Volle Kanne

In unserem Vergleichstest haben wir uns sieben Kopfhörer-Verstärker im oberen Preissegment kommen lassen und auf Herz und Nieren geprüft. Wer das Rennen in Sachen Klang und Ausstattung macht, erfahren Sie auf den nachfolgenden Seiten.

Von Georg Berger

Ganz gleich ob ein-, zwei- oder mehrkanalig, das Marktsegment der Kopfhörer-Verstärker erfreut sich sowohl im Studio, als auch beim HiFi-Konsumenten einer ungebrochenen Beliebtheit. Der Markt hat das längst erkannt und offeriert eine immer größere Zahl an Produkten, die nicht nur im Preis, sondern auch in der Ausstattung teils markante Unterschiede aufweisen, so dass für jeden Geldbeutel und jeden Anspruch das Passende dabei ist. Kein Wunder, denn auch die Kopfhörer sind nach wie vor ein immergrünes Thema, sei es für den Genuß-Hörer im Wohnzimmer oder den hart arbeitenden Tontechniker im Studio, der beim Mixen, Editieren oder einfach nur beim Kontrollhören einen verlässlichen Begleiter braucht. Und wer einmal eine gehörige Stange Geld in einen Kopfhörer investiert hat, möchte beim Hören selbstverständlich keine klanglichen Abstriche machen, weshalb sich konsequenterweise die Anschaffung eines reinrassigen Kopfhörer-Verstärkers anbietet, der mit entsprechendem Know-how auf den Einsatz mit den beliebten „Kannen“ hin konstruiert ist, denn oftmals besitzen integrierte Kopfhörer-Sektionen in Consumer-Geräten, Audio-Interfaces oder Mischpulten nur mehr den Rang eine netten Dreingabe. Dabei kommt gleichzeitig noch ein ganz anderer Aspekt zum Tragen: Die Impedanz. Wer mehrere Kopfhörer mit unterschiedlichen Impedanzen im Einsatz hat, erlebt teils sein blaues Wunder in Sachen Lautstärke, wenn von dem einen zum anderen Modell gewechselt wird. Das mag vielleicht banal klingen, wird aber von den Kopfhörer-Verstärkern entsprechend automatisch erkannt und kompensiert. Es lassen sich natürlich noch weitaus mehr Argumente für die Anschaffung eines reinrassigen Kopfhörer-Verstärkers finden, die aber alle zu diskutieren zu weit führen.
Stattdessen stellt sich einmal mehr die Frage nach dem richtigen Modell und natürlich auch den klanglichen Eigenschaften, denn abseits von Ausstattungs-Fragen buhlen die Hersteller in gleichem Maße mit teils exklusiven Verstärker-Designs um die Gunst des Kunden, wobei ausnahmslos und stets auf einen rauscharmen, transparenten und edlen Klang hingewiesen wird. Das wollen wir dann doch einmal genauer in Erfahrung bringen und haben uns ein, zugegeben subjektives Testfeld aus sieben aktuell am Markt erhältlichen Kopfhörer-Verstärkern im oberen Preissegment zusammengestellt. Sie alle rangieren mit ihrem Preis-Niveau zwischen 1.000 bis 2.000 Euro, allerdings mit einer Ausnahme: Der Burson Soloist SL geht für rund 650 Euro über die Ladentheke, ein Versehen, das wir erst bemerkt haben, als wir sämtliche Mess-Routinen und Fotos bereits angefertigt hatten, denn der große Bruder ohne SL-Zusatz mit leicht erweiterter Ausstattung geht für rund 1.000 Euro über die Ladentheke. Wir haben ihn dennoch mit ins Rennen geschickt, denn die Technik in beiden Modellen ist im Wesentlichen gleich. Gar nicht gleich ist hingegen die Ausstattung und das Geräte-Konzept jedes einzelnen Test-Kandidaten. Hier tun sich teils riesige Unterschiede auf, die zu vergleichen unmöglich sind. So ist der SPL Phonitor 2 der einzige Kopfhörer-Verstärker, der die Wiedergabe von Studio-Monitoren simuliert. Der Fostex HP-A8C ist hingegen eine Kombination aus Kopfhörer-Verstärker und DA-Wandler, während der Violectric HPA V281 erst bei aufpreispflichtiger Nachrüstung mit einer entsprechenden Karte auch in der Lage ist, digitale Signale zu empfangen und wandeln zu können. Zwei Modelle, der Violectric HPA V281 und der Auralic Taurus MKII verfügen über vierpolige Kopfhörer-Ausgänge zum Anschluss symmetrischer Kopfhörer, respektive Magnetostaten. Völlig aus der Art schlägt der Bakoon HPA-01 mit seinem integrierten Lithium-Ionen-Akku, so dass er als einziger Vertreter dieser Gattung auch mobil und autark einsetzbar ist.

Für unseren Vergleich haben wir uns daher auf das kleinste gemeinsame Vielfache konzentriert, nämlich den Klang der Verstärker und die damit verbundenen relevanten Einstellmöglichkeiten. Um aber die Besonderheiten nicht ganz außer Acht zu lassen, haben wir auf den nachfolgenden Seiten jeden einzelnen Verstärker gesondert für sich betrachtet.
Für unseren Vergleichstest dient uns der Testsieger aus dem Kopfhörer-Vergleich in Heft 4/2015, der rund 2.000 Euro kostende Audeze LCD-X als klingendes Frontend sowie unser Studio-Arbeitspferd, der AKG K701. Als Klanglieferant kommt der CD-Player Fostex CR 500 zum Einsatz, der seine Signale via AES/EBU in unseren Referenz-Wandler Mytek 8×192 ADDA schickt, der seinerseits die DA-gewandelten Signale an die Kopfhörer-Verstärker schickt. Als Bezugsgröße für den Klang-Vergleich dient uns dabei der im Mytek-Wandler integrierte Kopfhörer-Verstärker, gegen den sich unsere Testkandidaten durchsetzen müssen.

Der Neve-ige
Auralic Taurus MK II

Technik, Haptik & Co.:
Der chinesische Hersteller Auralic, der primär im HiFi-Sektor ansässig ist, legt mit dem Taurus MK II einen Kopfhörer-Verstärker mit einigen pfiffigen Details vor.
Kein Wunder, denn die beiden Firmen-Gründer besitzen ein reichhaltiges Know-how sowohl im HiFi-, als auch Tontechnik-Sektor. Xuanqian Wang, bei Pioneer als Elektronik- und Toningenieur ausgebildet, hat viele Jahre in den Bereichen digitales Audiodesign und Musikaufnahme gearbeitet. Yuan Wang studierte in den USA Soziologie und Management. Nach seinem Examen kehrte er in sein Heimatland zurück und arbeitete in einer Firma, die Präzisionsinstrumente herstellte. Seine Leidenschaft für Musik ließ ihn sehr aktiv in seiner Freizeit in den Bereichen Musik und Akustik arbeiten. Das merkt man dem Taurus MK II auch an. So besitzt er nicht nur standesgemäß Cinch-Buchsen auf der Rückseite, sondern auch XLR-Eingänge, so dass er sich ohne lästiges Adapter-Gefummel beispielsweise auch an professionelle Monitor-Controller anschließen lässt. Überdies führt er auch Ausgänge, wiederum in Cinch und XLR, so dass sich eingespeiste Signale bei Bedarf auch durchschleifen lassen. Noch besser: Der Taurus MK II kann sogar auch als Vorverstärker fungieren. Dabei sind zwei Modi wählbar: Standard und XLR. Im Standard-Modus wird das Signal an alle Ausgänge inklusive Kopfhörer gegeben, im Balanced-Modus ausschließlich an die XLR-Ausgänge. Ansonsten lässt sich per Drucktaster wählen, über welche Buchse eingangsseitig Signale empfangen werden sollen. Frontseitig steht außer der üblichen Kopfhörer-Stereo-Klinkenbuchse sogar ein Vier-Pol-Anschluss zur Verfügung, um auch symmetrische Kopfhörer oder Magnetostaten einsetzen zu können. Im Inneren haben sich die Entwickler für ein Class A Verstärker-Design entschieden, das sich als Weiterentwicklung unter der Bezeichnung ORFEO am Schaltungs-Design einer Neve 8078-Konsole orientiert, die ihrerseits zu den letzten handverdrahteten Analog-Konsolen des Herstellers zählte. Die in den 1970ern entwickelte Konsole wurde unter vielen anderen bei Aufnahmen von Bands wie Pink Floyd, Dire Straits und Quincy Jones eingesetzt. Das Nirvana-Album „Nevermind“ ist ebenfalls auf dieser Konsole aufgenommen und gemischt worden, die sich mittlerweile im Besitz von Dave Grohl (Nirvana, Foo Fighters) befindet, zu sehen in der TV-Dokumentation „Sound City“ über das gleichnamige Studio.

Messen & Hören:
Ausgestattet mit diesen „neve-igen“ Genen zeigt der Taurus MK II im Messtest auch sogleich, aus welchem Holz er geschnitzt ist. Ein Noisefloor im FFT-Spektrum bei rund -125 Dezibel und zwei Peaks bei k2 und k3 bis hinauf -110 Dezibel sind sensationell. Gleiches gilt für den Klirrfaktor mit gemessenen 0,0005 Prozent, wobei die Verlaufskurve wie mit dem Lineal gezogen auf diesem Wert verharrt. Geräusch- und Fremdspannungsabstand (107,8 und 105,1 Dezibel) sind ebenfalls à la bonheur. Einzige Ausreißer sind die Gleichtaktunterdrückung, die konstant bei -55 Dezibel liegt. Auch das Übersprechverhalten ist mit konstant gemessenen -65 Dezibel auffällig und verursacht dann doch den einen oder anderen Dreckspritzer auf der ansonsten reinweißen (Mess-)Weste.
Im Hörtest überzeugt der Taurus MK II durch eine ohrenfällige Transparenz, die aber nicht nüchtern oder gar kalt daherkommt. Die Höhen sind zwar äußerst fein aufgelöst und kommen sehr präzise, sie klingen aber nicht angestrengt. Stattdessen macht sich eine gewisse leichte Samtigkeit breit. Selbst bei Impulsen und Transienten, die sehr klar rüberkommen, klingt nichts nervig. Bässe bildet der Taurus MK II ebenfalls detailliert ab, wenngleich sie im Gesamtklangbild ein wenig nach hinten treten und nicht ganz so tief hinab reichen. In Sachen Plastizität erhält der Taurus MK II eine sehr gute Note. Klangliche Details, die der Mytek-Kopfhörer-Ausgang förmlich verschluckt, arbeitet der Taurus MK II hörbar heraus und rückt sie ins rechte Bild. Insgesamt überzeugt der Auralic Taurus MK II mit einem transparenten und kräftigen Klangbild, das nichts beschönt, nichts weg lässt und in Sachen Präzision und Plastizität wie ein feinchirurgisches Instrument ans Werk geht. Neve lässt grüßen.

Der Mobilist
Bakoon HPA-01

Technik, Haptik & Co.:
Das 1991 in Japan gegründete Unternehmen Bakoon präsentiert mit dem Modell HPA-01 eine abgespeckte Variante des erfolgreichen Modells HPA-21, verspricht aber gleichzeitig, dass der „kleine“ HPA-01 keinerlei Abstriche in Sachen Sound verzeichnet. Im Innern werkelt die von Bakoon entwickelte SATRI-Technik. Vereinfacht gesagt, geht diese Verstärker-Technik den entgegengesetzten Weg herkömmlicher Schaltungen, indem mit niedrigen Eingangs- und hohen Ausgangs-Impedanzen gearbeitet wird. Sie verstärkt dabei nicht durch Spannung (Volt), sondern durch Strom (Ampere). Eine derart aufgebaute Schaltung hat laut Hersteller keine negative Rückkopplung. Verzerrungen verringern sich um den Faktor 10. Die Laufzeitdifferenz erlaube überdies eine nahezu verzerrungsfreie Verstärkung bis 1Mhz. Außer dem SATRI-Schaltkreis in Form eines ICs kommen ansonsten nur noch zwei Widerstände, einmal am Eingang, das andere Mal am Ausgang zum Einsatz. Weitere aufwändige Schaltungen, um Verzerrungen und Unlinearitäten zu unterdrücken, werden nicht gebraucht. Als weitere Vorteile dieser Schaltung nennt der Hersteller weiterhin eine konstante Signal-to-Noise-Ratio, das heißt, dass sich das Rauschen analog zum Verringern der Lautstärke mit absenkt. Das sind alles schon einmal ziemlich vollmundige Versprechungen und mithin auch die einzigen Werbe-Argumente, die der Hersteller in die Waagschale werfen kann. Denn in Sachen Ausstattung ist der HPA-01 tatsächlich ein ausgesprochener Minimalist innerhalb unseres Testfelds. Außer dem obligatorischen Netzschalter, dem Lautstärkeregler sowie einem weiteren Kippschalter zum Einstellen der Impedanz zwischen High und Low an den beiden Kopfhörer-Ausgängen findet sich ansonsten nichts. Rückseitig wartet das schwarze, flache Kistchen lediglich mit zwei Cinch-Eingängen und einem Anschluss für ein externes Netzgerät auf. Letzteres würde für ein Gerät in dieser Preisklasse – rund 2.000 Euro – einen herben Kritikpunkt darstellen. Tatsächlich wird diese Buchse aber nur selten benutzt, denn der Bakoon HPA-01 wartet dann doch mit einem Feature auf, das ihn vom Rest der Testkandidaten markant abhebt: Er verfügt über einen integrierten Lithium-Ionen-Akku mit einer Laufzeit von bis zu zehn Stunden. So etwas haben wir bislang noch nicht gesehen und prädestiniert das unscheinbare Kistchen für den mobilen Einsatz unterwegs. Handlich genug ist es im Vergleich zu Boliden wie dem SPL Phonitor 2, dem Auralic Taurus MK II oder dem Violectric HPA V281 allemal. Zwar ist er mit rund zweieinhalb Kilo recht schwer. Die Gehäuse-Dimensionen erstrecken sich aber gerade mal auf die Fläche eines DIN-A-5-Blatts, so dass der HPA-01 durchaus Platz in einem Rucksack oder Aktenkoffer findet.

Messen & Hören:
Im Messtest liefert der Bakoon HPA-01 durchweg sehr gute Werte. Das FFT-Spektrum besitzt einen fantastisch niedrigen Noisefloor unterhalb -120 Dezibel. Ausreißer bei 50 Hertz auf -100 und bei k2 auf -84 Dezibel fallen nicht ins Gewicht. Auch die Werte für Geräusch- und Fremdspannung können sich sehen lassen, die wir mit 100,6 und 97,1 Dezibel ermitteln. Ein exzellentes Ergebnis. Gleiches gilt auch für den Klirrfaktor, wenngleich die beiden Kanäle um rund 0,001 Prozent voneinander abweichen und im relevanten Bereich hervorragende Ergebnisse von 0,002 und 0,003 Prozent einfahren.
Im Hörtest überzeugt der HPA-01 mit einem insgesamt weichen Klangbild. Die Bässe kommen eher verhalten aber dennoch straff und durchsichtig und die Höhen kommen seidig, wenngleich sie minimal etwas dominanter klingen als die Mitten und Bässe. Dabei bildet er Signale sehr plastisch, bisweilen voluminös ab, was aber nicht aufdringlich wirkt. Gleiches gilt auch für die Ansprache und Tiefenstaffelung. Der HPA-01 geht beim Abbilden von Transienten ultrapräzise ans Werk ohne auch dabei sich allzu sehr in den Vordergrund zu spielen. Insgesamt haben wir den Eindruck, dass der Bakoon HPA-01 mit einer gewissen Intelligenz ausgestattet ist, denn er versteht es souverän, die wichtigen Bestandteile im Signal traumwandlerisch herauszuarbeiten. Auf eine ganz bestimmte, unbeschreibliche Weise, schafft er es, Signale subtil mit einem Highend-Schleier zu überziehen ohne dabei Abstriche in Sachen Transparenz und Durchsichtigkeit zu machen, was uns im Test sehr gut gefällt.

Der Schlichte
Burson Audio Soloist SL

Technik, Haptik & Co.:
Mit dem Modell Soloist SL stellt sich das 1996 in Australien gegründete Unternehmen Burson Audio unserem Test-Marathon, der ebenso wie Auralic und Bakoon eher im HiFi-Sektor Bekanntheit erlangt hat. Auffällig ist seine Gehäuse-Dimension, die, ebenso wie der Violectric HPA V281, eher zur Gattung Backstein gehört, also deutlich tiefer als breit und hoch ist. Ganz in silbernem, sehr stabilem Aluminium gewandet, wird die Frontplatte vom mächtigen Lautstärkeregler beherrscht. Dahinter werkelt ein in HiFi-Kreisen hochgeschätztes ALPS-Poti. Links vom Regler findet sich einsam ein Kopfhörer-Anschluss und rechts davon zwei Drucktaster. Der eine dient zum Umschalten der beiden Stereo-Eingangskanäle, der andere zum Anpassen der Eingangsempfindlichkeit zwischen High und Low. Rückseitig finden sich zwei Pärchen Cinch-Buchsen, an die sich Signalquellen anschließen lassen. Das war es dann auch schon mit den Ausstattungs-Features, die den Soloist SL insgesamt zum schlichtesten Kopfhörer-Verstärker innerhalb des Testfelds macht. Kein Akku, keine Fernbedienung inklusive Motorfader oder dergleichen mehr auf weiter Flur. Doch Schlichtheit kann für den einen oder anderen durchaus auch etwas Attraktives besitzen. Es ist eben eine Geschmackssache. Ebenso schlicht wie die Ausstattung sind allerdings auch die Informationen zur Technik des Soloist SL. Burson Audio legt einen sehr hohen Wert auf diskrete Schaltungen, die ohne fertige Komponenten von der Stange auskommen wie etwa Operations-Verstärker, Übertrager oder ICs. Überdies treibt der Hersteller einen immensen Aufwand bei der Stromversorgung, die ebenfalls diskret mit einem opulenten Netzwerk aus Filtern aufgebaut ist, um Netzbrummen, Interferenzen und weitere Störgeräusche, die den Klang beeinflussen können, zu minimieren. Dadurch, so der Hersteller, sollen sich die Burson Audio Produkte durch einen markanten plastischen Klang auszeichnen.

Messen & Hören:
Im Messtest kann der Soloist SL zumindest schon einmal sein Versprechen nicht ganz einhalten. Das FFT-Spektrum zeigt sich um den Testton bei ein Kilohertz sehr unruhig. Hervorstechend sind Peaks bei 50, 150 und 250 Hertz, die allerdings bis maximal -88 Dezibel reichen und soweit nicht ins Gewicht fallen. Trotzdem: Die Mitstreiter liefern deutlich ruhigere FFT-Spektren. Nichts zu meckern gibts beim Klirrfaktor, der konstant bei 0,003 Prozent liegt. Auch das Übersprechen ist hervorragend. Die Verlaufskurve beginnt im Bass bei hervorragenden -118 Dezibel, um diagonal zu den Höhen bis hinauf -58 Dezibel zu steigen. Geräusch- und Fremdspannung gehen mit 87,1 und 83,5 Dezibel ebenfalls voll in Ordnung, wenngleich die anderen Testkandidaten wiederum bessere Werte liefern.
Im Hörtest gibt sich der Soloist SL als unauffälliger Zeitgenosse zu erkennen. Das Klangbild zeichnet sich durch Plastizität und Detailreichtum aus. Der Soloist SL schafft es ebenfalls, kleinste Details ans Tageslicht zu befördern. Die Höhen kommen zwar offen, aber es fehlt ihnen ein wenig an Kraft. Da hätten wir uns mehr gewünscht. Gleiches gilt auch für den Bass, der zwar trocken und detailliert, insgesamt aber trotzdem etwas verhalten kommt. Signalspitzen und Transienten werden akkurat wiedergegeben, die Ansprache ist blitzschnell. Doch insgesamt zeichnet sich der Soloist SL durch Unauffälligkeit aus, was aber durchaus Liebhaber finden wird, die Wert auf einen nüchtern arbeitenden Klangknecht legen, der sich nicht in den Vordergrund spielen will.

Der Formschöne
Beyerdynamic A 2

Technik, Haptik & Co.:
Das deutsche Traditions-Unternehmen Beyerdynamic besitzt mit dem Modell A 2 ebenfalls einen Kopfhörer-Verstärker im Portfolio, der sich im Spitzenklassen-Segment behaupten will. Kürzlich erst mit einem renommierten Red Dot Design Award für sein pfiffiges Produkt-Design ausgezeichnet, besticht der A 2 tatsächlich mit einem formschönen Äußeren plus einem Ausstattungs-Detail, das bei den anderen Testkandidaten fehlt: Mit im Lieferumfang findet sich nämlich ein anschraubbarer Bügel, der als Kopfhörer-Halter fungiert und unter den Boden des A 2 geschraubt wird. Zusammen mit dem grauen Glasdeckel des ansonsten in Aluminium gefertigten Gehäuses, in dem das Beyerdynamic-Logo in Form der vier Schallwellen einen Blick ins Innere gewähren, ist der A 2 zumindest in unseren Augen ein Hingucker, der nicht nur im heimischen Wohnzimmer für Eindruck sorgt. Dazu tragen auch die im Inneren verbauten roten LEDs bei, die im Betrieb leuchten und dem A 2 in schummeriger Beleuchtung eine besondere Aura verleiht. In Bezug auf die verbaute Technik hält sich Beyerdynamik leider sehr bedeckt. Im Inneren werkelt eine diskret aufgebaute Class A Technik. Das war es auch schon.
Bleiben wir also stattdessen bei der Ausstattung: Mit im Lieferumfang findet sich eine Fernbedienung, um den Motorfader – einmal mehr handelt es sich dabei um ein Modell des Herstellers ALPS –­ auch aus der Ferne bedienen zu können. Eine Mute-Funktion sowie zwei Taster zum Umschalten der beiden Eingangskanäle komplettieren den Satz an Einstellmöglichkeiten der Fernbedienung. Gleiches kann natürlich auch am Gehäuse erledigt werden, wobei der Bypass-Taster und die beiden Eingangswahl-Tasten an der Front mit einem satten Klicken plus farbiger Hinterleuchtung ihren Status angeben. Versteckt auf der Unterseite finden sich zwei versenkte Schiebeschalter, mit denen sich die Impedanz an den beiden Kopfhörer-Ausgängen in zwei sowie die Verstärkung in drei Stufen feinjustieren lässt. Ganz auf HiFi ausgerichtet gibt sich die Rückseite, die ausnahmslos mit Cinch-Buchsen bestückt ist. Zwei Stereo-Eingänge und ein Stereo-Ausgang finden sich dort, wobei nur der erste Stereo-Eingang direkt an den Ausgang durchgeschleift wird.

Messen & Hören: (59)
Der Messtest liefert insgesamt sehr gute Ergebnisse für den A 2. Das FFT-Spektrum zeigt unterhalb ein Kilohertz einige Signalspitzen bis hinauf -100 Dezibel. Ansonsten liegt der Noisefloor zwischen -110 und -120 Dezibel, was erstklassig ist. Geräusch- und Fremdspannung sind mit ermittelten 91,8 und 88,6 Dezibel per se ein sehr guter Wert. Doch die anderen Kandidaten in unserem Vergleich sind in dieser Disziplin besser aufgestellt. Letztlich ist das aber erneut Meckern auf hohem Niveau. In Sachen Klirrdämpfung verharrt die Verlaufskurve konstant bei rund 0,0025 Prozent, was wiederum exzellent ist. In Sachen Übersprechdämpfung ist auch alles in Butter. Die Verlaufskurve beginnt im Bass bei fantastischen -125 Dezibel um leicht diagonal zu den Höhen schließlich bei immer noch sehr guten -84 Dezibel anzusteigen. Doch einmal mehr zeigt sich, dass Messwerte das Eine, Höreindrücke das Andere sind.
Im Hörtest zeichnet sich der A 2 durch ein gefälliges, schmeichelndes Klangbild aus. Eher zur Gattung der Leisetreter zählend bildet er die Höhen seidig und behutsam ab. Die Bässe kommen präzise und reichen sehr tief hinab, ohne sich in den Vordergrund zu spielen, ganz im Gegenteil. In Sachen Plastizität und Tiefenstaffelung zeigt sich der A 2 bestens aufgestellt und erzeugt ein angenehm hörbares räumliches Klangbild. Auffällig ist, wie blitzschnell und akkurat er trotz seiner dominanten Unauffälligkeit Transienten abbildet. Die Signaltrennung etwa bei einem dichten Percussion-Arrangement ist überdeutlich. So ist der A 2 nicht nur in Sachen Produkt-Design, sondern auch im Klang ein Schöngeist mit hohem ästhetischem Anspruch, der es versteht anliegenden Signalen einen edlen Anstrich zu verpassen.

 

Der Wandlungsfähige
Fostex HP-A8C

Technik, Haptik & Co.:
Fostex rundet seine Palette an Kopfhörer-Verstärkern mit dem Modell HP-A8C nach oben hin ab. Obwohl: Kopfhörer-Verstärker trifft es nicht ganz, denn der japanische Hersteller hat noch einen ausgewachsenen DA-Wandler mit dazu gepackt und schlägt sozusagen zwei Fliegen mit einer Klappe. Ebenso wie bei den kleineren Modellen wirbt Fostex mit einer DA-Wandlung per USB in 32 Bit, die vom AK4399 Wandler-Chip von AKM realisiert wird und mit der sich digitale Signale besonders transparent und präzise wiedergeben lassen sollen. Allerdings wird im Einsatz mit Windows-Rechnern mit herkömmlichen 24 Bit gewandelt. Anschlussseitig präsentiert sich der HP-A8C äußerst polyglott: An digitalen Eingängen finden sich zwei Toslink-, eine coaxiale Cinch-Buchse für S/PDIF-Signale, ein AES-Eingang in Form eines XLR-Anschlusses sowie eine USB-Schnittstelle zum Anschluss an einen Rechner. Ausgangsseitig verfügt er über je eine Toslink- und coaxiale Schnittstelle. Auf analoger Ebene geht’s per Cinch-Buchsen einmal stereo hinein und auch wieder heraus. Erste Besonderheit: Über den SD-Kartenslot lassen sich nicht nur Firmware-Updates aufspielen, sondern auch auf Karte gespeicherte Musik im Wav-, Aiff- und sogar im DSD-Format abspielen. Zweite Besonderheit: Die Abspielfunktionen im SD-Karten-Betrieb werden ausschließlich über die mitgelieferte Fernbedienung realisiert, die überdies auch den Lautstärke-Motorfader, eine Mute-Funktion und die Umschaltung der Eingänge steuert. Die mit einer Glasplatte geschützte Front enthält ein LC-Display zur Anzeige sämtlicher relevanten Funktionen. Per Drehschalter lassen sich bequem die Eingänge auf die beiden Kopfhörer-Buchsen routen. Das Drücken des Output-Knopfes schickt hingegen das Eingangssignal auf die analogen Ausgänge. Ist er deaktiviert, bleiben die Ausgänge stumm. Abseits dessen verfügt der HP-A8C über eine Reihe weiterer DA-Wandler-bezogener Features, die Einfluss auf das zu wandelnde Signal geben. So verfügt er unter anderem über ein wählbares Upsampling bis hinauf 192 Kilohertz sowie ein in zwei Stufen wählbares Digitalfilter zum Kompensieren des Pre-Ringings bei der DA-Wandlung. In Sachen Verstärker-Technik hält sich Fostex, ebenso wie Beyerdynamic, sehr bedeckt. Außer der Info, dass es sich um eine diskret aufgebaute Schaltung handelt, ist ansonsten nicht viel mehr zu erfahren.

Messen & Hören:
In Sachen Messwerte kann der Fostex trotz oder gerade aufgrund seiner Doppelbegabung sehr gut mithalten. Ein Noisefloor im FFT-Spektrum unterhalb -110 Dezibel, begleitet von zwei Ausreißern bei 50 Hertz und k2 auf gerade einmal -100 Dezibel zeigt ein hervorragendes Ergebnis. Ein Klirr-Faktor von 0,001 Prozent im relevanten Bereich steht dem in nichts nach. Geräusch- und Fremdspannung sind mit gemessenen 93,7 und 87,0 Dezibel zwar immer noch sehr gut, wenngleich Auralic und Bakoon hier deutlich mehr auftrumpfen. Dafür besticht der HP-A8C mit einer fantastischen Wandler-Linearität. Nichtlinearitäten treten erst unterhalb -120 Dezibel auf. Das ist schon ein Referenzgeräte-Wert.
Im Hörtest besticht der HP-A8C durch eine sehr feine Auflösung und ein insgesamt druckvolles, voluminöses Klangbild, das anliegenden Signalen einen feinen, vornehmen Anstrich verpasst. Dabei kommen die Bässe eher verhalten und schmeichelnd, die trotz ihrer Zurückhaltung trotzdem für ordentlich Schub sorgen. Kein Wunder, denn sie reichen sehr tief hinab ohne dabei zu verwaschen. Dafür kommen die Höhen und oberen Mitten mit einer ohrenfälligen Transparenz, die sehr detailliert und fein säuberlich alles aufdröselt, was sich dort tummelt und für eine akkurate Signaltrennung und Luftigkeit sorgt. Teils ist uns das schon ein wenig zu detailverliebt, verglichen mit der Abbildung im unteren Frequenzbereich. Teils ist uns das schon ein wenig zuviel des Guten, wenn Instrumente mit hochfrequentem Signalanteil prominent im Vordergrund spielen. Hinsichtlich Räumlichkeit ist der HP-A8C gut aufgestellt, aber es könnte durchaus noch ein Schippchen mehr sein.
Gleiches gilt auch für die Wiedergabe von transientenreichem Material, das zwar akkurat und fein wiedergegeben wird, aber dennoch quasi wie mit Schaum gebremst etwas verhalten daherkommt. Im Großen und Ganzen empfiehlt sich der Fostex HP-A8C als gutmütiger Zeitgenosse mit leichtem Hang zur Detailverliebtheit.

Das Abhör-Chamaeleon
SPL Phonitor 2

Technik, Haptik & Co.:
Mit dem Phonitor 2 tritt ein neuer alter Bekannter in unserem Vergleichstest an, der ebenso wie der erste Phonitor sowie der Phonitor Mini (Tests in den Heften 7/2008 und 8/2014) mit einer ganz besonderen Technik aufwartet, die das Abstrahlverhalten von Studio-Monitoren im Kopfhörer auf rein analogem Weg simuliert. Mit Hilfe der Parameter Crossfeed, Angle und Center lässt sich dabei die Stereo-Bühne nachhaltig beeinflussen, so dass sie aus der Mitte des Kopfs tatsächlich gehörsmäßig nach vorne wandert. Der Phonitor 2 steht dem erwartungsgemäß in nichts nach. Zusammen mit einer Phasenumkehr-, einer Mono- und Solo-Funktion zum Abhören einzelner Stereokanäle ist der Phonitor 2 primär als Studio-Abhörwerkzeug gedacht, um Mixe mit der bestmöglichen Qualität auch per Kopfhörer zu realisieren. Die Zweitausgabe hat außer einem neuen Gehäuse-Design zwei weitere Stereo-Eingänge – einmal in Form von XLR-, das andere Mal als Cinch-Buchsen – erhalten, die sich an der Front wechselseitig aufrufen lassen. Schick: Per Learn-Funktion lässt sich der Phonitor 2 auch mit einer Universal-Fernbedienung steuern, denn hinter dem mächtigen Lautstärkeregler werkelt ein Motorfader. Dank XLR-Ausgängen ist der Phonitor 2 auch in der Lage als Vorverstärker zu fungieren, etwa zum Speisen aktiver Monitore oder weiterer Kopfhörer-Verstärker. Wie gehabt wird die Verstärker-Schaltung einmal mehr mit eigens entwickelten Operations-Verstärkern in 120-Volt-Technik realisiert, wobei die Technik als solches noch einmal verbessert wurde. Dadurch soll ein sehr großer Dynamikbereich abgebildet werden, wobei die OPs aufgrund ihrer Arbeitsweise niemals an ihre Leistungsgrenzen stoßen, was laut SPL am Ende zu einem gelassenen und entspannten Musik-Erlebnis führen soll. In Tests von Highend-Geräten wie etwa dem Mastering-EQ Passeq (Test in Heft 8/2006) oder dem Mastering-Mixer Neos (Test in Heft 11/2011) hat die 120-Volt-Technik in der Vergangenheit übrigens bereits mehrfach ihre klanglichen Vorzüge anschaulich unter Beweis gestellt.

Messen & Hören:
Bevor wir die Aussagen von SPL zum Klang des Phonitor 2 im Hörtest überprüfen, muss dieser noch zum Stresstest ins Messlabor. Doch auch dort sieht er dem Prozedere höchst gelassen entgegen. Der Noisefloor im FFT-Spektrum liegt durchschnittlich unterhalb -120 Dezibel, wobei einzelne Peaks bei k2 und unterhalb ein Kilohertz bis gerade einmal -110 Dezibel reichen. Das ist spitze und wird von uns auch so erwartet. Geräusch- und Fremdspannung sind gleichsam hervorragend mit gemessenen 102,5 und 97,4 Dezibel. Beim Messen des Klirrfaktors ermitteln wir einen konstanten Wert bei 0,0009 Prozent. Die Gleichtaktunterdrückung kann sich ebenfalls sehen lassen: Die Verlaufskurve beginnt im Bass bei exzellenten -92 Dezibel um ab ein Kilohertz auf immer noch sehr gute -67 Dezibel anzusteigen. Auch das Übersprechverhalten ist exzellent. Den schlechtesten Wert zeigt die Verlaufskurve im Höhenbereich bei -82 Dezibel.
Im Hörtest werden wir von der ersten Sekunde an mit einem tatsächlich weichen, runden und gelassen wirkenden Klangbild verwöhnt. SPL hat in seinem wie immer hochinformativem Handbuch nicht zuviel versprochen, was die klanglichen Eigenschaften der 120-Volt-Technik und im Speziellen des Phonitor 2 anlangt. Gerade der Mittenbereich klingt sehr gefällig, ohne jedoch überbetont in den Vordergrund zu rücken. Gleichsam vornehm und subtil werden die Höhen abgebildet, die jedoch kein Detail auslassen. Der Bassbereich steht dem in nichts nach. Mehr noch, ist er in der Lage auch für gehörig Druck und Volumen zu sorgen ohne es an Präzision vermissen zu lassen. Das Highlight ist aber die räumliche Abbildung und Tiefenstaffelung, die noch ohne Einsatz der Monitor-Matrix sehr beeindruckend klingt. Gleiches gilt auch in Sachen Signaltrennung und Ansprache. Gerade in dichten Arrangements treten klangliche Details zu Tage, die wir zuvor nicht in dieser Deutlichkeit gehört haben. Impulsartige Klänge und Transienten werden überaus akkurat abgebildet, jedoch auch wieder mit einer gehörigen Portion Gelassenheit, was auf lange Sicht nicht ermüdet. Das Hören mit dem Phonitor 2 macht einfach nur Spaß und wirkt so, als ob man von einer leichten, warmen Brise umweht wird. Das ist einsame spitze.

Das Kraftpaket
Violectric HPA V281

Technik, Haptik & Co.:
Die Produkte von Violectric, dem HiFi-Label des deutschen Pro-Audio-Herstellers Lake People, haben stets Bestnoten im Test eingefahren. Das aktuelle Spitzenmodell HPA V281 steht also unter einem entsprechenden Erfolgsdruck, wobei die inneren Werte schon einmal nicht von schlechten Eltern sind. Im Wesentlichen ist die Technik des Spitzenklasse-Modells HPA V200 beibehalten worden. Insgesamt vier Verstärker für eine echte symmetrische Signalausgabe werkeln dabei im Inneren, die mit jeweils acht Transistoren aufwändig konstruiert sind. Hinzu kommen ebenso hochwertige Operations-Verstärker und MKP Kondensatoren sowie ALPS RK27 Potis zum Regulieren der Lautstärke und Balance.
Die Ausstattung setzt sich ebenfalls markant ab: XLR- und Cinch-Ein- und Ausgänge, zwei Stereoklinken-Anschlüsse für den Kopfhörer plus Vier-Pol-Anschluss für Magnetostaten sind schon einmal nicht alltäglich, wobei der Auralic Taurus MK II es dem HPA V281 in dieser Hinsicht fast gleich tut. Doch eine schaltbare Mute-Funktion, das Anpassen der Eingangs-Verstärkung per DIP-Schalter, die wahlweise Pre- oder Postfader Ausgabe auf die Ausgänge sowie ein Balance-Regler zum Austarieren der Stereo-Kanäle hat der Taurus MK II nicht zu bieten. Und einmal mehr kann auch der HPA V281 als reinrassiger Vorverstärker, unabhängig vom Kopfhörer-Betrieb eingesetzt werden. Der Clou: Der HPA V281 lässt sich nach eigenen Wünschen aufpreispflichtig erweitern. So kann wahlweise ein Motor-Poti oder eine motorisierte Variante mit Relais-Schaltung, die beide per Universal-Fernbedienung steuerbar sind für rund 250, respektive 500 Euro nachgerüstet werden. Ebenso können auch Digital-Eingänge wahlweise in Form einer Toslink-, Cinch- oder USB-Schnittstelle mit wahlweise 96 oder 192 Kilohertz bei 24 Bit eingebaut werden. Kosten hierfür: Rund 180 bis 240 Euro. Ohne Aufpreis ist hingegen die Farbe der Gerätefüsse (gold, silber, schwarz) und Frontplatte (schwarz, silber) wählbar. So etwas ist nicht selbstverständlich, wobei sich beim teuersten Ausbau der Basis-Preis von 1.900 Euro auf 2.640 Euro erhöht.

Messen & Hören:
Den Messtest absolviert der HPA V281 völlig gelassen und entspannt. Das FFT-Spektrum zeigt einen Noisefloor zwischen -110 bis -120 Dezibel. Ein einzelner Ausreißer bei 150 Hertz ragt bis gerade einmal -100 Dezibel hervor. In Sachen Klirrdämpfung weichen beide Kanäle um 0,001 Prozent voneinander ab und liefern mit 0,002 und 0,003 Prozent immer noch hervorragende Ergebnisse. Einzig die Gleichtaktunterdrückung, die konstant bei rund -60 Dezibel liegt, könnte besser sein. Aber das ist Meckern auf hohem Niveau. In Sachen Wandlerlinearität ist der HPA V281 ebenfalls sehr gut aufgestellt. Bis hinab -110 Dezibel ist der Kurvenverlauf völlig linear. Bei der Geräusch- und Fremdspannung ermitteln wir Werte von 100,7 und 96,2 Dezibel, was exzellent ist.
Im Hörtest kommt der HPA V281 auch gleich zur Sache und gibt sich unumwunden als Vertreter der transparenten Zunft zu erkennen, der schonungslos und ehrlich alles ans Tageslicht befördert. Die Höhen kommen ultrapräzise und hochfein aufgelöst. Der Bass wird hingegen knochentrocken, präzise, jedoch keinesfalls brachial abgebildet, was insgesamt ein vordergründiges Klangbild ergibt. Ebenso ultrapräzise und messerscharf werden auch Transienten wiedergegeben. Auffällig ist, mit welch analytischer Präzision selbst kleinste Details wiedergegeben werden, die uns zuvor in dem Maße nicht aufgefallen sind. Anwender auf der Suche nach Schönklang, werden den HPA V281 mit Sicherheit als nüchtern, kühl und steril empfinden. Doch wer auf der Suche nach einem ehrlichen, analytischen Kopfhörer-Verstärker ist, der nichts weglässt und nichts beschönigt, wird seine wahre Freude haben, denn der HPA V281 geht wie ein (Klang-)Archäologe ans Werk, der mit detektivischem Spürsinn noch die kleinste Klangspur schonungslos aufdeckt.

Fazit

Kopfhörer-Verstärker als ausgewiesene Spezialisten sorgen dafür, dass klangliche Flaschenhälse – per ICs realisierte Kopfhörer-Sektionen in Consumer-Geräten, Audio-Interfaces und dergleichen – beim Abhören deutlich minimiert, respektive erst gar nicht auftreten. Die sieben Kandidaten unseres Vergleichstests haben erfolgreich bewiesen, was sich dank ausgefuchster Technik an Klang so alles noch herausholen lässt. Sie als bloße Lösung zum Kontrollhören oder fürs Monitoring bei der Aufnahme zu verwenden wäre schon ein dekadenter Luxus, andererseits völliger Quatsch. Das können andere Produkte ebenfalls und das zu ungleich günstigeren Preisen. In unserem Testfeld finden sich mit Ausnahme des Burson Soloist SL durchweg Spitzenklasse-Modelle, mit denen das Abhören via Kopfhörer zu einem wahren Genuss wird und Tontechnikern eine verlässliche Kontrolle beim Mixen liefert. Wie eingangs erwähnt sind sämtliche Modelle in ihrer Ausstattung sehr unterschiedlich und jedes von ihnen besitzt markante Features, die es beim Kauf abzuwägen gilt. So ist der Bakoon HPA-01 mit seinem Akku-Betrieb mit Sicherheit ein interessanter Kandidat, der Phonitor 2 von SPL ist mit seinen Features gezielt für den Tontechnik-Profi entwickelt worden, wovon der Heimanwender, vorausgesetzt er setzt sich aktiv mit den Möglichkeiten auseinander, in einzigartiger Weise profitieren kann. Der Fostex HP-A8C als Hybride aus waschechtem DA-Konverter und Kopfhörer-Verstärker dürfte für diejenigen attraktiv sein, die beide Gerätschaften bislang noch nicht besitzen und sich für beide Gattungen interessieren. Der Violectric HPA V281 ist mit seinen Erweiterungs-Optionen und wählbaren Varianten etwas für Leute mit individuellen Wünschen.
Ein ganz anderes Thema ist das Aussehen und Produkt-Design. Den Beyerdynamic A 2 hier als Sieger zu küren fällt zwar nicht schwer, dicht gefolgt vom Fostex HP-A8C mit seiner vornehmen Frontplatte und LC-Display und dem eleganten Auralic Taurus MK II. Doch das ist in erster Linie eine Geschmacksfrage und in mancherlei Hinsicht auch eine Platzfrage, so dass Modelle wie der Burson Soloist SL und der Violectric HPA V281 mit ihren kompakten Backstein-Dimensionen die allererste Wahl sein dürfte. Diese Diskussion lässt sich selbstverständlich unendlich verlängern. Doch stattdessen wollen wir auf die ermittelten Messergebnisse und den Klang eingehen. Messtechnisch spielen alle Testkandidaten auf hohem Niveau. Die von den Herstellern ersonnenen und markanten Konstruktionen zum Verstärken von Signalen bei gleichzeitigem Eliminieren von Störgeräuschen und Rauschen beweisen dabei sowohl, wie kreativ und flexibel dieses Thema schaltungstechnisch erfolgreich realisiert werden kann, als auch was in ihnen steckt. Klarer Sieger im Mess-Test ist der Auralic Taurus MK II, dicht gefolgt vom SPL Phonitor 2, dem Violectric HPA V281 und dem Bakoon HPA-01. Am unteren Ende findet sich hingegen der Burson Soloist SL, wenngleich das Meckern auf hohem Niveau ist. Doch Mess-Ergebnisse sind das eine, der Klang das andere. In dieser Disziplin einen Sieger zu küren ist ungleich schwerer, denn nur allzu leicht kommt man in Regionen des Geschmacks. Und darüber lässt sich bekanntlich nicht streiten. Sämtliche Testkandidaten haben erfolgreich bewiesen, dass sie auf hohem Niveau spielen, eine sehr gute Auflösung besitzen, Signale merkbar plastisch und räumlich abbilden können und in der Lage sind, klangliche Details auf teils beeindruckende Weise hervorzuholen, die über herkömmliche Kopfhörer-Ausgänge, in dem Fall unseres Mytek 8×192 ADDA, verborgen bleiben. Klangliche Unterschiede zwischen den einzelnen Testkandidaten sind, auch wenn es sich in den einzelnen Beurteilungen teils drastisch anhört, eher fein auszumachen, was den Hörvergleich schon zu einem anstrengenden Unterfangen gemacht hat. Dennoch ragen am Ende drei Modelle, wohlgemerkt nur ganz leicht, aus unserem Testfeld heraus. Dies wäre zum Einen der SPL Phonitor 2, der sich mit seinem weichen, gelassenen Klangbild und einem insgesamt schmeichelnden, um nicht zu sagen, warmen Sound eindrucksvoll in Szene gesetzt hat. Den Gegenpart dazu bildet der Violectric HPA V281, der sich als analytischer und schonungslos ehrlicher Kopfhörer-Verstärker mit seiner stahlharten Präzision hervortut. Sozusagen das Beste dieser beiden Welten vereint schließlich der Bakoon HPA-01, der uns mit seiner Ausgewogenheit und vor allem seiner traumwandlerischen Fähigkeit, stets die Signalanteile zu betonen, die es nötig haben, aufgefallen ist.

Erschienen in Ausgabe 7/2015

Preisklasse: Spitzenklasse
Preis: 1798
Bewertung: sehr gut
Preis/Leistung: sehr gut

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