Ein Mikrofon für alle Fälle

 

Mit dem V13 verheißt WeissKlang ein ausgewachsenes Universalmikrofon in bezahlbarem Preisrahmen zuzüglich eines genau auf den Frequenzgang des Mics abgestimmten Klangfärbungs-Plug-ins namens KlangFormer.

Von Johannes Dicke

 

Gerade jemand, der noch am Anfang seiner Recordisten-Karriere steht, hat in puncto Mikrofonkauf nicht nur die Qual der Wahl. Oftmals kann angesichts hoch angesiedelter Preise vom ersehnten Profi-Sound erst einmal nur geträumt werden. Diese Problematik kennt auch das WeissKlang-Team um Mastermind Salvatore Di Fresco nur zu gut, denn ihn und seine Kollegen dürstete es in der täglichen Studiopraxis mehr und mehr nach einem universell einsetzbaren Mic. Dabei war die Ursprungsfrage: Müssen für jede Schallquelle unbedingt teure Einzelmikrofone gekauft werden, geschweige denn das jeweils Bestgeeignete überhaupt erst einmal ausfindig gemacht werden? Sicherlich kristallisieren sich mit der Zeit gewisse, mitunter teure Favoriten für bestimmte Einsätze heraus. Doch ein bezahlbares Universalmikrofon nach eigenen Vorstellungen zu haben, welches im Zweifel immer funktioniert, wäre das Nonplusultra. Die nötige Nachbearbeitung könnte dann immer noch im Anschluss in der DAW vollzogen werden. Soweit die Grundidee. Da Di Fresco bereits das nötige Know How besaß, fiel nach langem Hin und Her schließlich die Entscheidung, den Traum vom eigenen Mikrofon Wirklichkeit werden zu lassen. Dazu wurden zunächst Schwachpunkte anderer Mics analysiert, die schnell als Höhenanhebung, schlechte Impulstreue sowie Verzerrungen aufgrund nicht abgestimmter Bauteile identifiziert werden konnten. Zudem setzte man sich mit einigen namhaften Toningenieuren und Produzenten aus Deutschland zusammen, um gemeinsam den idealen Mikrofonklang zu erörtern. Es folgte ab 2013 eine zweijährige Entwicklungsphase, in der besagte Problemstellen zugunsten des eigenen Designs berücksichtigt wurden. Im August 2015 war es schließlich soweit und das V13 konnte für ein mehr als schmackhaften Kaufpreis von gerade einmal 399,- Euro auf den Markt gebracht werden.

 

Made In Germany

 

Gefertigt wird WeissKlangs Erstling aus ausgesuchten, hochwertigen Bauteilen, wie selbstheilenden Kondensatoren aus deutscher Herstellung sowie hochwertigen, nichtmagnetischen US-Widerständen nach Militärstandard. Die daraus entwickelte gebaute Verstärkerschaltung hofiert eine eigens designte Kapsel, welche als feste Niere (Druckgradienten-Empfänger) daherkommt – Mehr dazu später. Die nachfolgende, diskrete und genau auf das Kapselverhalten abgestimmte Transistorschaltung ist übertragerlos und soll besonders rauscharm sein. Auf etwaige Extrafunktionen wie Vordämpfung oder Trittschallfilter wurde bewusst verzichtet, da dergleichen bei Bedarf kurzerhand am Preamp zugeschaltet werden kann. Ein sicheres Zuhause hat das Ganze schließlich im standesgemäß resonanzarmen Metall-Body. Eine dazu passende Spinne befindet sich ebenfalls mit im Lieferumfang. Das Herzstück des V13, die WMK-13-Kapsel , wurde zur Markteinführung 2015 zunächst in den Niederlanden nach eigenen Vorgaben gefertigt. Um jedoch vollends unabhängig agieren zu können, wurde die im Baden-Württembergischen Murr gelegene Manufakturstätte schon bald zwecks Eigenproduktion ordentlich aufgerüstet. So werden die Schallwandler dort seit März 2016 mithilfe neu angeschaffter CNC-Portalfräsen komplett in Eigenregie hergestellt. Die vollständige Einmessung erfolgt nun ebenfalls In-House mittels eigens dafür entwickelten Spezialgerätschaften. Apropos Messtechnik: Laut Salvatore Di Fresco sei bei der Entwicklung des Mikrofons ein „Mittelweg aus Messtechnik und Gehör gewählt“ worden, weshalb der am Ausgang resultierende Frequenzverlauf nicht vollkommen eben daherkommt. „Ein Mikrofon, das messbar linear ist, klingt für das menschliche Ohr keineswegs so, denn unser Gehör arbeitet nicht linear. Es erreicht die größte Empfindlichkeit in den mittleren Frequenzen. Demnach war uns auch ein subjektiv-linearer Klang wichtig. Durch eine leichte Anhebung der oberen Mitten ist der Klang für das menschliche Ohr linearer und natürlicher.“ Will heißen: Die Kapsel selbst „arbeitet (aufgrund der subjektiven Wahrnehmung) mit einer leichten Anhebung der oberen Mitten und der Höhen.

Die Höhen werden im Schaltkreis wieder abgesenkt, um so den Ersatzgeräuschpegel noch weiter zu reduzieren“. Soweit der Erbauer selbst. Übrigens wird nach all solchen Erfahrungen auch schon über ein weiteres Mikrofonmodell nachgedacht. Um was genau es sich dabei handelt, wurde uns allerdings noch nicht verraten – wir dürfen gespannt sein.

 

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