Instrumentale Präzisions-Waffe

Es kommt nicht alle Tage vor, dass ein Hersteller einen Synthesizer mit einer völlig neuen Form der Klangsynthese ankündigt. So jetzt geschehen mit dem Rayblaster-Synthesizer der bayerischen Software-Schmiede Tone2. Grund genug also sich den „Strahlen-Detonator“ näher anzuschauen und die klanglichen Möglichkeiten sowie die Wesenszüge der darin werkelnden neuen Impulse Modeling Synthese zu ergründen.  

Von Georg Berger 

Als wir zum ersten Mal vom Rayblaster-Synthesizer hörten, der von seinem Hersteller, dem bayerischen Software-Hersteller Tone2, vollmundig mit einer völlig neuen Klangsynthese angekündigt wurde, wurden wir hellhörig. Gleichzeitig überlegten wir, wann es das letzte Mal gewesen ist, das eine neue Form der Klangerzeugung vorgestellt wurde und spontan fiel uns als erstes der Neuron-Synthesizer von Hartmann ein, der mit seiner neuronalen Klangerzeugung Ende der 1990er Jahre für Furore sorgte. Mit dem gleichen Anspruch tritt Tone2 jetzt auch mit dem rund 150 Euro kostenden virtuellen Instrument Rayblaster an, dessen einzigartige Klangerzeugung auf den Namen Impulse Modeling Synthesis, kurz IMS, getauft wurde. Der Hersteller verspricht dabei selbstbewußt, dass mit dieser Syntheseart Klänge auf radikal neue Art realisierbar sind, die in Konsequenz auf keinem anderen Synthesizer möglich sind. Überdies soll Rayblaster mit einem durchsetzungsfähigen Grundsound aufwarten, der vor allem im Bassbereich eine atemberaubende Präzision und Klarheit aufweisen soll. Solche Aussagen lassen das Herz jedes passionierten Klangschraubers natürlich höher schlagen. Ob der Hersteller mit seinen Aussagen tatsächlich ins Schwarze trifft und Rayblaster das Tor zu neuen Dimensionen in Sachen Klangerzeugung aufstößt, wollen wir im Folgenden ergründen. 

Beim Erstaufruf von Rayblaster blicken wir auf ein übersichtlich gestaltetes GUI mit einer konsequenten Ein-Fenster-Bedienung, das sowohl viel Vertrautes, als auch komplett Neues zeigt. So finden sich zwei LFOs, drei klassisch ausgestattete ADSR-Hüllkurven und ein Bedienpanel zum Einstellen des generellen Abspielverhaltens von Sounds wie etwa Glide, eine Unisono-Funktion, Volume- und Panpot-Regler sowie eine Drive-Funktion zum Anrauen des Sounds. Vier Displays lenken die Aufmerksamkeit teils mit Animationen auf sich. Im Zentrum ist der Patch-Browser integriert, über den sich die rund 500 mitgelieferten Presets übersichtlich in Kategorien sortiert finden wie Synth, Lead, Bass, Pad, aber auch Effekte, Gate- und Arpeggiator-Abteilungen enthält. Das Display oben rechts enthält eine Reihe wechselseitig aufrufbarer Teil-Dialoge, die Routiniers ebenfalls sattsam bekannt sind. So kann dort eine in drei Teil-Dialogen aufgeteilte, simpel bedienbare, Modulations-Matrix mit je fünf Verknüpfungs-Möglichkeiten aufgerufen werden, eine Effekt-Sektion steht bereit in die sich aus einer Auswahl von 18 Algorithmen je zwei Effekte seriell einsetzen lassen. Im Setup-Dialog sind Einstellungen zum generellen Verhalten von Rayblaster möglich, wie unter anderem die Polyphonie, ein Low- und High-CPU-Modus sowie verschiedene Boost-Modi, die Einfluss auf den Gesamtsound nehmen. Abgerundet wird die Ausstattung dieses Multi-Displays mit einem kombinierten Arpeggiator- und Gate-Dialog. Oberflächlich betrachtet ist das erst einmal nichts Neues, wenngleich Tone2 gerade im Multi-Display mit manch ungewöhnlichem Feature aufwartet. So können Modulationen in der Matrix mit Hilfe mathematischer Funktionen und wählbaren Decay- sowie fest eingestellten Sinus-Frequenz-Verläufen realisiert und feinjustiert werden. Nicht alltäglich ist auch ein Dolby Prologic II kompatibler Surround Encoder in der Effekt-Sektion. Unser persönliches Highlight im Multi-Display ist jedoch der Arpeggiator, der weitaus mehr ist als ein stupider Dreiklangs-Brecher. Auf Basis eines Step-Sequenzers, maximal 16 Schritte stehen zur Verfügung, lassen sich gespielte Akkorde mit den üblichen Parametern wie Oktavlage, Tempo und Abspielfolge in perlende Dreiklangsbrechungen verwandeln. Als besondere Highlights finden sich nicht alltägliche Möglichkeiten zum Transponieren von Tönen innerhalb der Sequenz. Will heißen, dass eine am Keyboard gespielte Note vom Arpeggiator entsprechend höher oder tiefer gespielt wird. Es lassen sich darüber hinaus sogar Akkorde triggern, wobei per Auswahl-Liste verschiedene Voicings zur Verfügung stehen. Damit wertet Tone2 einen sattsam bekannten Synthesizer-Baustein um willkommene und kreative Gestaltungsmöglichkeiten auf, die letztlich Rayblaster auf eindrucksvolle Weise zieren. Doch das ist ja lediglich das Beiwerk mit dem sich die Klänge von Rayblaster nach althergebrachter Sitte, ähnlich wie in subtraktiven Synthesizern, zusätzlich verbiegen und animieren lassen. 

Das Herz von Rayblaster liegt links oben auf der Oberfläche und setzt sich aus zwei Oszillatoren zusammen, die über zwei Displays und der mittig positionierten Oszillator-Kontroll-Sektion einstellbar sind. Hinter den Text-Einträgen in den Displays finden sich Button-Fader oder Auswahllisten etwa zum Laden von Wellenformen. Dort entfaltet die IMS ihre Magie, wobei das Handling mit dieser Syntheseform zwar rasch verinnerlicht ist, aber dennoch eine Zeit der Einarbeitung erfordert, möchte man zielgerichtet zu den gewünschten Ergebnissen kommen. Wie die IMS im Einzelnen funktioniert erfahren Sie im Kasten auf Seite 51. An dieser Stelle nur soviel: Eine völlig neue, revolutionäre Art der Klangerzeugung ist die Impulse Modeling Synthese jetzt nicht. Im Kern basiert sie auf Granular-Synthese, die zuletzt in Steinbergs Padshop-Synthesizer (Test in Heft 5/2012) zu Ehren gekommen ist. Das tatsächlich Revolutionäre ist die Weiterentwicklung dieser Synthese-Art, die mit neuen Features und Techniken und in Erweiterung dessen neuen Möglichkeiten der Klanggestaltung aufwartet, was tatsächlich mit keinem uns bekannten synthetischen Klangerzeuger machbar ist. Schauen wir uns die Sektion einmal näher an: Ebenso wie in der Granular-Synthese nutzt die IMS Samples als Ausgangsmaterial. Tone2 liefert ab Werk bereits eine stattliche Auswahl mit, die jedoch anders als erwartet  lediglich kleinste Audio-Bausteine – vom Hersteller Impulse, respektive Impulsantwort genannt – enthalten, beispielsweise eine synthetische Wellenform von knapp einer Sekunde Länge. Der Clou: Abseits vom Importieren eigener Samples können auch Impulsantworten geladen werden und zwar von Filtern beziehungsweise Filterverläufen. Sweeps und Filter-Editierungen finden also gleichzeitig mit der eigentlichen Klangerzeugung in den Oszillatoren statt, was uns an den Razor-Synthesizer von Native Instruments erinnert, der Filterverläufe ausschließlich via additiver Synthese realisiert (Test in Heft 5/2011). Vorteil: Durch dieses Konzept erübrigt sich eine eigene Filter-Sektion und bietet die Möglichkeit quasi unendlich viele Filter-Charakteristiken in Rayblaster einzusetzen. Das informative Handbuch – leider nur in englisch – gibt sogar Anleitung, wie eigene Filter-Impulsantworten herzustellen sind, was im Test sehr gut funktioniert. Doch zurück zu den Oszillator-Displays: Zwei Samples – ganz gleich welcher Art – können pro Oszillator geladen und anschließend per Mix-Parameter anteilig gemischt werden. Überdies lässt sich der Start-Punkt der Samples nachträglich verändern. Ein zumischbarer Rausch-Generator und eine High-Boost-Funktion zum Anschärfen des Klangs sorgen für weitere Ausgestaltung des Sounds. Soweit so gut und sattsam bekannt. Interessant wird es bei Auswahl einer sogenannten Fenster-Funktion durch Click auf den Eintrag unterhalb von Load Wave 1. Die dort versammelten Wellenform-Bezeichnungen, etwa Exponential, Sägezahn oder Cosinus, bilden analog zu ihrer graphischen Repräsentation einen Rahmen, in den die geladenen Samples, ähnlich wie beim Amplitudenverlauf mittels Hüllkurve, eingepasst werden. Der Verlauf der Fensterfunktion legt sich im Display dabei milchig, halb-transparent über die Wellenform der Samples. Die Fenster-Funktion beeinflusst hierbei den Gesamtklang beider Samples, der je nach Verlauf mal eher weich und zart, das andere Mal scharf und spitz erklingt oder den Sound pulsieren lässt. Bei Einsatz von Filter-Impulsantworten nehmen die Fenster-Wellenformen überdies Einfluss auf den Ablauf des Sweeps. 

Wie das genau geschieht, wollte uns Chefentwickler Markus Krause nicht verraten. Gleiches gilt auch für die Technik, die hinter den acht wählbaren Impuls-Sequenzen steckt (Eintrag oberhalb von Noise). Nur soviel: Die geladenen Samples/Impulse werden über diese Funktion in eine bestimmte Abspielfolge gebracht und lassen sich über den Pulswellen-Parameter (PW) schließlich dynamisch ineinander morphen, was im Test zu teils drastischen Klangänderungen führt. Die Wirkungsweise des Harmonic-Parameter ist hingegen leicht nachvollziehbar. Er nimmt Einfluss auf den Obertongehalt des Sample-Soundgemischs. Positive Werte führen auffälligerweise zu einem mehrfachen Wiederholen der Sample-Sounds, negative Werte führen zu einem Ausdünnen des Klanggehalts. Weitere Eingriffsmöglichkeiten finden sich in der Oszillator-Sektion. Wichtigster Parameter dort ist der Formant-Regler, der in erheblichem Maße Einfluss auf den Klang nimmt und teils unterschiedliche Wirkungsweisen annimmt. Je nach Einstellung im Oszillator-Display führt das Drehen mal zu einer formant-ähnlichen Änderung des Sounds, bei Einsatz von Filter-Impulsantworten reguliert er gleichzeitig das Filter-Cutoff, das andere Mal beeinflusst er das Tempo rhythmisch-perkussiver Spektren und wieder ein anderes Mal wird das ursprüngliche Klanggemisch auf dramatische Weise bis zur Unkenntlichkeit dekonstruiert. Was dort genau im Hintergrund passiert bleibt ebenfalls Betriebs-Geheimnis. Die übrigen Parameter der Kontroll-Sektion, unter anderem Volume, Tune, Höhen- und Tiefenblende sowie die BPM/Sync-Funktion sind selbsterklärend, ebenso wie die beiden Key Follow Parameter, die separat Einfluss auf den Formant-Parameter und die Tonhöhe nehmen. Die mittig positionierten Phase-, Drift- und Ring-Parameter sorgen hingegen für ein gemeinsames Ausformen beider Oszillatoren, indem sie sich darüber gegenseitig verstimmen oder sogar ringmodulieren lassen.  Im Hörtest sind wir auch sogleich von den Klangformungs-Möglichkeiten und den daraus resultierenden Sounds beeindruckt. Der Hersteller hat tatsächlich nicht übertrieben, als er den Grundsound von Rayblaster als glasklar und durchsetzungsfähig beschrieben hat. Wir setzen sogar noch einen drauf, denn Rayblaster zeichnet sich überdies durch eine glasklare Brillanz und Luftigkeit aus, die sämtlichen Presets etwas Edles und auch Eigentümliches verleiht, bei dem man nicht weghören kann. Solche Qualitäten haben wir zuletzt nur beim Razor von Native Instruments gehört, zu dem Rayblaster locker aufschließen kann. Besonders auffällig ist die Präzision vor allem im Bassbereich, die messerscharf kommt und sich entgegen jegliche Hörgewohnheit stemmt. Durch diese Klarheit und Transparenz besitzt Rayblaster so rein gar nichts vom hochgeschätzten analogen Sound alter Synthesizer-Legenden. Gehässige Zeitgenossen würden ihn als kalten digitalen Klangerzeuger abqualifizieren. Doch das trifft es überhaupt nicht. Denn wie erwähnt besitzen die Sounds durchaus etwas Edles und Vornehmes. Wem die Sounds dennoch zu scharf klingen sollten, kann mit der Höhenblende sowie den Boost-Modi im Setup-Menü entgegensteuern. Abseits dessen ist Rayblaster aber auch durchaus in der Lage äußerst fett und voluminös zu klingen. Viele Sounds besitzen durchaus Qualitäten analoger Prägung, die jedoch erklingen, als ob ihnen ein Grauschleier genommen wurde. Nicht minder beeindruckt sind wir auch von der Geschmeidigkeit, mit der sich Klänge in Rayblaster auf teils drastische Art entfalten. Zwar basierend auf Granular-Synthese besitzt Rayblaster so rein gar nichts von der Rauheit und den typischen, kratzig klingenden Artefakten, die dieser Syntheseart für gewöhnlich anhaftet. Insofern hat Tone2 durchaus etwas völlig Neues und Revolutionäres geschaffen, was bislang seines Gleichen sucht. Wer mag, kann Rayblaster übrigens auch als klassischen Granular-Synthesizer einsetzen, indem er die Resynthese-Befehle im File-Menü des Patch-Browsers ausführt, was das Instrument um eine weitere  Option erweitert. Einen weiteren Pluspunkt heimst das Instrument auch in Sachen Wandlungsfähigkeit ein. Obwohl nur ein überschaubarer Satz an Parametern zur Verfügung steht, sind Sounds zu hören und editierbar, die Mal rein subtraktiver Natur sind, ein anderes Mal besitzt Rayblaster Qualitäten eines Wavetable-Synthesizers und über allem steht stets eine beeindruckende Farbenprächtigkeit und Lebendigkeit, mit der sich Sounds nur durch Drehen etwa am Formant-Parameter aufs Heftigste verändern. Dabei entsteht der Eindruck, als ob nicht ein, sondern gleich mehrere Synthesizer gleichzeitig erklingen, um die Wucht und Vielfalt an sich ändernden Teilspektren zu realisieren. 

Fazit

Tone2 demonstriert mit Rayblaster und der darin integrierten Impulse Modeling Synthese auf eindrucksvolle Weise, dass noch längst nicht alles gesagt wurde hinsichtlich synthetischer Klangerzeugung. Im Kern zwar nicht völlig neu, vermag die neue Synthese dennoch neue Aspekte in der Klanggestaltung aufzuzeigen, die jeden Klangschrauber ohne Wenn und Aber ansprechen dürfte. Wir würden uns nicht wundern, wenn Hans Zimmer, nicht zuletzt aufgrund des exzellenten Grundsounds, den nächsten Hollywood-Blockbuster mit Hilfe von Rayblaster realisiert. 

Impulse, Klangfetzen und Stille: Das Prinzip der Impuls Modeling Synthese

 

Im Prinzip bedient sich die von Tone2 entwickelte Impuls Modeling Synthese (IMS) einer Kombination von zwei schon bekannten Klang-Synthesen, der additiven und mehr noch der Granular-Synthese, die jedoch weiterentwickelt und auf ein neues Level gehoben wurden. Alle drei Synthese-Arten nutzen Erkenntnisse der Psychoakustik und machen sich diese zu Nutze. So ist schon länger bekannt, dass das Gehirn Klänge aus einer Vielzahl kleinster akustischer Bestandteile zusammensetzen kann. Während bei der additiven Synthese ein resultierender Klang durch das Mischen von Sinustönen entsteht, die unterschiedlich laut und hoch klingen, wird bei der Granularsynthese ein bestehender Klang, etwa in Form eines Samples, in kleinste Bestandteile zerlegt – den sogenannten Grains – , die sich anschließend wieder neu zusammensetzen lassen. In Abwandlung zur Granular-Synthese werden bei der IMS bereits vorgefertigte Klangfragmente – die Impulse – eingesetzt, die anschließend sequenziell und/oder in Form von Clustern abgespielt werden. Allen Synthesen gemeinsam ist, das jedes kleinste Klangfragment separat in seiner Lautstärke, Tonhöhe, Abspieldauer und Phasenlage beeinflussbar ist. Im Rayblaster geschieht dies primär mit Hilfe des Formant-Parameters. Als Nebeneffekt ist der Rayblaster-Synthesizer über die integrierten Resynthese-Funktionen übrigens ebenfalls in der Lage, auch klassische Granular-Synthese ausführen zu können. Im Unterschied zur additiven und Granular-Synthese nutzt die IMS jedoch gezielt Stille beim Synthetisieren von Sounds, was eine weitere Erkenntnis der Psychoakustik ist. Anders als bei kontinuierlich klingenden Sounds wie etwa in der subtraktiven und additiven Synthese kann das innere Ohr Klänge besser erfassen, wenn die Klanginformation durch Stille unterbrochen wird. Innerhalb der Stille kann sich das innere Ohr erholen und die nachfolgende Klanginformation anschließend besser erfassen. Prinzipiell ist das zwar auch in der Granular-Synthese möglich, in der IMS wird dies jedoch kontinuierlich ausgeführt. Konsequenz: Gerade tiefe Töne klingen im Rayblaster dadurch ungleich transparenter und präziser. Doch damit ist noch längst nicht Schluss: Anders als in der Granular-Synthese, in der sich meist nur ein Sample nutzen lässt, das als Basis und Grain-Lieferant dient, kommen in der IMS gleich mehrere sogar simultan einsetzbare Arten von Klanginformationen als Basismaterial für die Synthese zum Einsatz. So lassen sich speziell aufbereitete, im Lieferumfang enthaltene, Impuls-Samples einsetzen, herkömmliche Wav-Dateien importieren und sogar Filter-Impulsantworten nutzen. Rayblaster ist es also egal, was in seine Oszillatoren geladen wird. Für ihn repräsentiert dieses Material den Grundbaustein, der anschließend durch sequenzielles Abspielen komplexe Klänge erzeugt. Besonderheit: Auf Nachfrage bei Chefentwickler Markus Krause erfahren wir, dass durch das äußerst präzise Timing der im Lieferumfang enthaltenen Impuls-Samples keine klanglichen Artefakte entstehen, die sich in der Granular-Synthese durch teils Rauschen, Kratzen und leichte Verzerrungen bemerkbar machen. Durch den Einsatz von Filter-Impulsantworten können die Oszillatoren überdies auch Filter-Sounds und -Sweeps erzeugen.Jeweils zwei Basis-Wellenformen – Markus Krause spricht dabei von Impulsantworten – sind simultan pro Oszillator einsetzbar.Durch die Auswahl einer sogenannten Fensterfunktion, im Auswahl-Menü stehen dafür Verläufe klassischer Synthesizer-Wellenformen zur Verfügung, können die Impulsantworten in eine Form gezwängt und nochmals im Klang verändert werden. So kann beispielsweise mit einem exponentiell geformten Fenster das Ausschwingverhalten eines Filters simuliert werden. Diese Fenster-Funktion/Wellenform ist vergleichbar mit einem Hüllkurvenverlauf, sie nimmt dabei aber Einfluss auf den resultierenden Klanggehalt und nicht auf die Lautstärke. Der Clou und eigentliche Kern der IMS: Durch das Auswählen einer Impuls-Sequenz können die geladenen Impulsantworten/Wellenformen schließlich in der Abfolge manipuliert und überdies ineinander gemorpht werden, was in der Form bislang nicht möglich war. Wie dies genau geschieht und ob die geladenen Impulse/Wellenformen dabei ebenso wie beim Faltungshall mit Hilfe der mathematischen Faltung ineinander verwoben werden, konnten wir jedoch nicht in Erfahrung bringen und bleibt das Betriebsgeheimnis des Herstellers. Festzuhalten bleibt dennoch, dass die IMS ungleich offener beim Verwenden des Basismaterials ist, das sich auf einzigartige Weise klanglich miteinander kombinieren, verschmelzen und zu neuen Klängen synthetisieren lässt.

Erschienen in Ausgabe 03/2013

Preisklasse: Spitzenklasse
Preis: 149 €
Bewertung: sehr gut
Preis/Leistung: sehr gut

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