Standhafte Klangmauer

Auch kostengünstige Nahfeldmonitore sind heute besser als die biblischen Mauern von Jericho. Die zehn Testkandidaten bleiben auch in unserem kritischen Test standhaft.  

Von Harald Wittig

Vor wenigen Jahren noch hatte der ambitionierte Amateur, der nicht über eine prallgefüllte Brieftasche verfügt, nur zwei Wahlmöglichkeiten: Entweder musste er sich eine gute Abhöranlage vom Munde absparen –- oder er ging zähneknirschend in Bezug auf Verarbeitung und Klang unbefriedigende Kompromisse ein. Inzwischen hat sich zur Freude der Anwender einiges getan. Der Verarbeitungsstandard ist auch in der Economyklasse beachtlich hoch, vor allem aber können auch vermeintlich billige Monitore mit einer klanglichen Leistung aufwarten, die auch deutlich teurere Lautsprecher in Verlegenheit bringen können.
Professional audio Magazin suchte für Sie zehn Paare verschiedener Hersteller und Preisklassen aus. Die Preisspanne der Testkandidaten reicht von 115 bis 444 Euro (siehe Kasten). Wir untersuchen alle Lautsprecher im Messlabor und unterziehen sie vor allem intensiven, mehrstündigen Hörtests und – das sei vorweggenommen – sind letztlich selbst angenehm überrascht, wie viel guten Klang heute für vergleichsweise wenig Geld zu bekommen ist.
Alle vorgestellten Monitore sind aktive Zwei-Wege-Bassreflexlautsprecher und als Nahfeldmonitore konzipiert. Abgesehen vom Alesis und dem Behringer, die beide die in etwa die Höhe eines PC-Midi-Tower haben, sind die getesteten Lautsprecher eher klein und kompakt in ihren Abmessungen. Somit werden sie problemlos auch in beengten Projektstudios ein Plätzchen auf dem Regietisch finden. Damit erschöpfen sich aber auch schon die Gemeinsamkeiten. Betrachten wir die Monitore nun näher.

Durchweg sind die Lautsprecher erfreulich gut verarbeitet. Hier setzen die Hersteller meistenteils auf die Kosten sparendere Fertigung im Reich der Mitte. Wobei „Made in China“, das beweisen die Testkandidaten eindrucksvoll, längst nicht mehr einhergeht mit unannehmbaren Toleranzen bei der Herstellung: Die Gehäuse sind durchweg solide und sauber gearbeitet, wobei vor allem der Tapco und der KRK gefallen können. So sind beispielsweise beim Tapco die Rippen des Kühlkörpers sauber entgratet und verrundet, so dass sorgfältig manikürte Fingernägel vor Beschädigung sicher sind. Der KRK hat als Besonderheit einen aus Kevlar gefertigten Tieftöner, ein nicht eben billiges Feature, das – kaum zu glauben – sogar die am unteren Ende der Preisskala angesiedelten Lautsprecher von Esi und M-Audio vorweisen können. Diese beiden gleichen sich übrigens bei den Abmessungen, dem Gehäusedesign und den Lautsprecher-Chassis bis aufs Haar. Schließlich haben beider Verstärker die gleichen Leistungsdaten. Hier ist also von Baugleichheit auszugehen.
Auch der Behringer ist mehr als zufrieden stellend verarbeitet, hervorzuheben ist die massive Gussplatte auf der Frontseite mit ihren extra ausgeformten Mulden, in der die Hochtöner-Kalotte und die Membran des Tieftöners gelagert sind. Beim Hochtöner wirkt diese Mulde wie ein kleines Horn und passt die passt die akustische Impedanz an die umgebende Luft an. Dies kann sowohl den Wirkungsgrad als auch das Abstrahlverhalten verbessern. Dieses Bauprinzip findet sich auch beim Genelec, allerdings ist dieser noch ungleich aufwändiger hergestellt: Das Gehäuse ist nämlich aus massivem Aluminium. Es wurde auf eine bestmögliche Abstrahlung der Schallwellen ausgelegt und überall verrundet. Aufgrund seiner Masse ist es bedeutend resonanzärmer als die Gehäuse der anderen Lautsprecher. Sie vermuten richtig: Eine solche Bauweise ist teuer. Dennoch gehört der Genelec mit einem Stückpreis von rund 170 Euro zu den günstigsten Lautsprechern. Da liegt der Schluss nahe, dass auch die Finnen die Produktion in ein Billiglohnland ausgelagert haben. Weit gefehlt: Genelec-Monitore werden nach wie vor im Land der tausend Seen und der glitzernden Kälte gebaut. Alle Achtung.
Auch der deutsche Hersteller Emes bleibt konsequent bei der inländischen Fertigung. Auch wenn der Quartz der teuerste Monitor im Test ist –- er ist sehr sauber verarbeitet und darf sich sogar mit einem Neodymium-Hochtöner schmücken, was unterm Strich den Preis sehr relativiert. Lediglich bei der XLR-Anschlussbuchse setzte Emes den Rotstift an – das Kabel lässt sich nur schwer wieder lösen. Aber dies ist nur eine Marginalie, insgesamt gibt es hier nichts zu mäkeln.

Alle Lautsprecher haben eine Bassreflex-Öffnung zur Optimierung des Bassverhaltens. Hierbei sind die Lösungen von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich: Alesis, Esi, M-Audio, Genelec, haben diese Öffnung auf der Gehäuserückseite, alle anderen auf der Vorderfront. Grundsätzlich sind beide Lösungen gleichwertig, solange die Öffnung an die jeweiligen Eigenschaften des Basschassis und des Gehäuses angepasst ist. Wichtig ist weiter eine sorgsame Gestaltung der Ränder der Bassreflexöffnung: Diese müssen, um Störgeräusche zu minimieren, abgerundet sein – was bei allen Boxen der Fall ist. Eine rückseitige Öffnung kann allerdings problematisch sein, wenn Sie die Box in der Nähe von reflektierenden Flächen aufstellen. Wenn Sie keine andere Möglichkeit haben, sollten Sie in jedem Fall darauf achten, dass der Lautsprecher beispielsweise nicht parallel zu einer Wand steht. Anderenfalls werden Sie mit einem indifferenten, mulmigen Gesamtklang bestraft.
Emes verfolgt hier ein eigenständiges Bauprinzip: Der Quartz hat drei Bassreflexöffnungen, die sternenförmig um den Hochtöner angeordnet sind. Dieser vom Hersteller als „Bi-Port“ bezeichnete Bassreflexkanal soll gegenüber den gängigen Bauweisen zwei Vorteile bringen: Zunächst wird der Hochtöner durch die aus den Schlitzen austretende Luft gekühlt. Vor allem aber soll dies eine gleichmäßigere und punktgenauere Klangabstrahlung auch über größere Entfernungen ermöglichen. Dies soll vor allem der Raumdarstellung zugute kommen.
Teilweise beträchtliche Unterschiede gibt es bei den Anschlüssen und Regelmöglichkeiten: Die Lautsprecher von Esi, M-Audio, KRK und die beide Fostex bieten hier nur karge Kost. Der Fostex M0.4 hat zwar einen Lautstärkeregler, dafür gibt es nur Klinkeneingänge (6,3 und 3,5 mm), XLR-Kabel können nicht angeschlossen werden. Außerdem ist das Netzkabel fest angeschlossen. Seien Sie also vorsichtig und achten Sie auf Zugentlastung. Der Emes hat anstelle eines stufenlosen Lautstärkereglers zur Pegelanpassung drei zierliche DIP-Schalterchen, über die der Pegel auf vier Empfindlichkeitsbereiche eingestellt werden kann. Solange Sie nur ein Pärchen Quartz-Monitore haben, lässt sich damit gut leben. Falls Sie aber ein Emes-Paar auf den Pegel anderer Lautsprecher abstimmen müssen, ist eine stufenlose Lautstärkeregelung klar im Vorteil. Der Pegelsteller des KRK V 4 erfordert wenigstens einen gepflegten Fingernagel oder einen Schraubenzieher als Einstellhilfe. Als Besonderheit hat der KRK dafür einen als „Limiter-Switch“ bezeichneten Schalter, der zum Schutz vor Überlastung ein zu hochpegeliges Eingangssignal elektronisch abdämpft.
Alesis, Behringer, Emes, Genelec und Tapco haben recht umfangreiche Regelmöglichkeiten zur Raumanpassung. Vor allem die Möglichkeit, die Pegel der tiefen Frequenzen wirksam abzudämpfen, ist sehr nützlich in akustisch nicht optimierten Räumen, um ein unerwünschtes Wummern der Bässe zumindest zu reduzieren. Das gilt ebenso für Regler, die Mitten und Höhen anheben beziehungsweise bedämpfen können. Insoweit bieten der Alesis und der Behringer die umfangreichsten Klangsteller, dicht gefolgt vom Genelec, wenngleich seine versenkten DIP-Schalter ohne Werkzeug unmöglich zu verstellen sind. ALs einziger Lautsprecher im Test hat er auch einen symmetrischen XLR-Ausgang. Eine clevere Sache: Hiermit können im Wege des so genannten Daisy-Chaining bis zu sechs 8020-Monitore miteinander vernetzt werden. Der Clou: Der erste Lautsprecher in der Kette arbeitet dann als Master, über den die Gesamtlautstärke eingestellt wird.

Wie bei Professional audio Magazin üblich werden die Frequenzgänge der Lautsprecher unter normalen Betriebsbedingungen, das heißt im Studio und mit dem analogen Messgerät Audiograph 3300 des Herstellers Neutrik gemessen. Obschon der Frequenzgang eines Lautsprechers zu einem gewissen Grad Rückschlüsse auf seinen Klang erlaubt, sollten Sie hier nicht des Klanges letzten Schluss erwarten. Auch ein messtechnisch eher befriedigender Lautsprecher kann hervorragend klingen, während ein ebenmäßiger Kurvenverlauf noch kein Garant für herausragende Klangeigenschaften sein muss. Betrachten Sie daher die Messkurven und die anschließende Kurvendiskussion lediglich als eine grobe Richtlinie.

Den mit Abstand linearsten Frequenzgang hat der Behringer: Besser geht es kaum. Unter der Berücksichtigung von Raumresonanzen verläuft die Messkurve von 20 Kilohertz bis hinunter zu 50 Hertz beinahe wie mit dem Lineal gezogen. Auch der Genelec überzeugt, wenngleich ein sanfter Abfall bei vier und zehn Kilohertz auffällt, der aber vernachlässigt werden kann. Erwartungsgemäß sehr ähnlich sind die insgesamt guten Frequenzgänge des Esi und des M-Audio. Hier ist auffällig, dass die Kurven bis ein Kilohertz nahezu gleich verlaufen. Ab dieser Frequenz steigt die Kurve des M-Audio leicht an, während sie beim Esi bis vier Kilohertz abfällt. Dies lässt vermuten, dass die beiden zweieiigen Zwillinge unterschiedlich abgestimmt sind. Ein „gut“ verdient auch der Fostex PM0.5 MK II, der sich keine Auffälligkeiten leistet, wohingegen der kleine Bruder nur befriedigend ist: Ab 600 Hertz fällt die Kurve bis zwei Kilohertz stetig ab, steigt danach wieder bis fünf Kilohertz an. Ebenfalls gut ist der Frequenzgang des KRK, der lediglich eine leichte Anhebung der Mitten bei 500 Hertz aufweist.
Beim Tapco ist ein deutlicher Mittenbauch im Bereich von 500 Hertz bis 1, 5 Kilohertz erkennbar, während die Höhen abfallen. Das reicht aber noch für ein „befriedigend-gut“. Ähnlich verhält es sich beim Emes, im Unterschied zum Tapco fällt sein Frequenzgang im Höhenbereich weniger deutlich ab, so dass er ein „gut“ nur um Haaresbreite verfehlt. Der Alesis bekommt zwar ein „befriedigend“, dennoch wäre es verfehlt, hierin ein absolutes Negativ-Urteil zu sehen: Der Frequenzgang ist nicht schlecht, vor allem im Bassbereich, lediglich die gegenüber den Höhen bei drei Kilohertz unterdrückten Mitten bedingen eine Abwertung. Tendenziell ist sein Frequenzgang „befriedigend-gut“.

Für den gründlichen Hörtest nimmt sich Professional audio Magazin richtig viel Zeit. Bei diesem Test sind es drei vierstündige Sitzungen, bei denen wir jeden einzelnen Lautsprecher mit kritischen Ohren untersuchen. Dabei ist allein der Testaufbau nicht wenig aufwändig: Um die Ergebnisse nicht zu verfälschen, werden sämtliche Lautsprecher außerhalb des Hörraumes bereitgestellt, um auszuschließen, dass mitschwingende Membranen den Klang im Hörraum verfälschen. Selbstverständlich müssen die Lautsprecher bestmöglich positioniert werden. Um eine akustische Kopplung mit der Lautsprecherkonsole zu vermeiden, werden diese auf speziell angefertigte Holzdämpfer gestellt. Mit einmaligem Anhören ist es nicht getan: So ist ein vergleichendes und erneutes Hören Pflicht, um erste Höreindrücke zu verifizieren. Hierbei leistet der Monitor und Talk-Back Controller von SPL gute Dienste, da er erlaubt, zwischen insgesamt drei angeschlossenen Lautsprecher-Paaren umzuschalten. Wobei er uns nicht die Pegelangleichung der unterschiedlichen Paare abnimmt. Daher: Ein ständiges Auf- und Abbauen, Einpegeln, Abhörposition einnehmen, konzentrieren und hören.
Natürlich haben wir Sorge getragen, dass alle Lautsprecher gründlich auf den Hörtest vorbereitet, also eingespielt waren (siehe Kasten „Einspielen von Lautsprechern“). Als Musik dienen Aufnahmen aus den unterschiedlichsten Bereichen (Klassik, Jazz, akustische und elektronische Musik, Rock und Pop). Für diesen Test bietet es sich auch an, die für den Apogee- und DAD-Test (siehe Seite 82) aufgenommene Musik abzuhören: Der Interpret kennt normalerweise seinen Ton und den besonderen Klang seines Instrumentes und kann so viel genauer beurteilen, ob ein Monitor noch neutral ist, oder schon verfärbt. Sie sehen also: Ein aufwändiges Testverfahren, dass im Gegenzug uns und Ihnen aussagekräftige Ergebnisse liefert.
Da die Preisspanne der getesteten Monitore recht weit reicht, gibt es zwei Tabellen: Die erste beschreibt die Preisgruppe von 115 bis 170 Euro, die zweite die Preisgruppe von 210 bis 440 Euro. Dementsprechend folgen die anschließenden Klangbeschreibungen der besseren Übersichtlichkeit wegen dieser Gliederung. Vorhang auf.
Esi nEar 05 Experience: Der Esi klingt insgesamt sehr angenehm und tendenziell neutral. Er neigt dazu, die Mitten auf Kosten der Höhen leicht zu betonen, wodurch Instrumente und Stimmen etwas „verrundet“ klingen. So unterschlägt er beispielsweise bei Gitarren subtile Anschlags- beziehungsweise Fingernagelgeräusche und nimmt dem Ton ein wenig die Obertönigkeit. Dies fällt auch bei Bläsern auf: Trompeten verlieren ein wenig an Strahlkraft, rauere Blues-Stimmen erhalten ein gepflegteres Timbre. Bei der Darstellung des Stereo-Panoramas zeigt er gute Leistungen in der Breitenstaffelung, dafür gelingt es ihm nicht ganz, Räume in die Tiefe zu öffnen. Gemessen an seinem sehr günstigen Preis ist er ein guter Lautsprecher.

Fostex PM0.4: Der kleine Fostex ist in den Höhen erstaunlich sauber und löst hier gut auf. Allerdings wirkt er ein wenig distanziert und zurückhaltend. Sehr schwach ist er hingegen bei den Mitten, wodurch er den Klang von Instrumenten und Stimmen sehr stark verfärbt. Bässe gibt er kaum bis gar nicht wieder, seine Raumdarstellung erscheint flach und zweidimensional. Obwohl der billigste Lautsprecher im Test, kann er nicht wirklich empfohlen werden, da seine Wiedergabe wegen der deutlichen Mitten und Bassschwäche weit davon entfernt ist, objektiv und neutral zu sein.
Genelec 8020APM: Dieser Lautsprecher spielt erstaunlich dynamisch und lebendig auf – sofern die Abhörlautstärke moderat bleibt. Seine Detailgenauigkeit in den Höhen und Mitten lässt ihn größer klingen, als er tatsächlich ist. Schließen Sie die Augen und Sie werden selbst einen deutlich größeren und teuren Lautsprecher vermuten. Seine Darstellung des Stereopanoramas ist vorbildlich: Er gibt die Positionen von Instrumentalisten und Sängern punktgenau wieder und hat keinerlei Schwierigkeiten die Tiefe eines Konzertsaales auszuloten. Das hat wirklich Klasse. Die unteren Mitten und oberen Bässe sind hingegen ein wenig vorlaut. Dadurch klingt er keineswegs unangenehm (Spontaner Ausruf beim Test: „So möchte ich klingen.“), allerdings sollten Sie von der Möglichkeit Gebrauch machen, die tiefen Frequenzen abzusenken. Dann ist der Genelec rundum gut und für penible Höranalysen bestens geeignet. Ein Klasse-Lautsprecher zu einem schon unverschämt günstigen Preis.
M-Audio BX-5a: Der M-Audio klingt – wenig überraschend – sehr ähnlich wie der Esi. Er ist aber präsenter in den Höhen, ohne dabei schrill und aufdringlich zu sein. Sein Klang ist ebenfalls tendenziell neutral, nur geringfügig schärfer als der des Esi. Insgesamt ein sehr ordentlicher Lautsprecher.
Alesis M1 Aktiv 620: Der Alesis ist der Bassspezialist im Testfeld: Hier agiert er sehr dynamisch und reicht auch am Tiefsten hinab. Gerade für Anwender, die bei ihrer Musik Wert auf mächtige Bässe legen, ist er eine gute Wahl. In den Höhen löst er gut auf und ist recht sauber, allerdings ist er in den Mitten sehr zurückhaltend. Deswegen sind akustische Aufnahmen (Folk, Jazz, Klassik) nicht seine Stärke, da er den Naturklang sensibler Instrumente und Stimmen nicht überzeugend darstellt. Seine Raumdarstellung ist sowohl in der Breite wie in der Tiefe gut, er wirkt lediglich ein wenig distanziert. Daher: Ein besonderer, sehr spezieller Lautsprecher, der vor allem bei der Basswiedergabe punktet.
Behringer Truth B20031 A: Der Behringer ist ein im besten Sinne unauffälliger Lautsprecher, der insgesamt recht neutral ist. Er liefert gute Ergebnisse über das ganze Frequenzspektrum. Wie der Alesis ist er bassstark. Er bringt Bässe jedoch nicht so fokussiert und weniger dynamisch als der Alesis zu Gehör. Die Höhen sind unauffällig und sauber, einzig die unteren Mitten sind etwas vordergründig, obschon seine Leistungen auch hier gut sind. Bei der Raumdarstellung kann er Instrumentalisten und Sänger punktgenau am Bühnenrand aufstellen, lediglich die Tiefenstaffelung wirkt etwas flach. Insgesamt sind dem Behringer durchaus Monitor-Qualitäten zuzusprechen.
Emes Quartz: Er machte im Verlauf des Testes eine erstaunliche Entwicklung durch und beweist ohrenfällig, wie wichtig das sorgfältige Einspielen eines Lautsprechers ist. Im neuwertigen, uneingespielten Zustand klang er eigentümlich mittig und dröhnte im Bass unangenehm. Nach der notwendigen Einspielzeit lässt er klanglich die Sonne aufgehen: Seine Hochton-Bereich ist, wenngleich etwas zurückhaltend, sehr detailgenau und sauber. Ihm entgeht hier kaum etwas. Das gilt auch für die Mitten und die Bässe. Hier beeindrucken seine Impulsfestigkeit und Klarheit Sowohl breite, obertonarme Kontrabassspuren, als auch knallharte Elektrobässe bereiten ihm keine Probleme, er hat die unteren Frequenzen stets gut im Griff. Räume stellt er dreidimensional dar und erlaubt die punktgenaue Ortung von Instrumentalisten und Sängern. Er hat echte Allrounder-Qualitäten wie es sich für einen Studio-Monitor gehört. Denn genau das ist er.
Fostex PM0.5 MK II: Die Stärke des großen Fostex ist klar der Hochtonbereich: Hier kann er auch mit erheblich teueren Lautsprechern mithalten. Er schafft es mühelos, auch hart angestoßene Flötentöne der dritten Oktave präzise wiederzugeben. Wenn hier der Klang nervig ist, liegt es am Interpreten. Die Mitten sind nicht minder gut, das gilt auch für den trockenen und klaren Bass, wenngleich der Fostex nicht allzu tief herabreicht. Bei der Tiefenstaffelung ist er etwas flach. Ansonsten hat dieser Lautsprecher vor allem in den Höhen und Mitten echte Monitorqualitäten. Auch wenn sich der PM0.4 und der PM0.5 MK II äußerlich ähneln: Der große Fostex spielt in einer ganz anderen, ungleich höheren Klasse als sein kleiner Bruder.

KRK V 4: Obwohl einer der kleinsten Lautsprecher im Test, klingt der KRK richtig erwachsen. Zwar dominieren die unteren Mitten zugunsten eines wärmeren Grundklanges, dennoch ist er insgesamt recht neutral. Dabei verhält er sich nicht kühl-distanziert, sondern spielt erstaunlich lebendig auf. Er will und kann keine Tiefbässe darstellen, die oberen Bässe kommen aber sehr sauber und dezent. Dies gilt auch für die unauffälligen und guten Höhen. Für akustische Aufnahmen von Instrumenten mit begrenztem Tonumfang wie Gitarren macht er richtig Spaß, da er den Klang nicht verfälscht. Der KRK klingt nicht aufdringlich, so dass er gerade als Desktopmonitor gute Dienste leistet. Auch längeres Hören wird nicht ermüdend.
Tapco S 5: Seine Klangcharakteristik ist der des KRK ähnlich, allerdings hält er sich in den Höhen etwas zurück. Bei den Bässen ist er erstaunlich sicher und impulsfest, die Mitten kommen sehr sauber. Gerade für Funk, Hip-Hop und ähnliche Stile ist er gut geeignet, da er knallharte Rhythmus-Gitarren, geslapte Bässe und stark komprimierte (Männer)-Stimmen gut auf den Punkt bringt. Klassik und akustischer Jazz sind seine Sache nicht. Hier lässt er die nötigen Feinheiten bei der Höhenauflösung vermissen, hinzu kommt eine eher flache, zweidimensionale Raumdarstellung.

Wenn Sie bis hierher gelesen haben, wissen Sie: Dieser Vergleichstest hat Spaß gemacht. Zugegeben: Zunächst hatte die Redaktion gewisse Ressentiments, um nicht zu sagen Vorurteile („Kostengünstige Monitore? Bringen die überhaupt etwas?“). Diese konnten die Testkandidaten gründlich zerstreuen. Abgesehen vom Fostex PM0.4, der vor allem klanglich nicht befriedigen kann, können alle anderen Lautsprecher überzeugen.

Der Vielseitigste und damit Beste ist der Emes Quartz: Er klingt richtig gut und hat echte Allrounderqualitäten, die seinen Preis in jedem Fall rechtfertigen. Der Alesis kostet geringfügig weniger als der Emes, ist nicht so vielseitig wie dieser, dafür aber ein echter Bass-Spezialist. Diese Eigenschaft macht ihn natürlich für Freunde der bassdominanten Stile interessant. Da er ansonsten vergleichsweise teuer ist, verdient er nur ein „befriedigend“ im Preis.
Der Genelec folgt dem Emes dichtauf. Würde der Hersteller bei den unteren Mitten und oberen Bässe nachbessern, wäre dieser kleine Lautsprecher vermutlich unschlagbar. Wegen seines niedrigen Preises ist er schon jetzt ein ganz heißer Tipp für Anspruchsvolle mit schmalem Budget. Wer gezwungen ist, jeden Cent umzudrehen, dem seien der Esi nEar 5 Experience und der M-Audio BX-5a empfohlen: Beide können bei der Studio-Arbeit gute Dienste leisten, auch wenn der Esi uns subjektiv besser gefallen hat.

Für 440 Euro bekommen Sie ein Paar Behringer Truth B2031 A und erhalten zwei vielseitige Lautsprecher mit Monitor-Qualitäten. Bedingt gilt dies auch für den geringfügig günstigere Fostex PM0.5 MK II. Was der Behringer diesem bei den Bässen voraus hat, macht der Fostex mit seinem ausgezeichneten Hochtöner wett. Solange Sie keine Tiefbässe benötigen und Abstriche bei der Raumdarstellung machen, liegen Sie mit dem schwarz-glänzenden Lautsprecher goldrichtig. Suchen Sie einen kleinen, feinen Desktopmonitor mit gutem Klang, sollten Sie den KRK V 4 in die engere Wahl nehmen. Ist er Ihnen zu teuer, dann empfiehlt sich der Tapco S 5. Er erreicht zwar nicht die Klangqualität des KRK, dafür ist er rund 120 Euro billiger.

Was bleibt zum Schluß? Ihnen nur noch die Wahl, die aber kaum zur Qual werden wird.

Erschienen in Ausgabe 07/2006

Preisklasse: Mittelklasse
Preis: 429 €
Bewertung: befriedigend – gut
Preis/Leistung: gut

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