängen bereit, ein von Prism Sound entwickelter Limiter, der zum Glätten schneller Transienten beispielsweise bei Drumsignalen dient. Nächste Besonderheit: Anstatt des Hochpassfilters lässt sich außerdem ein sogenanntes RIAA-Filter auswählen. Dieses passt die Eingangsempfindlichkeit eines Line-Eingangs derart an, dass ein Plattenspieler direkt mit einem entsprechenden Y-Adapter-Kabel ohne zwischengeschalteten Phonoverstärker an die Lyra angeschlossen werden kann. Praktisch: So lässt sich das Interface auch als Phonoverstärker oder zum Digitalisieren von LPs nutzen – ein Feature, das Vinyl-Enthusiasten schätzen dürften und sich somit auch bestens als Begleiter in der Audio-Restaurierung macht.
Für die Kanalzüge der beiden analogen Eingänge steht außerdem lobenswerterweise eine Schaltfläche bereit, die beide Signale als Mitte/Seite-Stereosignal codieren kann. So ist es möglich, nicht nur mit dem X/Y- sondern auch mit dem M/S-Mikrofonierungsverfahren zu arbeiten, was die Palette von Mikrofonierungs-Szenarien  entsprechend vergrößert. Auch dies ist ein Feature, das sich nur bei wenigen Interfaces findet.
Wie auch bei der Bediensoftware des Orpheus weisen die Kanalzüge für Line-Signale im Input- und Output-Reiter der Lyra-Bediensoftware eine Besonderheit auf: Anders als die mit Fadern versehenen Kanalzüge der Mikrofon- und HiZ-Signale verfügen sie über zwei Schaltflächen, die das Signal je nach Bedarf zwischen Consumer- und Studio-Pegel separat umschalten lassen. Die meisten Audio-Geräte kennen nur ein globales Entweder – Oder. Die Lyra kann somit komfortabel und flexibel mit unterschiedlichen Line-Pegeln an beiden Ein- und Ausgängen arbeiten.
Der Output-Reiter verfügt ebenfalls über einige Besonderheiten. So lassen sich die Ausgänge mit jeweils einem Klick auf die „Vol“-Schaltfläche dem großen Drehregler auf der Frontseite der Hardware zuordnen oder mit einem Klick auf das Kopfhörersymbol direkt auf den Kopfhörer-Ausgang spiegeln. Darüber hinaus lässt sich bestimmen, mit welchem Signal das jeweilige Ausgangspaar gespeist wird. Zur Auswahl stehen das von der DAW eingehende Signal, die im Mixer für den entsprechenden Kanal angefertigte Direct-Monitoring-Mischung oder die Spiegelung eines beliebigen anderen Ausgangs. So ist es beispielsweise möglich, eine für das Kopfhörersignal erstellte Direct Monitoring-Mischung auf das analoge Ausgangspaar 1/2 zu spiegeln. Auf diese Weise können wir die Lyra schnell und praktisch mit wenigen Klicks auf wechselnde Abhör- oder Aufnahmesituationen einstellen.
Außer dem an den Analogeingängen werkelnden und fest voreingestellten Overkiller-Limiter, hat die Lyra ansonsten keine Effekte an Bord, obwohl sich dies über den DSP-Mixer geradezu anbieten würde. Mitbewerber wie etwa das nicht ganz ein Viertel so teure MOTU Track 16 (Test in Ausgabe 3/2013) haben beispielsweise DSP-Effekte wie Reverb, Equalizer oder Kompressor mit im Paket. Diese können entweder allein für das Direct-Monitoring genutzt werden oder auch mit aufgenommen werden. Derart praktische Features würden auch der ansonsten wohl ausgestatteten Lyra gut zu Gesicht stehen. Vielleicht berücksichtigt der Hersteller  diesen Wunsch in einem künftigen Update.

Messtechnisch zeigt sich unser Testkandidat in allen Disziplinen absolut vorbildlich. Mit einer Mikrofoneingangsempfindlichkeit von rund -70 Dezibel unterbietet die Lyra die sehr guten Werte von -63 Dezibel unserer RME Fireface 400-Oberklasse-Referenz. Auch leiseste Bändchenmikrofone kann die Lyra derart beschaffen um hervorragende 88 Dezibel verstärken. Damit stellt sie die stolzen 76 Dezibel des Fireface in den Schatten. Mit Werten für die Geräusch- und Fremdspannungen zwischen -90 und -104 Dezibel schneidet die Lyra ebenfalls hervorragend und etwas besser als die Referenz ab. Sehr gut sind auch sämtliche FFT-Spektren, die allesamt einen niedrigen Noisefloor von -100 Dezibel aufweisen und an keiner Stelle um mehr als 12 Dezibel überschritten werden. Die Klirrfaktorkurve des Mikrofonsignals liegt hingegen unterhalb sehr guter 0,005 Prozent, exakt auf Augenhöhe mit dem Fireface. Auch die Werte für die Gleichtaktunterdrückung liegen zumeist unter guten -70 dB und steigen lediglich im unteren Bassbereich auf maximal -63 Dezibel an. Die Werte für das Übersprechverhalten zwischen Kanal 1 und 2 bewegt sich zwischen sehr guten -100 und -93 dB im absolut grünen Bereich.
Auch in Sachen Wandler-Linearität ist die Lyra gleichauf mit den ausgezeichneten Werten der Referenz. Die Messkurve zeigt sich bis auf etwa 110 Dezibel als schnurgerade Linie. Auch über Sampling-Jitter muss sich der Nutzer keinerlei Sorgen machen. Das Histogramm zeigt sehr gute Werte um rund zwei Nanosekunden, wobei Werte unter fünf Nanosekunden für Hersteller als erstrebenswert gelten und eine Nanosekunde bereits als quasi jitterfrei gilt. Insgesamt eilt die Lyra 2 dem Fireface in Sachen Messwerte davon.
Für den Praxistest haben wir mit der Lyra 2 eine Vielzahl unterschiedlicher Gesangs- und Sprachaufnahmen angefertigt. Zum Einsatz kam einmal mehr unser Kleinmembran-Referenz-Mikrofon, das Schoeps MK2H/CMC 6U. Zum Vergleich haben wir mit dem gleichen Mikrofon sämtliche Stücke über das RME Fireface 400 aufgenommen.
Schon für sich gehört macht die Lyra 2 einen hervorragenden Klangeindruck. Die Gesangsstimme wird sehr klar, kraftvoll, äußerst dynamisch und filigran abgebildet. Die Sprechstimme erscheint stimmig und ausgeglichen. Auch der durch die Kugelcharakteristik des Mikrofons hervorgerufene Raumeindruck macht sich subtil bemerkbar. Der Gesamtklang lässt sich als sehr offen und feingliedrig beschreiben. Unabhängig von Frequenz und Lautstärke klingt die Stimme flüssig und offen und kann sich uneingeschränkt ausbreiten. Die Konsonanten werden deutlich und konturiert, aber nicht überpräsent dargestellt. Auffällig: Auch die feinsten Schwingungsunterschiede und Frequenzanteile des Stimmvibratos werden sauber herausgearbeitet. Überbetonungen oder andere Auffälligkeiten sind hingegen nicht auszumachen. Insgesamt klingen sämtliche Aufnahmen äußerst lebendig und sind von angenehmer Frische und Klarheit bestimmt.

Der klangliche Unterschied zu unserer Fireface-Referenz ist beim ersten Hören kaum auszumachen. Erst nach längerem Gegenhören machen sich kleine Unterschiede bemerkbar. Die Aufnahmen, die wir mit der Lyra 2 aufgezeichnet haben, klingen ein Quäntchen klarer, feiner und ausdifferenzierter als diejenigen über das Fireface. Während die Stimme über die Lyra 2 regelrecht zu atmen scheint, klingt sie über das Fireface ein wenig eingeschränkter. Außerdem klingen die Fireface-Aufnahmen eine winzige Nuance flacher, direkter und nicht ganz so plastisch wie die der Lyra 2. Mit aktiviertem Overkiller-Limiter wird der Gesamtklang der Lyra ganz subtil komprimiert. Eine übergroße Einschränkung des dynamischen Spektrums lässt sich nicht wahrnehmen, lediglich das Gesamtsignal ist subtil leiser. Ohrenfällig wird auch eine deutliche Glättung der Transienten bei lauten Signalspitzen, was auch anhand der Wellenform in der DAW sichtbar ist. Die Stimme tönt auch bei lauten und schrillen Tönen geordneter, dafür etwas weniger offen, dynamisch jedoch nicht merklich eingeschränkt. So zeigt sich der Overkiller als absolut sinnvolles und gut klingendes Helferlein, das schwierige Signale, die zu Verzerrung und Ausbrüchen neigen, deutlich ebenmäßiger gestalten kann. Für unsere Aufnahmen mit klassischer Stimmgebung nehmen wir ihn gerne zur Hilfe. Insgesamt gefällt uns der Klang der Lyra 2 ausgesprochen gut. Sie ist zweifelsfrei eines der bestklingenden USB-Audio-Interfaces, die wir bisher getestet haben und hat sich damit auch im Hörtest einen wohlverdienten Platz in der Spitzenklasse gesichert.
Mit rund 2.800 Euro ist die Lyra 2 zwar klassenübergreifend das zweitteuerste USB-Audio-Interface, das in der Professional audio-Geschichte je getestet wurde, doch dafür erhält der Nutzer uneingeschränkte Prism Sound-Qualität, die sich auch hinter den viel teureren Firewire-Lösungen des Herstellers nicht verstecken muss und vor allen Dingen klanglich uneingeschränkt überzeugt.

Fazit

Trotz einiger Handling-Defizite ist die Lyra 2 von Prism Sound eines der bestklingenden USB-Audio-Interfaces, die wir bisher getestet haben und landet so mit Bestnoten in der Spitzenklasse-Kategorie. Eine riesige Eingangsvielfalt, der DSP-Mixer und viele praktische Features machen das Edel-Interface zu einer wertigen und zumeist praktischen Kompakt-Studio-Lösung in der Zwei-Kanal-Liga.

Erschienen in Ausgabe 02/2014

Preisklasse: Spitzenklasse
Preis: 2791 €
Bewertung: sehr gut
Preis/Leistung: sehr gut

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