Featured image for “Test: Cranborne Audio Brick Lane 500 – Folge dem dynamischen Steinweg”
Januar 2, 2026

Test: Cranborne Audio Brick Lane 500 – Folge dem dynamischen Steinweg


Die britische Analog-Schmiede Cranborne Audio legt mit dem Brick Lane 500 Modul einen Kompressor mit höchst bemerkenswerten Eigenschaften vor. Die Auswahl aus sechs ­Kompressions-Charakteristiken markiert da nur die Spitze  von weiteren einzigartigen ­Features in diesem Modul, mit denen Cranborne Audio einmal mehr als Innovator ­analoger Audiotechnik glänzen will. Kommt mit uns auf den wunderbar-seltsamen Steinweg ins Land der Dynamikeingri

von Georg Berger (Fotos: Harald Wittig)

Was lange währt, wird endlich gut. Über mehrere Ausgaben hinweg haben wir uns und vor allem euch immer wieder hingehalten und den Test des neuen Cranborne Audio Moduls Brick Lane 500 angekündigt. Jetzt ist es, nach einer über siebenjährigen Entwicklungszeit, endlich da und eines müssen wir schon vorweg sagen: Das Warten hat sich in jedem Falle gelohnt. Einmal mehr im API-500-Industriestandard aufgebaut, ist das Brick Lane Modul ein komplett diskret konstruierter Kompressor, der nun zusammen mit dem Vorverstärker-Modul Camden und dem einzigartigen Equalizer Carnaby sozusagen den Kreis schließt, indem jetzt ein kompletter Kanalzug mit den üblichen Studio-Effekten à la Cranborne Audio im API-Rahmen realisierbar ist. Der Hersteller nennt das 876 Euro kostende Brick Lane Modul selbstbewusst einen „Modal-Kompressor“ und betont damit das Haupt-Feature dieses Prozessors. Denn via Schalter lassen sich sechs Kompressions-Modi mit jeweils individuellen Verhaltensweisen aufrufen. Um dies realisieren zu können, bedient sich Cranborne Audio der Pulsbreiten-Modulation zur Beeinflussung der Dynamik. Mehr dazu steht im Kasten auf Seite xx. Abseits dessen frönen die Briten auch wieder ihrer Leidenschaft, der Erzeugung von Sättigung und Verzerrungen, die im Modul über den Stress-Regler dem anliegenden Signal hinzugemischt werden können. Drittes und mithin einzigartiges Highlight ist ein analog realisierter Look-Ahead, mit dem sich das Brick Lane Modul – die Bezeichnung nach der gleichnamigen Straße in London kommt da nicht von ungefähr – sogar als Brickwall Limiter eigne. Näheres dazu steht ebenfalls im Kasten auf Seite xx. Doch der Reihe nach. Schauen wir uns zunächst einmal die Ausstattung und verfügbaren Features etwas genauer an.

Sechs Kompressoren in einem Modul

Das Brick Lane 500 Modul kommt mit lediglich einer Slotbreite daher. Auf einer Hauptplatine ist noch eine zweite kleinere montiert. Mehr ist für die Magie dieses Moduls – für jeden Modus wird der Signalfluss übrigens intern quasi neu verdrahtet – nicht nötig. Sämtliche Drehregler besitzen eine feine 41-stufige Rastung, die bei Bedarf ein präzises Rekonstruieren von Einstellungen möglich machen. Neben separaten Reglern für die Ein- und Ausgangslautstärke sowie Attack und Release, findet sich lediglich noch ein Threshold-Regler zum Einstellen des Einsatzpunktes und der bereits oben erwähnte Stress-Regler, zum Hinzumischen von Sättigungseffekten. Attack. Release und Stress kommen ohne Skala daher aufgrund der wählbaren Kompressionsmodi, die jede für sich eigene Sets an Werten bereitstellen. Ansonsten finden sich zwei LED-Meter-Ketten zur Anzeige des anliegenden Pegels und der Dynamikreduktion sowie noch drei Kippschalter. Der erste schaltet das Modul auf Bypass, der zweite aktiviert die optische Link-Funktion, mit der sich ein zweites, direkt im Rahmen benachbartes Brick Lane-Modul im Stereo-Betrieb bequem über das erste mit regulieren lässt. Das kennen wir schon von den Camden- und Carnaby-Modulen und stattet auch den Brick Lane Kompressor mit einem nicht alltäglichen Feature aus. Der dritte Kippschalter entpuppt sich als Schaltwippe und übt gleich mehrere Funktionen aus: Das Drücken nach links aktiviert ein Passfilter im Sidechain mit den Center-Frequenzen 60, 100 und 200 Hertz, um unerwünschte Pumpeffekte durch allzu prominente Bassanteile zu vermeiden. Das Drücken nach rechts ruft der Reihe nach die sechs, respektive sieben Kompressions-Modi auf, deren Auswahl, ebenso wie die Sidechain-Filterfrequenzen über eine kleine leuchtende LED angezeigt wird. Ein längeres Halten der Wippe nach links ruft die LED-Funktion auf, mit der sich durch weitere Schaltbetätigungen die Helligkeit der LED-Ketten regulieren lässt. Dasselbe Prozedere nach rechts aktiviert den Ratio-Parameter, wobei die LED-Kette zur Dynamikreduktion mit einer blauen LED Auskunft über das Verhältnis gibt. Zwölf Festwerte zwischen 1:1 bis Unendlich zu eins sind wählbar. 

Das Brick Lane 500 Modul erlaubt über den ­Mode-Switch die Auswahl von sechs ­Kompressor-Charakteristiken. Der Stress-Regler fügt nach Gusto die typischen Verzerrungen und ­Kompressions-Artefakte dem anliegenden Signal hinzu.

Ansonsten finden sich auf der Platine noch sechs DIP-Schalter, die Einfluss auf die Synchronisation mit einem zweiten Modul und auf das Bypass-Verhalten von In- und Output nehmen. Dort kann auch der sogenannte Enigma-Modus aktiviert werden, der wiederum über die Schaltwippe auf der Front Zugang zu vielen weiteren speziellen Kompressions-Parametern bietet, wie etwa das Stereo-Linking im Sidechain, die Beeinflussung des Kompressionsknies oder weitere Editiermöglichkeiten für den Stress-Schaltkreis. Darauf jetzt näher einzugehen, würde den Rahmen dieses Tests bei weitem sprengen. Festzuhalten bleibt aber, dass es sich um ein Feature mit einer Eingriffstiefe handelt, die ihresgleichen sucht. Uns ist zumindest kein weiterer Kompressor, hard- wie softwareseitig, bekannt, der so etwas bietet. Nächste Besonderheit: Auf der Rückseite der Platine findet sich noch eine 3,5-Millimeter-Klinkenbuchse, an die sich ein entsprechendes symmetrisches Kabel zwecks Stereo-Synchronisations-Betrieb mit einem zweiten Modul anschließen lässt. Wer also einen Rahmen mit horizontalen Slots hat, bei der die Optik-Kopplung nicht geht, erhält hier eine willkommene Alternative. Cranborne Audio hat also an alles gedacht.

Der Brick Lane 500 Kompressor ist zu 100 Prozent analog aufgebaut. Selbst die Look-Ahead-Funktion ist mit diskreten Bauteilen realisiert. Die DIP-Schalter unten links erlauben Eingriffe in das grundlegende Verhalten des Moduls. So lässt sich das Sync-Verhalten des Moduls und Bypass-Verhalten von Ein- und Ausgang modifizieren und der Enigma-Modus aufrufen.

Du willst Stress? Kannst Du haben!

Gleiches gilt auch für die wählbaren Kompressions-Modi, die zwar zu hundert Prozent Cranborne Audio sind, aber auf den Pfaden beliebter Kompressor-Legenden wandeln. Schauen wir uns die Modi einmal kurz an:

Velvet: Dieser Modus ahmt die Charakteristik von Vari-Mu-Röhren-Kompressoren nach, die mit einer sanften, harmonischen Dynamikbearbeitung aufwarten soll. Fairchild, Manley & Co. lassen grüßen.

Float: folgt den Pfaden von Opto-Kompressoren à la LA-2A und will mit einer weichen und transparenten Verhaltensweise mit subtilem Höhenglanz aufwarten.

Smash: Hier geht’s aggressiv und ruppig ans Werk, ähnlich wie im FET-Klassiker Urei 1176. Der Modus will mit Feed-forward-Arbeitsweise explosiven Punch, aggressive Dynamikreduktion und prominente Transientenformung realisieren.

Tame: In diesem Modus geht’s hochpräzise ans Werk, soweit die Transientenbearbeitung Thema ist, bei gleichzeitig ultrarascher Ansprache und dennoch transparenter, sanfter Kompression, die Wärme und Tiefe versprechen soll.

Glue: Dieser Modus soll sich vornehmlich für den Mix-Bus eignen, um Mischungen auf sanfte Weise Kompaktheit und Konsistenz zu verleihen, ähnlich wie dies der legendäre Bus Compressor von SSL realisiert.

Polish: Der Modus sorgt für ein reinrassiges Limiting anliegender Signale mit einer Ratio von Unendlich zu Eins. Zwei Unter-Modi – white und blue – gibt es. Während im White-Modus das beinharte Brickwall-Limiting mit der analogen Look-Ahead Technik vorherrscht, ist der Blue-Modus ein wenig gnädiger und liefert eine etwas weichere Begrenzung bei hohen Dynamikreduktionseinstellungen, die zudem das Signal nicht so stark verbiegt wie im White-Modus. Dieser Modus soll sich abseits vom Mastering auch für das Tracking eignen, wenn es um das Vermeiden von Wandler-Clipping bei allzu hohen Eingangs-pegeln geht.

Ein klanglich-dynamisches Schlaraffenland                                      

Der Hör- und Praxistest gerät vom Fleck weg zu einer vielfältigen und quirligen Session mit dermaßen vielen Eindrücken, die alle hier zu beschreiben, den Rahmen des Artikels einmal mehr sprengen würden.

Der Brick Lane bedient sich der Technik der Pulsweiten-Modulation: Das Ändern des Verhältnisses von An- und Aus-Schaltzuständen nimmt Einfluss auf den Lautstärkepegel des Ausgangssignals.

Wir nähern uns den einzelnen Modi zunächst ohne Einsatz der Stress-Funktion und machen Einstellungen von subtil bis brachial, um einen Eindruck von der Verhaltensweise zu bekommen. Danach blenden wir den Stress ein und hören auf die sich entfaltenden und heiß geliebten Verzerrungen. Bemerkenswert: Der per Schaltwippe einstellbare Ratio-Wert muss für jeden Modus separat eingestellt werden. Im Test gerät das mitunter lästig, alldieweil das Prozedere – zuerst die Wippe zwei Sekunden lang halten, danach durch die verfügbaren Werte steppen bis der gewünschte Wert erreicht ist – schon etwas umständlich ist. Für ein API-Modul ist das aufgrund der Platzthematik zwar nachvollziehbar. Dennoch hätten wir uns der Bequemlichkeit halber zumindest gewünscht, dass der Ratio-Wert, ebenso wie bei den Drehreglern, für alle Modi auf einen Schlag änderbar ist. Für eine mögliche 19-Zoll-Version würden wir in jedem Fall einen eigenen Drehschalter für das Ratio begrüßen. Nächste Besonderheit: Attack und Release arbeiten umgekehrt, will heißen, dass die kleinsten Werte bei Rechtsanschlag und die größten bei Linksanschlag anliegen. Das ist ebenfalls gewöhnungsbedürftig und dürfte viele anfangs verwirren. Ein Grund für diese Entscheidung ist nicht nachvollziehbar. Der Hersteller sollte sich aus Gründen der allgemein herrschenden Konventionen überlegen, dies alsbald zu ändern.

Abseits der optischen Verkopplung zweier Brick Lane Module zu einer Stereoeinheit, kann dies auch über ein Kabel realisiert werden, das an diese ­3,5-Millimeter-Klinkenbuchse angeschlossen wird.

Wahrlich nichts zu meckern gibt es in Sachen Dynamikbearbeitung und Sound. Ohne Einsatz der Stress-Funktion sind wir schlichtweg von den Socken wie transparent und ohne jegliche klangliche Artefakte der Brick Lane gerade bei sehr starken Dynamikeingriffen ans Werk geht. Dennoch sind die Charakteristika der sechs Modi deutlich hörbar. Noch stärker wird dies, wenn der Stress-Regler aufgedreht wird. Velvet und Float sind sehr weiche, subtile und organisch arbeitende Modi, die sich bestens für Gesang oder akustische Instrumente sowie für behutsame Dynamikeingriffe empfehlen. Dank Stress wird’s im Velvet-Modus ein wenig griffiger im Bass und in den Mitten. Stress und Float sorgen für eine leichte Abrundung in den Höhen. Der Smash-Modus ist der perfekte Begleiter für Schlagzeug und Bass. Er kitzelt den Punch von Bass-Drums prominent heraus, kann das Sizzle von Becken ordentlich zur Geltung bringen, Slap-Bässe aggressiv nach vorne bringen und ist in Sachen Transientenbearbeitung und -formung die erste Wahl. Tame vereint quasi das Beste aus Velvet, Float und Smash auf sich. Dieser Modus klingt samtig, weich, er kann Bässe und Transienten eindrucksvoll zur Geltung bringen. Insgesamt erinnert uns das an den Sound sündhaft teurer Boutique-Kompressoren. Glue ist hingegen einfach nur schön, ganz gleich ob im Mix-Bus oder auf Einzelsignalen, ob mit oder ohne Einsatz von Stress. Dieser Modus schafft es immer wieder,  ein abgerundetes Klangbild zu erzeugen, wobei die Höhen kompakt aber dennoch glänzend herausgearbeitet werden. Im Test avancieren Tame und Glue auch sogleich zu unseren Lieblings-Modi. Last, but not least sind wir von den Qualitäten des Polish-Modus höchst beeindruckt. Er riegelt, wie zu erwarten Signalspitzen ordentlich ab. Das analoge Look-Ahead geht tatsächlich wirkungsvoll ans Werk, was schon fast als magisch zu bezeichnen ist. Aber das sind alles nur ein paar wenige Eindrücke von einem Gerät, das sich am Ende des Tests als farbenprächtiges Dynamik-Chamaeleon entpuppt.

Der Brick Lane ist nicht nur eine Klangmacht, sondern setzt auch – für ein API 500 Modul – optische Akzente. Allerdings ist der witzige Platinenaufdruck bei eingebautem Modul nicht mehr zu sehen.

Denen zeigte der Audeze aber bei Solostimmen, Chören und großem Orchester wie Verdis „Nabucco“ die Grenzen auf. So glasklar artikuliert und durchsichtig, dabei ohne den geringsten Anflug von Schärfe oder Zischen legte er die Messlatte in bisher unerreichte Höhen. Nicht nur der Preis ist weit oben, auch der gebotene Klang ist in luftigen Höhen angesiedelt.

Fazit

Angesichts inflationären Gebrauchs von Superlativen an vielen Ecken ist es schwer, die Innovationskraft und die Eigenschaften des Brick Lane 500 Moduls akkurat herausstreichen zu können. Dennoch können wir nicht anders, indem wir dem Hersteller beipflichten, dass sie mit diesem Kompressor-Chamaeleon nicht zuletzt durch die analoge Look-Ahead-Funktion eine technische Revolution im Analog-Bereich vom Zaun gebrochen haben. Hinzu kommt der geniale Kniff, sechs individuell arbeitende Kompressions-Modi zu integrieren, die sich individuell per Regler mit klanglichen Artefakten anreichern lassen sowie die Möglichkeit, per Enigma-Modus, in die Tiefen der Kompressor-Architektur abtauchen zu können. Das gibt’s weder im Hardware-Bereich und ist nur schwer im digitalen Bereich zu finden und mithin nur eines: Absolute Spitze.

HerstellerCranborne Audio
Vertriebhttps://megaaudio.de
TypKompressor
Gewicht400 g
AbmessungenAPI 500, 1 Slot
Preis [UVP]876 Euro
Input±20 dB (in 1 dB-Schritten)
Output±20 dB (in 1 dB-Schritten)
Threshold-12 – +28 dBu
Ratio1; 1,5; 2; 3; 4; 5; 6; 87; 10; 12; 15; Unendlich
AttackSlow – Fast (Zeiten modusabhängig)
ReleaseSlow – Fast (Zeiten modusabhängig)
StressOff – Max
SidechainfilterOff, 60, 100, 200 Hz
ModusVelvet, Float, Smash, Tame, Glue, Polish (White, Blue)
Anzeigen2x 12-Segment-LED-Meterkette (Level, Gain Reduction/Ratio), 10 Status-LEDs
sonstige FunktionenOpto-Sync, Bypass, 6 DIP-Schalter für Systemeinstellungen, 1x 3,5 mm Klinke zum Verlinken mit zweitem Brick Lane Modul
Bedienelemente6 Drehregler (41 Raststufen), 2 Kippschalter, 1 Schaltwippe, 6-DIP-Schalter
LieferumfangQuickstart-Guide, ­Garantiekarte, Sticker
BesonderheitenPulsweiten-Modulations-Technik realisiert verschiedene Kompressions-Modi, Stress-Funktion sorgt individuell in jedem Modus für harmonische Sättigung, zwei Module können ­wahlweise über eine Optik-Funktion oder ein Kabel zu einem Stereomodul verknüpft werden, erster ­Kompressor mit analogem Look-Ahead, Enigma-Modus erlaubt tief greifende Eingriffe in die Arbeitsweise des Moduls.
KategorieSpitzenklasse
Ausstattungsehr gut – überragend
Bedienunggut – sehr gut
Verarbeitungsehr gut
Klangsehr gut – überragend
Gesamtnotesehr gut – überragend