Steptanz für Gitarristen

Amplitube User können ab sofort ihre bisher verwendeten MIDI-Fußcontroller auf den Müll schmeißen. IK Multimedia legt mit Stomp IO jetzt endlich das passende Hardware-Frontend zur Steuerung ihrer Verstärker-Emulationen vor.  

Von Georg Berger

Bereits auf der Musikmesse 2006 konnten wir am Stand von IK Multimedia den ersten Prototypen eines Fuß-Controllers – zunächst noch hinter Glas – zur Ansteuerung der Amplitube-Verstärker-Emulationen begutachten. Auf der letztjährigen Musikmesse sahen wir schließlich den funktionstüchtigen Prototypen das erste Mal in Aktion. Jetzt endlich ist es soweit und Stomp IO, so der Name des Hardware-Frontends, ist im Handel erhältlich. Das italienische Softwarehaus erfüllt damit den Wunsch vieler Amplitube-User nach einer Steuer-Konsole und schließt zu den Mitbewerbern auf, die schon länger ein entsprechendes Hardware-Äquivalent für ihre Verstärker-Emulationen anbieten. Der gezielt für die Amplitube-Palette entwickelte Bodentreter –ausschließlich im Verbund mit einem Computer lauffähig – dient jedoch nicht nur zur Anwahl von Presets oder dem Schalten von Effekten auf Bypass. Die IK Multimedia-Ingenieure haben den Fuß-Controller mit einer Reihe weiterer Funktionen ausgestattet, die teils so bei der Konkurrenz nicht anzutreffen sind. Stomp IO empfiehlt sich, dank eingebautem Audio-Interface, gleichermaßen für den Einsatz auf der Bühne wie auch im Studio. Presets lassen sich unabhängig vom Computer ausschließlich an der Hardware editieren, bei Bedarf sogar nur mit Hilfe der Fußschalter. Überdies haben die Italiener in die Hardware einen Class-A-Vorverstärker vor das Audio-Interface eingebaut, das wiederum seine Signale zusammen mit den Steuerdaten per USB an den Computer schickt. Besonderheit: Stomp IO besitzt sechs Buchsen zum Anschluss von Fußschaltern und Schwellerpedalen, die frei kombinierbar die Steuerungsmöglichkeiten des Controllers erheblich erweitern. Saiten-Artisten, die ihr Spiel durch dynamisch ändernde Effektparameter anreichern wollen, dürften mit Stomp IO die passende Spielwiese zum Austoben finden.

 

Einen zusätzlichen Mehrwert besitzt der Controller durch die integrierte MIDI-Schnittstelle, er kann also auch als konventioneller MIDI-Controller arbeiten.   Für den Stomp IO muss man knapp 950 Euro auf die Ladentheke legen. Das hört sich für ein Controller-Pedal zunächst recht hoch an. Doch der Preis relativiert sich schnell beim Betrachten des Lieferumfangs. Außer einem Fußschwellerpedal, das verdächtig nach einem Dunlop Cry Baby Wah aussieht, legt IK Multimedia dem Gesamtpaket die komplette, bisher erhältliche virtuelle Verstärker-Kollektion bei, also Amplitube 2 (Test in Heft 10/2006), Ampeg SVX (Test in Heft 8/2006), Amplitube Jimi Hendrix (Test in Heft 8/2007) sowie die X-Gear-Software, die als Schnittstelle zur Ansteuerung von Stomp IO erforderlich ist. Überdies erhält man noch den virtuellen Sampler Sample Tank LE, das Equalizer-Plug-in T-Racks und die Version 2.1 von Mackies Sequenzer Tracktion. Alleine die Software würde bei Einzelkauf mehr als 950 Euro kosten. Einsteiger in die Amplitube-Welt erhalten also eine Menge Gegenwert fürs Geld. Glückliche Besitzer des einen oder anderen Amplitube-Verstärkers werden jetzt zu Recht nach einer verbilligten reinen Hardware-Version fragen, oder nach einer entsprechenden Crossgrade-Möglichkeit, wie dies bei IK Multimedia ansonsten üblich ist. Doch Stomp IO ist nur als Komplettpaket mit Software erhältlich. IK Multimedia lässt ihre treuen Kunden jedoch nicht im Stich: Auf Nachfrage teilt uns Produktmanagerin Tiia Hassinen mit, dass bereits registrierte User von Amplitube-Produkten bei Kauf von Stomp IO exklusive Software-Leckerchen quasi als Entschädigung erhalten. Diese werden nach und nach veröffentlicht. So gibt es mit Erscheinen dieses Hefts für Amplitube2-User mit Amplitube Metal eine Sonderedition der Verstärker-Simulation, die sich dem Heavy Metal widmet. Weitere Extras sollen folgen. Um das System aus Soft- und Hardware für Windows-PCs ans Laufen zu bringen ist als erstes die übliche Treiber-Installation nötig. Mac-User sind mal wieder im Vorteil und können den Controller direkt per USB-Kabel mit dem Computer verbinden. Erst nach anschließender Installation der X-Gear-Software ist Stomp IO in der Lage, seinen Dienst zu verrichten. X-Gear lässt sich Stand-alone oder als VST-, AU- oder RTAS-Plug-in aufrufen. Die Bedienoberfläche dürfte Amplitube-Routiniers sehr vertraut vorkommen. Denn bis auf einen kleinen unscheinbaren Button oben rechts, der die Verbindung zwischen Hard- und Software signalisiert, sieht alles wie gewohnt aus. Der Button ist wichtig, um im Sequenzer bei Verwendung mehrerer X-Gear-Instanzen bequem per Tastendruck das gewünschte Plug-in auf den Controller zu routen. Im Test bestätigt sich: X-Gear verfügt über dieselben Funktionen und Bedienmöglichkeiten wie Amplitube.  

Eine Einschränkung gibt es allerdings: X-Gear verfügt von Hause aus über ein nur rudimentäres Repertoire an Modulen. So richtig mächtig wird die Steuer-Software erst durch Installation der übrigen Amplitube-Produkte, was im Umkehrschluss die Entscheidung von IK Multimedia, das komplette Software-Paket Stomp IO beizulegen, nachvollziehbar macht. Übrigens: Wer bereits den einen oder anderen IK Multimedia-Verstärker auf seinem Rechner installiert hat, braucht dies natürlich nicht noch einmal zu wiederholen. X-Gear erkennt automatisch bereits vorhandene Amplitube-Produkte. Erst nach Installation der eventuell noch fehlenden Simulationen spielt X-Gear seine Trümpfe richtig aus. Denn anders als in den Einzelprodukten, die nach wie vor auch unabhängig von X-Gear lauffähig sind, fungiert X-Gear wie eine Art Modul-Container in der alles mit allem kombinierbar ist. Wer also mal ausprobieren möchte, wie sich ein Fuzz-Pedal aus Amplitube Jimi Hendrix mit einem Ampeg SVT-Verstärker macht, der überdies an einem Marshall 4x12er Cabinet hängt, hat in X-Gear und nur dort erstmals die Möglichkeit dazu. Im Test nutzen wir diese Möglichkeiten weidlich aus und haben eine Menge Spaß beim Erstellen aller möglichen und unmöglichen Kombinationen. Soundbastler kommen da eindeutig auf ihre Kosten. Sehr gut: X-Gear läuft auch ohne angeschlossenen Hardware-Controller. Wer also nach wie vor sein Sound-Design mit X-Gear ausschließlich zunächst am Computer erledigen will, kann dies ohne Probleme tun.  Doch die eigentliche Hauptrolle spielt ja die Hardware. Mit beeindruckenden sechs Kilo ist Stomp IO kein Leichtgewicht, was aber auch gut ist. Denn im rauen Live-Einsatz dürfte das komplett in Stahlblech gefertigte Bodenpedal dadurch auch ruppigen Umgang schadlos überstehen und bei heftigstem Traktieren mit den Füßen immer noch auf seiner Position verharren. Die Metallstange am Kopfende ist nicht nur designtechnischer Schnickschnack. Sie dient sowohl als Tragegriff, wie auch als Schutzvorrichtung, um die eingesteckten Kabel vor Abknicken zu schützen, etwa wenn Stomp IO bündig vor einen Boden-Monitor platziert werden soll. Das Pedal ist zirka so breit wie acht nebeneinander aufgestellte herkömmliche Bodenpedale, zum Beispiel von Boss. Auf der unteren Hälfte der Frontplatte finden sich insgesamt zehn Fußschalter, die beim Drücken angenehm weich einrasten und wieder zurückschnellen und eine klare, mechanische Rückmeldung geben. Status-LEDs geben Auskunft über den Schaltzustand. Auffällig ist das zweizeilige, hintergrundbeleuchtete 40-Zeichen-Display mit den sechs Endlos-Drehreglern darunter zum Editieren von Parametern mit der Hand, was für ein Gerät dieser Gattung nicht alltäglich ist. Zusammen mit den Kunststoff-Tastern erinnert die Bedienung an die von 19-Zoll-Hardware-Effekten: Über die Enter- und Exit-Taste und mit Hilfe der Pfeiltasten werden im Display Menüs aufgerufen, durch Dialog-Seiten navigiert, Parameter ausgewählt und mit den Drehreglern verändert. Wie erwähnt, ist dies auch mit den Fußschaltern möglich.   An Anschlüssen offeriert Stomp IO neben der bereits erwähnten USB-Schnittstelle und den sechs Klinkenbuchsen zum Anschluss weiterer Pedale natürlich über einen Instrumenten-Eingang und zwei Pärchen Klinken-Ausgänge, einmal symmetrisch und unsymmetrisch. Im Live-Einsatz können die symmetrischen Stereo-Ausgänge direkt mit einer Stage-Box verbunden werden. Die unsymmetrischen Ausgänge empfehlen sich, wenn das Stomp-Signal an einen Gitarren-/Bassverstärker geleitet werden soll. Ein Kopfhörer-Anschluss bietet sich für Übungs-Sessions an. Besonderheit: Stomp IO verfügt über einen Direct out, der das reine Vorverstärkersignal führt. Anders als bei allen übrigen Ausgängen lässt sich das dort anliegende Signal nicht über das Volumen-Poti in der Lautstärke ändern. Die Nutzung des Direct outs bietet sich an, wenn das integrierte Audio-Interface nicht genutzt werden soll oder kann, um das Gitarrensignal an einen anderen Wandler zu schicken. Ein koaxialer S/PDIF-Ausgang sowie ein Pärchen MIDI-Buchsen vervollständigen die Anschlussmöglichkeiten. Alles in allem hinterlässt das Bodenpedal einen sehr guten Eindruck. Einziger Kritikpunkt: Die S/PDIF-Buchse ist so tief im Gerät versenkt, dass nur äußerst schmale Stecker dort hineinpassen.

Nach dem Studium des leider nur in englisch vorliegenden, aber sehr gut aufbereiteten Handbuchs, konzentrieren wir uns im Test zunächst auf die Steuermöglichkeiten von Stomp IO. Die Bedienung des Bodenpedals geht  schon nach kurzer Zeit reibungslos und flüssig über die Bühne und macht viel Spaß. Stomp IO arbeitet in zwei Betriebs-Modi: Play und Edit. Im Play-Modus begrüßt uns das 40-Zeichen-Display mit sechs Macro-Controllern, welche die wichtigsten Parameter eines Sounds über die Drehregler im Zugriff bereithält. Durch Druck auf die Exit-Taste wechselt die Anzeige und gibt in zwei weiteren Dialogen Auskunft, welche Parameter auf die sechs anschließbaren Pedale geroutet sind. Wichtig ist die vierstellige 7-Segment-Anzeige, die Auskunft über den Speicherort des geladenen Sounds gibt. Stomp IO kann maximal 4.000 Presets ansteuern. Sie sind in 1.000 Bänken mit jeweils vier Presets organisiert. Durch Druck auf die Bank-Tasten wird zuerst die gewünschte Bank angewählt. Ein Halten des Tasters führt zum raschen Scrollen durch die Bänke. Ein anschließender Druck auf die Tasten A bis D wählt dann eins der vier Presets an, was auf dem Display und in der Software direkt angezeigt wird. Im Test steppen wir uns blitzschnell und ohne einen Sound-Aussetzer durch die einzelnen Presets. Doch dieser sogenannte 2Step-Modus ist nur eine von insgesamt fünf Möglichkeiten zur Anwahl und Bedienung von Presets. IK Multimedia hat da an alles gedacht und lässt kaum Wünsche beim Aufrufen von Sounds offen. So arbeiten die Betriebsmodi First und Current ähnlich wie im 2Step-Betrieb, nur mit dem Unterschied, dass bei Anwahl einer Bank im First-Modus direkt das A-Preset geladen und im Current-Modus nach Aufruf einer Bank der Preset-Platz geladen wird, der zuvor angewählt war. Anders verhält es sich im Stomp-Betrieb: Über die Banktaster ist es möglich, sich sukzessive durch die Presets zu steppen und mit den Tastern A bis D Effekte auf Bypass zu schalten. Sind alle sechs Slots mit Effekten versehen, die auf Bypass geschaltet werden sollen, können weitere Fußtaster an Stomp IO angeschlossen werden. Wer sich für einen Auftritt seine Presets entsprechend klug organisiert, hat mit diesen drei Modi einen blitzschnellen Zugriff auf die gewünschten Sounds und sich einen zusätzlichen Tastendruck erspart. Wem das Hin- und Herkopieren von Presets zu aufwändig ist, erhält schließlich mit dem Sequence-Modus eine bequeme Alternative an die Hand. In dieser Betriebsart lassen sich Presets, die im Speicher weit verteilt sind, in einer neuen Reihenfolge anordnen. Maximal 16 Sequenzen sind in Stomp IO speicherbar, die ihrerseits aus bis zu 999 Presets bestehen können. Das ist selbst für mehrstündige Gigs mehr als ausreichend. Die Anwahl und Bedienung im Sequence-Modus erfolgt genau wie in der Stomp-Betriebsart.   Doch das ist ja nur das Pflichtprogramm. Die Kür erfolgt, wenn Stomp IO in den Edit-Modus versetzt wird. Dazu reicht es, einfach den Enter-Button zu drücken: Auf dem Display erscheint ein Haupt-Menü mit weiteren Unterpunkten, die in verschiedene Funktionsbereiche verzweigen. Am ehesten wird man noch mit dem Edit-Menü zurecht kommen, da sich dort die aus Amplitube bekannten Editier-Dialoge zum Erstellen von Sounds befinden. Das Navigieren und Editieren mit den Tastern und Drehreglern geschieht intuitiv. Wie erwähnt geht das aber auch mit den Fußtastern. Ohne ständiges Bücken nutzen wir die Enter- und Exit-Fußtasten, rufen mit den Banktastern neue Dialogseiten auf, wählen mit den A- und B-Tasten den gewünschten Parameter in einer Seite aus und ändern den Wert mit den Tasten C und D. Ehe wir uns versehen, führen wir einen richtigen Steptanz auf dem Stomp IO aus. Für diese Möglichkeit gebührt IK Multimedia ein großes Lob, denn gerade, wenn es schnell gehen soll, egal ob Live oder im Studio, ist ein rasches Ändern von Werten auf diesem Weg ohne Umschweife möglich. Wichtig: Der Common-Dialog innerhalb des Edit-Menüs bildet sozusagen die Eingriffsmögichkeiten der unteren Menüleiste in der Amplitube-Software ab. Er erlaubt die Einstellung von Ein- und Ausgangslautstärke sowie des Noise Gates und des globalen Tempos innerhalb des Presets. 

Der Patch-Dialog kümmert sich um die Verwaltung der in Stomp IO adressierbaren Sounds. Sehr schön: Eine Browse-Funktion erlaubt ein bequemes Vorhören von weiteren Sounds ohne den momentan geladenen dafür zu löschen. Überhaupt nicht schön: Die Browse-Funktion ist nur über die Drehregler ausführbar. Gerade diese Möglichkeit hätten wir mit den Fußtastern sehr gerne nutzen wollen. Über den Save-Befehl können wir unsere Eigenkreationen schließlich auf einen der 4.000 Plätze abspeichern. Wichtig: Das Speichern von Sounds in die Stomp IO-Bänke erfolgt unabhängig von der Preset-Verwaltung der Software. Dem trägt IK Multimedia Rechnung, indem ein Stomp IO-Sound-Patch genannt wird und ein in der Software aufrufbarer Sound Preset. Dies zeigt sich in X-Gear durch Druck auf den Folder-Button, der im Explorer/Finder zwei separate Ordner zeigt. Der Vorteil liegt auf der Hand: Die für die Software erreichbaren Presets können unangetastet bleiben und als Patches in Stomp IO kopiert werden, wo sie sich dann für Auftritte oder Studio-Sessions anpassen lassen. Um ein Preset in Stomp IO zu laden reicht es, aus dem X-Gear-Browser das gewünschte Preset aufzurufen.   Bemerkenswerte Funktionen enthält das Control-Menü, in dem sich Parameter auf die sechs Endlos-Drehregler, die vier Buchstaben-Fußschalter und die sechs externen Pedale routen lassen. Das Editieren ist im Wesentlichen, ebenso wie in den anderen Dialogen, selbsterklärend. Einfach den gewünschten Schalter/Schweller auswählen, das Modul und den darin befindlichen Parameter anwählen und anschließend den Regelbereich durch Angabe eines Minimal- und Maximalwerts eingeben. Mehr ist nicht nötig. Um die Buchsen für die externen Pedale zwischen Schweller und Schalter umzustellen, reicht es, von einem der drei Schweller-Modi „Linear“, „Expanded“ oder „Compressed“ auf „Latch“ umzustellen. Der Clou: Jeder Controller gestattet über den Layer-Eintrag die simultane Steuerung von vier Parametern, was mit einer entsprechend lebendigen und drastischen Klangänderung einhergehen kann. Mit herkömmlichen Bodeneffekten ist das nicht möglich. Im Test haben wir im Handumdrehen beispielsweise auf die Buchstaben-Schalter mehrere Aktionen programmiert. Durch Druck auf den A-Schalter aktiviert sich ein Echo und gleichzeitig wird ein Verzerrerpedal ausgeschaltet. Der B-Schalter führt die Aktion in der umgekehrten Reihenfolge aus und mit dem C-Taster schalten wir auf einen Schlag sämtliche Bodeneffekte aus. Mit dem Schwellerpedal steuern wir ein anderes Mal zwei Delays an: Während mit Durchtreten des Pedals der Effektanteil des einen steigt, sinkt gleichzeitig der des anderen und schon überblenden wir weich zwischen zwei Delayzeiten. Die Layer-Funktion wirkt im Test sehr inspirierend, denn mit einem Mal sind Dinge ohne Umschweife mit dem Fuß machbar, die ansonsten nur umständlich über die Mischpultautomation des Sequenzers oder über MIDI-Controller realisierbar sind. Doch das hier vorgestellte beschränkt sich bislang nur auf die interne Kommunikation zwischen Stomp IO und X-Gear. Über das MIDI-Menü können auf dieselben Schalter, Schweller und Knöpfe auch noch MIDI-Controller geroutet werden, logischerweise nur einer pro Bedienelement. Wer also noch externe Hardware, etwa einen 19-Zoll-Hall in sein Setup integrieren möchte, hat mit Stomp IO die Möglichkeit, auch dieses Gerät anzusteuern. Der Program change Dialog erlaubt schließlich das Senden und Empfangen von Programmwechselbefehlen. Ausgehend vom oberen Beispiel kann sich bei Aufruf eines Stomp IO-Patchs gleichzeitig das Preset am externen Hallgerät ändern. Umgekehrt geht dies auch, wenn etwa im Sequenzer per Program change eine bestimmte Abfolge von Patches automatisch aufgerufen werden soll, um die Konzentration beim Spielen durch Schaltvorgänge nicht zu stören. Allerdings werden nur 128 Program changes übertragen. Eine Anwahl von Bänken, wie im GM2-Standard (siehe Glossar auf www.professional-audio.de) definiert, ist nicht möglich, was den Funktionsumfang einengt. Da ist also noch Spielraum für kommende Firmware-Updates vorhanden.

Ans Eingemachte geht es schließlich im Global Setup Menü, in dem sich – Nomen est Omen – grundlegende Parameter definieren lassen. Die oben erwähnten Play-Modi sind einstellbar inklusive der Programmierung von Preset-Sequenzen und die angeschlossenen Schwellerpedale können kalibriert werden, indem Werte für die beiden Extremstellungen des Pedals angegeben werden können. Wichtig: Um keinen Klangmatsch bei Wiedergabe über einen Gitarren-/Bassverstärker zu erhalten, kann global die Lautsprecher-Simulation deaktiviert werden. Einstellmöglichkeiten für den MIDI-Ein- und -Ausgangskanal und die Vorverstärkung des Gitarren-Eingangs runden die Einstellmöglichkeiten ab.   Bis jetzt haben wir Stomp IO lediglich als Fuß-Controller eingesetzt. Aber da ist ja noch das integrierte Audio-Interface mitsamt dem Vorverstärker. Überraschend ist, dass es nur mit einer Samplingfrequenz von maximal 48 Kilohertz allerdings bei einer Wortbreite von 24 Bit wandeln kann. Die Rig Control von Native Instruments kommt beispielsweise auf 192 Kilohertz. Aber Hand aufs Herz: Wer qualitativ hochwertige Gitarren-Aufnahmen erstellen will, wird in jedem Falle seinem Leib-und-Magen-Wandler vertrauen. Für den Live-Betrieb und klassisches Homerecording reichen 48 Kilohertz in jedem Falle aus. Wie bei allen anderen Geräten auch, muss sich das Stomp IO Audio-Interface zunächst den üblichen Tests im Professional audio Magazin Messlabor unterziehen. Das Ergebnis: Es gibt sich als Mittelklasse-Gerät zu erkennen. Mit Fremd- und Geräuschspannungsabständen von 74,2 und 78,3 Dezibel schlägt es sich wacker. Ein Gesamtklirrfaktor von 0,3 Prozent geht ebenfalls in Ordnung für eine Komponente dieser Klasse. Anders der Klirr am Direct out: Er glänzt mit exzellenten 0,05 Prozent. Eine Messung des FFT-Spektrums zeigt Ausschläge bei den harmonischen Verzerrungen von k2 bis k20, die jedoch weit unterhalb der Hörschwelle auftreten, was ebenfalls sehr in Ordnung geht. Exzellent ist die Wandlerlinearität, die erst ab -104 Dezibel abwärts ins Schwanken gerät.   Im Hörtest muss sich Stomp IO der zugegebenermaßen mächtigen Konkurrenz des RME Fireface 400 stellen. Dazu erstellen wir Aufnahmen ohne Einfluss der Amplitube-Simulationen einmal über Stomp IO, dann über den Direct out ins Fireface 400. Abschließend erstellen wir noch eine Gitarrenaufnahme, die direkt ins Fireface 400 gespeist wird und vergleichen die Aufnahmen untereinander. Die Unterschiede fallen weniger groß aus als erwartet. Stomp IO vermag Gitarren-Signale fein aufzulösen. Die Unterschiede zum Fireface 400 sind da nur minimal, das einen Hauch mehr Luftigkeit einfängt. Allerdings hören wir bei den Stomp IO-Aufnahmen eine leichte Betonung im unteren Mittenbereich, was aber durchaus gewollt sein kann und den Gitarren- und Bass-Signalen zu schmeicheln versteht. Das Stealth-Plug aus eigenem Hause (Kurztest in Heft 1/2007) schneidet da deutlich schlechter ab.  

Fazit 

IK Multimedia legt mit Stomp IO endlich den lang ersehnten Fuß-Controller zur Steuerung seiner Amplitube-Simulationen vor. Den IK Multimedia-Ingenieuren ist es dabei gelungen, ihren Bodentreter mit bemerkenswerten Features auszustatten, die Stomp IO zu einer mächtigen und vor allem kreativ einsetzbaren Steuerzentrale machen. Die Anwahl von Presets und das Schalten auf Bypass war gestern, Stomp IO ist heute.  

Erschienen in Ausgabe 04/2008

Preisklasse: Oberklasse
Preis: 951 €
Bewertung: sehr gut
Preis/Leistung: sehr gut

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